Wo Häuser verrotten, verrotten auch Menschen

Oder: Der Sozialismus in seinem Lauf …

Haben Sie schon mal nach diesem Satz „Wo Häuser verrotten, verrotten auch Menschen“ gesucht, oder besser gesagt „gegoogelt“?
Sehen Sie hier nach.

Warum frage ich das?

Ich habe die Osterfeiertage in Leipzig verbracht – 30 Jahre nach einem ersten Besuch:
Und die Stadt war fast nicht wieder zu erkennen.

1990 – Verfallende Bürgerhäuser und Prachtbauten in der Innenstadt, von Zeugen des einstigen Reichtums und der kulturellen Bedeutung der Sachsen-Metropole für Deutschland. Auch sonst: nur Trostlosigkeit.
Leipzig war durch den 2. Weltkrieg weniger zerstört worden als vergleichbare Großstädte im Osten und Westen Deutschlands. „Nur“ etwa 40 % der Baumasse und etwa ein Viertel der Wohnungen fielen dem Bombenterror zum Opfer.
Vielleicht deshalb kann und konnte man besonders am Beispiel von Leipzig die dem Sozialismus innewohnende Zerstörungskraft studieren. Was in der Innenstadt übrig geblieben war von den großen und repräsentativen Bürger- und Handelshäusern wurde in „Volkseigentum“ übergeführt. Dabei unendlich viele vorher von den Nazis in „arisches Besitztum“ verwandelte jüdische Anwesen. Das Volk, in Gestalt der „Sozialistischen Einheitspartei“, ließ diese baulichen Musterfälle kapitalistischen und klassenfeindlichen Wirkens bewusst verrotten und verwildern.

 

2019 – Leipzig erscheint nach 30 Jahren wie „Phönix aus der Asche“ in neuer, von mir noch nicht so gekannter Pracht wiedererstanden.
Als bekennender Reaktionär bin ein Liebhaber der Gründerzeit-Architektur, welche Leipzig – mehr noch als andere zerstörte deutsche Großstädte – in wunderbaren Ensembles vorhielt und wieder besitzt.
„Gründerzeit“, Begriff für eine wohl nicht mehr wiederkehrende Epoche deutscher Größe und Erfolgs. Geboren aus dem Kapitalismus des deutschen Bürgertums, verbunden mit der Herausbildung einer erstmals vereinten deutschen Nation.
Und wieder war und ist es der „Kapitalismus“ und wieder mal nach einer „Vereinigung“, die zu einer neuen Gründerzeit geführt hat.

Im Stadtmuseum und im „Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig“ bin ich mehrfach auf das obige Motto „Wo Häuser verrotten, verrotten auch Menschen“ gestoßen. Als ein Motto der Aufbruchs- und Friedensbewegung der DDR in den Monaten und Wochen vor dem Mauerfall. Als Mahnung an Zeiten, die sich nicht wiederholen soll(t)en.
Aber es scheinen nur wenige sich noch zu erinnern.
Beim Spaziergang durch die Stadt an diesem Karsamstag und Ostersonntag wurde man denn wieder an den wohl nicht tot zu kriegenden, die Hirne vernebelnden Sozialismus erinnert. Zum einen die zu Wahlzeiten übliche Gestaltung von Laternenmasten mit Plakaten einer „Marxistisch-Leninistischen-Partei-Deutschlands“, ein paar weniger Plakaten der „Linken“ und der „Grünen“ oder der SPD, fiel mir auf. Dann auf dem Augustusplatz – dem einstigen Zentralplatz der friedlichen Revolution von 1989 gegen den sozialistischen Staat – am Ostersonntag 2019 Agitation von Leuten dieser “MLPD“ mit Beschallung mittels aufrührerischer Melodien von Franz Josef Degenhardt, Konstantin Wecker und anderen linken Kunstschaffenden. Nur eine Handvoll Leute, denen kaum einer zuhörte – denn mehr gingen in den Gottesdienst der neu erbauten Universitätskirche – denen aber anzuraten wäre, doch mal die zeitgeschichtlichen Ausstellungen in ihrer Stadt bewusst zu besuchen, um sich über die Auswirkungen ihrer bevorzugten Ideologie zu informieren.

Nochmal zurück zum Motto des Beitrages.
„Verrottende Häuser“ sind in den Medien heute nur Beispiel und Gegenstand für den angeblich ausbeutenden Kapitalismus, für verantwortungslosen Immobilienbesitz und Spekulation.
Wie der Sozialismus zu „verrotteten Menschen“ führt, scheint kein Thema mehr zu sein.

Nun, ich wollte mal daran erinnern, denn „Geschichte kann zu Einsichten führen und verursacht Bewusstsein“.
Sollte man meinen.

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Ostermontag 2019

 

 

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Karsamstag 2019

Heute im Gewandhaus

Unter anderem:

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Karfreitag 2019

Heute: Thomaskirche in Leipzig
Johannespassion von J.S.Bach mit dem Thomanerchor und dem Gewandhausorchester

https://www.leipzig-im.de/index.php?section=details&auswahl=veranstaltungen&auswahl2=108657

 

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Karfreitag

Joseph Haydn – „Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze“

Meditation am Karfreitag mit Abt Odilo Lechner, OSB

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Gründonnerstag

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Neu bei altmod

Das Merkel Comic

© altmod

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Die vergessenen toten Kinder

Im Bundestag hat man gestern (10. April 2019) über die kostenlose Zulassung der vorgeburtlichen Bluttests debattiert. Die Einstellungen gehen quer durch alle Fraktionen und es gibt glücklicherweise noch Abgeordnete, die sich für den Lebensschutz einsetzen und gegen den verhängnisvollen Trend der Selektion „unwerten“ Lebens und der zügellosen Abtreibung wenden.
Die Einstellung der Evangelischen Kirche war bekanntermaßen schon klar und der Christusverleugner Bedford-Strohm hat sich in der Nazi-Tradition seiner Kirche auf die Seite der Selektierer gestellt und sich dazu noch in heuchlerische Weise für „Lebensschutz“ ausgesprochen.

Aus dem aktuellen Anlass stelle ich meinen Artikel zum Thema vom 19. März nochmals hier zum Lesen ein.

 

Neun von zehn ungeborenen Kindern mit Down-Syndrom werden vor der Geburt getötet

Laut einem Spiegel-Bericht will am Freitag (22. März) der Gemeinsame Bundesauschuss (G-BA) von Krankenkassen, Ärzten, Kliniken und Patientenvertretern ein offizielles Stellungnahmeverfahren zu seinem Beschlussentwurf einleiten, dass die gesetzlichen Krankenkassen künftig die Kosten für einen vorgeburtlichen Bluttest auf das Downsyndrom übernehmen.
Diesen Test, der schon von der zehnten Schwangerschaftswoche an möglich ist, gibt es seit 2012 auf dem deutschen Markt.
Im Unterschied zu einer „invasiven“ Fruchtwasseruntersuchung hat er nicht das Risiko einer höheren Fehlgeburtsrate. Derzeit müssen die Kosten von etwa 200 Euro von selbst getragen werden. Der Test ist umstritten, da sich viele Eltern nach einem positiven Ergebnis für eine Abtreibung entscheiden, wie die Erfahrung in anderen Ländern gezeigt hat.

Die Diskussion um die kassenrechtliche Zulassung der umstrittenen Tests läuft schon seit etlichen Monaten. Fünf der sechs Bundestagsparteien (ohne AfD) wollten dazu schon letztes Jahr eine Ethikdebatte im Bundestag angestoßen haben. Der Bundestag hat noch nicht darüber diskutiert. Gleichwohl hat sich die evangelische Kirche bereits positioniert. Sie plädiert dafür, dass die Krankenkassen die Kosten für die ethisch umstrittenen Bluttests auf Down-Syndrom beim ungeborenen Kind übernehmen sollen.

Es gibt zum Glück noch Abgeordnete, die sich diese Frage nicht leicht machen. Die SPD-Abgeordnete und frühere Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (gerade die!?), auch Vorsitzende der Lebenshilfe, fürchtet bei Einführung einer solchen Regelleistung ein unethisches Screeningverfahren mit der Folge einer massenweisen Abtreibung behinderter Kinder. „Das darf nicht sein“, sagte Schmidt bei der Diskussion der EKD. Sie wolle nicht, dass Eltern sich dafür rechtfertigen müssen, dass sie behinderte Kinder haben.

Letzteres macht denn aber stutzig. Geht es bei dieser Debatte um das Lebensrecht der Kinder oder um die Befindlichkeit der unglücklichen (?) und vielleicht angegriffenen Erzeuger? Welche Frage?

Die Folgen einer Abtreibung münden nicht nur in eine „Befindlichkeitsstörung“ aufgrund eines möglichen Rechtfertigungszwangs.
In einer zutiefst gestörten, neurotischen Gesellschaft.
Ausgerechnet „Die Zeit“ hat sich dankenswerterweise dieser bedrückenden Problematik angenommen. In einem eindrucksvollen Beitrag werden die die aufwühlenden Empfindungen und Reaktionen von betroffenen Eltern auf die Tötung des eigenen Kindes geschildert.

„Wir sind verdammt noch mal auch Menschen“,
sagt
und kämpft der mit Downsyndrom lebende Berliner Schauspieler Sebastian Urbanski gegen das Vorab-Screening, gegen den Test auf scheinbar „unwertes Leben“.
„Ich bin dagegen. Weil er Menschen wie mich vor der Geburt aussortiert. Wir alle haben ein Recht auf Leben. Gehört zur Vielfalt des Lebens. Vielfalt heißt auch, dass wir alle gemeinsam leben. Behinderte und Nicht-behinderte“.

Das sagte er bei einer Pressekonferenz zur vorgesehenen Ethik-Debatte im Bundestag im Oktober letzten Jahres.

Ich denke, das ist der konstitutive Punkt in der Debatte

Der CDU-Abgeordnete Rudolf Henke, zugleich stellvertretender Vorsitzender des Gesundheitsausschusses im Bundestag:

„Ethisch hat jeder Mensch einen natürlichen Anspruch, gewollt und willkommen zu sein. Die vom Grundgesetz als unantastbar gewährleistete Würde des Menschen kann und darf auch durch Krankheit, Behinderung oder den Bedarf an Fürsorge und Pflege nicht verloren gehen.“

Wie sollen wir das verstehen? Was meint der Abgeordnete? Der Gehalt des zweiten Satzes ist für unsere Gesellschaft nicht mal mehr eine Trouvaille. Zur ersten Aussage möchte man dann aber fragen, soll ein Test ermitteln, ob dieser (möglicherweise?)  behinderte Mensch „gewollt und willkommen“ ist?

Ein vielleicht abseitiger Schlenker: Im Blick auf „Geflüchtete“ – mit denen uns so viel weniger verbindet, als die von uns gezeugten Kinder – darf diese Frage in unserer Gesellschaft schon gar nicht mehr gestellt werden. 

In Ländern wie Dänemark und Norwegen, in denen das Trisomie-Screening schon länger freizügig geübt wird, gibt es kaum noch Geburten von Down-Kindern. Früher mit der „rassistischen“ Bezeichnung „Mongoloide“ stigmatisiert. Neun von zehn als „mongoloid“ erkannten Kindern werden vor der Geburt getötet.

Ich will nochmal auf die Position der evangelischen Kirche resp. deren Theologie zurückkommen.
Der Vorsitzende des Deutschen Ethikrates ist der evangelische Theologe und Ordinarius für Systematische Theologie an der Universität Erlangen, Prof. Peter Dabrock.
Aus einem Interview der katholischen Tagespost mit ihm fielen mir folgende Statements auf:

„Mit Tests verhindert man nicht, dass es Behinderungen gibt. Man muss sich klar machen: Mehr als 90 Prozent aller Behinderungen werden während oder nach der Geburt erworben, und diese Menschen erfahren doch auch Liebe. Dann: Handelt es sich bei der Debatte um die neuen Tests nicht um eine Stellvertreterdebatte? Es wirkt so, als sei zu erwarten, dass zu den rund 100 000 Schwangerschaftsabbrüchen in Zukunft dann ganz viele nach nichtinvasiven Pränataldiagnostiken hinzukämen. In Wirklichkeit machen aber die medizinischen Indikationen derzeit nur drei Prozent aller Fälle aus.

… Richtig und für sich genommen ist das quantitative Argument auch keins. Ich finde es jedoch wichtig, dass wir uns auch über die Dimension klar werden, und ich glaube, dass die in der Bevölkerung so nicht bekannt ist. Es wird also nicht um weitere 100 000 Fälle gehen.

… Die Frage ist ja nicht mehr: zulassen oder verbieten. Die Tests sind zugelassen. Die Frage ist nur, ob sie, wie auch die invasiven Tests bei Risikoschwangerschaften in den Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen werden. Und da halte ich es für eine nicht plausibel zu machende Ungleichbehandlung, wenn wir sagen, die einen Tests finanzieren wir, die anderen aber nicht, zumal diese – anders als die invasiven Tests – nicht mit dem Risiko einer Fehlgeburt verbunden sind.

Mich haben diese Aussagen eines Theologen verwirrt.
Oder doch nicht, denn sie sind Ausdruck dieser abgrundtiefen Beliebigkeit und Relativierung, mit der man inzwischen mit erschütternden Fakten umzugehen pflegt:
Über 100.000 (gemeldete) Abtreibungen im Jahr in Deutschland.
Und der „Theologe“ relativiert seine Befürwortung der im Grunde „mörderischen“ Pränataldiagnostik der Trisomie damit, dass ohnehin nur drei Prozent aus „medizinischer Indikation“ erfolgten. Ist das nicht eine zynische Hinnahme der unverantwortlich hohen Auslöschungsrate an ungeborenem Leben.
Der vergleichende Hinweis auf das Risiko von invasiven Tests ist für mich nur schlichtweg schal, wie auch die Volte betreffend die finanzielle „Ungleichbehandlung“ von Tests im Zusammenhang mit einer ethischen Grundfrage betreffend eine Entscheidung über Leben oder Tod von Kindern.

Das reiht sich ein in die inzwischen zur Regel gewordenen evangelischen Verleugnungen des göttlichen Gebots.
Die US-amerikanische Pfarrerin Nadia Bolz-Weber (Denver), Ehrengast auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag 2017 in Berlin, plädiert für das Recht auf Abtreibung, denn der Mensch sei erst schützenswert, wenn er selbstständig zu atmen beginne.

So hebt sich der gegenwärtige katholische Papst – so umstritten er manchem Traditionalisten erscheint, so progressistisch er dem Mainstream anmutet – davon ab, wenn er konstatiert, dass Abtreibung kein Menschenrecht ist.
Erinnern wir uns, was Franziskus sagte und einen Sturm in den Medien und bei „christlichen Glaubensbrüdern“ auslöste:

 „Aber wie kann ein Akt, der das unschuldige Leben […] unterdrückt, therapeutisch, zivil oder einfach menschlich sein … Ich frage Euch: ist es gerecht, jemanden umzubringen, um ein Problem zu lösen? Das kann man nicht machen, es ist nicht gerecht, einen Menschen umzubringen, auch wenn er klein ist. Es ist, wie einen Auftragsmörder zu mieten, um ein Problem zu lösen.“

Die Politiker fühlen sich berufen „Probleme zu lösen“.
Und dann machen noch Kirchenvertreter bei solchen Unbehagen bereitenden „Problemlösungen“ prospektiv mit.
Nicht der katholische Papst, der dazu sagt:

„Im vergangenen Jahrhundert hat sich die ganze Welt über das aufgeregt, was die Nationalsozialisten machten, heute tun wir das mit weißen Handschuhen“.

In dem jüngsten Buch von Alexander von Schönburg – im Kapitel „Mut“ – fand ich folgenden Satz, der mir in Bezug auf die – nicht erfolgte oder ausstehende – Ethikdebatte zu dem Thema treffend erscheint:

„Wenn ein Bundestagsabgeordneter heute aufstehen und es beklagen würde, dass neun von zehn Embryonen, bei denen ein Down-Syndrom diagnostiziert wird, abgetrieben werden, er würde Mut beweisen, weil er damit jede Aussicht auf eine weitere politische Karriere verwirkte.“

Da fragt man sich wirklich, in welcher Gesellschaft leben wir?

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Wer – und wie „tranchiert“ man die AfD?

Der mittelfränkische Abgeordnete Raimund Swoboda tritt aus AfD-Landtagsfraktion und der Partei aus, verkündete der Fraktionsvorsitzende der AfD im Bayerischen Landtag, Markus Plenk vor einigen Tagen.
Nun hat er selbst bekanntgegeben, dass er die AfD verlassen und zur CSU überwechseln wolle. Der BR berichtete:

AfD-Fraktionschef Plenk will zur CSU wechseln

Paukenschlag in der bayerischen AfD: Ihr Fraktionsvorsitzender im Bayerischen Landtag, Markus Plenk, möchte zur CSU wechseln. Das hat er dem BR bestätigt. Die Vorgänge in der vergangenen Woche hätten ihm die Augen geöffnet, sagt er weiter.
Ein Wechsel zur CSU sei für ihn vorstellbar, so Martin Plenk zum BR, „von den politischen Zielen her auf jeden Fall“. Ihm hätten Vorgänge wie etwa die Einstellung und folgende Entlassung zweier Mitarbeiter mit extremistischer Vergangenheit die Augen geöffnet: „Dafür ist mir die Lebenszeit zu schade“, sagte Plenk.
Dem „Spiegel“ hatte der Biolandwirt aus Oberbayern zuvor bereits gesagt:
„Ich habe es satt, die bürgerliche Fassade einer im Kern fremdenfeindlichen und extremistischen Partei zu sein.“ Markus Plenk, AfD-Fraktionsvorsitzender im Bayerischen Landtag

 

Kurz hintereinander verlassen zwei Abgeordnete die AfD Bayern und möchten zur CSU überwechseln!
Das sage einer, das habe kein »Gschmäckle«.

Haben Plenk und Swoboda nicht vorher gewusst, worauf sie sich mit der AfD einlassen?
Wobei die Frage erlaubt ist, ob die Verhältnisse dort realiter so sind, wie er und sein früherer Fraktionskollege Swoboda sie jetzt schildern.
Wenn ja, haben/hatten diese »aufrechten« Kerle keine Eier in der Hose, um sich durchzusetzen und gegebenenfalls die Verhältnisse zu bereinigen?
Oder war/ist die Bayern-AfD tatsächlich ein derartiger »brauner Sumpf«, wie die beiden Abtrünnigen jetzt Glauben machen möchten?
Dazu nochmal die Frage, ist man sehenden Auges in einen solchen Pfuhl geraten?

Bei Beantwortung dieser Fragen mit »ja«, muss man anehmen, dass es sich bei den beiden Kerlen um »U-Boote« handelt; wohl der »Staatspartei« oder um Kontaktleute des Verfassungsschutzes.
Ist das so abwegig?

Oder handelt es sich schlicht nur um zwei beleidigte Leberwürste oder Luschen, die sich nicht durchsetzen konnten und wollten und doch noch irgendwie ihr Schäfchen ins Trockene bringen und an den Futtertrögen der Politik bleiben wollen.
Man möchte nun zur CSU!

Ich will noch mal Friedrich Sieburg zitieren: »Möglich, dass der Mensch gut ist. Aber wir wollen es lieber nicht darauf ankommen lassen.«

Mit Rückgrat hat das Verhalten der beiden nichts zu tun. Trat nicht die Bayern-AfD mit dem Anspruch einer Oppositionspartei zur herrschenden CSU an? Wenn man diese Rolle auf einmal nicht mehr spielen kann oder will, ist die einzige ehrliche Konsequenz der Rückzug ins Private, weg von dieser Art Politik.

Der CSU traut man ja einiges zu. Man erinnere sich nur, wie sie dazumal die Bayernpartei als lästige Konkurrenz skrupellos und erfolgreich eliminiert hat – dank Meineid und Bestechung. Die Republikaner des Franz Schönhuber hat man ebenfalls mit Hilfe der willfährigen Medien erfolgreich ausgeschaltet.
Denn für die CSU gilt die bekannte Strauß´sche Doktrin weiterhin quasi als ihr 1. Gebot: „Es darf rechts von der Union keine demokratisch legitimierte Gruppierung von politischer Relevanz geben.“, im biblischen Kontext: »Ich bin der Herr dein Gott und Du sollst keine fremden Götter neben mir haben!«

Dass Abgeordnete bestechlich sind, ist seit dem gescheiterten Misstrauensvotum gegen Willy Brandt zur Binsenweisheit geworden und da hat sich in den zurückliegenden 45 Jahren gewiss nichts geändert.

»Möglich, dass der Mensch gut ist. Aber wir wollen es lieber nicht darauf ankommen lassen!«

Plenk hatt dem Spiegel angeblich vorab ein Interview oder »Statement« abgegeben.

Schon wieder der Spiegel möchte man ausrufen, denn der hatte auch seine Finger im Spiel, als es um die vereitelte Wahl von Frau Harder-Kuehnel zur Vizepräsidentin im Bundestag ging.
Hatte Harder-Kuehnel Feinde in den eigenen Reihen, welch ihre Wahl zu Bundestagsvizepräsidentin torpetierten?
Was ist dran an den Vermutungen, die schon vor der Abstimmung ausgerechnet auch in einem alternativen Medium aufgenommen und kolportiert wurden?
Der Spiegel hatte in einem gewohnt perfiden Artikel die Kandidatin in die Nähe des »Flügels« um Björn Höcke gerückt und versucht, ihr »liberales« Image zu demontieren. Darob hätten denn eigene AfD-MdBs nicht für sie gestimmt.

CSU einerseits und Spiegel andererseits!
Wenn die ihre Finger in Partei-Intrigen haben oder irgendwie beteiligt sind, steigt dabei alles andere als ein Wohlgeruch auf. Unter dem Aspekt sind die sich verschlechternden Zustimmungswerte für die CSU wohl genauso überhöht wie die Noch-Auflage-Zahlen des Spiegels. Sollte man meinen.

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Die deutsche Lust am Untergang

Können wir dem noch entkommen?

 

 

„Wenn du lange in einen Abgrund blickst,
blickt der Abgrund auch in dich hinein.“
Friedrich Nietzsche

 

Der Titel „Die Lust am Untergang“ stammt von Friedrich Sieburg, einem fast vergessenen Journalisten und Schriftsteller. Mit seiner Essay-Sammlung wurde Sieburg in eine Reihe mit den prominentesten deutschen Kulturpessimisten wie Friedrich Nietzsche und Thomas Mann gestellt.
Sieburg war in den 50ern Literaturkritiker der FAZ und hatte sich vor allem auch gegen den Einfluss der linken Ideologie aus der „Gruppe 47“ auf Literatur und Gesellschaftsleben in Deutschland gewandt.

Von ihm stammen Sätze wie 

„Die Welt oder wenigstens den Menschen an den Abgrund zu führen, war von jeher Sache der Deutschen.“
„Wir erklären, dass unser Leben wieder normal geworden sei, aber wir kennen die Norm nicht und glauben auch nicht, dass es eine gibt.“
„Man muss auch eine Sache, von der man nichts weiß, zu Ende denken können. Niemand soll uns vorwerfen, dass wir dessen nicht fähig seien.“
(ohne dass er schon eine „Bundeskanzlerin“ antizipierte) 

Ich werde nochmal auf Friedrich Sieburg zurückkommen. 

Wie äußert sich diese deutsche „Lust am Untergang“?
Es war u.a. ein Beitrag von Max Erdinger, der mir Anlass gab, hier und jetzt meine Betrachtungen hinauszuposaunen.

Schon vor einem Jahr fand ich in der Neuen Zürcher Zeitung einen ähnlich düsteren Kommentar, wie der von Erdinger mit dem Eingangs-Titel „Die deutsche Lust am Niedergang!“ von Wolfgang Bok. Der Journalist führt schonungslos das deutsche Desaster vor. Vom Bankenwesen bis zur Flüchtlingspolitik, vom deutschen Selbsthass bis zur „Fernstensolidarität“.

  • Z.B. Deutsche Bank, das letzte deutsche Geldhaus, das noch in der internationalen Finanz-Liga mitspielen darf. Deutsche Politiker haben kein Interesse am Erhalt dieser für diese für eine Exportnation wichtige Institution, lieber empört man sich über Bonuszahlungen für Banker. Das kommt in der deutschen Neidgesellschaft immer gut an.
  • Die Automobilindustrie stellt jeden achten Arbeitsplatz in Deutschland. Aber jede Ungeschicklichkeit wird zum Gross-Skandal aufgeblasen und kein Politiker wagt es, die deutsche Automobilindustrie gegen Anfeindungen und Auflagen aus Washington oder aus Brüssel in Schutz zu nehmen. Asiatische Batterie- und amerikanische Elektroautobauer sind willkommen und die Metallgewerkschaft nutzt die Gunst der Stunde, um den Einstieg in die 28-Stunden-Woche zu erstreiken und deutsche Produkte zu verteuern.
  • Die Einstellung der Deutschen zur Flüchtlingspolitik der Regierung resultiert aus einem Selbsthass und einer moralisierenden Erlösungssehnsucht in weiten Teilen der Gesellschaft. Als «Rassist» gilt, wer mit Blick auf die massenhafte Zuwanderung aus arabischen und afrikanischen Ländern um das Eigene fürchtet. Hunderttausende bereits anerkannte Asylbewerber und geduldete Migranten dürfen ihre Angehörigen ins Land holen. Dass sie sich nicht selbst versorgen können, spielt keine Rolle wie auch die Frage nach den Kosten.
  • Man muss bald nicht mehr nach Nordkorea, Kuba oder Venezuela reisen, um den real existierenden Sozialismus studieren zu können, denn die Überwindung des „Kapitalismus“ wäre auch hierzulande angeblich ein „Befreiungsschlag“; so das  Kernanliegen der SPD- Jugend und der Jungen Grünen.

In einem Beitrag bei Cicero zitiert Wolfgang Bok auch den „Comedien“ Dieter Nuhr mit seinem Jahresrückblick 2018:

„Die Chemiebranche ist den Bach runter. Die Energiewirtschaft wickeln wir gerade ab. Atomausstieg, Kohleausstieg, jetzt stehen nur noch ein paar Windräder rum. Die Banken haben sich selbst zerschossen. Nun sind wir auch noch dabei, unsere Autoindustrie zu vernichten.“
„Es wird oft vergessen, dass es durchaus Wohlstandseinbußen geben könnte, wenn wir nur noch Kartoffeln produzieren. Ich fürchte, unser Wohlstand basiert zu einem nicht geringen Teil auf der Autoindustrie. Doch das Auto ist der Volksfeind Nr. 1. Wir vernichten gerade alles, was irgendwie unseren Sozialstaat bezahlen könnte.“
 „Wir wickeln die Diesel-Technologie ab für Antriebe mit Batterien, die man nirgends laden kann und schon bei der Produktion so viel CO2 ausstoßen, dass man den Diesel noch gut acht Jahre hätte fahren können. Aber Batterien sind bestimmt vegan und glutenfrei.“

Dieter Nuhr gibt das Stichwort von der „grünen Lust an der Deindustriealisierung“, die in den ökonomischen Niedergang mündet – was Max Erdinger zur Frage brachte, wer wählt denn die Grünen?
Stimmt das, was z.B. Oliver Nachtwey auch in seinem Kommentar „Deutschland ist im Eimer – auch ohne Merkel“ für die New York Times schreibt? Wie Erdinger sieht er die Grünen als Symbol und die Akteure am deutschen Desaster. Ein Grund, die zu wählen, sei für viele Deutsche: sie „würden jene einsammeln, die den großen Parteien nicht mehr zutrauen, der radikalen Rechten entgegenzutreten oder auch nur den Lebensstandard zu erhöhen.“
Das ist ein Aspekt, dass vielen Deutschen die Grünen sozusagen als die edlere und moralische Variante, als die „saubere“ Antifa erscheinen möchten.
 Nachtwey hätte noch erwähnen können, dass die Wähler der Grünen im Regelfall zu jenen Schichten gehören, die selbst auch in Zeiten der Krise stets ihre Schäfchen im Trockenen haben. Es sind die (angeblich) gut gebildeten urbanen Schichten, die dem Anblick und den Gegebenheiten der sozialen Verwerfungen ausweichen können, die ihre Kinder in Privatschulen schicken, die in den schicken Stadt- oder Vorort-Revieren wohnen, um dem Anblick der prekären Verhältnisse und einem nicht integrierten Mob auszuweichen. Mit ihren kulturellen und politischen Ideen und Zielen, mit deren Konsequenzen und Kosten zum Aufbau und Erhalt einer immer mächtiger werdenden Kontroll- und Sozialbürokratie sind sie Ursache dafür, dass der Mittelschicht und der Arbeiterschaft Wohlstand und Aufstieg zunehmend verbaut werden. Das hat der „Comedien“ Dieter Nuhr in seinem Rückblick auf Deutschland ebenfalls identifiziert. Nicht nur nebenbei erwähnt er dabei auch das „heruntergewirtschaftete und ideologisierte Bildungswesen“, das die roten und „grünen Khmer Deutschlands zu verantworten haben.

 

 „Ein Land, das die Grünen hat,
muss Schreckliches durchmachen.“
Michael Klonovsky

Sieburg beklagte in seinem Essay die „Lust an der Unfreiheit“ und aufkommenden  „Konsumterror“, den er damals beobachtete.
Es muss schon „Lust an der Unfreiheit“ sein, wenn man den moralisch aufgeladenen Verhaltensregeln, den Leitideen der Grünen folgen will, welche diese der Gesellschaft und dem Staat unverblümt durch Zwang überstülpen wollen. Die Grünen betreiben  „Konsumterror“, jedoch in der anderen Art, als solchen Sieburg registrierte. Der „Allesfresser Mensch“, soll mittels Verordnungen und Gesetze mit Ächtung und Stigmatisierung menschgerechter Lebens- und Ernährungsweisen und durch Zerschlagung der klassischen Landwirtschaft, in einen friedlichen, gerne auch wiederkäuenden Pflanzenfresser umgewandelt werden.
Sieburg wußte noch nichts von der ökologischen Bewegung und dem Freiheits-toxischen Phänomen namens „Grüne“ – aber man kann schon mit ihm räsonieren:

„Das ist das Ende unbekümmerten Löffelns.“
und
»Möglich, dass der Mensch gut ist. Aber wir wollen es lieber nicht darauf ankommen lassen.«

Es ist wohl ein Ausfluss der „deutschen Seele“, dass man sich hierzulande die Apokalypse selbst erzeugt. Die „deutsche Seele“ die als eine Bereicherung der Weltkultur die deutsche Romantik in Literatur, Kunst und Philosophie hervorbrachte.
Die Schriftstellerin Thea Dorn resümiert:

„Je mehr die deutsche Seele aber zerfranst und sich vom Diesseits abwendet, ohne auf den Trost im himmlischen Jenseits zu setzen, desto mächtiger zieht es sie zum unterirdischen Jenseits, zum Abgrund hin, in dem alles möglich scheint. Wer den Erdrücken als kalt und unwirtlich empfindet und den Himmel für eine allzu wolkige Utopie hält, der sucht sein (vermeintliches) Heil im Schoß der Erde. Die unentfremdete, wahre Heimat wandert in die Tiefe ab.“

 

Reiß mich an deinen rand
Abgrund – doch wirre mich nicht!
Stefan George


„Wirre mich nicht!“

Verloren gegangen sind durch eigenes Verschulden, durch den Einfluss der romantisierenden Grünen und der angeblich so aufgeklärten Eliten in Deutschland:
feste Ordnung, Klarheit und Maß, Objektivität, Gesetz und Vernunft.
Alles das gilt es wiederzuerlangen.

Aber wer führt uns dahin?

Von den gegenwärtigen selbstgefälligen politischen Kräften – den Parteien und dem schmarotzenden Establishment in Medien, Wissenschaften und den Kirchen ist das nicht zu erwarten.
Wie kriegen wir die denn wieder los? Wer soll an deren Stelle treten?
Einer Hoffnung weckenden liberalen Ordnung mit Besinnung auf das Erhaltenswerte sind die klugen Köpfe abhanden gekommen.
Haben wir in Deutschland überhaupt noch ausreichende „Resilienz“, um aus dem sicheren Niedergang wieder auch einen Aufstieg hervorzubringen?

Man bleibt in Ratlosigkeit zurück und fragt sich, ob wir uns denn nicht doch auf die „Apokalypse“ mit einem totalen Zusammenbruch einstellen sollten, wie er vergleichbar sich in Deutschland vor 75  oder schon mal vor 370 Jahren ereignet hatte – und überwunden wurde?
Brauchen wir nicht doch wieder so ein Purgatorium, das uns endlich wieder zur Besinnung bringt?

Da ist er auch bei mir anscheinend angelangt, dieser (Kultur-) Pessimismus, vor dem schon mal Fritz Stern, der deutsch-jüdische Historiker, Freund von Helmut Schmidt, gewarnt hatte: als eine „politische Gefahr“.

Ich glaube aber an die residente Kraft derjenigen, „Die schon länger hier leben“, das latente Verderben zu erkennen und sich schließlich doch von den erkannten Verursachern zu befreien. Diese werden gewiss alles in ihrer Macht stehende einsetzen, um das zu verhindern. Das jüngste, angeblich demokratische Gebaren in den Parlamenten – in Berlin und in Hessen – weist einmal mehr darauf hin. Doch auch bei den bisherigen Mietmäulern und Miet-Schreibern in Funk und Presse ist nach und nach ein zunehmend kritischer Blick darauf zu erkennen.
Es gilt, dass es „noch mehr“ werden, die den Finger in die Wunde legen, Ross und Reiter der Apokalypse schonungslos benennen und brandmarken. Nur so können wir sie loskriegen. Aber es wird doch Schmerzen brauchen, um für den Prozess der Erneuerung mehr als nur zu sensibilisieren. Wenn schon nicht mehr aus den Bergen, so doch aus dem „Osten“ könnte die Rettung erstehen.

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