8. Mai 1945

Tag der Niederlage oder Tag der Befreiung?

zuerst veröffentlich am 7. Mai 2020

Wegen dieses Beitrags wurde ich schon mal als Nazi und Rechtsxtremer bezichtigt. Diskussion und Nachdenken war nicht zugelassen.
Ich wage trotzdem nochmal eine Veröffentlichung.



O Deutschland, bleiche Mutter!

Wie sitzest du besudelt
Unter den Völkern.
Unter den Befleckten
Fällst du auf.

Bertold Brecht

 

Dieses Gedicht von Brecht stammt zwar schon von 1933, diese erste Strophe drückt aber gewiss aus, was viele 1945 und danach empfunden haben; als all das nach oben kam, was im deutschen Namen zwischen 1933 und 1945 an Verbrechen geschehen war. Manches war vielen Deutschen verborgen geblieben, bei manchem hat man weggesehen, bei manchem zustimmend oder einfach stumm zugeschaut. Der 8. Mai 1945 bedeutet eine Zäsur in der Geschichte der Deutschen, wie durchgreifender man sie sich nicht vorstellen könnte.


Tag der Niederlage oder Tag der Befreiung?

Man muss, meine ich, auf beide Aspekte eingehen, wenn man nicht irregehen will. 

Ja, Deutschland ist befreit worden, unter anderem von einer Clique von Scheusalen, ob sie Göbbels, Himmler, Göring usw. hießen, mit einem dämonischen „Führer“ an der Spitze.
Ja, die Insassen der KZs und Vernichtungslager sind endlich befreit worden, nach Monaten oder Jahren von Qualen, ausgesetzt entmenschten Kreaturen in den Vergasungs- und Erschießungskommandos.
Ja, auch deutsche Soldaten sind befreit worden: von der Entscheidung, in einem seit langem verlorenen Kampf weiterzumachen oder als Verräter und Fahnenflüchtiger am nächsten Baum aufgeknüpft zu werden.
Usw.

Aber Folgendes darf gleichwohl nicht unterschlagen werden*:

Seit der totalen Niederlage im Zweiten Weltkrieg ist in Deutschland die Kraft des nationalen Gedankens gebrochen. In der Nachkriegszeit haben sich die Deutschen die Sicht der Sieger aufzwingen lassen, die militärische Kapitulation auch als eine geistige und kulturelle zu deuten. Deutschland sollte nach 1945 anderen Nationen nicht wieder gleichberechtigt gegenübertreten. So hat sich hierzulande ein kollektives geistig-moralisches Schuldgefühl etabliert, ein Niederlage-Denken, das für Staat und Nation beherrschend und konstituierend ist und von dem das Land seine Identität herleitet. Insofern ist die Niederlage jenes Kern-Ereignis, das die Nachkriegszeit bis heute bestimmt und im Zuge der Vergangenheitsbewältigung Tag für Tag bestätigt, erneuert und vertieft wird. Eine Nation aber, die ihre komplette Geschichte verwirft und unter moralischen, ja kriminellen Generalverdacht stellt, konzediert ihre eigene Unmöglichkeit und gibt den moralischen Anspruch auf eine selbstbestimmte Zukunft preis.

Seit einer Rede des damaligen Bundespräsidenten Richard Weizsäcker zum 40. Jahrestag am 8. Mai 1985 in der Gedenkstunde des Bundestags gehört dies gewissermaßen zur „Staatsräson“, den Tag ausschließlich als einen „Tag der Befreiung“ anzusehen. Alles andere ist „revisionistisch“ oder schlimmer. Diese Anschauung erlaubt es, dass deutsche Kanzler an den Siegesfeiern der Alliierten in Frankreich oder in Moskau am Roten Platz teilnahmen. Und es erlaubte die Einzigartigkeit einer Nation, in seiner Hauptstadt „ein Mahnmal an unsere fortwährende Schande“ (Rudolf Augstein) zu erstellen.
Und man muss beschämt feststellen, dass die Kontinuität dieser Entwicklung es erlaubt, dass Repräsentanten von tonangebenden Kreisen hierzulande sich straflos hinter Transparenten einreihen dürfen, die Deutschland als „mieses Stück Scheiße“ bezeichnen.


Befreiung oder Niederlage?

Ich will hierzu zwei Texte veröffentlichen.
Zunächst die Rede von Richard Weizsäcker zum „Tag der Befreiung“.

Eine Rede, die in den Kanon von „Reden die die Welt bewegten“ aufgenommen wurde, gleichwohl auch polarisierend wirkend.

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Bonn, am 8. Mai 1985

Der Bundespräsident Richard von Weizsäcker

I.
Viele Völker gedenken heute des Tages, an dem der Zweite Weltkrieg in Europa zu Ende ging. Seinem Schicksal gemäß hat jedes Volk dabei seine eigenen Gefühle. Sieg oder Niederlage, Befreiung von Unrecht und Fremdherrschaft oder Übergang zu neuer Abhängigkeit, Teilung, neue Bündnisse, gewaltige Machtverschiebungen – der 8. Mai 1945 ist ein Datum von entscheidender historischer Bedeutung in Europa.
Wir Deutsche begehen den Tag unter uns, und das ist notwendig. Wir müssen die Maßstäbe allein finden. Schonung unserer Gefühle durch uns selbst oder durch andere hilft nicht weiter. Wir brauchen und wir haben die Kraft, der Wahrheit so gut wir es können ins Auge zu sehen, ohne Beschönigung und ohne Einseitigkeit.
Der 8. Mai ist für uns vor allem ein Tag der Erinnerung an das, was Menschen erleiden mußten. Er ist zugleich ein Tag des Nachdenkens über den Gang unserer Geschichte. Je ehrlicher wir ihn begehen, desto freier sind wir, uns seinen Folgen verantwortlich zu stellen.
Der 8. Mai ist für uns Deutsche kein Tag zum Feiern. Die Menschen, die ihn bewußt erlebt haben, denken an ganz persönliche und damit ganz unterschiedliche Erfahrungen zurück. Der eine kehrte heim, der andere wurde heimatlos. Dieser wurde befreit, für jenen begann die Gefangenschaft. Viele waren einfach nur dafür dankbar, daß Bombennächte und Angst vorüber und sie mit dem Leben davongekommen waren. Andere empfanden Schmerz über die vollständige Niederlage des eigenen Vaterlandes. Verbittert standen Deutsche vor zerrissenen Illusionen, dankbar andere Deutsche vor dem geschenkten neuen Anfang.
Es war schwer, sich alsbald klar zu orientieren. Ungewißheit erfüllte das Land. Die militärische Kapitulation war bedingungslos. Unser Schicksal lag in der Hand der Feinde. Die Vergangenheit war furchtbar gewesen, zumal auch für viele dieser Feinde. Würden sie uns nun nicht vielfach entgelten lassen, was wir ihnen angetan hatten?
Die meisten Deutschen hatten geglaubt, für die gute Sache des eigenen Landes zu kämpfen und zu leiden. Und nun sollte sich herausstellen: Das alles war nicht nur vergeblich und sinnlos, sondern es hatte den unmenschlichen Zielen einer verbrecherischen Führung gedient. Erschöpfung, Ratlosigkeit und neue Sorgen kennzeichneten die Gefühle der meisten. Würde man noch eigene Angehörige finden? Hatte ein Neuaufbau in diesen Ruinen überhaupt Sinn?
Der Blick ging zurück in einen dunklen Abgrund der Vergangenheit und nach vorn in eine ungewisse dunkle Zukunft.
Und dennoch wurde von Tag zu Tag klarer, was es heute für uns alle gemeinsam zu sagen gilt: Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.
Niemand wird um dieser Befreiung willen vergessen, welche schweren Leiden für viele Menschen mit dem 8. Mai erst begannen und danach folgten. Aber wir dürfen nicht im Ende des Krieges die Ursache für Flucht, Vertreibung und Unfreiheit sehen. Sie liegt vielmehr in seinem Anfang und im Beginn jener Gewaltherrschaft, die zum Krieg führte.
Wir dürfen den 8. Mai 1945 nicht vom 30. Januar 1933 trennen.
Wir haben wahrlich keinen Grund, uns am heutigen Tag an Siegesfesten zu beteiligen. Aber wir haben allen Grund, den 8. Mai 1945 als das Ende eines Irrweges deutscher Geschichte zu erkennen, das den Keim der Hoffnung auf eine bessere Zukunft barg.

II.
Der 8. Mai ist ein Tag der Erinnerung. Erinnern heißt, eines Geschehens so ehrlich und rein zu gedenken, daß es zu einem Teil des eigenen Innern wird. Das stellt große Anforderungen an unsere Wahrhaftigkeit.Wir gedenken heute in Trauer aller Toten des Krieges und der Gewaltherrschaft.
Wir gedenken insbesondere der sechs Millionen Juden, die in deutschen Konzentrationslagern ermordet wurden.
Wir gedenken aller Völker, die im Krieg gelitten haben, vor allem der unsäglich vielen Bürger der Sowjetunion und der Polen, die ihr Leben verloren haben.
Als Deutsche gedenken wir in Trauer der eigenen Landsleute, die als Soldaten, bei den Fliegerangriffen in der Heimat, in Gefangenschaft und bei der Vertreibung ums Leben gekommen sind.
Wir gedenken der ermordeten Sinti und Roma, der getöteten Homosexuellen, der umgebrachten Geisteskranken, der Menschen, die um ihrer religiösen oder politischen Überzeugung willen sterben mußten.
Wir gedenken der erschossenen Geiseln.
Wir denken an die Opfer des Widerstandes in allen von uns besetzten Staaten.
Als Deutsche ehren wir das Andenken der Opfer des deutschen Widerstandes, des bürgerlichen, des militärischen und glaubensbegründeten, des Widerstandes in der Arbeiterschaft und bei Gewerkschaften, des Widerstandes der Kommunisten.
Wir gedenken derer, die nicht aktiv Widerstand leisteten, aber eher den Tod hinnahmen, als ihr Gewissen zu beugen.

Neben dem unübersehbar großen Heer der Toten erhebt sich ein Gebirge menschlichen Leids,
Leid um die Toten,
Leid durch Verwundung und Verkrüppelung,
Leid durch unmenschliche Zwangssterilisierung,
Leid in Bombennächten,
Leid durch Flucht und Vertreibung, durch Vergewaltigung und Plünderung, durch Zwangsarbeit, durch Unrecht und Folter, durch Hunger und Not,
Leid durch Angst vor Verhaftung und Tod,
Leid durch Verlust all dessen, woran man irrend geglaubt und wofür man gearbeitet hatte.
Heute erinnern wir uns dieses menschlichen Leids und gedenken seiner in Trauer.

Den vielleicht größten Teil dessen, was den Menschen aufgeladen war, haben die Frauen der Völker getragen.
Ihr Leiden, ihre Entsagung und ihre stille Kraft vergißt die Weltgeschichte nur allzu leicht. Sie haben gebangt und gearbeitet, menschliches Leben getragen und beschützt. Sie haben getrauert um gefallene Väter und Söhne, Männer, Brüder und Freunde.
Sie haben in den dunkelsten Jahren das Licht der Humanität vor dem Erlöschen bewahrt.
Am Ende des Krieges haben sie als erste und ohne Aussicht auf eine gesicherte Zukunft Hand angelegt, um wieder einen Stein auf den anderen zu setzen, die Trümmerfrauen in Berlin und überall.
Als die überlebenden Männer heimkehrten, mußten Frauen oft wieder zurückstehen. Viele Frauen blieben aufgrund des Krieges allein und verbrachten ihr Leben in Einsamkeit.
Wenn aber die Völker an den Zerstörungen, den Verwüstungen, den Grausamkeiten und Unmenschlichkeiten innerlich nicht zerbrachen, wenn sie nach dem Krieg langsam wieder zu sich selbst kamen, dann verdanken wir es zuerst unseren Frauen.

Soweit der Anfang der Rede, die in Gänze hier nachgelesen werden kann – nachgelesen werden sollte! – um den „Befreiungsgedanken“ zu verstehen.

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Nachfolgend ein Aufsatz des „umstrittenen“ Historikers Hellmut Diwald zum 8. Mai 1945, ebenfalls 1985 veröffentlicht – noch vor der Weizsäckerrede – und in einem „umstrittenen“ rechten Organ.

Als ich vor fünf Jahren diese Abhandlung an dieser Stelle veröffentlichte, erfuhr ich meinen ersten Bannfluch als „Nazi“ und „Rechtsaußen“ in den „sozialen Medien“ in meinem Herkunftsort.
Ist der Ruf mal ruiniert, … – also veröffentliche ich Professor Diwalds Betrachtung denn erneut. Die Gegenüberstellung der Reden soll zu nichts anderem als zu Reflexionen anregen! Ich bin mir aber auch darüber klar, damit möglicherweise ein neues Blöken von irgendwelchen Dummköpfen ohne historisches Gespür zu provozieren.

 

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Zum 8. Mai 1945

Prof. Dr. Hellmut Diwald, Würzburg
April/Mai 1985

Gedenktage sind Tage der Besinnung, der Erinnerung, der Bilanz. Der 40. Jahrestag der militärischen Kapitulation Deutschlands beschäftigt die bundesrepublikanischen Medien seit Monaten. Die Unverfrorenheit des Versuchs, uns den 8. Mai 1945 als Datum der Befreiung schmackhaft zu machen, wird nur durch die Schamlosigkeit der Begründungen dafür übertroffen. Der 8. Mai scheint des Schicksals sicher zu sein, im Öffentlichen ein Tag der Heuchelei zu werden. Am 8. Mai 1945 wurde in Europa der Krieg beendet. Wer diesen Tag mit Bewußtsein erlebt hat, wer sich an ihn erinnert ohne die Beschönigungen, Verzerrungen, Beflissenheiten und Lügen, mit denen seit Jahrzehnten unsere Geschichte und insbesondere unsere jüngere und jüngste Vergangenheit ungenießbar gemacht wird, der weiß es besser. Daran muß jeder von uns festhalten, ohne Konzessionen an das, was bequem ist, was gern gehört wird von denjenigen, die den politisch-offiziellen Beifall spenden. Opportunisten sind die Totengräber der deutschen Selbstbehauptung.

Der 8. Mai 1945 war ein Tag des Elends, der Qual, der Trauer. Deutschland, das deutsche Volk hatten sechs Jahre lang im gewaltigsten Krieg aller Zeiten um die Existenz gekämpft. Die Tapferkeit und Opferbereitschaft der Soldaten, die Charakterstärke und Unerschütterlichkeit der Frauen und Männer im Bombenhagel des alliierten Luftterrors, die Tränen der Mütter, der Waisen, wer die Erinnerung daran zuschanden macht, lähmt unseren Willen zur Selbstbehauptung.   Daran sollten wir am 8. Mai denken.

Die Sieger von 1945 erklären, für die Rettung der Humanität einen Kreuzzug gegen Deutschland geführt und gewonnen zu haben. Geführt auch mit den Mitteln eines Bombenkrieges, der das Kind, die Frauen, die Flüchtenden, die Greise genauso als Feind behandelte wie den regulären Soldaten. Der Tag der militärischen Kapitulation der deutschen Armee brachte den Alliierten den Frieden. Abermillionen von Deutschen brachte er die Hölle auf Erden. Haben die Sieger von 1945 keinen Anlaß danach zu fragen, mit welchen Verbrechen sie dem Triumph ihres Kreuzzuges für die bedrohten Menschheitswerte das Siegel aufgedrückt haben? In jenen Friedensjahren nach der Kapitulation, in denen von Ostpreußen bis nach Jugoslawien Deutsche erschlagen, hingemetzelt, vergewaltigt, gefoltert, vertrieben wurden – in jenen Jahren, die man uns jetzt zumutet, als Zeit der Befreiung und Wiege einer Zukunft zu feiern, die uns zum ersten Mal in unserer tausendjährigen Geschichte „Freiheit, Recht und Menschenwürde“ gebracht haben soll? Denken wir daran am 8. Mai.

Wer im 20. Jahrhundert einen Krieg verliert, wird vom Sieger zum Schuldigen und Verbrecher erklärt. Wie soll man das Wertesystem derjenigen einschätzen, die mit denselben Urteilskategorien dem deutschen Volk 1945 jede Moral und alle Rechte bestritten und wenige Jahre später, als deutsche Männer wieder als Soldaten gebraucht wurden, das deutsche Volk plötzlich als würdig erachteten, westliche und östliche Interessen mit der Waffe zu verteidigen? Auch daran sollten wir am 8. Mai denken.

Der 8. Mai erinnert uns daran, daß wir besiegt wurden. Ja, wenn es nur die militärische Niederlage gewesen wäre. Es hätte nicht einmal das uralte Muster jener Kriege sein müssen, bei denen die Niederlagen kaum weniger ehrenvoll waren als die Siege. Aber Schuld eines ganzen Volkes für Verbrechen, die es als Volk nicht begangen hat, weil ein Volk keine Verbrechen begehen kann, sondern immer nur der Einzelne? Wenn von Schuld die Rede ist, dann auch von jener Schuld, daß wir nicht die Kraft und den Mut besaßen, uns gegen die generelle Herabsetzung zu wehren und uns nicht die Würde rauben zu lassen. Standfestigkeit und Unbeirrbarkeit wären um so nötiger gewesen, als uns das Gift der moralischen Selbstzerstörung Jahr für Jahr eingeträufelt wurde. Und wir wußten davon – denken wir daran.

Wir haben keinen Grund, den 8. Mai zu feiern. Feiern sollen diejenigen, die sich für die Sieger halten. Wie unsere früheren Gegner, die sich heute als unsere Freunde bezeichnen, ihre Feiern am 8. Mai mit dieser Freundschaft 1945 in Einklang bringen, ist allerdings nicht nur ihr eigenes Problem. Für uns ist es eine Gelegenheit, daran zu erinnern, daß die neue Zukunft, die uns von den Siegern 1945 beschert wurde, für unser Reich das Grab und für Deutschland und das deutsche Volk die Katastrophe seiner Zerstückelung bedeutete. Die Siegesparaden der früheren Alliierten werden uns nur zeigen, daß wir noch immer die Besiegten von 1945 sind, daß unser Land besetztes Land ist und unsere regionale Souveränität eine von Gnaden der Sieger mit Vorbehalten gewährte Souveränität. Daran müssen wir denken.

Die 40. Wiederkehr des 8. Mai 1945 ist das Fest der Sieger. Es ist nicht unser Fest. Uns dagegen steht die Erinnerung an Wahrheiten zu, deren Gehalt von keinem Datum abhängt. Zur Lebensgeschichte des Einzelnen wie zur Geschichte eines Volkes gehören die Niederlagen genauso wie die Triumphe. Nur dann, wenn sich der Einzelne, wenn sich ein Volk selbst aufgibt und sklavisch unterwirft, geht alles verloren – in der Variante einer Feststellung des römischen Kaisers Mark Aurel: »Laß dir die Vergangenheit, laß dir die Zukunft nicht verfälschen. Du wirst, wenn es nötig ist, schon hinkommen, mit Hilfe derselben Geisteskraft, die dich das Gegenwärtige ertragen läßt.«

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Das Schlusswort zu dieser Gegenüberstellung überlasse ich Karl Jaspers, aus dem  Vorwort zu seiner Vorlesung und Schrift „Zur Schuldfrage“ vom April 1946:

„Es ist so leicht, entschiedene Urteile affektbetont zu vertreten; es ist schwer, ruhig zu vergegenwärtigen. Es ist leicht, mit trotzigen Behauptungen die Kommunikation abzubrechen; es ist schwer, unablässig über Behauptungen hinaus in den Grund der Wahrheit einzudringen. Es ist leicht, eine Meinung aufzugreifen und festzuhalten, um sich weiteren Nachdenkens zu überheben; es ist schwer, Schritt für Schritt voranzukommen und niemals das weitere Fragen zu verwehren.
Wir müssen die Bereitschaft zum Nachdenken wiederherstellen.
Dazu gehört, daß wir uns nicht berauschen in Gefühlen des Stolzes, der Verzweiflung, der Empörung, des Trotzes, der Rache, der Verachtung, sondern daß wir diese Gefühle auf Eis legen und sehen, was wirklich ist.“

 

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* Klappentext zu „Die Psychologie der Niederlage – Über die deutsche Mentalität“ von Thorsten Hinz – Berlin 2010

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„Das beste Gesundheitssytem der Welt!“

Unsere Politiker werden nicht müde, diese abgedroschene, zudem falsche Floskel ständig zu wiederholen.
Nichts ist daran wahr, weiß man, wenn man als Patient, auch als Arzt oder Pflegeperson, in diesem „Gesundheitsunwesen“ gefangen ist.
Den nachfolgenden Beitrag habe ich vor 16 Jahren an anderer Stelle veröffentlicht.
Nichts hat sich seither zum Besseren gewendet, im Gegenteil, wie schon aus meiner Skepsis herauszulesen war.

Als ich den Beruf Arzt erwählte, war der Begriff „Gesundheitswirtschaft“ noch eine unbekannte Vokabel. Auch vom „Gesundheitsmarkt“ sprach noch kaum einer. Man wurde Arzt oder Krankenschwester, weil man in der Hilfe für Kranke eine Art Berufung sah und da man als Arzt sich auf ein gutes Einkommen und hohes Sozialprestige einrichten konnte. Die Krankenhäuser und ärztlichen Praxen waren die Orte, an denen man seiner „Berufung“ und auch gesellschaftlich notwendigen „Pflichten“ nachgehen konnte.

Am Krankenhaus sorgte seinerzeit ein Verwaltungsleiter für das Funktionieren des Rahmens hinsichtlich der baulichen und apparativen Investitionen des Hauses, der Beschaffung der Versorgungsgüter, der Personalverwaltung etc..
Chef oder „Direktor“ einer Klinik war immer ein Arzt – eben der Chefarzt, der den Verwaltungsleiter meist als notwendiges Übel ansah.
Man betreute seinerzeit noch ausschließlich „Patienten“.

Für das „Gesundheitswesen“ wurde inzwischen der Fortschritt der Medizin zum Fluch. Immer bessere und umfänglichere Behandlungsmethoden wurden entwickelt und mit dem stetigen, politisch gewollten Ausbau des Sozial- und Wohlfahrtsstaates, mit dem Versprechen, dass jedem alles Notwendige, besser: alles Mögliche zur Verfügung stehen muss, musste es zwangsläufig zu dem kommen, was gemeinhin als „Kostenexplosion“ bezeichnet wird. Die Schere zwischen den Kosten der sozialstaatlich gestützten Ansprüche und dem Beitragsaufkommen der Versicherten ging immer weiter auf.
Dazu kam, dass besonders die fast ausschließlich staatlich geführten Krankenhäuser immer defizitärer wurden.
Wie das zu erklären ist, ist einen eigenen Beitrag wert.
Zur Rettung oder Verbesserung der Situation kam endlich die „Ökonomie“ ins Spiel. Man erkannte, dass in den Häusern anders gewirtschaftet werden muss und betriebswirtschaftliches Know-How – auch bei den Ärzten – vonnöten ist. Was im Grunde überhaupt nicht verkehrt sein kann.
Man glaubte, dass dies auch unter etatistischer oder bürokratischer Ägide möglich ist. Wenn man nur entsprechend ausgebildete Leute an die Spitze der Häuser stellt. Den politischen Einfluss als Rat oder Bürgermeister auf seine Einrichtung mochte man aber noch nicht aufgeben.
Man musste dann feststellen, dass privatwirtschaftlich oder auch frei-gemeinnützig geführte Kliniken doch besser wirtschafteten. Gerade unter dem Zwang, dass diese sich nicht auf den steten Zufluss aus öffentlichen Haushalten, sprich Steuergeldern, verlassen konnten.
Mit all dem, was da an betriebswirtschaftlichen Unzulänglichkeiten angehäuft wurde, kam es schließlich zu der Entwicklung, dass auch Krankenhäuser insolvent wurden, Pleite gingen oder aktuell Pleite zu werden drohen.
Die Lösung versprechen jetzt private Klinik-Unternehmen, welche nach und nach den ganzen Krankenhaus-Markt umkrempelen.
War vor 20 bis 30 Jahren der Bereich der privaten Träger noch unbedeutend, so beträgt der Anteil der privat geführten Krankenhäuser etwa ein Drittel. Den Markt der Akut-Häuser teilen sich in Deutschland praktisch nur vier bis fünf große Unternehmen unter sich auf.

Seit die „Ökonomie“ ins Krankenhaus Einzug gehalten hat, gibt es keine Patienten mehr, sondern „Kunden“ und „Konsumenten“. Gesundheit ist also auch etwas zum „konsumieren“.
„Klinikchef“ ist ein Betriebswirtschaftler, am besten ein „Master of Business Administration“ und die nennen sich jetzt durchweg „Kaufmännische Direktoren“ vulgo „Krankenhaus-Chef“. Die „Oberschwester“ wurde durch die „Pflege-Managerin“ oder „Pflegedirektorin“ abgelöst, der Hausmeister wurde zum „Facility Manager“.
Schöne neue Welt!

Trotz (oder wegen) aller Ökonomie sind die Beteiligten aber unzufrieden. Die „Kunden“ wie die Klinikchefs. Letztere wegen des Geizes und bürokratischer Fährnisse durch die Kostenträger (Krankenkassen). Die Patienten wegen der Versorgung.
Laut einer Studie eines Beratungsunternehmens im Gesundheitswesen wird das deutsche Gesundheitssystem lediglich von 17 Prozent der Befragten mit „sehr gut“ oder „gut“ beurteilt. Besonders mit der Infrastruktur und Informationstechnologie medizinischer Einrichtungen sind die Deutschen zufrieden. Verbesserungsbedarf besteht laut Studie vor allem bei Zugang und Wartezeiten für Behandlungen.
Anderen Untersuchungen zufolge sind aber die Deutschen Weltmeister in der Inanspruchnahme von medizinischen oder ärztlichen Leistung, wobei nicht bekannt ist, dass der Gesundheitszustand der Deutschen im selben Prozentmaß schlechter wäre, als der in Vergleichsländern.

Den Vorgaben der Politik und den „wirtschaftlichen Zwängen“ geschuldet ist die Zahl der Krankenhäuser von 2100 auf etwa 1800 in den letzten 16 Jahren zurückgegangen. Und das Krankenhaussterben wird sich durch angekündigten „Reformen“ weiter fortsetzen.

Ich habe jetzt zum einen selbst als Patient, zum anderen als Angehöriger einer schwer erkrankten Ehefrau wieder intensive Erfahrungen mit „dem System“ machen können.
Als langjähriger Klinikleiter habe ich natürlich einen extrem geschärften Blick auf das Geschehen und all die Umstände, welche zu den inzwischen als desolat empfunden Verhältnissen beitragen.

Ich versuche eine ergänzende Analyse bzw. Beschreibung zu dem o.g., ohne zunächst auf die direkte, persönliche Situation einzugehen.

Die Unzufriedenheit auf allen Seiten ist ein klassisches Zeichen für Systemversagen!

  • Patienten: erleben Fragmentierung, Wartezeiten, Überlastung
  • Personal: arbeitet am Limit, verliert Sinnbezug
  • Management: steckt zwischen Regulierung und Finanzdruck
  • Politik: versucht zu steuern, ohne echte Durchgriffsmöglichkeiten und -willen.

Was sich seit 2010 verschärft hat:

  • Pflegenotstand als (neues) systemisches Risiko
  • Überökonomisierung einzelner Leistungsbereiche; d.h. Eingriffe mit hoher DRG-Vergütung
  • Unterversorgung im ländlichen Raum
  • Gleichzeitig Überkapazitäten in Ballungsräumen
  • Zahlenmäßiger Mangel und dabei Rückgang in der Könnerschaft bei Ärzten und Pflegepersonal
  • DRGs belohnen Menge statt Bedarf
  • Investitionskosten werden von Ländern vernachlässigt → Kliniken müssen über Betrieb querfinanzieren
  • Wettbewerb ohne echten Marktaustritt (weil Versorgungspflicht) erzeugt Schieflagen

Es ist ein Pseudomarkt statt echter Markt.

Was auch wichtig ist und oft ausgeblendet wird: Es gibt keine klare Definition, was das System leisten soll – und was nicht.
Solange politisch gilt: „alles für alle jederzeit“, aber finanziell und personell „nur begrenzt“, bleibt das System unweigerlich im Widerspruch.

Das deutsche Gesundheitswesen ist kein Markt und gewiss kein Kennzeichen von Sozialstaat mehr, sondern ein großkotziges, politisch gesteuertes System mit widersprüchlichen Logiken: Markt – Wettbewerb oder Effizienz einerseits (?), dann der Staat/Politik – Regulierung, „Sicherstellung“ und dann die Selbstverwaltung – Kassen, Ärzte.
Nicht zu vergessen die Lobbygruppen der Leidenden wie der Akteure.

Und genau diese Mischung erzeugt diese gewaltige Dysfunktionalität.





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Sch… – Amerikaner

Nicht „mein Papst“:*

* Brauch ich eh nicht!

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Marc Aurel: Selbstbetrachtungen

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Mein wichtigstes Buch in meinen „letzten Jahren“ …

Jedes Kapitel ein Genuss, ein Labsal, ein Gewinn!


Hier: Buch 4, Kapitel 3

Man liebt es, sich zuzeiten aufs Land, ins Gebirge, an die See zurückzuziehen. Auch du sehnst dich vielleicht dahin. Im Grunde genommen aber steckt dahinter eine große Beschränktheit. Es steht dir ja frei, zu jeglicher Stunde dich in dich selbst zurückzuziehen, und nirgends finden wir eine so friedliche und ungestörte Zuflucht als in der eignen Seele, sobald wir nur etwas von dem in uns tragen, was wir nur anzuschauen brauchen, um uns in eine vollkommen ruhige und glückliche Stimmung versetzt zu sehen — eine Stimmung, die nach meiner Ansicht freilich ein anständiges, sittliches Wesen bedingt.
Auf diese Weise also ziehe dich beständig zurück, um dich immer wieder aufzufrischen. Einfach und klar und bestimmt aber seien jene Ideen, die aus deiner Seele so manches hinweg spülen, wenn du sie dir vergegenwärtigst, und dir eine Zuflucht schaffen sollen, aus der du nicht übel launisch zurückkehrst.
Und was sollte dich auch alsdann verdrießen? “Die Schlechtigkeit der Menschen?” Aber wenn du bedenkst, daß die vernünftigen Wesen füreinander geboren sind, daß das Ertragen des Unrechts zur Gerechtigkeit gehört, daß die Menschen unfreiwillig sündigen, und dann — wie viel streitsüchtige, argwöhnische, gehässige und gewalttätige Menschen dahin gemußt haben und nun ein Raub der Verwesung sind — wirst du da deine Abneigung nicht loswerden? “


“Oder macht dir der Ehrgeiz zu schaffen?” Aber wie schnell breitet Vergessenheit über alles ihren Schleier! Wie unablässig drängt eins das andere in dieser Welt ohne Anfang und ohne Ende! Wie nichtig ist jeder Nachklang unseres Tuns! Wie veränderlich und wie urteilslos jede Meinung, die sich über uns bildet, und wie eng der Kreis, in dem sie sich bildet! Die ganze Erde ist ja nur ein Punkt im All, und wie klein ist nun wieder der Winkel auf ihr, wo von uns die Rede sein kann! Wie viele können es sein, und was für welche, die unsern Ruhm verkünden? In der Tat also gilt es, sich zurückzuziehen auf eben diesen kleinen Raum, der unser ist, und hier sich weder zerstreuen, noch einspannen zu lassen, sondern sich frei zu bewegen und die Dinge anzusehen wie ein Mensch, wie ein Glied der Gesellschaft, wie ein sterbliches Wesen.
Unter allen Wahrheiten aber, die dir am geläufigsten sind, müssen jedenfalls die beiden sein: die eine, daß Außendinge die Seele nicht berühren dürfen, sondern wirklich Außendinge sein und bleiben müssen. Denn Widerwärtigkeiten gibt es nur für den, der sie dafür hält. Die andere: daß alles, was du siehst, sich bald verwandeln und nicht mehr sein werde, wie du selbst schon eine Menge Wandlungen durchgemacht hast. Mit einem Wort: die Welt ist ein ewiger Wechsel, das Leben ein Wahn!

Resümee:

  • Und über allem steht: Alles vergeht.
  • Nicht der Ortswechsel rettet dich, sondern die innere Sammlung.
  • Nicht andere Menschen sollten dich beherrschen, sondern deine Einsicht.
  • Nicht Ruhm zählt, sondern Charakter.
  • Nicht das Äußere ist entscheidend, sondern dein Urteil darüber.
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Die „Müllerrüchigkeit“ – oder “Pustekuchen im Windpark”

veröffentlicht 2014

Müller hatten früher einen schlechten Leumund, der Ihnen z.B. das Recht auf eine eigene Handwerkszunft verwehrte. Die sog. Müllerrüchigkeit erschwerte ihnen damit auch eine Einheirat oder Existenzgründung in einem anderen Berufsstand. Bürger und Bauern waren ehedem schlecht auf die Müller zu sprechen, man sagte ihnen Betrügereien und dunkle Geschäftspraktiken nach. »Neben jeder Mühle steht ein Sandberg«, lautet ein Sprichwort, und ein anderes: »In der Mühle ist das beste, dass die Säcke nicht reden können.«

Windmüller – von der Politik geadelt

Die Müller werden nun durch die Politik endlich geadelt und in einen vermeintlich ehrenwerten Stand erhoben. Denn die Windmüller der Neuzeit produzieren „erneuerbare Energie“ – haben gewissermaßen das Perpetuum Mobile erfunden, sie verhindern den Einsatz von schädlichen Energieformen mit späteren Erblasten, sie schonen Klima und Umwelt und verhindern damit Erderwärmung, Waldsterben etc.; außerdem verheißen sie ein lohnendes Investment für Sparer bzw. Kapitalanleger. Und das alles mit „Nachhaltigkeit“. Mancher Lehmans- oder Bankenkrisen-Geschädigter, manch klamme Kommune erhoffte sich jetzt, dass durch solch ein „Investment“ unablässig, “nachhaltig“, Geld in die Gemeindekasse gespült – besser gewedelt – wird.

Schein und Sein

Die mögliche, nein, eigentlich die regelhafte Situation für den Windmüller hatte aber schon Wilhelm Busch vor 110 Jahren in seinem Gedicht „Schein und Sein“ beschrieben:

Aus der Mühle schaut der Müller,
Der so gerne mahlen will.
Stiller wird der Wind und stiller,
Und die Mühle stehet still.
So gehts immer, wie ich finde,
Rief der Müller voller Zorn.
Hat man Korn, so fehlts am Winde,
Hat man Wind, so fehlt das Korn.

In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 23.11.2014 fand man, fast schamhaft versteckt, einen Beitrag mit dem Titel „Pustekuchen im Windpark“ – Autor Winand von Petersdorf.

Der Artikel geht auf eine intern vorliegende Untersuchung bzw. Auswertung des Bundesverbandes WindEnergie über die zurückliegenden 10 Jahre ein, des hiesigen Wind-Lobby-Verbandes schlechthin. Die Ergebnisse, zu denen ein beauftragter Steuerberater kommt, sind gelinde gesagt ernüchternd.

Man erfährt da zusammengefasst:

◾ die Windmüller erwirtschafteten bisher 15 % weniger Umsatz als geplant.
◾ Bei 37 % der Windparks reichen die Erlöse nicht, um Darlehen zu tilgen, geschweige denn eine Dividende zu zahlen.
◾ die Anleger erhalten – wenn überhaupt – allenfalls 2,5 % Rendite auf ihr angelegtes Kapital; versprochen wurden 6 – 8%
◾ 20 % der Windparks haben bisher tatsächlich nichts ausgeschüttet, 17 % nur einmal in einem Jahr, 21 % nur in zwei von 10 Jahren.
◾ das Windaufkommen in den Jahren 2002 bis 2005 war so schwach, dass dadurch insgesamt im Berichtszeitraum nur 84 % der geplanten Umsätze erzielt wurden.
◾ der jährlich fortgeschriebene sog. Windindex wurde regelmäßig zu positiv angesetzt, mit erheblichen Konsequenzen für die Geldanleger.
◾ Dieser Index vernachläßige aber auch, dass Windparks wegen überlasteter Stromtrassen immer häufiger vom Netz gehen müssen und dass große Anlagen kleinere faktisch in den Windschatten stellen und so deren Erträge mindern.

Die Zahl der Kommanditisten, die insgesamt bisher eine Anlagesumme von 9,5 Milliarden € aufgebracht haben, wird in Deutschland auf 200.000 bis 300.000 geschätzt.

Alle diese „Investoren“, von den kleinen Sparern bis zu den großen und kleinen Gebietskörperschaften, wurden also getäuscht, wenn nicht gar betrogen.

Die berüchtigte “Müllerrüchigkeit” ist wohl wieder aktuell.

Unter Bezug auf das oben Ausgeführte und auf Wilhelm Busch einige Umschreibungen:

  • Müller = Windparkbetreiber
  • Mühle = Windpark
  • Korn = Geld
  • Bauer = Politiker
  • Bauersfrau = Wähler
  • Esel = Anleger

Situation 2026

Ich habe KI befragt, was sich geändert hat?
Hier das (bestimmt im Zeitgeist geschönte) Ergebnis:

Fortsetzung 2026 – „Der Wind hat sich gedreht“ aber stimmt das?

Seit jenen Tagen, da man die neue Müllerei mit wehenden Fahnen pries und manch einer glaubte, der Wind werde fortan stetig und verlässlich wie ein Beamter im Amt erscheinen, ist einige Zeit vergangen. Die Landschaft hat sich verändert: Wo früher Kirchtürme und Scheunen den Horizont bestimmten, drehen sich nun weithin sichtbar die Flügel der neuen Großmühlen, höher als jeder Dorfbaum und standfester als manche politische Zusage.

Der Windmüller hat inzwischen gelernt, mit Tabellen statt mit Windfahnen zu rechnen. Seine Mühle ist größer geworden, seine Flügel länger, und wenn der Wind weht, mahlt er Korn – oder vielmehr Kilowatt – in Mengen, von denen der alte Müller nur träumen konnte. Doch auch heute gilt: Weht der Wind nicht, so steht die Mühle still, und die Rechnungen flattern dennoch ins Haus, ganz ohne Luftbewegung.

Die Bauern – nunmehr weiterhin die Politiker – haben ihrerseits erkannt, dass der Wind allein nicht genügt. Sie bestellen Speicher, Netze und Leitungen, damit das Mahlgut auch dorthin gelangt, wo es gebraucht wird. Doch wie es auf dem Felde oft geschieht, wächst das eine schneller als das andere: Die Mühlen drehen sich, während die Wege zum Markt noch gebaut werden.

Die Bauersfrau – die Wählerschaft – blickt derweil prüfend auf den Stromzähler. Sie freut sich über saubere Luft und neue Einnahmen für die Gemeinde, wundert sich aber bisweilen über steigende Preise und fragt sich, warum der Wind, der doch frei über die Felder zieht, am Ende nicht ebenso frei ins Portemonnaie weht.

Der Esel – der Anleger – ist vorsichtiger geworden. Er unterschreibt nicht mehr jedes Pergament, auf dem „nachhaltig“ und „garantiert“ geschrieben steht. Stattdessen schaut er auf Verträge, Laufzeiten und Erträge. Manche Esel haben gelernt, dass auch grüne Wiesen Dornen tragen können. Andere wiederum tragen ihr Kapital geduldig weiter zur nächsten Mühle, denn der Hafer scheint dort immerhin langfristig zu wachsen.

Und so könnte Wilhelm Busch heute vielleicht hinzufügen:

Aus der Mühle schaut der Müller,
Diesmal mit Prognosentabell’.
Dreht sich’s kräftig, mahlt er schneller,
Dreht sich’s schwach, bleibt’s finanziell.
Hat man Wind, so fehlt die Leitung,
Hat man Netz, fehlt manchmal Strom.
Doch im Großen, nach der Streitung,
Dreht sich alles – Stück für Stück – herum.

Die Müllerrüchigkeit? Sie ist nicht verschwunden, doch auch nicht mehr das alleinige Urteil. Manche Mühlen laufen ordentlich, manche weniger. Einige Esel wurden klüger, manche Bauern vorsichtiger, und die Bauersfrau hat gelernt, genauer hinzusehen.

Nur eines blieb unverändert:
Der Wind weht, wann er will –
und alle anderen rechnen danach.

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Urlaub – Sehnsucht und Pflicht

Ich sehe ihn noch vor mir: den Laden meiner Eltern in Pegnitz; den „Apfel“ in Ansbach, dann den Stern …
Es klingelt, es riecht nach Arbeit, draußen ist Kerwa, drinnen wird gearbeitet.
Immer.
Kein „Heute geschlossen“. Kein „Wir sind dann mal weg“.
Von 1948 bis 1978 – dreißig Jahre lang kein Urlaub.
Das hat auch mich geprägt.

Später hatte ich selbst vier, dann sechs Wochen Urlaub im Jahr.

Für mich war das nie einfach ein Anspruch, sondern etwas Besonderes.
Ich habe diese Zeit mit Frau und unseren Kindern genutzt: einfach mal raus, manchmal ein Ziel, meist ohne großes Ziel.
Und doch gab es auch diese andere Seite: die Sehnsucht, einfach aufzubrechen.
Wie in dem Lied von Udo Jürgens:
„Ich war noch niemals in New York …“

Aber ich bin geblieben.

Drei Monate weg? Irgendwohin? Sabbatical?
Das passte nicht zu mir: Pflichtgefühl, Bodenhaftung …

Ich stehe heute zwischen zwei Welten: dem Laden, der nie schloss, und einer Zeit, in der man jederzeit gehen kann.
Die Sehnsucht war da. Doch die Pflicht stand an der Tür.
Ja: „O tempora, o mores!“

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Thaliatheater

Die Zwergenkomödie …

Nach dem „Prozess gegen Deutschland“, bei dem auch nicht-linke Redner wie Harald Martenstein Redebeiträge zu einem AfD-Verbot lieferten, brodelt es im Thalia Theater. Die Mitarbeiter des linken Theaters sollen bis heute an den Folgen leiden und weinen.

Der Betroffenenkreis:

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Jürgen Habermas mit 96 Jahren verstorben!

Narr, Schwindler und Unruhestifter …

Ich gönne jedem so ein derart reifes Lebensalter – in Gesundheit.
Bei J. Habermas war es aber mit der geistigen Gesundheit von Beginn an und durchgehend nicht gut bestellt. So meine unmaßgebliche Meinung.
Aber auch die Ansicht vieler wirklich intellektueller Zeitgenossen unserer, seiner Generation.

Die Johann-Wolfgang-Goethe-Universität aus dem verkommenen Frankfurt rühmte einst Habermas als: „der wichtigste deutsche Philosoph der Gegenwart und einer der weltweit meistzitierten Intellektuellen.“

Mein Nachruf wird von seinen Verehrern und Geistesgenossen gewiss als bösartig angesehen werden, denn ich halte mich mal moralisch unkorrekt nicht an das „de mortuis nihil nisi bene!“ und sondere mein Gift ab.

Sprache bei Habermas

In der ZEIT fand ich vor etwa 6 Jahren, zu seinem 90ten Geburtstag folgenden Beitrag; es geht um die „Sprache“ bei Habermas:

„Ihre reife Gestalt gewinnt Habermas’ Analyse der Struktur der Sprache mit seiner Theorie des kommunikativen Handelns aus dem Jahr 1981. Durch eine kreative Aneignung der sprachphilosophischen Strömungen des 20. Jahrhunderts entwirft er eine pragmatische Theorie der Bedeutung, die die Einseitigkeiten ihrer Vorgänger zu korrigieren verspricht. Nicht das Wort, nicht der Satz, sondern die an andere adressierte Äußerung gilt Habermas als die grundlegende Einheit sprachlichen Sinns.“

Haben Sie das begriffen?
Ich nicht!
Das stammt von einem gewissen Martin Seel, der „als Vertreter der „dritten Generation“ der Frankfurter Schule“ etikettiert wird.

Aber lassen wir den Meister selbst zu Wort kommen:

„Die Sprachvermittlung des Weltbezugs erklärt die Rückbeziehung der im Handeln und Sprechen unterstellten Objektivität der Welt auf die Intersubjektivität der Verständigung zwischen Kommunikationsteilnehmern.“

Gaga?

Nein, Habermas!

Habermas´ Hauptwerk heißt: „Die Theorie des kommunikativen Handelns“ und zusammengefasst lautet Habermas´ philosophische Zentralthese: Die Welt ist kommunikatives Handeln!
Lässt man sich das durch den Kopf gehen, versteht man Günter Maschkes ätzende Bemerkung, dass die Habermas’sche Theorie »schnell, bequem und täglich durch die Abendnachrichten erledigt wird.«

Bei dem großen deutschen Philosophen Schopenhauer findet man dazu Folgendes – als hätte er Habermas bereits gekannt:


„Um nun den Mangel an wirklichen Gedanken zu verbergen, machen manche sich einen imponierenden Apparat von langen, zusammengesetzten Worten, intrikaten Floskeln, unabsehbaren Perioden, neuen und unerhörten Ausdrücken, welches (…) einen möglichst schwierigen und gelehrt klingenden Jargon abgibt. Man empfängt keine Gedanken, fühlt seine Einsicht nicht vermehrt, sondern muss aufseufzen: ›Das Klappern der Mühle höre ich wohl, allein ich sehe das Mehl nicht.

Der ganz gewiss bedeutende Philosoph Karl Popper geriet einst ins Visier von Adorno und dessen Zögling Habermas im Rahmen des sog. Positivismusstreits.
Popper benutzte diesen Streit, um sich „Gegen die großen Worte“ zu wenden und unterzog einzelne Äußerungen von Habermas seiner Deutung, mit Übersetzung ins Deutsche.
Popper zitiert dazu aus dem Faust:

„Mich drängt´s, den Grundtext aufzuschlagen,
Mit redlichem Gefühl einmal
Das heilige Original
In mein geliebtes Deutsch zu übertragen.“

Hier ein Auszug des Habermas´schen Schwulst in der Übertragung durch Carl Popper:

H.: Die gesellschaftliche Totalität führt kein Eigenleben oberhalb des von ihr Zusammengefaßten, aus dem sie selbst besteht.
P.: Die Gesellschaft besteht aus den gesellschaftlichen Beziehungen.

H.: Sie produziert und reproduziert sich durch ihre einzelnen Momente hindurch.
P.: Die verschiedenen Beziehungen produzieren irgendwie die Gesellschaft.

H.: Adorno begreift die Gesellschaft in Kategorien, die ihre Herkunft aus der Logik Hegels nicht verleugnen.
P.: Adorno verwendet eine an Hegel erinnernde Ausdrucksweise.

H.: Er begreift Gesellschaft als Totalität in dem streng dialektischen Sinne, der es verbietet, das Ganze organisch aufzufassen nach dem Satz: es ist mehr als die Summe seiner Teile;
P.: Er sagt daher (sie) nicht, daß das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile;

H.: Ebensowenig aber ist Totalität eine Klasse, die sich umfangslogisch bestimmen ließe durch ein Zusammennehmen aller unter ihr befaßten Elemente.
P.: Ebensowenig ist (sie) das Ganze eine Klasse von Elementen.

H.: die Totalität der gesellschaftlichen Lebenszusammenhänge…
P.: Wir alle stehen irgendwie untereinander in Beziehung …

H.: Theorien sind Ordnungsschemata, die wir in einem syntaktisch verbindlichen Rahmen beliebig konstruieren.
P.: Theorien sollten nicht ungrammatisch formuliert werden; ansonsten kannst Du sagen, was Du willst.

H.: Sie erweisen sich für einen speziellen Gegenstandsbereich dann als brauchbar, wenn sich ihnen die reale Mannigfaltigkeit fügt.
P.: Sie sind auf ein spezielles Gebiet dann anwendbar, wenn sie an wendbar sind.

Michael Klonovsky ätzte in diesem Kontext über Habermas:

„Sein Werk wurde in alle Weltsprachen übersetzt – außer ins Deutsche.

Gelingt es einem, mehr als zwei Sätze von Habermas zu lesen, darf man feststellen:
Es gibt sie also doch, die normative Kraft des Quasulatorischen, denn Habermas lieferte Vorlagen für den ganzen Soziologen-Kauderwelsch, das unverständliche Professoren-Geschwafel, das nicht nur die Geisteswissenschaften ergriff. Und die allermeisten Menschen, besonders die allermeisten Geisteswissenschaftler glauben, dass dahinter etwas besonders Geistiges, Tiefsinniges und Anspruchsvolles steckt – und kopieren das Gefasel.

Diskurs

Darüber meinte Eckhard Henscheid (in »Dummdeutsch«):

„Von J. Habermas zum Start der 80er-Jahre erfundener, eher trübsinniger Schnickschnack: Diskursethik, Diskurs über soziale Ungleichheit, Diskurs des Radikalen. Diskurstheorie des Rechts usw. usf.
Der Quatsch der akademischen 80er Jahre. Erscheint deshalb meist bei Suhrkamp.“

Historikerstreit

Habermas habe mehrere für das Geistesleben der Bundesrepublik wichtige Debatten angeregt – heißt es.

Meist durch Polemik und auf Unredlichkeit fußend und durchaus im Stil seines Lehrmeisters Adorno, der sich nicht selten durch Intriganz und als Charakterschwein auszeichnete.

Man denke an die Adorno/Horkheimer-Kontroverse, als im Jahr 1963 Golo Manns geplante Berufung als ordentlicher Professor an die sozialwissenschaftliche Fakultät der Universität Frankfurt am Main durch die »Kollegen« Max Horkheimer und Theodor W. Adorno verhindert wurde.
Habermas kroch da schon in der Schleimspur der Frankfurter Neo-Marxisten.

Die erlernte marxistische Intriganz und Hinterlistigkeit bewies er dann selbst im sog. Historikerstreit.
Die ganze Angelegenheit hier auszubreiten, würde zu weit gehen.
Es war eine öffentlich, wie auch fachwissenschaftlich geführte Debatte, die Habermas im Sommer 1986 mit einem Artikel in „Die Zeit“ (die schon wieder!) entfacht hatte. In seinem Beitrag griff Habermas führende Historiker der Bundesrepublik an.
Schließlich gelang es ihm mit Unterstützung durch gesinnungsbefreundete Historiker und die willfährige linke Presse, bedeutende deutsche Geschichtsprofessoren zu desavouieren, indem er ihnen vorwarf, sie nähmen „mit Hilfe historischer Vergleiche makabre Aufrechnungen“ vor, wie sie „bisher nur in rechtsradikalen Kreisen zirkulierten“, betrieben also „entlastenden Revisionismus“.
Einer der Habermas´schen linken Geisteslumpen, der Historiker Hans-Ulrich Wehler, »verplapperte« sich später und bekundete, es sei in diesem Streit um nichts anderes, als die „kulturelle Hegemonie“ gegangen.
Der Althistoriker Egon Flaig erneuerte vor einigen Jahren die Vorwürfe, Habermas habe Zitate verfälscht, Positionen dramatisiert und ohne Kenntnis ihrer theoretischen Voraussetzungen aus dem Kontext gerissen. Diese sonst dem „Lumpenjournalismus“ vorbehaltenen „Tricks“ hätten die Debatte absichtlich eskalieren lassen, in der sich Habermas zum moralischen Inquisitor aufgeschwungen habe.

Der englische konservative Philosoph Roger Scruton widmete u.a. auch Habermas ein Kapitel in seinem Buch „Narren, Schwindler und Unruhestifter“.

Nicht nur »moralischer Inquisitor«, nein, Habermas wollte sich gerne als der neue »Praeceptor Germaniae« – also: »Hauslehrer der Deutschen« – titulieren lassen, wenn nicht gar als „Praezeptor orbis terrarum“. Denn mit dem Deutschen hatte er es nicht so recht, was unschwer zu beweisen war.

Ein »Kompliment« möchte ich denn doch noch loswerden.
Mit einer Wortumkehrung seines angeblichen Anspruchs fasse ich zum Schluss etwas zusammen, was Habermas gleichwohl auszeichnete – mein Kompliment an den Verstorbenen:„Theorieprimat“ und „Praxisdefizit“
Wie es sich für einen echten Linken gehört.

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Der Untergang des PPP

Es wurde dankenswerterweise am Ort des früheren PPP in Pegnitz eine Stele errichtet, die an ein wichtiges Stück Pegnitzer Geschichte erinnern soll.
Zu meinem Beitrag auf FB „Der Posthalter – eine Elegie auf verlorene Gastlichkeit“ auf der Pegnitzer FB-Seite, aus meinen „Pegnitzer Miniaturen“ kam die Frage auf:

Warum wurde das einst so renommierte Posthotel in Pegnitz eigentlich abgerissen?“

Der Abriss, der Untergang des PPP stand am Ende einer sehr langen Entwicklung,
Der Grundbesitz der Familie Pflaum war in Pegnitz einst legendär. Er erlaubte, viele Jahre den Ausbau des Gasthofs zu einer „Destination“, welche den Brüdern Andreas und Hermann, der Familie Pflaum, mit ihren Ansprüchen genügen sollte. Und der Erfolg war stupend. Das PPP zählte schließlich zu den Spitzenhotels nicht allein in der Region, sondern gar für Deutschland in der Welt der Gastronomie.
Die 70er- bis in die 90-Jahre waren die „Boom-Jahre“, gastronomisch.
Aber nicht unbedingt wirtschaftlich gesehen.
Die finanzielle Zuführung aus den Grundstückserlösen und Wertzuschreibungen erschöpften sich und nicht nur einmal stand man vor der Insolvenz.
Schließlich waren mit Beginn der 2000er-Jahre Vertrauenswürdigkeit und Solvenz überzogen. Die „Hausbank“ der Pflaums, die Schmidt-Bank war selbst in Bedrängnisse geraten.

2007 musste das Hotel schließlich endgültig Insolvenz anmelden.
Es folgte eine Reihe unklarer Eigentümerwechsel: Verkauf an den ukrainischen Investor Jurij Salnikow; Insolvenz dessen Firma; Weiterverkauf an eine Briefkastenfirma (Recors Ltd.).
Unseriöse „Investoren“, die zunächst vorgaben, das PPP zu retten, erhalten zu wollen: doch es waren eiskalte Spekulanten.
Nicht nur deren Rolle, auch die Rolle der Bank(en) und der lokalen Politik waren in dieser Krisensituation für die Außenstehenden und die Betroffenen oft befremdend, erschienen nicht Wenigen kontraproduktiv.
Viele „echte Pegnitzer“ waren, wie ich mich erinnere, auch nicht so recht am weiteren Schicksal des PPP interessiert.
Der von der Presse so benannte „Weiße Ritter“ Winfried Stöcker, mein Schul- und Studienfreund, der „Milliardär von Euroimmun“ in Lübeck, nahm nach Analyse der wirtschaftlichen Gegebenheiten Abstand davon, für dieses Projekt in seiner früheren Heimatstadt zu investieren.

Die sogenannten Investoren aus dem Osten Europas begannen, das Inventar des PPP mit seinen Kunstschätzen und allem sonst systematisch auszuplündern.
Der Wert der Immobilie – ohne die ehemaligen Luxus-Suiten und historischen Bestände – gab mehr her für neue Immobilienprojekte – und so kam die Spitzhacke ins Spiel.

Das Grundstück war für neue Nutzung wertvoller als das alte Hotel.

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Angeeckt …

Da bin ich bei den „echten Pegnitzern“auf Fcebook wieder gewaltig angeeckt, da ich dieses Bauwerk für hässlich halte.
Da werde ich belehrt, dass sich Architektur weiter entwickelt und die Geschmäcker verschieden seien.
Ich solle meine Klappe halten.
Wurde bezüglich Ästhetik in Pegnitz auf „meinen“ Stern verwiesen (die langsam verrottende Heimstatt meiner Kindheit, die mir aber gar nicht gehört).
Usw.
Ich mag nicht spekulieren, was die heftigen Reaktionen ausgelöst hat.

Ob sich die Architektur weiter entwickelt hat, darüber kann man gleichwohl streiten. Und dass Geschmäcker verschieden sind, ist eine Binsenweisheit wie: „die Schönheit liegt im Auge des Betrachters!“

1919 wurde von Walter Gropius das „Bauhaus“ in Weimar als Kunstschule gegründet. Es sollte etwas völlig Neues darstellen: die Zusammenführung von Kunst und Handwerk. Das historische Bauhaus galt alsbald als die einflussreichste Bildungsstätte im Bereich der Architektur, der Kunst und des Designs im 20. Jahrhundert und als Heimstätte der Avantgarde der klassischen Moderne auf allen Gebieten der freien und angewandten Kunst und Architektur.
Gropius war Vorsitzender einer linken Vereinigung von Architekten, Künstlern und Intellektuellen – dem Arbeitsrat für Kunst, der den Anspruch hatte, die Novemberrevolution in den Bereich der Kunst auszuweiten. Man glaubte an die Notwendigkeit einer neuen Gesellschaft, und Ziel war es, die Trennung zwischen Kunst und Handwerk zu überwinden und eine (sozialistische) Gesamtumgebung zu schaffen, die angeblich für das Leben der Menschen geeignet war.

Die wichtigsten Protagonisten wie Gropius, Mies van der Rohe u.a. emigrierten in die USA und brachten ihre Kreierungen eines fragwürdigen, späteren „Weltkulturerbes“ auch dorthin.

Tom Wolfe, der verstorbene amerikanische Schriftsteller, Journalist und Dandy, der mit Verve gegen jegliche Hässlichkeit in der Welt anschrieb, ätzte in seinem Buch „From Bauhaus to our house“:
„Alteuropas Lasten schwappten über den Ozean. Nicht nur das Bauhaus wuchs in Chicago als „New Bauhaus“ in Richtung „Kathedrale des Sozialismus“, auch die Psychologen bekamen die „Pest“ der Psychoanalyse mitgebracht (nach der Inkubationszeit, die durch Freuds Besuch in den USA ihren Anfang nahm), auch musikalisch brachte Europa schwerstes Geschütz mit in Form von Arnold Schönbergs „Dodekaphonie“. Nicht zu sprechen von der Malerei, die die Amerikaner infizierte und vorbereitete für die künstlerische Machtübernahme nach dem Zweiten Weltkrieg.
… der herrschende Architektur-Stil im Babylon des Kapitalismus wurde der Soziale Wohnungsbau. Sozialer Wohnungsbau, wie er von einer Handvoll Architekten in den Verbünden inmitten der Trümmer Europas in den frühen Zwanzigerjahren entwickelt worden war, wurde nun hoch und breit aufgetürmt, in Form von Kunstgalerie-Anbauten, für altehrwürdige Ivy-League-Universitäten, Museen für Kunstmäzene, Eigentumswohnungen für die Reichen, Firmensitzen, Rathäusern, Landhäusern. Arbeiterwohnungsbau für jeden Zweck, außer für Arbeiter zum Wohnen.“

In puncto Ästhetik in der Architektur ist vor allem auch Roger Scruton eine großartige intellektuelle Quelle.

Dem Bauhaus ist die Kunst des Plattenbaus zu verdanken und die Termitenbauten zur sozialistischen Massenmenschhaltung a la Gropiusstadt in Berlin, Neuperlach in München, Killesberg in Stuttgart und viele andere Wohnreviere und sog. Trabantenstädte.
In den nach dem 2. Weltkrieg sozialdemokratisch regierten Großstädten Deutschlands wurde die gewiss vom „Bauhaus“ beeinflusste Kaufhof- oder Sparkassen-Architektur der 50er und 60er-Jahre bis in jüngste Zeit für die neu-deutsche Hässlichkeit auch vieler Innenstädte prägend.

Der oder die Architekten dieses angepriesenen Wohnreviers in Pegnitz folgten wohl der Bauhaus-Schule, betrachtet man die „Formgebung“ des Gebäudes.
Ist auch einfach mit Zeichen-Programm auf dem PC oder neuzeitlich mit KI zu erstellen. Sogar ich oder ein eingeschulter Schimpanse aus dem Frankfurter Zoo könnten das hinkriegen.

Da hatten die „neuen Häuser“ diese Arbeiter-Behälter der 30er-Jahre in Pegnitz mehr ästhetische Ausstrahlung als diese Fertigbau-Klötze.

Erstaunlich war, dass zum erwähnten Bauhaus-Jubiläum gerade in den dem modernistischen Zeitgeist verschriebenen Postillen kritische Töne aufschienen.
Die Süddeutsche titelte zur Bauhausarchitektur: „Wie ein Anfall von Würfelhusten.“
Und die Zeit schmähte eines der Dessauer „Meisterhäuser“: „Ein ungemütliches Angeberhaus … Richtiges und falsches Wohnen – richtig ist das Bauhaus, falsch sind Wohnküchen, verwinkelte Gassen, Blumentöpfe, die vor dem Haus auf der Straße stehen. Unordnung und Unübersichtlichkeit sind schlecht, Leere und rechte Winkel sind gut.“

Und wenn man sich mit dem „Zentrum“ einer fränkischen Kleinstadt als Standort beschäftigt, sind hier eigentlich typisch:
Satteldächer,
rote Ziegel,
kleinteilige Fassaden,
unterschiedliche Gebäudeformen,
Straßenräume mit Struktur.

Wenn plötzlich so ein glatter weißer Kubus mit einem weiteren, aufgesetzten Kubus auf dem Flachdach auftaucht, wirkt es schon wie ein Fremdkörper.

Besitzen heutige Architekten keine Kreativität mehr?

Wenn ich noch mal auf die Welt komme, werde ich Architekt und bescheiße meine Umgebung und die Auftraggeber.
Entweder mit Architektur „von der Stange“ oder von KI. Und stelle saftige Rechnungen!
Als in den 70er-Jahren in Pegnitz Turnhalle und Schwimmbad errichtet wurden, musste die Stadt erhebliche Summen besonders an den Architekten abdrücken. Dabei konnte man überall in den Landen bis auf den letzten Zentimeter identische Projekte von ihm schon längst bewundern.

Zum Glück wohne ich selbst in einem Haus, das noch einigermaßen Stil und Wohlfühl-Atmosphäre hat und in das „Weichbild“ des Ortes passt.

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