Sexismus und Neosexismus

„Ein Auge sieht, das andere ist fest geschlossen“
Sprichwort der Berber

 

Bei meinen Nachforschungen betr. „Gina-Lisa“ bin ich zwangsläufig auf Verlautbarungen aus dem Wahrheitsministerium des Heiko Maas gestoßen. Im April des Jahres hatte er in angeblich besorgter Reaktion auf die Silvesterereignisse in Köln und andernorts angekündigt, „sexistische Werbung“ zu verbieten. Eines der Wahrheitsorgane der Republik, „Die Welt“, mahnte jetzt Verzug an und nimmt nebenbei die bundesdeutsche „Wirtschaft“ in eine kritische Würdigung.

Wenn man von „sexistischer Werbung“ spricht, liegt dem natürlich „Sexismus“ zugrunde – Entschuldigung, eine banale Entsprechung.
Aber was hat es mit der Phrase des „Sexismus“ auf sich, die in der linken Agitationsterminologie gleichbedeutend mit „Rassismus“ zu einer mächtigen rhetorischen Waffe geraten ist?

Arbeiten wir uns einmal aufgliedernd vom Einfachen zum Komplexeren in der Begrifflichkeit hoch.

Schon in der Schule werden unsere Nachkommen auf den Umgang mit bestimmten Begriffen eingeschworen. Der Schülerduden »Sexualität«, ist ein Buch, mit dem junge Leute heutzutage in „Geschlechterfragen“ unterrichtet werden.
»Sexismus« wird dort wie folgt definiert:

»Die Diskriminierung des weiblichen Geschlechts durch das männliche Geschlecht. … Ausdruck findet der S. beispielsweise in frauenfeindlichen Witzen und Redewendungen, Darstellungen der Frau als Sexualobjekt z. B. in der Werbung oder in Pornofilmen, aber auch in politischen Zusammenhängen wie z. B. schlechterer Bezahlung bei gleicher Arbeit, unbezahlter Hausfrauenarbeit und schlechteren Aufstiegschancen. Dieses Verhalten entstammt der jahrtausendealten Überzeugung der Männer, den Frauen körperlich und geistig überlegen zu sein, wovon ein Teil der Männer selbst heute noch überzeugt ist«.

Das versteht jeder, was da knapp über Hauptschulniveau vermittelt wird.

Aber es gibt noch eine andere Dimension in diese Begrifflichkeiten und da möchte ich eine differenziertere Betrachtung anfügen. Manfred Klein-Hartlage schreibt in seinem Buch „Die Sprache der BRD“:

„Ähnlich wie beim Begriff »Rassismus« findet ein zielstrebig herbeigeführter Bedeutungswandel statt. Ursprünglich bezeichnete »Sexismus« die Benachteiligung oder Geringschätzung einer Person aufgrund ihres Geschlechts, heute gilt als »sexistisch« bereits die offen kundig wahre Feststellung, daß die Geschlechter unterschiedlich veranlagt sind, jedenfalls im statistischen Durchschnitt, ferner die Feststellung, daß es überhaupt so etwas wie Geschlechter gibt und es sich dabei um biologische Vorgaben, nicht etwa um soziale Konstrukte handelt. … Die Bezeichnung eines Andersdenkenden als »Rassist« oder »Sexist« soll dem Publikum suggerieren, der Betreffende betrachte Angehörige fremder Rassen oder eines Geschlechts (meist des weiblichen) als minderwertig oder behandle sie unfair und im negativen Sinne des Wortes diskriminierend, selbst wenn dies keineswegs der Fall ist und seine einzige »Sünde« darin besteht, hanebüchene linke Theorien nicht anerkannt zu haben.“

Da ich mich auch als Partikülier noch für den Wissenschaftsbetrieb in unseren Landen interessiere, fallen mir immer wieder und immer häufiger Absonderlichkeiten aus den geistigen Produktionsstätten der noch-deutschen Universitäten in die Hände. Im „Unireport“ der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt war nun ein akademischer Zickenkrieg einiger Gender- und Feminismus-“Forscherinnen“ über die Folgen der Kölner Ereignisse ausgebrochen. Auf eine möglicherweise im Glauben ketzerische Betrachtung von Frau Prof. Dr. Susanne Schröter – Leiterin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam (FFGI), Direktorin des Instituts für Ethnologie, Principal Investigator im Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Direktorin im Cornelia Goethe Centrum für Geschlechterforschung und Vorstandsmitglied des deutschen Orient-Instituts (!!!!) – antworteten eine Geschlechter- und eine Islam-“Forscherin“ mit einem emendierenden Artikel.
Der Leser möge sich an folgenden Aussagen erfreuen:

„In der Geschlechterforschung gilt Sexismus als ein globales Phänomen …
Sexismus naturalisiert die Dominanz sowie die strukturelle Herrschaft von Männern über Frauen und legitimiert so die Geschlechterhierarchie. Neosexismus, der sich vornehmlich in westlichen Ländern findet, bestreitet die Fortexistenz der Diskriminierung von Frauen mit dem Hinweis auf die erfolgreiche Umsetzung der Gleichberechtigung. Im deutschen Kontext etwa wurde die Entgleisungen des Politikers Brüderle gegenüber einer Journalistin, als ‚harmlos‘ abgetan.
Problematisch ist diese Sichtweise deshalb, weil sie den Zusammenhang zwischen verbalen Formen des Sexismus und manifesten Handgreiflichkeiten sowie sexueller Nötigung bagatellisiert und ignoriert. Sexismus und sexuelle Gewalt sind in Deutschland keine Ausnahme, sondern Normalität. Eine vom Bundesfamilienministerium herausgegebene Studie (Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit in Deutschland, 2013) berichtet, dass 95% der Frauen, die Opfer sexueller Gewalttaten wurden, diese nicht zur Anzeige brachten; angesichts der Lücken im Sexualstrafrecht – die Verurteilungsquote liegt bei 8,4% (kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachen 2012) – scheint diese Zurückhaltung nachvollziehbar .
Seit Jahrzehnten haben Aktivistinnen auf diese Missstände hingewiesen und eine Verschärfung des Sexualstrafrechts gefordert. ‚Köln‘ hat nun dazu geführt, dass die Strafrechtsreform im Eilverfahren durchgeführt wird. Das ist begrüßenswert, jedoch auch problematisch, da eine spezifische Tätergruppe in besonderer Weise markiert wird, während andere Täter im Schatten bleiben. Erklären lässt sich dies nur mit der von Kira Kosnick als Kulturalisierung bezeichneten Dynamik: Hier wird mithilfe der Diskursfigur des fremden, schwarzen Mannes, der die weiße Frau vergewaltigt, eine koloniale und rassistische Rhetorik aktiviert, die das Problem sexistischer Gewalt als gesamtgesellschaftliche Frage externalisiert und medial inszeniert: pornografisch inszenierte Körper von weißen, blonden jungen Frauen, auf die schwarze Hände zugreifen (siehe Titelseite Focus 2/2016 sowie das Cover des polnischen Magazins wSieci mit der Schlagzeile „Die islamische Vergewaltigung Europas“), bedienen und schüren gleichzeitig Angstszenarien.
Im Faschismus galten Juden als potentielle Täter, im Ersten Weltkrieg schwarze Soldaten, heute Muslime. Der Kulturbegriff, der dieser Argumentation zugrunde liegt, konstatiert die Unvereinbarkeit zwischen einem (weißen, christlichen) homogenisierten ‚Kulturkreis‘ (WIR) und ‚fremden‘ Kulturen (SIE). Dass ein solches Kulturverständnis Elemente früherer Diskurse enthält, hat bereits Theodor W. Adorno weitsichtig im Jahre 1955 festgestellt, als er davor warnte, „das vornehme Wort Kultur“ an die Stelle des verpönten Ausdrucks ‚Rasse‘ zu setzen, da mit diesem nominalen Austausch oft Vergleichbares gemeint sei.

Ich habe aus gutem Grund so ausführlich zitiert, beweisen diese Aussagen doch, mit welch verquerer Grundeinstellung man in dieser Republik in akademische Stellungen geraten kann und die öffentliche Meinung beeinflussen möchte. Auch die semantischen Wendungen sind exemplarisch, wie mit dem Zitat von Adorno der Nexus von Sexismus und Rassismus hergestellt wird. Frankfurter Schule eben.

Wer sich weiter über „Sexismus“ informieren mag, bei Wikipedia oder z.B. hier: „Gendertalk“, gerät zwangsläufig in einen üblen Wirrwarr verschiedener Denkweisen, aber nicht an wirklich wissenschaftlich gesicherte Fakten. Was bei einer Ideologie nicht zu erwarten ist.
Da wird u.a. auch ein „Genderforscher“ folgendermaßen zitiert:
„Das gemeinsame Element des Sexismus besteht darin, dass eine Festlegung auf eine sozial definierte Geschlechtsrolle und damit eine Einengung erfolgt“.
Also, warum nimmt die eine (männliche) Seite das nicht endlich auf und hält nicht nur nicht einfach die Klappe?

Zum Schluss zur Anstachelung noch ein paar glasharte „Wahrheiten“* aus der sexistischen Kochstube:

«Wir Frauen befinden uns immer in der Situation potentieller Vergewaltigung. Häufig genügt die Gewaltanwendung auf der verbalen Ebene. Schon hier können wir nicht mit Gegengewalt antworten.»

«Die Folge der männlichen Allergie gegen das Femininum ist dessen nahezu vollständige Verdrängung aus der Sprache, mit anderen Worten: die sprachliche Vernichtung der Frau.»

«Selbst mit übereinandergeschlagenen Beinen verstehen es Männer, sich breiter zu machen als Frauen, … das heißt der Mann macht sich breit und nimmt allgemein für sich wesentlich mehr Raum in Anspruch als die Frau.»

«Männlichkeit ist Krieg, Umweltzerstörung, Profit, Massentierhaltung – kein Wunder, dass gesunde Rinder dabei wahnsinnig werden …!»

«Wenn Antisemitismus vorwiegend eine Über-Ich-Krankheit ist, so hat sie mehr mit der typischen Entwicklung des männlichen als mit der des weiblichen Über Ichs zu tun. Ihre Über-Ich-Strukturen prädestinieren die Frau nicht zum Antisemitismus … Der Antisemitismus der Frauen entwickelt sich über die Anpassung an männliche Vorurteile …»

«Die Armut ist weiblich.»

Es reicht, ich beende damit meine natürlich männlich gefärbte „Grausamkeitsarbeit“ (Margarete Mitscherlich) als potentieller Vergewaltiger.

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* nachzulesen bei: „Frauen und Kinder zuerst – Denkblockade Feminismus“ von Paul-Hermann Gruner, rororo-Sachbuch – 2000 Hamburg, S. 21 ff

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Gina-Lisa Lohfink: (k)ein Blondinenwitz?

„Vor Gericht und auf hoher See“ … darüber hätte Gina-Lisa Lohfink vorher nachdenken sollen, als sie gegen ihre vormaligen Beischlaf-Partner eine Anklage wegen Vergewaltigung einbrachte. Sie hat es selbst ruiniert, sodaß diese Metapher nicht mit dem Nachsatz „ist man in Gottes Hand“ ergänzt werden braucht: im Internet konnte die von Lohfink behauptete Vergewaltigung gar mondial betrachtet werden. Dass das Vor-, Haupt- und Nachspiel der offensichtlich einvernehmlichen Lustorgie gefilmt und publik wurde, gereichte nun zum Nachteil des Opfer-Feldzugs von Gina-Lisa.
Ihre männlichen Beischläfer waren vorab schon wegen „ungenehmigter Veröffentlichung“ dieses Videos belangt worden. Das genügte aber dieser Aktrice des Flachbildschirms nicht und zusammen mit einem händelsüchtigen Anwalt, gestützt durch die bundesdeutsche Feministen-Front, legte sie mit einer Anzeige wegen „Violation“ nach. Da nun quasi durch „Video-Beweis“, eine Falschverdächtigung- bzw. -Beschuldigung nahelag, kam der Staatsanwalt ins Spiel.
Seit Januar d.J. konnte man dann in der Qualitäts- wie in der Proll-Presse Berichte und Kommentare über den Prozess gegen diese Grazie aus der Kategorie „C-Promi“ verfolgen. Prozessbegleitend hatten aber „Politiker/innen“ unserer linken Sexperten-Parteien und einschlägig Medienschaffende Gina-Lisa schon vorab als Opfer ausgemacht.
Das vielbeachtete Verfahren vor einem Amtsgericht in Berlin hat nun ein (vorläufiges!?) Ende gefunden: Verurteilung der – durch den Prozess mit öffentlicher Anteilnahme möglicherweise in die B-Kategorie der medialen Rating-Skala aufgestiegenen – Darstellerin zur Strafzahlung von 20.000 Euro. Man erfährt aber schon, dass die Summe für die Künstlerin kein Problem darstellen wird, da ihr durch Einrücken in das „Dschungelcamp“ im Unterschichtenfernsehen schlappe 150 Tausend € zufließen sollen.

Gina-Lisa – ein Vorname, der inzwischen wie „Kevin“ zweifelsohne Vorurteile in Bezug auf bestimmte Milieus auslöst – hat es neben einer „Follower“gruppe auf Twitter (TeamGinaLisa) zu einem umfangreichen Eintrag auf Wikipedia geschafft. Ein Beitrag, der tiefergehende Einsichten in den Werdegang von ihr wie auch über die Bestimmtheiten für Berühmtheit in unserer Gesellschaft vermittelt.
Dieser Text enthält ein Kaleidoskop biographischer Faktoren, mit denen es heutzutage einem Weibchen mit ansehnlichen körperlichen Anlagen gelingen kann, „Prominenz“ zu erlangen: von der Teilnahme bei „Germany´s Next Topmodells“ und „Fernseh-Soaps“ bis zu häufig wechselnden Beziehungen (im juristischen Amtsdeutsch „HWG“) mit männlichen „Popstars“ oder Fußballspielern. Eine lesbische Liaison gehört gleichermaßen dazu, wie Nacktfotos im Playboy und Penthouse, ein Amateurporno auf Youtube, aufgespritzte Lippen und Silikonbrüste.

Warum erwähne ich überhaupt diese „Affäre“ und warum beschäftigt sie uns?
Das Beispiel der Gina-Lisa Lohfink ist exemplarisch für unseren Niedergang, den Niedergang der politischen und gesellschaftlichen Klassen, unserer Gesellschaft und dem, was wir Kultur nennen möchten.
Da wird eine schlüpfrige, unappetitliche Affäre von Politikern und feministischen Akteuren zu einer angeblichen Verfolgung und Desavouierung einer nur in diesen Augen unschuldigen Frau hochstilisiert. „Feminist/innen“ erhielten wieder ein Beispiel für eine erneute Inszenierung der „hegemonialen Männlichkeit“. Paradox ist dabei, dass ausgerechnet Richter und Staatsanwalt in diesem Verfahren Frauen waren.
Die Tatsache, dass die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen Falschbehauptung in diesem „Sexualdelikt“ eingeleitet hatte, wurde – wie erwähnt – schon vorab als Skandal empfunden: von der „Familienministerin“ bis zu taz-, SZ-, Stern- und sonstigen „Redakteur*innen“.
Die sich prostituierende Gina-Lisa wurde in befremdlicher Verdrehung der Tatsachen gar als Vorkämpferin für das verschärfte, von Minister Maas eingebrachte Sexualstrafrecht gefeiert. Nach der Demonstration vielfacher „hegemonialer Männlichkeit“ in der Kölner Silvesternacht – oder wegen Gina-Lisa?

Darf man eine Person wie Gina-Lisa als „Prostituierte“ bezeichnen?
Prostitution kommt vom Lateinischen: prostituere „nach vorn/zur Schau stellen, preisgeben“. In typisch neuzeitlich soziologischem Sprachgebrauch spricht man auch von „Sexarbeit“.
Gina-Lisa hat sich vielfach prostituiert: mit inferioren TV-Auftritten millionenfachen Zuschauern gegenüber, mit einem Amateurpornofilm für ein brünstiges Internetpublikum, mit ihren Verdrehungen für die bundesdeutsche Feministenclique und verquere Politiker.
Mit „Sexarbeit“ hat es Gina-Lisa L. geschafft, nicht nur allein von ihrem abgedrehten Anwalt gar für eine angebliche „Rechtsetzung“ in Anspruch genommen zu werden. Durch sie sei es gelungen, eine Verschärfung des Sexualstrafrechts herbeizuführen – das sei „ein riesengroßer Erfolg“ – meint nicht nur ihr Anwalt namens Benecken in Blick auf die im Juli vom Bundestag beschlossene Sexual-Strafrechtsreform. Die sog. Familienministerin Manuela Schwesig hatte sich ja schon vorab per Twitter im Account TeamGinaLisa ebenfalls „prostituiert“.

In welch verkommenem System leben wir?. In welcher „Kultur“ oder „Zivilisation“, in welcher das Sexuelle so zum Fetisch erhoben wurde?
„Sexualisierung des öffentlichen Lebens ist aus geschichtlicher Erfahrung ein Alarmzeichen für den öffentlichen Zusammenbruch bewährter menschlicher Ordnungen.“ resümierte einmal ein kritischer – natürlich rechter – Prosaschriftsteller. „Die mit skrupelloser Frechheit auftretenden Immoralisten können sich mit Recht als Herren der Stunde fühlen“ – und die Scheinmoralisten, die im bundesdeutschen Ministerien sitzen, muss man ergänzen.
Macht sich heute noch jemand Gedanken darüber, dass der sittliche Verfall immer auch politische und gesellschaftliche Anarchie nach sich zog, wie die Geschichte nicht nur des Römischen Reiches lehrt.
Diese LohDreckfink-Affäre ist ein neuerliches Symptom für den unausgesetzt zu beobachtenden Untergang unseres Landes und unserer Kultur.
Wer mag da widersprechen?

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Parolen des linken Betroffenheitsjargons – Teil 2

„Gesicht zeigen“

Nach „Bunt statt Braun“ will ich mich mit dem Neuquatsch von „Gesicht zeigen“ auseinandersetzen.

Diese Phrase aus dem „Dummdeutsch“*-Vokabularium hat inzwischen sogar eine Vereinsgründung gezeitigt: mit einer mondän gestalteten Internetpräsenz, auf der man sich, geziert von der wie ein Primeltopf grinsenden Visage der Politikaktivistin Dunja Hayali vom ZDF, informieren kann.

„Gesicht Zeigen! – Das sind wir. Ein Verein, ein Team. Wir stehen und arbeiten für Respekt und Toleranz. Gegen Rassismus, Antisemitismus und rechte Gewalt. Wir geben unseren Themen viele Gesichter: Kampagnen, Fortbildungen, Veranstaltungen, Workshops. Wir sind in der Öffentlichkeit genau so aktiv wie an der Basis. Arbeit mit Schüler*innen, Lehrer*innen, Multiplikator*innen. Wir beraten und begleiten unsere Angebote – von A wie Ausgrenzung bis Z wie Zivilcourage …“ **
http://www.gesichtzeigen.de/.

Die Erfindung des Begriffes reklamiert der ehemalige Regierungssprecher von Gerhard Schröder, Uwe-Karsten Heye für sich. Wir erinnern uns, er hatte einst – damals zur Fußball-WM 2006 in Deutschland – vor „No-go-Areas“ für Ausländer in Brandenburg gewarnt und das „Dunkeldeutschland“ Gauck’scher Kategorisierung antizipiert.

Rassismus, Antisemitismus und rechte Gewalt – lautet die Dreiheit, gegen welche man sein Antlitz präsentieren soll. Darauf reduziert sich offenkundig aus linker Sicht die Bedrohung des Da- und Zusammenseins in Deutschland.

Aus nicht-linker Warte fällt mir gleichwohl noch manch anderes ein.
Ich will nicht billig mit der Faktizität muslimisch angewiesener weiblicher Gesichtsvermummung oder dem männlichen Gegenstück in Form des Salafisten-Bartes daherkommen.

Wie wäre es trotzdem, wenn z.B. so manche „Aktivisten“ auf ihre feige Vermummung verzichten würden: z.B. Occupy-Akteure auf ihre verhüllenden Guy-Fawkes- und Clown-Masken, die „Antifanten“ auf ihre Sturmhauben.
Wie wäre es andererseits, wenn unsere Verantwortlichen für Sicherheit und Recht endlich „Gesicht zeigen“ würden gegen diese vergleichsweise übermächtige linke Gewalt. Gegen unverhohlene Gesinnungsschnüffelei und feiges Denunziantentum. Gegen muslimische Frauenunterdrückung, Kinderehen, türkische Anmaßungen in Deutschland; Delinquenz, Frechheiten und maßlose Forderungen durch Immigranten und deren Helfershelfer.
Wie wäre es, wenn endlich Bildungspolitiker, Hochschul-Rektoren, Professoren und Lehrer offensiv und lautstark gegen die Zerstörung der Bildungs- und Lehrstrukturen hierzulande durch falsch verstandene Gleichheitsbestrebungen, globalen Anpassungstaumel und hausgemachten Genderwahn auftreten würden.
Wie wäre es, wenn in der Lückenpresse der Terminus Links-Populismus den entsprechend Stellenwert eingeräumt bekomme und damit die verkommene Populismus-Phrase endlich ihre einfallslos besetzte Geltung verlieren würde.
Wie wäre es, wenn sowohl die „Komitee-Gläubigen“ wie auch abundante Sonntags-Messen-Besucher ihren Islam-devoten Bischöfen und Pfarrern schriftlich und wörtlich anhaltend die Leviten lesen würden.
Wie wäre es … Man könnte es fast unendlich weiterspinnen.

Der linke Gesichts-Verein bewirbt sich jetzt aktuell für den »„Smart Hero Award“ für sozial engagierte Heldinnen und Helden im Internet« unter der aktuellen Schirmherrin (und „Heldin“?) Manuela Schwesig von der Ostseeküste – vom dunkeldeutschen Strand.

„Smart Hero Award“, derart Bescheuertes kann auch nur in und für Deutschland erfunden und formuliert worden sein.
Einst Latein, heute Englisch.
Wie nannte dazumal Bertold Brecht ein Ziel seiner literarischen Arbeit:
„Das Lateinisch ihrer bestochenen Pfaffen übersetzt´ ich ins Deutsche, da erwies es sich als Humbug.“
Die Übersetzung dieser Betitelung des „Smart-Award“ lautet wörtlich „Kluger Heldenpreis“.
Aber Vorsicht! – muss man doch den Bewerbern zurufen: „Deutsche Helden müßte die Welt, tollwütigen Hunden gleich, einfach totschlagen“ – verordnete bekanntermaßen der ehemalige deutsche Außenminister Joschka Fischer.
Ich will jetzt nicht weiterdenken, welche deutschen „Heldinnen und Helden“ ich höchstselbst dem Fischer´schen Verdikt ausliefern möchte.

Zum Thema und besonders zum Gegenstand „Held“ (und „Heldinnen“?) – im Alltag – will ich mit einem Zitat von Michael Klonovsky aus seinem gelungenen Essay „Der Held – Ein Nachruf“ schließen. Weibliche Leser und etwaige “Heldinnen“ mögen mögen den maskulinen Stempel bitte hinnehmen:

„Ein Held würde keinen Helm aufsetzen, bevor er durch die Fußgängerzone radelt. Ein Held würde sich keinen Anwalt nehmen, weil der Nachbar zu laut Musik hört. Ein Held würde sich nicht zum Pinkeln hinhocken. Ein Held würde weder an Diskussionsrunden teilnehmen noch sich welche im Fernsehen anschauen. Ein Held würde sich nicht gegen Glasbruch versichern. Ein Held wäre weder »teamfähig« noch »demotiviert«. Ein Held würde Freiheit definieren als die Möglichkeit, sich frei einen Herren zu wählen. Ein Held hielte seine Gene für prädestiniert, das Abenteuer der Evolution auch fortan zu bestehen. Ein Held würde seine Frau, seine Familie, sein Land und seine Ehre verteidigen, ohne auch nur einen Lidschlag lang an seine Gesundheit und sein berufliches Fortkommen zu denken. Ein Held würde für seine Freunde ohne viel Federlesens Kopf und Kragen riskieren. Ein Held würde seine Überzeugungen nicht abhängig davon machen, ob sie mehrheitsfähig sind, und auch dem Agamemnon seine Meinung sagen. Ein Held würde sich kein virtuelles Alter Ego verschaffen, das ano- oder Pseudonym im Internet herumkrakeelt. Ein Held hätte keinen »Lifestyle« und würde die Demoskopen vor erhebliche Einsortierungsprobleme stellen. Alles in allem: Ein Held wäre letztlich ein Fall für den Psychologen und sogar die Polizei.“

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*Ein Terminus u.a. von Eckhard Henscheid.
Henscheid schrieb im Vorwort zu seinem Buch:
»Dummdeutsch«, das meint … ein Agglomerat, eine Emulsion, ein Syndrom aus vor al lem Werbe- und Kommerzdeutsch, aus altem Feuilleton-und neuem Professorendeutsch (und umgekehrt), aus dem Deutsch der sogenannten Psychoszene und dem einer neuen Innerlichkeit speziell linker Provenienz, aus eher handfest-törichtem Presse- und Mediendeutsch, aus Sport- und Bürokratendeutsch; mit einer schmächtigen Auswahl wird der nicht mehr überschaubare US-Import berücksichtigt; in kleinen Dosen kamen auch immer mal Infiltrate aus der vormaligen DDR zu dieser ebenso polykausalen wie polyvalenten und nicht zuletzt fast immer so oder so wichtigmacherischen Brühe.“
Die letzte Auflage stammt von 1992. Seither hat sich sehr viel getan, sodass das Nachschlagewerk einer umfangreichen Ergänzung bedarf. Wozu wir unseren Beitrag liefern möchten.

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** „Ausgrenzung“ und „Zivilcourage“ sind natürlich ebenfalls taugliche Worte für eine revidierte Aufnahme in das bunt-deutsche Phrasenlexikon.

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Gepfändete Gemeinplätze

Da ist ein nachdenkenswerter Artikel von Max Erdinger auf Jouwatch zu lesen, in dem er sich mit der Aufgebrachtheit der taz ob einer Plakatierungsaktion einer „rechtspopulistischen“ Wählergruppe in Hannover spitzzüngig auseinandersetzt.
Da hat sich doch dort jemand erdreistet, „Parolen aus dem Schatzkästchen des linken Betroffenheitsjargons“ – wie Erdinger treffend schreibt – die “exclusiv nur von Linken benützt werden dürfen“, für sich zu okkupieren: „Bunt statt braun“ und „Gesicht zeigen“. Das ist doch tatsächlich auf „rassistischen Wahlplakaten“ zu lesen.
Max Erdinger schließt seine Seitenhiebe mit der Feststellung: „Warum … den Linken nicht ihren verlogenen Betroffenheitsjargon entwenden, ihn mit anderen Inhalten füllen – und damit dann die Linken bewerfen? Da steckt Potenzial drin …“

Das sehe ich auch so.
Hilfreich ist es aber sicher, sich zunächst ein wenig Gedanken über die Wortherkunft zu machen. „Bunt statt braun“ – dazu hatte ich vor einiger Zeit schon Überlegungen angestellt, die ich hier noch einmal „in Redaktion“ veröffentlichen möchte.
Dieser Gemeinplatz wurde nach längerem Vorlauf zu einer der beliebtesten Phrasen (im Kampf gegen Rechts) in der bunten Republik.
Da stellt sich die Frage, wer hat eigentlich den Begriff kreiert?
Stochert man im Googlehupf herum, findet man als erste Quelle Udo Lindenberg mit seinem Lied und Text von der „Bunten Republik Deutschland“ aus dem Jahr 1989:

Egal ob Du ‚n Italdieser bist,
oder ‚n Italjener.
Egal, ob Du ‚n fescher Deutscher bist,
oder ‚n Türke, ‚n schöner,
Egal, ob Chinese, ob Irokese,
ob Grieche oder Torero,
Egal, ob japanischer Sumo-Spezi
oder Fachmann für Bolero.
Egal, ob Du ‚n Aficooler bist,
oder ‚n Afrikaner.
Egal, ob Du ‚n Indoneser bist,
oder ‚n Indianer.
Ob Kapuziner, Argentiner, Franziskaner oder Franzose,
und in seiner bodenlosen Lodenhose
hingen seine Hoden lose.
Bunte Republik Deutschland,
ganze Jumbos voller Eskimos,
wie in New York City
– richtig schwer was los.
Wir steh’n am Bahnsteig und begrüßen jeden Zug,
denn graue deutsche Mäuse,
die haben wir schon genug.
Bunte Republik Deutschland…
O müsfik canavar
zihnimizin dibikara
kuyusunnda uyuyor,
bizimle digeri
arasinda telörgüden
görünmez bir cit örüyor.
Bunte Republik Deutschland…
Bunte Republik Deutschland…

Dada oder gaga? Beides! Und symptomatisch … Udo Lindenberg hat ein produktives Problem: er kann in Wirklichkeit nicht richtig singen und texten und muss deswegen ständig Nonsens ins Mikrofon rotzen.
Es war danach eine zeitlang ruhig um die „Bunte Republik Deutschland“.
Erst kam die Wiedervereinigung und es drohte ein „4. Reich“ mit dem möglichen „Aus“ einer „bunten Republik“.
Dann durfte man sich in der rot-grünen Ära auf die Benamsung „Multikulti“ kaprizieren. Ein albernes Kunstwort, welches eigentlich nur von beschränkten Gestalten wie Claudia Roth und anderen Polit-Kretins verwendet werden konnte. Allein das Wort fühlte sich schon im Mund nicht gut an, denn es muss immer heftig eingespeichelt werden.
Schließlich waren sich sogar führende rote und grüne Soziologen/Politologen (gibt es eigentlich andere?) einig: „Multikulti ist gescheitert!“ – warum auch immer?
Also musste eine neue anschauliche Redewendung und Umerziehungsphrase her.
Da nachgewiesenermaßen mit zunehmendem zeitlichen Abstand zum Ableben von Adolf Hitler die braune Gefahr in Deutschland exponential zunimmt, war es Zeit, eine neue Verbildlichung zu schaffen.
Nachdem die einstige Hansestadt und frühere DDR-Ostseemetropole Rostock in die Gefahr geriet, zu einem „braunen“ Topos zu werden, taten sich dort einige „Mutige und Aufrechte“* zusammen und gründeten 1998 das sog. überparteiliche Aktionsbündnis „Bunt statt braun“. Denn es galt, ohne Unterlass gegen Rechts Flagge zu zeigen.
Ich zitiere aus der Begründung:

„Der Begriff „bunt“ assoziiert im generellen etwas Positives, Farbenfrohes und Wünschenswertes. Der Begriff vereint positive Aspekte und negiert automatisch Uniformität, Gleichschaltung, Tristesse, Tod und Terror – alles negative Aspekte, die mit den Begriffen „bunt“ und „Multikulti“ nichts gemein haben.“

So kann man verstehen, dass „bunt statt …“ sich in der Alltagsredekunst nicht nur der Polit- und Gutmenschkaste festgeklebt hat. Landauf – landab tritt die Klasse der Wichtigen, der unermüdlichen Volkspädagogen säkularer und geistlicher Provenienz auf, um bunte Fahnen aufzuziehen. Jeder Dorfbürgermeister und seine eskortierenden Kirchenknechte propagieren jetzt ihre Gemeinden als „bunt, tolerant, weltoffen“: beim „Volkstrauertag“, zum Advent und vor dem Glühwein beim Weihnachtsmarkt, bei wärmenden Lichterketten in finstrer Winternacht, im Frühjahr wie im Sommer.

Gehen wir mal zum Terminus technicus „bunt“ über:
Da ist Vorsicht geboten!
Mit dem Zusammenmischen von gewissen Farben kommt immer „braun“ heraus: „Komplementärfarben sind Blau und Orange, Rot und Grün und Gelb und Lila. Irgendeins dieser Paare zusammenzumischen erzeugt Braunschattierungen.“
(http://de.wikihow.com/Farben-zu-Brauntönen-mischen)
Dass eine Beimengung von Schwarz den Farbton noch intensiviert, ist jedem bekannt.
Dies zunächst als Warnung an alle Bunt-Bewegten – jeglicher Couleur.

Der anfangs erwähnte Gedanke von Max Erdinger hat was für sich und sollte weiterverfolgt werden. Karl Marx propagierte die „Expropriation der Expropriateure“ – natürlich in einem anderen Kontext. Es ist sicher ein reizvolles Unterfangen, den Linken endlich ihre Phrasen zu pfänden.
Voila`!

*Auch so eine Redeblume, die überwiegend linksokkupiert im Gebrauch ist.

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„Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“

Das ist der Titel eines der bedeutsamsten Werke von Karl R. Popper.
Dieses Prädikat kam mir in den Sinn, als ich die neuesten Ergüsse eines gewissen Justus Bender, „Redakteur in der Politik“ bei der FAZ las.
Durch einen Link in einem kritischen Online-Dienst kam ich darauf:

„Die AfD will keine Diktatur, sie will die Katastrophe“

Textete Bender.
Für seine kruden Mutmaßungen versucht dieser Federhalterkauer, keinen geringeren als Platon als Kronzeugen anzuführen, der die drohende „Katastrophe“ bereits vor 2400 Jahren antizipiert hat:

„Was passiert, wenn man das, was die AfD fordert, mal wirklich ernst nimmt? Der Philosoph Platon hat das schon vor 2400 Jahren getan. Das Experiment würde in Autokratie und Katastrophe enden.“

In der Gestalt der „Populisten“ von der AfD und Leuten wie „Trump, Le Pen, Kaczynski, Wilders, Strache, Johnson“ sieht der FAZke Bender die Demolierer der Demokratie und des „Pluralismus“, wie er meint.
Aber von welcher Art von Demokratie, mag man sofort fragen.
Nichts dagegen, wenn ein Federsklave der herrschenden Meinung aus dem Programm eines alten Philosophen in eklektizistischer Manier das gerade genehme für seinen Wortschwall extrahiert; macht man ja selbst gelegentlich. Aber irgendwie sollte man trotzdem bei den Faktizitäten bleiben.

Platon hat in seiner Schrift „Politeion“ in den „Zehn Büchern“ und „Dialogen“ das Bild von einem idealen Staat gedacht. Glaubt man dem Küchenphilosophen Justus Bender von der FAZ, ist mit der erreichten „Gleichberechtigung“ in der Entwicklung im 20. Jahrhundert bis heute in fast allen Fragen und gesellschaftlichen Bereichen das Ideal der Platon´schen Demokratie erreicht. Aber bei dem Status des Erreichten droht von nun an Gefahr, ausgehend von bestimmten Gruppen und Personen, mit dem Abgleiten in die „Tyrannis“:

„AfD-Anhänger wären in diesem Gedankenspiel (von J.Bender – d.Red.) keine Antidemokraten, sie wären das Gegenteil: Hyperdemokraten. Sie wären jene, die sagen, dass kein Asylbewerberheim in ihrer Straße errichtet werden darf, wenn sie das nicht wollen. Egal, was irgendeine demokratisch legitimierte Obrigkeit entschieden hat. Sie entscheiden. Sie sind das Volk. Manchmal sind sie nicht mal das Volk, sondern nur ein sehr kleiner Teil davon. Durchsetzen wollen sie ihren Willen trotzdem. Da wird es dann schon autoritär.“

Ich weiß nicht, ob der Justus Bender mehr von und über Platon gelesen hat als ich. Ich muss da bescheiden sein. Aber es ist leicht auszumachen, dass er sich den Platon nach seinem Gusto zurechtbiegt. Das ist allein schon zu erkennen, wenn man sich die Mühe macht, seine Argumente anhand eines Beitrags zur „Politeia“ auf Wikipedia zu untersuchen.
Vielleicht bin ich aber selbst in meiner Interpretation verbogen, wegen meiner umfangreicheren Lektüre von Sekundär- anstatt der Primärliteratur zu Platos Staatsphilosophie.

Eine schwerpunktmäßige Rezeption des Originals durch Karl Popper war für mich liberal Eingefärbten überzeugend. Er sieht in dem Idealstaat von Plato ein totalitäres Programm. Die Grundelemente sind nach Popper:

„(A) Die strenge Klassenteilung; das heißt die herrschende Klasse, bestehend aus Hirten und Wachhunden, muß streng vom menschlichen Herdenvieh geschieden werden.
(B) Die Identifikation des Schicksals des Staates mit dem Schicksal der herrschenden Klasse; das ausschließliche Interesse an dieser Klasse und an ihrer Einheit; und, im Dienste dieser Einheit, die starren Regeln zur Züchtung und Erziehung dieser Klasse sowie die strenge Überwachung ihrer Mitglieder und die Kollektivierung aller ihrer Interessen.
Aus diesen Grundelementen lassen sich andere Elemente herleiten, zum Beispiel die folgenden:
(C) Die herrschende Klasse hat ein Alleinrecht auf Dinge wie kriegerische Tugenden und militärische Ausbildung; sie allein darf Waffen tragen und sie allein hat Anspruch auf Erziehung jeglicher Art; sie ist aber von der Teilnahme an wirtschaftlicher Tätigkeit, insbesondere vom Geldverdienen, zur Gänze ausgeschlossen.
(D) Eine Zensur muß die gesamte intellektuelle Tätigkeit der herrschenden Klasse kontrollieren, während eine unausgesetzte Propaganda ihre Gedanken zu prägen und gleichzuschalten hat. Neuerungen in Erziehung, Gesetzgebung und Religion sind zu verhindern oder zu unterdrücken.
(E) Der Staat muß sich selbst versorgen können. Er muß nach ökonomischer Autarkie streben; sonst wären nämlich seine Herrscher entweder von den Händlern abhängig, oder sie würden selbst zu Händlern werden. Das eine würde ihre Macht, das andere ihre Einheit und das innere Gleichgewicht des Staates untergraben.“*

Ein weiterer liberaler Denker unserer Zeit, der Soziologe Ralf Dahrendorf kritisierte den Charakter des in der „Politeia“ skizzierten Idealstaats. Die angestrebte Gerechtigkeit sei nach Dahrendorf „offenkundig ein unseliger Zustand: eine Welt ohne Rebellen und Eremiten, ohne Wandel und ohne Freiheit“; wirkliche Gerechtigkeit liegt aber eher „im ständig sich wandelnden Resultat der Dialektik von Herrschaft und Widerstand.“

Folgt man den beiden neuzeitlichen Philosophen entlarvt sich der FAZ-Tintenkleckser mit seiner Platon-Paraphrase in Bezug auf die von ihm bedenkliche aktuelle Situation als Parteigänger des autoritären Modells eines „Idealstaats“, als Apologet der herrschenden mediokren Oligarchie oder Demokratur in allen (westlichen) „Demokratien“.
Denn, alles andere münde in die „Katastrophe“:

„Es genügt, die Gefahr zu erahnen, dass nicht nur der nach Diktatur strebende Extremismus, sondern auch der nach ungezügelter Freiheit strebende Populismus in eine Katastrophe münden kann.“

meint J. Bender im Schlußsatz seines Artikels.

Mit seiner konformistischen Vereinnahmung von Plato, mit seiner unverhüllten Feindseligkeit gegenüber der AfD und allem, was er als „Populismus“ interpretiert, erweist er sich doch daselbst als unverkennbarerer Feind einer offenen Gesellschaft.

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P.S.:
Ich habe vor geraumer Zeit mein FAZ-Abonnement gekündigt. Gerade wegen solcherart Zumutungen. Die FAZ glaubt anscheinend immer noch, bei ihren Lesern es mit (Halb-) Gebildeten – oder Trotteln(?) – zu tun zu haben, die auf pseudointellektuelles Geklingel ihrer Redakteure hereinfallen.

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* Karl R. Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde – Bd. 1 „Der Zauber Platons“ – Tübingen 1992

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„Pathographie“ und Islam

Am Beispiel von Mohammed und seinen Terroristen

Bei Karl Jaspers findet man in seinem immer noch für die wissenschaftliche Medizin resp. Psychiatrie bedeutendem Werk „Allgemeine Psychopathologie“ eine Definition des Begriffs „Pathographie“:
„Pathographien nennt man Biographien, die das Ziel verfolgen, die dem Psychopathologen interessanten Seiten des Seelenlebens darzustellen und die Bedeutung dieser Erscheinungen und Vorgänge für die Genese der Schöpfungen solcher Menschen aufzuklären.“

Unsere von „Betroffenheit“ heimgesuchten Journalisten, Soziologen, Psychologen – „Experten“ in den Medien waren schnell bereit, bei den muslimischen Terroristen, die zuletzt vor unserer Haustür ihre blutigen Absichten ins Werk gesetzt hatten (München, Würzburg und Ansbach), als Erklärung eine psychische Erkrankung oder eine psychisch relevante „Traumatisierung“ zu deren Entlastung auszuschlachten.
Journalistische „Pathographie“ als Versuch der Exkulpation von Tätern.

Mohammad Daleel, der Attentäter von Ansbach sei wohl richtig psychisch krank und in psychiatrischer Behandlung gewesen.
Der „Amokläufer“ von München, Ali Daoud Sonboly, habe unter sozialen Phobien und einer depressiven Erkrankung gelitten (Ali, der Vetter, Schwiegersohn und Testamentsvollstrecker des Propheten). Er möge wohl auch „rechtsextrem“ motiviert gewesen sei, da er an einem 20. April – wie der irre Gröfaz – geboren wurde.
Das „gut integrierte Pflegekind“ der Afghane oder Pakistaner Muhammad Riyad, der Axt-Attentäter von Würzburg, muss ja wohl auch ein psychisches, zumindest ein psycho-soziales Problem gehabt haben, denn er war in seinem Herkunftsland wohl „traumatisiert“ worden, denn solchermaßen „Traumatisierte Jugendliche sind leichte Beute für Islamisten“, erklärte dazu ein „Spezialist“ von der „Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie“.

Gibt es Berührungen in den möglichen Pathographien von Mohammed bis Muhammad?

Karl Jaspers schränkt in seinem Beitrag ein:
„Die Pathographie ist eine heikle Sache. Gründliche psycho-pathologische Einsicht, Fähigkeit zur historischen Kritik sind Bedingung für vertrauenswürdige Erkenntnisse, Respekt und eine gewisse Scheu, die doch gar nichts zu verschweigen braucht, Forderung für eine pathographische Darstellung, die man nicht widerwillig fortlegen soll. Bei mangelndem Material pathographisch zu arbeiten (z. B. über Jesus, Mohammed) ist lächerlich.“

Dem muss man zustimmen – nicht nur weil „Jesus“ in dem Zusammenhang genannt wird.

Karl Jaspers bezieht sich in seiner Kritik auf die Untersuchungen des Psychiaters Wilhelm Lange-Eichbaum, welche dieser in seinem voluminösen Werk „Genie, Irrsinn und Ruhm – Genie-Mythus und Pathographie des Geistes“ erstmals 1927 veröffentlicht hat.
Was findet man dort über Mohammed, dem Erleuchteten?
Lange-Eichbaum wollte mit „empirischer Methode“ den unterschiedlichen Aspekten zur Person und Persönlichkeit des „Propheten“ gerecht werden und zitierte   unterschiedlichste Auffassungen zur Persönlichkeit Mohammeds. Zum Schluss seines Beitrags zu M. gibt er sein Resümee:

„ … Übrig bleibt: Geltungsbedürftige Persönlichkeit. Anfälle darstellerisch (unbewußt): Gotterfülltheit. Viel Pseudologia phantastica. Visionen? Echte Halluzinationen unwahrscheinlich. Autosuggestive Zustände (psychogene Ekstasen auf archaischem Boden): stellte die heilige Krankheit, die Gotterfülltheit dar.“

„Pseudologia phantastica“ bedeutet „Drang zum krankhaften Lügen und Übertreiben“.

Was Wunder, dass sogar von Historikern der Koran, die Erfindung Mohammeds, als eines „der interessantesten Produkte aus der Literatur der Psychopathen“ angesehen wird. So Armin Geus, ehemaliger Professor für Medizingeschichte an der Universität Marburg. Er  veröffentlichte 2011 das Buch „Die Krankheit des Propheten“ – Ein pathographischer Essay“. Darin heißt es: „Koran und Hadith enthalten zahlreiche Indizien, dass Mohammed seit der ersten Offenbarung an einer paranoid-halluzinatorischen Schizophrenie mit definierten Wahnvorstellungen und charakteristischen Sinnestäuschungen erkrankt war“.
Geus, der selbst kein professioneller Psychologe oder Psychiater ist, stützt sich auf eigene Interpretationen dieser Texte und Fachliteratur (ca. 600 Titel) aller einschlägigen Disziplinen, wenngleich nicht mal Lange-Eichbaum in seiner „pathographischen“ Erörterung so weit gehen mochte.

Mag es aus dem zeitlichen Abstand, aus dem Fehlen reliabler Quellen im streng wissenschaftlichen Sinn nicht möglich sein, dem Begründer des Islam tatsächlich so etwas wie eine Psychose, Geisteskrankheit, Hirnstörung etc. zuzuschreiben, dennoch ist unbestreitbar: seit mehr als 1400 Jahren überziehen die unzähligen mehr oder minder orthodoxen Adepten seiner Lehre, mit Gewalt, Feindseligkeit, Mord und Totschlag die Welt.
Ein Buch und eine Lehre durchsetzt mit Hass, zieht Hass nach sich.

Die notorischen Beschwichtiger, die Islam- und Terroristen-Versteher in unseren Medien haben tatsächlich recht, dass sie die Notion von „Krankheit“ in ihrem Gerede um den Islam und islamische Verbrecher-Kreaturen immer wieder hervorholen – natürlich nur in „menschenfreundlicher“ und „verstehender“ Positur verstanden.

Jetzt wäre auch mal eine entsprechende „Pathographie“ dieser Beschwichtiger,  Islam- und Terroristen-Versteher angesagt.

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Analphabetismus und Unbildung als integrationsfördernde Maßnahme

Eine provokante Überschrift.
Belegen doch die vielfach publizierten Erkenntnisse angeblich das Gegenteil, dass Bildung und Sprachkenntnisse die vorrangige Voraussetzungen für Integration sind.
Spricht man von Integration sind natürlich die Zielobjekte die sog. Migranten, die einst und jetzt eingeladenen – wie auch die möglicherweise unerwünschten. Wobei es „unerwünscht“ aus bestimmter politischer Betrachtung gar nicht gibt, geben darf.
Erinnern wir uns, als letztes Jahr Frau Merkel ihre uneingeschränkte Einladung für alle „Mühseligen und Beladenen“ aus aller Welt nach Deutschland ausgesprochen hat. Wie dies mit beschönigenden Fakten durch ihre Wahrheitspresse begleitet wurde. Wie sagte denn auch die Grün-Frau Katrin Göring-Eckardt euphorisch: „Wir bekommen Menschen geschenkt!“
Besonders bei den syrischen Flüchtlingen sollte es sich in der Mehrzahl um gebildete Menschen, Facharbeiter und Akademiker handeln, die in unserer Volkswirtschaft dringend gebraucht würden.
Dann zeigte sich aber, dass 2/3 kaum lesen und schreiben können, wie sogar die ZEIT den Mut hatte, zu berichten.

Warum möchte man uns Glauben machen, unser Wohl und Wehe, unser künftiger Wohlstand möchte vom Zustrom von „gebildeten“ Fremdlingen abhängen?
Sind wir nicht in der Lage, ausreichend qualifiziertes Personal aus uns selbst zu hervorzubringen? Warum?
Diese Fragen hängen unauflösbar zusammen.

Hänge ich einer Verschwörungstheorie an, wenn ich meine, dass die Flüchtlingspolitik, welche die Regierung Merkel dem deutschen Volk zumutet, einem übergeordneten Plan folgt?
Hänge ich einer Verschwörungstheorie an, wenn ich meine, dass die systematische Zerstörung des einst exzellenten deutschen Bildungssystems ebenfalls nach einem sowohl fremd- als auch eigen-gesteuertem „Masterplan“ folgt?

Das deutsche Ausbildungs-, Schul- und Hochschulsystem war einst der vielfach bewunderte Maßstab im Bildungswesen für fast alle führenden Nationen im 19. und 20. Jahrhundert – von Japan bis zu den USA. Innere und externe Beeinflussungen und Absichten hatten es zumindest bis in die 70er Jahre nicht geschafft, diese bewährte Organisation nachhaltig zu zerstören; nicht einmal der Nazismus mit seinen Auswirkungen. Mit dem „Marsch durch die Institutionen“ ist es hierzulande den Zöglingen der Frankfurter Schule schließlich gelungen, die Axt an dieses „bürgerliche“ System zu legen und damit Deutschland in eine nachgeordnete Liga zu befördern; oder einfach, in die von UNESCO und UNO gewünschte Gleichförmigkeit weltweit.

Was hat das deutsche Bildungssystem Humboldt´scher Prägung ausgezeichnet?

Im Zentrum steht „Schule“.

Was soll Schule, was kann Schule? Wilhelm von Humboldt hat einmal die Überlegung angestellt, dass es, »philosophisch genommen«, nur drei Stadien des Unterrichts geben könne: Elementarunterricht, Schulunterricht und Universitätsunterricht. Erforderlich ist also eine Schule, in der gelernt wird, was man zum Lernen braucht; dann eine Schule, in der, nachdem man gelernt hat, was man zum Lernen braucht, belehrt werden kann; und eine Schule, in der man, nachdem man belehrt worden ist, weiß, was und wie man auch weiterhin selbständig nicht nur lernen, sondern auch forschen kann. Anders gesprochen: Es gibt eine Grundschule, in der man all jene Kulturtechniken vermittelt bekommt, die es erlauben, sich überhaupt in einem umfassenderen Sinn Wissen anzueignen. Es gibt eine mittlere Schule, in der man mit kundiger Hilfe in die verschiedenen Wissensgebiete eingeführt wird. Und es gibt hohe Schulen, in denen man lernt, selbstän dig Wissen zu erwerben und neues Wissen hervorzubringen.*

Diese Grundstruktur wird seit etwa 50 Jahren bei uns in Frage gestellt.
Allein weil sie aus dem 19.Jahrhundert stammt? Es gibt keine überzeugenden wissenschaftlichen Untersuchungen und Feldforschungen, welche dieses Prinzip falsifizieren könnte, außer aus links-ideologischer Anschauungsweise.

Im Elementarunterricht sollen die Grundfertigkeiten – Kulturtechniken – vermittelt werden, welche die Werkzeuge darstellen, um sich weitergehendes Wissen und Fertigkeiten aneignen zu können. Letztlich Rüstzeug, um elementaren Ansprüchen zu genügen, sich als Mitglied einer komplexen und fortgeschrittenen Gesellschaft überhaupt einbringen zu können.
Zu diesem Rüstzeug gehören zuvorderst sprachliche Fähigkeiten, ganz einfach verbunden mit der Fähigkeit des Lesens und Schreibens in der maßgebenden Kultursprache.

Was ist davon zu halten, wenn versucht wird, eine Primitiv-Sprache – die „Kiezsprache“, vulgo „Kanak-Sprak“ – aus bestimmten Migrantenmilieus als „Dialekt“ und gar bereichernde Form für die deutsche Hochsprache uns von Regierungsseite über die Bundesanstalt für politische Bildung auf „wissenschaftlichem Niveau“ zu verkaufen?

Was geschieht in der Elementarschule, in den Grundschulen bei uns?
Um dem technologischen, rationalistischen Zeitgeist zu entsprechen, soll Schreiben nur noch nach dem Gehör gelernt werden – um dem Zwang der Rechtschreibung zu entgehen. Die zusammenhängende Schreibschrift soll abgeschafft und durch eine leichter zu erwerbende „Grundschrift“ ersetzt werden, welche dem Schriftbild von Laptop- und Smartphone- Typen entspricht. Die Schreibfähigkeit wird inhaltlich inzwischen auf das Niveau von Twitter- und SMS-Botschaften verkürzt.

Was der Verlust der „Händigkeit“ und von „Geistigkeit“ durch Verzicht auf Schreibschrift bedeutet, würde jetzt die Betrachtung sprengen. Die Leser wissen, was ich meine.

Noch einmal Konrad Paul Liessmann*:

„Analphabetismus ist längst keine Metapher mehr für eine Unbildung, die nur wenige am Rande der Gesellschaft betrifft, sondern der Skandal einer modernen Zivilisation schlecht hin: dass junge Menschen nach Abschluss der Schulpflicht die grundlegenden Kulturtechniken nur unzureichend, manchmal gar nicht beherrschen. Natürlich ist nach jedem Schreib oder Lesetest das Entsetzen groß, und der Ruf nach noch mehr Kompetenzorientierung, noch mehr individualisierter Didaktik, noch mehr modernen Unterrichtsmethoden, noch mehr Fehlertoleranz, noch mehr Einbezug von Laptops und Smartphones in den Unterricht wird lauter. Dass es gerade diese Forderungen und ihre Durchsetzung sind, die die Misere erst erzeugt haben, kommt auch den radikalsten Bildungsreformen nicht in den Sinn. Der Verdacht, dass man gezielt versucht diesen Problemen zu entgehen, indem man die Niveaus neu definiert, für Schwächen euphemistische Umschreibungen findet und alles so einfach wie möglich macht, schleicht sich ein.“

Dieser Verdacht schleicht sich nicht nur ein, das Ganze ist belegbar.
Anpassung der Niveaus (nach unten!) ist zur sakrosankten Methode geworden.
Was ist denn von einer Forderung nach „ungleichheitsreflexiver Pädagogik“ zu halten.
Das ist das Wesen der bunt-deutschen Bildungsdiskussion, man meint und beklagt:

„In Deutschland kann lediglich eine Minderheit ein Studium aufnehmen. Gerade einmal 40 Prozent erhalten dazu das Recht. Die Hochschulreife kann auch nur auf bestimmten Schulen erworben werden. Die Auswahl für diese Schulen wird sehr früh in der Bildungsbiografie vorgenommen. Formal erfolgt sie nach Leistung, aber alle wissen, dass die soziale Herkunft den Ausschlag gibt. Die Sozialerhebungen des Studentenwerks bestätigen die soziale Schieflage an den Hochschulen eindrucksvoll. 36 Prozent der Studierenden stammen aus der hohen sozialen Herkunftsgruppe, 23 Prozent aus der höheren. Das heißt: Fast zwei Drittel der Studenten kommen aus Akademikerhäusern. Die Schönen und Reichen der Nation genießen an den Hochschulen das Recht auf Bildung also in vollen Zügen – und sie tun das obendrein praktisch gratis.“

Solchen Einschätzungen wird in den Medien landauf, landab das Gehör gegeben.

„Egalite´“ – Motto der gewalttätigen Französischen Revolution, der angeblichen Befreiung der unmündigen Massen, das war und bleibt die giftige Losung der linken Reformer besonders in der „Bildung“.
Die bundesdeutschen 68er Bildungsreformer haben mit politischem Rückhalt der jeweils Regierenden das Bildungsniveau der einstigen Wissenschafts- und Kulturnation Deutschland systematisch demoliert, damit die ungebildete eingeborene Verfügungsmasse als keine Konkurrenz mehr zu den importierten Myriaden auftreten kann.
Wohl irgendeinem übergeordneten Geheiß folgend. Oder?

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* zitiert nach Konrad Paul Liessmann: „Geisterstunde – Die Praxis der Unbildung“, Zsolnay 2014

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Gesundheitspolitik und Herrschaftstechnik des Staates

E-Health: „Trojaner“ des Totalitarismus

2006 veröffentlichte der bekannte Psychiater und (katholische ) Theologe Manfred Lütz einen bemerkenswerten Aufsatz mit dem Titel „Gesundheit – das höchste Gut? – Die religiöse Überforderung des Gesundheitsbegriffs.“ Lütz wendet sich zuvorderst gegen eine religiöse Verklärung und Überhöhung des Gesundheitsbegriffs. Aus theologischer wie Medizin-philosophischer Sicht befaßt er sich mit dem „jedes Maß sprengende(n) Gesundheitsboom unserer Tage“ und stellt dazu fest:

„Staatlich geförderte gesundheitsreligiöse Missionskampagnen überschlagen sich; Bonus-Malus-Systeme der Krankenkassen beruhen auf der unbelegten Behauptung, ungesundes Leben belaste die Solidargemeinschaft, sind in Wirklichkeit aber volkspädagogische Maßnahmen.“
Und:
„Inzwischen sind wirklich alle Phänomene der Religion im Gesundheitswesen angekommen.“

Wie die Regierenden ihre politischen Vorhaben in ein quasi pseudoreligiöses Projekt umfunktionieren, wurde uns ja schon an einer neuzeitlichen Glaubenslehre, der „Klimareligion“ vorgeführt.
Im Konnex von „politischen“ und „pastoralen“ Machttechniken soll das Verhalten von Individuen und Kollektiven gesteuert werden. Der französische Philosoph Michael Foucault hat in diesem Zusammenhang den Begriff der Gouvernmentalität geprägt.

Im Jahre 2009 erschien der Roman „Corpus delicti“ von Juli Zeh.
„Corpus Delicti behandelt die Problematik einer Gesundheitsdiktatur in naher Zukunft am Beispiel einer Herrschaftsform, die einen Unfehlbarkeitsanspruch erhebt“ so Wikipedia. In dem Roman wird eindrücklich – an Orwells „1984“ gemahnend – der Problemkreis des manipulativ zunutze gemachten Gesundheitswahns unter den Machttechniken eines Überwachungsstaates fiktional abgehandelt.
Was Zeh in ihrer Utopie als „Methode“ bezeichnet, hat aber in großen Teilen bereits in unseren derzeitigen Verhältnissen Platz gefunden.

Die Manipulation wird uns tagtäglich durch Medienbeiträge über „neueste medizinische Erkenntnisse“ geliefert:  von der FAZ bis zur Apothekenrundschau, von „Visite“ bis „Hauptsache gesund“ im Fernsehen. Vor allem mittels Horrormeldungen über ansteigende Gefahren z.B. Fettleibigkeit und Diabetes durch Untätigkeit und Ernährungssünden werden wir einer Gehirnwäsche unterzogen.
Und da kommen wir auch zu dem religiösen Begriff der „Sünde“, welcher heutzutage eigentlich nur noch im Zusammenhang mit „Gesundheit“ gebraucht wird.

Die Politiker und ihre willfährigen Gehilfen bei den „Gesundheits-“ und sonstigen Kassen werden nicht müde, uns die ansteigenden Kosten für die „Gemeinschaft“ vor Augen zu halten – wie der Neo-Sozialist Tony Blair einst sich überlegte:
»Sie sind das Ergebnis von Millionen individueller Entscheidungen zu Millionen von Zeitpunkten. Diese individuellen Handlungen führen zu kollektiven Kosten… Die Frage liegt in der Luft, wer dafür zuständig ist: Das Individuum? Der Staat? Die Firma? Sollte das überhaupt ein Gebiet für irgendeine Intervention der Regierung sein?«

Die Frage ist beantwortet.

In einem aufschlussreichen Aufsatz hat sich Frau Dr. Silke Lüder, Vizevorsitzende der freien Ärzteschaft aus Hamburg mit dem Thema „Medizin und Überwachung: E-Health als Herrschaftstechnik des modernen Staates“ auseinandergesetzt (Hamburger Ärzteblatt 07/08/2016).
Sie geht dabei auf die vorgebrachten Begriffe der „Gouvernementalität“ und des „paternalistischen Staates“ ein und erwähnt hierzu einen besonderen Gesichtspunkt, unter Verweis auf den Soziologen Oliver Decker von der Universität Leipzig, nämlich: „Die nationalstaatliche „Disziplinargesellschaft“, die sich im 17. und 18. Jahrhundert entwickelt hat, kontrolliere ihre Mitglieder durch „Sichtbarmachen“. Die staatliche Dokumentation verschiebe sich in ein Zentrum, in dem die Informationen zusammenlaufen. Die Individuen müssten für dieses Zentrum sichtbar sein, ohne es selbst sehen zu können. Die Gouvernementalität zielt auf ein Regieren aus der Distanz. Mit dieser Kontrolltechnik übernehme das Individuum (inzwischen) selbst seine Prüfung und setze die herrschende Rationalität gegen sich selbst durch … Der Beobachtete übernimmt die Zwangsmittel der Macht und spielt sie gegen sich selbst aus. Er werde zum Prinzip seiner eigenen Unterwerfung, so Foucault … diese Technik der Macht (führt) auf Seiten des Individuums zu einer Selbstobjektivierung, einer Prüfung der Handlung und Motive auf ihre Kompatibilität mit der gesellschaftlichen Realität.“

Dieses „panoptische Prinzip“ der Überwachung wird mit der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte und mit Ausweitung der sog. Telemedizin (E-Health) in die Tat umgesetzt werden: Jeder Arztbesuch wird dokumentiert, jede Krankheit und jede Teilnahme an präventiven Maßnahmen wird festgehalten. Die Kontrolle der so Überwachten wird jederzeit möglich, ohne dass diese das merken. Die wüssten aber um die Überwachung und stellten ihr Verhalten künftig im kollektiv ausgeübten Zwang darauf ab.

Die Krankenkassen bezahlen oder bezuschussen inzwischen – natürlich aus den Beträgen der Versichertengemeinschaft – „Wearables“ oder „Fitnesstracker“, wie z.B. die AppleWatch. Über Smartphones kann das tägliche Bewegungsprofil aufgezeichnet werden, spezielle, auch von den Kassen zur Verfügung gestellte „Apps“, registrieren Kalorienzufuhr- und Verbrauch und geben entsprechendes „Feedback“.
Das Schizophrene dabei: angeblich lehnen ⅔ der Versicherten die Datenweitergabe an Krankenkassen usw. ab, blenden aber aus, dass mit dem Gebrauch dieser Geräte ihre Daten über Clouds in die Server der (amerikanischen) IT-Konzerne wandern.
Doch die Ausspäher mit spezifischen Absichten sitzen nicht nur im Silicon Valley.
Laut Hamburger Ärzteblatt fordern Vertreter der kassenärztlichen Bundesvereinigung, endlich eine „patientenvollständige Datenanalyse“ umzusetzen.
Bei Verweis auf den Datenschutz kommen Gegenäußerungen wie „Datenschutz kann töten“ (wie der Genuss von Zigaretten!?). Der Patient müsse doch nicht dauernd persönlich beim Arzt erscheinen, Telemedizin würde das Problem lösen. Auch die Angelegenheit der Unterversorgung mit Ärzten z.B. auf dem Land könne dadurch gelöst werden.
Schöne neue Welt, wie sie sich Politiker und Lobbyisten der Gesundheitsindustrie ausmalen.
Dazu noch ein Zitat aus dem Hamburger Ärzteblatt:
„Erst kommen die Boni für die eifrigen Datensammler, später die Mali etwa für Raucher oder Träger „schlechter“ Gene. Heute freuen sich Versicherte noch, wenn die AOK ihnen Geld für eine Apple Watch zuschießt. Nicht klar ist ihnen, was die digitale Welt bei Krankheit alles möglich macht. Aber ist es uns Ärzten klar? Was ist Krankheit? Was ist Zufall oder Schicksal? Oder selbstverschuldet durch irrationale Lebensführung? In welchem Verhältnis steht das Individuum zum Kollektiv? Darf man solche Fragen überhaupt noch stellen? Alle Gene sind entschlüsselt und 300 internationale Großfirmen aus den Bereichen Labor, Pharma, Banken und IT-Industrie haben sich in der Organisation BIO Deutschland quasi zu einem Goldgräberverband zusammengeschlossen.“

Unfehlbarkeitsanspruch der Obersten Instanzen, Erzeugung von schlechtem Gewissen bei sündigem Verhalten, bei mangelndem Bewußtsein oder Glaubenstreue, Bußwerke – verordnet von Ärzten und Institutionen – die mittelalterlichen Geißelungen entsprechen, das alles sind Bestandteile eines orthodoxen Wahns.
Man will die Einzelpersonen in ein Lebensschema zwängen, das dem propagierten Ideal nahekommt, ohne dass noch Raum für persönliche Freiheiten erlaubt wird.  Andersdenkende müssen in so einem System exkludiert werden.
Die viel geschmähte „Kirche“ konnte es nicht besser.

Der gläserne Bürger ist das Ideal des totalen Überwachungsstaates und schon seit geraumer Zeit von „demokratischen“ Politikern und unseren besorgten Gesundheitsmanager, die sich alle auf das Sicherheitsbedürfnis der Bürger berufen (können).
Die gesundheitspolitischen Manöver, wie ich sie hier geschildert habe, sind ein trojanisches Pferd des Totalitarismus für die freie und offene Gesellschaft.

Juli Zeh hat die Grundregel dieses wohl bald nicht mehr fiktionalen, totalitären Systems in ihrem Roman so ausgemalt:

„Gesundheit ist das Ziel des natürlichen Lebenswillens und deshalb natürliches Ziel von Gesellschaft, Recht und Politik. Ein Mensch, der nicht nach Gesundheit strebt, wird nicht krank, sondern ist es schon.“

Es ist ein Essenzielles von „Biopolitik“- wie Foucault diese sieht: „Disziplinierung des individuellen „Lebens“ und Regulierung eines statischen Bevölkerungskörpers.“

Das hatten wir schon einmal – in minimal semantischer Modifizierung:
„Du bist nichts; dein Volk ist alles!“
Aber wie erlaubt sich ein vermeintlich „liberaler“ Geist in der „liberalen“ ZEIT abwiegelnd zu schreiben:

„Ein bisschen Diktatur darf sein. Der Staat darf seine Bürger zu einem gesunden Leben zwingen. Denn wer die Menschen sich selbst überlässt, zementiert auch die soziale Ungleichheit.“

Also: der Zweck heiligt die Mittel!

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Amerika hat die Wahl

Killary Clinton

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Pest oder Cholera, möchte man meinen, wenn man die beiden Kandidaten für die Wahl zum nächsten Präsidenten der USA im Jahr 2016 betrachtet.

Aber gemach, es sah früher nicht besser aus, wenn man sich ansieht, was da in das Weiße Haus gelangte. Auch wenn dann einige dieser Lügner, Irren, Sexsüchtigen, Drogenabhängigen und Gewalttäter auf dem Präsidentenstuhl von „God´s own country“ im Nachhinein in Lichtgestalten umgemodelt oder umgeschwindelt wurden.

Der renommierte amerikanische Politikwissenschaftler Benjamin R. Barber wurde einst im SPIEGEL zitiert:
„Mit ein bisschen Boshaftigkeit könnte man argumentieren, es habe seit Georg Washington keinen großen Präsidenten mehr gegebene – und selbst der hat bei seinen Spesen geschummelt.
Und er war nachweislich drogensüchtig , darf ergänzt werden.

Der erste Präsident, der 1801 das Weiße Haus als Nachfolger Washingtons bezog, John Adams, sagte:
“Ich bitte den Himmel, seinen Segen auf dieses Haus und auf alle zu legen, die hier von nun an leben werden. Mögen nur die ehrlichsten und weisesten Männer unter diesem Dach herrschen.“

Es wurde nichts aus diesem frommen Wunsch des frommen Mannes.

Der Journalist Rolf Winter schrieb 1989 in einem Buch über die USA:
„Sonderbare Individuen brachten es zur Präsidentschaft, korrupte, auch nur einfach unqualifizierte Männer in erstaunlicher Anzahl, so daß ein wirklich überzeigender und integrer Präsident, der eine ganze Amtszeit ohne Affäre oder Korruption überstand, die Ausnahme blieb. Bigotterie hat im Weißen Haus geherrscht, Verschlagenheit, stets Rassismus, aber häufig auch … von schöner Rhetorik garnierte moralische Doppelbödigkeit …“.

Es gab spielsüchtige Alkoholiker wie John Quincy Adams, Analphabeten wie Andrew Jackson. Eine Reihe von Präsidenten war von Depressionen befallen und eigentlich amtsunfähig; was aber in keinem Fall als störend für das Amt angesehen wurde.

Betrachten wir einmal die angeblich „großen Präsidenten“ in der Geschichte.
Über George Washington haben wir uns schon geäußert.

Abraham Lincoln wird von vielen als der bedeutsamste angesehen. Bis heute wird die Lüge kolportiert, der verheerende amerikanische Bürgerkrieg sei von ihm zur Aufhebung der Sklaverei geführt worden. Tatsache ist, dass der Krieg aus rein wirtschaftlichen Gründen angezettelt worden und Lincoln nachweislich ein Rassist war. 1832 beteiligte er sich als Offizier bei der Niedermetzelung der Blackhawk-Indianer und noch 1859 schrieb er:
„Das war ein Erfolg, der mir mehr Freude machte, als ich seither hatte.“
Aus dem selben Jahr – zwei Jahre vor dem Ausbruch des Sezessionskriegs – sind folgende Äußerungen von ihm verbürgt:
„Ich sage also, daß ich nicht dafür bin, daß ich nie dafür war, auf irgendeine Weise die soziale und politische Gleichheit der weißen und der schwarzen Rasse herbeizuführen. Ich bin nicht und war nicht für das Recht der Neger, zu wählen oder Geschworene im Gericht zu werden. Ich bin nicht dafür, sie so zu qualifizieren, daß sie öffentliche Ämter besetzen können, und schließlich bin ich nicht dafür, daß sie weiße Personen heiraten … Während sie aber hier leben, muß es Positionen der Überlegenheiten und der Unterordnung geben, und ich bin, wie jedermann, dafür, daß die Position der Überlegenheit der weißen Rasse zugeordnet wird.“

Ein formidabler Rassist war auch Theodor „Teddy“ Roosevelt, der im Denken und Handeln Hitler und die Nazis antizipierte:
„Wenn sich die besten Klassen nicht reproduzieren, wird es mit der Nation bergab gehen, denn die wirklich entscheidende Frage ist, die Tüchtigen zum Überleben zu ermutigen und die Untüchtigen zu entmutigen.“
Die Untüchtigen waren für ihn die Schwarzen, die Iren und Amerikaner asiatischer Herkunft. Wie die Nazis trat Roosevelt für die Sterilisierung von Kriminellen und Geistesschwachen ein.

Woodrow Wilson, Präsident von 1913 – 1921, der angebliche Friedenspräsident, der mit seinem „14-Punkteprogramm“ zur „Selbstbestimmung der Völker“ die Verhandlungen von Versailles bestimmen wollte, verriet bekanntermaßen seine Prinzipien und lieferte das unterlegene Deutsche Reich und Österreich der Rachsucht und Willkür der Siegermächte aus. Wilson war ein ständig von Depressionen geplagter, emotional labiler Mann, und der als Südstaatler aggressiv die gängige Rassenpolitik vertrat.

Franklin Delano Roosevelt wird als politischer Beweger angesehen, der erstmal mit seinem New Deal so etwas wie Sozialpolitik in den USA mobilisieren wollte. Der New Deal war aber ein Fehlschlag und erst durch den Kriegseintritt mit Ankurbelung der Rüstungsindustrie zeigten sich Ergebnisse. Ernsthaft historische Untersuchungen belegen inzwischen, dass die Regierung Roosevelts die Japaner soweit provoziert und in die Enge getrieben hatte, von der lebensnotwendigen Rohstoffversorgung abgeschnitten, dass ein Krieg für Japan unvermeidlich geworden war. Roosevelt war über den bevorstehenden Angriff auf Pearl Harbour informiert und opferte durch das Unterlassen möglicher Abwehrmaßnahmen tausende seiner Soldaten, um den Kriegseintritt „moralisch“ zu rechtfertigen.

Sein Nachfolger Harry Truman, ehemals Krawattenverkäufer und Ölspekulant, war es dann, welcher der Menschheit erstmals den Blick auf ein atomares „Armageddon“ eröffnete, als er Atombomben auf das darniederliegende japanische Kaiserreich abwerfen ließ.

Als die Präsidenten-Lichtgestalt der Neuzeit wird noch von vielen John F. Kennedy angesehen. Er war jedoch ein rücksichtsloser und korrupter Politiker in der Tradition seines machtbewussten Vaters – wie genaue Nachforschung leicht erkennen ließen. Er war der erste „Showman“ als Präsident, der es verstand mit der Hilfe der Medien sein Charisma zur Geltung zu bringen. Und er war zweifellos der größte Weiberheld aller Zeiten, der im Weißen Haus residierte.

Mehr von Weibergeschichten als von konkreten politischen Erfolgen und Verbesserungen war auch die Präsidentschaft (1993 – 2001) von Bill Clinton geprägt. Clinton war verantwortlich für den völkerrechtswidrigen Einsatz der Nato im Kosovo und schuf politisch die Voraussetzungen zum folgenden Krieg gegen den Irak und die weitere  Destabilisierung des Nahen Ostens.

Davor gab es aber noch zwei besondere „Lichtgestalten“ auf dem Präsidentensessel:
Die Republikaner Richard Nixon und Ronald Reagan.

Nixon der Lügner („er belog seine Mitarbeiter und seine Familie systematisch“ – schrieb der o.e. Politologe Barber über ihn), Kommunistenfresser und McCarthy-Agent, ging schließlich im Watergate-Skandal, einem der größten polit-kriminellen Bubenstücke unter. Nur seinem Vizepräsidenten und Nachfolger Gerald Ford hatte er es qua Begnadigung zu verdanken, dass er nicht im Knast verrotten musste.

Der erstaunlichste Präsidentendarsteller wurde der Schauspieler Ronald Reagan. Seine Fähigkeiten als Darsteller ließen seine nachweisbare Unfähigkeit und die ersten offensichtlichen Zeichen seiner Demenz überspielen. Als Mime in Hollywood zunächst wenig erfolgsverwöhnt, erwies er sich im Präsidentenamt als Meister des „pretending“, des Vortäuschens von Realität. Er war nicht Präsident geworden, weil er eine bessere Politik anbieten konnte: er war ein „Cheerleader“, der begeisternden Lärm machte – wie ein Beobachter sagte. Reagan war fanatischer Antikommunist und in seiner Hollywood-Zeit einer der eifrigsten Denunzianten im Kampf gegen „antiamerikanische Umtriebe“. Schon in seiner Zeit als kalifornischer Gouverneur war er eine erfolgreiche Marionette der Rüstungsindustrie und schließlich auch erfolgreichster Akteur des militärisch-industriellen Komplexes der USA.

George Bush und sein Sohn George W. Bush gehen sicher als „Kriegspräsidenten“ in die Geschichte ein, obschon es keinen amerikanischen Präsidenten in der Geschichte gibt, der nicht Kriege angezettelt oder sich daran beteiligt hat.

Sohn George W. kann nach den Maßstäben, welche die USA vorgeblich für sich und für ihre „friedvolle“ Welt gegeben haben, als Kriegsverbrecher eingestuft werden.

Vater und Sohn Bush und dem „Demokraten“ Bill Clinton haben wir die aktuelle Destabilisierung und damit den neuzeitlichen Terror, der von der islamischen Welt ausgeht, zu verdanken.

Glaubt man Statistiken, hat der gegenwärtige Präsident Barak Obama, der Wahlkampf-Messias und Friedensnobelpreisträger, durch die Freigabe des Drohnenkrieges mehr zivile Opfer in der Bevölkerung der Krisenregionen und weltweit zu verantworten, als sein republikanischer Vorgänger.

Und so wird es auch 2016 bleiben: ganz sicher kommt wieder ein von Haus aus therapiebedürftiger „Klient“ auf den Präsidenstuhl im Weißen Haus. Die Amerikaner haben die Wahl zwischen vulgär und ungebildet, was der eine repräsentiert – und gefühlskalt, korrupt und kriegslüstern, wie man es bei der Konkurrentin benennen kann. Alles durchaus passend zum Charakter dieser Nation.

Also, wie soll man als Beobachter darauf reagieren?
Kürzlich hat ein renommierter deutscher Professor, Politologe, in Blick auf den uns immer mehr einholenden Terrorismus empfohlen, eine „mürrische Indifferenz“, eine „Vergleichgültigung“, gar eine „heroische Gelassenheit“ einzunehmen.
Das werde ich beherzigen, wenn sich z.B. mein Eheweib bei den nicht ganz auszublendenden Berichten zur amerikanischen Präsidentschaftswahl über den unsäglichen Donald Trump echauffieren mag und über Hillary Clinton schweigen möchte.
Was bleibt uns anderes übrig?

 

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Zum Todestag von Johann Sebastian Bach

Erstveröffentlichung auf altmod am 28.07.2013

Am 28. Juli 1750 verstarb Johann Sebastian Bach.
Für mich der größte Musiker aller Zeiten und eines der größten Genies der Menschheit.

Der obige Film* endet mit einem beeindruckenden Bild: Anna Magdalena geht durch ein reifes, nicht enden wollendes Kornfeld. Das Kornfeld mit seiner Weite ist ein ausdrucksvolles Sinnbild für die unendliche Wirkung von Johann Sebastian Bach.

„Nicht Bach, sondern Meer sollte er heißen…“ 
sagte Ludwig van Beethoven.

Niemand mag hier und im Sommer an Tod und Sterben denken. Doch es sei erlaubt, auch an einem Gedenktag im Sommermonat, sich dessen zu vergewissern.
Der Niederländische Schriftstelle Maarten´t Hart widmet in seinem lesenswerten Buch „Bach und ich“ dem Thema ein eigenes Kapitel:
»Schlummert ein, ihr matten Augen…«
Er stellt dem ein Zitat des englischen Komponisten Hubert C. Parry voran, der von Bach meint:

»Der Tod übte stets eine außerordentliche Faszination auf ihn aus, und viele seiner schönsten Kompositionen wurden durch Gedanken über den Tod angeregt.«

Tod und Sterben blenden wir „Modernen“ zu gerne aus. Es sei denn, man wird in der Zeitung, im Fernsehen wieder mal mit spektakulären Unglücksfällen oder Katastrophen, bei Kriegen mit „Kollateralschäden“ konfrontiert.
Der Tod ist für den modernen Menschen zum „Kollateralschaden“ des Lebens schlechthin geworden, nicht mehr der tägliche Begleiter, wie es einst hieß: „Media vita in morte sumus“.

In seinem Buch listet Maarten´t Hart eine Sterbenschronik der engsten Familie um J. S. Bach auf.
Ich will daraus auszugsweise zitieren:

Bachs Vater lebte von 1645 bis 1695, Er hatte einen Zwillingsbruder, der von 1645 bis 1693 lebte, einen älteren Bruder, geboren 1642 und gestorben 1697. Bachs Mutter -1644―1694 ― wurde ebenfalls nicht alt, nur 50 Jahre.
Bach selbst hatte fünf Brüder und zwei Schwestern. Sein ältester Bruder starb im Alter von wenigen Monaten.
Sein Bruder Johann Christoph, der Bach nach dem Tod der Eltern in seinem Haus aufnahm, lebte von 1671 bis 1721 und wurde wie die Eltern 50 Jahre alt.
Der Bruder Johann Balthasar lebte von 1673 bis 1691, wurde also nur 18 Jahre.
Der Bruder Johann Jonas, geboren 1675, starb mit zehn Jahren in Bachs Geburtsjahr, 1685.
Der Bruder Johann Jacob, geboren 1682, der nach Schweden emigrierte, starb mit 40 Jahren, 1722.
Bachs Schwester Johanna Judith, geboren 1680, starb 1686.
Über Bachs andere Schwester Marie Salome, 1677 geboren, ist nichts weiter in den Bach-Dokumenten vermerkt, doch laut Konrad Küster ist sie 1727 gestorben.

Als Bach 1723 mit 38 Jahren nach Leipzig ging, waren außer seinen Eltern auch alle seine Brüder tot.
1727 starb die einzige Schwester, die damals noch am Leben war.
Nicht ein einziger von Bachs engsten Angehörigen ist älter geworden als 50 Jahre!
Mit dem Tod wurde Bach von Kindesbeinen an regelmäßig konfrontiert…
1707 starb der Onkel Tobias, ein Bruder seiner Mutter. Damals waren nur noch zwei Brüder und eine Schwester am Leben. Zwei von ihnen starben während Bachs letzten Jahren in Köthen.

1720 starb seine erste Frau Maria Barbara.
Johann Sebastian und Maria Barbara hatten sieben Kinder:
Die erste Tochter, Catharina Dorothea, geboren 1708, starb 1774. Sie wurde mit 66 Jahren verhältnismäßig alt, blieb jedoch unverheiratet und wohnte zeitlebens im elterlichen Haus.
Das zweite Kind, Wilhelm Friedemann, wurde 1710 geboren und starb 1784.
1713 wurden Zwillinge geboren. Der Knabe war so schwach und ist gleich nach der Geburt gestorben. Das Mädchen lebte nur ein paar Wochen.
1714 wurde Carl Philipp Emanuel geboren. Er starb 1788 und wurde ebenso alt wie sein Bruder Wilhelm Friedemann, 74 Jahre.
1715 wurde Johann Gottfried Bernhard geboren. In den wenigen persönlichen Briefen von Bach sind nur betrübte Bemerkungen über diesen Sohn, der Schulden machte, zu finden. Er starb 1739 unter ungeklärten Umständen in Jena.
Diesem Sohn folgte 1718 Leopold August, der, kaum ein Jahr alt, 1719 starb.

Am 3. Dezember 1721 heiratete Bach Anna Magdalena Wilcke.
1723 wurde ihr erster Sohn geboren, Gottfried Heinrich, er starb 1763, der Vater hat seinen Tod also nicht mehr erlebt.
Am 14. April 1725 wurde ein zweiter Sohn geboren. Christian Gottlieb starb am 21. September 1728, ist also nur drei Jahre alt geworden.
1726 wurde Elisabeth Juliana Friderica geboren. Sie lebte bis 1781.
Christiana Sophia Henriette ist, als sie 1726 starb, drei Jahre alt gewesen. Sie war demnach das erste Kind aus der Ehe von Johann Sebastian mit Anna Magdalena.
Am 30. Oktober 1727 wurde Ernestus Andreas geboren, der schon am 2. November starb.
Regina Johanna, wenige Tage nach dem Tod ihres Bruders Christian Gottlieb am 10. Oktober 1728 getauft, starb am 26. April 1733 im Alter von viereinhalb Jahren.
Auch das nächste Kind, Christiana Benedicta, am 1. Januar 1730 getauft, starb nach drei Tagen am 4. Januar 1730.
Christiana Dorothea wurde am 18. März 1731 geboren und starb, anderthalb Jahre alt, im August 1732.
Am 23. Juni 1732 wurde Johann Christoph geboren. Er starb 1795 im Alter von 62 Jahren in Bückeburg. Für einen Bach ist er also ziemlich alt geworden.
Der nächste Sohn, Johann August Abraham, geboren am 5. November 1733, starb schon zwei Tage darauf.
Am 7. September 1735 wurde Johann Christian geboren, der am 1. Januar 1782 in London starb und gleichfalls nicht besonders alt geworden ist.
Am 30. Oktober 1737 wurde Johanna Carolina geboren. Sie starb am 18. August 1781, wie so viele Mitglieder der Familie Bach, im mittleren Alter.
Am 22. Februar 1742 wurde Bachs letztes Kind, Regina Susanna, geboren. Sie starb als letzte der Familie Bach im Alter von immerhin 67 Jahren am 14. Dezember 1809.

Von 1726 bis 1733, neun Todesfälle in sieben Jahren, darunter drei Kleinkinder, die bereits lachen, sprechen und laufen konnten. So viele Todesfälle in so kurzer Zeit, und zwar Todesfälle hauptsächlich von kleinen Kindern, müssen ihm und seiner Frau Anna Magdalena schmerzlich zugesetzt haben.
Es gibt nichts, was Eltern heftiger erschüttert als der Tod eines Kindes. Wieso nehmen wir ohne weiteres an, daß im 17. und 18. Jahrhundert die Eltern durch den Tod ihrer Kinder weniger hart getroffen wurden als im 19. oder 20. Jahrhundert?“ fragt Maarten´t Hart in seiner Rezeption.
Muss man das weiter kommentieren?

Maarten´t Hart, kommt nach seiner Werkbetrachtung von Bach mit dem Thema Tod zur Ansicht:

Wenn hier eine Schlußfolgerung gezogen werden soll, dann diese: Daß Bach den Tod sowohl (entgegen der Bibel) als »Ende aller Not« wie auch als »äußersten der Schrecken« empfunden hat, während der Sieg über den Tod, verkörpert durch die Auferstehung Jesu, ihn kaum angesprochen hat. Wer dem Schluß der Matthäus-Passion genau zuhört – zuerst jenem dem Schlußchor vorangehenden »Abschied« der vier Solisten im Wechsel mit Chorgesang (»musikalisch vielleicht gar nicht so bemerkenswert, doch von beispielloser Wirkung«, Simon Vestdijk) und dann dem Schlußchor selbst ―, kann den Gedanken kaum leugnen, daß Bach hier, wo er sich so stark inspiriert zeigt, nicht einen Augenblick lang an die Auferstehung gedacht haben dürfte. Wäre dies der Fall gewesen, er könnte uns nicht so zu Tränen rühren. Denn auch er selbst wird, besonders in den Jahren zwischen 1727 und 1733, wiederholt in Tränen ausgebrochen sein über den Tod seiner Kinder, meiner Ansicht nach einer der Gründe, weshalb seine legendäre Produktivität in diesen Jahren nachließ.

 

 

Schlummert ein, ihr matten Augen,
Fallet sanft und selig zu!
Welt, ich bleibe nicht mehr hier,
Hab ich doch kein Teil an dir,
Das der Seele könnte taugen.
Hier muß ich das Elend bauen,
Aber dort, dort werd ich schauen
Süßen Friede, stille Ruh.

 

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* Der Ausschnitt stammt aus der großartigen Filmbiographie von Johann Sebastian Bach – noch aus DDR-Produktion.
Für Interessierte: siehe unter www.große-geschichten.de.

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