Corona und die „Masters of Disaster“

am Beispiel der Psychologie

Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov ist angeblich eine Mehrzahl der Deutschen gegen eine Lockerung oder Abschaffung der von Bund und Ländern beschlossenen Einschränkungen.
Das steht aber genau im Widerspruch zu Erkenntnissen, welche z.B. „The Weekly Relotius“ – genannt „Der Spiegel“ – kundtut. Dort durchschaut man „einen gefährlichen Stimmungsumschwung in der deutschen Bevölkerung“. Die Deutschen seien nach anfänglich überwältigender Akzeptanz jetzt der Einschränkungen überdrüssig, die Mobilität nehme wieder zu.
Psychologen der Universität Erfurt hätten das in einer großangelegten Studie ermittelt.
Sieht man sich diese sog. Cosmo-Analyse an, bekommt man zunächst den Eindruck, die Verhackstücker des menschlichen Innenlebens hätten bisher wenig zu tun gehabt und laufen jetzt zur Höchstform auf. Zumindest was die Quantität der in graphische Darstellungen gepressten Erkenntnisse angeht. Schaut man sich das monströse „empirische“ Werk genauer an, kann man einmal mehr feststellen: Der Berg kreiste und gebar ein Mäuslein.
Aber man hat wenigstens ein neues Krankheits- oder Schadensbild parat: „Disaster Fatigue“. Man bezeichnet damit „eine „Ermattung“ angesichts allzu vieler schlechter Nachrichten; das Gefühl von Verdruss, das uns gegen ein Übermaß von Katastrophenmeldungen rebellieren lässt“.
(Disaster Fatigue ist aber keine Erfindung der Erfurter Gemütsgruschler, sondern ist wohl auf Mary McNaughton-Cassill, Professorin für Psychologie an der Universität von Texas in San Antonio zurückzuführen.)
Sei´s drum, ich bin kein akademisch ausgebildeter Psychologe (Dipl.Psych.!), der aus jedem mentalen Furz von Menschen eine Krankheit zusammenschustern darf.

Als Klinikleiter hatte ich einmal einen Psychologen einzustellen. Im Vorstellungsgespräch äußerte der Mann mir gegenüber: „Erst mit der Psychologie ist die Humanität in die Medizin eingekehrt!“ Es gab selten einen Bewerber, der mit der gleichen Geschwindigkeit aus meinem Büro flog, wie dieser Experte der Humanitas. Was ihn gewiss in seiner Sicht auf die Grausamkeit in der Medizin bestärkte.

Die Psychologie zählt in den Zeiten, da „Gender-Wissenschaften“ an deutschen Forschungsstätten eine Pluralität eingenommen haben, vielfach auch zu den Disziplinen, „in denen man mit Bacheler, Master und Doktor in Dummheit abschließen kann“. (Hadmut Danisch)
Ich zitiere den von mir geschätzten Hadmut gerne, hat er doch in einem Fazit festgestellt:

Und jetzt so plötzlich brauchen wir auf einmal die Biologen und Mediziner wieder. Eben noch waren sie die Teufel, die sich „Geschlecht” ausgedacht hätten, herrschte doch der Glaube, dass wir alle neutral und gleich geboren werden, Biologie gar nichts bedeute, und das dann alles nur Soziologische Erscheinungen sind. Der Dummentank Geistes- und Sozialwissenschaftler hatte sich immer tiefer in das Schimpfwort „Biologismen” gesoffen.
Und?
Habt ihr noch einen von diesen staatlich verbeamteten Berufsidioten gehört, der Corona-Viren als „Biologismen” abtäte?
Auf einmal sind Biologie und Medizin wieder wer.
Auf einmal wissen wir, dass Krankenschwestern, Verkäuferinnen und Friseurinnen, LKW-Fahrer, Klopapierhersteller und die Feuerwehr wichtig sind, während Gleichstellungsbeauftragte, Gender-Experten und Kulturwissenschaftler einen Wert unter Null haben. Sie haben keinen Wert, aber kaufen uns Nudeln und Klopapier weg.
Keiner braucht sie.
Ist das nicht wunderbar?

Wenn die aus akademischen Institutionen kommende Psychologie eine streng empirische Wissenschaft ist, die sich auch naturwissenschaftlicher Methoden bedient, ist gewiss nichts dagegen einzuwenden. Deren Befunde haben sich wie andere Wisssenschaften dem Gebot der Falsifizierbarkeit (Karl Popper) auszusetzen.
Die Erforschung oder Ableitung von Krankheitsbildern sollte aber der wissenschaftlichen Medizin resp. der wissenschaftlichen Nervenheilkunde überlassen bleiben. Psychoanalytische Spekulationen und Alltagspsychologie gehören publizistisch in das Reich des Feuilletons. Wenn die Psychologie als „Geisteswissenschaft“ eine „normative Kraft des Phraseologischen“ generieren möchte, dann ist sie bei Spiegel, Zeit und Co. gut aufgehoben. Hilfreich ist sie uns dann ganz bestimmt nicht.

„Disaster Fatigue“! Wie würde mein Nachbar Willi sagen: „Jetzt reicht´s uns aber!“

Ich bin kein Verächter der Psychologie als akademisches Fach, wie man mir nach diesem Beitrag vielleicht unterstellen möchte. Ich bin nur gegen unangemessene Wichtigtuerei über eigentlich marginale Sachgebiete (nicht „Fachgebiete“). Wichtigtuerei, welche derzeit unübersehbar Hochkonjunktur hat.
Ich leide nicht an einer „Ermattung“, sondern wünsche mir einfach, man sollte einfach öfter mal die Schnauze halten.
Das könnte aber auch für mich gelten!
Ich werde mich aber nicht daran halten. Sonst gerate ich tatsächlich in diese „Disaster Fatigue“ und sehe mich dieser gern strapazierten psychologischen Frage oder Phrase ausgesetzt: „was macht das mit mir?“.
Ich will aber auch anderen zurufen: Hallo, David Berger (PP), Peter Helmes (Conservo), Henryk Broder (Achgut), Alexander Wendt (publico), Roland Tichy (Tichys Einblick), Hadmut Danisch etc. – Weitermachen!

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„Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“

Der Kreuzverleugner Bedford-Strohm hat sich in seiner verinnerlichten, sozialistischen Manier für eine Vermögensabgabe zur Linderung der Belastungen durch die Coronakrise ausgesprochen:

„Man darf sich keine Illusionen machen, wenn die Krise vorüber ist, wird es eine riesige Solidaritätsanstrengung brauchen, und ich hoffe, daß wir alle dazu bereit sind. Besonders die, denen es finanziell gut geht.“

Kann man das auch so verstehen, dass desgleichen die Kirche auf Teile ihres Reichtums z.B. durch die Kirchensteuer verzichtet?
Selbstredend kann man denn eine solche Forderung an die Repräsentanten der Kirchen richten.
Ich bin da nicht hoffnungsfroh, dass das was zeitigt.

Wer sind die, denen es finanziell gut geht?

Es werden nicht die kleinen Selbständigen sein, die  Ladenbesitzer, die vielen Dienstleister, die in die Insolvenz geraten; nicht die künftig zahllosen Arbeitslosen, die es fraglos geben wird.

Der Herr Bischof Bedford-Strohm und sein Bruder im Geiste, Protz-Kardinal Marx werden wohl keine Abstriche bei ihrem Spitzen-Beamten-Salär erdulden müssen. Man wird ihnen auch nicht ihre 7er-BMW-Luxus-Dienstwagen wegnehmen, es sei denn, sie verzichten darauf.
Ich mag keine Neid-Diskussionen, aber der Schlenker im Blick auf diese „christlichen“ Heuchler muss schon erlaubt sein.

Wie heißt es im Buch der Sprüche:

„Durch den Mund des Heuchlers wird sein Nächster verderbt; aber die Gerechten merken’s und werden erlöst.“

Sie könnten zu „Gerechten“ werden, wenn sie selbst – ach Gott, nur in Teilen – auf ihre persönlichen, üppigen Pfründe verzichten würden.
Wenn sie dafür sorgen würden, den aufopferungsvollen Helfern und Pflegern in den Krankenhäusern und Pflegeheimen von Diakonie und Caritas ein dem Wert der Arbeit angemessenes Salär zu ermöglichen und nicht nach der „Krise“ die Geltung deren Arbeit wieder dem Vergessen zu überantworten.
Wenn sie ihre „Spenden“, die sie gar nicht von persönlichen aber von ihren Steuerpfründen abzweigen, in Nächstenliebe und nicht in die Fernstenliebe gegenüber Schleusern und Schleppern einfließen lassen würden. Wenn schon, dann in die Notlinderung am Ort des Entstehens.

Mit ihrem Handeln, ihren zentrovertierten Prätentionen anderen gegenüber, werden diese schlechten Hirten mehr verlieren als gewinnen.
Durch ein Nadelöhr werden sie nie passen.

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Frohe Ostern

allen die hier vorbeikommen!

Et resurrexit tertia die
secundum scripturas,
et ascendit in coelum,
sedet ad dextram Dei Patris,
et iterum venturus est
cum gloria judicare vivos et mortuos,
cuius regni non erit finis.

Und ist auferstanden am dritten Tage,
gemäß der Schrift.
Er ist aufgefahren in den Himmel.
Und sitzet zur Rechten des Vaters.
Er wird wiederkommen mit Herrlichkeit,
Gericht zu halten über Lebende und Tote,
und sein Reich wird kein Ende haben.

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Coronakrise – Die Stunde der Bürokraten


1. Beispiel:

Die sächsische Sozialministerin Petra Köpping, SPD (früher SED 1986-1989), teilte in einem schriftlichen Statement mit:

„Es ist für unser aller Gesundheit und Leben wichtig, dass die Menschen sich an die Quarantäneanordnungen der Gesundheitsämter halten. Falls es im Einzelfall dazu kommen sollte, dass sich Menschen den Anordnungen widersetzen, ist es aber notwendig, die von den Gesundheitsämtern angeordneten Maßnahmen mit Zwang durchzusetzen. Dazu ist es möglich, diese Menschen mit einem richterlichen Beschluss in einem geschlossenen Teil eines Krankenhauses unterzubringen.“

Das sorgt natürlich beim Leser für Entrüstung. Dabei hat die Dame nichts als Tatsachen ausgesprochen, welche u.a. das Bundesseuchengesetz hergibt. Man müsste ihr für diese Offenheit eigentlich dankbar sein. Betrachtet man die Vita dieser bürokratisch geprägten Politikerin, gelangt man aber nicht unbedingt zu optimistischen Reflexionen.


2. Beispiel:

Beate Bahner, eine Fachanwältin für Medizin- und Gesundheitsrecht hat eine Normenkontrollklage beim Landesverfassungsgericht in Baden-Württemberg gegen die Einschränkungen der Grundrechte aufgrund des Infektionsschutzgesetzes erhoben.
Das Ergebnis ihres 19-seitigen, begründeten Antrags: Die Staatsanwaltschaft Heidelberg und das Polizeipräsidium Mannheim teilen mit, dass jetzt das Staatsschutzdezernat der Kriminalpolizeidirektion Heidelberg gegen die Anwältin ermittelt. Darin heißt es, sie soll über ihre Homepage öffentlich zum Widerstand gegen die staatlich erlassenen Corona-Verordnungen aufgerufen haben. Darüber hinaus soll sie dazu aufgerufen haben, sich am Ostersamstag bundesweit zu einer Demonstration zu versammeln.
Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Heidelberg und der Kriminalpolizeidirektion Heidelberg hierzu dauern an.

 

3. Beispiel:

Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) hat dazu aufgerufen, Bürger, die sich nicht an die Anti-Coronamaßnahmen halten, der Polizei zu melden. „Wenn Bürger feststellen, daß jemand Straftaten begeht, daß jemand sich rechtswidrig verhält, insbesondere dann, wenn man der Auffassung ist, da passiert etwas, was die Allgemeinheit gefährden könnte, dann schadet ein Anruf bei der Polizei nie“ sagte Strobl der Bild.

Der grüne Ministerpräsident Kretschmann stellt sich hinter seinen Minister und auch andere Spitzen-Grüne befürworten das Melden und Anzeigen mit der Begründung, es gehe ja um das „Retten von Menschenleben“.


4. Beispiel:

Monika Maron, eine bekannte Schriftstellerin wird aus ihrem Zweitwohnsitz ausgewiesen. Die Autorin habe nicht nur ihr Haus, sondern auch das Bundeslandesland Mecklenburg-Vorpommern zu verlassen, um sich an ihren Berliner Wohnsitz zu verfügen.

Ausreiseverfügung

I. Ich fordere sie auf, die im Briefkopf genannte Anschrift in …. und das Land Mecklenburg-Vorpommern unverzüglich, spätestens bis 09. April 2020, 8.00 Uhr zu verlassen.
II. Ich ordne die sofortige Vollziehung der in Fiffer I. bezeichneten Pflicht an, d.h. ein Widerspruch gegen diese Verfügung hat keine aufschiebende Wirkung.
III. Für den Fall, dass Sie ihrer in Ziffer I. genannten Pflicht nicht nachkommen, wird umgehend Strafanzeige gegen Sie erstattet (§ 75 Abs. 1 Nr. 1 Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen Infektionsschutzgesetz -IfSG).

 

Screenshot

Diese Verfügung ist natürlich „rechtens“ und kann moralisch gewiss auch wieder durch die Allgemeinphrase „Rettung von Menschenleben“ zu rechtfertigen sein.
Was besonders bei dieser „Ausweisungsverfügung“ auffällt, ist diese krude Bürokratensprache.

(Eine besondere „Ausweisungsverfügung“ hat in meiner Familie nahezu „epigenetische“ Folgen bis heute gezeitigt und mich auch darob sensibilisiert: die Benes-Dekrete zur Ausweisung (= Vertreibung) der Sudetendeutschen aus der Tschechoslowakei 1946. Die Aversion gegen Derartiges wie „Ausweisung“ ist aber nicht nur im „Hausverstand“ der Sudetendeutschen verhaftet.)

 

Die Bürokratie

Nehmen wir uns mal eine historische, aber bis heute nicht falsche Definition von Bürokratie vor. Meyers Konversationslexikon definierte 1894 „Büreaukratie“ folgendermaßen:

„Büreaukratie (franz.-griech., „Schreibstubenherrschaft“), Bezeichnung für eine kurzsichtige und engherzige Beamtenwirtschaft, welcher das Verständnis für die praktischen Bedürfnisse des Volkes gebricht. Auch eine solche Beamtenschaft und ihre Angehörigen nennt man Büreaukratie. Der Boden der Büreaukratie ist der Absolutismus. Das bürokratische Regiment kennzeichnet die Zeit des Polizeistaates, der polizeilichen Bevormundung des Volkes während des 19. Jahrhunderts. Die Begründung der konstitutionellen Regierungsform, das freie Vereins- und Versammlungsrecht, die Bedeutung der Presse für die öffentliche Erörterung der Staatsangelegenheiten, die Anerkennung des Selbstverwaltungsrechts der Gemeinden und höheren Gemeindeverbände sind Momente, welche ein bürokratisches Regiment in der Gegenwart ausschließen …“

Das ist im Kern auch das, was in neueren Enzyklopädien abgehandelt wird.
Auf eher lobende Aspekte, wie sie Max Weber aufgelistet hat, will ich hier aber nicht eingehen.
Ergänzend sei noch ein Eintrag aus der letzten Brockhaus-Enzyklopädie angeführt:

„Die Neigung, rechtl. und administrative Zuständigkeits-, Verfahrens- und Formprinzipien zu betonen, hat dazu geführt, daß der Begriff B. den Nebensinn von Engherzigkeit, Kleinlichkeit und Lebensfremd heiterhalten hat (das Entscheiden am >grünen Tisch<). So berechtigt diese Kritik ist, so sehr muß berücksichtigt werden, daß der unpersönl. Formalismus der B. zugleich eine Garantie für eine Verwaltungstätigkeit >ohne Ansehen der Person< bedeutet.“

Das sollte aber nicht unterschlagen werden.

Ludwig von Mises, der große libertäre Ökonom und Sozialphilosoph stellt einen Bezug zwischen Bürokratie und Totalitarismus resp. Sozialismus her. In seinem Werk „Die Bürokratie“* heißt es:

Totalitarismus ist viel mehr als bloß Bürokratie. Er bedeutet die Unterordnung des Lebens, der Arbeit und der Freizeit eines jeden Individuums unter die Anordnungen derjenigen, die an der Macht sind und ein öffentliches Amt bekleiden. Er bedeutet die Erniedrigung von Menschen zu Zahnrädern in einer allumfassenden Maschine von Zwang und Nötigung. Er zwingt das Individuum, auf jede Tätigkeit zu verzichten, die der Staat nicht gutheißt. Er toleriert keine abweichende Meinung. Er bedeutet die Umwandlung der Gesellschaft in eine streng disziplinierte Arbeitsarmee (wie die Anwälte des Sozialismus sagen) oder in ein Zuchthaus (wie seine Gegner behaupten). In jedem Fall bedeutet er einen radikalen Bruch mit derjenigen Lebensweise, der die zivilisierten Nationen in der Vergangenheit anhingen.
Er bedeutet nicht bloß eine Rückkehr der Menschheit zum orientalischen Despotismus, unter dem, wie Hegel beobachtete, ein einziger Mensch frei war und alle anderen Sklaven; denn diese asiatischen Könige griffen nicht in das Alltagsleben ihrer Untertanen ein. Den einzelnen Bauern, Viehzüchtern und Handwerkern blieb ein Bereich von Tätigkeiten, bei deren Ausführung sie vom König und seinen Anhängern nicht behelligt wurden. Sie genossen eine gewisse Autonomie innerhalb ihres eigenen Haushalts und ihrer Familien. Anders ist es im modernen Sozialismus. Er ist totalitär im strengen Sinne des Begriffs. Es hält das Individuum vom Mutterleib bis ins Grab hinein straff am Zügel. In jeder Minute seines Lebens ist der „Genosse“ zu unbedingtem Gehorsam gegenüber den Anordnungen der höchsten Behörde gehalten. Der Staat ist ihm Beschützer und Dienstherr in einem. Der Staat legt seine Arbeit fest, seine Ernährung und seine Freuden. Der Staat sagt ihm, was er zu denken und woran er zu glauben hat.
Die Bürokratie trägt zur Ausführung dieser Pläne bei. Doch es ist ungerecht, dem einzelnen Bürokraten die Mängel des Systems anzulasten, wie es einige Leute tun. Die Schuld liegt nicht bei den Männern und Frauen, die die Ämter und Büros besetzen. Sie sind nicht weniger Opfer der neuen Lebensweise als jeder andere. Das System ist schlecht, nicht die untergeordneten Handlanger. Ein Staat kann ohne Ämter und bürokratische Methoden nicht auskommen. Und da die gesellschaftliche Zusammenarbeit ohne einen bürgerlichen Staat nicht funktionieren kann, ist ein gewisses Maß an Bürokratie unerläßlich. Nicht den Bürokratismus als solchen verübeln die Leute, sondern das Eindringen der Bürokratie in alle Bereiche des menschlichen Lebens und menschlicher Betätigungen. Der Kampf gegen die Eingriffe der Bürokratie ist im wesentlichen ein Aufstand gegen die totalitäre Diktatur. Es ist eine unzutreffende Bezeichnung, den Kampf für Freiheit und Demokratie als einen Kampf gegen die Bürokratie zu bezeichnen.
Nichtsdestoweniger haben die generellen Einwände gegen bürokratische Methoden und Arbeitsweisen einen gewissen Gehalt. Denn deren Fehler deuten auf die wesentlichen Mängel jeder sozialistischen und totalitären Methode. Indem wir das Problem der Bürokratie gründlich erforschen, müssen wir schließlich entdecken, warum die sozialistischen Utopien völlig undurchführbar sind und in der Praxis nicht nur zu allgemeiner Verarmung führen, sondern auch zum Zerfall gesellschaftlicher Zusammenarbeit – zum Chaos. Daher ist das Studium der Bürokratie ein guter Ansatz für das Studium beider Systeme der gesellschaftlichen Zusammenarbeit, des Kapitalismus und des Sozialismus.

Da ist nicht viel hinzuzufügen. Wir haben uns schon einmal mit dem „Weg in die Knechtschaft“ befasst und ich will mich nicht wiederholen.
Es sollte das Augenmerk auf die Bürokratie und all die Bürokraten gerichtet bleiben, die jetzt ihr unverstelltes Gesicht zeigen. Nicht nur, wenn sie sich der „Lingua dominantium“ bedienen.
Denke ich an die Grünen, die Spezialdemokraten, die Christ“Demokraten“ der Merkel-Schäuble-Fraktion, gehören die auf die Couch des fiktiven Analytikers. Es ist aber so, wie vielfach in der Psychoanalyse oder -Therapie, dass derart Klienten mit solcher Methode nur selten geheilt werden können. Aber zumindest „versteht“ man – was die gängigste Rechtfertigung speziell erfolgloser Therapien und Therapeuten ist – und man kann anfangen, zumindest Schutzbarrieren zu konstruieren.

Es dient nicht der Sache, wenn man aus Wut oder Trotz seine Anwaltszulassung zurückgibt, wie es Frau Bahner tat. Sie sollte sich mit den so zahlreichen wachen Juristen, Anwälten und Staatsrechtlern zusammentun und die durchaus vorhandene, gebündelte Macht einsetzen, um das Rechtssystem und die Verfassung zu verteidigen.
Es ist die Aufgabe von Journalisten, die ihre unabhängige Profession ernst nehmen, immer und immer wieder auch auf den (verräterischen) Sprachgebrauch von Politikern und deren Büttel hinzuweisen und den zu analysieren.
Auch in ernsten Zusammenhängen – „Rettung von Menschenleben“ – sollte man die bürokratischen Gemüter bei formalen und sprachlichen Exzessen verdientem Spott und durchaus giftiger Ironie aussetzen. Gerade da sie ja für „tragische Ironie“ selbst sorgen.
Wir bräuchten da wieder einen Ludwig Börne, einen Karl Kraus. Wir bräuchten wieder echte, literarische Kabarettisten, die den Finger in die offensichtlichen Geschwüre legen, und nicht welche, die mit vom Anti-Nazi-Kampf verkrampften Hinterbacken und mit politisch korrekter Maulsperre über die Bühnen hampeln.

Ich habe in diesem Moment keine weiteren Vorschläge parat, außer den, doch den gesunden Menschenverstand walten zu lassen.
Mehr will und kann ich nicht sagen, denn es ist die Aufgabe der Besten in der Gesellschaft, Rezepte zu erstellen, wie wir aus dem entstandenen und noch entstehenden Schaden herauskommen werden. Es wäre auch die Stunde der Geisteswissenschaftler (Juristen, Historiker, Politologen etc.), ihre Stimme laut zu erheben, die freiheitliche Ordnung und die Demokratie zu stützen und das, was Naturwissenschaftler, Bürokraten und Politiker an Verwerfungen angerichtet haben, geistig, vom Überbau her wieder zu heilen. Zu verhindern, dass der Ausnahmezustand nicht zum Dauerzustand wird. In die Bürokratie wird man diesbezüglich keine Hoffnung setzen können.

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* Ludwig von Mises „Die Bürokratie“ – St. Augustin 2004

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Lasst, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren …

„Durch mich geht man hinein zur Stadt der Trauer,
Durch mich geht man hinein zum ewigen Schmerze,
… Lasst, die Ihr eintretet, alle Hoffnung fahren!“

Dante, „Inferno“
Inschrift auf dem Tor zur Hölle

„Die Apokalyptiker haben Hochkonjunktur“

Titelte jüngst der Schweizer Rundfunk auf seinem Newsletter.
Vom Generalsekretär der UNO, bis zur heiligen Greta und aktuell das RKI und die von ihm Eingeflüsterten verbreiten – wenn nicht Untergangs- so doch stete Horror-Projektionen. Es werden Krisen von universalem Ausmaß, grelle Schreckensbilder und Endzeiterwartungen assoziiert. Nein, bewusst konstruiert!
Ausgangspunkt der apokalyptischen Deutung von Weltgeschichte ist ihre ganz eigene Wahrnehmung durch die Deuter, oder im Falle der Darstellung durch Politiker, als lineare und determinierte Geschehensfolge. Einem solchen Geschichtsverständnis leistet der quasi religiös angelegte Dreischritt „Krise – Katharsis – Heil“ vielfach Folge.
Die fortschrittskritische Ideologie der radikalen Ökologiebewegung, entspricht z.B. diesem Konzept.

 

Wahrsager, „Cybertroops“ und Trolle

Ich bin allergisch gegen Verschwörungstheorien, so ergötzlich und „logisch“ sie manchmal daherkommen mögen. Aber was steckt hinter der Steuerung, was ist Motiv für die jetzt evozierte und beschwätzte Weltkrise?
Ich beschränke mich mal auf die, auf die eine oder andere Weise dependenten Wortführer und Künder der Corona-Krise, auf die bislang unbeachteten „Geister“, Formalisten, Tüpflischisser und Wichtigtuer. So manche glauben, sie könnten sich jetzt mit ihren exklamatorischen Projektionen, „wissenschaftlichen“ Possenreißereien aus ihrer primären Unbedeutendheit erheben. Seien es „Virologen“, „Biologen“, Zahlenjongleure jedweder Herkunft, Geistes“wissenschaftler“ und auch Philosophen.
Und nicht wenige im Publikum fallen auf die Leute rein.
War die Bildzeitung das Synonym für reißerischen Journalismus („Immer mehr Leichenlaster in New York City“), beteiligen sich heute Blätter wie die Welt, FAZ und viele andere, die sich als „Qualitätsmedien“ verstehen, an der Aufregungssucht, bei welcher die Politiker mit ihren Beratern von der Virologen- und Mathematiker-Kaste den Taktstock schwingen. Wie in einer Endlosschleife hören und lesen wir Horrorzahlen und Schreckensszenarien von einer an einem Virus zugrundegehenden Menschheit.

Ich möchte hier besonders das Augenmerk auf andere Wichtigtuer lenken, die sich gerne das Siegel der Wissenschaftlichkeit anheften.
Zum Beispiel eine von Soziologen geführte Webseite, die sich „sciencefiles – kritische Sozialwissenschaften“ nennt. Dort ist man bemüht, am Puls der aktuellen Wissenschaft zu sein und geht seriösen wie durchaus auch „diffizilen“ Quellen und Veröffentlichungen nach. Fragwürdig erscheint einem aber dann dieses Bemühen, wenn man die teils schrillen Überschriften zur publizierten „Wissenschaft“ liest.

Am eigenen Blut ersticken – Was COVID-19 wirklich bedeutet
Einstürzende Lügengebäude, Hamburger Püschel-Sozialdarwinismus
SARS-CoV-2 – Doch ein Killer-Virus? Verglichen mit normaler Lungenentzündung ist COVID-19 zweimal tödlicher
Ent-Mystifizierung: Intensiv-Patienten in Wales <50 Jahre alt und ohne Vorerkrankungen
Gerontozid? Cover-up des großen Sterbens in deutschen Altenheimen?
Abstandsregel falsch? Zwei Meter sind für SARS-CoV-2 keine Entfernung
– Spanische Daten zeigen bereits eine Exzess-Mortalität von 30% wegen COVID-19
– Italien: der Tod wächst exponentiell – Teststatistik und Her Majesty

Am eigenen Blut ersticken – man möge mal überlegen, was eine solche Aussage bei einem Gefährdeten aus einer Risikogruppe bewirken kann.
Der marktschreierische Umgang mit dieserart Informationen ist für mich schamlos.
Bei Kritik sehen die Betreiber dieser Seite sich dann gerne einem Angriff von „Cyber-Troops“ oder „Trollen“ ausgesetzt, wenn der eine oder andere Kommentator der Sicht der Urheber solcher Schlagzeilen vielleicht doch nicht folgen mag.

Der Umgang mit Nachrichten in diesen „Schreckzeiten“ sollte seriös sein. Wem nutzt das Haschen nach Aufmerksamkeit.
Kann man sich nicht auf eine sensible, strikt relevanzbezogene Informationsauswahl beschränken, bei der es nicht einfach nur darum geht, mit maximaler Geschwindigkeit und Lautstärke präsentiert zu werden oder vielleicht auch irgendwelche Nonsens-News mit großer Geste rauszublasen? Auf der anderen Seite sollte eine unbedingte Aktualitätsorientierung und Orientierung an reliablem Wissen vorherrschen, was aber, wenn man es denn übertreibt, leicht zu purer Nachrichtenproduktion und zur Sensationsgier ohne Aufklärungswert abstürzen kann.

Seriöse Webseiten oder Blogs können allenthalben unter Trollen und vielleich auch misslichen „Cyber-Troops“ leiden, die sich die Herabsetzung Andersmeinender zum Prinzip gemacht haben, oder diese Leute wollen sich nur wichtig machen und sich zu Autoritäten hochstilisieren. Diese Typen brüsten sich denn auch gerne mit ihrem Doktortitel und einer mehr oder minder authentischen Fach-Expertise. Sie gehen durch eine durch nichts zu bremsende Impertinenz den Interessierten auf die Nerven – Zeitgenossen, die sich meistens noch mit einer angefressenen apokalyptischen Sichtweise wichtig tun.

 

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Im Tal der Narzissen

„Daffodils“ von William Wordsworth

Vor 170 Jahren, im April 1850, starb der englische Dichter William Wordsworth (1770 -1850) an einer Rippenfellentzündung. Wordsworth war ein tonangebendes Mitglied der englischen Romantikbewegung.
„Daffodils“ ist gewiss sein bekanntestes Poem aus seinem umfangreichenGedichte-Schatz.
Es war das erste englische Gedicht, das ich damals, vor bald 60 Jahren, in der Schule auswendig lernte und das mir noch immer vollständig im Gedächtnis ist. Mich hat damals als eher widerborstigem Gymnasiasten an diesem Gedicht überrascht, welchen wunderbaren Klang auch die englische Sprache auszeichnen kann. Die Sonette und die Dramen von Shakespeare waren da noch nicht so ins Gedächtnis geschrieben gewesen.

I wandered lonely as a cloud
That floats on high o’er vales and hills,
When all at once I saw a crowd,
A host, of golden daffodils;
Beside the lake, beneath the trees,
Fluttering and dancing in the breeze.

Continuous as the stars that shine
And twinkle on the milky way,
They stretched in never-ending line
Along the margin of a bay:
Ten thousand saw I at a glance,
Tossing their heads in sprightly dance.

The waves beside them danced; but they
Out-did the sparkling waves in glee:
A poet could not but be gay,
In such a jocund company:
I gazed–and gazed–but little thought
What wealth the show to me had brought:

For oft, when on my couch I lie
In vacant or in pensive mood,
They flash upon that inward eye
Which is the bliss of solitude;
And then my heart with pleasure fills,
And dances with the daffodils.

Hier eine durchaus gelungene Übersetzung ins Deutsche, der aber dieser melodiöse Fluss fehlt, der mich so beeindruckte.
https://gedichte.xbib.de/Wordsworth_gedicht_Narzissen.htm

Die Narzissen sind nun bald alle wieder abgeblüht. Bei ihrem ersten Erscheinen Anfang März in meinem Garten kam mir unweigerlich dieses Gedicht wieder in den Sinn. Und in diesen Tagen der Absonderung und erzwungenen Einsamkeit für viele Menschen, erinnerte ich mich einmal mehr an die letzte Strophe, die wie ein „Ohrwurm“ im Denkorgan kleben bleiben kann:

„When often* on my couch I lie
In vacant or in pensive mood,
They flash upon that inward eye
Which is the bliss of solitude;
And then my heart with pleasure fills,
And dances with the daffodils.

________

*Wir lernten es damals nicht mit „oft“, sondern irgendwie „englischer“ mit „often“.

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Das Robert-Koch-Institut

Wie ein großer Name ruiniert wird

Robert Koch zählt zu den bedeutendsten Forschern auf dem Gebiet der Medizin und Naturwissenschaft, die Deutschland, ja die Welt vorweisen kann. Einer in der Reihe der großen Namen von Wissenschaftlern, die einst Deutschlands Ruhm auf fast allen Gebieten der Forschung und Technik begründet haben.
Eine gute Darstellung des Lebens und der Leistungen dieses bedeutenden Mannes findet man hier: https://www.ndr.de/geschichte/koepfe/Robert-Koch-Die-Revolution-der-Medizin,robertkoch101.html

Deutschland 2005 - 100. Jahrestag der Verleihung des Nobelpreises ...

Gedenkmarke 2005

1891 wurde in Berlin das „Königlich Preußische Institut für Infektionskrankheiten“ in Berlin gegründet, dessen erster Leiter Robert Koch war. Koch erhielt für seine bahnbrechenden Forschungen auf dem Gebiet der Infektiologie 1905 den Nobelpreis für Medizin. Das von ihm anfangs geleitete Institut erhielt dann 1912, zum 30. Jahrestag seiner Entdeckung des Tuberkel-Bazillus, den Namenszusatz „Robert Koch“.

Über das heutige Robert Koch-Institut (RKI) kann man lesen:
„Es ist eine selbstständige deutsche Bundesoberbehörde für Infektionskrankheiten und nicht übertragbare Krankheiten. Als Einrichtung der öffentlichen Gesundheitspflege hat es die Gesundheit der Gesamtbevölkerung im Blick und ist eine zentrale Forschungseinrichtung der Bundesrepublik Deutschland. Es ist direkt dem Bundesministerium für Gesundheit unterstellt.“

Das Robert Koch-Institut ist in der „Corona-Krise“ wohl inzwischen zur bekanntesten Behörde der Bundesregierung geworden.
Tagtäglich erfolgen Verlautbarungen, die über sämtliche Medien verbreitet werden. Das geht inzwischen soweit, dass BILD schon fragt: „Werden wir von RKI-Virologen regiert?
Je länger die Krise dauert, umso mehr häuft sich die Kritik an den Bekanntmachungen des Instituts mit dem großen Namen. Und die „Bild“-Zeitung mokierte sich schon: „So oft lag das RKI mit Prognosen daneben“. Der „Spiegel“ spöttelte über eine große „Meldelücke“ des Instituts.

Anhand der nachfolgenden Kapitel will ich die Fehlgriffe, Fahrlässigkeiten und Versäumnisse dieses Instituts mit dem großen Namen darstellen.

 

Einschätzung der Risikolage

Trotz des massiven Ausbruchs in Italien und der Zunahme der Coronavirus-Fälle in Deutschland sah das Robert-Koch-Institut Ende Februar nach wie vor kein erhöhtes Risiko. „Das Risiko ist als gering bis mäßig einzuschätzen“, sagte RKI-Vizepräsident Lars Schaade am Freitag (28.2.) vor Journalisten in Berlin.
Nach Bekanntwerden eines Falls, indem sich ein Patient in Mailand infiziert hatte, wurde diese Region nicht sofort in die Risikogebiete-Liste des RKI aufgenommen. Erst einige Tage später erfolgte dann eine eher unauffällige Änderung, indem das RKI „Region Lombardei und die Stadt Vo in der Provinz Padua in der Region Venetien“ in Italien aufnahm.
Erst hieß es „Risiko gering bis mäßig“ und jetzt hört man aus dem Mund des RKI Chefs Wieler: „Krise hat unvorstellbares Ausmaß“.

Wer sich auf das Gebiet der Risikoabschätzung in einem wissenschaftlich geprägten Kontext begibt, muss fundierte Fakten besitzen und nicht etwa Prognosen aus dem Bauch (eines Fisches?), abhängig vom Vogelflug oder durch Blick in die Kristallkugel abgeben. Man kann wohl mit fug und Recht behaupten, dass das RKI offensichtlich nicht über wirklich belastbares Wissen verfügte und verfügt.


Präventionsmaßnahmen

Die Empfehlungen zu allgemeinen Schutz- und Vorsorgemaßnahmen wirken Gleichfall verwirrend. Vom RKI wird „die Benutzung von Desinfektionsmitteln im allgemeinen Alltagsleben, auch in dieser jetzigen Situation ausdrücklich nicht empfohlen. „Wir empfehlen ebenfalls nicht die Benutzung von Gesichtsmasken oder Mund-Nasen-Schutz in der allgemeinen Öffentlichkeit oder im Alltagsleben.“ Heißt es.
Am Anfang der Virus-Krise verkündete das RKI als staatliches Institut quasi regierungsamtlich: eine Schutzwirkung von Masken sei „bisher nicht wissenschaftlich belegt (siehe auch die Hinweise des BfArM)“.

Die Einschätzung des staatlichen Instituts überrascht im Rückblick ziemlich. Denn in dem Szenario, das schon 2012 im Auftrag der Bundesregierung eine SARS-Corona-Pandemie durchspielte, ging es darum, durch Quarantänemaßnahmen Zeit zu gewinnen. Es heißt darin:
„Dieser Zeitgewinn durch antiepidemische Maßnahmen kann sehr effizient genutzt werden, um z. B. persönliche Schutzausrüstung herzustellen, zu verteilen und über ihre korrekte Anwendung zu informieren.“

Nichts davon wurde vom RKI umgesetzt bzw. in die Wege geleitet.

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina beschäftigt sich derzeit mit Hochdruck mit der Frage, wie ein nachhaltiges „Wiederhochfahren“ des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft angesichts der COVID-19-Pandemie gelingen kann. Dazu hat eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe der Leopoldina heute eine zweite Ad-hoc-Stellungnahme zur Pandemie veröffentlicht.
Um die geltenden Maßnahmen im Anschluss an die Osterzeit differenziert lockern zu können, empfehlen die Experten in dem neuen Papier mit dem Titel „Coronavirus-Pandemie – Gesundheitsrelevante Maßnahmen“ eine flächendeckende Nutzung von Mund-Nasen-Schutz, eine kurzfristige Verwendung mobiler Daten sowie den Ausbau der Testkapazitäten.
Ende März appellierte dann auch Ärztekammerpräsident Klaus Reinhardt an die deutsche Öffentlichkeit, Schutzmasken zu benutzen – auch selbstgenähte.
Sachliches Resümee dieser Stellungnahmen:
Ein Mund-Nasen-Schutz reduziert die Übertragung von Viren durch eine Reduktion der Tröpfcheninfektion. Da sich eine große Zahl unerkannt Erkrankter ohne Symptome im öffentlichen Raum bewege, verringere er die Ausbreitung der Infektion und senke somit mittelbar das Risiko für den Einzelnen, sich selbst anzustecken.

Es klingt wie ein Hohn, wenn das RKI dann rät: „Informieren Sie sich bei zuverlässigen Quellen.“
Welche Quellen „zuverlässig“ sind, definiert das RKI selbstherrlich in Zusammenarbeit mit der Presse und mit diesem, von jenen zum obersten Wichtigtuer stilisierten Prof. Drosten von der Charite*.


Zahlenspielereien

In einem Interview für die Zeit sagte der Physiker Dirk Brockmann, der für das Robert Koch-Institut die weltweite Ausbreitung des Coronavirus berechnet:
„Wir haben vor ein paar Jahren bemerkt, dass die Modelle, die versuchen, alles zu modellieren, nicht funktionieren. Das ging bei Ebola nicht gut und auch nicht bei der H1N1-Influenza oder beim Mers-Coronavirus. Deshalb konzentrieren wir uns zunächst auf den Aspekt der Mobilität – weil man die Auswirkungen sehr gut vorhersagen kann – und auf relative, also vergleichende Aussagen. Wir können dann sagen, dass in Südkorea zehnmal mehr Fälle zu erwarten sind als in Deutschland.“

Da lag er schon mal gewaltig daneben, wie man bei den „Faktenfindern“ der ARD feststellen kann.
Und mit solchen Fehlprognosen arbeitet das RKI offensichtlich.

In einem neueren Thesenpapier mehrerer Autoren aus Medizin, Naturwissenschaften und Pflege wird Kritik am RKI betr. dessen Umgang mit Zahlen geübt. Es werden Tatbestände aufgeführt, welche von angeblichen Verschwörungstheoretikern oder „Verharmlosern“ stets reklamiert wurden, von Ärzten, Infektiologen, Statistikern – alle außerhalb der von den Medien und der Regierung so hoch gepushten Virologen.

1. Die Zahl der täglich beim RKI gemeldeten Fälle wird in hohem Maße durch die Testverfügbarkeit und Anwendungshäufigkeit beeinflusst.
2. Unter Berücksichtigung dieser anlassbezogenen Teststrategie ist es nicht sinnvoll, von einer sog. Verdopplungszeit zu sprechen und von dieser Maßzahl politische Entscheidungen abhängig zu machen.
3. Die Darstellung in exponentiell ansteigenden Kurven der kumulativen Häufigkeit führt zu einer überzeichneten Wahrnehmung, sie sollte um die Gesamtzahl der asymptomatischen Träger und Genesenen korrigiert werden.
4. Die Zahl der gemeldeten Fälle an Tag X stellt keine Aussage über die Situation an diesem Tag dar, sondern bezieht sich auf einen Zeitpunkt in der Vergangenheit.
5. Ungefähr zwei Drittel der Infizierten werden zu diesem Zeitpunkt nicht erfasst.
6. Überlegungen zu populationsbezogenen Stichproben (Nationale Kohorte) müssen intensiviert werden.

 

Ursachenforschung

Die in-vivo-Diagnostik von Virusinfekten ist eine komplexe Angelegenheit mit vielen Grauzonen, was hier nicht weiter ausgebreitet werden soll, auch aufgrund der unzureichenden Fachkenntnisse des Autors. Dieses Video hilft vielleicht, nachzuvollziehen, mit welch komplizierter Materie und mit welchen Irrtumsmöglichkeiten man es zu tun hat: http://viaveto.de/media/files/Corona.mp4

Entscheidend für die Einschätzung der Gefährlichkeit dieser Pandemie ist die Zahl der Defektheilungen und die reelle Zahl der Todesfälle, welche durch Corona bedingt sind und nicht etwa die Zahl der Toten mit Infektion oder Kontamination mit Corona.
Wenn jemand durch einen Herzinfarkt zu Tode kommt, oder durch ein schweres Trauma bei gleichzeitiger Kontagion mit Corona, ist eben der Herzinfarkt usw. die Todesursache.
Um diesbezüglich Klarheit bei der Fülle von Toten mit unterschiedlichster Morbidität zu erhalten – besonders auch bei dem bevorzugten Kollektiv der Alten – kann nur eine Obduktion durch einen Pathologen bzw. Gerichtsmediziner konkret helfen. Nur dadurch erhält man differenzierte, wissenschaftlich saubere Aussagen über die wahren Todesursachen – durch, mit und ohne Corona.
Eine umfassende Zuführung aller Todesfälle zu einer Obduktion wäre natürlich illusorisch und ist unsinnig. Es würden Stichproben in einer definierten und statistisch validierten Masse/Population ausreichen und auch hinreichende Ergebnisse liefern.
Obduktionen im Zusammenhang mit Corona lehnt das RKI jedoch ab mit fragwürdigen Hinweisen auf den Infektionsschutz.
Zitat:
„Eine innere Leichenschau, Autopsien oder andere aerosolproduzierenden Maßnahmen sollten vermieden werden. Sind diese notwendig, sollten diese auf ein Minimum beschränkt bleiben.“
Daraus spricht eine maßlose Arroganz oder auch Ignoranz. Jeder Pathologe oder Forensiker ist geschult und gedrillt in der Einhaltung von Infektionschutzmaßnahmen. Das ist genauso, als würde man heute einem Chirurgen unterstellen, er würde unsteril, mit ungewaschenen Pfoten oder ohne Schutz (Op)-Kleidung seiner Tätigkeit nachgehen.

Ich kann mir diese Borniertheit des RKI nur damit erklären, dass man um wesentliche Elemente seiner Deutungshoheit fürchtet.


Ist das RKI (noch) eine Forschungsstätte?

Das RKI und seine Verantwortlichen haben sich im bisherigen Verlauf der Krise mehrfach blamiert, haben fahrlässige Stellungnahmen abgegeben und müssen aufpassen, am Ende nicht zum Gespött in der Szene zu werden.
Egal wie wir aus der Krise herauskommen werden, es ist zu erwarten, dass das RKI mit Hilfe seiner vorgesetzten Politiker und den Medien sich weiter als der Helfer und Retter stilisieren wird. Egal, wie oft man jetzt mit seinen Prognosen danebenlag oder mittels seiner medialen Macht hilfreiche oder sogar notwendige Maßnahmen unterdrückt oder schlecht gemacht hat.
Kritikern wird man unter anderem gewiss entgegenhalten, dass man die Aufgabe des RKI als Behörde falsch einschätze oder verkenne.
Dann möge man aber auf den Anspruch einer „Forschungsstätte“ verzichten, behaupte ich mal.
Es werden Flecken auf der Weste dieses Instituts mit angeblichem Weltrang bleiben – und es werden wohl noch welche dazukommen – und der gute Name „Robert Koch“ wird nachhaltig beschädigt bleiben.

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Bei der Beschäftigung mit dem Thema kam mir unsere Nationalhymne in den Sinn, wie man in der zweiten Strophe von deutschen Dingen singt, welche „in der Welt behalten (sollen) ihren alten schönen Klang.“
Man möchte es mir entschuldigen, ich habe es mal dieserart umgedichtet:

Deutsches Weisheit, deutsche Forscher,
deutsche Technik und Entdeckertum –
Sollten in der Welt behalten
Ihren einstens großen Ruhm.

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* Charite, auch dieser Name stand für den Weltruhm deutscher Medizin.
Über die Hälfte aller deutschen Nobelpreisträger für Medizin oder Physiologie entstammt dieser Heil- Lehr- und Forschungsstätte, angeschlossen der Berliner Humboldt-Universität. Im Kaiserreich – um die Jahrhundertwende – war die Charite für die ganze Welt das „Mekka“ der medizinischen Forschung und der Heilkunde. Zu den berühmten (alten weißen!) Männern zählten Robert Koch, Rudolf Virchow, Hermann von Helmholtz, Paul Ehrlich, Emil Adolf von Behring, Ferdinand Sauerbruch, Ernst von Leyden, August Bier, Bernhard von Langenbeck, Theodor Billroth, Gustav von Bergmann – und viele andere.

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Der Krise ein Gesicht geben…

vor der Krise – nachdenklich …

während der Krise – mit Mundschutz „homemade“ – aber ohne „Maulkorb“!

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Coronakrise

Woanders gelesen:
https://www.geo.de/wissen/22735-rtkl-coronakrise-die-geschichte-der-spanischen-grippe-lehrt-zuhause-bleiben-rettet

Die Geschichte der Spanischen Grippe lehrt: Zuhause bleiben rettet Leben

Die Spanische Grippe und die Coronakrise sind nur bedingt vergleichbar. Was der Blick zurück ins Jahr 1918 aber zeigt: Frühzeitige Vorsichtsmaßnahmen retten Menschenleben
Spanische Grippe in St. Louis

Der Erste Weltkrieg neigt sich gerade seinem Ende zu, da sucht ein neues Grauen die Menschheit heim: Eine Seuche bricht aus und verbreitet sich in nahezu alle bewohnten Teile der Erde. Über Infizierte in Spanien wird erstmals weithin berichtet, und diesem Umstand verdankt die Krankheit ihren Namen: die Spanische Grippe. Die Pandemie zählt zu den verheerendsten der Geschichte. Bis zu 50 Millionen Menschen tötet sie in den Jahren 1918 und 1919.

Sterberate in St. Louis achtmal niedriger als in Philadelphia

Doch die Zahl der Opfer unterscheidet sich mitunter drastisch von Ort zu Ort. In den USA lässt die Stadt Philadelphia trotz Warnungen am 28. September 1918 eine große Parade stattfinden. Rund 200.000 Schaulustige drängen sich auf engem Raum am Straßenrand.

Nach drei Tagen sind alle Krankenhäuser überfüllt, binnen einer Woche etwa 45.000 Bürger infiziert. Keine amerikanische Metropole trifft die Pandemie so schwer wie Philadelphia. Nach sechs Wochen sind dort mehr als 12.000 Menschen tot.

Die Geschichte der Spanischen Grippe lehrt: Zuhause bleiben rettet Leben

Die Grafik vergleicht die Mortalitätsrate in Philadelphia und St. Louis zwischen dem 8. September und 28. Dezember 1918. Sie stammt aus einer Forschungsarbeit der Princeton University über die staatlichen Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Spanischen Grippe.

In St. Louis hingegen reagieren die Behörden frühzeitig. Bereits vor dem ersten registrierten Fall warnen sie vor der Gefahr durch Menschenmengen. Sie sagen ihre Parade ab, schließen bald Schulen, Kinos, Billardsalons, Bibliotheken und Kirchen, verbieten öffentliche Versammlungen.

So schnellt die Zahl der Infektionen nicht schlagartig in die Höhe; sie verteilen sich über einen längeren Zeitraum. Daher können die Krankenhäuser die Menge der Patienten besser bewältigen. Die maximale Sterberate ist achtmal niedriger als in Philadelphia. Und am Ende verzeichnet St. Louis nicht mehr als 700 Tote.

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Die spanische Grippe*

„Wie als Warnsignal für die Auswirkungen auf die Weltgesundheit trat zu Beginn des 20. Jahrhundert die mobilste und tödlichste Pandemie auf, welche die Welt je gesehen hatte: die Grippepandemie, die ab 1918 über den Erdball fegte und innerhalb von sechs Monaten mehr als 25 Millionen Menschen das Leben kostete (etwa dreimal so viele wie im Ersten Weltkrieg). Ihr folgten eine Encephalitis-lethargica-Epidemie (eine auch Economo-Encephalitis genannte Krankheit mit Entzündung von Hirn und Rückenmark) und eine wei­tere Welle der tödlichen Grippe im Jahre 1920. Sie war möglicherweise eine Mutante der Schweinegrippe und wurde durch die massive Bewegung von Volksgruppen im Zuge des Krieges weltweit verbreitet. Falls es noch eines Beweises bedurfte, dass die Welt kleiner geworden war – hier war er.
Die Grippepandemie trat in zwei Wellen auf. Die erste war schwach und bedeutungslos. Die zweite Welle setzte im August 1918 ein und führte rasch zu Lungenentzündung, gegen die der Medizin die Mittel fehlten. Sie brach in Tausende Kilometer voneinander entfernt liegenden Zentren gleichzeitig aus: Freetown in Sierra Leone, Brest – der französische Hafen amerikanischer Expeditionskorps – und Boston in Massachusetts. Zwei Drittel der Bevölke­rung Sierra Leones erkrankten, und allein in Freetown starben mehr als 1000 Personen. In Boston waren zehn Prozent der Einwohner betroffen, und mehr als 60 Prozent der Kranken starben.
Das kalifornische San Francisco Hospital nahm 3509 Fälle mit Lungen­entzündung auf – die Sterblichkeitsrate betrug 25 Prozent. In den gesamten USA wurden öffentliche Versammlungen verboten. Schulen, Kirchen, Kinos und Betriebe schlössen ihre Tore, und die Menschen trugen Mundschutz -alles erfolglos.
Unter den amerikanischen Soldaten in den USA und im Ausland breitete sich die Grippe rasch aus. In Camp Devens, Massachusetts, wurde der erste Fall am 12. September 1918 diagnostiziert. In weniger als zwei Wochen war die Zahl der Kranken auf 12 604 gestiegen. Im Oktober waren etwa 20 Prozent der US-Armee krank: 24000 Soldaten starben an der Grippe, 34000 im Ein­satz. Insgesamt gab es in den USA mehr als 500 000 Tote, in England und Wales 200000, und Samoa verlor ein Viertel seiner Bevölkerung. Verzweifelt versuchte man, den Erreger der Grippe zu kultivieren, ihre Ätiologie zu bestimmen und Behandlungen zu entwickeln – mit geringem Erfolg. Die Grippe verschwand so plötzlich und mysteriös, wie sie gekommen war. Sie war der größte demographische Schlag, den die Menschheit je erlitten hat, und die fatalste Seuche seit dem Schwarzen Tod.“

Aus: Roy Porter „Die Kunst des Heilens“ – Spektrum Berlin 2003

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Virologen – die derzeit einflussreichsten Experten

Eine Begutachtung

Wem gehen sie inzwischen nicht schon gewaltig auf den Senkel, diese Apokalyptiker aus einer sonst eher peripheren Zunft, mit ihren scheinbar mehr quantitativ denn qualitativ verbreiteten Meinungen. Ich provoziere mal und  sage bewusst „Meinungen“ und will nicht von „wissenschaftlichen Erkenntnissen“ sprechen.
Wie kann es sonst sein, dass diese Spezialisten (z.B. vom Robert Koch Institut) die Bedeckung von Mund und Nase lange für unnötig erklärten, und nun kommt die Meldung, dass das RKI seine Einschätzung für das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes jetzt offiziell geändert hat. Auf den Internetseiten mit den Corona-Empfehlungen heißt es nun, eine solche einfache Schutzmaske könne das Risiko verringern, „eine andere Person durch Husten, Niesen oder Sprechen anzustecken“.
Mit einer Essenz aus einer exakten Wissenschaft hat das wenig zu tun.

Aber sie sind die gefragtesten Mediziner oder Wissenschaftler derzeit in den Medien  – beachte: keine „Ärzte“! –  die sich in ihrer Bedeutung sonnen dürfen. Ob sie Drosten Wieler, Kekule´oder Streeck heißen. Sie werden zu medialen Superstars hochstilisiert („Kann Drosten Kanzler?“) – wenn nicht, versuchen sie es selbst mit diversen Methoden.

So ist auch zu beobachten, dass in den Kommentarbereichen diverser Blogs oder Online-Publikationen so manche Spezialisten/Virologen wie Trolle auftauchen und uns ihre Einsichten brutal um die Ohren hauen. Wie z.B. dieser hier:

„Wer sich nicht an die Schutzregeln hält, wird SICHER infiziert und jeder 10. Stirbt.
Gibt es Bevölkerungsgruppen, die sich nicht schützen, so werden sie gnadenlos dezimiert!“

Ein nachgewiesener Virologe oder Chemiker (?), offensichtlich aber Experte für Totschlag-Argumente, bietet dann auch noch eine Desinfektionslösung zum Erwerb der von ihm beeindruckten Zielgruppe an – wie man an anderer Stelle lesen kann: „Als Chemiker habe ich es für meine Familie nach WHO-Rezept angemischt, einen Rest kann ich abgeben: sapere–aude@web.de.“

Es nimmt schon seltsame Formen an. 

Als Arzt muss ich aber selbst aufpassen, nicht in eine höchsteigene Berufs- oder Erfahrungs-begründete Selbstgewissheit zu verfallen. Es sei mir aber doch gestattet, auffallende Übersteigerungen auch zu brandmarken.

Der Virologie, noch breiter gefasst der Mikrobiologie und der Infektiologie, haben wir wichtige und großartige Erfolge in der Behandlung, Eindämmung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten zu verdanken. Daran gibt es nichts zu deuteln.

Wenn wir mehr oder weniger glimpflich aus der gegenwärtigen Epidemie herauskommen wollen, haben wir deren Vorschriften und Verhaltensregeln zu folgen.
Als ehemals chirurgisch tätigem Arzt ist mir die Einhaltung solcher Regeln und hygienischer Grundprinzipien in Fleisch und Blut übergegangen und bestimmt auch all meine Reflexionen zum Thema. Was mir aber auch nicht den differenzierten Blick auf „anthropomorphische“ Phänomene verstellt. 

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Anhang

Um zu erklären, womit man es bei der Virologie zu tun hat, will ich für die Leser einen etwas längeren Text zur Historie anführen – ohne hoffentlich zu langweilen. Auszug aus einem Werk zur Geschichte der Medizin*:

Die Virologie

Die Mikrobiologie des 20. Jahrhunderts entstand durch seine Technologie, deren Fähigkeiten tagtäglich riesenhafter erschienen und es ermöglichten, das unendlich Kleine zu erforschen. Das Virus wurde zwar schon im 19. Jahrhundert deutlich mittels der Poren der Keramikfilter und später in Form von Zelleinschlüssen erkannt, wie sie Negri (1903) bei der Tollwut beobachtete, doch in Wahrheit entstand die Virologie erst im 20. Jahrhundert, dank der Elektronenmikroskopie, der Photographie, der neuen Möglichkeiten der Impfung und der Gewebekulturen, der Kenntnisse über Immunität, der Mikrobiophysik und der Mikrobiochemie.

Eine gewisse Anzahl von »filterpassierenden Viren«, welche durch die Arbeiten von Löffler und Frosch, Nocard und Roux dargestellt wurden, werden ihrer Struktur und ihrer Art entsprechend abgegrenzt und gelten heute als Auslöser zahlreicher häufig auftretender Infektionskrankheiten. Es gibt sehr viele Viren, die für den Menschen als pathogen erkannt wurden. Wir kennen zum Beispiel mehr als hundert Virusarten, die für Erkrankungen der Atemwege, von grippalen Infekten angefangen bis zu schwersten Bronchopneumonien, verantwortlich sind. Die meisten sogenannten Kinderkrankheiten sind viralen Ursprungs (Masern, Röteln, Mumps, Windpocken und durch Enteroviren her vorgerufene Erkrankungen).

Diese ansteckenden Erreger können für gefürchtete Krankheiten verantwortlich sein, ob sie nun entsprechend der Natur ihrer Nucleinsäure zur Gruppe der DNA-Viren gehören, wie das Pockenvirus und die Adenoviren, oder zu jener der RNA-Viren*, wie Herpesvirus, Myxovirus, Rhabdovirus, Enterovirus oder Arbovirus. Ein Beispiel dafür ist die Herpes-Enzephalitis mit meist tödlichem Verlauf, obwohl das Herpesvirus hominis seit den Arbeiten von Wildy 1960 eines der zur Zeit am besten bekannten Viren ist. Ein anderes Beispiel sind die Erreger der jahreszeitlich bedingten »Schnupfenepidemien«, unter denen unsere industrie- und handelsorientierte Gesellschaft stark leidet, da dadurch viele Arbeitsstunden ausfallen.

 

Die Grippe

Historische Landkarte der Influenzaepidemie, die Europa Ende des 19. Jh. heimsuchte.

Sie ist ein Paradebeispiel für eine Gesellschaftskrankheit, die in der Lage ist, die industrielle Aktivität zum Stillstand zu bringen. Angefangen von 876, dem Jahr, aus dem die erste Aufzeichnung einer erkannten Grippeepidemie stammt, bis 1837, liegt eine lange Zeit der Verwirrung in der Geschichte dieser Krankheit, obwohl die Grippe von Osten bis Westen regelmäßig die Kontinente heimgesucht zu haben scheint. …

Jede Epidemie hatte ihre Geschichtsschreibung; so hinterließen Sydenham 1676 und Graves 1835 genaue Beschreibungen der damaligen Epidemien, die sie den bösen Folgen der schwarzen Pest ebenso zuschrieben wie der Cholera. Colin blieb noch unbestimmter, er reihte die Grippe unter die »vulgären Krankheiten« ein, welche »epidemischen Charakter annehmen können«. 1837 gab Petrequin eine echte klinische Beschreibung der Krankheit heraus, dessen verantwortlichen Keim Pfeiffer 1889 isoliert zu haben glaubte. Obwohl dies ein Irrtum war, sollte die Vorstellung von der Grippe als einer ansteckenden Krankheit doch den mikrobiologischen Forschungen den Weg öffnen. Anläßlich der dritten großen Pandemie des 20. Jahrhunderts festigte sich auch wirklich die Erkennung der Grippe gemäß den wissenschaftlichen Gegebenheiten.

Die erste Pandemie, welche die spanische Grippe genannt wurde, obwohl sie von China ausgegangen war, forderte außerordentlich viele Todesopfer.

1918 vermutete Ch. Nicolle, daß Viren die Verursacher dieser Krankheit sind; Dujarric de La Rividre vertrat dieselbe Ansicht und zögerte nicht, sich subkutan ein Blutfiltrat eines Grippekranken zu injizieren, um seine Theorie zu beweisen. 1933 überwanden jedoch Smith, Andrewes und Laidlaw erfolgreich das erste wissenschaftliche Hindernis, welches der Erkennung eines Virus als Grippeursache im Wege stand, indem sie einem Frettchen ein Grippefiltrat ein impften. Schließlich gelang es dem Australier Burnet 1935, das Virus zu kultivieren, dessen drei Arten A, B und C nach und nach abgegrenzt wurden. In New York isolierte Magill 1940 das Virus B, Taylor das Virus C 1949, doch das Virus A bleibt als Erreger der großen Epidemien das wichtigste.

Dasselbe geschah bei der zweiten Pandemie 1946, deren Entwicklung dem Virus AI zugeschrieben wird und die glücklicherweise weniger schwer als die vorangegangene war. Der Grund dafür ist in der Verfügbarkeit von Antibiotika, diesem mächtigen Schutz gegen die Superinfektion, welche zu gefährlichen Komplikationen der Grippe führt, zu suchen.

1957 verbreitet sich die dritte Pandemie, die sogenannte asiatische Grippe (Virus A2). Nun wird aufgezeigt, daß diese Grippeepidemien durch die Entstehung von antigenen Mutationen des Virus A ausgelöst werden; das konnte die darauffolgende Epidemie von 1968, die sogenannte Hongkong-Grippe mit dem Erreger Virus A2, endgültig beweisen. Obwohl diese Epidemie weniger dramatisch verlief als die vorangegangenen, forderte sie in Frankreich doch dreißigtausend Tote. Schließlich wird, ausgehend von einer besseren Kenntnis des epidemiologischen Faktors und vor allem dank der Entdeckung der antigenen Veränderungen des Virus, eine Impfung vorgeschlagen (1973), deren Besonderheit es ist, einen prospektiven Schutz zu bieten, der von immunologisch abgeschwächten Stämmen hervorgerufen wird. Obwohl die Erkennung der Viren und ihres Aktionsmechanismus eine der Hauptsorgen der Forschungen der Pathologie der Infektion geworden ist, ist die Geschichte dieser Krankheiten weiterhin unvorhersehbar. Vor allem haben viele bedeutende Infektionen, deren Ätiologie höchstwahrscheinlich viral ist, das Geheimnis ihrer Identität noch nicht gelüftet.

Kaum sind einige erkannt, erschrecken sie schon durch ihre Agressivität. So haben die jüngsten Infektionen, die durch das Marburgvirus ausgelöst wurden (1967), und das Lassa-Fieber 1969 in Afrika mehrere tödliche Epidemien aus gelöst. Die ersten Fälle menschlichen Erkrankens am Marburgvirus wurden 1967 in Europa (Deutschland und Jugoslawien) bei Arbeitern beschrieben, die in Laboratorien mit aus Uganda importierten Affen umgingen. Die zwischenmenschliche Übertragung wurde erst erkannt, nachdem das medizinische Personal dieser Infektion schon einen schweren Tribut bezahlt hatte.

……

Die katastrophalen Wogen epidemischer Krankheiten, wie der Pocken und des historischen Typhus, werden durch die Gesundheitsorganisationen der Menschen oder durch die Schädlingsbekämpfungsmittel in Schranken gehalten. Doch obwohl die antiviralen Therapien erst im Anfang stecken und sich schon die Gefahr viroider Infektionen (durch »Miniviren«) bemerkbar macht, verdanken wir diese bemerkenswerten Ergebnisse der Entwicklung des therapeutischen Arsenals um die Mitte des 20. Jahrhunderts, über das wir verfügen und an dessen Spitze die Antibiotikatherapie und die Reanimationstechniken alle bisherigen Vorstellungen gründlich verändert haben. Die in diesen wenigen Jahren zurückgelegte Wegstrecke ist umso beachtlicher, wenn man bedenkt, daß die Pneumonie erstmals 1938 durch medizinische Behandlung geheilt werden konnte.

Leider sind unter dem Schutz einer schlecht verstandenen Sicherheit, welche uns die grundlegenden Kenntnisse der Asepsis von Pasteur vergessen läßt, nach und nach neue Infektionsformen entstanden, welche den Mikroben zu einem Rachefeldzug verhalfen, mit dem man nicht gerechnet hat. Meistens sind es Folgen unserer »unkontrollierten« therapeutischen Abenteuer, ob es sich nun um nosokomiale Infektionen, iatrogene Krankheiten oder multiresistente Keime handelt. Die Verbreitung von »Hepatitisviren« durch Produkte aus Blutderivaten ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie die Infektionen unseren Behandlungen durch Entwicklung von Resistenzen entkommen, welche die Keime durch chromosomale oder extrachromosomale, plasmidische Mechanismen erworben haben. Im Laufe des 20. Jahrhunderts hat die Entwicklung von »angeschlossenen Wissenschaften«, wie Enzymologie, Immunologie, Genetik und Hormonlehre, für die Pathologie der Infektionen ebenso viele Jungbrunnen geschaffen, in denen die ansteckenden Krankheiten durch Erneuerung mehr und mehr ihre eigentliche Einheit verloren haben.

In dem Text findet sich u.a. ein besonderer Hinweis, den man beachten sollte.
Bei der Bekämpfung der klassischen Infektionskrankheiten sind immense Erfolge erzielt worden, ob es sich um die Kinderlähmung, Tuberkulose oder die Syphilis handelt, jedoch: Die hierfür eingerichteten Sanatorien machen heutzutage psychiatrischen Anstalten Platz.
Geistige Infizierung als Begleiterkrankung mikrobieller Kontagion bedarf gleichermaßen unserer strikten Aufmerksamkeit.

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* „Histoire de la Medicine, de la Pharmacie, de l’Art Dentaire et de l’Art Veterinaire“ Societe francaise d’editions professionnelles, medicales et scientifiques. Albin Michel-Laffont-Tchou, Paris 1978
Deutsche Ausgabe: Andreas & Andreas, Verlagsbuchhandel, Salzburg 1986

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