Merkel muss weg!

Wohin marschiert Merkel weiter?

von Herbert Gassen

Auch, oder gerade nach dem Interview von Frau Merkel mit Frau Schausten im ZDF, muß man erkennen, daß diese Frau eine Zumutung für Deutschland, für Europa ist.
Sie kann oder will nicht einsehen, daß sie ihre Partei bei der letzten Bundestagswahl auf den schlechtesten Wert seit ihrem Bestehen gebracht hat. Die CDU war die Partei gewesen, in der Adenauer die Grundlagen für ein demokratisches Staatswesen gelegt hatte. Wir brauchen nicht mehr minutiös zu differenzieren: A. Merkel wird als die Zerstörerin der europäischen Zivilisation geziehen. Mit der Feststellung, daß der Islam zu Deutschland gehört, hat sie eine historische Fehlentscheidung gegen das christliche Abendland getroffen und den Krieg nach Deutschland getragen. Die herausragenden deutschen Strafrechtler haben sie wegen Mißachtung des Grundgesetzes und millionenfachen Bruchs des von ihr geleisteten Amtseides angeklagt. Somit stehen eindeutige Argumente im Raum, daß diese Frau niemals, entgegen ihrer öffentlichen Aussagen, Politik für Deutschland, viel weniger noch für das deutsche Volk machen wollte.
Sie behauptet, die BT-Wahl gewonnen zu haben. Fest steht, daß 80% der Wähler ihre Partei und somit auch sie NICHT gewählt hatten. Dennoch betrachtet sie sich als Wahlsiegerin!
(Laut der neuesten Insa-Umfrage -12.2.18- hat die sogenannte große Koalition in der deutschen Bevölkerung keine Mehrheit mehr. Die Union kommt auf 29,5 Prozent, die SPD nach dem Streit um Martin Schulz nur noch auf 16,5 Prozent – Rekordtiefstwert. Somit werden sich bald SPD und AfD bei 15% begegnen, die eine Partei im freien Fall von oben, die andere von unten auf dem Weg zur Verantwortung.)
Sie will ein ‚Weiter so‘. Sie wird weder von Pflicht noch von Verantwortungsgefühl geplagt. Das heißt nichts Anderes als die Fortsetzung einer verbrecherischen Einwanderungspolitik. Sie wird das Deutsche Volk zwingen, Milliardenbeträge an Volkaufkommen zur finanziellen und materiellen Unterstützung der Invasoren zu leisten. Was sich die deutschen Arbeitnehmer erworben haben, raubt sie ihnen, um es an die Welt zu verschleudern.
Sie verteidigt sich und erklärt, die besten aus der Partei um sich für die Fortsetzung ihrer Politik versammelt zu haben. Ihr Generalsekretär wurde gar mit einem Stimmenverlust von über 12% in seinem eigenen Wahlkreis abgestraft. Für diese ‚Leistung‘ wurde er von Frau Merkel in aller Öffentlichkeit gelobt.
Sie ist nicht so dumm, als daß sie glaubt, mit der Fortsetzung ihrer Politik als Kanzlerin ihren eigenen Willen durchzusetzen. Sie hat ihren Auftrag zu vollenden, Deutschland mit der weitfortgeschrittenen Umbevölkerung national auszulöschen.
Dem deutschen Volk macht man zum Vorwurf, einstmals einem Diktator gefolgt zu sein. Daß sich das in der Geschichte wiederholen kann, bezeugen die Funktionäre, Delegierte und Abgeordneten ihrer Partei. Sie sind nicht in der Lage oder nicht bereit, die Situation ihrer CDU zu erkennen und sie mit einem fundamentalen Neubeginn aus dem drohenden Nirwana zu retten. Einige konservative Gruppierungen wie der Berliner Kreis dürfen mal bellen, aber sie werden sich hüten, zuzubeißen.
Die neuesten
Alle patriotischen Kräfte in den Reihen des deutschen Volkes müssen in jeder Form Widerstand gegen diese Verräterin leisten. Sie haben nicht mehr viel Zeit! Die bereits unzähligen fremdbesetzten Vorstädte drohen zu Machtzentren gegen Deutsche zu werden.
Frau Merkel muß weg!!
Unsere Demokratie, unser Deutschland müssen wir uns wieder holen!
Gegen und ohne sie!

gez. Herbert Gassen

Retardierter Epochenwechsel?

25 Jahre „Anschwellender Bocksgesang“

 

Am 8. Februar 1993 erschien im Magazin „Der Spiegel“ der Essay von Botho Strauss, der nach Ansicht von Karlheinz Weissmann ein „frühes Anzeichen eines Epochenwechsels“ bedeutete.
Kann man 25 Jahre nach dieser literarischen Provokation etwas von dem asserierten Epochenwechsel erkennen? Wurde es tatsächlich so ernst, wie Peter Glotz der 2005 verstorben Exeget des linken Gramscismus, des bundesrepublikanischen Kulturmarxismus argwöhnte?

CATO*, das „neurechte“ Magazin machte den Titel zum Hauptthema seiner neuesten Ausgabe und ließ neben K. Weissmann – sein Beitrag ist übertitelt: „Es wurde ernst“ – 29 Publizisten, Autoren, Wissenschaftler und andere „Zeitgenossen“ zu Wort kommen. Die Lektüre der Beiträge war mir nicht in Gänze erhellend bezüglich der von mir gestellten Frage. Dem Zeitgenossen, welcher die Beiträge der „29“ nicht rezipieren möchte – oder doch tun möchte und Redundanz findet – ist denn die Lektüre des „Bocksgesangs“ unbedingt (nochmals) anzuraten. Der Spiegel hält ihn hier weiterhin bereit.

Strauss geriet aufgrund seines demokratie- und zivilisationskritischen Essays seinerzeit unter heftigste Kritik – wie nicht anders zu erwarten war. Nicht nur Sätze wie, „Dass ein Volk sein Sittengesetz gegen andere behaupten will und dafür bereit ist, Blutopfer zu bringen, das verstehen wir nicht mehr und halten es in unserer liberal-libertären Selbstbezogenheit für falsch und verwerflich“, wurden scharf kritisiert. Das geschah zu einer Zeit, als die neue Nationenfindung nach dem Zerfall der Ostblockstaaten nach wie vor andauerte.
Das Feuilleton schäumte. Man lästerte, dass man bei Strauß denselben »Sound« höre wie bei Spengler, Jünger, Schmitt, Heidegger oder den Autoren der Konservativen Revolution, daß er ein »Gegenaufklärer« und die »Maulhure« einer neuen rechten Intelligenz sei, gar »Wegbereiter« des nächsten Faschismus. Man warf ihm in schäbiger Manier »Unfähigkeit zum Stil« vor oder machte in seinem Text die »Panikreaktion des Modernisierungsverlierers« aus. Sah in ihm im günstigsten Fall einen »radikalen Einzelgänger«.
Den Schock des juste milieu artikulierte der schon genannte SPD-Intellektuelle Peter Glotz am deutlichsten: „Notiert euch den Tag, Freunde, es war die ‚Spiegel‘-Ausgabe vom 8. Februar 1993. Es wird ernst.“ Glotz gewahrte denn Handlungsbedarf gegen den/die aus dem (linken) Milieu „Versprengten“: „Wie – zum Teufel – sorgt man dafür, dass die ‚Versprengten‘ auch wirklich versprengt bleiben? Dass sie nicht Proselyten machen? Man muss dafür sorgen. Botho Strauß ist ein gefährlicher Wirrkopf.

Hans Jürgen Syberberg – einer der 29 – schreibt in CATO:

Der Hieb kam von innen. Aus dem inneren Cercle des Betriebs, denn dieser Autor seiner Generation aus Deutschland war vielgespielt und gern gelobt. Er kam selbst aus ihrer Gruppe. Und war deshalb verwundend, weil kenntnisreich. Aber deshalb auch wurde er weder ausgegrenzt oder nicht gespielt danach, alle Mikrofone waren ihm offen, und keine Freunde hatten Angst wegen ihrer Loyalität, alle Bücher wurden weiter gern gedruckt. Also kein Fluch, keine Verbannung, kein toter Mann des Betriebs, im Gegenteil, auch dieser Ruhm des Widerspruchs war ihm gewiß. Trotzdem er kam zur rechten Zeit auch nach dem Fall der Mauer. Es war also auch eine Abrechnung mit den intellektuellen Nutznießern von Ost- und West-Geschäften. Aber er kam auch aus der Generation nach 45 und aus den Städten…“

Strauss imponiert durch poetische Eloquenz und wie die durch faktische Konkordanz in seinem Text. Die sich von den üblichen Argumentationsstrukturen lösende Manier fordert ein beharrliches und forschendes Lesen des Textes, das kritisches Denken entstehen lässt und Wiederlesen einfordert, dennoch – oder deshalb – den Leser ergreift.

Botho Strauss überstand, „überlebte“ die damaligen Invektiven und durfte später im sogar Spiegel nachsetzen.

Karlheinz Weissmann:

„Anschwellender Bocksgesang“ ist ein Essay mit allen inhärenten Unschärfen
Damit ist aber auch geklärt, daß (dieser) nicht als Manifest gelesen werden kann. Seine außerordentliche Wirkung beruhte aber darauf, daß genau das geschah.
Wenn es allerdings um die Suggestion ging, es habe sich bei der Veröffentlichung des »Anschwellenden Bocksgesangs« um einen Teil eines geplanten Vorstoßes gehandelt, dann muß man widersprechen. Strauß hat das selbst getan, fast ein Jahr nach dem Erscheinen, als er in einer Art Nachwort zu dem Konflikt um seine Person und seinen Text äußerte: »Jenes ›Rechte‹, um das der Streit noch geht (und für mich ist es zuerst das Rechte des gegenrevolutionären Typus von Novalis bis Borchardt), ist inzwischen ein intellektuelles Suchtproblem geworden. In erster Linie wohl deshalb, weil es in besonders spannungsreichem Verhältnis zu der Rechten steht, der revolutionären und totalitären, die Staat und Volk ins Verderben führt.«

Siehe dazu „Der letzte Deutsche“

„Anschwellender Bocksgesang“ wirkte seinerzeit – man erlaube mir, diese Metapher zu verwenden – zunächst wie ein Meteoriteneinschlag. Aber anders als der „KT-Impakt“, der Meteoriteneinschlag, der vor 65 Millionen Jahren für das Aussterben der Dinosaurier verantwortlich gemacht wird: Die linken Dinosaurier in Politik und Publizistik haben den Strauss´schen Impakt leider nach wie vor insistent überlebt.

Es sollen dazu einige wenige Sätze aus dem Original aufgeführt werden.
Zur manipulativen Macht der Medien war damals schon zu lesen:

„Ich sehe zwischen einem Schau-Gespräch und einem Schau-Prozeß nur graduelle Unterschiede in der Vorführung von Denunzierten. Wer sich bei einer privaten Unterhaltung von Millionen Unbeteiligter begaffen läßt, verletzt die Würde und das Wunder des Zwiegesprächs, der Rede von Angesicht zu Angesicht und sollte mit einem lebenslangen Entzug der Intimsphäre bestraft werden. Das Regime der telekratischen Öffentlichkeit ist die unblutigste Gewaltherrschaft und zugleich der umfassendste Totalitarismus der Geschichte. Es braucht keine Köpfe rollen zu lassen, es macht sie überflüssig. Es kennt keine Untertanen und keine Feinde. Es kennt nur Mitwirkende, Systemkonforme. Folglich merkt niemand mehr, daß die Macht des Einverständnisses ihn mißbraucht, ausbeutet, bis zur Menschenunkenntlichkeit verstümmelt…“

Strauss meinte seinerzeit „Wir kämpfen nur nach innen um das Unsere. Wir werden nicht zum Kampf herausgefordert durch feindliche Eroberer.
Die „feindlichen Eroberer“ sind jedoch inzwischen Fakt geworden, und da geht es inzwischen auch um einen Kampf nach innen „um das Unsere“.

„Wir werden herausgefordert, uns Heerscharen von Hungerleidern und heimatlos Gewordenen gegenüber mitleidvoll und hilfsbereit zu verhalten, wir sind per Gesetz zur Güte verpflichtet. Um dieses Gebot bis in die Seele der Menschen (nicht nur der Wähler und Wählerinnen) zu versenken, bedürfte es nachgerade einer Rechristianisierung unseres modernen egoistischen Heidentums. Da die Geschichte nicht aufgehört hat, ihre tragischen Dispositionen zu treffen, kann niemand voraussehen, ob unsere Gewaltlosigkeit den Krieg nicht bloß auf unsere Kinder verschleppt.“

In den zurückliegenden 25 Jahren hat sich nichts geändert im Folgenden, im Gegenteil ist hier eine Zuspitzung zu diagnostizieren:

Die Hypokrisie der öffentlichen Moral, die jederzeit tolerierte (wo nicht betrieb): die Verhöhnung des Eros, die Verhöhnung des Soldaten, die Verhöhnung von Kirche, Tradition und Autorität, sie darf sich nicht wundern, wenn die Worte in der Not kein Gewicht mehr haben. Aber in wessen Hand, in wessen Mund die Macht und das Sagen, die Schlimmeres von uns abwenden? Zuweilen sollte man prüfen, was an der Toleranz echt und selbständig ist und was sich davon dem verklemmten deutschen Selbsthaß verdankt, der die Fremden willkommen heißt, damit hier, in seinem verhaßten Vaterland, sich die Verhältnisse endlich zu jener berühmten (»faschistoiden«) Kenntlichkeit entpuppen, wie es einst (und heimlich wohl bleibend) in der Verbrecher-Dialektik des linken Terrors hieß.“

Der „Bocksgesang“ – in klassischer Konnotation die „Tragödie“ – wurde 1993 veröffentlicht. Als wenn er von Strauss aufgefordert worden wäre, verstärkte seither der „Mainstream“ seine Anstrengungen zur Selbstbehauptung und zur Ausgrenzung und Ächtung des Gegners:

„Überhaupt ist pikant, wie gierig der Mainstream das rechte Rinnsal stetig zu vergrößern sucht, das Verpönte immer wieder und noch einmal verpönt, nur um offenbar immer neues Wasser in die Rinne zu leiten, denn man will’s ja schwellen sehen, die Aufregung soll sich ja lohnen. Das vom Mainstream Mißbilligte wird von diesem großgezogen, aufgepäppelt, bisweilen sogar eingekauft und ausgehalten. Das mediale Pokerface und die verzerrte Visage des Fremdenhassers bilden den politischen Januskopf – denn alles im Politischen läßt sich seitenverkehrt in einem Kopf vereinen.“

Die Resonanz des Bocksgesangs hat nur zum Teil das ergeben, was man sich 1994 in der „Selbstbewussten Nation“** herbei schreiben wollte: „eine intellektuelle Rechte in Deutschland gleichsam in ihrer Selbsterschaffung“ und eine anhaltende Trendwende. Aber die „rechte“ Publizistik kann durchaus Progression vorweisen: Die „Junge Freiheit“, „Sezession“, „eigentümlich frei“, „Preußische Allgemeine Zeitung“, zeitweise „Cicero“ oder „Tichys Einblick“ und neuerdings „Cato“ sind zu publizistischen Institutionen des Konservatismus geworden, wenngleich im Mainstream-Kanon, im öffentlichen Diskurs, diese mit Diskriminierung oder Nichtbeachtung abgestraft werden sollen. Im Internet haben sich rechts-liberale, kritische Formate etabliert (Jouwatch, Philosophia Perennis, Tichys-Einblick, PiNews etc.), die inzwischen höhere Zugriffszahlen aufweisen, als manches etablierte Online-Format der „Qualitätsmedien“. Pegida „marschiert“ weiter, ist nicht totzuschreiben und kann offensichtlich nicht mehr zugrunde diffamiert werden. Mit der AfD ist jenseits des parteipolitischen Linkskartells eine neue politische Kraft erwachsen und in die Parlamente eingezogen. Sachverhalte, von denen man 1993 noch nicht glaubte, dass sie Realität werden könnte.
Aber so ganz ist es noch nicht wirklich „ernst geworden“ mit dem „Epochenwechsel“ oder einem allseits erkennbaren Gezeitenwechsel. Vielleicht bin ich in meinem Alter und im Blick auf unsere Kinder und Enkel zu ungeduldig geworden.

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* CATO – Magazin für neue Sachlichkeit, No.2/2018

** »Die selbstbewusste Nation – „Anschwellender Bocksgesang“ und weitere Beiträge zu einer deutschen Debatte«, Heimo Schwilk, Ulrich Schacht (Hrsg.) – Verlag Ullstein Berlin 1994

4. Februar – Konferenz von Jalta

Am 4. Februar 1945, heute vor 73 Jahren begann die Konferenz von Jalta, auf der die Teilung Deutschlands und Osteuropas nach dem Krieg ausgehandelt wurde. Die Details über die Vertreibung der Deutschen wurden zwar erst in Potsdam festgemacht, in Jalta wurden aber die Grundlagen der Geopolitik in Europa für die nächsten Jahrzehnte festgelegt. „Bei der Konferenz von Jalta verlieh Churchill Stalins Kontrolle über halb Europa den Anschein moralischer Weihe“ schreibt Patrick J. Buchanan in seinem Buch über Churchill und Hitler. “Die Erklärung über das befreite Europa“ die dort unterschrieben wurde, erwies sich schon während der letzten Kriegswochen als eine hässliche Dreistigkeit Stalins, welcher auch der schon todkranke aber noch lavierende Roosevelt zugestimmt hatte. Schon im März begann Stalin mit der Deportation und Massenexekution von polnischen Intellektuellen, Gewerkschaftsführern und Priestern aus dem ihm zugeschlagenen Ostpolen. Churchill war mit den Ergebnisse von Jalta so zufrieden, dass dieser alte Säufer „ganze Eimer kaukasisichen Champagners leerte, welche die Gesundheit eines normalen Menschen untergraben hätten“, vermerkt ein britischer Diplomat.

Es soll hier ein Zeitzeuge „des verdammten 20. Jahrhunderts zu Wort kommen. Gerard Radnitzky:

Die Jalta-Konferenz
Vom 4. bis 11. Februar 1945 tagte die Jalta-Konferenz, die Krimkonferenz – The crime Conference on the Crimea, wie sie nach dem Krieg von republikanischen Zeitschriften in den USA genannt wurde. Eigentlich bestätigte sie nur die bei der Teheran-Konferenz gefaßten Beschlüsse. Es ist das Prachtbeispiel von Stalins kluger Strategie, seine Vasallen an seinen Hof kommen zu lassen. Stalin und Roosevelt (Churchill war zum Junior-Partner geworden) entwarfen die europäische Nachkriegsordnung. Die Konferenz fand im Erdgeschoß des Lewadija-Palasts bei Jalta statt, das der letzte Zar, Nikolai II. in den Jahren 1910/11 erbauen ließ, wenige Jahre vor seiner Ermordung (er und seine Familie hatten nur mehr sechs Jahre zu leben)…
Das speziell gepolsterte Bett des todkranken, praktisch sterbenden Roosevelt ist heute eines der Schmuckstücke des im Palast eingerichteten Museums. (Churchill klagte bitter über die Wanzen, die den alten Zarenpalast bevölkerten. Ob Roosevelts Blut eben falls die Wanzen anzog, darüber ist der Geschichte nichts bekannt.) Ein anderes Schmuckstück des heutigen Museums ist die berühmte Gartenbank, auf der sich die „Großen Drei“ zum berühmten Gruppenphoto niederließen, genauer gesagt, aufgestellt wurden (den Roosevelt mußte immer getragen werden). Das Gruppenbild steht in der Tradition mittelalterlicher Trinitätsikonographie und soll die Botschaft vermitteln: Große Männer machen Geschichte. Wenn ich das Bild sehe, dann interpretiere ich es reflexartig als ein Vexierbild: Wo ist der Vierte? Der vierte der großen Kriegsverbrecher? II bnlle par son absence. (Er war im „Führerbunker“ in Berlin und hatte nur mehr zweieinhalb Monate zu leben – Roosevelt nur mehr einen Monat.) Diese vier Männer, diese vier Großverbrecher – „little, ignorant men with great power“ -, haben den mittleren Teil des 20. Jahrhunderts, des Jahrhunderts der Kriege, geprägt. (Karl Popper habe ich öfters sagen gehört: Political history is the history oi crimes and mass murder.) Allerdings fehlte bei den großen Verbrechern auch ein französischer Repräsentant, Clemanceau hätte wohl in die Verbrechergalerie hinein gepaßt, allerdings gehörte er zur ersten manifesten Phase. Schließlich waren die Franzosen die wichtigsten Kriegstreiber für diese Periode des „Dreißigjährigen Krieges 1914-1945″, eine notwendige Bedingung. In der zweiten manifesten Phase des Krieges hatten sie nichts mehr zu sagen, nachdem sie in sechs Wochen besiegt worden waren. Von den „Großen Nationen“ von damals ist nur Amerika übrig geblieben, das (noch) der Hegemon ist; alle anderen sind zweit- und drittrangig geworden – im nahe Hafen von Sewastopol rostet heute die einst legendäre sowjetische Schwarzmeerflotte.
Erst allmählich habe ich einen Überblick über die kleinen Männer mit großer Macht gewonnen, von denen die Geschicke der vielen Millionen kleiner Leute abhingen: Zuerst war ich überzeugt, Hitler sei der böse Teufel gewesen, der alles Unheil angerichtet hatte, und erst spät sah ich ein – abgesehen davon, daß monokausale Erklärungen in der Geschichte immer falsch sind -, daß er nur einer unter einer Anzahl von Verbrechern war und vor allem, daß die Persönlichkeiten, die auch heute noch von den politisch korrekten Gutmenschen hochgehalten und quasi verehrt werden, in Wirklichkeit zum Großverbrecherclub gehörten…“

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Gerard Radnitzky „Das verdammte 20. Jahrhundert – Erinnerungen und Reflexionen eines politisch Unkorrekten“ – Georg Olms Verlag Hildesheim • Zürich • New York 2006

1933 – 1968 – 2018

Ein Deutsches Kontinuum

 

Das Lutherjahr haben wir hinter uns, nun dräut uns das „Gedenken“ an Karl Marx, dessen Geburtstag sich 2018 zum 200. Male jährt; und vor allem das 50-Jahre-Jubiläum der sog. 68er-Revolution.

Was hat das mit 1933 zu tun? Und worin zeigt sich da ein Kontinuum?


1968

 

1968, damit verbinden sich in erster Linie der studentische Protest und in dessen Gefolge die sozialistischen Umsturzversuche, die seinerzeit (und in gewissem Grade bis heute) die Bundesrepublik erschütterten. Begonnen hatte das, was sich dann als „Bewegung“ bezeichnen sollte, bereits 1967 mit den gewaltsamen Ausschreitungen am 2. Juni. Im Rahmen der Proteste gegen den Staatsbesuch des persischen Schahs kam es in West-Berlin zu Schlägereien mit der Polizei, wobei der Student Benno Ohnesorge von dem später als Stasi-Spitzel entlarvten Kriminalobermeister Karl-Heinz Kurass mit einem gezielten Schuss in den Hinterkopf getötet wurde. Daraufhin verbreitete und radikalisierte sich die bereits in den 1960er Jahre bestehende Westdeutsche Studentenbewegung. Die später gegründeten Terrorgruppen Rote Armee Fraktion und Bewegung 2. Juni bezogen sich auf diese Tat. Der eigentliche Beginn der radikalen Begegnung, der 68er Revolte, wird dann auf das Attentat auf den Studentenführer Rudi Dutschke vom 11. April 1968 zurückgeführt.

Unter dem Schlagwort 68er-Bewegung werden internationale und politisch linksgerichtete Bürgerrechtsbewegungen zusammengefasst, wobei das Geschehen in Deutschland sich deutlich von den „Bewegungen“ z.B. in den USA, Italien oder Frankreich unterschied. Für Deutschland wurden Ursache und Ausdehnung dieser „Bewegung“ gerne plakativ so zusammengefasst: Als Auflehnung gegen die verstaubte und angeblich im Kern noch „faschistisch“ geprägte „Restaurations-“ und Adenauerzeit und sie wird von einigen Publizisten bemüht auf alle acht Millionen Deutschen der Jahrgänge 1940 bis 1950 bezogen.

Es geht hier zunächst um den linksradikalen Protest und Aktivismus von Studenten und einigen „nichtakademischen“ Radikalen in deren Dunstkreis, wie z.B. der Taxifahrer und spätere Außenminister Joschka Fischer. Worum es der „Bewegung“ im Einzelnen ging, kann hier nicht allumfassend dargelegt werden.
Die Vorstellungen gingen im Harmlosesten nur um Universitäts- und Bildungsreformen, im Schädlichsten bis hin zum gewalttätigen Umsturz des Staates und der Gesellschaft in eine sozialistische Räterepublik. Letzteres gelang den Lenin-, Mao-, Ho Tschi Minh-, Che-Guevara- und Pol-Pot-Apologeten zwar nicht,  wenngleich man bereits im Juni 1967 Konferenzen abhielt mit schon konkreten Vorstellungen von einer Machtergreifung in Westberlin (Pichelsdorf-Konferenz). Das „Harmlosere“ sollte sich jedoch bis heute auswirken mit seiner kontinuierlichen Zerstörung der deutschen Universität und der Destruktion eines einst international hochangesehenen deutschen Bildungssystems.
Die geplante radikale Zerschlagung des bundesdeutschen Staatsapparates ist zwar nicht gelungen, das Land wurde aber in eine Bildungs- und Wissenschaftskatastrophe geführt und peu a` peu unter dem Signum des „Antifaschismus“ ein gesellschaftliches Klima aufgebaut, das sich inzwischen gegen unsere geistige und politische Freiheit wendet.

Es gibt eine kontroverse Rezeption der 68er Bewegung und ihrer Folgen unter den damaligen „Kämpfern“. Exemplarisch dafür ist ein Interview in der taz mit dem Historiker Götz Aly und der „Publizistin“ Katharina Rutschky. Der eine mit einer kritischen Bearbeitung, die andere mit verklärter Sicht und die sich für noch besonders avantgardistisch hielt mit einem Blick gegen „diesen grauenhaften DDR-Sozialismus“.
Götz Aly in der taz: „... all die Befreiungsschriften von damals sind Müll, unerträglich. Nicht nur die Theorie, auch die Schriften zu den Kinderläden. Es steht kein vernünftiger Satz drin, nichts, was man heute noch mit Gewinn lesen könnte.
Rutschky hat dafür nur den Vorwurf parat: “Sie versuchen mit historischen Lektüren post festum auf der Basis eines schlechten Gewissens ein Fortleben des Faschismus im deutschen Sozialcharakter nachzuweisen.
Aly: „Die Studenten fielen in den Totalitarismus zurück, in die Spurrillen unserer Dreiunddreißiger-Eltern, die ja auch schon eine Studentenbewegung ins Werk gesetzt hatten, die mit ähnlichen Methoden operierte hatten. Die „Bewegung“ – ein widerliches Naziwort – denunziert die ernsthaften Reformer als „Scheißliberale“. Deshalb hat die Studentenbewegung für die Liberalisierung der Republik eher einen verlangsamenden Effekt als einen beschleunigenden.
Womit wir bei 1933 wären.


1933

Der linke Götz Aly hatte schon mit seinem Buch „Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus“ einen Tabubruch begangen, indem er „in der Struktur der nationalsozialistischen Steuer- und Sozialpolitik ein linkssozialdemokratisches Grundmuster“ erkannte. In einem weiteren Buch „Unser Kampf 1968 – ein irritierter Blick zurück“ belegt er mit Quellenvergleichen, wie frappant der „Kampf“ der 68er Studenten nicht nur in der Hochschulpolitik jenem der „Dreiunddreißer“, der NS-Studenten vor und um 1933 gleicht.

Die nationalsozialistische Studentenrebellion nannte sich ebenfalls „Studentenbewegung“. Der Titel des „Kampfblattes des Nationalsozialistschen Deutschen Studentenbundes“ lautet ab 1930 „Die Bewegung“. (Man beachte, wie die „Bewegung“ von 1968 sich in Frauen-, Anti-AKW-, Schwulen-, Kinderladen-, Friedensbewegung, usw. – vulgo in die sogenannten „sozialen Bewegungen“ der späten Bundesrepublik verästelte.)

Die Kultband der 68er nannte sich „Ton, Steine, Scherben“.
Schon 1932 schmetterten die Nazi-Studenten den Barrikaden- und Demonstrationsschlager „Wir werden weiter marschieren/ wenn alles in Scherben fällt.“

Götz Aly zielt nicht auf die Gleichsetzung von Rot und Braun schreibt er, vielmehr ginge es ihm darum „die Ähnlichkeiten der Mobilisierungstechnik, des politischen Utopismus und des antibürgerlichen Impetus herauszuarbeiten.

Man vergleiche z.B. folgende Texte.
Der 23-jährige Baldur von Schirach, damals Reichsführer des NS-Studentenbundes schrieb 1930: »Wir hassen den Spießer. Sein geliebtestes Wort ist >Ruhe und Ordnung<. Wenn er eine Festrede hält, wird er patriotisch und schwenkt begeistert seinen Bierkrug. Im Übrigen ist er für >friedliche Entwicklung< und angenehmen Dauerschlaf auf der Ofenbank. Er trägt – körperlich wie seelisch – Filzpantoffeln. [… ] Während der Revolution sitzt er im Keller seines Hauses, ist sie vorüber, steht er auf dem Boden der Tatsachen.«
Dazu das Gedicht »Mitläufer« des „68er“ Friedrich Christian Delius, abgedruckt 1968 im Kursbuch 15: »Er entwickelt eine Art Frömmigkeit, / Die hockt und horcht auf irgendeine Gelegenheit / Zur braven Tat, um dann ganz hingerissen / Sich auszuruhn auf schon bekannten Kompromissen. / Keiner spuckt ihm ins Bier, drum fühlt er sich stark. / Kein Wasser werfer traf ihn, und sonntags im Park / Machten nichtsnutzige Rentner ihn immer sensibler, / Machten Zeitungen die Umwälzung täglich plausibler.«

Die Nazistudenten von 1933 feierten den Abschied vom bürgerlichen Individualismus und sahen sich an einer Zeitenwende: „Dieser Übergang von der Ich-Zeit zur Wir-Zeit ist das Wesen der großen Revolution des 20. Jahrhunderts.“, „die letzte Lebensfrist des Liberalismus (ist) abgelaufen“.
Die Achtundsechziger hatten es ebenfalls auf die „Scheißliberalen“ abgesehen.

Wie die 68er hatten sich die 33er gegen die „Professoren-Universität“ ausgerichtet und für eine Hochschulreform eingesetzt. Die Forderungen der Nazi-Studenten dazu lauteten 1932 neben der Errichtung von Lehrstühlen für Rassen- oder Wehrkunde auf »Berechtigung der Studentenschaft, zu Berufungen Stellung zu nehmen, Änderung der Prüfungs- und Studienordnung, Staffelung der Hörgelder nach dem Einkommen der Eltern und den Numerus clausus. Wir fordern den Ausbau der Selbstverwaltung der Studentenschaft und stärkere Einflussnahme auf die Studentenhilfe.«
Die 68er Attitüde mit Herabsetzung und Lächerlichmachung der Professoren und Wissenschaftler hat eine 33er Tradition.
Es gab Karikatur-Kampfpostkarten“ mit deren Hilfe Professoren mundtot gemacht werden sollten. Goebels hatte schon 1929 die wissenschaftliche Arbeit der Professoren als Produktion von „Buch- und Afterweisheit“ ins Lächerliche gezogen und einen Sturz der „alten Altäre“ gefordert und „den alten Menschen in Hirn und Herzen“ auszurotten. Schlussendlich forderten bereits die NS-Studenten: „Machen Sie Revolution in sich! Das Ende wird der neue Mensch sein!
Schon 1931 beklagten die militanten Nazi-Studenten wie ihre 68er Epigonen „Unerhörte Polizeischikanen gegen deutsche Studenten“, „Der Gummiknüppel wütet“ nach Versuchen der braunen Jungakademiker, in Heidelberg einen nicht gern gesehenen Professor als unerwünschten Juden und Sozialdemokraten mit physischer Gewalt vom Campus zu treiben.
Das erlebten deutsch-jüdische Professoren wie Ernst Fraenkel oder Richard Löwenthal in ihrer akademischen Karriere in Deutschland zweimal: zuerst nach 1933 bei den Nazis und dann nach Rückkehr aus der Emigration ein zweites Mal 1968 in der Bundesrepublik.

Götz Aly weist auf eine verblüffende Gleichartigkeit in der Sprache der Nazi- wie der 68er Propagandisten hin. NS-Studentenfunktionäre beherrschten bereits damals den völlig neuen und „geschmeidigen“ Gender-Ton. Baldur von Schirach leitete seine Reden bereits mit dem verbindlichen „Meine deutschen Studenten und Studentinnen! Volksgenossen und Volksgenossinnen!“ ein und man sprach bereits 1933 von „Studierenden“ anstelle von „Studenten“.
Das mag eine etwas herbeigeholte Petitesse sein, aber soll uns dienen, auf 2018 überzugehen.


2018

Für das Ausbreiten der Unwissenschaftlichkeit an den Universitäten, deren Niedergang als Folge der 68er Revolution, kann man durchaus auch den Genderismus, die durch nichts gerechtfertigte inflationäre Verbreitung und öffentlich Förderung von Gender-“Wissenschaft“ als Beleg ansehen.
Nach 68 begann eine Überflutung der Universitäten mit sozialwissenschaftlichen Lehrstühlen, die in keinem Verhältnis zur Notwendigkeit oder einem angenommen Bedarf steht. Das akademische „Lumpenproletariat“ – man konnte nach 1968 ohne je eine Dissertation oder Habilitationsschrift verfasst zu haben an den von den 68ern erbeuteten Hochschulen und Instituten ohne weiteres eine Professur erhalten – hat sich selbst, wie in einer Parthenogenese bis heute fortgepflanzt.
Die deutschen Universitäten haben Soziologen, Politologen, Historiker, Germanisten, Pädagogen usw. in einer entgegen den Bedarf gegebenen Anzahl erzeugt, dass denen nichts anderes verblieb, als im öffentlich alimentierten Universitäts- oder „Forschungs“-Bereich unterzukriechen oder das erlernte Wissen – oder sollte man besser sagen, die angeeignete Ideologie – über eine Mainstream-Zeitung oder den öffentlich rechtlichen Rundfunk zu verbreiten.
Das Aufkommen der political correctness ist wiewohl mit der 68er Revolte verbunden.

Rudi Dutschke hat den“langen Marsch durch die Institutionen“ propagiert.
2018 haben sie den Staat, Medien und auch die Wirtschaft – oder dieser nahestehende Institutionen – okkupiert. Nicht etwa über die Partei „Die Linke“, sondern über die SPD und die Grünen, die von einer absterbenden CDU in Koalitionen und in Regierungsämter eingeladen wurden und werden.
20 % der Grünen haben ihren Ursprung in den aus der 68er Bewegung entstandenen kommunistischen Splittergruppen, den sog. K-Gruppen: der „Kommunistische Bund (KB)“, der „Kommunistische Bund Westdeutschland (KBW)“, die „Kommunistische Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten (KPD/ML)“, der „Kommunistische Arbeiterbund Deutschlands (KABD)“ und die „Kommunistische Partei Deutschlands/Aufbauorganisation (KPD/AO)“.


Mitglied im KB waren z. B. Angelika Beer (2002-2004 Vorsitzende der Grünen), Thomas Ebermann früherer Repräsentant des „öko- sozialistischen Flügels“ der Grünen, Ulla Jelpke (Mitbegründerin der Hamburger Grün–Alternativen), Jürgen Trittin, seit 1980 Mitglied der Grünen, ehemaliger Bundesumweltminister und Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag.
Bekannte ehemalige Mitglieder des KBW waren u. a. Michael Sommer (früherer DGB-Bundesvorsitzender), Reinhard Bütikofer (ehem. Bundesvorsitzender der Grünen und MdEP), Ralf Fücks (früherer Bremer Umweltsenator und derzeit Vorstands- vorsitzender der Heinrich Böll-Stiftung der Grünen), Winfried Kretschmann (jetzt „grüner“ Ministerpräsident in Baden-Württemberg), Krista Sager (ehem. Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Grünen), Ulla Schmidt (jetzt SPD und ehem. Bundesgesundheitsministerin).
Aus der KPD/AO-Massenorganisation „Liga gegen den Imperialismus“ kam Antje Vollmer (Grüne, ehem. Bundestagsvizepräsidentin).
Kommunistischen Radikalinskis gelangten zu den Grünen und zur SPD und über diesen Hebel bis in höchste Staatsämter.

Vor einigen Jahren fragte der Spiegel „Warum sind soviel Journalisten politisch links“ und bezog sich auf eine kurz zurückliegende Umfrage, welche ergab, dass 35,5 % mit den Grünen und 26 % mit der SPD sympathisieren. Ein journalistisches Linkskartell mit über 61% Sympathisanten.
Daran dürfte sich 2018 nicht viel geändert haben.
Verbunden damit ist ein Niedergang des freiheitlichen Journalismus in Deutschland; nicht von ungefähr hat für den sich selbst so nennenden „Qualitätsjournalismus“ sich das böse Wort von der Lügenpresse und vom Staatsfunk herausgebildet.

Unter der Firmierung des Antifaschismus oder des „Kampfes gegen Rechts“ der 68er Geist auch unter Studenten wieder radikal aufgekommen.
Professoren werden heute vorwiegend über die sozialen Medien angegriffen und diffamiert, aber auch mittels direkter „Aktionen“ werden wieder Vorlesungen und Seminare gesprengt. Dazu sei an die Vorkommnisse um die beiden Berliner Politologie-Professoren Herfried Münkler und Jörg Barberowski und den Dresdner Professor Werner Patzelt erinnert.
In Leipzig demonstrierten Studenten gegen den Jura-Professor Thomas Rauscher wegen angeblicher fremdenfeindlicher Äußerungen und forderten dessen Entlassung.
In Würzburg probten „Studierende“ den Aufstand gegen eine Professorin, die das Tragen des Kopftuches einer Studentin in ihrer Vorlesung missbilligte.

Das mutet noch bescheiden an gegenüber dem „furor teutonicus“ von 1968 und die folgenden Jahre. Auch ist die Gefolgschaft unter den „Studierenden“ heute vergleichsweise äußerst gering.
Doch haben sich aus dem 68er Geist neue „außerparlamentarische“ Gruppierungen herausgebildet, die den Geist der Unfreiheit, der politischen Denunziation, des Terrors unter dem Signum des „antifaschistischen Kampfes“ repräsentieren. Was die „Antifa“, die „Autonomen“, die „Globalisierungsgegner“ von Attac, die „Interventionistische Linke“ am G20-Gipfel in Hamburg aufzogen, läßt die damaligen Straßenkrawalle in den Sechziger Jahren und folgende vergleichsweise harmlos aussehen. Es handelt sich bei der Antifa und weiteren aktiven Organisationen im „Kampf gegen Rechts“ inzwischen um öffentliche geförderte Strukturen aus Steuergeldern, wie unschwer zu belegen ist.

Wie anhand der Grünen und der SPD gezeigt wurde, sitzen und wirken äußerst stramme Linksideologen und/oder deren Zöglinge an entscheidenden Schalthebeln der Macht und in vielen Dingen ist erkennbar, dass sie unverändert einen Systemwechsel hin zum Kommunismus anstreben oder damit liebäugeln.
Dazu bedarf es keiner neuen linken Volkspartei, wie jetzt z.B. von Oskar Lafotaine gefordert wird.
Die CDU hat sich seit Jahren dem linken Zeitgeist ausgeliefert und ist nicht Willens und auch personell nicht mehr in der Lage, dagegen zu halten und beteiligt sich an der Aushöhlung der so oft beschworenen „freiheitlich-demokratischen Grundordnung“ und der Durchsetzung einer neuen Form des Faschismus mit Aushöhlung von Demokratie, Rechtsordnung und der Meinungs- und Gedankenfreiheit. „Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: ‹Ich bin der Faschismus›. Nein, er wird sagen: ‹Ich bin der Antifaschismus›.“ hat der italienische Schriftsteller Ignazio Silone (1900-1978) prophezeit.

Im Jahre 2018 darf ungestraft auf deutschen Straßen wieder „Juden ins Gas“ und „Juda verrecke“ gerufen werden. Auch hier ist eine Kontinuität von 1933 – 1968 – 2108 zu sehen. Wurde 1933 unverhohlen ein antisemitischer Rassismus herausgebrüllt, wurde 1968 unter der Firmierung des Antiimperialismus und Antizionismus zunächst subtiler der Judenfeindlichkeit nachgegangen. Die 68er Bewegung adoptierte gewissermaßen die Palästinenser und deren Terror.
Deutsche Sozialisten resp. RAF-Terroristen beteiligten sich in Entebbe bei einem palästinensischen Terrorakt an der Aussonderung von jüdischen Geiseln, um diese einer „Sonderbehandlung“ zuzuführen (Als Austauschobjekte für inhaftierte Terroristen weltweit).
Ulrike Meinhof glorifizierte einst ganz im Gestus rechtsradikaler antisemitischer Rhetorik, das palästinensische Terror-Kommando „Schwarzer September“ als „gleichzeitig antiimperialistisch, antifaschistisch und internationalistisch“. Auch Begriffe wie „Israels Nazifaschismus“ und die These, die israelische Regierung habe ihre Sportler „verheizt wie die Nazis die Juden“, gehörten 1972 zu Meinhofs publizierter antisemitischer Rhetorik.
Der RAF-Anwalt Horst Mahler mutierte vom „Linksextremisten“ hin zu einem der radikalsten Antisemiten unserer Tage.
Joschka Fischer nahm 1969 an einer Palästinenser-Konferenz in Algier teil, bei der eine Resolution verabschiedet wurde mit dem Aufruf zur Zerstörung Israels.

Der heutige bundesdeutsche Antisemitismus zählt zu den linken Traditionen. Er speist sich zum einen aus dem staatlich verordneten A. der DDR, der bei der Ostlinken zu einem anhaltend verkrampften Verhältnis zu Israel führte, und zum andern aus dem politischen A. der Westlinken, die Israel als verlängerten Arm der „imperialistischen Großmacht USA“ geißeln und die Palästinenser zu Märtyrern stilisieren.
Wenn es auch 2018 überwiegend zugewanderte Muslime sind, die ihren aggressiven Judenhass auf der Straße ausbreiten und Israelfahnen verbrennen, beteiligen sich doch regelmäßig Grüne, Linke, Jusos, „Antifa-Kämpfer“ usw. an den Demonstrationen. Und deren Repräsentanten in den Parlamenten oder politischen Ressorts bekunden nicht nur klammheimlich ihre Unterstützung für die geforderte neue Judenvernichtung.

„Links und Gewaltanwendung schließt sich gegenseitig aus!“ – behauptete Chef-Sozi Martin Schulz in einem ZDF-Interview.
Die Linken haben für sich die Moral und das Gute gepachtet. Im Gefühl der moralischen Überlegenheit nehmen sie für sich in Anspruch, es gehe allein darum, die Gesellschaft gerechter zu machen. Dahinter steht der Glaube, „links“ und die vage Vorstellung eines „Sozialismus“ als Fernziel seien positive Werte.
Die Linken haben nichts von dem Kampf gegen die „Bourgeoisie“ aufgegeben, nichts von dem Kampf gegen christliche Werte, Sittlichkeit, Marktwirtschaft und gegen die Familie. Darin befinden sie sich in der Tradition seit 1933 bis heute.
Der Nationalsozialismus sei nicht „links“ gewesen?
Die Geschichte, die Fakten lehren etwas anderes!
Wie sagte Joseph Goebels in den 30er Jahren: „Der Idee der NSDAP entsprechend sind wir die deutsche Linke. Nichts ist uns verhaßter als der rechtsstehende Bürgerblock.
»Rechts« dürfte im Verständnis der bundesdeutschen Linken (Linksfaschisten) das umfassen, was Hitler umschreiben wollte, als er bedauerte, es zum Schaden des Nationalsozialismus unterlassen zu haben, auch den »Schlag gegen rechts« zu führen, nämlich gegen das gesamte traditionelle deutsche Bürgertum, »Reaktion« genannt, die etablierten religiös-kirchlichen Strömungen und insbesondere die im NS-Regime letztlich aus Zeitgründen nicht überwundenen kapitalistischen Aspekte der deutschen Rechts- und Wirtschaftsmentalität.“ (Schüßlburner)

1933 – 1968 – 2018

Wie sagte Berthold Brecht, der Linke: „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch!“

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Günter Rohrmoser: Kampf um die Mitte: Der moderne Konservativismus nach dem Scheitern der Ideologien; München 1999

Götz Aly: Unser Kampf – 1968 – ein irritierter Blick zurück; Frankfurt a.M. 2008

Josef Schüßlburner: Roter, brauner und grüner Sozialismus – Bewältigung ideologischer Übergänge von SPD bis NSDAP und darüber hinaus; Grevenbroich 2008

Peter Helmes: Die blutigen Ikonen der Grünen – Terroristen, Kommunisten, Atheisten; Hamburg 2012

„Aktion Eichhörnchen“

Bin ich „Prepper“, bin ich Staatsfeind?

Bildergebnis für Aktion Eichhörnchen

Leute meines Alters erinnern sich gewiss noch gut daran: 1961, am Höhepunkt des Kalten Kriegs, startete die Bundesregierung unter Federführung des „Bundesernährungsministeriums“ eine Aktion, in der alle Haushalte aufgerufen wurden, für den seinerzeit gar nicht so unwahrscheinlich gehaltenen, echten Krisen- oder gar Kriegsfall eine Notbevorratung anzulegen. Um die Aktion werbemäßig anzukurbeln, verwendete man das Eichhörnchen als Symboltier – und die „Aktion Eichhörnchen“ war geboren.

Meine Eltern und Großeltern waren Heimatvertriebene und sie hatten gelernt, in den Kriegs- und den ersten Nachkriegsjahren einem drohenden Mangel an Lebensmitteln und anderen lebensnotwendigen Gütern vorzubeugen und das zu organisieren. Da gab es in unserm Haus, schon bevor die Bundesregierung dazu geraten hatte, reichliche Vorräte an haltbaren Grundnahrungsmitteln und Eingemachtem, besonders auch Schmalzfleisch und Wurst. Man verließ sich nicht allein auf Elektrizität und Öl von den Saudis, sondern heizte Haus und Kessel auch mit Holz, geliefert von befreundeten Landwirten. Zur Zeit der Kuba-Krise legte mein Vater dann doch einen Vorrat von 1000 l Benzin an, gelagert in 2 Fässern hinter einem Verschlag in der Garage, damit der Opel-Kapitän auch in Notzeiten bei Bedarf bewegt werden konnte. Dieses Depot wurde denn bis zur ersten „Ölkrise“ 1973 nicht angegriffen!

Die Regierung war 1961 mit der allgemeinen Resonanz in der Bevölkerung aber nicht zufrieden, denn die Bundesbürger verschnabulierten trotz bereits abgeklungener Fresswelle die Vorräte lieber gleich.

Wie haben sich die Zeiten gewandelt!
Hielt man damals die Menschen zur Vorratshaltung an, geraten die aktiven Nachfolger der „Aktion Eichhörnchen“ – heute „Prepper“ genannt – schnell ins Visier staatlicher Schnüffelbehörden.

Prepper ist ein Begriff, der – woher wohl – aus den USA kommt. Er leitet sich von „be prepared“ = „bereit sein“ ab und bezeichnet „Personen, die sich durch Einlagerung von Lebensmittelvorräten, die Errichtung von Schutzbauten oder Schutzvorrichtungen an bestehenden Gebäuden, das Vorhalten von Schutzkleidung, Werkzeug, usw. auf Katastrophen oder Notfälle vorbereiten“.

Bei einer Anti-Terror-Razzia Ende August hatten Sicherheitskräfte in Mecklenburg-Vorpommern Wohnungen und Büros von sechs Preppern durchsucht. Zwei von ihnen wird nun die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat vorgeworfen. Man habe dort auch Waffen und Listen von „auszuschaltenden Personen“ gefunden, heißt es.
Und da kommt gar der Fall des „Franco A.“ ins Spiel.
Franco A. wird, nachdem ihn der Bundesgerichtshof kürzlich aus der Untersuchungshaft entlassen hat, jetzt vom Generalbundesanwalt unter anderem wegen der „Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat, Verstößen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz, illegalen Waffenbesitzes und Sozialbetrugs“ angeklagt. Laut Spiegel soll Franco A. enge Kontakte zur „Prepper-Szene“ gepflegt haben. Wohl u.a. ein Grund, dass diese „Szene“ jetzt ins Visier der „Staatsschützer“ geriet.
Glaubt man dem Spiegelbericht bzw. den Verlautbarungen der Innenminister tut sich da wohl ein „Abgrund von Staatsverrat und –gefährdung“ auf.
Fand man doch bei zwei Preppern Waffenvorräte und „Todeslisten“ mit den Namen u.a. von Ex-BuPrä Joachim Gauck und Wahrheitsminister Heiko Maas. Da den Preppern Nähe zu den „Reichsbürgern“ und anderen rechtsradikalen Organisationen – der Name NSU ist noch (?) nicht gefallen – nachgesagt wird, sollen diese nun verschärft ausgespäht werden.

Noch vor einem Jahr stellte die Bundesregierung ein neues Konzept für den Zivilschutz vor, in dem die Bevölkerung dazu aufgefordert wird, für den Katastrophenfall vorzusorgen. Das führte zu einem regelrechten Nachfrageschub in Deutschland im Sinne der Neuauflage einer „Aktion Eichhörnchen“.
Wie in dem berühmten Gedicht von Goethe wird nun anscheinend der Zauberlehrling Staat die Geister, die er rief, nicht mehr los.

Die neuen Eichhörnchen-Aktionisten sind außerdem aus einem anderen Grund hochgefährlich, denn sie seienl auch dem Milieu der Verschwörungstheoretiker zuzuordnen und informieren sich überwiegend bei einschlägigen Medien im Internet und dem hochverdächtigen Kopp-Verlag.

Es soll inzwischen einige Millionen Haushalte geben, die Krisenvorsorge betreiben und es befinden sich in Deutschland angeblich 20 Millionen unregistrierte Schusswaffen in privaten Händen.
Aber: „Schusswaffen machen nicht den Unterschied zwischen einem anständigen Bürger der Zivilschutz betreibt und einem gefährlichen Spinner. Den wahren Unterschied machen Persönlichkeitsstörungen, fanatische Ideologien und Fehlbildung“, heißt es in einem Blog zum Thema.

Krisenfall Survival: Es gibt 180.000 Prepper und Doomsdayer in Deutschland (Videos)

Zeit, dass ich mal Selbsterforschung betreibe: Bin ich „Eichhörnchen“ oder „Prepper“ – gar mit einer Persönlichkeitsstörung?
Wie schon angedeutet, besitze ich ein spezifisch deutsches Flüchtlings-Gen, unterfüttert mit Inflationsangst und libertärem Staatsmisstrauen. Meine Ehefrau ist ebenfalls genetisch Flucht- und Inflations-geschädigt und zudem mit der Andeutung einer „Persönlichkeitsstörung“ als Schnäppchenjägerin und rationeller Ressourcen-Verwerterin ausgestattet.

  • Vorräte:
    Inspektionsort Vorratskeller: Ich entdecke auf den ersten Blick mindestens zwei Dutzend Marmelade-Gläser – Jahrgang 1991 bis 2017; vier Dosen „Münchner Weißwurst“ a 450 g (Haltbarkeitsdatum 3/2018); 6 Dosen Heringsfilets in div. Saucen – zu meinem Bedauern nur noch 2 Dosen Ölsardinen o.H.u.Gr.; etwa 10 Packungen Hartweizengrieß-Produkte = Nudeln; 6 Dosen Pasta-Sauce; 2 Gläser Senf „Weißwurst“, 2 Gläser mittelscharf, 2 Gläser „Dijon“; Kapern, Mais, Kidney-Bohnen usw. Weitere Wurstkonserven (Schwartenmagen, Blutwurst etc.) will ich gar nicht aufzählen, habe ich doch kürzlich 3 kg Schweinefleisch zu fränkischer Bratwurst verarbeitet und „eingeweckt“. Zur Erklärung: ich war nicht nur Chirurg, sondern bin Sohn eines Metzgermeisters mit nahezu abgeschlossener Fleischerlehre und leidenschaftlicher Hobbykoch, der auch gern seine Produkte verschenkt.
    Soweit zu den eingelagerten Fressereien, wobei die Aufzählung tatsächlich nur einen kleinen Teil unseres Eichhörnchen-Kontingents umschreibt.
  • Geld und Gut:
    Ja, ich habe einen Teil meines Ersparten in Gold- und Silbermünzen angelegt; hoffe nur, dass ich im „Krisenfall“ dann noch an mein Schließfach komme! (Sowas machen und denken doch in einem Land, „wo man gut und gerne lebt“, nur noch Verschwörungs-Geängstigte und Krisen-Phobiker. Oder?)
  • Gesinnung:
    In meinem Bücherschrank entdecke ich sechs Bücher aus dem Kopp-Verlag (Thema: Kriminalität, Journalisten und Banken). Lächerlich gering unter mehr als 1000 Büchern insgesamt. Wobei mich der Anteil meiner „rechtsradikalen“ Literatur jetzt schon stutzig macht (von Boveri, Schrenck-Notzing, Jaspers, Gehlen, Nolte, Mohler, Spengler, Nietzsche usw.; viel Antaios und Karolinger, wenig Suhrkamp…).
    Dann liegt noch irgendwo in meinem Inventar mein Pfadfinderausweis herum mit dieser verdächtigen Losung „Allzeit bereit!“ = „Be Prepared“!
    Auf meinem Rechner hat sich zahlloser politisch-rechter Unflat gegen Autoritäten wie Merkel, Maas, Roth und Tauber usw. angesammelt. Zum Glück führe ich keine echten „Todeslisten“ – und über Facebook kann man mich auch nicht rechtsradikalisieren.
  • Waffen:
    Meinen geerbten Flobert zum Verballern von Vogeldunst und 9mm-Rundkugeln (die können schon ein Loch in einen Aggressor reißen) habe ich vor Jahren meinem Bruder überlassen, der ihn gegen antike Comics verschacherte. Aber dann besitze ich als „beinahe-Metzger“ und Hobbykoch etwa 15 superscharfe Messer von 10 bis 30 cm Klingenlänge, eine ungemein scharfe Fiskas-Axt, einen geschenkten Baseballschläger aus Esche und irgendwo im Haus liegt noch ein mit Capsaicin (Pfefferspray) bestückter „Dog-Chaser“ unserer jüngsten Tochter herum.

Darob ist die Gefahr, dass ich von irgendeiner empfindsamen Vollzugskraft nicht nur als harmloser Prepper, sondern als „Gefährder“ bzw. „Doomsdayer“ eingestuft werde, durchaus gegeben.
Was mache ich denn, wenn mir wegen meines losen Mund- und Blog-Werks eine Hausdurchsuchung wegen Politikerbeleidigung droht?

Ach was, sch… drauf!
Jetzt schicke ich mal diesen Beitrag ab, dann gehe ich gleich in den Keller, um noch unsere gehorteten Asia-Nudelsuppen und eingeschweißten Dauerwürste zu zählen; unter dem Gesichtspunkt, ob sie nicht nur für ein exzeptionelles Krisenszenario ausreichen würden.
Gewiss – so weiß ich jetzt schon – muss ich mein Weinregal wieder mit einer größeren Anzahl Cabernets, Merlots oder „Primitivos“ auffüllen, denn die verbrauchen sich infolge täglicher Katastrophenmeldungen doch zu rasch in zu kurzer Zeit.

Volkstrauertag – aus dem Bewusstsein verbannt?

Das Volk trauert – könnte das heißen.
Ist aber wohl wieder so ein, im Zeitgeist störend als „still“ gebotener Tag im tristen Monat „Nebelung“ vulgo November.

Der Volkstrauertag geht auf eine Initiative des Volksbundes deutsche Kriegsgräberfürsorge aus dem Jahre 1919 zurück und sollte als Gedenktag für die gefallenen deutschen Soldaten des Ersten Weltkrieges eingeführt werden. 1922 fand die erste Gedenkstunde im Reichstag statt. In der Weimarer Republik und im Dritten Reich wurde er an verschiedenen Tagen begangen. Nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland wurde der Volkstrauertag erneut vom Volksbund initiiert und 1950 erstmals neben vielen regionalen Veranstaltungen mit einer Feierstunde im Plenarsaal des Deutschen Bundestages begangen. Nach einer Übereinkunft wurde dann der Termin auf den vorletzten Sonntag im Kirchenjahr verlegt. Der Tag ist durch Landesgesetze als „stiller Tag“ geschützt.

Die Kriegstoten

Der 1. Weltkrieg forderte fast 10 Millionen Tote auf den Schlachtfeldern Europas: 2 Millionen Soldaten aus dem deutschen Kaiserreich und 1,5 Millionen aus Österreich-Ungarn; Russland hatte 1,8 Millionen, die Franzosen 1,3 und das britische Empire 0,85 Millionen zu beklagen.
Der erste volltechnisierte und mit industrieller Macht durchgeführte Krieg der Geschichte hatte bisher nie gekannte Menschenopfer gefordert.

Übertroffen dann vom 2. Weltkrieg: 7 Millionen Deutsche, davon 5,3 Millionen Soldaten starben im Krieg, der brutal von allen Seiten auch gegen die Zivilbevölkerung geführt wurde. Den größten Blutzoll hatte die Sowjetunion mit geschätzt 20 Millionen Toten.
Die Russen betrauern – wie Franzosen und Engländer – ihre Toten und feiern unvermindert den Sieg über Deutschland.

Den Deutschen bleibt nur die Trauer – und Scham und Schande, die nach unendlichen Reflexionen des Selbsthasses nie vergehen soll.

Krieg, die Zerstörung jeglicher Lebensgrundlagen, das scheint dem deutschen Bürger – dem „Volk“ – äonenweit entfernt zu liegen.
Soldaten sind hierzulande zu verachtenden Gestalten geworden („Soldaten sind Mörder“) und die deutsche „Wehr“ ist durch politische Entscheidungen nur noch das  Zerrbild einer Armee.
Deutsche Soldaten werden nun für sinnlose Vasallen-Einsätze „am Hindukusch“ und in der Sahara verheizt. Kommt es zu Opfern, werden diese eher verschwiegen und unterschlagen.

Volkstrauer ?

Sprach man noch anfangs von den „Opfern von Krieg, Verfolgung und Vertreibung“ . Von „Vertreibung“ von Deutschen wollte man schließlich gar nichts mehr hören.  Man versuchte, gezielt für die Deutschen das zu verdrängen, was im Kollektiv-Erinnern eines Volkes nie vergehen wird: der Schmerz um verlorene Menschen, Heimat und Kultur.
Volk, das gibt es für die Verantwortlichen in Staat und Gesellschaft ja nicht mehr. Schon gar nicht Deutschland – bzw. „Deutsches Volk“. Auch wenn die „Volksvertreter“ immer noch das Gebäude betreten, das mit Inschrift „Dem Deutschen Volk“ gewidmet ist.
Ohne große Empörung dürfen sich Spitzenpolitiker und Repräsentanten des Staates einer Parole wie „Deutschland du mieses Stücke Scheiße“ anschließen, ohne definitiv in Acht und Bann geworfen zu werden.

Dass es soweit gekommen ist, das macht inzwischen überwiegend die Trauer nicht Weniger aus.
Die Erinnerung an Verwandte, die in Russland gestorben sind, von Russen, Polen und Tschechen erschlagen und zur Flucht getrieben wurden, rückt natürlich in die Ferne. Man empfand vielleicht noch mit der alten Nachbarin, die als Kriegerwitwe ihr Dasein fristen musste und mit den älteren Schulkameraden, die ihren Vater nie kennengelernt haben.
Ein depressiver Fußballtorwart, der sich in seiner Krankheit suizidiert, ruft mehr öffentliche Aufmerksamkeit und „Trauer“ in den Medien hervor, als ein Volkstrauertag in seiner Tradition.
Die Opfer des islamischen Terrors in Deutschland seit der Einladung des Fremden zu uns, werden übergangen, die Angehörigen kaltherzig abgespeist.
Sollte denen nicht auch ein Teil der „Volkstrauer“ gehören?
Aber Volk gibt es ja nicht (mehr).
Aber dann vielleicht die Trauer derjenigen, „Die schon länger hier leben“ und jetzt aushalten müssen, wie Elementarstes ihrer Kultur von Ihresgleichen zerstört wird?

„Mahnmale“

In meinem Heimatort steht ein Kriegerdenkmal – 1926 erbaut und 1962 erweitert – das im Katalog der Kulturgüter des Heimatkreises aufgeführt ist. Ein in seiner Schlichtheit und Ausdrucksstärke beeindruckendes Erinnerungsmal für jeden, der es passiert. Wenn man zum höchsten Aussichtspunkt des Ortes gelangen will, kommt man unweigerlich daran vorbei; vom Marktplatz aus war es immer auf halber Höhe des „Schloßberges“ zu erkennen.
Die örtliche SPD erlangte nun vor einiger Zeit angebliche Erkenntnis darüber, dass am „Kriegerdenkmal“ neo-nazistische Umtriebe stattgefunden hätten; in einer Zeit, als vermehrt die rechte Gefahr von allen Seiten beschworen wurde. So kam es zwangsläufig dazu, dass das bisherige „Kriegerdenkmal“ ganz offiziell und mit erheblicher medialer Überspanntheit in ein „Mahnmal des Friedens, für Toleranz und Verständigung“ umgewidmet wurde. Alle politischen Gruppen und natürlich die Kirchen beteiligten sich daran. Es fehlte nur, die Figur des sterbenden Kriegers auf dem Mahnmal weg zu sprengen. Weg sprengen wie das Berliner Schloss, die Potsdamer Garnisonskirche oder die Leipziger Universitätskirche usw.. Konsequenterweise müsste es bei einer derartigen Umwidmung zu einem „Mahnmal des Friedens, für Toleranz und Verständigung“ dazu gehören, auch die Epigrafe von Hunderten von Namen toter früherer Mitbürger der Stadt weg zu meißeln und dort – und damit aus dem kollektiven Gedächtnis der Gemeinde zu tilgen. Und die emphatische Inschrift „Zur Erinnerung an unsere im Krieg gefallenen Helden“. Hatte nicht ein früherer deutscher Spitzenpolitiker einstmals gefordert: „Deutsche Helden müsste die Welt, tollwütigen Hunden gleich, einfach totschlagen.“?
„Postfaktisch“ ist dies geschehen. Die örtliche „Zivilgesellschaft“ zelebriert sich inzwischen dort mit „Events“ und „Installationen“, gestaltet von guten Menschen, besoffen von Willkommenskultur, Toleranz und Buntheit.
Trauer und „stiller Tag“ war einmal.

Der gute Kamerad

Zum Volkstrauertag gehörte stets das Lied vom „Guten Kamerad“ unseres großen Dichters Ludwig Uhland, vertont von Friedrich Silcher. Ein Lied, das nicht nur in Deutschland die Trauernden berührte, sondern auch bei unseren ehemaligen Weltkriegsgegnern Eingang in das Gedenkzeremoniell an ihre gefallenen Soldaten gefunden hat.
Der „gute Kamerad“ hat aber vor Denkmälern für „Frieden, Toleranz und Verständigung“ in Deutschland wohl ausgedient.

Martin Luther – ein Meister aus Deutschland

Bald ist es vorüber, das große Luthergedenkjahr. Doch dürfen dieses Jahr dank Luther alle, die schon länger hier leben, und nicht nur wie bisher die Dunkeldeutschen allein, am 31. Oktober einen arbeitsfreien – einen Feier-Tag begehen.
Als ich noch zur Schule ging, seinerzeit in Bayern, war auch in katholischen Gebieten der Reformationstag zumindest ein schulfreier Tag, die Ämter waren geschlossen und aus den evangelischen Kirchen klang mächtig „Ein feste Burg ist unser Gott!“ nach draußen. Das Reformationsgedenken ist inzwischen – mit Ausnahme diesen Jahres – regelrecht verdunstet, und seit geraumer Zeit rückte am 31. Oktober immer mehr ein aus den USA importierter Humbug namens Halloween ins Bewusstsein der bunten Spaßgesellschaft mit ihren verzogenen Blagen.

Ein Weblog-Autor mit meinem Anspruch kann diesen Gedenktag nicht übergehen und sollte dem Magister Luther die angemessene Ehrenerweisung zukommen lassen; aber wie es einer zwiespältigen Persönlichkeit gemäß sei.
Manch einer möchte Luther gerade in diesem Gedenkjahr von dem von seiner Kirche gigantisch aufgerichteten Postament holen; was die Ev. Kirche mit Luther in diesen Zeiten anstelle sei „banal, erbärmlich, albern“ schreibt ein Kritiker. Da wollten wir uns schon anschließen, ist uns doch jeder übertriebene Bahöl per se verdächtig.

Doch Ehre wem Ehre gebührt.

 

Der Sprachmeister

Für nicht Wenige ist Luther der „Der Genialste Sprachschöpfer aller Zeiten“. Zumindest für das Deutsche kann man das wohl gelten lassen. Bezüglich der Sprachmacht Luthers schreibt auch der oben zitierte theologische Kritiker: „Er hat die Menschen erreicht, weil er ihre Sprache sprach.“

Wie das?

Seine Übersetzung der Bibel ins Deutsche war ein nicht zu übertreffender Erfolg. Zu Luthers Lebzeiten wurde das Buch 500.000mal gedruckt; in einer Zeit, in der im Volk kaum einer des Lesens oder Schreibens mächtig war. Übertragen auf heutige Verhältnisse wäre das eine gigantische Auflage und Reichweite – ein Jahrhunderbestseller.

Luther schuf nicht nur eine Fülle neuer Redewendungen und Metaphern, die aus dem Deutschen nicht mehr wegzudenken sind. Man denke an: wetterwendisch, kleingläubig, friedfertig, lichterloh, auf eigene Faust, für immer und ewig, sein Licht nicht unter den Scheffel stellen.
Treffsichere Redewendungen, die sofort ins Ohr gehen: „Ein Herz und eine Seele“, „der große Unbekannte“, „ein Buch mit sieben Siegeln“, „die Zähne zusammenbeißen“, „im Dunkeln tappen“, „auf Sand bauen“.
Dazu Sprichwörter, die Luther dem Volksmund entnahm: „Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.“ – „Hochmut kommt vor dem Fall.“ – „Recht muss Recht bleiben.“ – „Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf.“
Er liebte und schuf klangvolle Alliterationen und Bilder wie „Schmach und Schande“, „Leib und Leben“, „fressendes Feuer“. Nächstenliebe, Herzenslust, Ebenbild, Morgenland, Feuertaufe, Judaslohn, Bluthund, Machtwort, Schandfleck, Lückenbüßer, Lockvogel, Lästermaul, Gewissensbisse.

In einer Zeit, als in Deutschland 20 verschiedene Dialekte gesprochen wurden und es eine bedeutsame Sprachgrenze zwischen dem Nieder- und Oberdeutschen gab, verstand es Luther, mittels seiner Weise die Sprachgrenzen zu überbrücken. Wobei ihm auch die sächsische Kanzleisprache dienlich war.
Seine Leistung würdigten viele Meister unsere Sprache nach ihm. Jacob Grimm etwa schreibt 1822: „Luthers Sprache muss in ihrer edlen, fast wunderbaren Reinheit, für Kern und Grundlage der neuhochdeutschen Sprachniedersetzung gehalten werden“. Heinrich Heine: „Wie Luther zu der Sprache gelangt ist, in der er seine Bibel übersetzte, ist mir bis auf diese Stunde unbegreiflich. Diese Schriftsprache gibt unserem politisch und religiös zerstückelten Deutschland eine literarische Einheit.“
Daran kann wohl nicht gezweifelt werden.

Luther fand seine deutsche Bibelsprache, indem er auch „dem Volk aufs Maul schaute“. Und Luther war in Manchem das, was man heute einen Populisten nennen würde.
Er war, obschon man ihn gern als Modernisierer bezeichnen wollte, gleichwohl ein Kind und Gefangener seiner Zeit am Ausgang des Mittelalters – und das Gegenteil von „modern“.

 

Der Antisemit Luther

Vielleicht sollte man Luther besser als Antijudaisten bezeichnen; Antisemit ist ja eher eine Sprachschöpfung unserer Zeiten. Luther pflegte jedoch einen persönlichen Judenhass.
Kann man den religiös bedingten Anti-Judaismus (Alteuropas) neben dem rassistischen Antisemitismus der Moderne beiseiteschieben? Mancher sagt, Luther habe hier statt «Güte und Milde, Hass und Vernichtung der Menschenwürde gepredigt.»
Richtig, denn Luther predigte in der Tat erbarmungslos gegen die Juden und forderte die Obrigkeiten unerbittlich auf, sie zu vertreiben.
Falsch, wenn man unter «Vernichtung der Menschenwürde» die physische Ausrottung aus rassistischen Gründen versteht.

Luther im Original:

«Erstlich, daß man ihre Synagoge oder Schule mit Feuer anstecke und, was nicht verbrennen will, mit Erde überhäufe und beschütte, daß kein Mensch einen Stein oder Schlacke davon sehe ewiglich. Und solches soll man tun unserem Herrn und der Christenheit zu Ehren, damit Gott sehe, daß wir Christen sind und solches öffentliches Lügen, Fluchen und Lästern seines Sohnes und seiner Christen wissentlich nicht geduldet noch gewilligt haben …
Zum andern, daß man auch ihre Häuser desgleichen zerbreche und zerstöre. Denn sie treiben eben dasselbige drinnen, das sie in ihren Schulen treiben. Dafür mag man sie etwa unter ein Dach oder Stall tun wie die Zigeuner, auf daß sie wissen, sie seien nicht Herren in unserem Lande, wie sie rühmen, sondern im Elend (= Ausland) und gefangen, wie sie ohne Unterlaß vor Gott über uns Zeter schreien und klagen.
Zum dritten, daß man ihnen nehme alle ihre Betbüchlein und Talmudisten, darin solche Abgötterei, Lügen, Fluch und Lästerung gelehrt wird.
Zum vierten, daß man ihren Rabbinern bei Leib und Leben verbiete, hinfort zu lehren
Zum fünften, daß man den Juden das Geleit und Straße ganz und gar aufhebe, denn sie haben nichts auf dem Lande zu schaffen, weil sie nicht Herren, noch Amtleute, noch Händler oder desgleichen sind. Sie sollen daheim bleiben …
Zum sechsten, daß man ihnen den Wucher verbiete und nehme ihnen alle Barschaft und Kleinod und lege es zur Verwahrung beiseite. Und dies ist die Ursache: Alles, was sie haben (wie droben gesagt), haben sie uns gestohlen und geraubt durch ihren Wucher, weil sie sonst keine andere Nahrung haben …
Zum siebenten, daß man den jungen, starken Juden und Jüdinnen in die Hand gebe Flegel, Axt, Karst, Spaten, Rocken, Spindel und lasse sie ihr Brot verdienen im Schweiß der Nasen, wie Adams Kindern Gen 3 (19) auferlegt ist. Denn es taugt nicht, daß sie uns verfluchte Gojim wollten im Schweiße unseres Angesichts arbeiten lassen und sie, die heiligen Leute, wollten es hinter dem Ofen mit faulen Tagen, Festen und Pomp verzehren.»

Folgende Fragen seien erlaubt:
Was meinte Luther, als er nahelegte, mit Juden «nach aller Unbarmherzigkeit» umzugehen, «wie Mose tat in der Wüste und schlug dreitausend tot …»?!
Was meinte er, als er gefragt, ob er Juden ohrfeigen würde, gestand, er würde einen Juden «niederwerfen und im Zorne erstechen. Wenn man einen Räuber nach menschlichem und göttlichem Recht zu töten befugt ist, so darf man doch viel eher einen Gotteslästerer umbringen» ?!
Was meinte er, als er seinen vierten Ratschlag gab, «daß man ihren Rabbinern bei Leib und Leben verbiete, hinfort zu lehren …»?
Bei Leib und Leben, das heißt bei Todesstrafe.

Natürlich hat Luther den Weg nach «Auschwitz» nicht gewiesen, hat aber fraglos damit irgendwie zu tun. Man braucht nicht auf Julius Streicher vor dem Nürnberger Kriegsverbrechertribunal verweisen, der sagte: „Dr. Martin Luther säße heute sicher an meiner Stelle auf der Anklagebank, wenn er noch lebte.“
Es gibt dazu ehrlichere Gewährsmänner als den Erznazi Streicher.
Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg besuchte Melvin Lasky, ein junger amerikanischer Schriftsteller, Karl Jaspers in Heidelberg, sprach etwas verlegen-verbindlich über Deutschlands große kulturelle Tradition, nannte Lessing, Goethe, wurde jedoch von Jaspers brüsk unterbrochen und sah sich nach einem kurzen Griff des Gelehrten hinter sich ins Bücherregal mit Luthers «Von den Juden und ihren Lügen» konfrontiert. «Das ist es», sagte Jaspers. «Da steht das ganze Programm der Hitler-Zeit schon!» Und schrieb auch später in «Die nichtchristlichen Religionen und das Abendland»: «Was Hitler getan, hat Luther geraten, mit Ausnahme der direkten Tötung durch Gaskammern.»

 

Der verunmöglichte Aufklärer

Die Welt zitiert in einem Beitrag Margot Käßmann: „Luthers Freiheitsbegriff hat große Konsequenzen nach sich gezogen. ‚Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit‘ als Parole der Französischen Revolution hat im Gedanken der Freiheit eines Christenmenschen durchaus Wurzeln. Am Ende ist der Bogen bis zur Aufklärung zu spannen.“

Man darf sagen, er ist weder Freiheitsapostel noch Vorläufer der Aufklärung. Der amerikanische Luther-Biograf Richard Marius ist der Auffassung, Luther bedeute „eine Katastrophe für die westliche Zivilisation“-?
Starker Tobak.
Aber: Ende des 15. Jahrhunderts führen die Wiederentdeckung der Antike, das Studium des Aristoteles und die Verweltlichung der Kirchenhierarchie dazu, dass sich in der europäischen Elite ein toleranter Skeptizismus breitmacht, am besten verkörpert in den Humanisten um Erasmus von Rotterdam. Dieser Bewegung gegenüber vertritt Luther eine buchgläubige Intoleranz: „Wer den Erasmus zerdrückt, der würget eine Wanze, und diese stinkt noch tot mehr als lebendig!“
Die Vernunft ist für Luther des Teufels Hure“. Kopernikus lehnt er ab, weil seine Erkenntnisse der Bibel widersprächen: „Der Narr will mir die ganze Kunst Astronomia umkehren! Aber wie die Heilige Schrift zeigt, hieß Josua die Sonne stillstehen und nicht die Erde!“ Luther ist immer für die Schrift und nicht für den Verstand oder die Vernunft der Aufklärung: „will doch meinen Verstand gefangen nehmen unter den Gehorsam Christi“. Nach Richard Marius hasste Luther jeden Skeptizismus.
Man darf Luther durchaus als Fundamentalisten bezeichnen, fraglos im Widerspruch stehend zum aufklärerischen Humanismus.

Der Kirchenkritiker Karlheinz Deschner schreibt:
»Die Heiligenlegenden entlarvte Luther als Märchen. An den Bibellegenden hielt er fest; am Teufelsglauben auch; am Hexenwahn auch; an der Ketzervertilgung auch; am Antisemitismus auch – am Kriegsdienst, an der Leibeigenschaft, den Fürsten. Man nennt es: Reformation.«

Weitere Zitate von Luther selbst:

„Der Tod im Kindbett ist nichts weiter als ein Sterben im edlen Werk und Gehorsam Gottes. Ob die Frauen sich aber auch müde und zuletzt tot tragen, das schadet nichts. Lass sie nur tot tragen, sie sind darum da.“

„Es ist ein arm Ding um ein Weib. Die größte Ehre, die das Weib hat, ist, dass wir allzumal durch die Weiber geboren werden.“

„Wer mag alle leichtfertigen und abergläubischen Dinge erzählen, welche die Weiber treiben. Es ist ihnen von der Mutter Eva angeboren, dass sie sich äffen und trügen lassen.“

„Es ist ein überaus gerechtes Gesetz, dass die Zauberinnen getötet werden, denn sie richten viel Schaden an, was bisweilen ignoriert wird“.
Hexen könnten „Milch, Butter und alles aus einem Haus stehlen, … ein Kind verzaubern, … geheimnisvolle Krankheiten im menschlichen Knie erzeugen … Schaden fügen sie nämlich an Körpern und Seelen zu … Die Zauberinnen sollen getötet werden, weil sie Diebe sind, Ehebrecher, Räuber, Mörder …“

„Das ganze Leben solle Buße sein.“

„Daher bleibt die Strafe, solange der Hass gegen sich selbst – das ist wahre Herzensbuße – bestehen bleibt … Aufrichtige Reue begehrt und liebt die Strafe. Die Fülle der Ablässe aber macht gleichgültig und lehrt sie hassen …“

Selbsthass statt Befreiung: Was für eine finstere Lehre, meint denn der Philosoph Peter Sloterdijk in seinem Essay „Nach Gott“. Sloterdijks Beitrag zum „lutherbesoffenen Reformationsjubiläum“!?
Sloterdijk ist wie der Lutherbiograph Richard Marius bekennender Atheist. Er spricht vom Drama der menschlichen Existenz in der neurotischen Fixierung des Protestantismus auf Sünde und Buße. Sloterdijk sieht Luther als „Neurotiker“ und „christlicher Salafist“: „Im Hinweis auf die unvertretbare, unkäufliche, unmanipulierbare Buße ist das ganze Programm der Reformation enthalten“. Der Ablasshandel war Luther der Dorn im Auge. Für Luther, der sich in Rom selbst als eifriger Ablassjäger im Heilsdienst der eigenen Seele betätigte, und die ihm nachfolgenden Ideologen des Protestantismus stellte der Ablasshandel vor allem einen Wechsel der Perspektive auf Sünde und Buße dar, die plötzlich lebensbejahend wirkte. Luther wollte hinter diesen, von der Kirche nach vielen Jahrhunderten erreichten Punkt eines menschlichen Daseins in der weltlichen Erlösungsmöglichkeit zurück. In der Beichte seine Sünden zu bekennen und sich durch die Absolution wieder mit Gott im Reinen zu wissen, erschien Luther als Widerspruch zum göttlichen Zwang des Menschen, ein irdisches Leben in der Erlösungsunmöglichkeit zu führen. Mit seinem „sola gratia-Pathos“ habe Luther die Gläubigen zu einer „extremen Reue-Leistung“ genötigt: „Das Bereuen-Können ist selbst schon Werk der Gnade. Du sollst verloren sein, als ob du gerettet wärest.“

 

Zuchtmeister und Fürstenknecht

Beginnen wir wieder mit einem Zitat:

„Der Esel will Schläge haben, und der Pöbel will mit Gewalt regiert sein. Das wusste Gott wohl; drum gab er der Obrigkeit nicht einen Fuchsschwanz, sondern ein Schwert in die Hand.“

„Los von Rom!“ War der Wunsch der deutschen Fürsten, der Ritter, Bürger und Bauern, auch um das Eigentum der Kirchen und Klöster an sich zu ziehen. Daher genoss Luther den Schutz seiner Fürsten gegen Kaiser und Papst. Die geknechteten und in Leibeigenschaft gehaltenen Bauern hatten in ihn Hoffnung gesetzt, nicht nur aus der Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen„. Nach der Eskalierung der Bauernäufstände im großen Bauernkrieg 1524-1526 stellte Luther klar, dass sich die aufständischen Bauern zu Unrecht auf ihn beriefen und ermutigte die Fürsten, die Bauern mit aller notwendigen Gewalt niederzuschlagen.
In der Schrift „Wider die mörderischen und räuberischen Rotten der Bauern“ rief er die Obrigkeit auf:

Man soll sie zerschmeißen, würgen, stechen, heimlich und öffentlich, wer da kann, wie man einen tollen Hund erschlagen muss.“
„Denn ein Fürst und Herr muß hie denken, wie er Gottes Amtmann und seins Zorns Diener ist (Röm. 13), dem das Schwert uber solche buben befohlen ist und sich ebenso hoch fur Gott versundiget, wo er nicht straft und wehret und sein Amt nicht vollfuhret, als wenn einer mördet, dem das Schwert nicht befohlen ist. Denn wo er kann und straft nicht, es sei durch Mord oder Blutvergießen, so ist er schuldig an allem Mord und Ubel, das solche buben begehen, als der, da mutwilliglich durch Nachlassen seins göttlichen Befehls zuläßt, solchen Buben ihre Bosheit zu uben, so er’s wohl wehren kann und schuldig ist. Darum ist hie nicht zu schlafen. Es gilt auch nicht hie Geduld oder Barmherzigkeit. Es ist des Schwerts und Zorns Zeit hie und nicht der Gnaden Zeit.“

Der historisch in Frage gestellte Spruch „Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir, Amen.“, angeblich vor dem Reichstag in Worms ausgesprochen, dient für die Glorifizierung des Reformators bis heute, um seine Aufrichtigkeit, Unerschrockenheit und Freiheitsbekundungen gegenüber der Obrigkeit zu belegen.
Wie passt dazu eine Entscheidung Luthers, mit der er das Gegenteil belegt!?
1540 stimmte Luther in einem schon seinerzeit als skandalös anzusehenden „Beichtrat“ an den Landgrafen Philipp von Hessen dessen Doppelehe mit Christine von Sachsen und mit dem Hoffräulein Margarete von der Saale zu. Philipp war ehedem einer der mächtigsten politischen Verfechter der Reformation, sodaß Luther sich wohl aus Kalkül dem unsittlichen Begehren dieses Fürsten unterwarf. Luther erlaubte und rechtfertigte die fürstliche Bigamie; woran auch Philipp Melanchthon eingehend beteiligt war. Dieser „theologische Skandal“ wurde erst 128 Jahre später bekannt und veröffentlicht. Allein das Gerücht über die Bigamie des Landgrafen führte damals bald zu einer Schwächung der protestantischen Sache, insbesondere des Schmalkaldischen Bundes. Melanchthon war über diese – auch seine – Abweichung von Christi Gebot „psychosomatisch krank“ geworden, wie man heute sagen würde, und nur Luthers „Gebete“ konnten ihn angeblich heilen.

 

Ist das, was ich hier alles zum Reformationsfest über Luther zusammengetragen habe negativ wirkend für das Gedenken an den großen Magister aus Deutschland?
Kritiker werden einwenden, dass man doch Luther in seiner Zeit und Epoche verstehen müsse. Das ändert aber nichts an der Wirkung der Gedanken und Theoreme des Reformators: Die Auflösung der europäischen Einheit der Christenheit mit den späteren Glaubenskriegen und Zerstörungen der deutschen Lande für Jahrhunderte im 30-jährigen Krieg. Die fatale Obrigkeitshörigkeit der Deutschen mit Nachwirkungen bis heute. Und der auch religionsbegründete, mörderische Rassismus in deutscher Ausprägung.

Dagegen stehen: der Anstoß zur Entwicklung der deutschen Sprache als Welt- und Kultursprache durch die Luthersche Bibelübersetzung. Ohne Luther wohl nicht die großartigen Werke eines Johann Sebastian Bach und das, was auch Katholiken mit Luthers Hilfe als unser Liedgut schätzen. Mit seinem Appell „An die Ratsherrn aller Städte deutschen Landes, daß sie christliche Schulen aufrichten und halten sollen“, indem er auffordert, eine gute Ausbildung der Jugend zu garantieren, legte er mit die Grundlage für das spätere, öffentliche Schulwesen in Deutschland.

Wie Margot Käßmann mit Luther „den Bogen bis zur Aufklärung zu spannen“ ist wohl überkommen; und für die Greuel der Französischen Revolution und für Hitler wollen wir ihn auch nicht verantwortlich machen.

Es bleibt genügend, um Martin Luther zu feiern.

 

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Literatur zu „Luther – Ein Meister aus Deutschland“

 

 

 

12. September 2006 – Die „Regensburger Ansprache“ von Benedikt XVI.

Heute, am 12. September, jährt sich zum elften Mal die berühmt gewordene „Regensburger Ansprache“ von Papst Benedikt XVI. Der Papst sprach über das rechte Verhältnis von Glaube und Vernunft im Rahmen einer Vorlesung an der Universität Regensburg, an der der frühere Professor Joseph Ratzinger Dogmatik gelehrt hatte. Das in der Rede enthaltene islamkritischen Zitat des byzantinischen Kaisers Manuel II. Palaeologos sorgte, wie nicht anders zu erwarten, in der muslimischen Welt für einen Sturm der Entrüstung – ausgelöst und befeuert von den islamophilen Medien in und aus Deutschland. Der eigentliche Gehalt der Rede über Glaube und Vernunft wurde dabei völlig in den Hintergrund gedrängt und auch, dass Benedikt am Ende der Rede zum Dialog aufrief.

Hier der Mitschnitt dieser historischen Ansprache:

Wohin treibt die Bundesrepublik?

Wir wollen eine neue Ordnung,
die alle Deutschen zu Trägern des Staates macht
und ihnen Recht und Gerechtigkeit verbürgt“
Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Juli 1944

„Wohin treibt die Bundesrepublik?“ lauteten vor 50 Jahren die Frage und der Titel einer heftig umstrittenen Schrift von Karl Jaspers.
Man braucht keinem der Leser hier erläutern, warum diese Frage 2017 uns wieder drängend erscheinen muss – einem „überlebenden“ und nachdenkenden Beobachter meiner Generation mehr als noch 1966.

Karl Jaspers schrieb damals.:

Der Bevölkerung der Bundesrepublik geht es wirtschaftlich so gut wie noch nie, mit Ausnahme der Schlechtweggekommenen, von denen man selten spricht. Es herrscht eine Zufriedenheit im Eifer des Lebensgenusses bei ständig geringer werdender Arbeitszeit und Vermehrung der Konsumgüter, der Reisemöglichkeiten und Vergnügungen.
Trotzdem gibt es eine Unruhe. Ist dies Leben auch sicher? Man fürchtet. Die Denkenden sehen die politische Faktizität mit Sorgen. Wohin treiben wir?
Die Demokratie der Bundesrepublik wandelt sich vor unseren Augen. Es werden Wege beschritten, an deren Ende es weder eine Demokratie noch einen freien Bürger geben würde, vielleicht ohne daß die, die sie gehen, dieses Ende wollen. Diese Wege sind nicht unausweichlich. Aber nur ein zur Freiheit drängendes, seiner selbst darin bewußtes Volk kann die Demokratie in freier republikanischer Verfassung, die bisher nur eine Chance ist, verwirklichen.

Auf Spiegel-Online kann man eine Zusammenfassung der wichtigsten Gedanken aus Jaspers´ Schrift nachlesen. Die Lektüre der gesamten Schrift* liefert für den historisch Interessierten ein weiteres Mal Einsichten nicht nur in das sich selbst zerstörende demokratische System der Bundesrepublik. Viele der Gedanken muten denn heute auch fast hellseherisch an.
Indes hat Jaspers seinerzeit mit seinem Bestseller viel Widerstand hervorgerufen, vor allem unter den an Parteien fixierte Politikern. Erhard Eppler, damals schon längere Zeit Bundestagsabgeordneter für die SPD übte in der ZEIT heftige Kritik mit bis hin zu ehrenrührigen Schmähungen. Heute würde der später so gern moralisierende „Pietkong“ der SPD sicher anders argumentieren. Die damals „ungeheuerlich anmutenden negativen Prognosen“ (Kurt Sontheimer) haben sich in weiten Teilen erfüllt.
Gerade die moralische Rigorosität von Jaspers, mit der er die „demokratischen“ Politiker und die bundesrepublikanische Demokratie maß, könnte auch heute noch nicht nur nüchterne und aufgeklärte Beobachter der Situation in eine Stimmung zur Gegenrede bringen.

Kurt Sontheimer* in einem Vorwort zu Jaspers` Schrift:

Es war ein aristokratisches, die höchsten Ansprüche und Tugenden verkörperndes Idealbild des demokratischen Politikers, an dem er die so viel schäbigere, nichtigere Wirklichkeit des Politischen, insbesondere des parteipolitischen Betriebes, maß.

Dieser Anspruch brachte wohl Karl Popper dazu, in seiner Schrift „Die Feinde der offenen Gesellschaft“ neben Plato, mit dessen Prätention nach einer „Regierung der Weisesten“, auch Jaspers zu diskreditieren.

Wie würde heute das Urteil beider Philosophen über die Bundesrepublik mit unserer Merkel-Demokratie lauten?

Die Parteien

Die Parteien, die keineswegs der Staat sein sollten, machen sich, entzogen dem Volksleben, selber zum Staat. Ursprünglich vielfach autonome Bildungen aus der unbegrenzten Freiheit des Volkes, werden sie in ihrem Bewußtsein zu den Machtträgern selber. Der Staat, das sind die Parteien. Die Staatsführung liegt in den Händen der Parteienoligarchie. Sie usurpiert den Staat.

Nur ein Symptom dafür, daß die Parteien, statt dem Staat zu dienen, selbst die Staatsherrschaft ergreifen, sich mit dem Staat identifizieren, ist das in der Bundesrepublik erst später aufgetretene Phänomen der Parteienfinanzierung durch den Staat. Die Parteien zeigen damit an, daß die Staatskasse ihre Kasse ist, die Steuergelder etwas, worüber sie nicht nur für Staatszwecke, sondern auch für sich selbst durch Parlamentsbeschluß verfügen.

Parteienoligarchie … heißt: Verachtung des Volkes. Sie neigt dazu, dem Volke Informationen vorzuenthalten. Man will es lieber dumm sein lassen. Das Volk braucht auch die Ziele, die die Oligarchie jeweils sich setzt, wenn sie überhaupt welche hat, nicht zu kennen. Man kann ihm statt dessen erregende Phrasen, allgemeine Redensarten, pompöse Moralforderungen und dergleichen vorsetzen. Es befindet sich ständig in der Passivität seiner Gewohnheiten, seiner Emotionen, seiner ungeprüften Zufallsmeinungen.

Die Kritik von Karl Jaspers an der Parteiendemokratie hat später ein Liebling des politischen und intellektuellen Establishments der BRD aufgenommen: Richard von Weizsäcker. Der ehemalige Bundespräsident bezeichnete in einem Interview mit der ZEIT 1992 die deutschen politischen Parteien als „machtversessen und machtvergessen“. Seine Fundamentalkritik an den bundesrepublikanischen Verhältnissen – damals kurz nach der Wiedervereinigung – ist auch in einem Buch aus dem Eichborn-Verlag nachzulesen („Richard von Weizsäcker im Gespräch“, Frankfurt 1992).
In wesentlichen Dingen unterscheidet sich seine Kritik in keiner Weise von der von Jaspers. Es blieb nicht aus – was bei der grassierenden Geist- und Charakterlosigkeit der jüngsten Repräsentanten unseres Staates denn nicht verwundert – dass sein Nachfolger Joachim Gauck glaubte, sich von Weizsäcker distanzieren zu müssen.

Für diejenigen, denen ich hier zu wenig konkret in der notwendigen Aufrechnung der offensichtlichen Sünden und Verfehlungen der aktuellen Politik bin, darf ich auf eine aufschlussreiche Artikelserie auf Conservo hinweisen: „Die 17 politischen Todsünden der Kanzlerin“. Todsünden nicht nur der Kanzlerin, sondern des Systems, welches sie repräsentiert.

Sicherheit und Bürgerkrieg

Es besteht, soweit man sieht, kein Plan zur Errichtung einer Diktatur. Es gibt keine zielbewußte Lenkung dorthin, keine Organisation, keinen Hitler. Aber es koinzidieren Kräfte, Gesinnungen, Wege, die dorthin führen können.

Das Modalverb „können“ darf man inzwischen aus dieser Aussage von Jaspers streichen. Weiter:

Sicherheit hat in der Demokratie eine elementare Grenze. Die Sicherheit besteht solange, wie bei Uneinigkeit das Mehrheitsprinzip gilt. Nur wenn sich jeweils die Minorität der Majorität fügt, mit dem Vorbehalt, durch weitere Überzeugung die Majorität zu ändern, kann Gewalt ausgeschlossen werden. Ohne das Mehrheitsprinzip gibt es keine funktionierende Demokratie.
Wie aber, wenn bei dieser Abstimmung die Mehrheit die Demokratie das Mehrheitsprinzip selber abschafft? Wenn die Mehrheit einer Minderheit, die sich »Avantgarde«, Elite, Partei nennt, die unbeschränkte Herrschaft überträgt? Wenn die Grundrechte, die nach unserem Grundgesetz jeder Änderung und auch einer späteren Abstimmung entzogen sind, durch Mehrheit abgeschafft werden? Wenn durch die Freiheit der Abstimmung die Freiheit selber vernichtet wird?
Wenn man nicht mehr miteinander reden kann, wenn der republikanische Weg des Sichüberzeugens und der Entwicklung der Dinge durch ein Miteinander- und Gegeneinanderreden der in legalen Formen kämpfenden Mächte aufgehoben wird, wenn Politik im eigentlichen Sinne aufhört, dann bleibt Selbstpreisgabe (Ermächtigungsgesetz 1933) oder Bürgerkrieg.
Gegen die Freigabe der Gewalt an eine absolute Herrschaft kann nur noch die Gewalt ein Schutz sein. Soll eine Minorität verzichten, wenn die Majorität die irreversible Gewalt über sie errichten, sie vernichten will? Ein Volk, das in solchem Falle nicht den Bürgerkrieg der Unfreiheit vorzieht, ist kein freies Volk. Nur der Bürgerkrieg kann in solcher Lage die angemessene Entscheidung bringen. Unterliegt dann die Freiheit, statt von vornherein auf sie zu verzichten, hat das Volk durch seine Minorität wenigstens bezeugt, was es seinem Wesen nach ist und sein könnte.

Grenze der Sicherheit ist dort, wo die Freiheit durch falsche Freiheit selber vernichtet, wenn Gesetzlichkeit durch Gesetz aufgehoben werden soll. Die menschlichen Dinge gestatten keine absolute Sicherheit. Freiheit kann sich nur durch Freiheit im Risiko behaupten. Wer absolute Sicherheit will, will die Unfreiheit und den politischen Tod.
Der Wille zur absoluten Sicherheit drückt eine Gesinnung aus, die die Wirklichkeit des menschlichen Daseins nicht anzuschauen wagt, nicht in das Antlitz der unerbittlichen Gorgo blicken, sondern sie als nicht vorhanden ignorieren möchte.

Kann sich irgendwer erinnern, dass in der Bundesrepublik jemals Bürgerkrieg „gedacht“ wurde?
Heute bewegen wir uns mehr, als es 1966 denkbar war, auf eine solche Option zu, erwachsen aus der Überfremdung, der Überflutung des Landes mit Menschen, die unserer Kultur, unserem Verständnis von Freiheit und schon unseren einfachsten Verhältnissen in der Lebenswelt fremd, wenn nicht feindlich gegenüber stehen.

Die Thesen von Karl Jaspers muten inzwischen – trotz oder gerade wegen der negativen Rezensionen damals und heute – wie das berühmte Menetekel aus dem „Buch Daniel“ an: Als eine unheilverkündende Warnung, einen ernsten Mahnruf und Vorzeichen drohenden Unheils, das Gott dem König Belšazar als Ankündigung seines baldigen Todes und Untergangs seines Königreiches überbracht haben soll.

Was man bei der Botschaft von Jaspers nicht vergessen sollte, die Gefahr entstand in erster Linie aus dem Inneren heraus, indem man den Feind unkontrolliert ins Land eindringen ließ. Aktiv befeuert durch die höchsten politischen Repräsentanten unserer Parteiendemokratur.

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Die Charta der Heimatvertriebenen

Am 5. August 1950 wurde die sog. Charta der Heimatvertriebenen unterzeichnet und öffentlich proklamiert. Die Charta ist bis heute ein Dokument für Friedensbereitschaft und Aussöhnung.
12 Millionen Deutsche hatten nach dem Krieg ihre Heimat verloren und mehr als 2 Millionen waren bei Flucht und Vertreibung ums Leben gekommen. Der Aufruf und die Handreichung zur Versöhnung mag noch heute bei dem erlittenen Leid und Unrecht nicht selbstverständlich erscheinen.

Die Charta nennt das Recht auf die Heimat eines der von Gott geschenkten Grundrechte der Menschheit. Das galt damit auch für die Polen, die – teilweise selbst durch die Russen vertrieben – ein Heimatrecht an ihrem neuen Wohnort erwerben würden.
Noch 1975 wünschte sich Innenminister Werner Maihofer, damals Mitglied im Kabinett der sozial-liberalen Koalition, welche die „neue Ostpolitik“ auf den Weg gebracht hatte, anlässlich des 25. Jahrestages der Verabschiedung der Charta, dass das Datum zu einem Tag der „nationalen Einkehr“ werden sollte, er stellte ihn in eine Reihe mit dem 17. Juni 1953 und dem 20. Juli 1944. Er nannte die geglückte Eingliederung der Vertriebenen ein wahres deutsches Wunder.
Noch 2000 betonte der damalige Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) aus Anlass des 50. Jahrestages der Charta die „weitreichende Bedeutung“ der Charta, „weil sie innenpolitisch radikalen Bestrebungen den Boden entzog und außenpolitisch einen Kurs der europäischen Einigung unter Einbeziehung unserer mittel- und osteuropäischen Nachbarn vorbereitete.“

Wie schäbig ist inzwischen der Umgang mit diesem Thema geworden. Zum letzten „runden“ Gedenktag wurde denn in den Kommentaren in der Linkspresse (von der SZ bis zur Welt) die Charta jetzt als ein Zeugnis der „Verdrängungskunst“ der Betroffenen, teilweise unumwunden als Dokument des Revanchismus bezeichnet und die (übriggebliebenen) Vertriebenen als Störenfriede diffamiert. Wir erinnern uns an die noch nicht lange zurückliegenden Vorgänge um das geplante „Zentrum für Vertreibung“ und die Angriffe auf die damalige Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach.

 Die Linken von SED, SPD – und später auch die Grünen – bezeichneten von Anfang an das Dokument als „revanchistisch“ und als ächtenswert, da damals ja auch „Nazis“ unterschrieben hätten. Diese pejorativen Hinweise entdeckt man nicht nur in dem Beitrag in der politisch-korrekten und links-infiltrierten Wikipedia wie auch bei den Recherchen zum Thema in den genannten Zeitungen.

Hier das Dokument:

Charta der deutschen Heimatvertriebenen

Im Bewußtsein ihrer Verantwortung vor Gott und den Menschen, im Bewußtsein ihrer Zugehörigkeit zum christlich-abendländischen Kulturkreis, im Bewußtsein ihres deutschen Volkstums und in der Erkenntnis der gemeinsamen Aufgabe aller europäischen Völker, haben die erwählten Vertreter von Millionen Heimatvertriebenen nach reiflicher Überlegung und nach Prüfung ihres Gewissens beschlossen, dem deutschen Volk und der Weltöffentlichkeit gegenüber eine feierliche Erklärung abzugeben, die die Pflichten und Rechte festlegt, welche die deutschen Heimatvertriebenen als ihr Grundgesetz und als unumgängliche Voraussetzung für die Herbeiführung eines freien und geeinten Europas ansehen.
1. Wir Heimatvertriebenen verzichten auf Rache und Vergeltung. Dieser Entschluß ist uns ernst und heilig im Gedenken an das unendliche Leid, welches im besonderen das letzte Jahrzehnt über die Menschheit gebracht hat.
2. Wir werden jedes Beginnen mit allen Kräften unterstützen, das auf die Schaffung eines geeinten Europas gerichtet ist, in dem die Völker ohne Furcht und Zwang leben können.
3. Wir werden durch harte, unermüdliche Arbeit teilnehmen am Wiederaufbau Deutschlands und Europas.
Wir haben unsere Heimat verloren. Heimatlose sind Fremdlinge auf dieser Erde. Gott hat die Menschen in ihre Heimat hineingestellt. Den Menschen mit Zwang von seiner Heimat trennen, bedeutet, ihn im Geiste töten.
Wir haben dieses Schicksal erlitten und erlebt. Daher fühlen wir uns berufen zu verlangen, daß das Recht auf die Heimat als eines der von Gott geschenkten Grundrechte der Menschheit anerkannt und verwirklicht wird.
So lange dieses Recht für uns nicht verwirklicht ist, wollen wir aber nicht zur Untätigkeit verurteilt beiseite stehen, sondern in neuen, geläuterten Formen verständnisvollen und brüderlichen Zusammenlebens mit allen Gliedern unseres Volkes schaffen und wirken.
Darum fordern und verlangen wir heute wie gestern:
1. Gleiches Recht als Staatsbürger nicht nur vor dem Gesetz, sondern auch in der Wirklichkeit des Alltags.
2. Gerechte und sinnvolle Verteilung der Lasten des letzten Krieges auf das ganze deutsche Volk und eine ehrliche Durchführung dieses Grundsatzes.
3. Sinnvollen Einbau aller Berufsgruppen der Heimatvertriebenen in das Leben des deutschen Volkes.
4. Tätige Einschaltung der deutschen Heimatvertriebenen in den Wiederaufbau Europas.
Die Völker der Welt sollen ihre Mitverantwortung am Schicksal der Heimatvertriebenen als der vom Leid dieser Zeit am schwersten Betroffenen empfinden.
Die Völker sollen handeln, wie es ihren christlichen Pflichten und ihrem Gewissen entspricht.
Die Völker müssen erkennen, daß das Schicksal der deutschen Heimatvertriebenen wie aller Flüchtlinge, ein Weltproblem ist, dessen Lösung höchste sittliche Verantwortung und Verpflichtung zu gewaltiger Leistung fordert.
Wir rufen Völker und Menschen auf, die guten Willens sind, Hand anzulegen ans Werk, damit aus Schuld, Unglück, Leid, Armut und Elend für uns alle der Weg in eine bessere Zukunft gefunden wird.

Stuttgart, den 5. August 1950