Geht wählen!

von PP-Redaktion

 

Bei keiner anderen Wahl war bisher die Wahlbeteiligung so niedrig, wie bei der zum Europäischen Parlament. Dies zeigt zwar, dass vielen Bürgern die EU nicht ganz so wichtig ist, wie sie sich selbst nimmt; es zeigt aber auch, dass viele Bürger unterschätzen, wieviel Macht Parlament und Kommission über die einzelnen Staaten haben und so in das Leben jedes Einzelnen eingreifen, es ohne Not an allen Stellen reglementieren, gar ideologisch indoktrinieren. Ein Gastbeitrag von Michael van Laack

Umso wichtiger ist es, dass wir, die Anhänger so genannter europafeindlicher – richtig ist selbstverständlich „EU-kritischer“, aber der politische Gegner bedient sich nun mal zunehmend gern der Phrasen, mit denen Diktatoren ihr Volk stets grundversorgen – unsere Stimme abgeben für die Freiheit!

In den Stunden der Grenzöffnung am 09.11.1989 sprach ein junger Mann in die Kameras der am Grenzübergang lauernden TV-Stationen den mir stets in Erinnerung bleibenden Satz: „Wer jetzt noch schläft, ist tot!“

Diese Erkenntnis gilt auch heute wieder; ja, noch mehr als zum damaligen Zeitpunkt! Denn war es damals die Freude über den Untergang des DDR-Regimes, so sprechen wir es heute als Aufruf, als flehentliche Bitte in die Bürger unseres Landes hinein. Wacht auf! Löst Euch aus der Erstarrung! Es geht um die Rettung der Demokratie, um die Bewahrung vor einem EU-Superstaat, der in einer moral- und wertefreien Diktatur enden wird.

Wir lieben Europa, nicht die EU

Wer sagt: „Ich gehe nicht zur Wahl, denn meine Partei will ja eh das EU-Parlament auflösen, gar die EU verlassen. Wozu soll ich da mitwählen?“, denkt viel zu kurz. Denn auch, wenn die Alternative für Deutschland den Standpunkt vertritt, als „Ultima ratio“ – also als letzter Ausweg – wenn die notwendigen Reformen der EU-Strukturen gegen die linksliberale Mehrheit nicht durchsetzbar sein sollte – wäre ein EU-Austritt Deutschlands die logische Konsequenz, um die nationale Integrität zu bewahren – bedeutet dies nicht: „Wir haben schon aufgegeben!“

Nein, das Ziel der AfD und aller freiheitlich und nationalstaatlich gesinnter Parteien in Europa ist, ein anderes Europa zu formen! Kein „neues Europa“, eines der Ziele der Nationalsozialisten, von dem heute viele Parteien der so genannten Mitte fabulieren. Auch keinen neuen Menschen als klimaneutrales „Du bist nichts, die EU ist alles!“-Wesen, wie ihn in diesen Tagen die europäischen Linken und Grünen erschaffen wollen.

Ein Europa der Vaterländer

Nur wenn wir unsere Vertreter in großer Zahl platzieren können, kann eine Fraktion gebildet werden im EU-Parlament, die Sperr-Minorität hat, die verheerende Gesetze wie z.B. in europäisches Netzwerkdurchsetzungsgesetz, die Gender-Gesetzgebung oder auch den Migrationspakt vor die Wand fahren lässt.

Eine starke Opposition, an deren Stimme die anderen Parteien nicht mehr vorbeikommen, die aber auch von den Medien nicht mehr überhört und – wie bis jetzt geschehen – einfach nur skandalisiert werden kann.

“Opposition ist Mist!“ – Nein, ein starkes Korrektiv

Wir brauchen eine Opposition im Parlament, die den Schutz der Außengrenzen redundant einfordert, damit sich nicht bei der nächsten massiven Krise (ganz egal ob in zentralafrikanischen Staaten, im Iran, in der Ukraine oder gar Nordkorea) wieder Millionen Menschen erfolgreich auf den Weg zum Brandenburger Tor machen können.

  • Eine Opposition, die sichere interkontinentale Grenzen erzwingt, die Schengen obsolet machen.
  • Eine Opposition, die sich für den Lebensschutz von Anfang an einsetzt.
  • Eine Opposition, die Familie als die wichtigste Zelle des Gemeinwesens betrachtet und nicht den Regenbogen.
  • Eine Opposition, die sich gegen den Verkauf zentraler europäischer Unternehmen an arabische oder andere extrakontinentale Geldgeber stellt.
  • Eine Opposition, die ein freies Internet gestärkt wissen will, ohne Gängelung durch Upload-Filter, ohne Zensur in den sozialen Netzwerken.
  • Eine Opposition, die – wenn auch nicht mehrheitlich von „tiefgläubigen“ Christen besetzt – dennoch die christlichen Grundwerte gegen den atheistischen Sozialismus und den theokratischen Islam verteidigen will.

SCHLICHT UND EINFACH:Eine Opposition, die ihren Namen mit dem Leben dieser Wortbedeutung erfüllt, die freie Bürger in einem freien Europa aufwachsen und leben sehen will, nicht in einem von einer Kommission und den Regierungschef gelenkten EU-Superstaat, in dem das Parlament nur als demokratische Maske für die dumm zu haltenden Bürger gilt!

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Wer steckt hinter dem Ibiza-Video?

Ein halbseidener „Sicherheits-Experte“ packt aus.
Information oder Desinformation?

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Negative Campaigning 

Schmutzkübelkampagne

Ist das, was gegenwärtig mit „Ibizagate“ umschrieben wird und in Österreich zu erleben ist, nur eine einfache Schmutzkübelkampagne, fragt man sich, oder steckt mehr dahinter?
Die österreichische Bezeichnung „Schmutzkübelkampagne“ braucht man nicht extra zu erläutern. Auch „Piefkes“ wissen, was damit gemeint ist.
Man hat immer angenommen, diese Art des politischen Wahlkampfs – im Fachjargon  „Negative Campaigning“ genannt – sei eine ausschließlich in den USA gepflegte Form des politischen Überzeugungskampfes. Das habe in Deutschland aufgrund seiner politischen Konstellationen keine so bedeutende Tradition, komme beim deutschen Wähler auch schlichtweg nicht so gut an, sind Polit-Forscher überzeugt.
Nur die AFD habe den „schmutzigen“ Wahlkampf importiert, wie treuschaffende Journalisten der FAZ schon mal geglaubt, entdeckt zu haben.

Negative Campaigning

Was heißt „Negative Campaigning“.
Wikipedia gibt uns wie gewohnt Auskunft:

Es ist eine Form von Werbung oder insbesondere politischer Öffentlichkeitsarbeit, bei der versucht wird, den politischen Gegner bzw. Konkurrent in ein schlechteres Licht zu rücken, um damit vermeintlich das eigene Ansehen zu erhöhen. Dabei werden insbesondere private, aber auch öffentliche oder geschäftliche Verfehlungen instrumentalisiert, um die betreffende Person, Partei, oder Organisation gezielt zu skandalisieren. Charakterisierend für negative Campaigning ist vor allem, dass es sich sachlichen Argumenten zu entziehen versucht und stattdessen die persönliche Auseinandersetzung in den Vordergrund stellt.

„Negative Campaigning“ spielt sich nicht nur auf der großen politischen Ebene ab, es gibt öffentlich betriebenes „Mobbing“, wie es gerne von Grünen und bestimmten NGO´s gegen ausgewählte Berufsgruppen oder auch Verbraucher geführt wird, so z.B. gegen die Bauern resp. die klassische Landwirtschaft. Auch gegen Auto-Fahrer, Fleischfresser, gläubige Katholiken, weiße alte Männer usw.
Aber das wäre eine gesonderte Abhandlung wert.

Die Steigerungsform von „negative“ ist „dirty“, was die österreichische Übersetzung des Begriffs bestens wiedergibt.

Sebastian Kurz und die Silberstein-Affäre

Vor der Nationalratswahl 2017 erschütterte die sogenannte Silberstein-Affäre die Alpenrepublik. Damals relativ unbeachtet in der BRD – trotz einer bisher nicht dagewesenen Brisanz – da man zu selben Zeit mit eigenen (Wahl-) Auseinandersetzungen und Kampagnen beschäftigt war.
Der Versuch seinerzeit, den ÖVP-Kandidaten Sebastian Kurz mittels einer von der SPÖ strategisch angesetzten Diffamierungskampagne, mit Hilfe durch einen ausgebufften, international berüchtigten Politikberaters namens Tal Silberstein, auf allen medialen Ebenen zu desavouieren, führte letztlich zu dem Erdrutschsieg der Bürgerlichen von FPÖ und ÖVP in Österreich. Eine (selbst herbeigeführte) Katastrophe für das linke Österreich.

Hat jetzt das System zurückgeschlagen, mit der Veröffentlichung des Strache-Videos mit der angeblichen Oligarchen-Nichte von Ibiza?

Sebastian Kurz und „Ibizagate“

Nach den Entwicklungen in den letzten Tagen gerät Kanzler Sebastian Kurz nun selbst in den Verdacht, von diesem medial angezettelten Staatsstreich in Österreich möglicherweise zu profitieren, da bei der jetzt angestrebten Neuwahl Stimmen von der gebeutelten FPÖ abgezogen werden könnten. Und die SPÖ hofft wohl auf eine wiederholte Regierungsbeteiligung und Rückkehr an die Fleischtöpfe im politischen System.
Eine im wahrsten Sinne verrückte Situation.

Nach bestimmten stigmatisierenden Ereignissen in Bezug auf Personen ist es für uns Besserwisser immer leicht, zu sagen „dem habe ich noch nie getraut“, „der ist wetterwendisch und hinterlistig, wie jeder Politiker“ usw.
Aber warum kam, nicht nur mir, bei der Physiognomie und den Reden dieses ÖVP-Buberl immer irgendwie der Gedanke von Falschheit in den Sinn?

Bildergebnis für Sebastian Kurz

Wolfgang Sofsky schreibt zum Thema Hinterlist in seinem „Buch der Laster“*:

Er ist nicht, was er ist. Er lächelt und lügt, während er lächelt. Mit Inbrunst preist er, was ihn kränkt. Kunstreiche Tränen fließen über seine Wangen, wenn Trauer und Mitgefühl angezeigt sind. Jeder Lage vermag er sein Gesicht anzupassen. Sein Gewissen hat viele tausend Zungen, und jede Zunge legt ein anderes Zeugnis ab. Wahres Gewissen ist ihm nur ein Wort, das Feiglinge brauchen. Niemand bemerkt, was für ein schillernder Charakter er ist. Er weiß alle Gedanken rechtzeitig zu verdrängen, die ihn verraten könnten. Noch im Betrug vergißt er den Betrug. Kaum betritt jemand die Szene, verwandelt er sich in pure Redlichkeit. Virtuos beherrscht er die Kunst der Verstellung. So stiftet er in anderen Menschen Chaos. Er streut gefährliche Gedanken, deren Gift man anfangs kaum wahrnimmt. Seinen Zeitgenossen vermittelt er die Überzeugung, daß etwas, was sie nie gedacht haben, etwas sei, was sie nie hatten denken wollen. 

Es ist gewiss, Sebastian Kurz wird jetzt den Preis für sein Handeln oder Nicht-Handeln in der Affäre bezahlen müssen. Ob es das Bürscherl gewollt hat oder nicht.

Die Rolle der Medien

Die Presse, die Medien lieben negative Nachrichten und Schmutzkübelkampagnen: „Bad News Are Good News“. Und die „Medienschaffenden“ sind, wie die Anti-FPÖ-Kampagne belegt, aktiv Handelnde bei solchen. Skandale erzeugen „Öffentlichkeit“ und Bürger springen darauf an, davon sind die Medienleute überzeugt und spielen dabei die wesentliche Rolle. Harte Konfrontationen, begründete oder nicht begründete Unterstellungen, Lügen, Drohungen oder unlogische Zukunftsszenarien erhöhen angeblich das Interesse für die Politik und werden von der Presse gierig aufgenommen oder erzeugt.

Einen treffenden Kommentar über das, was sich gerade in Österreich abspielt, hat der ehemalige BZÖ-Politiker und Unternehmer Gerald Grosz auf seinem Youtube-Kanal abgeliefert:

Heute reiben sich alle die Hände, die Freude ist groß. In den Redaktionen summen die Komplizen des Untergangs: „So ein Tag, so schön wie heute.“ Die Messer sind gewetzt, das Trenspatterl vulgo Schlabberlatz hergerichtet, das Festmahl angerichtet, delektieren sie sich wie die Maden am Speck am Ende einer Regierung. Sie kriechen wieder aus ihren Löchern, sie wittern wieder Morgenluft. Der Bundespräsident konnte seine Euphorie am Einstieg der Liveberichterstattung kaum verbergen, das nikotingeschwärzte Lächeln überstrahlte die Wiener Hofburg wie noch nie. Die Sozialisten stehen schon wieder am Sprung zum Futtertrog, selbst die kompostierten GrünInnen und sonstige Linke erfreuen sich ihrer neuen Stärke. In Europas Tintenburgen wird unverblümt Polka getanzt. Frau Merkel weint Freundenträngen, Herr Juncker soll die letzten 48 Stunden überhaupt durchgejunckert haben, Herr Maas, Frau Nahles, Annegret Kramp-Karrenbauer. Alle stimmen in den Chor ein: Ding Dong, die Hex ist tot. Die österreichische Bundesregierung ist endlich erlegt. Blattschuss. Sie meinen, ich übertreibe: Nein, ich lese nur das heute Elaborat jener Analphabeten, die seit 2 Jahren tagtäglich darauf hingearbeitet haben und denen nun die Spitzen des Landes auf den Leim gehen. Der Chefredakteur eines nach Links gerutschten südösterreichischen Provinzblattes nomen es omen „Kleine Zeitung“, sinnigerweise im Eigentum der katholischen Kirche, schreibt heute in seinem literarisch minderbemittelten, dem Titel seiner Zeitung aber entsprechend kleingeistigen Erguss: „Ein Akt der Befreiung.“ Das Ergebnis der demokratischen Wahlen aus 2017 ist endlich geputscht, das Votum der Österreicherinnen und Österreicher als lästiger Betriebsunfall abgetan. Gut, die Herausgeber und Chefredakteure freut es. Zig Millionen Steuergeld warten ante portas für Inserate und Politwerbung. Das Jubeln vom Küniglberg, der Zentrale der staatlichen Rundfunkorgel, ist landesweit unüberhörbar. Die ORF-Reform ist mit der Aufkündigung der Koalition durch Bundeskanzler Kurz beerdigt, die Politoffiziere des alten großkoalitionären Stillstands können endlich aufatmen. Was sonst noch beerdigt ist? Die Steuerreform ist Geschichte, die Pflegereform mausetot. Der Anstieg der Mindestpensionen noch nicht einmal im Parlament erledigt und nach der machiavellistischen Sprengleistung der Parteistrategen kaum noch denkbar. Das Bundesheer wird wieder ausgehungert, die Planstellen in der Polizei stückweise abgebaut. Die Asylgesetze werden wieder aufgeweicht, denn die Sozialisten oder die GrünInnen werden im geplanten Kuhhandel schon darauf bestehen. Alle jubeln, die Wolfs, die Böhmermänner, die Merkels, die Van der Bellens, die Joy Pamelas. Nur die Österreicher nicht. Die erkennen die Absicht und wenden sich mit Grauen ab. Denn im Gegensatz zu den Systemgünstlingen und Strategen haben diese ein feines Gespür für Recht und Unrecht!

Warum läßt uns das irgendwie kalt?

Ich habe mich gefragt, warum läßt mich dieser so erschütternde Skandal, diese Affäre mit politischer Erdbeben-Qualität eigentlich so seelenruhig, läßt mein Empörungspotential so unberührt. Und ich weiß, es geht vielen anderen auch so.
Grosz hat es richtig ausgedrückt, dass wir – nicht nur die Österreicher – inzwischen ein feines Gespür für Recht und Unrecht entwickelt haben. Dazu kommt, dass wir wissen, dass diese Exzesse ein Indikator dafür sind, dass das System nicht nur krank ist, sondern vor einem Zusammenbruch steht. Etwas, das nur die „Systemgünstlinge“ und ihre Strategen fürchten müssen. Dabei unterschätzen wir nicht die Energie dieser „kriminellen Vereinigungen“, die sich „demokratische Parteien“ nennen. Aber sie werden an der eigenen Hinterlist* zugrunde gehen:

Arglist bricht den Eid gegenseitiger Verpflichtung. Sie zerstört den Glauben an Wechselseitigkeit, Fairneß und Vertrauen und begeht damit ein Verbrechen an der Gesellschaft. Auf Versprechen ist kein Verlaß, Verträge sind nichts wert, Beweise und Befunde sind nur mehr Fiktionen. Zwar können sich Menschen in einer Welt der Manipulation eine Weile recht gut zurechtfinden, sofern sie wissen, wer sie in die Irre führen will und wer nicht. Mit Verleumdern, Verrätern und Verschwörern, Lügnern und Betrügern ist hier überall zu rechnen. Unter Feinden kann man überleben, weil man weiß, daß man niemandem trauen und sich nur auf sich selbst verlassen kann. Unter falschen Freunden jedoch, korrupten Autoritäten, intriganten Kollegen und treulosen Gefährten ist die soziale Sicherheit da hin. In einer Welt der Hinterlist sind die Freunde nicht mehr zu erkennen. So greift schließlich der Verdacht um sich, daß ein jeder, auch der Nächste, insgeheim ein Feind sein könnte.

Lassen wir zum Schluss einen bekannten Österreicher zu Wort kommen.
Georg Kreisler fragt: „Was für ein Ticker ist ein Politiker?“

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  • Wolfgang Sofsky: Das Buch der Laster, Verlag C.H. Beck, München 2009
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Europa wählt

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Die unausrottbare Idee des Sozialismus

Am Beispiel von Rainer Mausfeld: „Warum schweigen die Lämmer?“

Das Lamm spricht:
Wer dieses Buch ernst nimmt,
der will, dass ich mich über ihn lustig mache.“
Ewald Gerhard Seeliger

 

Wenn eine Publikation über Wochen in den Top-Ten der SPIEGEL-Bestsellerliste aufscheint, ist das noch kein Beleg für literarische Qualität, für Glaubwürdigkeit oder vielleicht szientifischen Gehalts des Elaborats.
Zumindest gibt das aber Auskunft über das Interesse und die Nachfrage des Druck-Erzeugnisses.

Das Buch des Psychologen und Kognitionsforschers Rainer Mausfeld entstand aus einem Vortrag, den man auf das Jahr 2015 zurückdatieren kann, gehalten an seiner Uni Kiel. Nachdem hoffnungslose linke Aufklärer und Publizisten wie Albrecht Müller (Nachdenkseiten) auf diesen Beitrag gestoßen waren und bereits ein Internet-Aktivist einen Mitschnitt auf Youtube veröffentlicht hatte, begann ein fast beispielloses Advertising für die Spekulationen von Mausfeld. Das zwang ihn wohl schließlich zur Veröffentlichung seiner Thesen in Buchform.

Den Vortrag und damit den zusammengefassten Inhalt des daraus entstandenen Buches kann man hier und hier nachlesen.

Opferlamm

Nach der Lektüre dieses mit plakativem Titel und Cover hergestellten Buches möchte ich mich der Meinung dieses Rezensenten* – aber nicht ausschließlich – anschließen: hier
„ geht es insbesondere um Täuschung und Illusionen, was den Begriff der Demokratie und den Zustand der Gesellschaft angeht.“. Besonders aber jener, in der von einer „klagende(n) Behauptung“ bzw. von einem (linken) „Empörungsbuch“ gesprochen wird.

Was sagt denn der Verlag über sein Buch:

In den vergangenen Jahrzehnten wurde die Demokratie in einer beispiellosen Weise ausgehöhlt. Demokratie wurde durch die Illusion von Demokratie ersetzt, die freie öffentliche Debatte durch ein Meinungs- und Empörungsmanagement, das Leitideal des mündigen Bürgers durch das des politisch apathischen Konsumenten. Wahlen spielen mittlerweile für grundlegende politische Fragen praktisch keine Rolle mehr. Die wichtigen politischen Fragen werden von politisch-ökonomischen Gruppierungen entschieden, die weder demokratisch legitimiert noch demokratisch rechenschaftspflichtig sind. Die destruktiven ökologischen, sozialen und psychischen Folgen dieser Form der Elitenherrschaft bedrohen immer mehr unsere Gesellschaft und unsere Lebensgrundlagen. Rainer Mausfeld deckt die Systematik dieser Indoktrination auf, zeigt dabei auch ihre historischen Konstanten und macht uns sensibel für die vielfältigen psychologischen Beeinflussungsmethoden.“

Das macht den kritischen Beobachter schon neugierig, ist man denn selbst davon überzeugt, dass etwas faul ist in unserem demokratischen Staat und der Gesellschaft, mit unserer Parteien-Demokratur in den Zeiten der Lückenpresse.

Aber merke, der Untertitel des Buches lautet: „Wie Elitendemokratie und Neoliberalismus unsere Gesellschaft und unsere Lebensgrundlagen zerstören“.

Bereits auf den ersten Seiten wird man mit dieser Aussage konfrontiert: 

„Laut ECOSOC-Statistik sind vergangenes Jahr 52 Millionen Menschen Epidemien, verseuchtem Wasser, Hunger und Mangelkrankheiten zum Opfer gefallen. Der deutsche Faschismus brauchte sechs Kriegsjahre, um 56 Millionen Menschen umzubringen – die neoliberale Wirtschaftsordnung schafft das locker in wenig mehr als einem Jahr. […] Immer mehr Menschen wird es klar, dass diese kannibalische Weltordnung von Menschen gemacht wurde und auch von ihnen gestürzt werden kann.“

So wird Jean Ziegler, ein Schweizer, Sozi und früherer „UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung“ zitiert.

Dieses Zitat wird dem Leser in der Mausfeld-Publikation zur Untermauerung der Kapitalismus-Kritik mehrfach präsentiert, durchaus mit Methode einer ebenfalls „indoktrinierenden Systematik“.
Dem Rezipienten wird fast alles in dem Buch Gebetsmühlen-gleich wieder und wieder um die Ohren gehauen, mit dem Ergebnis, dass bei Lektüre dann irgendwann Langeweile aufkommt.

Man möchte sich schon dem Rezensenten* anschließen, der die Zustimmung Mausfelds zu Jean Zieglers behauptung als „halbseiden“ und „infam“ bewertet: dass nämlich die Wirtschaftsordnung des Neoliberalismus in einem Jahr etwa so viele Menschen umbringe, wie das NS-Regime in sechs Jahren und diese Wirtschaftsordnung als „größten Feind der Demokratie“ ansehe – trotz real existierender Diktaturen in unserer Welt.
Nicht nur ich wird sich beim Lesen des obigen Zitats gefragt haben: was ist mit den 100 Millionen Opfern, welche die Vision der klassenlosen Gesellschaft durch den real existierenden und den angestrebten Sozialismus bisher gefordert hat – und noch fordern wird?

Das passt aber nicht in das Mausfeld-Konzept.

Für Mausfeld ist  Marktwirtschaft (auch die „soziale“)= Liberalismus = Neoliberalismus = Kapitalismus = Faschismus = totalitäre Ideologie.
Sozialismus erscheint bei Mausfeld selbstredend nicht als totalitäre Ideologie.
Der Neoliberalismus steht im Zentrum seiner Kritik, so diffus dieser Begriff eigentlich ist.
Dazu später noch mehr.

Ein Credo von Mausfeld lautet: 

„Neoliberalismus und Faschismus verbindet der Hass auf »1789«, das heißt auf die sozialen und politischen Errungenschaften der Aufklärung. … Beide verbindet ein Sozialdarwinismus mit seiner Glorifizierung der Starken und seiner Verachtung der Schwachen. Beide sind elitär und teilen eine Verachtung des Volkes. Beide verlangen eine Anpassung und vollständige Unterordnung unter eine Fiktion, den freien Markt auf der einen Seite, das ethnisch homogene »Volk« auf der anderen Seite.“

Hass auf 1789?  Wie das denn?
Natürlich, es wird nicht gerne gehört, wenn auch die Scheußlichkeiten der Französischen Revolution aufgezählt werden: die mörderischen Exzessen gegen das Volk und nicht (nur) gegen die Mächtigen und der daraus entstandene mörderische Sozialismus. Mit den sich bald als höhnisch erweisenden „edlen“ Motiven von „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“. Mit einer dieser „politischen Erungenschaften der Aufklärung“ die da lautet: „willst du nicht mein Bruder sein, schlag ich dir den Schädel ein“.
Ist das „Hass“, dies in die Betrachtung der Französisichen Revolution einzubeziehen?

Nun, folgenden Thesen von Mausfeld kann man auch aus „rechter“ Betrachtung  zustimmen:

  • Die ursprünglichen Definitionen der Begriffe Demokratie und Freiheit sind in einer an George Orwell erinnernden Weise irgendwie verfälscht worden.
  • In ihrer gegenwärtigen Form sei die repräsentative Demokratie zu einer „Wahloligarchie“ verkommen.
  • Die Machtsicherung der neuen Machteliten vollzieht sich in neuen Formen der Transformation der Macht und der Manipulation des Bewusstseins.
  • Eine entscheidende Rolle spielen die Medien. Ihnen kommt eine systemstabilisierende Funktion zu.
  • Unter anderem führt das zu einer Einschränkung des öffentlichen Debattenraums, des in einer Gesellschaft Denk- und Sagbaren.

Auch seine Kritik an der Kriegspolitik des „Westens“ der jüngsten Zeit, mit dem angeblichen Ziel der Durchsetzung und Verbreitung von Demokratie und westlichen Werten – und der damit verbunden Propaganda bzw. Desinformation – ist nicht von der Hand zu weisen.
Man ist geneigt, durchaus auch zu glauben, dass „eine privat finanzierte sogenannte Indoktrinationsindustrie“ einen psychologischen Krieg gegen die Bevölkerung führt. Dass Medien, Stiftungen, Thinktanks und Lobbygruppen mithilfe von Techniken der Soft Power den menschlichen Geist an seiner schwächsten Stelle, dem Unterbewusstsein, manipulieren.

Das alles seien aber Folgen des Neoliberalismus, dem es gelungen sei, „sich als Rahmenerzählung zu etablieren und sich als scheinbar alternativlose Wirklichkeitsdeutung durchzusetzen“.

Was der Neoliberalismus eigentlich sei, darüber bleibt Mausfeld dem Leser Grundsätzliches und Historisches schuldig.
Aber da werden die „Österreichische Schule“, die „Chicago Boys“, liberale Denker und Philosophen wie Ludwig von Mises, Friedrich Hayek, Murray Rothbard und Hans Hermann Hoppe in einen Topf geworden und als Schuldige identifiziert. Sie seien als „Hausphilosophen der Reichen und Großkonzerne“ anzusehen, und welche die „systematische Verrechtlichung der organisierten Kriminalität der besitzenden Klasse“ betrieben haben.

Der Neoliberalismus (im Sinne von Mausfeld) wird ausschließlich mit negativer Konnotation belegt, ohne eine haltbare Definition des Begriffes geliefert zu haben. Neoliberalismus ist einfach Kapitalismus, ist Ursache aller Übel der Gegenwart. Darum wird jede liberale oder libertäre Auffassung von „Markt“ von Mausfeld durchgehend desavouiert. 

Vortrag und Buch vom „Schweigen der Lämmer“ sind durchsetzt mit linken Phrasen, Kampfbegriffen und Worthülsen, von denen man glaubt, sie seien unter den Erfahrungen des real existierenden Sozialismus eigentlich obsolet geworden.

Für die Bewertung einer Publikation mit aufklärerischem Anspruch ist von Bedeutung: wer wird zitiert, welche Quellen werden verwendet, wer wird als Zeuge und Autorität angeführt; aber auch, wessen Erwähnung trotz grundlegender Relevanz für das Thema  unterbleibt.
In seiner Demokratie- und Medienkritik greift Mausfeld überwiegend auf Noam Chomsky zurück. Wer Chomsky gelesen hat, braucht Mausfeld nicht auch noch zu lesen, wenn man sich denn über das gemeinsame Thema empören möchte.

Aufgrund seiner Rezeption kann vermutet werden, das Mausfeld keines der Werke von Friedrich Hayek und von Ludwig von Mises gelesen hat. Es besteht der Verdacht,  dass er sich aus Sekundärquellen passende, und ganz gewiss aus dem Zusammenhang gerissene Zitate ausgesucht hat.
Man möchte meinen, wer ein angeblich wissenschaftlich unterfüttertes Traktat über die Demokratie vorlegt, dazu angefüllt mit durchaus antiamerikanischen Ressentiments, würde im Diskurs auch auf Alexis de Tocqueville eingehen, wird enttäuscht. Aristokratische Liberalität und vorausschauende Demokratiekritik passen wohl nicht auf die Diskussionsfolie des linken Kognitionsforschers. Obschon und gerade weil Tocqueville der Erste war, der schlüssig dargelegt hat, dass und wie Demokratie in ein totalitäres System einmünden kann.
Bei einem gründlichen Gedankenaustausch über die repräsentative Demokratie hätte ich auch einen Rekurs auf Karl Popper erwartet, gerade wenn man die „Lippmann-Dewey-Kontroverse“ ins Zentrum seiner Demokratie-Präferenzen rücken möchte – sprich, zum Thema „Wer soll herrschen?
Karl Popper***:

Wenn man die Frage »Wer soll herrschen?« als grundlegend annimmt, dann gibt es offenbar nur eine vernünftige Antwort: nicht die Unwissenden, sondern die Wissenden, die Weisen; nicht der Mob, sondern die wenigen Besten. Das ist Platons Theorie der Herrschaft der Besten – der Aristokratie.

Es ist merkwürdig, daß die großen Gegner dieser platonischen Theorie – die großen Theoretiker der Demokratie, wie zum Beispiel Rousseau – die Fragestellung Platons akzeptierten, statt sie als unzulänglich abzulehnen. Denn es ist ja klar, daß die grundlegende Frage der Staatstheorie eine ganz andere ist, als Platon annahm. Sie ist nicht »Wer soll herrschen?« oder »Wer soll die Macht haben?«, sondern »Wieviel Macht soll der Regierung eingeräumt werden?« oder vielleicht noch genauer: »Wie können wir unsere politischen Einrichtungen so ausbauen, daß auch unfähige und unredliche Machthaber keinen großen Schaden anrichten können?«

 

Darauf gibt Mausfeld keine Antwort.
Der kritische Rezensent* meint, Mausfeld habe sich nicht die Arbeit gemacht, Alternativen zur repräsentativen Demokratie auszuarbeiten oder funktionierende frühere Versuche demokratischer Verfahren anzuführen: „Er hat ein Empörungsbuch geschrieben“.
Ja und nein sage ich: der Sozialismus ist die offensichtliche Lösung bei Mausfeld die LKösung für die Krise der Demokratie. Und das halte ich für mehr als nur eine Unterstellung, wie mir jeder kritische Leser zustimmen wird.

Der Neoliberalismus – nochmal: Ich stehe nicht ein für diesen Begriff – ist nach Mausfeld auch der nicht nur historisch nachfolgende Verantwortliche für den Kolonialismus, für die Armut hier und in der Welt. Und so teilt er mit, dass auch die „schweigenden Lämmer“ mitverantwortlich seien für das würdelose Dasein junger Afrikaner und an der „neokolonialistischen Ausnutzung der Arbeitskraft und der Ressourcen diesen reichen Kontinents“**.

Mausfeld will implizit die Botschaft vermitteln: „das Bewußtsein muss gestärkt werden, dass jeder Einzelne zu einer gerechten Welt beitragen kann, zu einer Welt ohne Hunger und mit guten Entwicklungsmöglichkeiten für nachfolgende Generationen“**.

Wohl auch ein Opfer des Neoliberalismus. Opferlamm und Opfer – wie sich die Bilder ähneln

Aber eine Welt ohne Ungleichheit, ohne Hunger, ohne Armut ist illusionär, so bitter diese Botschaft für die gegenwärtigen Gutmenschen und das Publikum erscheint, an welche sich Mausfeld offensichtlich wendet.
Um Utopien wahr werden zu lassen, bedurfte es immer einer derart harten Hand, dass sie kaum aufscheinend, zur Anti-Utopie wurden. Der Weg in die Hölle ist mit himmlischen Versprechungen gepflastert.****

Zu den von Mausfeld gewählten Zusammenhängen sei deshalb nochmals Alexander Kissler**** zitiert:

„Es gibt tatsächlich einen Reichtum, der zum Himmel stinkt, und eine Armut, die ein entsetzliches Unrecht ist. Darum ist die Nachricht, dass seit 1990 die Zahl der Menschen in extremer Armut um etwa 1,4 Milliarden insgesamt fiel, wunderbar.“

Trotz – oder wegen – des „Neoliberalismus“, vulgo Kapitalismus.

Zum Schluß.

Der bereits zitierte Kritiker* hat Mausfeld auch vorgeworfen, von seinem Fachgebiet her,  da Psychologe oder Kognitionsforscher, fehle ihm die Kompetenz, sich über politische Themen zu äußern, er werde wohl nur wegen seines Professorentitels als Autorität dazu wahrgenommen.
Ich meine, jeder darf sich über politische Themen äußern. Aber wenn er das tut – wie ich auch, muss er sich einer sachlichen oder auch mal provozierenden Kritik und Gegenrede stellen.

Nach der Lektüre des Buches kam mir folgender Aphorismus von Davila in den Sinn:

„Die Tragödie der Linken? Die Krankheit richtig diagnostizieren, aber mit ihrer Therapie verschlimmern.“

_______________________

* Bodo Morshäuser auf Deutschlandradio Kultur (leider nicht mehr abrufbar)

** Entwicklungshilfe-Minister Gerd Müller (CSU).

*** Karl Popper: Auf der Suche nach einer besseren Welt“, Piper GmbH 1984

**** Alexander Kissler: Warum mit Phrasen Schluss sein muss“, Gütersloher Verlagshaus 2019

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Urlaub

Unterwegs rund um die Ostsee…

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Zum 8. Mai 2019

„Ich frage euch: Wollt ihr das totale Europa? …
Wollt ihr es, wenn nötig totaler und radikaler, als wir es uns überhaupt noch vorstellen können?“

„Nö…!“

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Das Merkel Comic

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Schuhbeck Fonse 70!

Glüggwunsch!

Bildergebnis für schuhbeck alfons

Du bisd aaner, der uns Frankn fei scho auf die Nerven gehd. Dei fischaugerds Gfries im Fernseha kon ma scho ball nimmer sehng; du elends Kochbürschla, older Gschafdlhuber, Schleimer und Lügenbeidl.
Lass da gsochd sei, der Schweinsbrodn vo dir in der Dosn is under aller Sau, ober gwies ned von aaner Sau; vielleicht von ana old´n Kuhbridschn. Des soch i Dir als a Schbezialisd für Schweinerns.
Heid scho gspeibt? Dann friss amal dei Glump, des´d uns Debbn odrehn mogsd selba. Mid am Seidla Bier wirsd as scho noukrieng.

Drodsdem Glüggwunsch zum Geburdsdoch von am Frankn aus Hessen und b´scheiss die Leud noch a boar Johr weidder.
Lass da gsochd sei, die Hessn verstenga nix vom goudn Ess´n und da kannsd dei Glumb goud verkafn. Des is a Gschäfds-Dibb vo mia als Geburdsdogsgschengk. Für die Frankfurder des Schweinerne von a oldn Kouh, denn die meisd durd fressn  „Halal“, oder wie des hasd. Dann kannsd dein Fraaß veileichd a no an die Scheichs verkafn.

Und dazu griegst jetzadla no a Ständla, des gwieß zu Dir und deine Freindla bassd:

______________

Nachdem der Bayerische Rundfunk dem berühmtesten Grattler unter den bayerischen Star-Köchen gestern eine Sondersendung zu seinem heutigen 70. Geburtstag gewidmet hatte, wollte ich als Franke mit einem Blog von Weltgeltung aus Hessen dem nicht nachstehen.

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Vom Staat gewünschte Militärseelsorge

Und die Frage nach Militär-Imame

 

 

Auf der jüngsten Sitzung des Verteidigungsausschusses des Bundestags hat unsere Minister-Darstellerin Ursula von der Leyen von der einstmals allerchristlichsten Partei Deutschlands vorgetragen, dass bald Imame im Auftrag der Bundeswehr moslemische Soldaten seelsorgerisch betreuen sollen. Man betonte aber auch, dass zunächst das Thema im Vordergrund stand, daß es nach fast einhundert Jahren Unterbrechung auch wieder Militärrabbiner in Deutschland geben soll.
War kürzlich u.a. in der Jungen Freiheit zu lesen.

Schon 2015 hatte Von der Leyen in einem dpa-Interwiew angekündigt, die Einstellung von Militär-Imamen für die seelsorgerische Betreuung muslimischer Soldaten zu prüfen. Damals sprach man noch von etwa 1700 Muslimen in der Bundeswehr, heute habe man schon etwa 3000 muslimische Soldaten, erklärte das Verteidigungsministerium zuletzt. Die Zahl jüdischer Soldaten beträgt dagegen nur etwa 300 (was mir einleuchtend ist).

Die Zentrale Dienstvorschrift (ZDv)  A-2600/1 der Bundeswehr: 

„Die Militärseelsorge in der Bundeswehr ist der vom Staat gewünschte und unterstützte und von den Kirchen geleistete Beitrag zur Sicherung der freien religiösen Betätigung und der seelsorgerlichen Begleitung der Soldatinnen und Soldaten. Als Teil der kirchlichen Arbeit wird sie im Auftrag und unter Aufsicht der Kirchen geleistet. Sie ist damit Kirche unter den Soldatinnen und Soldaten sowie deren Familien, Partnerschaften und Angehörigen. Sie ist ein eigenständiger Organisationsbereich der Bundeswehr.“

 

Multikulturelle und multireligiöse Identität der Bundeswehr

In einer Kurzinformation des „Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags kann man jetzt lesen:

Die Bundeswehr hat im Zuge der Globalisierung und der stärkeren Vernetzung mit andern Streitkräften eine zunehmend „multikulturelle und damit auch multireligiöse“  Identität angenommen. Im Umgang mit den muslimischen und jüdischen Soldaten werden besondere Anforderungen an zum Beispiel die Verpflegung oder die Urlaubsvergabe an religiösen Feiertagen beachtet.  

Die Forderung nach Militär-Imamen in der BW brachte vor etwa 8 Jahren der deutsche Ober-Muselmanen Aiman Mazyek ins Spiel; einer, dem man sich in der Multikulti-BRD gerne gefällig erweisen will. Erst nachfolgend wurde von Regierungsseite die vorgebliche Notwendigkeit von Militär-Rabbinern nachgeschoben. Wohl denn, denn es gibt ja im Blick auf das Judentum eine  „Staatsräson“, die gelegentlich noch von der Bundeskanzlerin strapaziert wird.

Zu den Rest-Christen in der Armee: Unter den nicht ganz 200 000 Soldaten der BW gibt es etwa 50 000 Protestanten und 45 000 Katholiken.

Die Frage ist berechtigt: Wer ist denn für die Seelsorge der „Gottlosen“ zuständig, die inzwischen mehr als die Hälfte des Personals ausmachen? Vielleicht nur der Sanitätsdienst bzw. der „Psychologische Dienst der Bundeswehr“?*

Ich will zu dem gesamten Themenkomplex mal etwas weiter ausholen.

Krieg und Militärseelsorge

In unserem – durchaus noch nicht links-indoktriniertem – Geschichtsunterricht in den 60er Jahren zum Thema 1. Weltkrieg, hat uns junge Leute besonders auch diese Schizophrenie der „Waffensegnungen“ auf Seiten aller Kriegsparteien abgestoßen.
Die Begeisterung für den Krieg hatte 1914 in allen beteiligten Ländern auch die Kirchen, ihre Bischöfe und Theologen ergriffen und über die Konfessionen hinweg erfasst. Alle sahen – bis auf wenige Ausnahmen – den Kampf als gottgewollte Verteidigung von Heimat, Nation und Volk an. In den Predigten gaben die „Seelsorger“ den Regierungen und Oberbefehlshabern dazu auch einen religiösen und ideologischen Überbau für ihren Krieg. Militärgeistliche stärkten den Kampfeswillen an der Front und in der Heimat versuchten die Pfarrer oder Popen, die Seelenlage der Bevölkerung zu stabilisieren. Jede Seite reklamierte für sich den religiös gerechtfertigten „gerechten Krieg“.
Aus dem 2. Weltkrieg ist Vergleichbares nicht bekannt. Es gab zwar auch Militärgeistliche, die denn eher am Massengrab, beim letzten „Zapfenstreich“ für die Soldaten auftraten. Kriegspropaganda wie 1914 betrieb die katholische Kirche schon gar nicht, allenfalls die evangelischen Nazis der „Deutschen Christen“ stützten in dieser Frage das Regime.


Bundeswehr und Seelsorge

Mit der Wiederbewaffnung Deutschlands durch die Bundeswehr ab 1955 wurden Begriff und Institution der „Militärseelsorge“ wieder aktuell. Mit der Sowjetunion und ihren Vasallen im Warschauer Pakt hatte man sowohl ein neues Feindbild und Gefahrenszenario. Für den jetzt kreierten „Staatsbürger in Uniform“ hielt man sich aber zurück mit einem religiösem Überbau im Zusammenhang mit der jetzigen Verteidigungsdoktrin..
Bis 1999 gab es keine Opfer in der neuen deutschen Wehr bedingt durch kriegerische Handlungen. Aber etwa 3000 Soldaten haben bis dahin im Dienst in der BW ihr Leben verloren: mehrheitlich durch Unfälle oder auch natürliche Todesursachen.
Dazu kommen aber etwa 3500 Soldaten, die während ihrer Militärzeit Selbstmord begingen.
Ich war bei meinem Dienst als Truppenarzt in den 70er Jahren mit einigen tragischen Selbstmordfällen in einem Ausbildungsregiment der Luftwaffe befasst. Das war ein Thema gerade auch für die Militärseelsorge seinerzeit: Soldaten, die nicht im Krieg, sondern von eigener Hand sterben. Offiziell klammerte man das Thema gerne aus und wollte von solchen Toten nicht sprechen. Eine Initiative von uns (wehrpflichtigen) Truppenärzten damals, mit Hilfe eines von uns eingeladenen renommierten Professors für forensische Psychiatrie, der Sache sich objektiv, wissenschaftlich – und auch praktisch – zu nähern, wurde nur vom katholischen Standortgeistlichen und den betroffenen Truppenoffizieren unterstützt. Die verantwortlichen (Stabs-) Offiziere des Regiments und gar der für uns zuständige Generalarzt versuchten, das Projekt und das Symposium zu torpedieren. Die Beschäftigung mit dem Thema erachtete der Regimentskommandeur als „Wehrzersetzung“.


Gefallene in Auslandseinsätzen der Bundeswehr

Mit dem Kosovo-Krieg wurde die Bundeswehr erstmals von einer demokratisch gewählten deutschen Regierung in einen Krieg gehetzt, was aber die damalige rot-grüne Bundesregierung und die heuchlerische Moralpresse nicht als solchen benennen wollte,  und den der damalige Außenminister Joschka Fischer mit folgenden Worten für sich legitimierte :
„Ich stehe auf zwei Grundsätzen, nie wieder Krieg, nie wieder Auschwitz, nie wieder Völkermord, nie wieder Faschismus. Beides gehört bei mir zusammen“.

Etwa 110 Soldaten der BW sind seither bei den diversen Auslandseinsätzen ums Leben gekommen, insgesamt 22 Angehörige der Bundeswehr nahmen sich in Auslandseinsätzen das Leben.
In Afghanistan sind bisher 58 deutsche Soldaten zu Tode gekommen: 35 durch Fremdeinwirkung gefallen, 23 durch sonstige Umstände gestorben.
Denn laut SPD-Verteidigungsminister Peter Struck werde „Die Freiheit wird am Hindukusch verteidigt“.
132 Tote – und ein Sechstel durch Suizid verstorben. Da scheint es immer noch ein spezifisches „seelsorgerisches“ Problem auch der neuen Wehr zu geben, wenngleich die Quote der siebziger Jahre bei weitem nicht erreicht wird. 

Auf der offiziellen Seite der Bundeswehr heißt es zu unserem Thema:

Das neue Aufgabenspektrum der Streitkräfte, insbesondere die Auslandseinsätze, hat spürbare Auswirkungen auf die Lebenssituation der Soldaten und deren Familien. Die Militärseelsorge bietet ihre Dienste an, egal ob an Land oder auf See, in Deutschland, an ausländischen Standorten und in Auslandseinsätzen.

Die drängendsten seelischen Probleme hat die Militärseelsorge offensichtlich nicht zu verhindern oder zu lösen gekonnt – und wird es nicht können.
Aus diesen und gerade auch aus historischen Gründen ist es verständlich, dass es inzwischen eine „ökumenische Initiative“ zur Abschaffung der Militärseelsorge gibt.

 

Militärseelsorge abschaffen!

Die Argumente lauten u.a.:

  • Die Militärseelsorge sei ein Überrest aus der Zeit, als Thron und Altar, weltliche und geistliche Macht noch gemeinsame Sache gemacht haben. 
  • Eine „Religion des Friedens“ mache sich unglaubwürdig, wenn sie Kriegspfarrer (Militärpfarrer) entsendet.
  • Die Kirche habe nicht nur die Aufgabe, zu trösten (Seelsorge), zu helfen (Diakonie) und andere Aufgaben, sondern die Kirche habe auch den Auftrag, Unrecht beim Namen zu nennen und – in Wort und Tat – zu widersprechen (prophetischer Auftrag).
  • Die Militärseelsorge sei zu sehr mit dem Militär verflochten. Deshalb könne sie das prophetische Amt gegenüber dem Militär nicht wahrnehmen. Das Wächteramt der Kirche komme zu kurz.
  • Christus habe gesagt: „Selig sind, die (auf gewaltfreie Weise) Frieden stiften.“

Mehr Informationen dazu hier.

Die Begründungen haben etwas für sich; auch für mich, jemanden, den man gewiss nicht als agitierenden Pazifisten „verorten“ kann.


Verteidigung westlicher Werte mit islamischen Fundamentalisten?

Bei den Erwägungen aus dem Amt unserer Gefährdungs-Ministerin kommt nun eine neue, entscheidende Frage ins Spiel.
Was können Imame, die Verkünder einer aggressiven Religion, ausgewiesene Feinde unserer Kultur und Lebensform, in der Bundeswehr bewirken?
Die ja, wie es vollmundig heißt, zur Verteidigung unserer (westlichen) Werte und Freiheiten eingesetzt werden soll.
Nicht jeder Imam mag ein bellizistischer Hassprediger wider die „Ungläubigen“ und den „großen Teufel“ USA und dem Westen sein.
Aber nahezu alle Imame sind weniger in einer religiösen, denn in einer politischen Mission unterwegs; gemäß ihren Auftraggebern in der Türkei, Saudi-Arabien oder den Golfstaaten. 

Ich behaupte dazu auch, diese 3000 Muslime in der Bundeswehr werden gewiss keine Hemmung haben, ihre Waffen auch gegen Ihresgleichen einzusetzen. Was ja durch die Aktivitäten von Muslimen weltweit belegt werden kann. Und es muss nicht nur um die Gegensätzlichkeit von Sunniten gegen Schiiten gehen. Ist das vielleicht gar gewollt?
Aber das haben ja auch die Christen in der Vergangenheit bewiesen, dass man Seinesgleichen metzeln darf. Siehe 1. Weltkrieg und mehr noch die vor 500 Jahren begonnenen Religionskriege oder -Konflikte in Deutschland, Frankreich oder England.
Das Christentum war in historischer Realität genausowenig eine Religion des Friedens, wie es der Islam nie war und ist.
Aber daran haben wir uns gewöhnt (wie auch, dass die CDU keine christliche Partei mehr ist) und man meint immer noch, es brauche Militär-Seelsorge mit religiösem Hintergrund.


Militärseelsorge als Idee einer verantwortungslos gewordenen politischen Führungsclique

Ich bin gläubiger Christ, römisch-katholisch, aber ich frage mich, ob es Militär-Geistliche – katholisch, evangelisch, anglikanisch, orthodox, muslimisch, jüdisch oder gar auch hinduistisch – wirklich braucht.
Genauso wie die Kirchensteuer als Relikt der Verknüpfungen von „Thron und Altar“.

Und ich bin besonders davon überzeugt, dass die Amtseinsetzung von muslimischen und/oder auch jüdischen „Geistlichen“ zusätzlich zu den etablierten christlichen „Seelsorgern“ nichts zur Lösung integraler Probleme der Bundeswehr beitragen kann, um die sich angeblich die Militärseelsorge kümmern soll.
Mit muslimischen Imamen kommt es eher  zum Entstehen neuer Kalamitäten in dieser unserer wahrlich auf den Hund gekommenen „Streitmacht“.
Wie sollen muslimische Imame, denen der Antijudaismus quasi genetisch eingepflanzt scheint, mit jüdischen Rabbinern in eine gleichlautende Auftragsfront gestellt werden?
Ich kann mir das nicht vorstellen.
Und ich meine, diese „multikulturelle“ und „multireligiöse“ Attitüde einer verantwortungslos gewordenen politischen Führungsclique wird die Akzeptanz der Bundeswehr in der Bevölkerung in keiner Weise aufbessern, sondern das Gegenteil bewirken. 

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* Der Soziologe Helmut Schoeck stellte schon vor etwa 40 Jahren das aufgekommene, neuzeitliche Dogma „Jedes Problem braucht einen Psychiater“ in Frage. Das nutzte nichts, die Psychologenflut überschwemmte unsere Gesellschaft und alle gefährdeten und und nicht-gefährdeten Bereiche. Hat man sich nicht daran gewöhnt, dass es in den Nachrichten zu einer Flutkatastrophe, bei einem Massenunfall oder nach einem Flugzeugabsturz bereits im zweiten Satz heißt: „Psychologen und Krisenexperten sind bereits vor Ort und kümmern sich um Opfer und Angehörige“.

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