Ulrich Schacht †

Am Sonntag den 16. September 2018 verstarb der Schriftsteller und Publizist Ulrich Schacht im Alter von 67 Jahren. Ein würdiger und treffender Nachruf ist bei Michael Klonovsky zu finden.

Altmod hat hier zuletzt auf einen Aufsatz von Ulrich Schacht Bezug genommen.

R.I.P.!

 

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An die Medienschranzen – nicht nur aus Hamburg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tagesschau und Stern und Spiegel,
Was traktieren Sie das Volk mit Striegel?
Was wissen Sie von Ihren Zeitgenossen?
Sie Meinungsbetanker auf „stolzen Rossen“?

Warum keifen Sie, die Führer der Meute,
Gegen Gesinnung und Sorgen der Leute?
Warum erheben Sie ein solch übles Geheule,
Sie Unflat-triefende Ferkelkeule?

Was wissen Sie von Not und Sorgen
Der Menschen, und deren ungewissen »Morgen«?
Sie potenzierten Quatscherzeuger!
Sie elitären Lugbestäuber!

Als wir in Deutschland noch frohmütig waren,
Herr Denunziant – vor vielen Jahren,
Da waren Augstein und Nannen bekannt,
noch mit Bindung zum Volk und zum Land.

Man hielt die Wahrheit in hohen Ehren
Und auch die von Wissen geprägten Lehren.
Sie beschimpfen und verleumden die breite Masse,
als Nazivolk. Sie lugversiffte »Oberklasse«!

Über das Volk schreiben und senden Sie Zoten,
doch nie über die Grünen und Roten.
Mit Mächtigen legen Sie sich in die Suhle,
und machen sich zu deren Buhle.

Sie finden den Schmutz nur beim »Pöbel« und Rechten,
Fremde zählen nie zu den Schlechten.
Sie folgen Frau Merkel in ihrer Phantasmagorie,
Wie Esel –  saublödes Vieh.

Wie Lemminge treiben Sie sich jetzt zum Schroffen,
von Eitelkeit und Stolz besoffen!
Und keiner liest Sie und hört Ihnen noch zu,
Doch, warte nur balde, haben Sie Ruh!

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Herbert Gassen †

Herbert Gassen
* 23.10.1928    † 10.09.2018

Danke für die Freundschaft!

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»Deutschlands Ideale werden in Syrien verteidigt!«

Das neue deutsche Mantra

Bei allem Augenmerk auf die unsägliche Bundestags-Debatte vom Mittwoch, mit dem Outing von Kapo Schulz und dem Pöbler Kahrs von der SPD als obstinate Hassprediger gegen die AfD, ist ein dringliches Thema von den Medien und den Akteuren im Bundestag nahezu ausgeblendet worden: der mögliche Kriegseinsatz der Bundeswehr in Syrien.
Es war bekannt geworden, dass im Verteidigungsministerium eine deutsche Beteiligung an einem Vergeltungsschlag gegen Assad geprüft wird, denn Syrien hat mit den verbündeten Russen einen wohl finalen Angriff gegen die auf syrischem Gebiet verbliebenen Dschihadisten bzw. Rebellen eingeleitet.
Für Merkel und ihren Tross war von vorneherein klar, dass es nur einen Giftgas-Angriff durch Assad geben kann. Dazu: die UNO warnt wieder vor einer Flüchtlingskatastrophe. Mehrere Politikerinnen und Politiker von Union, FDP und Grünen hatten sich für einen Einsatz offen gezeigt, SPD und Linke sprachen sich strikt dagegen aus.

Man muss in der ausländischen Presse suchen, um grundlegende Informationen über die Situation in Syrien zu finden. Die deutsche Qualitätspresse hält der Öffentlichkeit in Merkel-dienerischer Manier dergleichen wohl absichtlich vor.

Die »Wiener Zeitung“ beruft sich auf eine AFP Meldung:

»Vor dem Beginn der Offensive auf die syrische Rebellenhochburg Idlib bereiten sich die ausländischen Dschihadisten dort auf einen Kampf auf Leben und Tod vor. Denn für die tausenden Usbeken, Uiguren und Tschetschenen, die ab 2013 für den ›Heiligen Krieg‹ nach Syrien gekommen waren, ist Idlib der letzte Rückzugsort im Land.
Eine Ausweichmöglichkeit gibt es nicht mehr und nach Hause zurückkönnen sie auch nicht. ›Diese Leute können unter keinen Umständen in Syrien integriert werden, sie können nirgendwo anders mehr hin und sind daher womöglich bereit, zu sterben‹, sagt der Syrienexperte Sam Heller von der International Crisis Group. Während syrische Rebellen in türkisch kontrollierte Gebiete in Nordsyrien gebracht werden könnten, komme dies für die ausländischen Dschihadisten nicht infrage. ›Sie stellen ein echtes Hindernis für eine Lösung dar‹, sagt Heller.
Viele der ausländischen Dschihadisten in Idlib haben bereits in Afghanistan oder Pakistan gekämpft, bevor sie sich ab 2013 dem Al-Kaida-Ableger in Syrien oder dem IS anschlossen. Während die meisten heute für das Bündnis Hayat Tahrir al-Scham (HTS) kämpfen, das rund 60 Prozent von Idlib kontrolliert, sind andere in kleineren Al-Kaida-nahen Gruppen organisiert wie der Islamischen Partei Turkistans (TIP).

Russland, das die syrischen Regierungstruppen bei einer Offensive mit seiner Luftwaffe unterstützt, hat kein Interesse daran, dass die Tschetschenen in ihre Heimat zurückkehren. Die Türkei will sie auch nicht haben, eine Integration in Syrien kommt nicht infrage. Am Ende bleibt für die meisten Tschetschenen und andere ausländische Dschihadisten wohl nur der Kampf bis zum Tod.

… oder, die Gastfreundschaft von Frau Merkel in Anspruch zu nehmen.

Das kann man wohl nicht ausschließen.
Denn wenn der Groko-Partner schon nicht gestattet, dass man sich an einer militärischen Erledigung beteiligt, werden alle linken Biedermänner der Kanzler-Darstellerin sicher zustimmen, die aus dem Konflikt zu erwartenden „bedauernswerten Flüchtigen“ nach Deutschland in unser aller gutmenschlichen Schutz zu bringen.
Und das wird auch Sultan Erdogan entgegenkommen.

So oder so wird Frau Merkel also ihre Agenda durchsetzen.

Wie könnte das neue Schlagwort lauten?
Wohl nicht mehr, „dass Deutschlands Sicherheit am Hindukusch verteidigt wird“, sondern wohl, dass »Unsere »Werte« in Idlib verteidigt werden«.
Deutschland hat sich unter der Herrschaft sozialdemokratischer Verteidigungsminister am Krieg in Serbien und in Afghanistan beteiligt. Natürlich mit Billigung der Merkel-CDU.
Das Ganze ist inzwischen aber mehr als delikat: eine abgewrackte, desolate, ehemalige »Streitmacht« namens Bundeswehr, soll sich in einen bewaffneten Konflikt einmischen? Woanders »Ordnung schaffen«?

Und „in der Heimat“ können aus den Konfliktgebieten importierten »Schutzbedürftigen« ihre Gastgeber metzeln!

Die AfD hat sich klugerweise bei dem Thema nicht zu weit aus dem Fenster gelehnt. Und da tut sie klug daran.
Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass denn aus dem Kanzleramt und von der Merkel-Presse Schlagzeilen gestreut werden wie: »AfD unterstützt Assad« – gar »AfD billigt Giftgasangriffe gegen Zivilisten« – oder so: »AfD verweigert syrischen Bürgerkriegsopfern humanitäre Unterstützung!«
usw.

Merke(l): Inzwischen ist in der deutschen demokratischen Senkgrube 2018 nichts mehr undenkbar.

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(K)Ein Rückgriff auf Ludwig Thoma

„Was stinkt schauderlich zum Himmel,
Schlimmer noch als Aas und Schimmel…“

Ein Spottgedicht

Ludwig Thoma – vor bald hundert Jahren ist er gestorben, war bekannt als ein Meister des politischen Spotts. Vor allem wenn es gegen die „Schwarzen“ ging. Als ich dieses Gedicht, seine Einführungshymne für ein neues bayerisches Parlament das erste Mal in meiner Sturm- und Drang-Zeit hörte und las, ging es umgehend in ein mein persönliches Reim-Repertoire über:

Was ist schwärzer als die Kohle?
Als die Tinte? Als der Ruß?
Schwärzer noch als Rab’ und Dohle
Und des Negers Vorderfuß?
Sag’ mir doch, wer dieses kennt!
– Bayerns neues Parlament.

Bildergebnis für Ludwig Thoma

Das sind für mich tolle Formulierungen, und so entstand kürzlich beim Wieder-Lesen dieses Gedichtes die Anregung zu einem quasi „Bürstenabzug“ in Hinsicht auf neuzeitliche Verhältnisse*:

 

Was stinkt schauderlich zum Himmel
Schlimmer noch als Aas und Schimmel
Ärger noch als Kot und Odel
Und der Hölle Schwefelbrodel.
Sagt mir doch – o meine Fresse! –
Es ist Deutschlands Lügenpresse!

Und wo gibt´s die dümmsten Köpfe?
Dumme Köpfe, die man kennt:
Denken wir an die Geschöpfe
Im Berliner Parlament.
Dümm´re hat es noch – verdammt! –
Im Berliner Kanzleramt.

Was ist schwächer als die Mücke?
Gleichfalls unnütz wie auch lästig?
Wer ist Meister in der Tücke,
Und nicht selten denn gehässig?
Mieser ist als eine Fliege:
Vor allem Deutschlands Führungs-Riege.

Doch wer ist die Allerdümmste?
Schlimmer noch als dumm?
Und damit die Allerschlimmste?
Bitte, ratet nicht herum!
Sagt mir nur, woher sie stammt:
Aus dem Mecklenburger Land!!

__________

* Für die Weiterverbreitung dieser (poetischen) Einsichten bedarf es keiner Genehmigung

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(K)Ein Traumberuf: SPD-Vorsitzender

Ein Update

Aus aktuellem Anlass ist es Zeit, die von mir verfasste Auflistung (zuletzt vom Januar 2017) zu ergänzen und eine neue (?) Einschätzung zu treffen.
Stand September 2018

Quelle: Screenshot bei Berliner Zeitung

Wolfram Weimer schrieb 2009 bei achgut: „Es gibt Aufgaben, die wünscht man nicht einmal seinem Feind: Trainer bei Hertha BSC, Fliege bei Obama, Zahnarzt beim weißen Hai oder Vorsitzender der SPD…“

Betrachten wir die Reihe der SPD-Vorsitzenden von 1946 bis heute.

Da war Kurt Schumacher (1946 – 1952), der letzte absolute Patriot der SPD, ein aufrechter Mann, der 12 Jahre durch die Hölle der Konzentrationslager ging. Einer der „Gründungsväter“ der Bundesrepublik. Konsequent in der Ablehnung einer Zusammenarbeit mit den Kommunisten. Er starb damals „im Amt“.

Während der Amtszeit von Erich Ollenhauer (1952 – 1963) wandelte sich die SPD mit dem Godesberger Programm zur Volkspartei. Wobei Erich Ollenhauer aber dabei nicht gerade die führende Rolle innehatte. Ich habe ihn kurz vor seinem Tod als Junge einmal persönliche erleben können. Er erschien mir, dem politisch noch unbedarften 15-Jährigen, wie ein guter Onkel, der irgendwo bei einer Behörde beamtet ist und Bleistifte spitzt. Kein bleibender Eindruck, aber eine wichtige Person für die junge Bundesrepublik. Er starb ebenfalls im Amt und wurde von Willy Brandt beerbt.

Willy Brandt (1964 – 1987) gilt als die herausragende Gestalt nicht nur der deutschen Sozialdemokratie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ich hielt ihn zwar im Vergleich mit anderen Politikern seiner Zeit für einen nicht wirklich guten Redner; aber trotz „schlechter“ Rhetorik bin ich ihm damals in manchem gefolgt. Im Amt als Bundeskanzler zeigte sich bald, dass sein gerühmtes Charsima für das Amt nicht ausreichend ist. In den ersten Jahren der sozial-liberalen Koalition wurden unter dem SPD-Vorsitzenden und Bundeskanzler Brandt Gesetzesvorhaben exekutiert, an denen unser wirtschaftliches und soziale Gefüge bis heute zu leiden hat. Nicht die Guillaume-Affäre führte zwingend zu seinem Sturz, sondern der Verlust an Realitätssinn im Überschwang der Reformvorhaben – bei bereits dräuendem Unheil in der Wirtschaft und den sozialen Sicherungssystemen. Herbert Wehner – über Brandt damals: „der Herr badet gern lau…“ – war dann Richter und Henker zugleich.
Brandt, der es verstand, mithilfe der schon linkslastigen Medien sich zu einer Ikone zu stilisieren, zeigte sich dann auch besonders wankelhaft. Er vollzog einen Linksruck und fiel dem angesehensten Kanzler, den die SPD je hatte, Helmut Schmidt, bei der Nachrüstungsdiskussion in den Rücken. Das führte neben wirtschaftspolitischen Konflikten zum Platzen der SPD-FDP-Koalition. Schließlich wollte Brandt als Vorsitzender den Genossen eine Generalsekretärin zumuten, die einen (griechischen) „Migrationshintergrund“ hatte (die spätere, ablegte Lebensgefährtin von Friedhelm Pflüger). So was wurde damals vom SPD-Parteivolk (noch) in keiner Weise goutiert. Brandt musste zurückrudern. Besonders verstörend erschien mir dann sein Kampf im Pakt mit der von der DDR gesteuerten „Friedensbewegung“. In negativer Erinnerung sind mir dabei seine Auftritte mit dem „Pietcong“ der SPD , Erhard Eppler zusammen mit den grölenden grün-linken und kommunistisch „friedensbewegten“ Massen bei der Hofgarten-Demonstration in Bonn. Zu der Zeit machte sich auch ein ganz besonderer „Enkel“ namens Oskar schon unangenehm bemerkbar.
W. Brandt hat sich beim Fall der Mauer in einer patriotischen Weise geäußert, die er vorher bei der „deutschen Frage“durchaus vermissen ließ und die niemand mehr erwartet hatte.

„Opa“ Willy wurde 1987 von Hans Jochen Vogel (1987 – 1991) abgelöst, der – so sagten böse Zungen – ein Charisma hatte, das seiner Vorliebe für Klarsichthüllen entsprach. An Vogel als Parteivorsitzenden erinnert sich heute kaum noch jemand.

Dann durfte endlich ein „Enkel“ ran.
 Björn Engholm (1991 – 1993), ein Pfeifen-zutzelnder Schnullermund und Schöngeist aus Schleswig-Holstein, der beim Lügen ertappt und daraufhin in die partei- und bundespolitische Wüste geschickt wurde:
  Untergang eines „Hoffnungsträgers“.

Mit Rudolf Scharping (1993 – 1995), dem Enkel Nr. 2, hatte die SPD wieder kein Glück. Wo hat es das gegeben, dass ein Vorsitzender dieser so großen Partei, wie die SPD, mit einer einzigen demagogischen – zugegeben fulminanten – Rede eines zunächst nicht als Widersacher erkannten „Parteifreundes“ auf einem Parteitag von jetzt auf gleich aus dem Amt gejagt wurde. Rudolf wurde dann auch noch wegen lascher Pflichterfüllung als Verteidigungsminister nach Pool-Spielchen mit einer Gräfin von einem weiteren Parteifreund, seinem Kanzler Gerhard Schröder, als Minister (zurück)getreten.

Der Demagoge und Populist, der Scharping zu Fall brachte, war der Enkel Nr. 3: Oskar Lafontaine (1995 – 1999). Nicht nur nach meiner Meinung das Obera..l…ch der SPD in den letzten 40 Jahre. Sein Abgang 1999 – Schröder hatte nachgeholfen – wurde von vielen Genossen als entwürdigend und beleidigend für das Amt, die SPD, angesehen; war aber dem Salon-Bolschewiken, dem Rotwein- und Rotlicht-Freund durchaus gemäß.

Dann kam Enkel Nr. 4, Gerd Schröder (1999 – 2004). Der begnadetste Selbstdarsteller mit Mediengespür, den die SPD je an der Spitze hatte. Nur nicht begnadet als Parteivorsitzender.

Kanzler und Parteivorsitzender, das geht bei der SPD nicht gut (siehe Willy Brandt).

Gas-Gerd gab aus „taktischen“ Gründen an Franz Müntefering (2004 – 2005) ab. Münte, der alte Knorz, gab sich so, wie man es erwartet, wenn man an seine Heimat  Sauerland denkt. Münte qualifizierte sich gar als ein Entomologe (Insektenkundler) auf dem Thron des Vorsitzenden, indem er die „Heuschrecken-Metapher“ erfand.

Indem man mal wieder einen netten Kerl an der Parteispitze haben wollte, wurde der einstmalige Erfolgs-Ossi der SPD Matthias Platzek (2005 – 2006) ausgesucht. Platzek war aber zu nett und zu schwach zu sich und zu den vorhanden Problemen eingestellt und das musste in einem sekundäre Krankheitsgewinn im Rücktritt enden.

Nachdem es mit dem Erfolgs-Ossi nichts geworden war, holte man den letzten verbliebenen Erfolgs-Wessi unter den Ministerpräsidenten, Kurt Beck (2006 – 2008) aus Rh.-Pfl. Der biedere Elektromeister aus der Provinz erwies sich aber als nicht Metropolen-, heißt, nicht Berlin-kompatibel, wurde vom Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier als Problembär angesehen und in einer wenig feinen Intrige von seinen Genossen abgewickelt.

Den Retter in der Not sollte dann noch einmal der Heuschrecken-Schreck, die knorzige Eiche aus dem Sauerland, Franz Münterfering (2008 – 2009) spielen. Die sauerländische Eiche war aber schon unheilbar vom Eichenspinner befallen und musste schließlich gefällt werden.

Nach Willy Brandt war offensichtlich keiner in der Lage, dieses “schönste Amt der Welt – neben Papst” (F. Müntefering) SPD-würdig und mit nachhaltiger Wirkung für die Partei auszufüllen.

“Die Rettung kommt aus den Bergen“ sagte einst Franz J. Strauß.
Aber diesmal nur aus einem Mittelgebirge. Der Harzer Roller, alias Sigi-Pop, der Glühbirnen-Killer und Atom-Terminator aus Goslar sollte es richten: Sigmar Gabriel (2009 – 2017)!
Wie heruntergekommen ist die SPD, dass sie auf diese Personalie angewiesen ist, fragte ich mich damals. Auf diesen feisten Mann, der so wenig sympathisch wirkt, einem eingebildeten Rüpel mit schiefem Mund.
 Wolfram Weimer bezeichnete ihn denn auch als den „Lothar Matthäus der Politik“. Was ich für unfair gegenüber “Loddar” Matthäus halte, denn der hat als Fußballer doch einiges geleistet.
S. Gabriel hat in der Bilanz bisher noch nichts Herausragendes zuwege gebracht. Gut, er war Ministerpräsident in Niedersachsen von 1999 bis 2003. Anschließend übernahm er das neugeschaffene Amt des „Beauftragten für Popkultur und Popdiskurs der SPD“ – kurz Popbeauftragter (Wie blöd ist das?). Von 2005 bis 2009 war er dann in der 1. GroKo Umweltminister, ab 2103 gar Wirtschaftsminister in der „Regierung Merkel“.
Jetzt ist er als Parteivorsitzender zurückgetreten und damit auch als Kanzlerkandidat abgedankt, wie die SPD-Postille „Der Stern“ exklusiv vermeldet. Der Rücktritt sei seine „Pflicht als Parteivorsitzender“, sagte Gabriel der Wochenzeitung. Weiter: „Wenn ich jetzt anträte, würde ich scheitern und mit mir die SPD.“
Die Entscheidung von Gabriel nötigt Respekt ab. Respekt vor der Einsicht eines Politikers (!) in eigene Schwächen und Unzulänglichkeiten, die sich in seiner Politikerkarriere angehäuft hatten.
Den „Unsympath“ nehme ich hiermit zurück!

Die ehemals große Volkspartei SPD, u.a. einst ein Garant für die Stabilität der Demokratie und des sozialen Gefüges in Deutschland, hatte solche Vorsitzende wie zuletzt nicht verdient. Wie auch die CDU nicht eine Merkel! Aber beide Parteien hatten schon vor langer Zeit begonnen, abzuwirtschaften, sich selbst zu zerlegen.
Vielleicht wird das von Gabriel bleiben: er hat sich aus Respekt vor der großen Tradition seiner Partei einsichtig zurückgezogen.
Was da nachkommt, verheißt nur noch Schlechteres. Es kommt nichts Besseres nach, sagt der Volksmund.

Martin Schulz (Januar 2017 – Februar 2018), Buchhändler, einstmals auch Bürgermeister von Würselen, dann Europa-Parlamentarier und zuletzt Präsident des Europaparlaments mit Ehrgeiz auf Höheres. Gott bewahre uns und die SPD vor „Kapo Schulz“, möchte man ausrufen. Wahrscheinlich darf ein Schulz bald die gute alte, schwer abgetakelte Tante SPD endgültig zur Ruhe tragen und hiernach hat sich vielleicht sogar ein Schulz doch um etwas verdient gemacht: SPD – R.i.P!

 

Nein, sie ruht nicht in Frieden, die SPD, sie bewegt sich: auf 10% und weniger der Wählergunst. Es wird wohl nur noch weiter nach unten gehen, in Abwandlung des Honecker-Zitats: „Aufwärts nimmer, runter immer.“

Dafür sorgt inzwischen Andrea Nahes  (seit Februar 2018).
Was ich eigentlich dem Sigi-Pop aus Goslar Kapo Schulzaus Würselen zugetraut hatte, wird nun wohl Andrea Nahles aus der Vulkaneifel exekutieren: den endgültigen Untergang der SPD.
Nach Namen ist Nahles die Nummer 26 der SPD-Vorsitzenden seit deren Wiedergründung 1890, Nummer 13 seit 1946.
„Basta und Testosteron hatten wir in den letzten Jahren genug.“  sagte A. Nahles am 13. November 2009 auf einem Parteitag in der Bewerbungsrede um ein erstes großes Amt in der SPD (Generalsekretärin).
Statt „Testosteron“ nun Wehen-Hormone, statt „Basta“ jetzt „Bätschi“.
„Die SPD wird gebraucht. Bätschi, sage ich dazu nur. Und das wird ganz schön teuer. Bätschi, sage ich dazu nur.“ Meinte Nahles am 7. Dezember 2017 über Gespräche mit der Union über eine Regierungsbildung.
Im Bundestag hat sie auch schon mal Kinderlieder angestimmt: „Ich mach‘ mir die Welt, widde widde wie sie mir gefällt.“ sang Pippi Nahles am 3. September 2013 im Bundestag mit Vorwürfen an die Bundesregierung).
Die Beherrscherin des Olfaktorischen: „Für die Leute machen wir das, verdammte Kacke nochmal.“ (am 5. März 2014 über die Rente mit 63) und
Ich rieche ihre Schwäche.“ (am 10. Dezember 2016 über CDU-Chefin und Kanzlerin Angela Merkel). 
Nahes steht für die SPD und ihr Programm: Einfalt statt Inhalt, Infantilität statt fortgeschrittener politischer Maturität.

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Der Hitlergruß

Ein juristisches Problem – oder medizinisches „Anfallsleiden“?

Da soll der wohl durch feine Sahne verfettete Fischkopf Jan „Monchi“ Gorkow von der linksradikalen Band „Feine-Sahne-Fischfilet“ in Chemnitz den HG gezeigt haben.
Der linkspopulistische Nachrichtendienst „t-online“ klärt uns heute darüber auf, dass es sich um ein Fake von manipulierenden Rechtsradikalen gehandelt habe – gehandelt haben muss. Und wenn schon nicht die Recherche der Polizei diesen Tatbestand aufklären wird, werden gewiss der „Schirmherr der Zusammenrottung“ dieser 65 000 (laut „Tagsschau“) nach Chemnitz gekarrten Demonstranten, Rock- und Pop-Begeisterten, der BuPrä Frank Walter Steinmeier und der frühere Justizminister Heiko Maas für eine Exkulpation des bezahlten linken Gröle-Meiers von FSF sorgen.

Was es mit dem HG auf sich hat und in welche Gefahr man sich begibt, wenn der rechte Arm absichtlich – oder auch unabsichtlich – in eine bestimmte Position gebracht wird, kann man auf Wikipedia nachlesen.

2009 musste ein Münchner Stadtrat, „als vorgeschobener Posten der widerlichen NPD“ erkannt, dafür die gnadenlose Strenge des Gesetzes und öffentliche Ächtung durch die Presse und den Oberbürgermeister der Stadt erdulden. 

In letzter Zeit scheinen sich denn diese verdächtigen motorischen Aktionen, diese „stereotyp ausgeführten Bewegungen“ zu häufen.
Für den Mediziner zählen „motorische Automatismen“ zu einer neurologischen Pathologie, können mithin Symptom eines „Anfallsleidens“ – z.B. Epilepsie – sein, und somit eine behandlungswürdige Erkrankung.
Bisher hat man diese Beeinträchtigung nur juristisch angegangen – und das wird wohl in der Mehrzahl der „Erkrankungen“ so bleiben. Ein öffentlich Betroffener aus dem Pöbel oder vom „rechten Rand“ wird sich aber nicht zur Entschuldigung auf eine „Behinderung“ oder ein medizinisches Leiden berufen dürfen, auch wenn ausgewiesene Linke inzwischen davon betroffen sein können. 

Es handelt sich aber offensichtlich nicht um eine typisch deutsche Krankheits-Entität.  So waren in den zurückliegenden Jahren ein italienischer und ein griechischer Fußballer wegen einer Provokation durch „arm rising“ abgestraft und aus ihren Mannschaften ausgeschlossen worden.

Nicht jeder Betroffene muss eine medizinische oder juristisch-forensische Maßnahme fürchten. Früherer SED-Chargen, nicht-nationale Sozialisten wie die Kanzlerin, die Verteidigungsministerin, Kapo Schulz und eine BuPrä-Gattin besitzen dafür  Immunität, wie der nachfolgende Bilderbogen nahelegt.

Der deutschstämmige Trump wurde noch nicht richtig  in Sachen HG behandelt – oder?

Den Deutschen scheinen denn gewisse Derivate schon in die Wiege gelegt zu sein und so konnte man auch bei den Jüngsten (gewiss prekärer Herkunft) bereits im Kinderwagen abweichendes Verhalten nachweisen.

 

Der HG ist nicht nur eine optische Provokation, denn dazu gehört nicht selten  das leichtfertig dahin gesprochen Wort „Heil“ (HH): eine fragwürdige Redeblume des Deutschen, welche schon durch die deutsche Musik wabert.
So bei Richard Wagner und der alten Kaiserhymne gesungen: „Heil, König Heinrich! Segenvoll mög Gott bei deinem Schwerte stehn!“ und „Heil dir im Siegerkranz„.

Man sieht, der HG und HH eröffnet ein weites Feld für therapeutische Mode-Disziplinen wie Neurologie, Psychologie und Logopädie. Und natürlich für den forensischen Journalismus.

Darauf ein kräftiges „Heil“!

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Unverbrüchlich im Laberland

Die Universität Frankfurt feiert ihre 68er

Als ein „Studierter“ interessiert man sich schon dafür, was sich noch so tut an der „Alma Mater“. Meine „alte Uni“ Würzburg bietet mit „Blick“ oder mit dem Online-Magazin „Einblick“ ansprechende Informationen auch für mich „Ehemaligen“. Das Thema „68er“ hat aber dort augenscheinlich keinen so hohen Stellenwert, wie in der Nachbarschaft. Nun ist mir einmal mehr ein Heft „Forschung Frankfurt“ das sog. „Wissenschaftsmagazin der Goethe Universität“* unter die Finger gekommen: Im Heft 1.2018 beschäftigt man sich ausschließlich mit den „68ern“.

Quelle Screenshot

Ich habe mir nun die Mühe gemacht das ganze Heft durchzuarbeiten, wenngleich bei der Lektüre immer wieder eine Art Brechreiz bei mir hochkam.

Die Aufmacher bzw. Themenbereiche der Zeitschrift lauten:

1. Mit Marx in den Hörsaal – Was 1968 an der Goethe-Uni geschah
2. Das Private ist politisch – Herrschaft in den Kapillaren des Alltäglichen – damals und heute
3. Vom Weiberrat zur Professur – Die neue Frauenbewegung
4. Der Sound der Revolution – Rebellion und
nstitutionalisierung von Rockmusik
5. Politik des Bewusstseins – LSD und andere Drogen
6. 1968 MEETS 2018 – KD Wolff im Gespräch mit heutigen Studenten

Erwähnt werden darf noch der redaktionelle Plot „Zeitzeugen erinnern sich“.

Diese obigen Punkte sind die Stichworte für 20 Beiträge von „Wissenschaftlern“ – alten wie neuen – der Uni Frankfurt und dazu dürfen 5 „Zeitzeugen“ zu Wort kommen.
Unter den Autoren dieser 20 Artikel ist kein einziger Naturwissenschaftler oder Mediziner zu finden, abgesehen von einem gescheiterten Physiker, der dann in den „Erziehungswissenschaften“ wieder in Frankfurt strandete.
Unter den Zeitzeugen läßt man dann doch einen Physiker und einen zum Mediziner gewendeten ehemaligen Jura-Studenten zu Wort kommen.

Die Hauptartikel werden unter „Auf den Punkt gebracht“ jeweils mit Schlagworten zusammenfassend ausgewiesen, aus denen man einige Metaphern des fortlebenden Geistes aus 68 extrahieren kann.

Hier einige Auszüge: 

  • Zu 1968 in Frankfurt gehört die Entdeckung der faschismus- und kapitalismuskritischen Arbeiten des Instituts für Sozialforschung in einer von revolutionären Befreiungsbewegungen in der Dritten Welt und Protestbewegungen in den Metropolen geprägten Gegenwart.
  • Demonstrationen und Besetzungen machten neue Erfahrungen möglich: Straßen und Plätze wurden zu öffentlichen Räumen für politische Partizipation, universitäre Einrichtungen ermöglichten Experimente mit selbst bestimmtem studentischen Lernen und Diskutieren.
  • Von den vielen damals kursierenden Slogans hat sich angesichts des Zerfalls der Protestbewegung und der Zerstreuung der zur »Frankfurter Schule« gerechneten Personen einer bewährt: Nicht Berufsrevolutionär kann das Ziel sein, sondern Revolutionär im Beruf.

Die Verfasser der einführenden Kapitel sind nach ihren Biografien und ihren Niederschriften den 68ern – hier speziell der „Frankfurter Schule“ – durchaus verhaftet gebliebene Soziologen, Philosophen oder Historiker. Die „Lehrer“ Horkheimer, Adorno und Habermas werden dabei als Ikonen für den gesellschaftlichen Fortschritt herausgeputzt.

Zur 68er Legendenbildung gehören Personen, bzw. ein Personenkult, wie bei den „revolutionären“ Vorbildern Mao, Ho Tschi Minh, Fidel Castro usw.
Unter der Überschrift „Die Welt in Bewegung“ führt man denn aus:
„Nationale Akteure als transnationale Ikonen eines globalen Phänomens“.

  • Die Protagonisten der 68er-Bewegung wirkten in einem grenzüberschreitenden Netzwerk zusammen. Daniel Cohn-Bendit, Tariq Ali und Rudi Dutschke teilten die Erfahrung der erzwungenen Migration.
  • Von Nationalkonservativen gehasst und bekämpft, wurden die Aktivisten und ihre gesellschaftspolitischen Vorstellungen verunglimpft, ihre Forderungen und Kritikpunkte jedoch von Intellektuellen und einigen Leitmedien durchaus ernstgenommen und öffentlich diskutiert.

Z.B. Daniel Cohn-Bendit, der sich 1968 mit nichts anderem als einem „revolutionären“ Background anmaßte, für das Amt des Rektors der Universität Glasgow zu kandidieren; der pädophile, kommunistische Wegbereiter der Grünen-Bewegung.
Bei allen Dreien spricht der Verfasser von einer „erzwungenen Migration“. Eine Behauptung, die bei sachlicher Betrachtung unpassend wenn nicht falsch ist, aber natürlich passend als Vorbilder und für Zeiten von neuer „erzwungener Migration“.

Bezüglich des kulturellen Einflusses der Frankfurter 68er – auch unter dem Aspekt von „Rock- und Popkultur“ fällt das Resümee der zuständigen Verfasser eher bescheiden aus.
„Ist 68 schuld an Frankfurts verheerender Poplosigkeit?“ fragt ein Autor:

  • In Frankfurt stagniert seit 1968 die popkulturelle Entwicklung, weil die allmählich zum kulturellen Establishment aufsteigende linke Sponti-Fraktion ihren liebgewonnenen Protest-Sound gewissermaßen institutionalisiert

und

  • Das Frankfurter Studierendenhaus** auf dem Campus Bockenheim entwickelte sich in den 1960er Jahren vom Quartier einer literarisch-ästhetischen Alternative zum Schauplatz der politischen Revolte.
  • Die hier ansässigen kulturellen Initiativen »neue bühne«, »diskus«, »studiogalerie« haben zu dieser Entwicklung beigetragen, indem sie die etablierte Ordnung durch neue kulturelle Ideale und Formen von Gegenöffentlichkeit infrage stellten.

Erstaunlich ist, dass sich nur ein Artikel der Lobschrift mit „Gedöns“ (Gerhard Schröder) beschäftigt. Nun ja, ist doch Frankfurt inzwischen ein ausgewiesener Hort für gescheiterte  „Excellence Cluster“ – nicht nur in Genderismus und assoziierten Müllwissenschaften.

  • Mit der Parole »Das Private ist politisch« forderten Frauen auf der Delegiertenkonferenz des SDS 1968 in Frankfurt, ihre Geschlechtsgenossinnen für den politischen Kampf zu gewinnen. Die Ignoranz der Genossen provozierte den »Frankfurter Tomatenwurf«.
  • Aus dem Autonomiegedanken der 68er Bewegung entstand eine eigene Kultur mit vielfältigen Angeboten für Frauen. Sie bildeten auch die Basis für die Einrichtung der ersten Frauenprofessur Deutschlands 1987 an der Goethe-Universität.

 

Man muss bei der Wertung dieser Festschrift für 68 zugestehen, dass es sich nicht um eine ausschließliche Apologie handelt, es kommt durchaus Kritisches zur Sprache, eher von Juristen und Wirtschaftswissenschaftlern ausgeführt. All die Soziologen, Pädagogen, Psychologen, Kunstvermittler und -Vermittlerinnen und Philologen können ihre Arretierung oder Sympathie für die „68er-Bewegung“ nicht verhehlen. Auch wenn „die Verbreitung von antibürgerlichen, antiwestlichen, antikapitalistischen Tendenzen und eine vermeintlich allgegenwärtige politische Korrektheit an deutschen Universitäten oder der massive Widerstand gegen Studiengebühren vonseiten links gerichteter Studierender“ von einem Autor gebrandmarkt werden. 

Die Sprache der 68er hat aber bei allem Geschmäcklerischen, wohl dann doch für den analysierenden Philologen etwas Gutes, denn:

  • Mit Parolen wie »Demokratie im Notstand« traten sie einer Rückkehr des Faschismus entgegen.

 

Mit dieser „Parole“ und mit „Das Private ist politisch!“ wird ersichtlich, dass man aus einer Phrase ein Programm machen kann, das „in die Kapillaren der Alltäglichen“ einzudringen vermag. Vor allem die „Frauenbewegung“ reklamiert diesen 68er Spruch als Kondensat ihrer Betrachtungen im Sinne der „Politik der ersten Person“.

Vefolgt man die Entwicklung der geisteswissenschaftlichen Felder kann man hier inzwischen durchaus von einer „normativen Kraft des Phraseologischen“ sprechen:

  • 68 ging es bei den Diskussionen und Analysen um die »Weltherrschaft des Kapitals« und den Zusammenhang von Faschismus und Kapitalismus immer zugleich um die Manifestationen von Herrschaft und Unterdrückung in den Kapillaren des Alltäglichen.
  • Dabei konnte man auf die (ältere) Kritische Theorie zurückgreifen, die stets ein Augenmerk auf die Analyse von Alltagsroutinen gelegt und diese ideologiekritisch betrachtet hat.
  • Mit der umfangreichen Digitalisierung der kommunikativen Infrastruktur sind heute neue Potenziale der Kommodifizierung persönlicher Daten und privater Kommunikationen entstanden.
  • Eine kritische Theorie des Privaten kann die Paradoxien von scheinbar freiwilligen Entscheidungen, die de facto aber freiheitseinschränkend sein können, gezielt in den Blick nehmen.

 

Von den „Zeitzeugen“ formuliert einer der Naturwissenschaftler, was 1968 Studenten in den heute so genannten MINT-Fächern und Medizinstudenten bewegte.
Im Gegensatz zu der Vielzahl der 1968 aktiven Studenten aus den geisteswissenschaftlichen Disziplinen, welche sich zu Massen an den „revolutionären“ Universitäten Frankfurt und Berlin tummelten, von dort angezogen wurden, die dann nachfolgend in den sog. Reformuniversitäten von Bremen bis Bielefeld als „Wissenschaftler“ reüssierten und dann in Frankfurt den ein oder anderen Lehrstuhl ergatterten, war “laborare statt labern“ unser Slogan. Wer sein Physik-, Chemie- oder Medizin-Studium nicht nur in der Zeit, überhaupt durchziehen wollte, konnte sich nicht an den Laber- resp. Diskussionsrunden, an „sit-ins“, „teach-ins“, an „Latsch-Demos“ oder anderen „revolutionären“ Aufzügen beteiligen.
1968 hatte ich als Medizinstudent pro Woche 40 und mehr Pflichtstunden im Hörsaal oder im Labor zu absolvieren, dazu dann Vor- und Nachbereitung der Vorlesungen und der Kurse für die regelmäßigen Testate und Prüfungen. Kommilitonen, die Zahnmedizin studierten, hatten noch mehr Pflichtstunden und -Übungen zu absolvieren, wie auch die Biologen, Chemiker oder Physiker im Diplom-Studiengang.

Das Studium war übrigens keineswegs gebührenfrei: bis 1970 hatte ein Medizinstudent in Bayern noch durchschnittlich 250.- DM pro Semester an Vorlesungs- und Seminar-Gebühren zu entrichten.

 

Was bewegt einen „Studierenden“** an der Frankfurter Uni heute?
Unter der Sub-Überschrift „Bewegte Studenten gestern und heute“ findet man in dem Magazin ein Gespräch, das zwei „Studierende“ der Erziehungswissenschaften mit „KD“ Wolff führen durften. (Hinter KD verbirgt sich mit Namen der damalige SDS-Bundesvorsitzende Karl Dietrich Wolff, einer der „Protagonisten der 68er Bewegung“ wie es hier heißt.)
Ein „Studierender“ namens Dumke fragt den Veteranen aus der 68er Zeit:

„Die Offenheit der Diskurse wird immer mehr auch von rechtspopulistischen Gruppen genutzt. Neonazis geben sich intellektuell und versuchen, die eigene Hetze auch mit der Chiffre der Meinungs freiheit salonfähig zu machen. Ist das ein Kollateralschaden der Diskursoffenheit, oder ist das für Sie eher ein Rückschritt in eine faschistoide Kleinbürgerlichkeit?“

Die Frage ist symptomatisch für den Geist, welchen nicht nur diese Publikation aus dem Schlund der Frankfurter Uni atmet: der Feind ist bürgerlich, konservativ und rechts.

 

Meine Ausdeutung der Frankfurter Festschrift zu 68 mag manchem einseitig und nicht fair erscheinen, nachgerade „unwissenschaftlich“.
Wenn in der Ausführung etwas unwissenschaftlich und mit verklärendem Duktus auftritt, ist dies eine wissenschaftliche Würdigung ohnehin nicht wert – auch wenn „Forschung“ darüber steht.
Der Pressesprecher der Uni Frankfurt Dirk Frank, der diese Schrift mit zu verantworten hat, läßt auch verstehen, dass die Frankfurter Uni „eine dezidiert linke Tradition“ hat; nicht nur!
Mit der Publikation ergötzt man sich an sich selbst und schwelgt in seiner Tradition der Kritischen Theorie und Praxis mit seinen vor- und nachrevolutionären Lichtgestalten wie Adorno, Horkheimer und Habermas.

Da lobe ich mir doch meine feine und kleine, alte Alma Mater in Würzburg mit ihrer naturwissenschaftlichen Tradition; wenngleich inzwischen der nicht enden wollende linke  Zeitgeist bisweilen auch dort seine Urständ feiern darf.

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*     Wen es interessiert, der kann sich hier das Magazin herunterladen.

**   Gemäß der gegenderten Sprache, verwendet kaum einer der der Autoren das Wort Student oder Studentin, außer bei vielleicht als definitiv angesehen Komposita wie Studentenrevolte etc.

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Stille Tage in Prag …

 Prager Frühling 1968

Hradschin, Prag – Von Stefan Bauer, http- www.ferras.at – Eigenes Werk, CC BY-SA 2.5,

Heute vor 50 Jahren endete ein hoffnungsvolles, freiheitliches Experiment innerhalb des real existierenden Sozialismus: der „Prager Frühling“. Vom Januar bis zum August 1968 konnten Menschen aus dem Ostblock, wenn es ihnen vergönnt war, nach Prag reisen, um erstmals so etwas wie Luft von Freiheit zu schnuppern. Kam man aus dem Westen, gab es außer des Zwangsumtausches von läppischen 5 DM pro Tag keine Schikanen und Schurigeleien mehr an den Grenzen, wie man sie beim Übergang von Deutschland nach Deutschland erdulden musste.

Die tschechoslowakischen Reformkommunisten um Alexander Dubcek und dem Wirtschaftswissenschaftler Ota Šik hatten begonnen, ein Liberalisierungs- und Demokratisierungsprogramm durchzusetzen.
Im Februar 1968 hatte Dubček die Pressezensur aufgehoben und die Meinungsführerschaft hatte inzwischen von der Partei zum Volk gewechselt. Die Freiheit von Presse, Wissenschaft, Information und Reisen waren wichtige Schritte auf dem Weg zu einem angestrebten kulturellen Pluralismus und zu einer neuen, eher marktwirtschaftliche orientierten Wirtschaftsordnung – aber ohne den „Sozialismus“ aufzugeben.
Den Bemühungen setzten dann die „sozialistischen Brüder“ des „Ostblocks“ ein jähes Ende. In der Nacht vom 20. zum 21. August 1968 besetzten Truppen des Warschauer Pakts die Tschechoslowakei – unter Beteiligung der DDR.

 

Ich selbst war von 1967 bis 1968 dreimal in der CSSR, die frühere Heimat meiner Eltern und Großeltern im Böhmerwald zu besuchen und dann einige Tage in Prag zu verbringen.
Prag war für mich eine Obsession: die Moldau mit ihren Brücken, daneben das Nationaltheater und über allem der Hradschin mit dem Veitsdom. Die Altstadt mit dem Ring, dem Judenviertel und seinem beeindrickenden Friedhof. Dann der Wenzelsplatz und die „Kleinseite“ und die vielen Kneipen und Cafes, die Stammkneipe Schweijks, das U Kalika oder die ultimative Prager Bierschwemme, das U Flecku. Und dann das Cafe Slavia, gleich gegenüber dem Nationaltheater.

Prag, Nationaltheater – Von Lynx1211 – Eigenes Werk

Der Besuch im Slavia , dieser Prager Kultstätte, war ein „muss“. Dort trafen sich seit jeher Künstler und Literaten und während der Zeit des Kommunismus viele Studenten und Oppostionelle. Die Atmosphäre des Cafe Slavia war wohl stets in besonderer Weise anregend.

Zu diesem Thema fand ich denn vor Jahren, es war 2012, einen wunderbaren Aufsatz des Schriftstellers und Journalisten Ulrich Schacht* in der leider nicht mehr existenten Zeitschrift MUT.
Schacht schreibt von seiner expressiven Liebe und Bindung an diese Stadt. Er beschreibt ein „Glücksgefühl….. das mich vor so langer Zeit an diesem Ort gepackt hatte wie eine erste große Liebe, die einen nie verläßt.“
Schacht war 1968 als Siebzehnjähriger das erste Mal in Prag und erlebte als DDR-Bürger erstmals, wie Freiheit, die er gern erleben wollte, sich anfühlt. Bei einem neuen Besuch im Cafe Slavia mehr als 40 Jahre nach seinem ersten Besuch, mehr als 20 Jahre nach dem Mauerfall, refelektiert er jetzt in diesem Bericht über die Suppressionen, die jetzt im Namen von Freiheit uns von den neuen Zentralkomitees in Brüssel und anderswo auferlegt werden und führt seine Gedanken zurück zu dem damaligen echten, aber gescheiterten Aufbruch in die Freiheit in Prag.

Der Absinth-Trrinker von Viktor Oliva – Cafe Slavia

 

„…. Als ich meine Augen wieder öffnete, fiel mein Blick auf das berühmte Bild im hinteren Teil des Cafes: Es zeigt in unspektakulärem Grau und Braun nichts anderes als einen Ort wie den, in dem ich gerade saß, in seinem Zentrum aber nur einen einzigen Gast. Das Bild wäre zu übersehen, stünde in seinem wahren Mittelpunkt nicht etwas ganz Anderes: ein Geist. Ein Geist von giftgrüner Farbe und höchst verführerischer Gestalt. Der Mann am Tisch ist sein Opfer, denn der Mann am Tisch ist ein Trinker, und das, was er trinkt, ist – es leuchtet mit tödlicher Aura in einem Glas, das vor ihm steht, und sitzt zugleich als nackte junge Frau aus grünlich-durchsichtigem Nebel lasziv auf der Kante des Möbels ― Absinth. Ich habe noch nie Absinth getrunken, aber ich weiß, daß er wieder zurückgekehrt ist: wie eine süchtig machende Mode, die lange verschwunden war. Und nun ist sie erneut da, so neu und so chic wie einst; aber schluckt man ihn wirklich wieder so exzessiv wie damals? Absinth, dachte ich, was für ein schönes Wort für ein so abgründiges Naß, und trank mit Genuß einen ersten Schluck von meinem kühlen Chardonnay. Dann schnitt ich meine Zigarre an, befreite sie vorsichtig von ihrer Bauchbinde und begann mit der Zeremonie des Entzündens. Seit drei Tagen immer wieder dasselbe erregende Spiel, und seit drei Tagen sagte niemand, noch bevor es begann: Rien ne va plus. Rauchen verboten!
Ja, in Prag darf man in Restaurants noch rauchen, und fast hat es den konterrevolutionären Charme jener „2000 Worte“, die vor einem halben Jahrhundert den greisen Revolutionären zu Moskau, Warschau, Sofia, Budapest und Berlin die letzte Legitimation dafür lieferten, endlich ihre Soldaten, Panzer und Flugzeuge in Bewegung zu setzen, um dem Freiheitsspuk in Prag für lange Zeit ein Ende zu setzen. Heute sitzen – ging ich den eingeschlagenen Gedankenweg weiter – die neuesten alternden Revolutionäre zwar weit im Westen, gleich hinterm Ärmelkanal, aber daß in den Restaurants zu Prag noch immer blauer Dunst aufsteigen darf, treibt sicherlich ganze Kommissariate in der Welthauptstadt des Allerneusten Menschen um, in unzähligen Sitzungen zu prüfen, wie man dieses Mal das interventionistische Theorem von der begrenzten Souveränität im Fall Prags anwenden könnte, ohne Blutvergießen zwar, aber mindestens genauso wirkungsvoll.
Ich dachte dies, als ich die erste zarte Rauchwolke ausstieß und dabei eine der beiden großen deutschen Sonntagszeitungen aufblätterte, ich hatte sie mir beim Hergang in einem mit Zeitungen und Illustrierten aus aller Welt übersäten Kiosk am Wenzelsplatz gekauft. Aber die Schlagzeilen, die sie boten, hatten nichts mit diversen Beglückungsideen aus Brüssel zu tun, dafür mit Arabiens Aufbruch in die Demokratie, jedenfalls den Schlagzeilen zufolge. 
 Ach ja, seufzte ich leise, nach einem kurzen Überfliegen der Texte: Alles schon mal gelesen, damals, 1979, als sie den Schah verjagt hatten und die persische Demokratie ausriefen, die Mullahs mit den Kommunisten und den liberalen Bürgern zusammen, kurz darauf hingen die Kommunisten am Galgen, die Bürgerlichen standen vor den Erschießungspeletons, und die Frauen, eben noch frei, hatten fortan nur noch die Freiheit, sich Stoffbahnen verschiedener Qualität und Farbe zu kaufen, um sich darin einzuwickeln wie Fisch, dem ein Geruch von Fäulnis anhaftet. Zuletzt sah man vor allem an Kränen hängende Homosexuelle im in die Jahre gekommenen persischen Revolutionswind schaukeln.
Für einen Moment unterbrach ich meine Lektüre, zog intensiv an meiner von Hand gerollten Zigarre aus der Dominikanischen Republik und fragte mich, während ich langsam den Rauch ausstieß, ob die Welt nur periodisch verrückt sei oder strukturell? Hinter den blassen Rauchwölkchen entschied ich mich an diesem Nachmittag für das Naheliegendste, das Letztere mithin, was mich im selben Moment falscher Erregung enthob und meinen Versuch, die Stunde ungebrochen zu genießen, nicht vorzeitig beendete.
Also ließ ich die Zeitung auf die Tischplatte zurücksinken, trank erneut einen Schluck Chardonnay und blickte, durch den Raum meines geschützten Wohlbehagens und seine Fenster hindurch und hinaus, erneut über die Moldau hinweg, hinauf zum Hradschin: Ja, sie war noch immer zu sehen, die Fahne des Präsidenten der böhmischen Republik, nur viel schwächer als gestern, da den ganzen Tag über die Sonne schien und ein leichter Wind ging. Heute war der Himmel bedeckt, heute wehte kein Lüftchen, und also hing die Fahne des Präsidenten der Tschechen schlaff am Mast herab, nadelfein von hier aus, aber immerhin: Ich konnte sie noch sehen, und selbst wenn ich mich geirrt habe – es bleibt bei der einen Fahne, und darauf kommt es an.
Es gibt keine zwei Fahnen auf dem Palast des tschechischen Staatspräsidenten, es sei denn, er hat einen Gast. Und also können auch nie ständig zwei Fahnen über dem Haupt von Herrn Klaus wehen, wie auf vielen anderen Dächern Europas, unter denen Noch-Staatsoberhäupter sich täglich gen Belgien verbeugen,  jenem Menetekelgelände, das selbst nicht weiß, ob es zusammengehört oder demnächst auseinanderbricht wie eine Packeisplatte im Weddellmeer.
Klaus mag sie nicht, die blaue Fahne mit dem Sternenkranz, jedenfalls nicht über seinem Kopf. Sowenig übrigens wie die Reden der Wetterapokalyptiker, die uns täglich weiszumachen versuchen, wir seien es, die den Himmel erwärmten, und nicht der Himmel uns mit seiner Sonne und ihren Kapriolen aus Eruptionen, Neigungswinkeln und Teilchenströmen.

Eigenartig, dachte ich, es gibt immer noch Gründe, viel lieber Bürger dieses Landes zu sein als des eigenen, das täglich seinen Dreifarb ertränkt im Blau jener Flagge mit dem Sternenkranz, das gegen Raucher zu Felde zieht, als wollte es jenem fanatischen Küß-die-Hand-Nichtraucher von einst ein flächendeckendes immaterielles Denkmal setzen, und in dem täglich auf dem Fernsehschirm die Ablaßmessen der antimeteorologischen Priesterkaste gelesen werden, begleitet von schaummauligen Tetzeln in Serie, die auf den medialen Marktplätzen dem wohlgenährten Dummvolk die Sündenregister herunterbeten und die große Kehre einfordern, die darin besteht, die Dächer mit vergifteten Sonnenkollektoren zu beflastern, in zarteste Landschaften und glitzernde Meeresgründe gigantische Windmühlen aus Stahl zu rammen, deren Propeller zahllose seltene Vögel zu Hackfleisch verarbeiten, im Auto aber, mit dem sie nach ihren Auftritten davonjagen, nicht mit dem Fahrrad, im Auto soll das Volk den Teufel persönlich erkennen.
Und ich begriff: Nichts hatte sich wirklich geändert, obwohl sich seit damals, vor fast einem halben Jahrhundert, als ich zum ersten Mal hier war und die Freiheit schmeckte wie ein Auftauchen aus großer erstickender Tiefe, fast alles verändert hat. Schon gestern und vorgestern war ich beim Flanieren durch die Stadt jenem unfaßbaren Glücksgefühl von einst auf der Spur gewesen, aber eher zweifelnd, verzagt: Die Freiheit war jetzt auch hier Alltag, wie sollte sie da noch über jenen Glanz verfügen, der darin bestand, daß sie umstellt war von Lumpen, die sie mit Schmutz bewarfen, damit sie dreckig aussähe und die uniformierten Putzkolonnen, die schon hinter der Grenze lauerten, mit der Säuberungsarbeit beginnen könnten?

Wie in Trance sind wir damals durch die Stadt gelaufen, ich war noch keine achtzehn, mein Freund gerade sechzehn geworden. Aber wir waren alt genug, um zu wissen, was hier auf dem Spiel stand und daß es kein Spiel war, das Spiel, sondern Ernst, heiliger, sozusagen: Die Freiheit, kaum ans Licht gekommen, war sie schon wieder tödlich bedroht und wir mittendrin, in diesem Raum zwischen den Zeiten, von dem wir nicht wußten, träumten wir ihn nur, oder brannte sich da etwas für immer ein: über die Augen und Ohren in den Kopf, bis tief ins Hirn, ins ganze noch folgende Leben.
Seitdem sind über vierzig Jahre vergangen, und das ganze damals noch folgende Leben ist bis in diese Stunde gelebt, da ich zum dritten Mal während meiner jüngsten Reise hierher im Slavia eine köstliche Zigarre rauche, zum Chardonnay und nach einem Salat „Cesar“, der mir hier wunderbar schmeckt, woanders habe ich ihn mir längst übergegessen: Ja, es war ein Traum, aber er war auch wahr, so wahr, wie das Wirkliche nur sein kann, wenn es wirklich wahr wird, was selten geschieht, meistens ist es ja nur.
Auch gestern kam ich von meinem Quartier mit der Straßenbahn ins Zentrum, wie damals. Auch gestern stieg ich kurz vor dem Wenzelsplatz aus, passierte eine Seitenstraße und begriff im selben Moment, als sich der Platz vor mir auszubreiten begann, daß es genau die Ecke war, wo wir, im August 1968, in ein Kino gingen, um, es war der helle Wahnsinn, Help zu sehen, und vor dem Kino, unter den Arkaden, kaufte ich ein Poster mit den vier Hauptdarstellern des Films, was für eine Trophäe, was für ein Schatz, und von dem wenigen Geld, über das ich verfügte, auch noch ein paar deutsche Zeitungen aus Hamburg, die ich dann unterm Hemd zurückschmuggeln mußte in die Unfreiheit, aus der ich kam … “

 

Auch ich war in Prag verliebt. Wenn man mich damals frug, welche Stadt mir am schönsten schien, nannte ich Prag neben meinem geliebten Würzburg. Ich sollte auch später bedeutendere Schönheiten wie Paris, Rom, Neapel und andere kennenlernen dürfen. Aber an die erste Liebe erinnert man sich immer verklärt.
Prag wurde aber leider nach der Wende eine neuzeitliche Touristenmetropole mit Rummel, viel Nepp und ganz bestimmten Auswüchsen „westlicher Kultur“. Der Zauber der einstigen „Geliebten“ schien nicht nur mir bei meinen letzten Besuchen dahin.
Auch im Cafe Slavia war nichts mehr von dieser Atmosphäre zu erfühlen, wie einst im Mai 1968 oder auch früher zu Zeiten Friedrich Smetanas, der hier sogar wohnte, oder von Rainer Maria Rilke, Egon Erwin Kisch und später mit Karel Capek und Vaclav Havel.

Aber man sollte sich nicht ablenken lassen von der weitergehenden Botschaft, die dazu Ulrich Schacht für uns hat.

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* Ulrich Schacht wurde im Frauengefängnis Hoheneck, wo seine Mutter inhaftiert war, geboren und wuchs in Wismar auf. Nach Handwerkslehre und Sonderreifeprüfung studierte er in Rostock und Erfurt evangelische Theologie. 1973 wurde er in der DDR wegen „staatsfeindlicher Hetze“ zu sieben Jahren Freiheitsentzug verurteilt, 1976 in die Bundesrepublik Deutschland entlassen. Er studierte anschließend Politische Wissenschaften und Philosophie in Hamburg und arbeitete als Feuilletonredakteur und Chefreporter für Kultur der Zeitungen Die Welt und Welt am Sonntag sowie als Autor diverser Periodika, darunter Süddeutsche Zeitung, Volksstimme, Donaukurier, Focus, Rheinischer Merkur, Die Zeit, Cicero, Merkur, Sinn und Form, Die Politische Meinung, liberal, Preußische Allgemeine Zeitung und Junge Freiheit. 1994 war er zusammen mit Heimo Schwilk Herausgeber des Sammelbandes „Die selbstbewusste Nation“. (Wikipedia)

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Erdogan in Berlin

Staatsbesuch mit Jubel-Türken?

Am 28. und 29. September wird Erdogan in Berlin erwartet zu einem Staatsbesuch, Empfang mit militärischen Ehren und am Abend Staatsbankett.

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Da erinnere ich mich 51 Jahre zurück.
Am 2. Juni 1967 besuchte der Schah von Persien die Bundesrepublik, auch damals: Empfang mit militärischen Ehren und am Abend Opernbesuch und Staatsbankett. Der Schah war seinerzeit ein „Verbündeter“ des Westens, wie heute (?) der türkische Sultan Erdogan. Der Schahbesuch lieferte damals den linken Studenten, den späteren 68ern, eine Initialzündung für weitere, dann echt gewalttätige Proteste gegen die „Herrschenden“ und das „Establishment“.
Polizisten hatten die Demonstranten gegen den Schah eingekesselt, verprügelten sie, griffen Einzelne wahllos heraus, misshandelten sie und ließen das Gerücht von einem Polizistenmord aufkommen. Der Polizist Karl-Heinz Kurras (wie später herauskam, ein Stasi-Agent) erschoss den Demonstranten Benno Ohnesorg, während seine Kollegen diesen verprügelten.
In Erinnerung sind heute noch die Bilder der sog. Jubelperser, die – ohne dass sie die Polizei davon abhielt – mit Holzlatten auf Demonstranten einprügeln durften.

© Berliner Zeitung

Ich darf sagen, diese Bilder von damals haben auch bei mir etwas ausgelöst. Nicht, um mich zu radikalisieren und meine anerzogene Vernunft abzulegen. Aber doch, die damals staatlich verordneten Vorgehensweisen und mehr differenziert zu hinterfragen.

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Ich phantasiere nun mal Folgendes:
Deutsche Patrioten und Demokraten versammeln sich in Berlin, um gegen Erdogan zu protestieren.
Ein Szenario, wenn dieser Besuch nicht abgeblasen wird?
Ist das bei dem Gebaren und der Person von Erdogan nicht geboten?
Man denke: Der (linke) Senat von Berlin gibt im Einvernehmen mit der Merkel-Regierung Anweisung an die Polizeikräfte, einen Anti-Erdogan-Protest mit „gebotenen“ Mitteln zu unterdrücken. Mit Hilfe von Erdogan-treuen Prügel- und Jubel-Türken (die ja offensichtlich die Mehrheit der hier lebenden Türken ausmacht). Unter ihnen vielleicht gar Claudia Roth, Vizepräsidentin des Bundestags und ausgewiesene „Jubel-Türkin“.
Dann ist da noch mit den Kurden zu rechnen, die für anti-türkische Kurzweil sorgen könnten.
Zieht auch die Antifa für „antirassistische“ Zwecke ins Feld und darf ebenfalls ihr Gewaltpotential ausleben? 

Und wenn dann wieder jemand erschossen wird?

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Nein, diese Fiktionen helfen nicht. Wenn man sich auch erträumen möchte, der Erdogan-Besuch könnte wie einst der Schah-Besuch zur Initialzündung einer „2018er-Bewegung“ werden. Ein Beginn, um aufzuräumen mit dem, was uns so beschwert und hoffnungslos erscheinen lassen will.
Weg mit diesem Gedanken!

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Bleiben wir bei der Sache.

„Die deutsche Regierung lotet im Verhältnis zur Türkei die Grenzen der eigenen Demütigung aus“ schreibt Benedict Neff, Politischer Deutschland-Korrespondent der «Neuen Zürcher Zeitung» in einem Kommentar.

Der Umgang mit der Türkei und ihrem Despoten Erdogan offenbart deutlich die Charakterschwächen der deutschen Politik, genauer gesagt ihrer Politiker: vom Bundespräsidenten und der FDJ-Sekretärin an der Spitze bis hin zum Außenminister und den sog. Integrationsbeauftragten der Bundesregierung. 

(Von 2013 bis zum Frühjahr 2018 hatte ja eine besonders schlangenhafte Person dieses Amt inne und als Desintegrationsbeauftragte ausgefüllt: die türkische Deutsche oder deutsche Türkin – je nachdem – Aydan Özoguz).

Welche andere souveräne Nation hätte einem fremdländischen Despoten erlaubt, auf ihrem Grund und Boden Wahlkampf zu machen und das Gastland zu beleidigen. Aber Deutschland ist ja weder mehr eine Nation, noch souverän.
Man erinnere sich an den Auftritt von Erdogan in Köln 2008 als er Integration als  «Verbrechen gegen die Menschlichkeit» bezeichnete. 

Mit wem man es zu tun hat, durfte nicht erst nach der „Niederschlagung“ des angeblichen Putsches 2016 deutlich geworden sein.
1998, als Erdogan Bürgermeister von Istanbul war, zitierte er aus einem religiösen Gedicht, das folgende Aussagen enthielt, die er sich dann auch zum Programm machte: „Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind.“ und „Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten.“. 
Dafür hat man Erdogan seinerzeit in der Türkei noch eingesperrt. Aber nach kurzem wieder aus dem Gefängnis entlassen, damit er seinen Aufstieg mit einer neuen, der von ihm gegründeten „Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung“ (AKP) beginnen konnte. Schrittweise wandelt er jetzt die ehemals „säkulare“ Türkei des Kemal Atatürk in eine islamische oder islamistische Despotie mit Großmachtansprüchen um.

Im März 2017 bezichtigte Erdogan Deutschland der «Nazi-Praktiken».
In diesem  Sommer benutzte Erdogan den Rücktritt Mesut Özils aus der Fussballnationalmannschaft dafür, Deutschland Rassismus vorzuwerfen und Özil feierte er als eine Art türkischen Märtyrer.

Merkel spielt in diesem schäbigen Spiel der Anbiederung an den neuen Ober-Osmanen eine besonders schäbige Rolle.
Erinnern wir uns, wie sie nach dem Schmähgedicht des Komikers Böhmermann Erdogan zur Seite sprang.
Als im Juni 2016 der Bundestag die Verbrechen der Türken an den Armenier als Völkermord einstufte, glänzte Frau Merkel durch Abwesenheit.
Zuvor hatte Merkel mit der Türkei den Flüchtlingsdeal eingefädelt: Die EU überweist Geld an die Türkei, die Türkei nimmt im Gegenzug Asylsuchende auf und hindert diese an der Überfahrt nach Europa.
Damit hat sich Merkel mitsamt der EU erpressbar gemacht.

Was hat den Bundespräsidenten Steinmeier, den „Prickel“ aus Brakelsiek bewogen, Erdogan zu einem Staatsbesuch einzuladen?
Fracksausen wegen 2 Millionen nicht integrierter Erdogan-Anhängern in Deutschland? Gemeinsame Verteidigung der Freiheit am Bosporus? Einhegen des Noch-Nato-Mitglieds? Wirtschaftliche Gründe? Anbiederung an die 3 – 4 Millionen sog. Deutsch-Türken oder Türken-Deutschen?

Wie meinte der NZZ-Korrespondent Neff dazu:

«Nenn mich Nazi, sei mein Gast.»

Das passt wie die Faust aufs Auge.

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