„Wider die mörderischen und räuberischen Rotten der Bauern“

Eine Neuerfindung des Hass-Manifests von Martin Luther

Zur Erinnerung:
Luther genoss den Schutz seiner Fürsten gegen Kaiser und Papst, und wurde bis heute in vielen Teilen auch zum Signalgeber moderner Obrigkeit. Die geknechteten und in Leibeigenschaft gehaltenen Bauern hatten in ihn Hoffnung gesetzt, nicht nur aus der Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“. Nach der Eskalierung der Bauernaufstände im großen Bauernkrieg 1524-1526 stellte Luther klar, dass sich die aufständischen Bauern zu Unrecht auf ihn beriefen, und ermutigte die Fürsten, die Bauernerhebung mit aller Gewalt niederzuschlagen.
Dazu rief er in seiner Schrift „Wider die mörderischen und räuberischen Rotten der Bauern“ die Obrigkeit auf.*

500 Jahre nach den Bauernkriegen haben die „Obrigkeit“ und die ihnen geneigten Hofschranzen mit den woken Dummköpfen der jetzigen Generation-V (Vollpfosten) wieder ein Problem mit den Bauern.

Luther übersetzt würde heute vielleicht so klingen und könnte bei taz, SZ oder Spiegel veröffentlicht werden:

„Gegen die maßlose und rechtsradikale Meute der Bauern“

„Man sollte, muss sie endlich ruinieren, ihnen den gierigen Schlund zuschnüren, sie drangsalieren, heimlich und öffentlich, jeder Demokrat ist dazu aufgerufen. Und man muss mit Gummiknüppeln niederschlagen, wenn sie Straßen blockieren und demonstrieren. … Denn ein Kanzler, Minister und Herr muß fortschrittlich denken, wie er der Leiter der Demokratie, aber auch deren Aggression Diener ist; dem die Polizeigewalt Verfassungsschutz, Staatsanwaltschaft, Polizei mit Wasserwerfern, Knüppeln, Pfefferspray und Handschellen über solche Frechlinge befohlen ist – wo die sich gegen die Demokratie versündigen… Denn wo er kann und nicht straft, sei es durch Gesetzes- und oder Polizeigewalt, so ist die Regierung schuldig an allen Unbotmäßigkeiten und Ubel, das die Bauern und ihre rechstradikalen Unterstützer gegen das beste Deutschland begehen, das es je gegeben hat … Darum darf er nicht ruhen. Es kommt nicht auf Geduld an oder Rücksicht . Es ist Zeit der Gegenmaßnahmen und der Staatsgewalt und nicht die Zeit von Verständnis´.“

Die folgende Aussage von Luther, dem deutschen „Machiavelli“, muss man nicht zwangsläufig adaptieren:

„Der Esel will Schläge haben, und der Pöbel will mit Gewalt regiert sein. Das wusste Gott wohl; drum gab er der Obrigkeit nicht einen Fuchsschwanz, sondern ein Schwert in die Hand.“

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  • Der Originaltext von Luther:

„Man soll sie zerschmeißen, würgen, stechen, heimlich und öffentlich, wer da kann, wie man einen tollen Hund erschlagen muss. … Denn ein Fürst und Herr muß hie denken, wie er Gottes Amtmann und seins Zorns Diener ist (Röm. 13), dem das Schwert uber solche buben befohlen ist und sich ebenso hoch fur Gott versundiget, wo er nicht straft und wehret und sein Amt nicht vollfuhret, als wenn einer mördet, dem das Schwert nicht befohlen ist. Denn wo er kann und straft nicht, es sei durch Mord oder Blutvergießen, so ist er schuldig an allem Mord und Ubel, das solche buben begehen, als der, da mutwilliglich durch Nachlassen seins göttlichen Befehls zuläßt, solchen Buben ihre Bosheit zu uben, so er’s wohl wehren kann und schuldig ist. Darum ist hie nicht zu schlafen. Es gilt auch nicht hie Geduld oder Barmherzigkeit. Es ist des Schwerts und Zorns Zeit hie und nicht der Gnaden Zeit.“

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6 Antworten zu „Wider die mörderischen und räuberischen Rotten der Bauern“

  1. Anonymouse sagt:

    Die ausgesuchten Kommentare, zeugen wieder mal von einer völligen Ahnungslosigkeit. Was arbeiten diese Menschen ?

  2. Anonymouse sagt:

    … übrigens ist der Bauernverband komplett doof.
    Wie kann man sich denn gegen Mitstreiter stellen, die einen Regierungswechsel wollen ?
    Ohne Politikwechsel werden sich die Existenzvernichtenden, manigfaltigen Auflagen und Vorschriften, denen die Bauern und auch alle anderen Gewerke unterworfen sind, nicht in Luft auflösen.
    Ich frage mich täglich, wohin uns die Ampel eigentlich bringen soll und auf wessen Mist der ganze Schlamassel letztendlich gewachsen ist. Was ist der tiefere Sinn ? Man kann es doch drehen und wenden wie man will, kein Ding passt mehr zum anderen !

    • KW sagt:

      Ja, Maus, da haben Sie Recht, eins paßt nicht zum anderen. Hatte ich früher noch hoffnung auf Einsicht und Änderung, habe ich jetzt die Hoffnung aufgegeben. Diese Regierung kann sich nicht einmal vernünftig anziehen und frisieren.
      Haben wir wieder Oktober 1989, wo wir auf die Ferien warteten und auf gepackten Koffern saßen? Auch damals hatten wir keine Hoffnung auf Änderung. Naja, da half die Hochfinanz ein wenig bei den Protesten mit, um den Karren in ihre Bahn zu lenken. Sie hätte alle ja wie 1953, 1956. 1968 zusammenschießen können.
      Billige Arbeitskräfte, ungesicherte Arbeitsverhältnisse überall, Grenzen zu Polen auf. Raub des Volkseigentums der DDR, und gleichzeitig die Privatisierungen im Westen. Der Schuldkult wurde noch einmal richtig aufgewärmt und das Volk kräftig mit Asiaten und Negern vermischt. Jetzt ist es eng auf dem Wohnungsmarkt, kein Wunder.

  3. Patricia sagt:

    Vielen Dank für die moderne Übertragung des unsäglichen Luthertextes. Man hört nichts von den Kirchen, oder ist mir da was entgangen? Zumindest in der evangelischen Kirche ist Luthers Haltung wohl in der DNA. Bei uns Katholiken war es doch lange Zeit so, dass viele Priester aus Bauernfamilien stammten. Hat die Kirche den Bezug zu den Bauern bzw. zum Volk überhaupt verloren? Offensichtlich ja.

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