Halleluja – endlich ist der Sch… vorbei!

Ich lebe mit einer Frau zusammen, die Sport liebt.
Ich muss das anerkennen – und erdulden!
Sie lebt ihn, sie durchdringt ihn – am Fernseher.
Ich nicht!
Wenn im Fernsehen „Olympia“, und vor allem Biathlon übertragen wird (auch wenn sie sonst was gegen Schießeisen hat!)
Da läuft dann den ganzen Tag der Fernseher, ob sie schaut, hört – nicht schaut oder nicht hört: „Hauptsache der Fernseher ist an“, wie sie mal früher dagegen zu sagen pflegte!
Ich zieh mich in dann mein Kabuff zurück.
Das ist mein Raum. Mein Ort des Rückzugs, Denkens, Schreibens, Schweigens, mein „Saustall“…
Türe zu!
Aber das Sportgeschehen dringt dann doch durch jede Ritze.
- Das hysterische Gekreische von Reporter/innen bei von ihnen erhobenen Jahrhundertereignissen.
- Hirnlose Kommentare zu jedem Pups, den ein „Sportler“ oder „Experte“ fahren lässt.
- Die Vergewaltigung der deutschen Sprache, wenn die „Halfpipe“ oder „Cross-Line“ heruntergebrettert wird.
- Die penetrante Blechstimme einer ehemaligen Biathlon-Heldin, die jetzt jeden Tag ins Mikrofon röhren darf.
- Oder dieser nervige Ski-Experte mit seinem enervierenden Schweizer Dialekt, der ebenfalls jeden Tag seinen Quatsch auspressen darf.
- Usw., usw., usw. …
Das Fernsehen verwöhnte uns in dieser Zeit: mit wenigstens fünf Stunden Übertragung von „Curling“ täglich – was keine Sau interessiert, oder mit anderem sportlichen Tinnef. Aber auch mit einem Anflug von sonst im ÖRR verpöntem Nationalismus, wenn sechs Mal am Tag eine Siegerehrung mit Nationalhymne abgespielt wurde, wenn mal ein Deutscher „Gold“ gewann. Man machte auch nationale Hoffnung, auch wenn zu erwartende Versagensleistungen „unserer Athleten“ anstanden, oder eigentlich hoffnungslose Typen aus Deutschland in den Wettstreit traten.
Versagen und Hoffnungslosigkeit waren das Merkmal Deutschlands in der zurückliegenden sportlichen Auseinandersetzung. Wie es auch sonst für Deutschland gilt.
Ich habe vieles versucht: Einfach Türe zum „Übertragungsraum“ schließen; Musik anhören; mich in Podcasts über die innere Leere meines gegenwärtigen Daseins flüchten – natürlich mit Kopfhörer; Rufe in der Mediathek eine Folge „Barnaby“ auf.
Aber es hilft nichts.
9.00 Uhr bis 23.00 Uhr läuft die Glotze. Und wehe, ich mache eine kritische Anmerkung.
Und ich saß da und dachte: Könnte ich jetzt vielleicht auch mal die Steuerunterlagen ordnen, mein Schreibtisch-Chaos reduzieren. Oder was sonst Nützliches machen, das mich ablenkt? Und nicht Strom für den Computer abzieht …
Es gab aber auch was zu essen -von der Frau zubereitet.
Und trotzdem blieb dabei die Glotze eingeschaltet.
Manchmal denke ich, lebe ich wirklich schon mehr als fünfzig Jahre mit so einem Sportfan zusammen?
Doch! Denn wir reden dann doch manchmal noch zwischendurch miteinander.
Ist das die wahre Meisterleistung in einer Beziehung: Wenn man eine Hälfte eines Partners und seines Lebens nicht ganz versteht – aber trotzdem dann noch gern mit ihm lebt?












