Klassische Musik für jeden Tag – 2. Dezember 2021

Aaron Copland (1900 – 1990)
Fanfare For The Common Man
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Rorate

Eine Erinnerung

RORATE COELI – Metropolita
https://metropolita.hu/2016/11/rorate-caeli/

Rorate caeli desuper –
Tauet Himmel den Gerechten…“
Jes 45,2

Ja, es ist ein Phänomen meines Alterns: je größer der zeitliche Abstand, desto intensiver scheinen manche Erinnerungen aufzublitzen. Und dann Advent, die Zeit, in der man sich gewiss gerne in Vergangenes entführen läßt; da früher auch noch alles besser war, wie man meint. Da war es im Dezember schon Winter, mit Schnee, klirrend kalten Nächten, vorweihnachtliche Idylle sichtbar und fühlbar, nicht nur auf Postkarten, Fotos oder in stimmungsvoll gefärbten Rundfunkbeiträgen.
Zur Vorweihnachtszeit gehörte in meiner Jugend die Rorate-Messe; jeden Werktag, früh am Morgen.

Wie war es krachend kalt, wenn man sich um Viertel nach sechs auf den Weg zur Kirche machte. Und immer bahnte man sich seinen Weg – so die Erinnerung – durch frisch gefallenen Schnee. Früher, in der Kindheit waren halt die Winter noch Winter, denn keiner wusste etwas von „globaler Erwärmung“ und Klimakatastrophen.
An Dauerregen oder auch Trockenheit im Dezember erinnert man sich einfach nicht.
Wie sonst könnte man dann das Licht der Kerzen aufleben lassen, das die Kälte und das Morgen-Dunkel in der Kirche auflöste; die Mariengebete und die schlichten, wunderschönen Adventslieder. Die Kirche lag am Weg zur Schule und den weiteren Weg dahin nahm man danach in einer besonderen Stimmung wahr; jetzt nach der Messe wurde es mit jeder Minute, mit jedem Schritte heller und man ging gleichsam zum Licht hin.

Rorate gehörte spätestens ab dem Alter, als ich mich auf seine Erstkommunion vorzubereiten hatte, zum vorweihnachtlichen Pflichtprogramm. Für die Einhaltung der Pflicht sorgte der Pfarrer in einer Allianz mit der Großmutter – „Zuckerbrot und Peitsche“. Man bekam am 1. Dezember eine Anwesenheitskarte, zu der man für jeden Messbesuch ein Papier-Sternchen zum Einkleben erhielt (einen „Sticker“ würde man heute sagen). Je mehr Sternchen man vorweisen konnte, um so wertvoller fiel das Geschenk durch den Pfarrer am Heiligen Abend aus. Erst ab zehn Sternchen gab es überhaupt ein Geschenk: eine schöne Bildkarte, eine Kerze oder gar ein Buch. Ich war lange Zeit stolz, immer ein Buch erhalten zu haben. Bis zu vierten Klasse Gymnasium – Anfang der sechziger Jahre – habe ich das durchgehalten. Dann war irgendwie Schluß.

War es morgens nicht mehr so kalt und finster, dass man sich nach weckendem und wärmendem Kerzenlicht sehnen mochte?  Nach der Botschaft von „Maria durch ein Dornwald ging“, nach der Anrufung des Propheten Jesaias, „Rorate caeli desuper – Tauet Himmel den Gerechten“? Die nörgelnde Großmutter und der Pfarrer hatten irgendwie keinen Einfluss mehr auf den Heranwachsenden…

Ich wünsche mir heute mitunter nicht nur zum Beginn des Tages, es wäre möglich, diese Stimmung wieder entstehen lassen zu können, in dieser verwirrenden Zeit, das Licht, den „Morgenstern“ aufleuchten zu sehen.

Rorate-Messen frühmorgens sind nicht mehr „im Angebot“ meiner Kirchengemeinde. Wenn dann mal samstags am Abend. Und dann fehlt, wie immer mehr auch am Sonntag, die „Gemeinde“. Nicht erst seit auch dort nur noch „Geimpfte“ oder „Genesende“ zugelassen werden. Es ist nicht mehr, wie man es sich phantasieren möchte: Durch wunderbaren, weißen und pulvrigen Schnee stapfen, bei klirrender Kälte, frühmorgens. und dann sich erlöst fühlen bei aufscheinendem Kerzenschein und ansteigender Wärme in der Kirche.
Möchte ich es trotzdem versuchen, das wieder zu finden? Wo es möglich ist? Auch ohne Schnee, Kälte – und ohne Aussonderung Zugangsbeschränkungen durch die kirchlichen „Amtsträger“ – und mit all dieser modernen Formlosigkeit der Zeremonie in der Kirche. Ich müsste mich weit weg bewegen aus meinem gegenwärtigen „Biotop“, um das noch einmal erleben zu können. Und so greife ich halt zu meinem alten Gesangsbuch, das noch parat liegt, zu den „biblischen Geschichten“ – wie meine Großmutter zur Bibel sagte, und dann ergebe ich mich in die Sehnsucht nach einer gerechteren, heilen Welt, welche uns das Lied und der Advent versprechen will.

altmod – Dez. 2019 – aktualisiert 2021

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„Tauet Himmel den Gerechten“, wie wir es früher gesungen haben:

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Leseempfehlung zum Thema: https://philosophia-perennis.com/2021/11/28/rorate-caeli-gesang/

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Pegnitz/Ofr. – 1960 im Dezember

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Klassische Musik für jeden Tag – 1. Dezember 2021

Franz Schubert (1797 – 1828)
Winterreise – Der Leiermann
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Klassische Musik für jeden Tag – 30. November 2021

Carl Michael Bellman (1740 – 1795)
Så lunka vi så småningom“ – „So trolln wir uns“

Ein Lied so recht um Ausklang des „Totenmonats“ November

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Carl Loewe (1796 – 1869)
„Erlkönig“
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Johann Sebastian Bach (1685 -1750)
„Wachet auf, ruft uns die Stimme“
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Richard Strauss (1864 -1949)
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Anton Bruckner (1824 – 1896)
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Edward Elgar (1857 – 1934)
Lux aeterna

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Ludwig Senfl (1490-1543)
„Was wird es doch des Wunders noch“
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