Was gleicht wohl auf Erden … der deutschen Sprache

Ein Loblied auf unser Deutsch

„Wer die deutsche Sprache beherrscht,
wird einen Schimmel beschreiben
und doch das Wort „weiß“ vermeiden können.“
Kurt Tucholsky


Deutsch ist (neben Russisch) die am meisten gesprochene Muttersprache in Europa und gehört zu den zehn am häufigsten gesprochenen Sprachen der Welt.
Deutsch wird noch immer von gescheiten Völkern in den Schulen gegenüber anderen als zu erlernende „Fremdsprache“ bevorzugt. Dann, wenn es um die Wertigkeit der eigenen Sprache im Kontext zu anderen, wenn es um „Kultur“ geht. Nicht etwa wegen der geschmähten, historischen deutschen Kolonisierung des „Ostens“ hat Deutsch bei gebildeten Polen, Russen, bei Balten und Finnen eine unveränderte Geneigtheit. Nebenbei: Die erste dichterische und „Weltsprache“ der Juden war Jiddisch, ein deutscher Kulturdialekt.

Man meint, im Vergleich zu den romanischen Sprachen, die Deutsche Sprache sei „hart“. Wenn man mit ihr richtig umgeht, kommt sie sanft und melodisch daher. Nicht schnarrend, kommissmaulig, preußisch. Nicht umsonst ist denn das Oberdeutsche, die süddeutsch-österreichisch gefärbte Redeweise das bevorzugte Merkmal auf den Bühnen und in den „Lichtspielen“. Aber wie sagte Theaterdirektor Striese im „Raub der Sabinerinnen“ zu einer Bewerberin im besten Sächsisch und wer mag da nicht schmunzeln: „Sagen´se ma, sie sprechen so unnatürlich, sind se och beim Theater?“
Auch wenn sich die Hannoveraner auf ihr geschliffenes „Hochdeutsch“ etwas einbilden, der bedeutendste deutsche Sprachbildner und -Schöpfer, Martin Luther sprach gewiss kein Hochdeutsch, sondern einen Dialekt, den man wohl zwischen Sächsisch, Thüringisch und Fränkisch einordnen könnte. Und die „sächsische Kanzleisprache“ war die Schrift-Grundlage für das von Luther dann darauf aufgebaute „Hochdeutsch“ – besser gefällt mir „Oberdeutsch“.

Deutsch zu beherrschen, es in all seinen Facetten zu erlernen, ist nichts für Dumme oder Bequeme. Leider beherrscht Dummheit auch unser eigenes Land, Bequemlichkeit und Vergnügen werden als Lebensinhalt propagiert. So muss man hierzulande manchmal um unsere „hohe Sprache“ fürchten.
Die deutsche Sprache besteht aus etwa 5,3 Millionen Wörtern – das ist Weltrekord – und Tendenz steigend. Ein Drittel davon ist erst in den letzten 100 Jahren dazu gekommen. Das Deutsche kann auf 8-mal so viele Wörter zurückgreifen, als es im Englischen, der führenden Weltsprache gibt. Natürlich werden im Alltag viel weniger Wörter tatsächlich verwendet. Nur etwa 12.000–16.000 gehören zum aktiven Wortschatz einer Person, die Deutsch spricht. Davon sind etwa 3.500 Wörter Fremdwörter. Es gibt keine Sprache, die derart in der Lage ist, „moderne“, fremdländische Redewendungen – früher aus dem Französischen, heute aus dem Englischen – zu integrieren, ohne selbst seine Eigenart einzubüßen. Daran wird auch die zunehmende Verwendung von Unterschichten- oder Kanak-Sprache in den modernen Medien nichts grundlegend ändern.
Damit wird sie aber nicht mehr zu einer „Lingua Franca“ wie Englisch werden. Einst war Deutsch dies in der naturwissenschaftlichen Forschung und in der Philosophie. Wie vormals Französisch in der Diplomatie und als Sprache der Fürstenhöfe.
Dem Bedeutungsverlust kann man nachtrauern, aber es bleibt uns dieser riesige Kosmos einer Sprache, die beispielgebend war und ist für Geisteskraft und Schöpfertum. Und wer z.B. in der klassischen Musik eine internationale Karriere anstrebt, da etwas erreichen will, kommt auch heute noch an Deutsch nicht vorbei.

Deutsch ist eine besonders reichhaltige Sprache. Durch die Möglichkeit, Wörter zusammenzusetzen, wie zum Beispiel „Wehrdienstverweigerer“ oder „Weltmeisterschaftseröffnungsspiel“, ist unser Wortschatz theoretisch unendlich groß. Aufgrund dieser Wortzusammensetzungen lassen sich auch Mehrdeutigkeiten hervorragend ausdrücken, wie zum Beispiel „Geisterfahrer“ oder „Gedankenfreiheit“.
Mark Twain war der deutschen Sprache in Hassliebe verbunden und äußerte ätzend:

„Meine philologischen Studien haben mich davon überzeugt, dass ein begabter Mann Englisch (ausgenommen Rechtschreibung und Aussprache) in dreißig Stunden lernen kann, Französisch in dreißig Tagen und Deutsch in dreißig Jahren. Es liegt also auf der Hand, dass die letztgenannte Sprache gestutzt und ausgebessert werden muss. Wenn sie so bleiben sollte, wie sie ist, müsste man sie sanft und ehrerbietig bei den toten Sprachen absetzen, denn nur die Toten haben Zeit, sie zu lernen.“

Seinen Respekt und auch Sympathie für die deutsche Sprache brachte Twain aber dann dadurch zum Ausdruck, dass er auf dem Grabstein seiner 1904 verstorbenen Frau Olivia den deutschen Spruch: „Gott sei Dir gnädig, O meine Wonne“ eingravieren ließ.

Ich habe mir zur täglichen Erbauung einen Abreißkalender (Englisch: „Tear-off calendar“, Französisch: „Calendrier de détachement“, Italienisch: Calendario a strappo, Polnisch: „Kalendarz z możliwością odrywania“) zugelegt: „Mit dem Grimmschen Wörterbuch durchs Jahr“. Kann ich nur empfehlen; oder das ein oder andere Mal auf der digitalen Ausgabe des „Deutschen Wörterbuchs von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm“, dieses umfangreichsten Wörterbuches einer Kultursprache nachzuschauen:
http://woerterbuchnetz.de/cgi-bin/WBNetz/wbgui_py?sigle=DWB
Eine Reise – nicht nur zurück – in das wunderbare Universum unserer unvergleichlichen Sprache. Und gleichzeitig ein Lehrstoff nicht nur für Sprach-Geschichte.
Die deutsche Sprache wird jegliche Verhunzung durch „gerechte“ oder gegenderte Sprache überstehen. Wir müssen sie nur pflegen und „polieren“.

Ein „emoji“, ein „Bildsymbol“ auf einer virtuellen Schreibmaschine anzuklicken, bei den neuen, vielfältigen Boten-Diensten, ist einfacher, als sich Gedanken über ein treffendes Wort zu machen.
Altmodische Leute wie ich, schreiben noch für Belangreiches, das sie Familienmitgliedern, Freunden oder anderen wichtigen Menschen mitteilen möchten, noch mit einem altmodischen Schreibgerät per Tinte auf erlesenes Papier, „kuvertieren“ und versehen dies mit einem Postzeichen und bringen es selbst zu einem dieser gelben Kästen – welche es hoffentlich auf ewig geben möge. Das ist angesichts von „Email“, „Whatsapp“, „Twitter“ etc. „Zeitverschwendung“ – möchte man meinen.
Ja, es dauert länger, bei dieser Art der altertümlichen Verständigung das passende Wort, die zutreffende Ausdrucksweise zu finden.

Ich danke meinem Schöpfer, dass er mir in meinem Alter das Gedächtnis erhalten hat. Und es ist anscheinend ein Gottesgeschenk für das Alter, dass vermeintlich Vergangenes immer deutlicher in der Erinnerung aufscheint. Ich kann nicht mehr die einst in der Schule oder durch einen Vortrag meiner Mutter kennengelernten, teilweise auswendig gelernten Gedichte wortwörtlich wiedergeben – “rezitieren“ wie man sagt. Eine Leistung, die ich bei meiner Mutter und dem ein oder anderen älteren Freund und Mentor bewundern konnte. Die Worte, der Klang und der melodische Fluss, die Musik der Muttersprache und deren Wörter, die man mir vermittelte, sind unvergessen.
Ich hatte das Glück, eine ausgezeichnete Schule besuchen zu können, mit vortrefflichen Lehrern. Und Glückspunkte in meiner Erinnerung an die einstigen Belehrungen sind die Texte, Lyrik oder Prosa, die uns damals im Deutschunterricht vermittelt wurden. Womit eine Saat gelegt wurde, die lebenslang Früchte trägt.

Ein umfangreicher Anteil unserer nicht gerade kleinen Haus-Bibliothek – meiner und die meiner Frau – enthält jede Menge von Bänden unserer Klassiker. Und vor allem auch Gedichtbände: von Gryphius bis Brecht, von Johann Christian Günther bis Rainer Kunze (Zwei, welche ich besonders schätze), von Walther von der Vogelweide bis Rainer Maria Rilke. Natürlich Goethe, Heine, Schiller, Trakl, Benn und vieles mehr von diesen wunderbaren Brunnen unserer Sprache.
Welches ist mein Favoriten-Gedicht? „Der Leopard“ von Rilke? „Die Bürgschaft“ von Schiller, Goethes „Ein Gleiches“? Ich habe mal drei wunderbare Gedichte ausgesucht:

Wie klein wird man, wenn man für eine verzweifelte Liebe nach kunstvollen Worten sucht und findet sie hier – bei Johann Christian Günther, dem jung verstorbenen Barockdichter:

Bis die schwere Zunge stammelt,
Bis mich ein gedrungnes Haus
Zu der Väter Beinen sammelt,
Sprech ich deinen Namen aus;
Deine Schönheit, dein Gemüte,

Deine Tugend, deine Güte
Soll mit mir zu Grabe gehn.
Dich nur nochmals zu umfangen,
Will ich, wenn die Welt vergangen,
Wieder rüstig auferstehn.

In meiner altersphysiologischen Sentimentalität kommen mir die Tränen, wenn ich „Mondnacht“ von Joseph von Eichendorff lese oder höre.

Es war, als hätt der Himmel
Die Erde still geküsst,
dass sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müsst.
Die Luft ging durch die Felder,
die Ähren wogten sacht,
es rauschten leis die Wälder,
so sternklar war die Nacht.
Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
flog durch die stillen Lande,
als flöge sie nach Haus.

Und mir gefällt sie, diese kontrovers gesehene „Kinderhymne“ von Bertold Brecht, die manche gerne als neue Nationalhymne ausweisen wollten. Ein wunderbarer – patriotischer – Text in unserer wunderbaren Sprache:

Anmut sparet nicht noch Mühe
Leidenschaft nicht noch Verstand
Daß ein gutes Deutschland blühe
Wie ein andres gutes Land.

Daß die Völker nicht erbleichen
Wie vor einer Räuberin
Sondern ihre Hände reichen
Uns wie andern Völkern hin.

Und nicht über und nicht unter
Andern Völkern wolln wir sein
Von der See bis zu den Alpen
Von der Oder bis zum Rhein.

Und weil wir dies Land verbessern
Lieben und beschirmen wir’s
Und das Liebste mag’s uns scheinen
So wie andern Völkern ihrs.

Man lese auch mal wieder Heinrich Kleists „Michael Kohlhaas“.
„Der Kohlhaas“ war für mich ein erster Einsteig in allerhöchst-deutsche Prosa, eine bis dahin nicht gekannte Sprachvirtuosität, die Bilder im Kopf erzeugen kann, wie es nicht einmal im Film gelingt. Was eine Fuge von Bach in der Musik bewegen kann, ist diese Novelle von Kleist in der Sprache.

Ich hänge anscheinend nur einer vergangenen Vervollkommnung unserer Sprache an. Gehört „höchst-Deutsche“ Prosa nach meinem Verständnis seit Friedrich Nietzsche, seit Thomas Mann – so bange ich – der Vergangenheit an? Und bin so auf der Suche nach gegenwärtigen großen Reden, Aufsätzen, Erzählungen in unserer Sprache. Haben wir nicht so viele, aber möglicherweise vom journalistisch geprägten Denkart sich unterdrückend lassende Talente? Glaube ich doch.

Ich bin kein Literat, kein gelernter und damit vielleicht auch kein verdorbener Journalist. Nur ein Dilettant der Sprache und der „Schreibe“, aber zumindest ein Enthusiast für meine – unsere – deutsche Sprache und Literatur.

Natürlich verstoße ich rein sachlich bei der Abfassung dieses Artikels gegen eines meiner alten Prinzipien. Nicht mit einem edlen Schreibgerät habe ich das – vielleicht mit Tinte in Königsblau, auf Papier in mein Tagebuch geschrieben, sondern bequem an meiner „Apfel-Rechenmaschine“ verfasst, in die Tasten gepocht und es der angeblichen Unsterblichkeit im „Welt-Netz“ übergeben. Zumindest verbleibt der so immens wichtige Impuls vom Sprachzentrum des Großhirns zu motorischen Kernen und Bahnen, dann zur Hand und den Fingern – und zurück.

Ich strenge mich an, für meine Leser angeblich Vergangenes nicht vergehen zu lassen. Wie in diesen großartigen Essays von Gerd-Klaus Kaltenbrunner über den „Geist Europas“.
Mein „Grimmscher Wörterbuch-Kalender“ hat mich zu Schluss-Sätzen in alten deutschen „Redeblumen“ angeregt:
Denn so sitze ich wieder einmal krüppelkrumm vor der Gerätschaft, mittelst deren ich schreiben tue. Nicht trübetümpfelig kalendere ich darüber nach, ob ich kunstwörteln soll, Eiszapfenworte verwenden, um treuwohlmeinlich keine Auslachenswürdigkeiten von mir zu geben – oder, um auch Fitznasen zu beeindrucken. Lasse ich mich nicht vom Wintergewölk beeindrucken, das seit langem vor meinem Fenster aufstiegen ist. Die Leute sollen wissen: ein Muscheldasein oder ein saumseliger Honigschlummer im Faulbett waren sind nicht meins. Darum mögt ihr mein Firlefanzen ertragen und wobei ich hoffe, dass meine Gedankenarbeit, die ich manchmal schnabelschnell verbreite, nicht ein Quälodram ist.

„Pfui allen häßlichen Gewerben, an denen Wort und Wörter sterben“.

Friedrich Nietzsche

Wie kann ich anders, als zum Schluss noch mal in meinen deutschen Weltschmerz zu verfallen.
Es gibt eine unvergleichliche Symbiose von Dichtung und Musik – derart „artistisch“ ausgeprägt nur im Deutschen: das sogenannte Kunstlied.
Zu schöner Sprache gehört eine schöne Stimme und so hoffe ich die folgende kleine Auswahl erfüllt diesen Anspruch
„Pars pro toto“ portiere ich von Heinrich Heine geschaffene Gedichte, die dann von Robert Schumann in höchste Tonkunst überführt wurden, wie im Zyklus „Dichterliebe“.

Oder ins Volkslied:

Dann Matthias Claudius mit dem schönsten und versöhnenden Abendlied, das man sich vorstellen kann:


Schönste, ganz bestimmt unvergesslich schöne Gedichte, unter vielen anderen ausgewählt, lesen Sie in dieser kleinen Auswahl.

Ich reime mal die zweite Strophe unseres Deutschlandlieds verkürzend um:

Deutsche Worte, deutscher Sang,
müssen in der Welt behalten
Ihren schönen Klang!

Veröffentlicht unter Der Deutsche, Deutsche Sprache, Geschichte, Heimat, Konservatismus, Kultur, Kunst, Literatur, Musik, Notizen aus der Provinz, Sprache, Tradition, Welterbe | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | 2 Kommentare

Klassische Musik für jeden Tag – 30. Januar

Gabriele Faure´ (1845-1924)
Violinsonate Nr. 1 in A-Dur – 1. Satz
Veröffentlicht unter Musik, Musikkalender | Verschlagwortet mit , | Ein Kommentar

Klassische Musik für jeden Tag – 29. Januar

Richard Strauß (1864-1949)
Der Rosenkavalier – Terzett aus dem 3. Akt
Veröffentlicht unter Musik, Musikkalender | Verschlagwortet mit , | Schreibe einen Kommentar

Klassische Musik für jeden Tag – 28. Januar

Reynaldo Hahn (1874-1947)
Hansons grises – L´Heure exquise
Veröffentlicht unter Musik, Musikkalender | Verschlagwortet mit , | Schreibe einen Kommentar

Wendehälse oder Lügenmäuler

„ … Doch sagt, was soll nur aus euch werden?
Was für unruhige Gebärden?
Wo wollt ihr hin? Begebt euch fort! …
Ich sehe, jener Chorus dort
Macht euch zum Wendehals.“


Goethe, Faust II

Welcher „Chorus“ möchte einen zum Wendehals machen?

In fast aller Munde war dieser Begriff zur Zeit der „Wende“ 1989. Da gab es etliche, die ihre Gesinnung vor dem Hintergrund des zusammenbrechenden sozialistischen Systems schleimig und passend zur sich rasch ändernden politischen Lage anpassten.
Nach einer Wikipedia-Definition steht Wendehals auch für eine Person, die sich überraschend gegen Umstehende wendet, denen sie zuvor noch beigestanden hat. Bedeutungsgleich für einen bedenkenlos sich anpassenden Menschen vulgo „Heuchler“.

Wie komme ich jetzt zur Auseinandersetzung mit dem „Wendehals“?

Seit einiger Zeit fällt mir auf, dass das vormals so regierungstreue und Merkel-affine Blatt „Die Welt“ offensichtlich eine Wende eingeleitet hat. Nichts mehr mit Lobhudelei und Rechtfertigungskommentaren zu Regierungsmaßnahmen im Zusammenhang mit Corona, sondern kritische oder „generalpräventive“ Artikel zur politischen Entwicklung. Was hat zu dem Gesinnungswandel geführt? Zickenkrieg zwischen Friede Springer und der vormaligen Busenfreundin Angela? Einschleimtaktik bei einer wachsenden Opposition im Volk – bei sinkenden Auflagezahlen?
Oder irre ich mich nur?

Dann dieser Artikel von Cora Stephan bei „Tichy“ über ein plötzliches Einvernehmen mit Heribert Prantl.
Sie könne sich „nicht daran erinnern, mit Heribert Prantl in den vergangenen dreißig Jahren je einer Meinung gewesen zu sein. Doch seit einigen Wochen stehen wir gemeinsam auf der Barrikade der Freiheitskämpfer gegen das Alternativlosregime der Kanzlerin.“ schreibt sie.
Wer oder was hat sich da gewendet?
Prantl, der linksliberale Einsülzer erkennt plötzlich, etwas als alternativlos zu bezeichnen, sei ein Armutszeugnis. Sie schreibt:

„Und Prantls Kritik an Entscheidungen am Parlament vorbei, in Kungelrunden von Kanzlerin und Ministerpräsidenten, von denen im Grundgesetz nichts steht? Absolut d’accord. Ebenso seine Kritik an Journalisten, die sich an der Panikpandemie beteiligen und an Juristen, die fein stillehalten, wenn alternativlos verkündete „Maßnahmen“ die Grundrechte verletzen.“

Und Cora Stephan weist in ihrem Artikel auch auf die wundersame Wendung der WHO in der Pandemie-Einschätzung hin:

„…verkündet die WHO am 20. Januar 2021, pünktlich nach der Inauguration von Joe Biden, was man bei den Alternativen zum publizistischen Mainstream schon länger weiß: Die weltweit zum Aufspüren von Infektionen mit Covid 19 verwendeten PCR-Tests sind dazu nicht geeignet. Auf diesen „Zahlen“ (von positiven Tests, nicht aber von Infektionen oder Erkrankungen) aber beruhen sämtliche „Maßnahmen“. „Alle auf der Annahme einer Infektiosität nur wegen irgendeiner positiven PCR-Testung beruhenden Grundrechtsverkürzungen ermangeln einer rechtlichen Grundlage“ …“

Ich will jetzt keine, auch „tiefenpsychologisch fundierte“ Erörterung der Gründe für derartige Wandlungen – z.B. beim Heribert – aufmachen, welcher „Chorus“ aus der Faust´schen Fragestellung dabei vermutet werden könnte.

Ich bleibe mal bei den Personen.

Als der Wendehals schlechthin, auch unter nicht erkennbaren Veränderungen in zugrundeliegenden Gegebenheiten, kommt uns der „Drehofer“ in den Sinn. Horst Seehofer, der bundesrepublikanische Wendehals der letzten Jahrzehnte schlechthin. Sei es als Gesundheitsminister, als Ministerpräsident von Bayern, als Vorsitzender der CSU oder jetzt als Innenminister unter Merkel. Die Drehfreudigkeit in seinen Entscheidungen und Verlautbarungen geht über das hinaus, was Adenauer einst als Grundsatz seiner Kommunikation formulierte: Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern.
Einmal führt er die Merkel in peinlicher Weise vor, dann ist er nur noch in derer Kohlrausch´schen-Falte zu finden. Einmal mimt er den knallharten Grenzer, dann läßt er seine christ-soziale Moralität entscheiden. Die Wendemanöver von Seehofer sind sattsam bekannt und brauchen hier auch nicht noch weiter ausgebreitet werden.

Es gibt im Deutschen das Sprichwort „Wie der Herr so das G´scherr!“.
Ist Seehofer das „G´scherr“, so ist denn Kanzlerin Merkel sein „Herr“.
Man möchte Merkel offiziell nicht als Wendehals bezeichnen – eine Majestätsbeleidigung, sondern bezeichnet sie als fast „genialische“ Weltmeisterin der Anpassung.
Dabei ist ihre Karriere von zahllosen, fast als paradox anzusehenden Wendungen geprägt.
Von der kommunistisch gemodelten FDJ-Sekretärin zur Bürgerrechtskämpferin. Von der nüchternen Naturwissenschaftlerin – Physikerin – zum „Seelenknödel im Hosenanzug“. Von „Kohls Mädchen“ zu dessen Meuchlerin. Von der Markt-Liberalen zur Staatsinterventionistin. Von der Atom-Lady zur grünen Aussteigerin. Von der Flüchtlings- zur Abschottungskanzlerin. Und so weiter und so fort …
Wendehals oder Lügenmaul? Vom Anatomischen her denkt man bei dem verfetteten Kurzhals und Doppelkinn von Merkel nicht an diesen schlankhalsigen Vogel*, welcher der Sache den Namen gab; von der Psychologie her pendelt man sich bei Personen wie Merkel auf das Lügenmaul ein.

Die aktuelle und zu erwartende Entwicklung vor, mit und nach Corona wird uns noch manche Wendehälse bescheren – in der Politik ganz gewiss, in der Wissenschaft unter den „Experten“ auch ganz sicher; und im Volk auch ganz bestimmt – ganz nach Opportunität bei „panem et circenses“.
Ganz gewiss werden uns weiterhin Lügenmäuler begleiten, bis ans Ende der Zeit …


___________________________


  • Diesbezwecks noch eine schöne Definition aus dem Grimm´schen Deutschen Wörterbuch:
    „… kann den hals, der zierlich lang ist, um und um drehen und fuehret ein klaegliches geschrey, welches mehrentheils bey der wettervaͤenderung geschieht.“
Veröffentlicht unter Bosheiten, Bunte Republik, Demokratie, Der Deutsche, Eliten, Kriminalität, my daily hatespeech, Politiker, Staat und Gesellschaft, Zeitgeist | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | Ein Kommentar

Klassische Musik für jeden Tag – 27. Januar

Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
Sinfonie Nr. 41 C-Dur (Jupiter Sinfonie) – 4. Satz
Veröffentlicht unter Musik, Musikkalender | Verschlagwortet mit , | Schreibe einen Kommentar

Blasphemisches

Drei (un)christliche Gebete in Coronazeiten

Ich weiß, dass ich mich damit versündige. Aber meine Neigung zu frevlerischen Umdichtungen von Texten jedweder Art hat mich nun zu den drei Hochgebeten unseres christlichen (katholischen) Glaubens geführt.
Der Herr im Himmel möge mir verzeihen, dass ich ausgerechnet sein Gebet als Erstes verschandele.

Mutti unser in Berlin,
hochgeehrt werde dein Name.
Denn Dein Reich ist uns gekommen.
Dein Wille geschieht,
wie in Berlin so auch in Thüringen.
Unsere tägliche Hiobsbotschaft gib uns heute.
Und vergib uns unsere Zweifel,
wie auch wir doch vergeben sollten den Zweiflern.
Denn Du führst uns nicht in Versuchung,
sondern erlöst uns von Corona.
Denn Dein ist der Drosten, der Spahn
und die Macht, und wie‘s aussieht: in Ewigkeit.
Amen.

Im Katholischen folgt dem „Vater-unser“ in der Regel das „Gegrüßet seist Du“, was den Evangolen und Reformierten fremd wurde. Aber vielen – z.B. einem Bedford-Strohm oder einer Käßmännin – könnte sich das nicht nur zum stillen Nachtgebet eignen:

Gegrüßet seist du, Angela, voll der Weisheit, der Wähler ist mit Dir. Du bist gepriesen unter den Emanzen, und gepriesen sei der Ausbund deiner Mühen, Ursula.
Unübertroffene Mutti der Wiedergutmacher, beehre uns weiter, nicht nur in der Stunde des Lockdowns. Amen

Früher betete ich das katholisch(apostolisch)e Glaubensbekenntnis, das durch das „christliche“ ersetzt wurde. Das ist sehr umfangreich.
Die Shahada, das muslimische Bekenntnis ist vergleichsweise kurz und beschränkt sich auf einen Satz: „Es gibt keinen Gott außer Allah und Mohammed ist sein Prophet“ was man ganz einfach umformulieren kann: „Es gibt keinen Gott außer der Regierung und Merkel ist ihr Prophet.“
Das folgende, modifizierte (christliche) Glaubensbekenntnis, könnte vielleicht gar die Zustimmung der Evangolen-Bischöfe wie auch der katholischen Hohepriester Bätzig, Marx und Schick bekommen:

Ich glaube an Angela,
die Mutti, die Allmächtige,
die Schöpferin des besten Deutschlands, dass es je gab – und der Energiewende.

Und an Christian Drosten,
ihren Sohn im Geiste, unsern Gebieter der Viren,
empfangen durch ehrwürdige Wissenschaft,
geboren aus der Charite´,
gelitten unter Schweinegrippe und fehlender Doktorschrift,
aber weder gekreuzigt, gestorben noch begraben,
nicht wirklich hinabgestiegen in das Reich der Verunsicherten,
bei der „zweiten Welle“ denn wieder erstanden
und erneut aufgestiegen in den Himmelsdom der Bundespressekonferenz.
Dort sitzt er zur Rechten Angelas,
der allmächtigen Mutti;
Und dort wird er wohl bleiben,
zu richten die Leugner von Corona: künftige und bereits tote.

Ich glaube an Jens Spahn,
an das großartige deutsche Gesundheitswesen,
die Gemeinschaft der Experten,
an die Heilung von Corona durch Impfung,
wenn schon nicht an die Auferstehung der Toten,
so doch an das ewige Leben, versprochen durch Medizin und Wissenschaft.
Amen.

Veröffentlicht unter Blasphemie, Blog Spezial, Bosheiten, entkreuzte Ökumene, Kirchen, my daily hatespeech, Satire | Verschlagwortet mit , , , , , | 3 Kommentare

Klassische Musik für jeden Tag – 26. Januar

Elena Kats-Chernin (1957*)
Unsent Love Letters
Veröffentlicht unter Musik, Musikkalender | Verschlagwortet mit , | Ein Kommentar

Klassische Musik für jeden Tag – 25. Januar

My love is like a red rose
Traditionelle Weise aus Schottland
Veröffentlicht unter Musik, Musikkalender | Verschlagwortet mit , | Schreibe einen Kommentar

Was ist systemrelevant, was entbehrlich?

Eine kritische Berufsschau


Welche Berufe fallen uns spontan ein, unter dem Aspekt der gegenwärtigen „pandemischen Krise“ – Berufe, die uns unentbehrlich erscheinen?
Ärzte, Pflegepersonal, Viren- und Arzneimittelforscher, Verkaufspersonal im Lebensmittelhandel, Apotheker, Landwirte, Post- und Versorgungsdienste, Handwerker, Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst!
Nicht vorkommen bei dieser Erwägung – zumindest bei mir: z.B. Journalisten, Sportler, Schauspieler, Models, Geisteswissenschaftler jeglicher Provenienz, Anwälte, Banker, Betriebswirtschaftler.
Jeder mag diese Aufzählung noch aus seiner Sicht ausbauen, aber ganz gewiss gibt es Berufe, die man überhaupt nicht entbehren möchte, auch nicht in normalen oder „Friedens-Zeiten“.
Apropos Friedenszeiten: In den kritischsten Zeiten, welche z.B. unser Volk zuletzt erdulden musste, wie in den letzten Jahren des Weltkriegs II, waren z.B. Virologen oder Arzneimittelforscher wohl vielleicht nicht so wichtig. Aber es ist ja nicht so, dass das Leben damals ganz auf „zero“ gefahren worden war und die Industrie produzierte trotz Bombenterror in erstaunlicher Masse „kriegswichtige“ Güter: Panzer, Bomben, Fahrzeuge, U-Boote, Gewehre und Kanonen. Das war für die Kriegsparteien gewissermaßen „systemrelevant“. Restaurants, Läden, Kinos, Theater, Friseursalons – auch alles das war offen, wurde also irgendwie auch als „systemrelevant angesehen.


Die „systemrelevanten Berufe“ 2021

Die Berliner Senatsverwaltung hat, um vordergründig den Anforderungen aus dem Seuchengesetz zu genügen, eine Liste „systemrelevanter Berufe“ herausgebracht, die man auch hier findet:

• Beschäftigte der Energie- und Wasserversorgung
• Beschäftigte in der Lebensmittelversorgung und des Lebensmittelhandels
• Beschäftigte der Informationstechnik und Telekomunikation
• Beschäftigte in der medizinischen Versorgung
• Beschäftige der Arzneimittelproduktion
• Mitarbeiter in Pflege, Laboren und in der Hygiene
• Mitarbeiter von Forschung und Entwicklung in der Medizin
• Mitarbeiter in der frühkindlichen Bildung
• Mitarbeiter in Lehre und Forschung (Universitäten)
• Bankangestellte, die die Versorgung aufrechterhalten
• Mitarbeiter von Versicherungen und Versorgungskassen
• Mitarbeiter der Luftfahrt, Binnenschifffahrt, Schienenverkehr, Straßenverkehr, Logistik
• Mitarbeiter von Brief-, Paket-, Express- und Kurierdiensten
• Mitarbeiter von Medienunternehmen (Journalisten)
• Mitarbeiter der Abfallwirtschaft
• Mitarbeiter der Exekutive (z. B. Polizei), Legislative (Parlament), Judikative (Vollzug)
• Mitarbeiter von Handwerkernotdiensten oder Beratungsstellen

Ich nehme dies einmal unter die Lupe – von unten nach oben gehend.

  • Handwerkerleistungen werden nur im Sinne von „Notdiensten“ als wichtig erachtet. Nix Wohnung streichen lassen o.ä.?
  • Beratungsstellen wofür? Werden wir nicht schon rund um die Uhr „beraten“ vom RKI, den Herren Drosten und Spahn, mittels Extrasendungen und Zeitungen, einschließlich der Apotheken-Rundschau – wenn man es sich denn gefallen läßt.
  • Mitarbeiter der Exekutive = Polizei wünscht man sich besonders in der Krise. Die oberste Staatsgewalt: um Renitenz gegen das Verordnete schon im Keim zu ersticken, um verspätete Heimkehrer oder -Fahrer zu kontrollieren, Rentner von Parkbänken zu verjagen, verpetzte Home-Partys aufzulösen. Sogar der Bürger möchte schon mal einen Schupo in alter Prägung sehen, unabhängig von Corona-Dekreten: am Bahnhofsvorplatz oder patrouillierend im nächtlichen Park, nicht nur im Falle von Berlin bei den Drogenumschlagplätzen im öffentlichen Raum, beim Zugriff gegen linke, rechte und fremdländische Chaoten, die ganze Stadtviertel mit Spektakel und Nötigung überziehen.
  • Mitarbeiter oder Angehörige der Legislative – wenn sie denn nur ihr verfassungsgemäß gebotene Funktion wahrnehmen würden: auch der Exekutive mal in den Arm zu fallen, diese zu kontrollieren und nicht tumb deren Verfügungen abzusegnen. Wenn Parlamentsabgeordnete ihr eigentliches und auch unabhängig gebotenes Mandat nicht ausüben: überflüssig und nicht systemrelevant!
  • Mitarbeiter der Abfallwirtschaft – „Dullenramer“ wie der Nürnberger sagt – braucht es schon, wenn die gelbe Tonne vom Einweg-Verpackungsmüll überquillt und das Zeug muss ja verbrannt oder ins Ausland verschickt werden.
  • Mitarbeiter von Medienunternehmen = Journalisten sind überwiegend „systemrelevant“ für die Staatsorgane, um deren Bekanntmachungen und Dekrete dem Volk zu verkaufen. Nicht umsonst war das Propagandaministerium von Goebbels unter den Nazi die wichtigste, da System-erhaltende Institution.
  • Mitarbeiter von Brief-, Paket-, Express- und Kurierdiensten haben in allen Situationen eine relevante Funktion. Wer bringt die bei Amazon, Zolando etc. erstandenen nicht unbedingt lebenswichtigen Produkte, die man im Lockdown sonst nirgendwo mehr erstehen kann, ins Haus? Die Rechnungen, Bescheide usw., die dank digitaler Versorgungslücken noch als „Hardware“ ausgeliefert werden müssen. Aber auch der noch „haptische“ verfasste Brief oder Glückwunsch eines Freundes oder Angehörigen als Fühlungnahme mit einer fast verflossenen Welt.
  • Mitarbeiter der Luftfahrt, Binnenschifffahrt, Schienenverkehr, Straßenverkehr, Logistik – natürlich, nur auf deren Art und Weise gelangen fast alle „Lebensmittel“ in die Verteilungseinrichtungen wie Aldi, Lidl, Edeka, von Klopapier bis zum Hähnchenschnitzel, von Schnittblumen aus Übersee bis zu Avocado und Weintrauben aus Chile. Fernfahrer sind dabei in allen Zeiten relevant.
  • Sind Mitarbeiter von Versicherungen und Versorgungskassen auf jeden Fall „systemrelevant“? Nicht, wenn sie uns weiter unsinnige Versicherungen aufschwatzen wollen. Ganz persönlich halte ich inzwischen den Krankenkassen-Sachbearbeiter für überflüssig, der mir jedes Jahr einen höheren GKK-Krankenkassenbeitrag berechnet und abfordert – der bald ein Drittel meiner Rente ausmacht.
  • Bankangestellte, die die Versorgung aufrechterhalten: Versorgung mit Bargeld, das ist mir wichtig. Ansonsten sieht man auch in „Friedenszeiten“ kaum mehr einen Bankschwengel in den Schalterhallen – und zum Beschwatzen für eine fragwürdige Geldanlage kann ich auch auf diese Zeitgenossen verzichten.
  • Mitarbeiter in Lehre und Forschung (Universitäten) braucht es in der Krise zwingend allenfalls im medizinischen Bereich. All die Geistes- und Sozialwissenschaftler könnte man jetzt freistellen, Geld sparen für Sinnvolles, die Müßiggänger an das Arbeitsamt überweisen. Für eine rot-rot-grüne Berliner Stadtregierung mögen Soziologen, Politologen, Migrations- und Genderforscher vielleicht systemrelevant sein, für die Funktionsfähigkeit und das Überleben unserer Gesellschaft und den Staat gamz gewiss nicht.
  • Wieso sind nur Mitarbeiter in der frühkindlichen Bildung relevant? Kann da was versäumt werden – an früher Indoktrination und/oder Elternentwöhnung? Welche Art „frühkindlicher Bildung“ bedarf staatlicher Realisation? Ist Bildung und sind Lehrer im Grundschulbereich oder an weiterführenden Schulen weniger wichtig? Auf manche Lehrer, die sich zur Rechtfertigung von Arbeitsverweigerung hinter ihrer Gewerkschaft oder Lehrerverband verstecken, kann man bestimmt verzichten.
    Forschung und Entwicklung in der Medizin scheint auch bereits im Falle des eingetretenen Desasters nicht verzichtbar.
  • Aber ganz bestimmt kann auf Mitarbeiter in Pflege, in den Laboren und in der Hygiene nicht verzichtet werden. Hochgelobt vom Gesundheitsminister und den Medien als moderne Helden an der Kriegsfront gegen Corona. Doch über mündliche Anerkenntnis und scheinheiliges Sozial-Gesülze wird das wieder nicht hinausgehen. Wer weiß z.B., dass eine Altenpflegerin oder -pfleger in der Schweiz das Doppelte verdient als hierzulande? Dass andrerseits nichtsnutzige „Forscher“ und Theoretiker auch in diesem Umfeld das Zigfache nach Hause bringen! „Heldentum“ war in archaischen Zeiten meist mit dem Verlust des Lebens verbunden. Es wird heute noch mit heuchlerischer Verklärung versehen – und mit Gleichgültigkeit gegenüber den konkreten Lebens- und Verdienstverhältnissen dieser modernen „Helden“.
  • Arzneimittelproduktion erscheint unentbehrlicher denn je. Würde sie denn noch umfänglicher noch im eigenen Land betrieben werden und nicht in Bangalore oder Wuhan. Einige wenige High-Tech-Hersteller im Lande werden dazu benutzt, uns Sand in die Augen zu streuen und zu verschleiern, dass Deutschland als vormals weltweit führendes Land in der Arzneimittelforschung und -Produktion hinter manches Dritte-Welt-Land abgerutscht ist.
    Die beiden letztgenannten Punkte betreffen die medizinische Versorgung, sei es durch Pfleger, Ärzte, Pharmazeuten, Erzeuger von Arzneimittel und Impfstoffen und dazu will ich Wiederholungen vermeiden.
    Das gilt eigentlich auch für die letzten Punkte.
  • Beschäftigte der Informationstechnik und Telekomunikation braucht man wohl zu allen Zeiten. Vor allem wenn es – wie schon oben ausgeführt – um die Weiterverbreitung von Regierungsverlautbarungen – von der Angsterzeugung bis zu „Faktenchecks“ – geht. Aber natürlich möchten wir, dass unser Telefon zur persönlichen Kontaktpflege und -Austausch funktioniert. Das die Schaltung zur materiellen Weiterleitung von Bits und Bytes funktioniert, Knotenpunkte und Einspeisungsmasten angeschaltet bleiben und gewartet werden. Auch wenn eine gut gestaltet Tageszeitung über einen Austräger oder die Post verteilt und ein handgeschriebener oder getippter Brief zur Kommunikation ganz gewiss genügen könnten.
  • Bei den Beschäftigten in der Lebensmittelversorgung und des Lebensmittelhandels kommen wir zur zweiten „Helden“-Gruppe gegenwärtigen Verständnis´. Früher war es die „Tante Emma“, die uns im Dorf oder Stadtquartier mit dem Lebensnotwendigsten bis hin zu kolonialen Luxuswaren versorgte. Glücklich, wer noch einen Bauern kannte, von dem er frische Eier, Milch, Gemüse oder auch mal ein Schwein erwerben konnte. Der Bauer oder „Beschäftigte in der Landwirtschaft“ kommt expressis verbis in der Berliner Relevanz-Berufe-Liste nicht vor. Der Bauer ist ja nach rot-rot-grünem Verständnis eher ein Umweltschädiger und Bienentöter als der eigentliche Erzeuger von elementarer Bedeutung von Lebensnotwendigem zum Überleben. Wie der Strom aus der Leitung kommen die Lebensmittel nach Großstadt-Verständnis von Aldi oder Lidl, unter Umständen von der „Rügenwalder Mühle“ mit all dem synthetisch erzeugten Veggie-Dreck.
  • Energie- und Wasserversorgung sind zum Überleben so wichtig geworden wie die Lebensmittelversorgung. Wer holt sein Heizmaterial noch aus dem Wald oder sein Wasser vom Dorfbrunnen? Vielleicht nur solche „Spinner“, die man jetzt „Prepper“ nennt und seelenverwandt mit „Reichsbürgern“ sein müssen. Keiner will mehr in die frühen fünfziger Jahre auf dem Land oder ins vorletzte Jahrhundert zurück. Ohne Kühlschrank oder -Truhe könnten wir auch als „Prepper“ keinen Lockdown einigermaßen komfortabel überstehen. Also loben wir die Energieversorger, auch wenn der aus Wind oder Sonne erzeugte Strom manches Mal sogar unsere LED-Glühbirnen flackern läßt und wir für Strom bald soviel zahlen müssen wie für unser täglich Brot.

Entbehrliche Berufe?

Nach dieser ausführlichen Betrachtung könnte man auf eine Aufzählung von Berufen verzichten, die dir und mir als entbehrlich oder gar überflüssig erscheinen.
Journalisten, Sportler, Schauspieler, Models, Geisteswissenschaftler jeglicher Provenienz, Anwälte, Banker, Betriebswirtschaftler?

  • Über Journalisten habe ich mich schon ausgelassen. Ich kann es nur noch einmal wiederholen: Wir brauchen keine Claqueure und Lügenverbreiter im Auftrag der Obrigkeit. Und davon gibt es eindeutig zu viele. Ein Personal, das sich überwiegend aus dem Lumpenproletariat der Geisteswissenschaften rekrutiert. Aus Leuten, die ein brotloses Studium der Philosophie, Soziologie, Germanistik, Betriebs-, Volks- und Geschichts-“Wissenschaften“ hinter sich gebracht haben. (Dazu noch einmal später.)
  • Sportler? Wozu? Für „panem et circenses“ zur Ruhigstellung des Volkes? Als „Trainer“ und beispielgebendes Muster für ein zunehmend verfettendes, einer körperlichen Betätigung fernstehende Klientel? Brauchen wir obszön überbezahlte Lederkugeltreter, Filzball-Klopper oder geistlos Runden-drehende-Automobil-Kapazitäten? „Circenses“ sind gewiss nicht so überlebensnotwendig wie „panem“.
  • Und da kommen wir zu den Schauspielern und sonstigen – ich sage mal – auch etwas „halbseidenen“ Kulturschaffenden. Schauspiel, Theater und Zirkus sind ein Urbedürfnis des Menschen. Da wollen wir gar nichts herumdeuteln. Gab es keine „professionellen“ Komödianten, Barden, Gaukler etc. hat man sich selbst beholfen, im Familien- oder Nachbarschaftskreis. Aber die Verfeinerung und Perfektionierung in der Erschaffung und Darbietung dieser Dinge gehört einfach zum Menschen als Kulturwesen dazu und so wurden Berufe daraus. Wie mit so vielen Dingen ergab sich in Zeiten des Überflusses und der aufgehobenen Not auch ein Überfluss an Nichtigem in diesem Bereich. Ich will keine Kulturschelte daraus entwickeln. Aber was wir heute an sog. Promis aus diesem Metier vorgesetzt bekommen, bzw. was sich da „entwickeln“ konnte, ist mehr als überflüssig.
    Aber auf die Darbietung eines Shakespeare-Dramas in der Qualität wie von Kenneth Branagh oder Laurence Olvier oder des „Faust“ mit Gustav Gründgens geboten, möchte ich nicht verzichten, auch nicht auf eine Bach- oder Beethoven-Interpretation z.B. von Anne-Sophie Mutter, Jewgeni Kissin – pars pro toto.
    All die „Comediens“ und Possenreißer, die heute die „Unterhaltungs- und Kultur-Szene“ dominieren, können für mich den nassen Tod finden oder vielleicht besser, sich zu Alten- und Krankenpflegern oder auch zu Gärtnern und „Dulenramern“ umschulen lassen.
  • Gibt es etwas Überflüssigeres als diese Models, diese abgemagerten Ersatz-Kleiderständer mit künstlich aufgepeppten Visagen und krankhaften Bewegungsmustern; die nicht mal als Wichsvorlagen für pubertierende Knaben taugen? Da hat eine „Domina“ aus der Herbert-Straße in St. Pauli einen größeren Kultur- und Gesellschaftswert als diese verbogenen Gestalten aus dem Heidi-Klum-Unternehmensbereich.
  • Und so kommen wir zum Überflüssigsten des wissenschaftlich noch so Flüssigen, den Geisteswissenschaften – nicht nur, aber besonders in Krisenzeiten.


    Ich könnte mir mit dem Link auf https://www.danisch.de/blog/?s=Geisteswissenschaft alle weiteren Ausführungen sparen.
    Kaum einer hat sich als Blogger so wie Hadmut Danisch mit dem Nutzen bzw. Unnutz von Geisteswissenschaften auseinandergesetzt.
    H. Danisch ist Informatiker und vertritt vehement – zu Recht! – die Wichtigkeit der MINT-Fächer („Mathematik, Informatik, Natur- und Ingenieurwissenschaft und Technik“) in der Forschung und Nutzung für eine fortgeschrittene und zivilisierte Menschheit. In seinen Betrachtungen verweist H. Danisch sogar einmal auf die taz, die einstens schrieb:

„Naturwissenschaftler sind in normalen Zeiten eine stille Provokation für die Mehrheitsgesellschaft, weil sie das tun, was viele wollen. Sie gehen einer sinnhaften Beschäftigung nach und pfeifen darauf, was in der gehobenen Berufswelt sonst zählt: oberflächliches Sozialprestige, Blenden, Bluffen, Geld. Sie könnten, wenn sie wollen, ihre Intelligenz problemlos in ein viel höheres Einkommen ummünzen.
Naturwissenschaftler konzentrieren sich auf einen so altmodischen Wert wie Erkenntnisinteresse. Sie wollen wissen, warum die Dinge so sind, wie sie sind, und nicht so, wie wir sie uns wünschen.“

Kaum erwartete Einsichten aus einer links-versauten Redaktionsstube!

Was steht den in unserem Lande den vernachlässigten und desavouierten Naturwissenschaften gegenüber. In einem Land, das einstmals die Höchstzahl an Nobelpreisträgern in Medizin und Naturwissenschaften hervorbrachte und weltweit für seine Ingenieurs- und Forschungsleistungen bewundert und kopiert wurde.
Wir haben in Deutschland inzwischen etwa 10mal so viele Lehrstühle für Genderwissenschaften als z.B. für Pharmakologie. Und was bringt diese „Wissenschaft“ eigentlich?
Nochmal H. Danisch in seiner unvergleichlich drastischen Art:

„Was haben die in den letzten 20 Jahre gemacht?
Stichwort Gender: Wissenschaften, besonders Medizin und Biologie (die, die uns gerade retten) aufs Übelste beschimpft, alles nur frei erfundener Unsinn böser alter Männer, um Frauen auszugrenzen, Wissenschaft gäbe es gar nicht, Qualität sei ein Mythos und sonstiger Schwachsinn der übelsten Sorte.
Die Leute sind nicht nur dumm und verlogen am äußersten Ende jeder Skala, die ich gerade in meinem Werkzeugkasten finden würde, nutzlos und schädlich sowieso, sie unterwandern mit ihrer Hirnpest auch alles von Universitäten und Politik bis zu Demokratie, Verfassung und Bundesverfassungsgericht. Wir leisten uns ein eigenes Ministerium für Frauen und Dummheit, das Millionen dafür ausgibt, Fake-Professorinnen in die Universitäten reinzukaufen, damit die von innen heraus die Naturwissenschaften angreifen, verleumden, diffamieren, sabotieren.“

Sog. Geistes“Wissenschaftler“ dominieren das öffentliche Leben in unserer Bunten Republik: „Soziologen“, „Philosophen“, Historiker“, „Psychologen“ usw. In den Redaktionsstuben der „systemrelevanten“ Medien, und wie auch als „Volksvertreter“ in den Parlamenten oder in der Regierung. Meist mit nicht mal mit einem abgeschlossenem „Studium“ in der jeweiligen Disziplin: „eine dekadente korrupte dumme Bande rund um den Futtertrog“.

Und noch ein Phänomen: die zunehmende weibliche Dominanz in vielen Bereichen. Und wenn nicht gegeben, mit lautstarkem Geplärr nach „Geschlechtergerechtigkeit“ auftretend. Auch das ist evident.

„Völlig nutzlos, bringt uns (der Genderismus) gerade überhaupt nichts, aber eben Frauenwerk. Man wird den enormen Einfluss des Feminismus auf unsere Gesellschaft nicht leugnen können. Den Nutzen allerdings schon. Wir haben die letzten 20 Jahre, unzählige Posten und Stellen, viel Regierungsarbeit und etliche Milliarden völlig nutzlos für diesen Gender-Schwachsinn vergeudet, der sich gerade als komplett nutzlos herausstellt.
Wir haben über Jahre, ein ganzes Jahrzehnt, teils sogar mehr, das Prinzip verfolgt, dass Frau allein schon kraft ihres (gleichzeitig geleugneten) Geschlechts für Posten jeglicher Art qualifiziert sei und ohne jede Ausbildung, Berufserfahrung, Befähigung als „Quereinsteigerin” direkt auf den Posten kommen muss, weil Anforderungen und Qualität nur böses Männerwerk seien und jegliche Erwartungshaltung schließlich frauenausgrenzend und damit zu unterlassen sei. Man gefiel sich darin, in einer wirtschaftlichen Schönwetterphase das eigene Tun, Schaffen und Können darauf zu beschränken, den Pay Gap zu beklagen und gleiche Bezahlung einzufordern, sich aufs Fordern und Kassieren zu beschränken“.

Der Genderismus ist symptomatisch für die Degeneration unseres gesellschaftlichen und politischen Systems – und für unsere hinfällige Zukunftsfähigkeit. Symptomatisch ist nicht nur das „in-den-Vordergrund-Stellen“ und die Förderung besonders Schnatter-fähiger, gleichwohl inkompetenter Frauenspersonen in der „publikativen Gewalt“, in der Politik und vor allem im „Kulturbetrieb“. Die Flutung all dieser Bereiche mit sog. Abiturient*innen und daraus erwachsenen „Akademiker*innen“, die nicht mal mehr unsere Sprache und vielleicht nicht mal mehr die Grundrechnungsarten noch beherrschen.

Muss ich jetzt noch auf solche Filialen der Geisteswissenschaften wie Betriebswirtschaft- und Juristerei eingehen?

Wer mag mir widersprechen: Wir haben für die Bewältigung jeglicher Krisen – wie auch des normalen Lebens – inzwischen ein Übergewicht an unnützen Theoretikern und einen Mangel an Praktikern; ein Übergewicht an ideologisch geprägten Spinnern und Utopisten und eine große Lücke an Handwerkern und praktisch orientierten Ingenieuren und Technikern.
Unnütze Selbstdarsteller werden unvergleichlich besser bezahlt und gewürdigt, als Personen in der für das Existieren und Überleben notwendigen Elementar-Versorgung, wie z.B. Pfleger und Schwestern, solide Landwirte oder Bauern. Und Müll-Männer (ohne Gender-Stern, denn Frauen gibt es da nicht) und andere Handwerker oder „Dienstleister“, die nicht viel Aufhebens von sich machen wollen und einfach ihrer Arbeit nachgehen: um das ganze am Laufen zu halten, anderen zu helfen und damit ihrem Beruf oder „Berufung“ zu folgen.

Veröffentlicht unter "right is right", Bosheiten, Bunte Republik, Der Deutsche, Eliten, Forschung, Gedöns, Irrenhaus Deutschland, Journalisten, Kultur, Kunst, Medien, Medizin, panem et circenses, Politiker, Realsatire, Staat und Gesellschaft, Standpunkt, Wirtschaft, Wissenschaft, Zeitgeist | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , | Ein Kommentar