„Der gute Kamerad“

Die heimliche deutsche Hymne

Am heutigen Volkstrauertag hält der französische Staatspräsident Emmanuel Macron die Gedenkrede in der zentralen Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag. Das Totengedenken spricht Bundespräsident Dr. Frank-Walter Steinmeier.

Man wollte es fast nicht glauben, als in der zentralen Gedenkfeier unserer bunten Republik zum Volkstrauertag 2015 im Bundestag erstmals wieder das Lied vom Guten Kamerad erklang.
Man konnte nicht mehr durch Schönsprech umschreiben, dass Deutschland wieder Soldaten in Kriege schickte, dass junge Deutsche im »Dienst für das Vaterland« – oder für was? – starben.
Dass das Lied vom »Guten Kamerad« gespielt wurde, beweist, dass nicht alles ausgelöscht werden kann, was im kollektivenGedächtnis einer Nation, eines Volkes eingegraben ist. Und dazu gehören ganz sicher Lieder, wie »Ich hatt einen Kameraden«.

Für den nachfolgenden Artikel, erschienen im schwäbischen Tagblatt vom 15. November 1997 erhielt der Journalist Kurt Oesterle 1998 den Journalistenpreis der deutschen Zeitungen – Theodor-Wolff-Preis.

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Die heimliche deutsche Hymne

Von Kurt Oesterle

Der gute Kamerad

Ich hatt einen Kameraden,
Einen besseren findst du nit
Die Trommel schlug zum Streite,
Er ging an meiner Seite
In gleichem Schritt und Tritt.

Eine Kugel kam geflogen,
Gilt’s mir oder gilt es dir?
Ihn hat es weggerissen,
Er liegt mir vor den Füßen,
Als wär’s ein Stück von mir.

Will mir die Hand noch reichen,
Derweil ich eben lad.
Kann dir die Hand nicht geben,
Bleib du im ew’gen Leben
Mein guter Kamerad!

Wie bei den meisten Volksliedern sind seine Urheber vergessen. Auch sein Titel ist eher unbekannt. Wer das Lied kennt, glaubt gern, es heiße: »Ich hatt einen Kameraden«, doch das ist nur sein erster Vers. Sein richtiger Titel lautet: »Der gute Kamerad«, und es wurde 1809 von Ludwig Uhland in Tübingen gedichtet, Friedrich Silcher gab ihm 1825, ebenfalls in Tübingen, die Melodie. Das Lied entfaltete eine beispiellose Wirkung. Es wurde nationales Trauerlied, ertönte an Kriegsgräbern und an den Gräbern von Zivilisten. Heute ist es nur noch am Volkstrauertag zu hören, zum Gedenken an die Opfer beider Weltkriege sowie deutscher Gewaltherrschaft. Der Soziologe Norbert Elias entdeckte in ihm einen Widerhall kollektiver Todesphantasien. Bis in die Gegenwart hat das Lied sich im kulturellen Gedächtnis der Deutschen gehalten. Als Frontgespenst geistert der »Gute Kamerad« durch Heiner Müllers Werk, und selbst in Kassibern der »Roten-Armee-Fraktion« blitzen seine Worte auf.

Der Bundespräsident traute dem »Guten Kameraden« nicht. Er ließ einen Mitarbeiter beim Volksliedarchiv in Freiburg anfragen, woher Text und Musik stammten und welche »Aufführungstradition« das Lied habe. Erwünscht war eine »zuverlässige Rudimentärunterrichtung«, wie es in dem Brief vom 7. September 1993 in schönstem Bundespräsidialdeutsch heißt. Welche Sorge den ersten Mann der Republik wegen des Lieds plagte, verraten Notizen eines Archivars unter dem Briefkopf: »Neue Wache in Berlin – Einigungsvertrag – Wehrmachtstradition«. Mit anderen Worten: Paßte das Lied noch in die politische Gedenkkultur des wiedervereinigten Deutschland?
Im Westen gehört es zum Zeremoniell des Volkstrauertags. »Es wird gebeten, nach der Totenehrung stehenzubleiben, bis das Lied verklungen ist«, lautete die Bitte auf den Einladungskarten zur zentralen Gedenkfeier im Bonner Bundestag. Bei Trauerfeiern der Bundeswehr intoniert ein Solobläser das Lied »nach Absenken des Sarges«.
Im Osten war die Uhland-Silcher-Tradition abgebrochen. Andere Töne begleiteten dort die Gedenkfeiern von Partei und Armee: Chopins Trauermarsch oder die Arbeiterlieder »Unsterbliche Opfer« und »Der kleine Trompeter«.
Geteiltes Land, geteilte Lieder. Nichts, was zusammenklingen könnte.
Die Antwort des Archivs an den Bundespräsidenten war tröstlich: Seit 1918, also auch in der Weimarer Demokratie, sei das Lied bei staatlichen Totenfeiern »aufgeführt« worden. Selbst so erhabene Konkurrenz wie Beethovens »Eroica«, Wagners »Parsifal«-Vorspiel und Chopins »Marche funèbre« hätten es nicht verdrängen können. »Im Alltagsleben des Durchschnittsmenschen gibt es einige musikalische Standardtypen«, schließt der Archivar, »dazu gehört ›Stille Nacht‹, Mendelssohns Hochzeitsmarsch und das Lied vom ›Guten Kameraden‹.

Diese Standardtypen sind kaum durch etwas anderes zu ersetzen. Deshalb glaube ich nicht, daß es gelingen könnte, den ‚Guten Kameraden‹ zu entthronen.« Er thront auch weiterhin.
Aber fast jedes Jahr, wenn Deutschland sich im November seiner Opfer erinnert, entbrennt irgendwo im Land neuer Streit um das Lied. Die Debatten verlaufen meist nach zwei Mustern: Zum einen ist es ein junger Bürgermeister, dem der »Gute Kamerad« unheimlich wird. Er untersagt, ihn am Volkstrauertag zu spielen. Als Grund nennt er die dritte Strophe, obwohl das Lied auch in seiner Gemeinde immer nur instrumental zu hören war. Die Strophe sei »kriegsverherrlichend« und habe in der Vergangenheit den Sinn gehabt, »zum Weiterkämpfen zu animieren«. Eine Leserbriefschlacht beginnt. Ehemalige Kriegsteilnehmer klagen über die Verletzung ihrer Gefühle. Einer von ihnen schert aus und erinnert daran, wie das Lied an den »Heldengedenktagen« des »Dritten Reichs« eingesetzt wurde, »um das Volk auf Hitlers Angriffskrieg einzustimmen«. Nach dem zweiten Muster empören sich Friedensaktivisten über das Lied. Wenn es bei der Trauerfeier erklingt, wenden sie sich demonstrativ ab und fangen zu plaudern an. Gefühle sind verletzt, eine Leserbriefschlacht beginnt. Zum Gemeindefrieden trägt die Belehrung bei, das Lied sei längst »international«: Es finde sich in japanischen Liederbüchern, werde in der Fremdenlegion gesungen (»J’avais un camarade«), ja selbst in Holland habe der Soldatensong aus dem Fundus des ungeliebten Nachbarn einen Übersetzer gefunden (»Ik had een wapenbroeder«), und für den Fall, daß die Nationen absterben sollten, sei in der Weltsprache Ido mit einer globalisierten Fassung vorgesorgt:

Me havis kamarado
tu plu bonan trovas ne
tamburo nin vokadis
il apud me iradis
sampaze quale me..

Am schwersten wiegt das Argument, daß Silchers Melodie von den Franzosen zum Nationalfeiertag am 14. Juli am Grabmal des unbekannten Soldaten gespielt werde. Zur Versöhnung der Bürgerschaft taugt ebenso der Hinweis, daß der Bundespräsident an der zentralen Gedenkfeier in Berlin teilnehme, obwohl dort der »Gute Kamerad« ertöne.

Es ist nicht schwer zu verstehen, daß vorwiegend Belege von außen in einem an seinen Traditionen irre gewordenen Land Entlastung bringen – mehr als das klügste Argument von innen. Darum muß sich der schon 1985 unterbreitete Vorschlag des Germanisten Peter Horst Neumann, der in Uhlands Lied ein unschuldiges Opfer deutscher Verhältnisse sieht, wie eine Donquichotterie ausnehmen. Neumann plädiert auf Freispruch: »Da die Vereinnahmung auf der rechten Seite geschah, könnte die Ehrenrettung nur von links her erfolgen. Die militaristische Aura wäre zerstoben, hätte Marlene Dietrich auch den ‚Guten Kameraden‹ gesungen oder Ernst Busch zusammen mit dem Lied der spanischen Brigaden oder Wolf Biermann zum Andenken an Robert Havemann.«

Auf unabsehbare Zeit wird das Lied ohne Worte die Begleitmusik staatlichen Gedenkens bleiben. Ärger entzündet sich daran vermutlich auch künftig vor allem auf lokaler Ebene. An der Staatsspitze scheint es unumstritten. Unten müssen Widersprüche im Gedächtnis offenbar weniger krampfhaft aufgehoben werden als oben, wo die Angst vor übler Außenwirkung oder dem endgültigen Verlust einheitsstiftender Symbole die Harmonie erzwingt. Das Lied soll ein Gemeinplatz der Erinnerung sein: Doch in Deutschland existieren zu viele, zu verschiedene Erinnerungen, als daß sie auf diesem Gemeinplatz zusammenfinden könnten.

Ob das immer so war?

Uhland schrieb sein Lied während der Befreiungskriege gegen Napoleon. Österreich hatte sich 1809 zuerst erhoben gegen den Imperator. Der junge Poet nahm am Leiden auf beiden Seiten Anteil: Er fühlte mit den Badenern, die unter französischem Befehl gegen die aufständischen Tiroler ziehen mußten, und er trauerte um seinen Förderer Leo von Seckendorf, der als österreichischer Hauptmann gefallen war.
Uhland war aufgefordert worden, für ein Flugblatt »zum Besten der (badischen) Invaliden des Feldzugs« ein Kriegslied zu verfassen. Sein Beitrag kam jedoch zu spät, und so nahm sein Freund Justinus Kerner den »Guten Kameraden« zwei Jahre später in seinen »Poetischen Almanach für das Jahr 1812« auf. Danach erschien er in allen eigenständigen Gedichtbänden Uhlands und 1848 im »Deutschen Volksgesangbuch« Hoffmanns von Fallersleben.
Doch in welcher Nachbarschaft das Lied auch stand, es blieb ein Solitär. Ihm fehlte der Völkerschlachtton, der national-heroische Doppelklang, der in den Kriegsliedern der Zeit dominierte: Arndts »Was ist des Deutschen Vaterland?«, Körners »Das Volk steht auf, der Sturm bricht los«, Nonnes »Flamme empor«. Lieder (fast) dieses Schlags dichtete Uhland später auch selbst, und dabei mag er seinem Wunsch nach Parteinahme nachgegeben haben – anders als beim »Guten Kameraden«, bei dem er seinen Ehrgeiz darauf verwandte, den Volksliedton zu treffen, so wie die Sammlung »Des Knaben Wunderhorn«, für die Tübinger Romantiker eine Art Bibel, diesen Ton traf.

Obgleich Uhlands Gedicht schon vertont war, nahm Friedrich Silcher, der Tübinger Universitätsmusikdirektor, sich seiner nochmals an. Volkstümlich wurde romantische Poesie, wenn sie sich singen ließ. Doch keiner im 19. Jahrhundert setzte romantische Poesie so populär in Singbares um wie Silcher. Ein Leben lang jedoch mußte er gegen das Vorurteil angehen, daß er Uhlands Lied eine Melodie erfunden habe; gefunden hatte er ihm eine, und zwar in der Schweiz, wo ihm das Volkslied »Ein schwarzbraunes Mädchen hat ein‹ Feldjäger lieb« zu Ohren kam. Wahrheitsgemäß teilt er auf dem Notenblatt des »Guten Kameraden« mit: »Aus der Schweiz, in 4/4 Takt verändert, v. Silcher«.
Trotzdem wurde er unverdrossen für den Schöpfer gehalten. Es kursierte sogar eine Sage, die glauben machen wollte, ein Herbststurm habe Silcher ein Blatt mit Uhlands Versen durchs Fenster seiner Tübinger Kammer zugeweht. Die Entstehung eines Lieds von derart mysteriösem Erfolg war ohne überirdische Hilfe offenbar nicht zu denken. Man hat es in der Folge gedreht und gewendet, um ihm das Geheimnis seiner Wirkung zu entreißen.
1977 erschien eine Schrift des »Wiener Seminars für Melosophie«, die den »heilenden Kräften« in Silchers Vertonung nachlauscht. Ihr Autor, Victor Lazarski, glaubt, daß das Lied sich durch eine ihm selbst innewohnende Kraft aus »militärischer Enge« befreit und zum Abschiedslied der gesamten Menschheit gewandelt habe. Für Lazarski hat die »Seele« des Lieds ihren Sitz im zehnten Takt. Genau dort aber findet sich eine der wenigen Stellen, wo Silcher in die vorgefundene Melodie eingriff, indem er bei der unechten Wiederholung der jeweiligen Schlußzeile den harten Auftakt weicher gestaltete und so den Marsch ins Elegische umkippen ließ.
Was Lazarski beim genialischen Individuum fand, hatte zuvor Heyman Steinthal beim singenden Kollektiv ausgemacht. 1880 veröffentlichte er in der »Zeitschrift für Völkerpsychologie« einen Aufsatz, in dem er sich mit den »Umsingungen« von Uhlands Lied befaßt. Er zitiert eine Variante, die er von einem Dienstmädchen singen hörte:

Die Kugel kam geflogen
Gilt sie mir? Gilt sie dir?
Ihn hat sie weggerissen,
Er lag zu meinen Füßen
Als wär’s ein Stück von mir.

Für Steinthal hat der Volksmund hier verbessernd gewirkt und Klarheit geschaffen: »Nicht ›eine‹ Kugel, sondern die fatale kam geflogen. Er sieht sie kommen, und das ›Gilt sie mir? Dir?‹ schildert die Angst des Soldaten, die er aber um sich nicht mehr als um den Kameraden hat, was auch in dem Mangel des ›oder‹ liegt, welches trennen würde. Den Wandel des ›es‹ in ›sie‹ kann ich nur billigen, denn das ›es‹ der dritten Zeile ist ohne rechte Bedeutung. Eine Verbesserung wiederum ist ›er lag zu meinen Füßen‹, parallel zu ›er ging an meiner Seite‹.« Uhlands Fassung scheint ihm nur »volksmäßig«, erst durch die Veränderungen werde ein echtes Volkslied daraus. Voraussetzung sei nur, daß so ein Lied gefalle, dann werde es allmählich umgesungen. »Dies geht durch die Jahrhunderte und breitet sich aus wie die Sprache des Volkes und mit ihr.« Einspruch erhebt Steinthal im Namen des Volkes auch gegen die dritte Strophe. Er verwirft sowohl die »Sentimentalität« des Sterbenden, der dem Kameraden die Hand reichen will, wie auch die »Härte« des anderen, der die Hand nicht nimmt. Zudem mag er die Formulierung vom »ew’gen Leben« nicht, sie sei »abstract«. Aus all diesen Gründen werde die dritte Strophe denn auch nirgendwo gesungen. Doch die Stunde von Härte und Sentimentalität sollte noch kommen.
Dem »Guten Kameraden« stand sein Aufstieg zu unüberbietbarer Beliebtheit noch bevor.

In ihrer Anthologie »Lieder, die die Welt erschütterten«, präsentiert Ruth Andreas Friedrich Uhlands Lied bei den Liedern aus dem deutsch-französischen Krieg, wie übrigens auch das Deutschlandlied. War es 1870/71 noch eher ein ergreifendes Soldatenlied als ein »trotziger Kriegsgesang«, so sollte sich das im nächsten Krieg ändern. Eine Umfrage unter Soldaten des Ersten Weltkriegs, gemacht von Volkskundlern, ergab, daß das Lied an deutschen Fronten das meistgesungene war, und zwar wegen seiner »begeisternden Wirkung«.
Dazu muß man wissen, daß es jetzt nur noch zum wenigsten aus Uhlands Text bestand, sondern aus einem Potpourri erzpatriotischer Kehrreime.
Vorneweg wurden im Originalton jeweils nur die ersten drei Verse gesungen – und dann:

Gloria, Gloria, Gloria Viktoria!
Ja mit Herz und Hand
Fürs Vaterland, fürs Vaterland.
Die Vöglein im Walde,
die sangen all so wunderschön.
In der Heimat, in der Heimat,
da gibt’s ein Wiedersehn.

Noch im ersten Kriegsjahr brachten Uhland-Puristen ein Flugblatt heraus (»Der ›Gute Kamerad‹ in schlechter Verfassung«), in dem sie für derlei »Verhunzungen« das »Eindringen von Operettenschlagern« in die Alltagskultur verantwortlich machen. Doch den wahren Schuldigen entlarvte im August 1918 die »Turn-Zeitung«: Er heiße Wilhelm Lindemann, sei Kabarettist in Berlin und berühmt für die bösen Scherze, die er »zu Vortragszwecken« mit vaterländischem Liedgut treibe.
Kein Wunder, daß der an das Lied geklebte Kehrreim so komisch klingt; gesungen wurde er aber im Ernst. Die Verteidiger des Kehrreims kamen der Sache näher. In ihren Streitschriften begrüßen sie das »Gloria« als Ventilation »unsagbarer Gefühle« zwischen Heimweh und Todesfurcht. Willkommen ist ihnen das Schlagwort-Gewitter des »Gloria« auch, weil es wie ein nationales Glaubensbekenntnis tönt. Der »Gute Kamerad« scheint heimgekehrt ins Kaiserreich, zum »Gemüt« hat er endlich »Gesinnung« erworben. Konnte man mehr recht behalten, als Heyman Steinthal, der das Schicksal des Volkslieds mit dem der Volkssprache verbunden sah?
Die Phrase beherrschte die öffentliche Rede – im Sinn von Karl Kraus‹ Erkenntnis, daß das erste Opfer des Kriegs immer die Sprache sei – und folglich Uhlands Lied. Die nationale Vereinnahmung erzeugte aber auch ihr Gegenstück: die (bewußte) Parodie. Als von 1916 an die Siegeszuversicht schwand, blühten an allen Fronten die Spottversionen. Sie richten sich oft gegen die miserable Versorgung (»Ich hatt einen Katzenbraten«) oder schwelgen – teils mit pazifistischem Unterton – im Überdruß:

Ich hatt einen Kameraden.
Einen schlechtern findst du nit.
Die Trommel schlagt zum Streite,
Er schleicht von meiner Seite
Und sagt: ›I tu nit mit‹.

Fortan wurde das Lied von allen Seiten beansprucht. Doch sein Sinnkern blieb unverletzt, mochten die Seiten noch so gegensätzlich sein. Den stärksten Beleg dafür bietet Wolfgang Langhoff in seinen »Moorsoldaten«, den Erinnerungen an seine KZ-Haft während der frühen Nazi-Zeit: Die SS hat einen Häftling erschossen. Die anderen überlegen, wie sie dagegen »protestieren« können. Als beim Appell der Befehl kommt: Singen!, stimmen sie den »Guten Kameraden« an. Die SS-Männer sind irritiert. Einer fragt die Häftlinge: Wieso dieses Lied? Sie sagen es ihm, und er »stiefelt nachdenklich auf seinen Platz zurück«.
Ob sich deutsche Landser im Zweiten Weltkrieg durch Uhlands Lied bei ihren Vorgesetzten ähnlichen Respekt verschafften, ist zweifelhaft, zumindest im folgenden Fall. Es scheint unglaublich, aber da getrauten sich ein paar Todgeweihte, in ihrer »Frontkämpferzeitung Nr. 31, Dez. 42« diese Zeilen zu drucken:

Wir hab’n einen großen Führer
Einen größern findt ihr nicht.
Er führt durch blut’ge Kriege
Vier Jahr lang uns zum Siege,
Doch das Ende sehn wir nicht.
Gloria, Gloria, Gloria Viktoria!
Für das Hakenkreuz,
Mit dem Ritterkreuz
Gehn wir zu Grab.

Wie auch Ernst Buschs antifaschistische Neuschöpfung aus dem Spanischen Bürgerkrieg, gewidmet dem gefallenen Kommunisten Hans Beimler (»Eine Kugel kam geflogen / aus der ›Heimat‹ für ihn her«), belegt diese Variante den mythischen Charakter, den das Lied inzwischen angenommen hatte. Es ließ sich endlos aktualisieren, immerfort neuen Erfahrungen und Positionen angleichen, aber stets so, daß darunter der Urkamerad erkennbar blieb. Uhlands Lied wurde sozusagen ein Überschreib-Lied, eine Palimpsest-Hymne nach der Art der mittelalterlichen Schreibvorlagen, die abgekratzt und wieder beschrieben werden konnten, und zwar so, daß die ältere unter der jüngeren Schrift noch lesbar war.
Warum aber entstand statt der zahllosen Überschreibungen kein neues Lied? Ein ganz persönliches, unverwechselbares? Fanden die Deutschen im »Guten Kameraden« zu allen Zeiten ihre heimliche Hymne? Vielleicht wurde für jene, die auf Uhlands Form zurückgriffen, die eigene Erfahrung gerade in dieser Form vertrauter, glaubwürdiger, teilbarer und mitteilbarer.

Eine weitere Antwort gibt in seinen »Studien über die Deutschen« Norbert Elias, der das Lied als Soldat im Ersten Weltkrieg kennenlernte. Die Deutschen hätten den »Guten Kameraden« stets so inbrünstig gesungen, weil er ihr »verdüstertes Selbstgefühl« ausdrückte. Daß ihre Lieblingslieder fast alle eine »starke Vorahnung des Todes« erfülle, sei historisch zu erklären: Vom 16. Jahrhundert an war Deutschland durch seine staatliche Schwäche viele Male Europas »Hauptkriegsschauplatz«. Vor allem der Dreißigjährige Krieg hinterließ traumatische Spuren im »Habitus der Deutschen«. Geblieben sei ihnen eine unauslöschliche Erinnerung an Zerstörung, Tod, Vergeblichkeit.
Elias weist so dem »Guten Kameraden« seine Bedeutung im größtmöglichen Zeitraum deutscher Geschichte zu.

Doch ist dies unselige Kontinuum mittlerweile beendet?
Was den »Guten Kameraden« betrifft, sieht es so aus. Zumindest, wenn man den Blick auf sein Erscheinungsbild in Heiner Müllers frühem Drama »Die Schlacht« lenkt. Darin gibt es eine Szene, in der deutsche Soldaten des Zweiten Weltkriegs, vor Hunger dem Wahnsinn nahe, zu Silchers Klang und Uhlands Worten einen Kameraden verspeisen.
Das ist die äußerste Katastrophe, die den »Guten Kameraden« ereilen kann. Im kannibalischen Irrsinn des totalen Kriegs findet die Tübinger Romantik ihr Ende.
Doch seine bisher letzte Wiederkehr fand in den Stammheimer Zellen der RAF statt, und sie ist keine Erfindung. Stefan Aust zitiert in seinem »Baader-Meinhof-Komplex« aus einem konfiszierten Kassiber Gudrun Ensslins, in dem inmitten kleingehackter RAF-Prosa der Vers steht: »Ich hatt einen Kameraden«. Er blitzt auf, als die Verfasserin sich wieder einmal zugunsten Baaders gegen die »Verräterin« Meinhof entscheidet. Der »Gute Kamerad« als Orientierungshelfer zwischen Freund und Feind: So kompliziert konnte im Volksbefreiungskrieg die Lage mitunter sein.

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Das hat Kurt Oesterle 1997 sicher nicht ahnen können, dass wenige Jahre später wieder deutsche Soldaten in einem sinnlosen Krieg sterben werden und nicht nur an Gedenktagen im November das Lied akut wird. Denn unsere Freiheit wird ja inzwischen am Hindukusch oder in den Wüsten Afrikas verteidigt.

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erstveröffentlicht auf altmod im November 2015

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Wiederkehr des Mani-Kults

Die Religion der Linken

Zur Begriffsklärung: „Manis* Lehre, der Mani-Kult ist durch die Unterscheidung von zwei Naturen oder Prinzipien gekennzeichnet. Die zwei Naturen sind die des Lichts und die der Finsternis.“
In der enzyklopädischen Beschreibung des Manichäismus (Brockhaus Enzyklopädie*) heißt es denn u.a.:
„Welt und Mensch können nur gerettet werden, wenn die Lichtteile der einzelnen Substanz, aufgerufen durch >äonische Gesandte< des Lichtherrschers … wieder von der Materie getrennt werden und in das Lichtreich zurückkehren. Dieser Prozeß verläuft bis zur endgültigen Reinigung im Weltbrand. Der Wissende kann ihn unterstützen durch strenge Enthaltsamkeit von der Fortpflanzung (durch diese würde die Vermischung von Licht und Finsternis weitergegeben), vom Genuß von Fleisch und Wein und von Arbeit und Besitz – insgesamt also vom Kontakt mit der Materie…
Zum Manichäismus gehört ein in Lehrer, Dienende und Älteste gegliederter Klerus…“

Ergänzend dazu aus Wikipedia:
„In der Gegenwart wird der Begriff verwendet, um Ideologien zu kennzeichnen, die die Welt ohne Zwischentöne in Gut und Böse einteilen, wobei sie den Feind zum existenziell bedrohlichen, wesenhaft Bösen stilisieren.“

Seit der Französischen Revolution hat sich die damals entstandene Linke aufgemacht, Welt und Mensch zu retten, bis hin zu einer „endgültigen Reinigung im Weltbrand“. „Äonische Gesandte“ wie Lenin, Stalin, Hitler, Mao hatten schon begonnen, die Menschen in einem grausamen Purgatorium auf die „Erlösung“ vorzubereiten.
Obschon oder weil die Menschen nicht „erlöst“ werden wollten, wird heute die Missionierung mit scheinbar friedlichen Mitteln fortgesetzt.
Zu den Missionaren hierzulande zählen zuvorderst die Grünen, denen die zur Zeit mächtigen Teile der CDU zur Seite stehen, nicht zu reden von der SPD und der früheren SED; und auch die angeblich Liberalen beteiligen sich an der Verbreitung des neuen Glaubens an eine durchzusetzende „Neue Weltordung“ (NWO).

Das Bekenntnis zur menschgemachten Klimaerwärmung – Klimakatastrophe – ist nicht wegzudenkender Glaubensinhalt des neuen Mani-Kults.
Die Forderung nach „strenger Enthaltsamkeit von der Fortpflanzung“ ist bereits in den Schriften von Marx-Engels-Lenin zu finden und lebt wieder auf den Lehren der Mani´schen Klimakatastrophen-Apologeten.
In der New York Times vom 7. August 2009 war zu lesen:
„Kinder schlecht für die Umwelt“. Kinder zu haben ist der sicherste Weg, seinen CO2-Fußabdruck ansteigen zu lassen, so eine neue Studie der Statistiker an der Universität von Oregon. Die Studie hat herausgefunden, dass Verhaltensweisen, um Energie zu sparen, durch Kinder bei Weitem wieder wettgemacht werden.“
Die sonstigen abstrusen Forderungen der diversen Klimagipfel, um das angebliche CO2-“Armageddon“ abzuwenden, genügen den modernen Manichäern nicht, in den Hinterzimmern wird das „Tabuthema“ einer weltweiten Geburten-Kontrolle oder -Verhinderung konkret diskutiert.
Kein Wunder, dass sich Grüne gegen Elterngeld und klassische Familienförderung aussprechen.

Die Forderung von Mani nach Enthaltsamkeit von Fleisch und Wein, von Arbeit und Besitz findet sich explizit ebenfalls in der links-grünen Programmatik. Schon 2007 wurde im Spiegel vorgerechnet:
„Ein Kilo Fleisch verursacht 36 Kilogramm Kohlendioxid.“
Erst von wenigen Tagen traktierten die Volkserzieher vom Morgenmagazin die Zuschauer mit einem aufwendigen Beitrag über den CO2-Verbrauch durch die fleischfressende Bevölkerung im Gegensatz zu den frommen Veggie-Jüngern.
Arbeit = Anstrengung und Besitz sind den Linken schon je ein Dorn im Auge. Nicht umsonst kam von dieser Seite die Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen.

Zum Manichäismus gehört ein „in Lehrer, Dienende und Älteste gegliederter Klerus„.
Und da kann diese Religion auf bereits ausgebildete Kleriker, Priester und Hohepriester zurückgreifen.
Hat nicht der frühere Pfarrer und spätere Bundespräsident Gauck die manichäische Hell-Dunkel-, die Gut- und Böse-Scheidung grandios ausgesprochen, als er vom Dunkeldeutschland sprach und damit die Menschen hier in Hell- und Dunkel-Deutsche segretierte.
In einem Aufsatz schrieb Thorsten Hinz dazu auf JF:
„Wenn der gelernte Pfarrer und amtierende Bundespräsident Gauck, dem die Repräsentanz des Staatsvolks als Gesamtheit obliegt, ein „helles“ von einem „dunklen Deutschland“ unterscheidet, dann übersetzt er den politischen Gegensatz … in einen theologischen Gut-Böse-Dualismus und erklärt den Gegner, den Andersdenkenden, zum absoluten Feind, der aus dem Ganzen ausscheidet.
Denn wer das schlechthin Böse vertritt, verwirkt logischerweise seine Rechte und darf sich nicht wundern, wenn er zum Zielobjekt von Gewalt wird, die sich als die Gegen-Gewalt des Guten legitimiert.“

Die (christlichen) Kirchen sind bereits in der manichäischen Ökumene aufgegangen und liefern dieser neu/alten Religion den benötigten Klerus.
Nachdem der christliche Erlöser theologisch ausgesondert wurde, ist man besonders in der evangelischen Kirche „in den Suchmodus nach Verfehlungen übergegangen“; man wandelt im „Moralapostolat“** wie der Theologe Horst G. Herrmann feststellt. Und er sieht dies mit Auswirkung bis tief hinein in die katholische Kirche als Folge des Luthertums.
Wesenselement der „deutschen Erinnerungskultur“, des „Schuldkults“ sei „reformatorisches Rechtfertigungsgeschehen ohne Gott“. Und aus dem Historikerstreit (1. Manichäisches Konzil des 20. Jhdt. auf deutschem Boden) ist u.a. dann das neu formulierte deutsche Glaubensbekenntnis entstanden: „Credo in unum Holocaustum“ (H. Herrmann). Die neue Religion ermöglicht denn auch, wie einst Luther postulierte, das allgemeine Priestersein der Gläubigen hierbei.

Keine Religion ohne „Liturgie“: „Die Feier der Liturgie dient der Verehrung (Gottes) und zur Vertiefung des gemeindlichen Glaubens. Die Liturgie umfasst das gesamte gottesdienstliche Geschehen: Gebet, Lesung und Verkündigung, Gesang, Gestik, Bewegung und Gewänder, liturgische Geräte, Symbole und Symbolhandlungen, die Spendung von Sakramenten und Sakramentalien.“

Gebete:
Gegrüßet seist du, Angela, voll der Gnade, wir kommen alle zu dir, du bist gepriesen noch immer unter den Frauen.
Gib uns das, was wir brauchen!
(Norbert Lammert).
Salve Angela, mater misericordiae, Spero omnes qui evaserunt.
Greenpeace segne unsere Speisen, wir spenden und wir wollen dich preisen!

Lieder und Gesang:
Die Natur nimmt das Heft in die Hand, schlägt beinhart zurück. (Grönemeyer)
Und der Hass – Der steigt! Und unsere Wut – Sie treibt! Unsere Herzen brennen, unsere Herzen brennen! (Feine Sahne Fischfilet)
Gestern habns an Willy daschlogn, und heit, und heit, und heit werd a begrobn! (K. Wecker)

Liturgische Geräte, Symbole und Symbolhandlungen:
Kerzen und Lichterketten
Stolpersteine
„Atomkraft Nein Danke – und Peace-Zeichen
Regenbogenfahnen
„Mahnwachen“
Abfackeln von Autos
Protest a la Hamburg oder Kreuzberg

Das „Kirchenjahr“ mit Hochfesten, Sakramente (Riten) und Sakramentalien:
Friedens-Nobelpreis 
Friedenspreis des deutschen Buchhandels 
Adolf Grimme Preis
Deutscher Fernsehpreis etc.
Love Parade
Christopher Street Day

Man erkennt, wir haben es ohne Zweifel mit einer echten Religion zu tun, mit einem zugrunde liegenden eschatologischen Schema und allen Gegenständer einer Konfession.
Die „alten“ Kirchen sind als Moralagenturen überflüssig geworden, sie übertragen ihre „Frohe Botschaft“ in die Politik, teilen sie mit dem Grünen, Linken und den Verkündern der New World Order.

Zum Schluss.
Jede Religion ihre Abweichler, Ketzer oder Häretiker: Sarrazin, Sifferle, Safranski, Sloterdijk, Walser, Botho Strauss, um die bekanntesten unserer Tage zu nennen. Und es gibt verbotene Schriften und verfemte Künder aus dem Reich des Dunkels; was keiner außer Acht sollte, der mit Moral, ja in Hypermoral***, sein Heil suchen möchte.

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* Mani, Manes, Manichäus, der Stifter des >Manichäismus<, * Mardinu 216 (?), † Gandischapur um 276, predigte nach Berufungsvisionen unter der Regierung des ersten Sassanidenkönigs Ardaschir (224-241) im Gebiet des persischen Reiches, missionierte in Indien (bes. Belutschistan), von wo er nach dem Regierungsantritt Schapurs (242) nach Persien zurückkehrte. Unter Bahram I. auf Betreiben der zoroastr. Priester, der Magie angeklagt, starb er im Gefängnis. Der Bericht von seiner Kreuzigung ist allegorisch zu verstehen.
K. Kessler: M. (1889); L. J. R. Ort: M. (Leiden 1967). 

** Horst G. Herrmann: Im Moralapostolat. Die Geburt der westlichen Moral aus dem Geist der Reformation. Manuscriptum Verlagsbuchhandlung- Lüdinghausen/Berlin 2017

*** Alexander Grau: Hypermoral. Die neue Lust an Empörung. Claudius Verlag München 2017

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„Leitkultur“

Das missglückte Wort

Nach der Rückkehr des früheren Fraktionsvorsitzenden Friedrich Merz aus dem Schmollwinkel und seine Bewerbung um das Amt des CDU-Vorsitzendentaucht in nahezu allen Verlautbarungen der Linkspresse wieder das inzwischen stigmatisierte und stigmatisierende Wort von der „Leitkultur“ auf, das mit Merz in Verbindung gebracht wird.

Friedrich Merz hatte am 16. Oktober 2000 dieses „missglückte Wort“ als Programmvokabel zur Integrationspolitik der CDU in seiner Bundestagsrede verwendet. Er forderte, „Zuwanderer, die auf Dauer hier leben wollten, müssten sich einer gewachsenen, freiheitlichen deutschen Leitkultur anpassen“. Sogar Merkel interpretierte dies noch 2001 als „Bekenntnis zur Nation, zum Vaterland, zu weltoffenem Patriotismus, zu Toleranz und Zivilcourage“. 2007 verankerte die CDU gar den inzwischen nicht  unumstrittenen Begriff „Leitkultur“ in ihrem Grundsatzprogramm.
Der Kanzlerkandidat der SPD 2009, Frank-Walter Steinmeier lehnte die Vokabel ab und schlug damals vor, statt dessen von einer Nationalkultur (Man höre!) zu sprechen. Ein Wort, dass er heute wohl nicht mal mehr eingespeichelt in den Mund nehmen würde.

Das Linkskartell war und ist sich einig, dass dieser BegriffAssoziationen an die nationalsozialistische Ideologie und deren sozialdarwinistischer Überlegenheitsvorstellungen weckt.“
Also nicht nur ein “missglücktes Wort“, ein vergifteter Begriff, wie viele andere auch.

In der neuesten Ausgabe der katholischen „Tagespost“ beschäftigt sich der Politologe Werner J. Patzelt aus Dresden mit dem Begriff und fragt „Wer braucht eine Leitkultur?“
In dem Text, die gekürzte Fassung eines Vortrags, den er am 6. November an der Katholischen Akademie Dresden-Meißen gehalten hat, der sich  zunächst anläßt wie eine allfällige Auseinandersetzung mit der kulturbolschewistischen Grundstimmung in unserem Lande, fällt dann doch etwas zwiespältig aus.

Patzelt ist wegen seiner Beschäftigung in seinem politologischen Insitut mit Pegida und AfD, vulgo dem Rechtspopulismus in Deutschland, ins Visier der linken Presse geraten.
Vielleicht deshalb bewegt er sich in seinem Vortrag fast „wie auf Eiern“ um gewisse Begriffe herum. Erscheint am Anfang noch der Begriff „deutsche Kultur“ (in Anführungszeichen), findet man in seinem Text den Begriff „deutsch“ kein einziges Mal weiter.
Er spricht nicht von „Deutschen“ sondern verwendet ausschließlich das Merkel-Wort von den „schon länger hier Lebenden“. Leider hat man aber nicht den Eindruck einer „ironisierender Distanzierung“ durch den Text.
Im letzten Satz verwendet er – vermutlich eher aus stilistischen Gründen das einzige Mal die Bezeichnung „Deutsche“. In Hinblick auf integrierungswillige Migranten sagt er: „Helfen wir gerade ihnen als neue Deutsche gemeinsam mit den schon länger hier Lebenden eine gute Zukunft zu gestalten -…

Der Aufsatz ist dennoch anregend dahingehend, zu bestimmen, was „deutsche Leitkultur“ bedeuten möchte. Jenseits vom „hohen Lied auf die Mülltrennung, auf die Lehren aus unserer Geschichte und auf das Grundgesetz.“ Patzelt will dennoch den Begriff irgendwie umgehen und spricht von „Rahmenkultur“ (wie man das auch immer semantisch zugänglich machen mag). Aber in seiner Rede scheint viel Kluges, Wichtiges und Vernünftiges zu dem Begriff auf und ist zur Lektüre zu empfehlen:
https://wjpatzelt.de/2018/11/07/wer-braucht-eine-leitkultur/

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Nicht ganz dicht in Berlin

Pfusch am Bau

In Berlin ist man nicht ganz dicht, was ja nicht wenig denken. Das ist aber nicht nur metaphorisch zu sehen. Man hat jetzt festgestellt, dass ein Neubau des Bundestages, ein Flügel des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses, undicht ist. Durch eine wohl stümperhaft geplante und ausgeführte Bodenplatte dringt Wasser in das Gebäude ein, sodaß nicht nur die Kellerräume seit Jahren unbenutzbar sind. Das Haus hättte schon 2012 fertig sein sollen und jetzt droht gar ein Abriss des Hauses, in das bereits mehr als 200 Millionen Euro gesteckt wurden.

Symbol für eine vermodernde Macht?

Das alte Reichstagsgebäude haben die Nazis angezündet, die Alliierten haben es mit Bomben eingedeckt und die Russen dann als Latrine verwendet.
Es hat Symbolkraft, dass aus diesem Gebäude vor hundert Jahren durch einen Sozialdemokraten die erste deutsche Republik ausgerufen wurde.
Es hat Symbolkraft, dass die Nazis dieses Symbol der verhassten Demokratie niederbrennen und auslöschen wollten.
Der Sitz des alten Reichstags, von 1884 bis 1894 unter dem Architekten Paul Wallot geplant und ausgeführt, hat viele Stürme überstanden und steht heute noch.

Die heutigen Mächtigen in Berlin sind nicht in der Lage, einen nutzbaren Anbau an diesem Gebäude auszuführen. In der „Hauptstadt“ ist man nicht in der Lage, einen Flughafen zu errichten. Man sieht dem Verfall und die Verwahrlosung des öffentlichen Raumes der Hauptstadt tatenlos zu; man hat kriminellen Clans nicht nur die Straßen überlassen; Bildung und Wissenschaft sind auf den Hund gekommen.
Und diejenigen, die heute im Reichstag residieren, sägen förmlich selbst an dem, was sie zu schützen vorgeben: an dem Gehalt der angeblich erfolgreichsten Demokratie auf deutschem Boden.

 

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„Historische Demenz“

Nicht nur!

Auf Michael Klonovskys „acta diurna“* vom 10.11.2018 kann man lesen:

In der aktuellen Ausgabe der Jungen Freiheit schildert Nicolaus Fest, wie er sich während des Wahlkampfs für seine Bundestagskandidatur im vergangenen Jahr an mehreren Berliner Gymnasien und andernorts Diskussionen mit Schülern und Studenten gestellt habe. Überall sei er durchaus „scharf und unfreundlich“ angesprochen worden, unter anderem auch wegen Björn Höckes Forderung nach einer „180-Grad-Wende in der Erinnerungspolitik“. Überall habe er, wenn die Situation es erlaubte, darum gebeten, Gegenfragen an seine Gesprächspartner richten zu dürfen. Diese Fragen lauteten beispielsweise: Was war die Emser Depesche, was die Goldene Bulle, was das Mirakel des Hauses Brandenburg? Was beinhalteten die Benesch-Dekrete? Wie hießen die Staatsratsvorsitzenden der DDR? Wann und durch wen wurde die Weimarer Republik ausgerufen? Mit welchem Vertragswerk endete der Dreißigjährige Krieg? Welche Einheit beschwor die SED in ihrem Namen?   

Mit Ausnahme einer winzigen Minderheit historisch Interessierter sei niemand im Auditorium in der Lage gewesen, solche Fragen zu beantworten. „Es herrschte historische Demenz“, resümiert Fest. Nicht einmal zum Dritten Reich seien unter den jungen Leuten mehr als nur ein paar Stichworte abrufbar gewesen. Die Kenntnis der kommunistischen Staatsverbrechen tendierte erst recht gegen Null.*

 

Ein Freund und Nachbar von mir, Hochschullehrer in Frankfurt, lädt regelmäßig seine Studenten oder Seminaristen im Sommer zu einer Grillparty in seinem Garten ein. Ich darf für ihn den „Grillmaster“ aber auch den studierten „Agent Provokateur“ beim Bier (oder der gern bevorzugten Bionade) spielen.
Geschichte ist unser beider Steckenpferd, für ihn dem Sprachwissenschaftler und mich dem Mediziner.
Beim ersten derartigen Treffen hatte mich mein Freund schon vorgewarnt, was die zu stellenden Ansprüche an die Allgemeinbildung und eine kultivierte Konversation mit einem deutschen Universitätsabsolventen anno 2018 angeht.
Unter den anwesenden Studenten, zehn an der Zahl und alles eigentlich recht sympathische junge Frauen und Männer, war denn nur ein einziger in der Lage, unsere simple – wahrscheinlich provokante – Frage genau zu beantworten, wann denn der Dreißigjährige Krieg stattfand. Dass er 30 Jahre dauerte, wollten wohl alle richtig beantworten. Aber die zeitlichen Zuordnungen muteten schon bizarr an: 19. Jahrhundert – 20. Jahrhundert – irgendwann vor Christi Geburt. Welche Auswirkungen dieser Krieg auf Deutschland, auf Europa, auf das politische und Geistesleben hatte, trauten wir uns dann schon gar nicht zu fragen.
Nicht anders erging es uns mit Ereignissen und Bewertungen der jüngsten Geschichte.

Was Nikolaus Fest beschrieben hat, kann ich nur bestätigen.
Alle diese „Studierenden“ hatten ein Abitur, das ihnen wohl irgendwo quasi nachgeworfen wurde: auf Schulen in Hessen, Bayern, BaWü, RhPfl usw.
Die jungen Leute waren aber schon weit gereist. Ihre Geneigtheit zu einem Studium von (exotischen) Sprachen hat sie wohl schon früh nach Afrika, in Länder des Nahen Ostens und Asiens, selbstredend auch nach Amerika oder Australien geführt. Da konnte ich Landei nur in Ehrfurcht ersterben.
Welche Intention hinter ihrem Studium steckt, zu welchen näheren oder ferneren Zielen sie dies führen soll, wollte ich denn wissen: Reisen möchte man; man könne darauf aufbauend ja auch noch etwas anderes machen.
Einen Beruf oder Berufung!?
Wie bitte?
Vielleicht ist das Lehrfach meines Freundes und seiner Studenten so exklusiv – afrikanische Linguistik und Völkerkunde – dass man bestimmte Prätentionen einfach ausschließen muss. Das muss ich mir vielleicht hinter die Ohren schreiben, als naturwissenschaftlich und rational geprägter „Akademiker“.

Es gibt in unseren nachwachsenden Akademiker-Generationen – daraus kommen ja die künftigen „Eliten“ – sicher kluge, rationale und immer noch mit dem „gesunden Menschenverstand“ ausgestattete Persönlichkeiten, die Hoffnung machen dürfen. Aber was soll insgesamt daraus entstehen, wenn die Ansprüche oder die Zugangsvoraussetzungen für weiterführende Schulen oder zu einem Hochschulstudium stetig herabgesetzt werden. Wenn sozialistische Gleichheit oder Gerechtigkeitsstreben höherwertiger angesetzt werden, als die zu entwickelnden nicht nur geistigen Grundlagen und Fertigkeiten; Wissen und Fertigkeiten, die eine Nation, eine Gesellschaft brauchen, um gegenüber den gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen in Technologie und Natur bestehen zu können. Ein „Master“ in Gender-Science, in Politologie oder Soziologie usw. wird nicht helfen, das Überleben in einer nie harmlos gewesenen „Ökologie“ und Umwelt sicher zu stellen.

Um 1900 betrug der Anteil der „Maturanten“ bei den Schulabsolventen um die 2%. Noch 1960 lag der Wert in der BRD bei 6 %, dann stieg der Anteil der Abiturienten mit „allgemeiner Hochschulreife“ auf rund 30 Prozent im Jahre 2006 an – zu denen noch 13,5 Prozent mit Fachhochschulreife kommen.
Ergebnis einer sozialistisch geprägten „Bildungsoffensive“ nicht erst seit den 60er Jahren. In Berlin und Hamburg liegt der Anteil der Schulabsolventen/-innen mit allgemeiner Hochschulreife an der gleichaltrigen Bevölkerung in Deutschland bei 54%, in Bayern bei 32%.

Bis 1933 war Deutschland die führende Nation in der Welt, was Physik, Chemie, Medizin und Ingenieurwissenschaften betraf. Man betrachte dazu nur die Liste der damaligen Nobelpreisträger. Nach dem Krieg konnte daran nur noch sehr eingeschränkt angeknüpft werden. Die Vertreibung vor allem der jüdisch-deutschen Intelligenz durch die Nazis hinterließ riesige Lücken. Dazu kam eine restriktive und auch ausbeutende Besatzungspolitik im Osten und im Westen Deutschlands.
Einst und bis in die Frühzeit der Bundesrepublik war Deutschland die Apotheke der Welt. Deutschland stellte der Welt Technologien und Forschungsergebnisse zur Verfügung, welche heute nicht nur den Alltag prägen oder erträglicher machen, sondern was z.B. medizinische Forschung und Ingenieurskunst anbetraf auch Millionen zum Überleben verhalf – in Afrika, Asien und Europa.
Davon haben diese oben von mir erwähnten künftigen Afrika-Experten keine Ahnung, wie feststellen konnte.

Heute exportiert Deutschland vornehmlich grüne Gesinnung und Moral.
Kongresse von „Junk-Sciences“ bekommen hierzulande mehr öffentliche Aufmerksamkeit, als die einstmals viel beachteten Tagungen von Nobelpreisträgern am Bodensee. Da wir wohl in prägnanter und pragmatischer Wissenschaftlichkeit nichts mehr zu bieten haben.

…  „Analphabetismus“ verschränkt sich bekanntlich gern mit moralischer Präpotenz. Die Antworten der Schüler, so Fest, „gingen immer in dieselbe Richtung: Nicht Kenntnis war wichtig, sondern Urteil. Krieg böse, Armut böse, Kolonialisierung böse, Kapitalismus böse.“ Sie wissen historisch praktisch nichts, können aber alles korrekt bewerten. Für all die Ambivalenzen, von denen die Historie voll ist, besitzen sie kein Organ mehr. Statt Geschichte haben sie „Moralkunde“ gelernt. Statt Vielfalt herrscht in den Köpfen die binäre Logik der Hypermoral.*

Bei diesen Treffen im Nachbarsgarten habe ich einmal Peter Watsons „The German Genius“** mitgebracht, um zu testen, wer von diesen so polyglotten jungen Leuten würde sich für diese von einem Engländer (!) verfasste grandiose Kultur- und Technologie-Geschichte Deutschlands interessieren.
Keiner hatte von dem Werk gehört und kaum einer wollte es  – wohl des imposanten Umfangs von über 1000 Seiten – denn auch in die Hand nehmen.

Nichts ist für die Abrichtung folgsamer Untertanen wichtiger, als ihnen den Blick in die reale Geschichte zu verstellen, die Wurzeln – und damit den historisch gegründeten Eigensinn – zu beschneiden und ihnen stattdessen ein Geschichtsbild anzudressieren, aus welchem sie eine moralische Legitimation beziehen dürfen, die zufällig jener ihrer Lehrmeister genau entspricht. Die Ahnungslosigkeit als Grundbedingung für jede Art Karriere.* 

Manchem mag nun mein Ausflug in die Beschau des intellektuellen Nachwuchses in Deutschland nicht tiefgründig genug sein.
In der herrschenden öffentlichen Reflexion sind meine geäußerten Ansichten und Folgerungen gewiss auch „old school“ und natürlich in der Konnotation auch nationalistisch oder gar „chauvi“.

Aber ich werde mir weiter über das Thema das Maul zerreißen.

Fortsetzung folgt! 

_________________

* https://www.michael-klonovsky.de/acta-diurna/item/990-10-november-2018

** Peter Watson: „The German Genius“ – Simon & Schuster, London.

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Der Bundespräsident und unser „Schwarz-Rot-Gold“

 

Der Bundespräsident Frank Walter Steinmeier hat zum 9. November im Bundestag eine Rede gehalten, die von der Presse enthusiastisch aufgenommen wurde. Er sagte unter anderem:

„Der Nationalismus vergoldet die eigene Vergangenheit, er suhlt sich im Triumph über andere“, ….
„Wer heute Menschenrechte und Demokratie verächtlich macht, wer alten nationalistischen Hass wieder anfacht, der hat gewiss kein historisches Recht auf Schwarz-Rot-Gold.“

Steinmeier: Nationalisten haben kein Recht auf Schwarz-Rot-Gold

Steinmeier spricht vom „historischen Recht auf Schwarz-Rot-Gold.“, was er aber „Nationalisten“  abspricht.

Man sollte zunächst dem BuPrä einen Nachhilfeunterricht in Sachen Schwarz-Rot-Gold geben, was ich mal versuche.

Die Farben Schwarz-Rot-Gold wurden bereits im Hoch- und Spätmittelalter als Grundfarben des Reichsbanners des Heiligen Römischen Reiches verwendet. Im Hochmittelalter und dann im Spätmittelalter ab 1410 bis 1806: schwarzer doppelköpfiger Adler mit roten Waffen auf gelbgoldenem Grund. So erkennbar im großartig gemalten Reichsbanner von Albrecht Altdorfer.

Ein weiterer Ursprung der Farben Schwarz-Rot-Gold liegt in den Befreiungskriegen 1813 gegen Napoleon, nämlich bei den Uniformen des Lützowschen Freikorps. Zur Popularisierung hat sicher die Tatsache beigetragen, dass die Farben die gleichen wie die der Reichsfahne im Heiligen Römischen Reich waren.
Die Losung lautete damals:

 „Aus der Schwärze (schwarz) der Knechtschaft durch blutige (rot) Schlachten ans goldene (gold) Licht der Freiheit.“ 

Mit der Schwarz-Rot-Goldenen Fahne zogen erstmals die Teilnehmer zum Hambacher Fest für nationale und demokratische Ziele. Die Inschrift im mittleren roten Teil „Deutschlands Wiedergeburt“ machte das Ziel der Beteiligten deutlich: die Errichtung eines deutschen Nationalstaates.


Auch in der Revolution von 1948 benutzte man die Fahne als Symbol im Kampf für einen deutschen Nationalstaat und eine deutsche Republik.

Der „nationalistische“ und Freiheitsdichter Ferdinand Freiligrath 1848:

Die Freiheit ist die Nation,
Ist aller gleich Gebieten!
Die Freiheit ist die Auktion
Von dreißig Fürstenhüten!
Die Freiheit ist die Republik!
Und abermals: die Republik!
Pulver ist schwarz,
Blut ist rot,
Golden flackert die Flamme!

Die Paulskirchen-Versammlung tagte unter dieser Flagge, bis sie 1850 als „antimonarchisch“ geächtet und verboten wurde.

 

Die nationale Einheit, als „kleindeutsche“ Lösung ohne das deutsche Österreich kam 1871 zustande. Unter den „kaiserlichen“ Nationalfarben Schwarz-Weiß-Rot.

Der BuPrä kennt vielleicht nicht den „Alldeutschen Verband“*, der für ein großgermanisches Mitteleuropa eintrat und am 9. November 1918 (!) in einem Aufsatz in seinen „Alldeutschen Blättern“ klar die Farben Schwarz-Rot-Gold präferierte: 

„Die Geburtsstunde Großdeutschlands naht! […] Jubelt den alten schwarz-rot-goldenen Farben zu! Schmückt wie Wien eure Häuser mit den schwarz-rot-goldenen Fahnen, tragt Schleifen und Bänder Schwarz-Rot-Gold und zeigt aller Welt von Aachen und Königsberg bis Bozen, Klagenfurt und Laibach, daß wir sind ein einzig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennend und Gefahr.“

Heinrich Heine wusste noch nichts vom Alldeutschen Verband, aber er hat vielleicht einiges für sich antizipiert, als er 60 Jahre zuvor schrieb:

„Doch als die schwarz-rot-goldene Fahn,
Der altgermanische Plunder,
Aufs neue erschien, da schwand mein Wahn
Und die süßen Märchenwunder
Ich kannte die Farben in diesem Panier
Und ihre Vorbedeutung:
Von deutscher Freiheit brachten sie mir
Die schlimmste Hiobszeitung.“ 

Für Heinrich Heine, dem Anti-Nationalisten, Sozialisten, Franzosenfreund und Kultur-Deutschen war diese Flagge ein rückwärtsgewandtes Symbol. 

Das hat aber die Väter von Weimar nicht abgehalten, Schwarz-Rot-Gold, die ganz alten Reichsfarben, für die erste konstituierte deutsche Demokratie anzunehmen.

Sie wurden nach der Katastrophe des schwarz-weiß-roten „Tausendjährigen Reichs“ die Farben der „freiheitlich, demokratischen“ Bundesrepublik.
Aber auch die des zweiten Unrechtsstaates auf deutschem Boden, der kommunistischen DDR.

Die Flagge Schwarz-Rot-Gold lässt sich in vielfältiger Weise gestalten – oder auch verunstalten.

 

Hat Angela Merkel also recht getan, als sie in der Wahlnacht 2013 ihrem damaligen Generalsekretär Hermann Gröhe in verstörender Weise die Deutschland-Fahne – ja, so heißt sie – aus der Hand riss und verächtlich wegwarf.

War/Ist Gröhe ein Nationalist, wie er unter das Verdikt des Mannes im Bundespräsidentenamt zu fallen hat? Ein Alldeutscher? Musste er vielleicht deshalb seinen Generalsekretärsposten räumen.
Lassen wir das…

 

Bleibt immer noch die Frage, wer sind eigentlich die Adressaten des BuPrä in seiner Ansprache zum 9. November?
Wer sind die „Nationalisten“, denen er den Zugriff auf die Farben der Nationalfahne absprechen möchte.
Wer eigentlich „suhlt sich im Triumph über andere“?
(Nebenbei: Wer sich in gleicher Rede über die Verrohung von Sprache beklagt, sollte selbst seine Wortwahl empfindlich stellen.) 

Also, wer sind die Nationalisten? 

Deutsche Fußballfans, wenn sie lautstark einen Sieg über das „perfide Albion“ oder die „Käsköppe“ feiern und dabei schwarz-rot-goldene Fahnen schwenken? Sind wir nicht vierfacher Weltmeister? Und dann hat da uns zuletzt doch der „Erbfeind“ ausgestochen.
Nein, FWS sucht mit Eifer etwas, was er nicht finden kann: Weder bei der abgewrackten NPD, noch unter den Prodromen eines zum Popanz aufgeblähten „Nationalsozialistischen Untergrunds“.
Die AfD möchte sich nach Steinmeier aber wohl dafür anbieten. Und diese wohl irregeleiteten Pegida-“Marschierer“.
Kann man im AfD Programm oder in den Reden ihrer Politiker „Deutschland, Deutschland über alles“ herauslesen? Wohl nein. Eher nach innen bezogene und notwendig gewordene Selbstbescheidung.
Weil ein provokanter Funktionär der AfD mit der Nationalfahne auf der Hose bei Anne Will auftrat? (Merkel persönlich konnte ihm ja damals diesen „Fetzen“ nicht wegreißen.)

Wenn sich heutzutage jemand in (moralischer) Überlegenheit „suhlt“, dann sind es allenfalls diese deutschen, grünen Umwelt-Großmeister und -Vorkämpfer, an deren deutschem Wesen nun wieder die Welt genesen soll.

Steinmeier beendete seine Rede mit dem Satz: „Es lebe unsere Demokratie.“ 

Welche Demokratie meint er? 

Die noch in unseren Köpfen existierende von 1948 bis etwa 1999?

Oder diese neudeutsche Demokratie seit Anfang des neuen Jahrhunderts mit der aggressiven Ächtung des Konservativen; dem ausgerufenen „Kampf gegen Rechts“; der anschwellenden linken Gesinnungsschnüffelei unter dem Diktat der political correctness; mit den neuen Formen von Zensur – nicht nur mit einem „Durchsetzungsgesetz“; mit dem Straßenterror einer von der Politik gehätschelten und losgelassenen neuen Sturmabteilung namens „Antifa“; mit der öffentlichen, lautstarken und oft gewalttätigen Stigmatisierung und Bekämpfung „falschen“ Gesinnungs- und Wahlverhaltens.
Diese inzwischen überwiegend auf Schuldkultivierung und Hypermoral beruhende negative Konsens-Demokraktie unter der Diktatur von linken Medien, Kirchen und Zentralkomitees, mit einer Stimmung wie Mehltau, die das öffentliche Leben überzogen hat?

Schwarz-Rot-Gold steht symbolisch für Einigkeit und Recht und Freiheit. Zum Schluss dazu einige aktuell erklärende Sätze:

Einigkeit 

In einer Demokratie gehört das sich Austauschen und Verhandeln mit dem Volk dazu; auch und gerade mit denen, die vielleicht abweichender Anschauungen sind.

„(Die) Ansprüche an das uns Einende vor Augen, wird schnell klar, wie weit wir uns derzeit von jener Einigkeit entfernt haben, nach der zu streben doch ratsam wäre. Gewaltlosigkeit beim politischen Streiten ist nicht länger selbstverständlich. Politisches Andersdenken und Anderswollen wird vielfach gehandhabt wie eine Gunst, die bei Wohlverhalten gewährt wird, nicht aber wie ein Recht, das dem des Gegners aufs Bekämpfen des Andersgesinnten schlicht vorausgeht. Und die Menschenwürde dessen, der einer politisch, kulturell oder rassistisch verachteten Gruppe angehört, ist in unserem Land auch nichts mehr, was frag- und klaglos geachtet würde.“

sagte der Politologe Werner Patzelt am 3. Oktober in Leipzig.

Recht

Papst Benedikt XVI. hat einst in seiner Bundestagsrede 2011 Augustinus zitiert:
‚Nimm das Recht weg – was ist dann ein Staat noch anderes als eine große Räuberbande’.

Dass sich unsere Regierenden – und Steinmeier gehörte auch zu dieser „Exekutive“  – nicht nur in der Flüchtlingsfrage vom Rechtsprinzip verabschiedet haben, ist ihnen von kompetentester Stelle bescheinigt worden: Die politischen Entscheidungsträger ließen Staatsorgane wie Polizei und Justiz bislang erodieren und durch die bedingungslose Öffnung der Grenzen hat die Bundesregierung den Rechtsstaat außer Kraft gesetzt.

Freiheit

Dazu nochmals Werner Patzelt:

„Und vor allem darf die Festlegung, Beschilderung und Sicherung (von) Grenzen des moralisch oder politisch Korrekten nicht so erfolgen, dass hinter dem ehrbaren Gesamtanliegen ein selbstsüchtiges Ausgehen auf diskursive und politische Stellungsvorteile spürbar wird. Leider gibt es in diesen Jahren durchaus Anlass zur Sorge, dass wir uns diesbezüglich weniger Freiheit leisten, als wir sie haben könnten und haben sollten.“

 

In dem oben verlinkten Kommentar schrieb Heribert Prantl im Schluss-Satz:

„In den Jahren nach 1918 ist so vieles falsch gelaufen. Es darf nicht nochmals falsch laufen. Die Demokraten dürfen sich nie mehr einschüchtern lassen.

Ja Heribert, da stimme ich zu: Lassen wir Demokraten uns nie mehr einschüchtern, nicht von einem amtierenden Bundespräsidenten oder von Macht-Bütteln in den Medien wie Heribert P.

___________________

*Alldeutscher Verband, eine polit. Organisation, die 1891 als Reaktion gegen den angeblich für Deutschland nachteiligen Helgoland-Sansibar-Vertrag unter Mitwirkung von A. Hugenberg und C. Peters ge gründet wurde, anfangs Allgemeiner Deutscher Ver band, seit 1.7.1894 A. V. genannt. Der A. V. setzte sich für die Belebung des deutschen Nationalbewußtseins, die Förderung des Deutschtums im Ausland sowie eine dynamische Außen-, Flotten- und Kolonialpolitik ein. Obwohl der A.V. der Form nach überparteilich war und Anhänger in verschiedenen Parteien besaß, geriet er immer mehr in das Fahrwasser rechtsradikaler Strömungen. Hierzu trug der von ihm vertretene völ kische Gedanke, der auch von antisemit. Untertönen nicht frei war, ebenso bei wie die Vorstellung eines von den Deutschen zu beanspruchenden >Lebensraumes< und eines großgerman. Mitteleuropas. Seit der Marokkokrise von 1911 bekämpfte der A. V. (geführt 1893 bis 1908 von E. Hasse, danach von H. Class) immer heftiger die Politik des Reichskanzlers v. Bethmann Holl weg unter Mithilfe bes. des Großadmirals v. Tirpitz. Im 1. Weltkrieg wurden annexionistische Forderungen erhoben. Publizist. Organ waren die „Alldeutschen Blätter“. Zum demokrat. Staatswesen der Weimarer Republik stand der A. V. in scharfem Gegensatz, verlor indes seine frühere Bedeutung. Da er in vieler Hinsicht als Vorläufer des Nationalsozialismus gelten konnte und mit diesem manche Programmpunkte gemeinsam hatte, fiel der A.V. dem Ausschließlichkeitsanspruch der NSDAP erst im Frühjahr 1939 durch Verbot zum Opfer. Einige Mitglieder standen später der Widerstandsbewegung nahe.

Quelle: Brockhaus Enzyklopädie 1966

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Aus der Zeit gefallen

Ich alter weißer Mann

Ich raffe es nicht mehr:
Die Ignoranz und die damit verbundenen Geisteskrankheiten.
Die Infantilität, diesen Verlust von Verstand, ersetzt durch öffentlich moralisierendes Gefühlssülzen.
Diesen Dreck, der uns als Kunst und Kultur verkauft wird, mit diesen visuellen und akustischen Beleidigungen allen kultivierten Empfindens.
Die Schamlosigkeit von Jung und Alt, mit öffentlich zur Schau gestellter erotischer Aufdringlichkeit, auch durch auf die Haut gestochene Exhibition.
Protzproleten, die mit immer größeren Geländefahrzeugen die Innenstädte beleben.
Vollgefressene „Hartzer“ oder angebliche „Armutsrentner“, die ihre mit Billigfleisch und Junkfood überquellenden Einkaufswagen aus dem Supermarkt schieben.
Diese verdreckten, mit „Wandmalereien“, Unkraut und Kot verzierten Schulen, Bahnhöfe und öffentliche Räume.
Alle diese nicht mehr widerlegbaren Gegebenheiten unseres öffentlichen wie auch privaten Terrains!

Sehe ich das falsch? Übertreibe ich?  

Ja, ich bin von gestern, „old school“, Achtziger.

Aber habe ich deswegen unrecht, bilde ich mir das alles nur ein?

Beispiele gefällig? 

In Leipzig haben die Behörden in einem Problembezirk eine Waffenverbotszone ausgewiesen.
Reaktion:
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Sachsen kritisieren die Einführung der
sogenannten “Waffenverbotszone” im Leipziger Osten. Christin Melcher, Landesvorstandssprecherin und Anwohnerin der Eisenbahnstraße im
Leipziger Osten erklärt dazu:
“Mit der Einführung der Waffenverbotszone wird ein ganzes Viertel stigmatisiert und politische Stimmungsmache weiter betrieben. Viele zivilgesellschaftliche Akteure im Leipziger Osten kritisieren zu Recht diese Einführung. Es sind diese Akteure, die seit Jahren Nachbarschaftshilfe organisieren, Kulturangebote und politische Diskussionsforen etabliert haben und dem Viertel zu einer neuen Vitalität verholfen haben. Miteinander statt gegeneinander – so schafft man Sicherheit. Viele verschiedene Kulturen und Religionen leben im Leipziger Osten respektvoll und friedlich miteinander. Die Einführung der sogenannten Waffenverbotszone torpediert diese positive Entwicklung im Viertel.”
“Ich möchte nicht, dass in unserem Viertel aus politischer Stimmungsmache heraus unsere Bürger*innenrechte aufgeben werden und verdachtsunabhängig alle Menschen kontrolliert werden können. Sicherheit wächst durch Vertrauen und Respekt. Wir fordern daher geeignete und wirksame Präventionsangebote sowie mehr soziokulturelle Angebote, eine verstärkte Drogenhilfe, die Betroffenen hilft statt sie zu kriminalisieren und nicht zuletzt eine bürgernahe Polizei.”

Behandlung des Migrationspaktes der VN im Bundestag mit als pathologisch anzusehenden hysterischen Entgleisungen von gewählten Volksvetretern, hier Claudia Moll, SPD.

Eine Fremdschäm-Arie in Moll

Soweit zwei kleine Beispiele zur herrschenden Beschränktheit und Infantilität.

Kunst und Kultur!

Der Bundespräsident tritt als mentaler Sponsor einer unappetitlichen Gröl-, Pöbel-, Punk-Band auf. Nicht deren Texte werden als Angriff auf „die Demokratie und das kulturelle Leben in unserem Land“ angesehen. Nein, ein Auftrittsverbot dieser linken Krawallmacher und Hassverbreiter hat dies beschädigt – darf ein “Kulturschaffender“  äußern.

Leute, das ist Kunst anno 2018!

Zu den Ansichten für meine Behauptungen kann man hier und hier und hier anklicken.

Die Partei der Grünen – mehr als die sich selbst zerfleischende Links-SPD – ist für mich Symbol und Repräsentant der fleischgewordenen zeitgenössischen Dekadenz. Für diesen ganzen Dreck des Genderismus, der Sexualisierung des Alltags schon für die Kleinsten, der Entwertung von Ehe und Familie, der Infragestellung von Erziehung und Gesittung. Für den Einzug von Obskurantismus in die Politik, mit der Zerstörung von Bildung, Wissenschaft und Vertreibung des gesunden Menschenverstands.

Diese „Eliten“ residieren in einer Hauptstadt, die sich gerne wieder als kulturelle Weltmetropole feiern möchte; durchsetzt mit neuzeitlichen und aufgehübschten (Alt-) Bauten. Aber nichts als eine Stadt, die politisch wie in ihrem „Weichbild“ nur als „versifft“ bezeichnet werden kann – Das Neu-Beirut oder Istanbul an der Spree. Siehe hier!

Deutschland ist dank seiner Eliten und einer satten und einfältigen Bevölkerung zur größten offenen Psychiatrie in Europa geworden. Die Narren dürfen sich lauthals artikulieren und ausleben, die Leute, welche den Verstand bewahrt haben, die Wahrheit verkünden möchten, sollen dafür weggesperrt werden.

Wie besingt es Reinhard Mey im „Narrenschiff“?

Der Steuermann lügt,
der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
Der Funker zu feig‘ um SOS zu funken.
Klabautermann führt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus und Kurs auf’s Riff.

Jetzt halte ich Unzeitgemäßer, ich Altfränkischer es auch so mit Reinhard Mey und will jetzt vorerst mal fein still schweigen:

 „Und ich bedenk’, was ein jeder zu sagen hat / Und schweig‘ fein, still / Und setz’ mich auf mein achtel Lorbeerblatt / Und mache, was ich will.

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Letztes Gefecht?

Mitnichten!

Ich möchte mich aus aktuellen Anlässen nochmal dieses Betreffes annehmen.
Nicht Wenige wollten nach letzten Wahlen hierzulande, in Österreich, Italien, einigen osteuropäischen Ländern oder nach den Präsidentschaftswahlen in den USA und zuletzt auch in Brasilien, eine Rückkunft des Konservativen erhoffen.
In Deutschland hätte der Großteil der Wähler der Linken von Rot, Grün und Dunkelrot keinerlei Mehrheit eingeräumt, ja diese gewissermaßen in Abseits geschoben. Die „vereinte Linke“ käme nicht über 40 % hinaus und das bedeute doch eine Zeitenwende, meine einige.
Vorsicht! Ich sehe das nicht!
Wenn man die Zeitung aufschlägt, von der lokalen Postille bis zur FAZ oder der Welt, gar nicht zu reden von Zeit und SZ: nichts ist davon zu merken. Im Gegenteil, die Presse und der Bezahlrundfunk haben augenscheinlich die Schlagzahl ihrer Propaganda in den zurückliegenden Wochen erhöht. 

Beispiele? Ja bitte.

Heute Morgen ist erstes Thema für das Morgenmagazin von ARD und ZDF der angeblich lamentable Umgang mit der linksradikalen Punk-Band „Feine-Sahne-Fischfilet“, die doch der Bundespräsident uns so ans Herz gelegt hat. Man hat aus Sorge vor rechtsradikalen Ausschreitungen einen Auftritt der Punk-Gröler im Bauhaus Dessau abgesagt, um das bauliche Kulturerbe vor möglichen Beschädigungen durch rechte Gegen- und linke Pro-Demonstranten zu schützen. So verteidigt die verantwortliche Direktorin ihre Entscheidung. Vor drei Tagen hatte die ARD schon daraus einen „Skandal um Kunstfreiheit“ gemacht.
Der ehemalige Bauhaus-Direktor Philipp Oswalt rügt denn seine Nachfolgerin und darf hinausposaunen: „Die Absage des Konzertes hat die Demokratie und das kulturelle Leben in unserem Land beschädigt.
So zu vernehmen auch im hiesigen Käseblatt, das dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) angehört, das von dem ehemaligen Spiegel-Chefredakteur Wolfgang Büchner geleitet und von der SPD kontrolliert wird.
Dieses Schwindelverbreitungsblatt* offeriert uns gleich eine Doppelseite linksfrisierter Meinung für die neuernannten Märtyrer im Kampf gegen Rechts. Das Redaktionsnetzwerk lässt texten: „Je erfolgreicher und bedrohlicher AfD, Pegida und andere recht Strömungen werden, so scheint es, desto mehr Bedeutung kommt auch dieser Band aus dem Norden Mecklenburg-Vorpommerns zu.“
Eine Erhebung dieser Polizistenfeinde und Deutschlandverächter in den demokratischen Adelsstand.
Da haben sich offensichtlich ARD und RND kurzgeschlossen – Rotfunk und Rotpressung.

Dann kann es narürlich nicht weiter gehen ohne das Thema Maaßen bzw. Seehofer.
Da durften sich nach dem Bekanntwerden der Abschiedsrede des Verfassungsschutzpräsidenten noch mal mehr SPD-Schranzen, ob sie Scholz, Nahles, Klingbeil oder Carsten Schneider heißen, ihr Maul über einen unliebsamen (=unbeugsamen) Spitzenbeamten und den amtierenden Innenminister zerreißen. Der Stegner-Widergänger Carsten Schneider durfte im ZDF-Morgenmagazin sagen: „Dass der ehemalige Präsident so irre ist, hätte ich nicht gedacht“.
Seehofer ist nach Meinung des Linken Andre Hahn „ein Gefährder der Demokratie“, der für die Grünen „seit Monaten nicht mehr tragbar sei“.

Soweit das Meinungssponsoring des ÖRF für die vereinigte Linke.

CDU/CSU und die SPD demontieren sich überwiegend selbstverschuldet weiter. Da erscheinen die Grünen als die bundesdeutsche Hoffnung schlechthin und werden von der Journaille als solche verkauft. Dreist spricht man inzwischen von den Grünen als die neuen Konservativen, einer „bürgerlichen“ Partei. Dafür stehen die Annalena und der Robert, die Katharina und der Anton aus Bayern, und vor allem der Winfried aus Schwaben.
Der BaWÜ-“Landesvater“ Winfried Kretschmann hat in den Ferien ein Buch geschrieben.

Grün ist das neue Schwarz. Denn bei CDU und CSU sei der Konservatismus zu naivem Technikglauben geronnen. Bei den Grünen dagegen werde der ökologische Gedanke des Umweltschutzes dem Lateinischen „conservare“ – bewahren – viel gerechter: „Die Grünen haben eine sehr konservative Wurzel. Das ist sozusagen die Bewahrung der Schöpfung, Erhalt der Natur. Die haben wir ja selber nicht geschaffen – die haben wir nur vorgefunden. Wir können Arten ausrotten, aber keine neuen in die Welt setzen. Das ist ein konservatives Thema.“

kann man hier lesen.

Und nochmal Vorsicht!
Der Wolf hat Kreide gefressen und die Medien werden mit anschwellendem Bemühen den deutschen Geißlein den Isegrim als Heilsbringer verkaufen.

Ich lasse es mal auf diesen Beispielen von Informationskampagnen beruhen.
Man muss sich gewisse „Formate“, wie z.B. das „MoMa“ im Fernsehen gelegentlich antun, auch wenn man dabei zum Misanthropen oder Deutschenhasser werden könnte, wenn man die die bemühten Straßenbefragungen in Entsprechung zu des „Volkes Stimme“ mit selektierten Ausgefragten erlebt oder die gecasteten deutschen Klatschaffen im Publikum der Talkshows auf sich wirken lässt.

 

Das linke Kartell pfeift nicht auf dem letzten Loch. Es ist rühriger als je zuvor. Und der Marsch der 68er Ideologie und der Ideologen durch die Institutionen ist beileibe nicht am Ende angekommen.

Norbert Bolz schreibt in der Tagespost:

„Seit fünfzig Jahren straft uns ein zorniger Gott, indem er die Wünsche der 68er er füllt. Mit dem berühmten Marsch durch die Institutionen begann damals eine Kulturrevolution, die sich im Lauf der Jahre nicht etwa abgeschwächt, sondern sogar dramatisch verschärft hat. Über „n-Geschlechter“ und „Transgender“ hätte Rudi Dutschke noch den Kopf geschüttelt – heute sind sie regierungsoffizielle Grundbegriffe. Und seither steht der gesunde Menschenverstand auf verlorenem Posten.“

Der Schweizer Schriftsteller Giuseppe Gracia spricht ebenfalls in der Tagespost von

Eliten, die sich aufführen wie Heilpädagogen des sozialen Zusammenhalts … Politiker und Medienleute, die nicht nur Staatsgeschäfte und News, sondern auch unser Innenleben lenken wollen.“ 
„Theoretisch können Sie sagen, was sie wollen, das bestreitet niemand. Aber die wenigsten getrauen sich, öffentlich wirklich eigene Gedanken zu vertreten, gegen den medial dominanten linksliberalen Moralismus. Die meisten haben Jobs zu verlieren und wollen in der Nachbarschaft nicht als Leute mit dubioser Gesinnung dastehen.“

Beide Autoren kennzeichnen, wie das Linkskartell uns in der Hand hat; wie es immer weiter versuchen wird, in unseren Verstand einzudringen und uns unter seiner Knute zu halten. 

Man kann entgegenhalten, es gibt aber doch auch eine neue „Elite“: Journalisten und Publizisten, auch Wissenschaftler wie Norbert Bolz, die sich nicht der gegenwärtigen Tyrannei ausliefern, Widerspruch erheben und den gesunden Menschenverstand wieder auf einen festen Posten setzen wollen. Menschen wie z.B. Roland Tichy, Marilla Slominski, Dieter Stein, David Berger, Alexander Wendt und Peter Helmes.
Leute, welche mit uns die „Dynamik des Realitätsschwunds“ stoppen und umkehrbar machen möchten. 

Das ist ein Kampf wie David gegen Goliath. Machen wir uns Hoffnung mit dieser Metapher? Wissend, dass wir nicht etwa ein „letztes Gefecht“ erfahren werden. Das Kartell wird nicht aufgeben, denn wie heißt es in der letzten Strophe der „Internationale“:
„ … Diese Welt muss unser sein!“

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* Über dem Artikel des Käseblättchens findet man folgende Überschrift: „Deutschlands linke Prügelknaben.“ Wir wahr, möchte man anmerken, weisen doch so manche Texte dieser „Künstler“ unzweideutig eine Affinität zum Prügeln und Randale-Machen aus. Siehe hier.

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„Klatschaffen“, „Pöstchenjäger“ und „Machterhalter“

Schimpfwörterlexikon für Politiker

Der Artikel auf CONSERVO  »Von „Klatschaffen“, „Pöstchenjägern“ und „Machterhaltern“ – Merkels unterwürfige Gefolgschaft« hat mich zum Nachdenken und Auskundschaften angeregt: wie kann man Politiker stilvoll oder deftig, jedenfalls wirksam beleidigen oder beschimpfen.
Die gequälte Kreatur, sprich der Wähler und wir, die demokratischen Erfüllungsgehilfen, »das Volk«, sollten uns doch irgendwie zur Wehr setzen können, nicht nur an der Wahlurne. Dazu bieten sich natürlich die sozialen Medien an oder ein Blog wie »altmod«. Natürlich sind die Beschimpfungen dosiert anzuwenden, um nicht in den Geruch der Hassrede zu geraten; irgendwie pläsierlich, wie es z.B. der Wiener* fertigbringt.

Für den Umgang mit Journalisten haben wir schon einen solchen Fachwortschatz auf den Weg gebracht.  Es ist also Zeit, eine Sammlung speziell auch für die Anwendung auf Politiker zu kreieren, bei denen sich nach unserer Meinung Unmengen von »homines inhabiles« tummeln und nur wenige »Nudlaugn«.

Gemäß meiner Familienherkunft aus dem österreichisch-bayerischen Siedlungs- und Sprachgebiet verwende ich bei verbalen Invektiven ohnehin am liebsten das österreichische Idiom*. Das hat den Vorteil, dass der Angegriffene zunächst mit manchem Ausdruck nichts anfangen kann und die dahinter stehende Grobheit nicht gleich erkennt. Es gibt hier sinn- und bedeutungsfreie Schimpfwörter, an denen sich ein Rechtsverdreher die Zähne ausbeißen kann. Insofern überwiegt in meinem Katalog Österreichisches bzw. Bayerisches.

Herbert Wehner war ein Meister der Insultierung, manchmal auch mit Worterfindungen, denen jeglicher Sinn fehlt: »Sie Düffeldaffel«. Das Wort war bis dahin in keinem Diktionär zu finden gewesen. Anschaulicher war die Injurie »Übelkrähe« für den CDU-Abgeordneten Wohlrabe und dann wurde er noch konkreter, als er zu dem MdB sagte: „Sie sind ein Schwein. Wissen Sie das?“ Den früheren Innenminister Richard Jäger – schon als »Kopf-ab-Jäger« verspottet – schmähte er denn in einer Debatte über Pornographie mit der Formulierung »Glied-ab«. Wehner handelte sich mit solchen und anderen Ausfälligkeiten im Bundestag 77 Ordnungsrufe ein. Ein einsamer Rekord, den nicht einmal Joschka Fischer toppen konnte (»Herr Präsident, mit Verlaub, Sie sind ein Arschloch«!).

Im Anhang findet der geneigte Leser eine exklusive Sammlung von Beleidigungen und Schimpfwörtern als PDF-Datei, derer er sich im Blick auf Politiker (oder auch andere Personen) bedienen mag.
Wir haben uns bemüht, schlimmste Grobheiten – zum Beispiel aus dem Wortschatz von Herbert Wehner – wie „Strolch“, „Quatschkopf“, „Dreckschleuder“, „Schleimer“ usw. auszumustern; und auch offensichtliche Worte im Kontext von »dumm«, »Dödel«, »Depp«u.a. Auch tierische Vergleiche wie Sau, Esel, Kamel, Ziege etc. haben keinen Eingang gefunden. Auf die »Krampfhenne« wollten wir in Gedenken an FJS aber nicht verzichten.

Als ich die Sammlung zusammenstellte, erlebte ich bei etlichen Schmähworten eine Art Déjà-vu: Claudia Roth und Grüne in der Mehrzahl tauchten vor meinen Augen auf.
Und dann besonders Ralf Stegner. Wäre »Ekelpaket« für »Pöbel-Ralle« eine Übertreibung? Oder Abklemmer, Aufpudler, Bazi, Braddler, Bratkeks, Eierbär, Gfrastlsackl, Hacklschmeißer, Hirschkipfel, Hosentrompeter, Naderer, Säftel, Schnieptröte, Spatznkampler, Streithansel, Suderer, eigentlich ist er ein Tachinierer und Teschek, gewiss ein Ungustl, eine Wurzn, ein Zecker und Zornigel?
Dem Steger haben wir es jetzt gegeben; der zieht das aber auch an. Deswegen ist er auch als negative, »multipolare« Persönlichkeit bei ARD- und ZDF-Talkshows so beliebt.

Die Grünen und Grüninnen animieren zu Folgendem: Bagage, Blarrpotten, Blondinen, Dalledus, Duracellhäschen (besonderes Beispiel: Katharina Schulze aus Bayern), Eierbären, Evolutionsbremsen, Fuffis, Goschatten, Goschenreißer, Grindschlapfen, Gschichtldrucker, Handtaschenträger (für Anton Hofreiter), Hascherl, Hendl, Inselweiber, Krampfhennen, Müslitanten, Ökoschlunze, Perle von Gurktal (u.a. für Claudia Roth wie auch), Schnieptröte, Schöberl, Spatznkampler, Trampel, Trauerweide, Trulla, Trutscherl, Waserl, Wurzn, Zwiederwurzn.

Frau Merkel erschien vor meinem geistigen Auge, als ich las: Bratkeks, Gesichtsbaustelle, Grindschlapfen, Gschdumpate, Gschichtldruckerin, Halbleiter, Hendl, Krampfhenne, Pfurzglockn, Trampel, Traubenbinderin, Trauerweide, Wabn, Wurzn.
War das jetzt alles zu derb? Wir sprechen nicht über das verunstaltete Kanzleramt, sondern von der bald gewesenen Amtsträgerin.
Genießen wir es, denn lange wird uns dieses Schimpfobjekt nicht mehr zur Verfügung stehen, wenn mit Friedrich Merz vielleicht ein Ampelpobler oder Braddler (?) an die Spitze kommt, der sich dann vielleicht auch nur als Hirschkipfl herausstellt.

Horst Seehofer ist wie Merkel schon fast abgemeldet: der Bratkeks, Bruchpilot, Drahdiwaberl, Eierbär, Falscher Fuffzger, Gmoatrottel der CSU, Halbleiter, Hallodri, Naderer, Seicherl, Teschek. Er ist inzwischen zu einem armen Wimmerl geworden.

Andrea Nahles, der SPD-Trampel schlechthin? Oder ist sie ein Spatznkampler?

Peter Tauber – Gott hab ihn selig, mein Lieblingsgeneral – der aufgrund seiner Qualitäten Staatssekretär bei einer Blondine und Grindschlapfn werden konnte. Das Anwaltssöhnchen, der Aufpudler, Bazi, Bratkeks, Chefgrüßer, Drahdiwaberl, Goschatta, Hirschkipfl, Hosentrompeter, Kofferträger, Schöberl, VUPO, Wimmerl usw..

In der Politik gibt es unzählige Braddler und auch Furchengeher, bei den Medien wie auch in der Politik viele Klärschlammtaucher.
Also tauchen wir ein in die Odelgrube der Beschimpfungen.

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*Der Wiener ist ein Meister der hinterfotzigen Verbalinjurie.

Zum Aufrufen des Katalogs auf das Bild klicken:

 

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AKK, Spahn oder Merz?

Tomas Spahn – ein Journalist, nicht zu verwechseln mit dem Spahn –  titelt auf Tichys Einblick:

„AKK, Spahn oder Merz? Spielt alles noch keine Rolle – Hauptsache, die Medien haben endlich mal wieder etwas Personalpolitisches zur Beschäftigung.“

Tja, Hauptsache die Journalisten können ihrer favorisierten Tätigkeit nachgehen, sich über Personen das Maul zu zerreißen und dabei zu glauben, das Publikum würde ihnen bei ihrem Kasatschok* fasziniert zusehen. Tomas Spahn macht in seinem Beitrag dasselbe, was er wohl mit seinem Untertitel kritisieren möchte und beschäftigt sich auf geschätzt 150 Zeilen dann doch  mit personellen Mutmaßungen.

Wolfram Weimer, ein Journalist, den ich an sich schätzte, haut auf achgut schon etwas mehr raus und meint zu Friedrich Merz:

„Als seine Kandidatur am Montag ventiliert wurde, sprangen an der deutschen Börse die Aktienkurse an, er ist der eindeutige Favorit der Wirtschaft und der Mittelstandsverbände“.

Wie bitte? Ist das blöd oder ist das blöd?

Letztes Jahr wurde von Journalisten der Schulz-Effekt verkündet.
Und nun schellt einer den Merz-Effekt aus, mit in sich bergenden Effekten auf Wirtschaft, Konjunktur usw. Vielleicht gar mit Auswirkung auf die Arbeitslosenzahlen – die besten seit der Wiedervereinigung.
Was aus dem Schulz-Effekt wurde, wissen wir. Schulz wurde seinerzeit gerufen.
Merz hat sich selbst ins Spiel gebracht.

Gibt es ein reinigendes Merz-Gewitter?
Werden Spähne fliegen?
Wird sich Krampf-Knarrkalauer durchsetzen?

Überlassen wir das der CDU und fragen uns, wie lang die Personaldiskussionen in den Quatschquetschen und im Tumbfunk virulent bleiben werden. Denn das Ganze stößt in Kürze genauso ab, wie der Merkel ihre Hängebacken. 

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*Kasatschok:

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