In eigener Sache:

„Meine Welt von gestern“

Ich darf hier meine Memoiren vorstellen, die jetzt im Buchhandel erhältlich sind:

Interview zum Buch:

Interview mit Gottfried Ebenhöh, dem Autor von „Meine Welt von gestern“ – Ein Gespräch über Erinnerungen, Verantwortung und das Vergehen der Zeit.

Frage:
Ihr Buch trägt den Titel „Meine Welt von gestern“. Das erinnert stark an Stefan Zweigs berühmte Autobiografie. War das Absicht?

Antwort:
Ja, das war es. Ich habe Zweigs „Die Welt von Gestern“ mit großem Respekt gelesen. Seine Erinnerungen sind nicht nur persönlich, sondern auch ein großes Zeitdokument. Viele Gedanken, die er formulierte, lassen sich auf meine eigene Generation übertragen. Vor allem sein Versuch, die Stimmung seiner Zeit zu beschreiben: dieser Optimismus, das Vertrauen in Technik, Fortschritt und Frieden – bis zur Jahrhundertkatastrophe von 1914 – hat mich tief bewegt. Auch wir, die „Boomer“, durften lange Zeit in einem Zustand leben, der von Fortschritt und wachsendem Wohlstand geprägt war. Bis eine neue „Zeitenwende“ ausgerufen wurde.

Frage:
Sie beziehen sich mehrfach direkt auf Zitate von Zweig. Warum?

Antwort:
Weil seine Formulierungen eine Tiefe und Genauigkeit haben, die bis heute gültig sind. Wenn er von „wunderbarer Unbesorgtheit“ oder vom „Elan“ der Jahrhundertwende spricht, finde ich mich darin wieder – in einer späteren Zeit, aber mit ähnlichen Hoffnungen. Und doch war bei uns schon früh die Mahnung gegenwärtig, dass technischer Fortschritt auch zur Bedrohung werden kann – Stichwort „Atom“ – Atomwaffen. Ein Bruch, den meine Generation immer mitdenken musste.

Frage:
Sie schreiben nicht nur über Geschichte, sondern auch über Ihr eigenes Leben. Was hat Sie dazu bewogen, Ihre Erinnerungen aufzuschreiben?

Antwort:
Ich glaube, dass wir eine Verantwortung haben, unsere Zeit zu bezeugen. Wie Irene Vallejo – über Herodot – schreibt: Erinnerungen sind brüchig. Sie sind nicht objektiv, aber sie erzählen dennoch Wahrheiten – unsere persönlichen. Und wie Jean Paul sagte: „Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.“ Ich wollte dieses Paradies festhalten – mit allen Brüchen, Zweifeln, aber besonders mit Dankbarkeit.

Frage:
Welche Zeit hat Sie besonders geprägt?

Antwort:
Am stärksten sicher die 1950er- und 60er-Jahre. Ich wurde in eine Zeit hineingeboren, in der Deutschland noch in Trümmern lag – die Städte, die Gesellschaft, die Familien. Und doch war es auch eine Zeit des Neuanfangs, des Aufbaus. Die Generation meiner Eltern und Großeltern hat Erstaunliches geleistet. Ich durfte in einem Umfeld heranwachsen, das Sicherheit, Werte und Zugehörigkeit bot – trotz aller äußeren Widrigkeiten.

Frage:
Die Familie spielt in Ihrem Buch eine wichtige Rolle.

Antwort:
Sehr sogar. Meine Verwurzelung in der Familie und in der neuen Heimat nach deren Vertreibung, war für mich prägend. Johannes Paul II. schrieb, dass der Mensch seine Existenz der Familie verdankt – das empfinde ich genauso. Ich habe später selbst mit meiner wunderbaren Frau drei Töchter großgezogen. Diese Erfahrung, eine Familie zu gründen und zu begleiten, gehört zu den größten Glücksmomenten meines Lebens – und auch zu den herausforderndsten. Denn wir mussten und müssen unsere Kinder auf eine Welt vorbereiten, die wir selbst nur begrenzt beeinflussen können.

Frage:
Sie äußern sich auch kritisch zur Gegenwart. Was bereitet Ihnen Sorgen?

Antwort:
Mehreres. Ich sehe eine Erosion unserer demokratischen Kultur, eine zunehmende Polarisierung in der Gesellschaft, die Verachtung Andersdenkender – verbal wie strukturell. Es gibt einen Hang zu Vereinfachung, wie zu überbordender Moral, zu aggressiver Rhetorik, was mir Unbehagen bereitet. Manche Entwicklung erinnert mich schon an unselige Zeiten in unserer Geschichte. 
Auch mein Beruf, die Medizin, das Arztsein, hat sich stark verändert – nicht immer zum Besseren. Menschlichkeit und Verantwortung drohen in falsch verstandener Ökonomie, in Bürokratie und Technokratie unterzugehen.

Frage:
Ihr Buch ist nicht nur Rückblick, sondern auch ein Versuch, Zusammenhänge aufzuzeigen. Wie verstehen Sie Ihre Rolle als Erzähler?

Antwort:
Ich sehe mich als Erzähler, aber bestimmt nicht so wie der brillante Stefan Zweig – das wäre vermessen. Mein Zugang ist auch eher der einer Chronik: Beobachtungen, Erinnerungen, Anekdoten, kleine Geschichten, die sich zu einem Bild fügen sollen. Ich will zeigen, wie es war – aus meiner Sicht. Ernstes und Heiteres, manchmal auch Komisches oder Absurdes. Besonders die Geschichten aus meiner Jugendzeit in Pegnitz oder aus dem „Gasthof Goldener Stern“ sollen dieses Bild menschlicher machen.

Frage:
Sie sind Arzt. Wie sehr prägt Sie dieser Beruf in Ihrer Rückschau?

Antwort:
Sehr. In meinem Berufsleben habe ich viel gesehen und erlebt – auch Dinge, die sich heute kaum jemand mehr vorstellen mag. Ich halte es für wichtig, auch diese Erfahrungen festzuhalten. Sie gehören nicht nur zu meiner Welt und sollen nicht vergessen werden – auch wenn sie vielleicht verstören oder irritieren mögen.

Frage:
Und zum Schluss: Ist Ihre Generation – wie Zweig es ausdrückte – in die „dümmste Epoche der Zeitgeschichte“ geraten?

Antwort:
Nein. Im Gegenteil. Wir haben eine unvergleichlich dynamische Zeit erlebt – voller Herausforderungen, aber auch voller Möglichkeiten. Unsere Zeit war vielleicht nicht immer „golden“, aber sie war intensiv, prägend, bewegend. Ich bin dankbar, ein Teil davon gewesen zu sein – mit allen Licht- und Schattenseiten.

Vielen Dank für das Gespräch.

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Meine „K. und K.“ – Wurzeln

Meine Vorfahren stammen alle aus Böhmen, genauer gesagt aus Westböhmen, ganz nah an Bayern. Und doch war fast alles in unserer Familie deutsch-böhmisch, österreichisch geprägt: die Mundart mit ihrem reichen Wortschatz, die Küche, die kulturellen und religiösen Traditionen – kurz, das Lebensgefühl.

Durch genealogische Forschungen konnte ich unsere Wurzeln bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen, einen großmütterlichen Zweig sogar bis ins 16. Jahrhundert. Aus Neugier machte ich auch einmal einen Gentest. Das Ergebnis: zu 60 % nord-westeuropäische Herkunft, dazu deutliche Spuren vom Balkan und aus dem Baltikum. Das hatte meine Großmutter schon in Erzählungen angedeutet.
Und doch – entscheidender als jede DNA-Analyse sind die Geschichten, die weitergegeben wurden.

Mein Urgroßvater väterlicherseits war noch „Häusler“ oder „Kalupner“, wie man in Böhmen sagte. Durch harte Arbeit und eiserne Sparsamkeit erwarb er Felder und ein Anwesen im Dorf Amplatz im Kreis Bischofteinitz. Im Sommer arbeitete er als Taglöhner, im Herbst zog er mit einem Rucksack voller „Werg“ – Hanfabfällen, die man zum Abdichten von Bierfässern nutzte – nach Wien. Dort verkaufte er seine Ware an eine große Brauerei, die ihn über den Winter als Bierkutscher anstellte. Neben Lohn bekam er zwei Maß Bier als Deputat, und auch die Pferde seines Gespanns erhielten täglich eine Maß. Da er vierspännig fuhr, standen ihm sechs Maß Bier am Tag zu. Ob er diese tatsächlich trank, wollte niemand beschwören – aber das „Trinkfest-Gen“ scheint sich bis heute auch bei mir erhalten zu haben.
Vom Ersparten kaufte er Teile eines Meierhofs und baute ein stattliches Haus.
Sein Sohn, mein Großvater, musste lange warten, bis er das Anwesen übernehmen durfte. Nach damaligem Recht durfte er ohne Besitz nicht heiraten – so kamen meine beiden ältesten Onkel zunächst unehelich zur Welt, ehe er 1910 in Wien seine geliebte Maria Tauber ehelichte.


Während des Ersten Weltkriegs diente mein Großvater als Freiwilliger und brachte es bis zum Spieß in der k. u. k. Armee. 1918 übernahm er schließlich den Hof, doch das reine Bauerndasein behagte ihm nicht. Seine Leidenschaft gehörte den Pferden. Er begann mit Zucht und Handel, kümmerte sich sogar um die nach Hostau ausgelagerten Lipizzaner der Wiener Hofreitschule – ein Stolz, von dem er gern erzählte. Musik lag ihm ebenso am Herzen: mit seiner Klarinette spielte er im Wirtshaus auf, sehr zum Leidwesen seiner Frau, die sich dann allein um die Landwirtschaft kümmern musste.
Auch für seine Söhne hatte er klare Vorstellungen: der Älteste sollte Lehrer werden, der Zweite den Hof übernehmen, der Dritte Kaufmann. Nur der Jüngste, mein Vater, musste – wie er sagte – einen „fressernden Beruf“ erlernen.

Solche Erzählungen prägen. Manches davon erkennt man bei sich selbst wieder.

Und was ist nun von dieser „K. und K.“-Welt geblieben?

Meine Sprache etwa. Obwohl ich im Fränkischen aufgewachsen bin, hören mich viele eher als Österreicher. Wortwahl und Klangfarbe erinnern an meine Eltern und Großeltern. In der Schule war ich der Vorleser – wohl gerade wegen dieser Färbung.

Auch mein Geschichtsinteresse ist süddeutsch-österreichisch-tirolerisch geprägt, natürlich auch böhmisch.
Ernst Trosts „Die Donau – Lebenslauf eines Stromes“ hat mich tief berührt.
Meine liebsten Schriftsteller stammen aus diesem Kulturkreis: Joseph Roth, Stefan Zweig, Franz Werfel, Ödön von Horváth, Peter Rosegger – und Grillparzer steht für mich gleichauf mit Goethe und Schiller.

Nicht nur die Landschaft zieht meine Töchter und Enkel nach Südtirol. Dort spürt man Seele und Geist des alten Österreich, stärker als anderswo.
Rainhard Fendrichs „I am from Austria“ trifft mein Gefühl für diese Bindung wohl am besten.

Und dann ist da noch das Kulinarische. Bei uns wird modern und italienisch gekocht, aber auch böhmisch: Wiener Schnitzel kennt die Welt, doch Powidl-Tatschkerln, Gschmalzne Dalken, Lungenbraten, Hahnerl im Rahm, Germknödel – süß oder pikant – und natürlich Gulasch, das sind echte K. und K.-Gerichte.

Ich liebe Franken, meine Heimat des Aufwachsens. Und doch bleibt da dieses Gefühl, das mich mit meinen Altvorderen verbindet – ein Erbe aus Sprache, Erzählungen, Liedern und Rezepten, das in mir weiterlebt.

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Hier wendet sich der Gast mit Grausen: „So kann ich hier nicht ferner hausen“*

100 Jahre Bauhaus in Dessau

„Wohnungen mit viel Glas und Metallglanz: Bauhausstil.
Desgleichen mit Wohnhygiene ohne Wohnstimmung: Bauhausstil.
Stahlrohrsesselgerippe: Bauhausstil.
Gewürfelte Tapeten: Bauhausstil.
Kein Bild an der Wand: Bauhausstil.
Bild an der Wand, aber was soll es bedeuten: Bauhausstil.
Alles kleingeschrieben: bauhausstil.
ALLES GROSSGESPROCHEN: BAUHAUSSTIL.“
aus „Die Weltbühne“ 1930. 

Noch so ein Jubiläum, dem 20. Jahrhundert geschuldet.
1919 wurde von Walter Gropius das „Bauhaus“ in Weimar als Kunstschule gegründet. Es sollte etwas völlig Neues darstellen: die Zusammenführung von Kunst und Handwerk. Das historische Bauhaus galt alsbald als die einflussreichste Bildungsstätte im Bereich der Architektur, der Kunst und des Designs im 20. Jahrhundert und als Heimstätte der Avantgarde der Klassischen Moderne auf allen Gebieten der freien und angewandten Kunst und Architektur.
1925 zog das „Bauhaus“ nach Dessau um, was heute in der Linkspresse wieder enthusiastisch gefeiert wird.

Nach der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts, nach dem 1. Weltkrieg nahmen etliche künstlerischen Tendenzen eine offenere politische Färbung an. Die Dada-Bewegung vertrat eine rebellische und nihilistische Ablehnung des kulturellen und gesellschaftlichen Status Quo. Und auch das Bauhaus entstand auf diesem kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Nährboden. Wie Tausende andere hatten die Kriegserlebnisse den Gründer des Bauhauses Walter Gropius radikalisiert.
Er war Vorsitzender einer linken Vereinigung von Architekten, Künstlern und Intellektuellen – dem Arbeitsrat für Kunst, der den Anspruch hatte, die Novemberrevolution in den Bereich der Kunst auszuweiten. Man glaubte an die Notwendigkeit einer neuen Gesellschaft und Ziel war es, die Trennung zwischen Kunst und Handwerk zu überwinden und eine (sozialistische) Gesamtumgebung zu schafften, die angeblich für das Leben der Menschen geeignet war.

Nach der Machtergreifung der Nazis waren Ideologie und Stil des Bauhauses natürlich nicht mehr opportun. Wie auch im Reich des real existierenden Sozialismus der Sowjetunion, mit seiner gleichfalls imperialistisch angehauchten Protzarchitektur und naturalistischen Kunstauffassung.
Die wichtigsten Protagonisten wie Gropius, Mies van der Rohe u.a. emigrierten in die USA und brachten ihre Kreierungen eines fragwürdigen, späteren „Weltkulturerbes“ auch dorthin.

Tom Wolfe, der jüngst verstorbene amerikanische Schriftsteller, Journalist und Dandy, der mit Verve gegen jegliche Häßlichkeit in der Welt anschrieb, ätzte in seinem Buch „From Bauhaus to our house“:
Alteuropas Lasten schwappten über den Ozean. Nicht nur das Bauhaus wuchs in Chicago als „New Bauhaus“ in Richtung „Kathedrale des Sozialismus“, auch die Psychologen bekamen die „Pest“ der Psychoanalyse mitgebracht (nach der Inkubationszeit, die durch Freuds Besuch in den USA ihren Anfang nahm), auch musikalisch brachte Europa schwerstes Geschütz mit in Form von Arnold Schönbergs „Dodekaphonie“. Nicht zu sprechen von der Malerei, die die Amerikaner infizierte und vorbereitete für die künstlerische Machtübernahme nach dem Zweiten Weltkrieg.
… der herrschende Architektur-Stil im Babylon des Kapitalismus wurde der Soziale Wohnungsbau. Sozialer Wohnungsbau, wie er von einer Handvoll Architekten in den Verbünden inmitten der Trümmer Europas in den frühen Zwanziger Jahren entwickelt worden war, wurde nun hoch und breit aufgetürmt, in Form von Kunstgalerie-Anbauten, für altehrwürdige Ivy-League-Universitäten, Museen für Kunstmäzene, Eigentumswohnungen für die Reichen, Firmensitzen, Rathäusern, Landhäusern. Arbeiterwohnungsbau für jeden Zweck, außer für Arbeiter zum Wohnen.“ 

Dem Bauhaus ist die Kunst des Plattenbaus zu verdanken und die Termitenbauten zur sozialistischen Massenmenschhaltung a la Gropiusstadt in Berlin, Neuperlach in München, Killesberg in Stuttgart und viele andere Wohnreviere und sog. Trabantenstädte.
In den nach dem 2. Weltkrieg sozialdemokratisch regierten Großstädten Deutschlands wurde die gewiss vom „Bauhaus“ beeinflusste Kaufhof- oder Sparkassen-Architektur der 50er und 60er Jahre bis in jüngste Zeit für die neu-deutsche Häßlichkeit auch vieler Innenstädte prägend.

Zu den Bauhaus-Akteuren gehörten Künstler und Maler wie Lyonel Feininger, Johannes Itten, Gerhard Marcks, Paul Klee, Oskar Schlemmer und Wassily Kandinsky, deren  Oeuvre mir „altgemoden“ sich immer noch nicht erschliessen.
Ich habe mich hier schon über die Scheußlichkeiten moderner Sakralarchitektur und -Kunst ausgelassen, die ex aequo ebenfalls Bauhaus-geprägt ist.
Martin Mosebach schrieb dazu:

„Aus (dem) denkerischen Aufstand gegen das Offensichtliche ist die Grundstimmung unseres Zeitalters geboren worden: ein die ganze Öffentlichkeit erfüllendes Mißtrauen gegen jede Art von Schönheit und Vollkommenheit. Etwas sei »nur schön« – das ist heute die Schärfstmögliche Verurteilung. In der Kunst wird das Unfertige, das Fragmentarische, das Zerbrochene begünstigt. Die Beherrschung handwerklicher Regeln und Fähigkeiten, die zum Gebrauch einer vollendeten Formensprache notwendig sind, wird verachtet. Am erregendsten ist es für den zeitgenössischen Kunstfreund, wenn gar nichts irgendwie Sichtbares geboten wird, nur noch ein paar verhuschte Zeichen, kryptische Spuren. Den neuen Schriftgelehrten dienen sie zu Auslegungsexzessen, die um so wortreicher ausfallen, desto weniger zu sehen ist…“

Erstaunlich, dass zum Jubiläum gerade in den dem modernistischen Zeitgeist verschriebenen Postillen kritische Töne aufscheinen.
Die Süddeutsche titelt vor fünf Jahren dazu: „Wie ein Anfall von Würfelhusten.“
Und die Zeit schmähte eines der Dessauer „Meisterhäuser“: „Ein ungemütliches Angeberhaus … Richtiges und falsches Wohnen – richtig ist das Bauhaus, falsch sind Wohnküchen, verwinkelte Gassen, Blumentöpfe, die vor dem Haus auf der Straße stehen. Unordnung und Unübersichtlichkeit sind schlecht, Leere und rechte Winkel sind gut.“

Was hat nicht „Das verdammte 20. Jahrhundert“ (Gerard Radnitzky) alles an Grässlichkeiten hervorgebracht.

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Hier wendet sich der Gast mit Grausen:
 „So kann ich hier nicht ferner hausen,
 Mein Freund kannst du nicht weiter sein.
 Die Götter wollen dein Verderben –
Fort eil ich, nicht mit dir zu sterben.“
 Und sprach’s und schiffte schnell sich ein.

* aus „Der Ring des Polykrates“ von Friedrich Schiller

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Das musste auch hier einmal gesagt sein …

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Neuer Bestseller

10 Jahre. „Wir schaffen das!“

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Pflichtlektüre im Deutschunterricht 2025:

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Mit der „Stalinorgel“ gegen alles was nicht links ist

Nach dem Scheitern von Brosius-Gersdorf

Wie im Krieg feuern jetzt die Grünen und die Sozis – verstärkt nach dem Desaster um die Möchte-gern-Bundesrichterin Frauke Brosius-Gersdorf – gegen alles, was nicht irgendwie links konnotiert ist. Die Massivität und die Geräuschkulisse erinnern an die Stalinorgel, den gefürchteten Mehrfach-Raketenwerfer der Russen im 2. Weltkrieg.

Die Verbildlichung mit der Stalinorgel habe ich bewusst gewählt, um aufzuzeigen, welche Gesinnung hinter dem Ganzen steckt.

Das gesamte links-grüne Gelichter der Republik konnte es nicht verwinden, dass eine der Ihren nicht bedingungslos im Nominierungsverfahren für einen Sitz im Bundesverfassungsgericht durchgewunken wurde.
So wurde der Popanz einer übergreifenden rechten Verschwörung aufgebaut und natürlich auch die CDU/CSU in diese Konspiration eingebaut.

Den aggressivsten „Flugkörper“ feuerte zunächst die grüne Schabracke Britta Haßelmann ab und dann der eine oder andere Stalinist der SPD.
Als letztendlich handfeste Plagiatsvorwürfe gegen Frauke B.-G., diese Starjuristin der vereinigten Linken, aufkamen und diese den Rückzug verkündete, hat sie nun selbst die Führung im Leitstand der Stalinorgel übernommen.
Sie feuerte gegen alles, was ihr in ihren Anschauungen nicht folgen wollte. Mit dem Ergebnis, dass gar die linke SZ und die zuletzt grün-rot kontaminierte FAZ ein Sperrfeuer gegen sie eröffneten.

Die ganze hysterische Entgleisung der Diskussion um die „Causa Brosius-Gersdorf“ – Hysterie ist man ja von den Linken gewohnt – hat eine neue Dimension bzw. Eskalation erfahren. Man erkennt, es geht um nicht mehr und nicht weniger als um die herrschende Meinungsführerschaft der linken Eliten und des gesamten linken Plebs in Staat und Gesellschaft.
So wird zu rechnen sein, dass der Krieg mit der „Stalinorgel“ weiter eskalieren wird.

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Die Sportlerin und ich

Neulich sagte die beste aller Ehefrauen: „Heute ist Leichtathletik.“
Ich nickte, wie man eben nickt, wenn man sagt: „Heute regnet es.“ Oder: „Die Müllabfuhr war schon da.“
Aber ich irrte mich. Es war nicht „heute ist Leichtathletik“ – es war, ab jetzt ist Leichtathletik. Und zwar nicht irgendwie, sondern: Total! Weltcup! Oder was sonst.
Oder wie zuletzt bei Biathlon im Winter: Mit Splitscreen auf dem Bildschirm, Hintergrundreportage und emotionalen Porträts von Menschen, die in Lillehammer auf Skiern das Atmen nicht vergessen haben.

Ich lebe mit einer Sportfanatikerin. Es ist Zeit, dass ich das anerkenne.

Im Prinzip ist es ja wunderbar. Meine Frau liebt Sport, sie lebt ihn, sie durchdringt ihn. Während ich darüber nachdenke, ob ich heute lieber Schnitzel oder Spaghetti zum Abendessen haben möchte, weiß sie, wie viele Sekunden Rückstand die Drittplatzierte im Sprint von Antholz auf dem letzten Zwischenabschnitt hatte. Sie kann sich echauffieren über eine falsche Windfahne, sie leidet mit, sie jubelt mit – und manchmal auch laut.
Es ist ein bisschen so, als würde man mit einem Fanclub zusammenleben, nur eben in einer Person.

Ich dagegen sitze in meinem Kabuff. Das ist mein Raum. Mein Ort des Denkens, Schreibens, Schweigens, aber auch von persönlichem Saustall.
Doch das Sportgeschehen dringt durch jede Ritze. Die Reporterstimmen hallen wie ferne Unwetter, ihre Sätze sind merkwürdig bedeutungsschwer:
„Jetzt zählt nur noch der Wille!“
„Der Puls – am Limit!“
„Was für eine Wahnsinnsleistung!“
Es klingt immer ein bisschen wie Weltuntergang, aber in bunt und mit Medaillenchance.

Ich habe vieles versucht:

  • Einfach Türe schließen.
  • Musik auf Youtube anhören.
  • Mich in Podcasts über die innere Leere meines Daseins flüchten.
  • Natürlich auch mit Kopfhörer.
  • Rufe eine Folge „Barnaby“ auf.

Aber es hilft nichts. Wenn ein 5.000-Meter-Lauf startet, dann startet auch der emotionale Ausnahmezustand im Wohnzimmer.
„NEIN!“, ruft meine Frau.
„JA!“, ruft meine Frau.
Ich sitze da und denke: Ich wollte doch nur in Ruhe jetzt vielleicht doch mal die Steuer machen oder mein Schreibtisch-Chaos reduzieren. Und mich nicht von Kathrin Müller-Hohenstein, Esther Sedlaczek, Christiane Graf, Laura Wontorra u.a. ablenken lassen – über die männlichen Schreihälse des Schreifunks mag ich gar nicht reden.

Doch, wir reden dann manchmal.
Ich sage: „Könnte man den Ton vielleicht etwas…“
Sie sagt: „Aber das ist doch das Finale!“
Und ich denke: „Ich bin auch in einem Finale. Innerlich.“

Und manchmal macht sie dann tatsächlich leiser.
Und ich denke: Liebe ist manchmal vielleicht auch nur ein Kompromiss über die Dezibelzahl im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Es ist schön, mit jemandem zu leben, der für etwas brennt. Ich brenne eher für Stille oder schöne Musik Sie für die 4 × 6-Kilometer-Staffel der Frauen.
Wir treffen uns manchmal irgendwo in der Mitte. In der Wiederholung. In der Werbung – die wir beide gleichermaßen hassen (da sind wir uns unbedingt einig).

Ist das die wahre Meisterleistung in einer Beziehung: Wenn man eine Hälfte eines Partners und ihres Lebens nicht versteht – aber trotzdem gern mit ihr lebt?

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Episkopale Rückgratlosigkeit

Da hat sich der Bischof – der ja schon auch mal durch ketzerische Äußerungen im Glauben auffiel – mal nach rechts aus dem Fenster gelehnt:

Abgrund der Intoleranz“: Erzbischof rügt Brosius-Gersdorf

13.07.2025 | 13:56

Scharfe Kritik an Brosius-Gersdorf: Der Bamberger Erzbischof Gössl rügt die SPD-Kandidatin fürs Bundesverfassungsgericht – und spricht von einem „Abgrund der Intoleranz“.

Doch nicht bald darauf knickt er ein:

„Falsch informiert“: Gössl bedauert Predigt zu Brosius-Gersdorf

Der Bamberger Erzbischof Gössl hat eingeräumt, über Positionen der Verfassungsgerichts-Kandidatin Brosius-Gersdorf falsch informiert gewesen zu sein. Er bedauere das „nachdrücklich“. Laut Erzdiözese haben Gössl und die Juristin telefoniert.

Von vorneherein hatte sich der ausgewiesenen Links- und Grün-Katholik und oberster Häretiker der Katholika bzw. Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz Bätzing auf die Seite von Brosius-Gersdorf gestellt.

Limburger Bischof Bätzing stellt sich hinter Brosius-Gersdorf: „Hat sie nicht verdient“

In der Debatte sei viel schiefgelaufen, urteilt Georg Bätzing über die geplatzte Richterwahl. Die Angriffe habe Brosius-Gersdorf nicht verdient.
Augsburg/Limburg – Im Streit um die geplatzte Richterwahl stellt sich der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, an die Seite von Frauke Brosius-Gersdorf. Diese Frau habe es „nicht verdient, so beschädigt zu werden“, sagte der Limburger Bischof der Augsburger Allgemeinen Zeitung.

Bätzing hat sofort Position bezogen und damit parteiisch agiert. Seine zurückhaltende Kommunikation zur eigentlichen ethischen Fragestellung im Zusammenhang mit der „Causa Brosius-Gersdorf“ schwächt seine Glaubwürdigkeit als oberster Repräsentant einer Kirche, die im Gewissenskonflikt Klarheit und Dialog zugleich bieten sollte. Seine Rolle als Moderator hat er durch seine politische Parteinahme – wie so oft – beschädigt.
Statt zur Deeskalation zwischen beiden kirchlichen Positionen (konservativ ↔ progressiv) aufzurufen, stellte sich Bätzing klar auf die Seite der politisch umstrittenen SPD-Kandidatin – und damit implizit gegen Teile des eigenen Episkopats und der Kirche.
Einmal mehr hat er sich als parteilich gezeigt und den innerkirchlichen Riss, besonders zwischen reformorientierten und traditionell orientierten Bischöfen verschärft .

Ist Gössl – ja auch ein bekennender Links- und Grün-Katholik – „zurückgepfiffen“ worden?
Hat ihn der Hl. Geist erleuchtet?
Zumindest ist sein Verhalten, sein An- und Ausgang zu der Sache mehr als befremdlich.
Rückgrat scheint diesen deutsch-klerikalen Ober-Heuchlern und Ketzern an der Katholika abhandengekommen zu sein.

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Berlin-Neuschmuddel

Meinen Enkeln musste/durfte ich immer Geschichten von den Olchis vorlesen.
Die Olchis der Kinderbücher sind eine Drei-Generationen-Familie bestehend aus den Großeltern, Eltern und drei Kindern. Die Olchis sind klein und grün, haben auf dem Kopf drei Hörhörner und eine große Nase. Die insgesamt namenlose Familie lebt gemeinsam in einer Höhle auf der Müllkippe von Schmuddelfing. Die Olchis lieben alles, was Menschen eklig finden: Sie essen Schuhsohlen und Schrauben, trinken Stinkerbrühe und Fahrradöl, baden im Schlamm und können Ordnung nicht ausstehen. Für einen Olchi sind frische, gesunde Sachen giftig und schädlich, der versehentliche Verzehr ruft einen Ausschlag mit roten, gelben und blauen Punkten hervor.

Warum musste ich da jetzt an Berlin mit seinen Müllhalden an den Verkehrswegen und den Wohnvierteln und der großen Anzahl seiner Bewohner denken?

Die Olchis aus Berlin-Neuschmuddel

Mitten im Herzen der Hauptstadt, zwischen Dönerladen, Barbershops, Spätis und illegalen Shisha-Bars, liegen Berlins wohl Gefragteste Wohnorte: die Müllkippen von Neuschmuddel. Hier lebt die charmanteste Drei-Generationen-WG, die Berlin je gesehen hat – die Berlin-Olchis! Diese Sippen oder Clans haben sich dort über die Jahre entwickelt und eingenistet.
Rechtsradikale würden behaupten, sie seien aus dem »Orient« oder Afrika eingewandert.

Dunkel-pigmentiert wie ein schlecht gewordener Avocado-Smoothie, mit Hörhörnern auf dem Kopf (praktisch für den Berliner Straßenlärm) und einer Nase groß genug, um damit einen Berliner Mietvertrag zu wittern, trotzen die Olchis jeder Gentrifizierung.
Während andere im Prenzlauer Berg ihren Chiasamen sortieren und Bio-Karotten oder Tofu-Sticks schnabulieren, freuen sich die Olchis auf ein Festmahl aus Döner, altem Frittenöl mit einem Hauch von Baustellenschlamm. Ordnung? Ein Fremdwort. Mülltrennung? Blasphemie! Die Berliner »Olchi«-Kinder besuchen keine Schule – sie machen lieber Hard-Stuff-Feldforschung im Görlitzer Park.

Trotz aller Widrigkeiten (Räumungsklagen, Influencer mit Selfie-Sticks, Klimakleber vorm Höhleneingang oder Bullen-Horden) halten die Olchis durch. Denn sie wissen: In Berlin findet jeder seinen Platz – sogar auf einer Müllkippe. Und es kommen immer mehr von dieser Sippe hierher.

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