„Wallraffing“ bei der AfD

Der Bergriff „Wallraffing“ kommt aus Schweden, womit man dort den Recherchestil des berühmt-berüchtigten Autors und Journalisten Günter Wallraff bezeichnet. Wallraff, „der sich meist mit anderer Identität in das unmittelbare Kernumfeld des Reportage-Ziels einschleuste“.

Just vor der Bundestagswahl wurde denn die AfD ebenfalls Beute des „Wallraffing“. Jedoch nicht durch den Erfinder der Methode selbst, sondern durch einen „Krimi-Autor“ namens Leif Tewes. Hinter diesem Pseudonym verbirgt sich jedoch ein IT-Unternehmer aus dem Rhein-Mein-Gebiet, der dort auch sein (Un)Wesen treibt.
Tewes will – wollte – mit sogenannten „Gegenlesungen“ aus seinem Roman den Wahlkampf der AfD in Hessen hintertreiben, schrieb die Frankfurter Rundschau.
Auf den Vorgang bin bei der Lektüre meiner Regional-Gazette gestoßen, in der emphatisch von so einer „Gegenlesung“ in der hiesigen Buchhandlung meines Mißtrauens berichtet wurde. (Eine Buchhandlung, die sich schon mal mit Zensurmaßnahmen gegenüber Sarrazin-Bücher nicht nur im Ort einen Namen gemacht hatte.)

Worum geht es? Der „Autor“ hatte sich mit einer falschen Identität in den AfD-Kreisverband Offenbach eingeschlichen und dort und im weiteren Umfeld ein Jahr lang „recherchiert“. Über seine Erfahrungen an einem AfD-Stammtisch berichtete er dann der Hessen-Pravda:
„Gruselig. In zweifacher Hinsicht. Erstens war es exakt so, wie ich es mir vorgestellt hatte: Der Raum, die Leute, alles. Und wenn man das dann sieht, so ein Hinterzimmer in einer gutbürgerlichen Gaststätte, schaut sich die Leute an, ganz normale Durchschnittsleute, und wenn die dann den Mund aufmachen – was man auf den Parteitagen zu hören bekommt ist ja schon geschliffen – dann wird es richtig gruselig.“
Der Partei-Kern bestehe aus Scharfmachern, meint er und besonders junge Leute in der AfD gehörten zu diesem „gruseligen“ Kern. Aus seinen „Erfahrungen“ strickte nun der taktische Defraudant einen Krimi – einen „Roman Noir“, wie er sagt – von dem es in einer Rezension heißt:
„Leif Tewes liefert zu aktuellen Themen ›Fake-News‹, ›Rechte Propaganda‹ und ›Islamistischer Terror‹ eine verschlungene Reise, die vom Rhein-Main-Gebiet über das Ruhrgebiet bis nach Syrien führt. Macht, Verführung und Lügen erweisen sich als elementare Zutaten eines Wahlkampfes, der sich durch die Medien und das Internet wie ein Lauffeuer verbreitet.“

Schon in einem früheren Krimi ging es dem Verfasser um Gier und Macht; ein Autor der von sich sagt „Ich glaube an das Schlechte im Menschen“.
Sinnigerweise werden seine Bücher denn von einem Verlag namens „Größenwahn“ herausgebracht.

Zur Ehre dieses literarischen Denunzianten mus man berichten, dass er sich noch vor der Wahl gegenüber „seinem“ AfD-Vorsitzenden geoutet hat. Der nahm das wohl recht gelassen und nüchtern auf. Zu recht, denn sehr erfolgreich war diese geplante Hintertreibungs-Aktion nicht, wie es auch die Ergebnisse vom Wahlsonntag aus dem Rhein-Main-Gebiet abbilden.

Der Krieg mit Worten

Toxische Begriffe

„Worte sind die mächtigste Droge, welche die Menschheit benutzt.“ sagte Rudyard Kipling. Also sind sie auch die wirkungsreichsten Gifte.

Vor einiger Zeit habe ich schon einmal den Versuch gewagt, hier eine Liste stigmatisierender Wörter und Begriffe aufzustellen. In etwas mehr als 7 Jahren hat sich diese überkommene Liste nun fast verdoppelt. Das ist aktuellen Ereignissen, neu hinzugekommenen politisch Handelnden und natürlich der massiv ausgeweiteten „Bereicherung“ in diesen Jahren geschuldet.

Die Vertreter der politischen Klasse und all diese Redakteure, Reporter, Feuilletonisten und Kommentatoren der „Qualitätsmedien“ herrschen seit je mit Worten und Begriffen, mit Andeutungen und Verdächtigungen, die einmal in Richtung eines Menschen ausgesprochen wie tödliche Giftpfeile wirken.
Das Arsenal dieser Giftwaffen wurde und wird stetig ausgebaut und die Gesinnungskrieger werden inzwischen massiv von staatlichen Einrichtungen (z.B. dem Justizministerium) und staatlich geförderten Institutionen (z.B. dem Netzwerk gegen Rechts, der Antonio Amadeo Stiftung) unterstützt und aufmunitioniert.
Nicht mit Armbrust oder Flinte werden die Pfeile abgeschossen – das Blasrohr ist die Waffe.
Nicht gleich den physischen aber den sozialen Tod vermögen diese Waffen zu bewirken. Obschon einige Getroffene inzwischen schon konkret um Leib und Leben fürchten müssen; vor allem wenn sie sich zu dieser neu entstandenen Partei bekennen, die sich „Alternative“ nennt. Ein Sachverhalt, der vor 7 Jahren noch nicht derart akut war.

Es gibt für die Getroffenen kein Gegenmittel oder Gegengift. Keine Immunität, keine Hilfe, außer vielleicht diesen Stoizismus, der so manchen Todkranken auszeichnet. Ein Auflehnen gegen die zugefügte Kontagion verstärkt meist noch die Wirkung des Toxikums.

Die „Pfeile“, die „tödlichen“ Worte und Begriffe heißen – sie können substantivisch oder adjektivisch abgewandelt bzw. eingesetzt werden – wie folgt:

• AFD (-ler, -Anhänger, -Befürworter)
• alter Herr
• Antisemit
• ausgrenzen
• ausländerfeindlich
• braun
• bürgerlich
• Burschenschaftler
• deutsch
• diskriminieren
• dumpf
• ethnisch
• eurokritisch
• extremistisch (nur in Verbindung mit „Rechts“)
• Faschist
• frauenfeindlich
• fremdenfeindlich
• Geschichtsrevisionist
• Gewaltverherrlicher
• Hass (-Redner)
• heterophil
• Holocaustleugner
• homophob
• identitär
• islamophob
• Klimaleugner
• konservativ
• menschenfeindlich
• menschenverachtend
• Nazi
• Nicht wählbar
• papsthörig
• Patriarch
• Pegida-Anhänger
• Populist
• Putinversteher
• rassistisch
• Reaktionär
• rechts
• rechtsextrem
• rechtsradikal
• Reichsbürger
• Relativierung
• Revanchist
• Revisionist
• Sexist
• Trumpversteher
• umstritten
• unbelehrbar
• Verschwörungstheoretiker
• Volksverhetzung
• völkisch

Man mag einzelnen dieser Geschosse eine geringere Giftigkeit zugestehen wenn sie für sich angewendet werden, aber die modernen Arkebusiere verwenden sie meist in Kombinationen, sodass sich die Wirkung wirklich als tödlich erweist – gewissermaßen durch Potenzierung.

Hier einmal mehr eine – gewiss unvollständige – Liste der populärsten Opfer:
Martin Hohmann, Philipp Jenninger, Jürgen Möllemann, Erika Steinbach, Stefan Heitmann, Martin Walser, Eva Herman, Thilo Sarrazin, Emil Nolte, Peter Krause, Michael Mannheimer, Björn Höcke, Roland Tichy, Henryk Broder und die Leute von „achgut“.
Dann gibt es noch eine Reihe weniger prominenter Personen, junge Leute wie Hinrich Rohbohm oder Sascha Jung, welche seinerzeit ebenfalls Giftanschlägen zum Opfer fielen.
Wie noch viele andere, die in Dorf oder Stadt in einem „Aufstand von Anständigen“, durch Denunziation von „aufrechten Demokraten“ exekutiert wurden oder werden: der Schornsteinfeger, Fussballtrainer, die Erzieherin, der Lehrer, ein unbotmäßiger Journalist usw.
Die Präparatoren der Giftpfeile und die Waffenschmieden sitzen auch in der Provinz. Sie beobachten und kämpfen auch aus mickrigen Redaktionsstuben kleiner Provinzpostillen heraus mit weltverbessernden Attitüden.
Jeden kann es erwischen, wenn er sich in der falschen Gruppe bewegt, verdächtige oder die falschen Freunde hat, sich für nicht gewünschte historische oder naturwissenschaftliche Wahrheiten einsetzen will, öffentlich eine Meinung äußert, die gegen den offiziellen Strich geht.
Aufpassen! Zwischen Lichterketten und Hinbewegen zum Scheiterhaufen wird man nur eine geringe Distanz wahrnehmen, wenn man sich unbedacht im öffentlichen Raum positioniert.

Kann man sich wappnen oder sich immunisieren?
Ernst Jünger hat eine Lösung beschrieben, um den Giftpfeilen aus den modernen Blasrohren zu entgehen: den Waldgang.
Aber war Ernst Jünger nicht auch rechts, reaktionär, Soldat und Gewalt-verherrlichend?

Die Denunzianten der Woche – KW 7

Sharon Chaffin, „Rechtsextremismusexpertin“ der Nordbayerischen Nachrichten und Clemens Heydenreich, „Lehrbeauftragter an der Uni Erlangen“

Paul A. Weber: Der Denunziant

 

Die linke Lokalpostille „Nordbayerische Nachrichten“ echauffiert sich heute über die Verbreitung von „rechter Literatur“ in Erlangen.
Man empört sich darüber, dass in der Spiegel-Bestsellerliste ein Buch aus dem – so die NN – „rechtspopulistisch ausgerichteten Kopp-Verlag“ zu finden ist und – was anscheinend besonders erbost: „Dessen Bücher gibt es auch in Erlangen!“
Stein des Anstoßes ist Gerhard Wisnewskis „Verheimlicht – vertuscht — vergessen 2017“, das derzeit auf Platz 5 der Bestsellerliste steht und – horrible dictu – damit auch in der Erlanger Filiale des Thalia Verlags beworben wird. Erlangen wird demnach rechtspopulistisch verseucht!?

Man schießt sich auf den Kopp-Verlag ein und die verantwortliche Autorin Sharon Chaffin scheut sich auch nicht vor dreisten Lügen: „Nach einer kleinen Anfrage von SPD-Abgeordneten 2015 im Landtag von Baden-Württemberg“ sei bekannt geworden, dass „das dortige Landesamt für Verfassungsschutz den Verlag beobachtet“. Eine Behauptung, welche der dazu vozierte Verfassungsschutz seinerzeit klar dementierte.

Die „Expertin“ weiß natürlich über den Kopp-Verlag, dass „Dessen Sortiment (…) überwiegend rechtsesoterische, pseudowissenschaftliche und verschwörungstheoretische Werke (führt). Auch rechtspopulistische und sogar rechtsextreme Titel finden sich im Programm des Verlages und Fachbuchversandes.“
„Rechtsesoterisch“, ein neues „Prädikament“ im Kampf der Antifa gegen rechts?

Clemens Heydenreich, Lehrbeauftragter für neuere deutsche Literatur und Komparatistik an der Uni Erlangen, wird mit folgendem Hinweis ins Spiel gebracht:
„Nicht zum Lachen ist eine weitere, eher informelle Art, Kopp-Bücher unter die Leser zu bringen. Immer wieder stöbert der Erlanger Clemens Heydenreich die öffentlichen Buchtauschvitrinen in der Stadt durch. Dort seien bisweilen ebenfalls Bücher aus dem Kopp-Verlag zu finden, etwa des kürzlich verstorbenen rechtspopulistischen Islamkritikers Udo Ulfkotte, schreibt Heydenreich im sozialen Netzwerk Facebook.“

Da haben wir wohl einen richtigen Literaturschnüffler, ein Schnoferl aus Profession.
Der Promovend hat wohl sonst nichts Besseres zu tun, als öffentlich aufliegende Buchsortimente zu durchstöbern und sich mittels Fakebook bekannt zu machen.
Wer bezahlt eigentlich diesen Wissenschaftsschmarotzer?
Über ihn liest man auf der Seite des „Interessenverband Comic e.V“: „Geboren 1974 in Köln. Literaturwissenschaftler, Kulturjournalist und Lektor. Lebt in Erlangen, wo er Neuere Deutsche Literatur, Mittlere Geschichte und Philosophie studiert und 2011 seine Promotionsarbeit eingereicht hat. Beiträge über Comic-Themen u. a. für COMIXENE, REDDITION, NÜRNBERGER NACHRICHTEN, JÜDISCHE ALLGEMEINE und G/GESCHICHTE“
Dieser 43 Jahre alte Comicer ist augenscheinlich immer noch nicht promoviert und frisst sich weiter auf Kosten anderer durch sein Schnüffel- und Denunziantendasein.
Im „freiesten Staat auf deutschem Boden“!

Der Denunziant der Woche 3. KW 2017

Catarina Woj

Quelle: dfjp.eu

Auf diesen Fall bin ich beim Studium unseres Lokalblättchens, dem „Gelnhäuser Tageblatt“ vom 13. Januar 17 gestoßen.
In einem Interview beim „Vorwärts“ mit der „Filmemacherin“ Catarina Woj kann man lesen, dass sie einen „Nazi“ aus einer berühmter Familie „entlarvt“ hat.

„Der Merck-Konzern ist das älteste pharmazeutisch-chemische Unternehmen der Welt und beschäftigt 50.000 Menschen. Eine TV-Dokumentation enthüllt: Markus Stangenberg-Haverkamp, Merck-Gesellschafter und Spross der Familie, ist Teil eines rechtsextremen Netzwerks.“

Caterina Woj und Andrea Röpke zeichnen verantwortlich für den Film „Das braune Netzwerk“, den sie für den Rotfunk (WDR) verfasst haben.
Der WDR zu der „Dokumentation“:

„Seit Jahren arbeiten neu-rechte Verleger und intellektuelle Vordenker der rechten Szene darauf hin, die Demokratie in ihren Grundfesten zu erschüttern.“

Dazu braucht es „mutige KämpferInnen“ wie Catarina Woj und die sattsam bekannte Antifa-Kämpferin Andrea Röpke.
Über Röpke ist schon einiges geschrieben worden.
Wer aber ist Catarina Woj?

Catarina Woj hat u.a. für das „Team Gesicht zeigen“ den Film „Weiblich, sexy, rechtsextrem“ produziert.
Ihre Website gibt Hinweise, was der Hintergrund der sozialen Störung von Frau Woj sein könnte. Sie wirbt fast ausschließlich mit dem Psychothema „Familienaufstellung“ zu dem sie für die Psychoszene einen „berührenden“ Film gemacht habe. Wer sich mit dem Thema auskennt, weiß, dass hier die Grenzen zum Obskurantismus sehr offen sind.
Warum kommt mir da just der „skandalöse“ Beitrag von Jürgen Fritz auf Tichys Einblick, der ja gelöscht wurde, „Warum Sie mit psychopathologisch gestörten grün-linken Gutmenschen nicht diskutieren sollten“ in den Sinn?

DER HINTERBRINGER

von Elias Canetti

Der Hinterbringer mag nichts für sich behalten, was einen andern kränken könnte. Er beeilt sich und kommt anderen Hinterbringern zuvor. Manchmal ist es ein bitteres Rennen, und obwohl sie nicht alle vom gleichen Punkt losgehen, spürt er, wie nah die andern schon sind und überholt sie in riesigen Sprüngen. Er sagt es sehr rasch und es ist ein Geheimnis. Niemand darf davon erfahren, daß er es weiß. Er erwartet Dankbarkeit und sie besteht in Diskretion. »Ich sag’s nur Ihnen. Es geht nur Sie etwas an.« Der Hinterbringer weiß, wenn eine Stellung bedroht ist. Da er sich so rasch fortbewegt, er beeilt sich sehr, wächst die Bedrohung auf dem Weg. Er kommt an und es ist schon ganz sicher. »Sie werden entlassen.« Der Betroffene erbleicht. »Wann?« fragt er und »Wieso? Man hat mir nichts gesagt.« »Man hält es geheim. Man wird es Ihnen im allerletzten Augenblick sagen. Ich mußte Sie warnen. Verraten Sie mich aber nicht.« Dann hält er eine ausführliche Rede darüber, wie furchtbar es wäre, wenn man ihn verriete, und während das Opfer noch keine Zeit hatte, die eigene Gefahr ganz zu ermessen, fühlt es schon Mitleid mit dem Hinterbringer, diesem besten Freund.

Der Hinterbringer läßt sich keine Beleidigung entgehen, die im Zorn geäußert wurde und sorgt dafür, daß sie den Beleidigten erreicht. Weniger gern hinterbringt er Lob, aber um zu beweisen, wie gut er gesinnt ist, zwingt er sich bisweilen dazu. In solchen Fällen beeilt er sich nicht und zögert noch an Ort und Stelle. Das Lob liegt ihm wie ekles Gift auf der Zunge. Bevor er es ausspuckt, glaubt er zu ersticken. Schließlich sagt er’s, aber sehr keusch, als hätte er Scheu vor der Nacktheit des Andern.

Sonst kennt er weder Scham noch Ekel. »Sie müssen sich wehren! Sie müssen etwas tun! Sie können das nicht einfach hinnehmen!« Er berät den Betroffenen gern, schon weil es länger dauert. Seine Ratschläge sind so, daß sie die Angst des Opfers vergrößern. Es ist ihm ja nur um das Vertrauen der Menschen zu tun, ohne Vertrauen kann er nicht leben.

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Die Nation der Denunzianten

Die Deutschen hätten sich seit der Nazi-Zeit nicht geändert. Sie seien geblieben, was sie unter ihrem „Führer“ gewesen seien: die „Nation der Denunzianten“, behauptete Rolf Hochhuth, als sich im Jahre 2007 junge sog. Historiker daransetzten, die Schriftsteller Martin Walser und Siegfried Lenz und den populären Kabarettisten Dieter Hildebrand ob ihrer früheren NSDAP-Mitgliedschaft zu dekuvrieren. Aber…

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Paul A. Weber: Der Denunziant

Was ist ein Denunziant?

Bedeutungsgleiche Wörter sind in der deutschen Sprache: Verräter · Anschwärzer · Judas · Verleumder · Zuträger · Petze(r)

Unter Denunziation (lat. denuntiare, „absprechend berichten, Anzeige/Meldung machen“; denuntiatio, „Ankündigung, Androhung“) versteht man laut Wikipedia „die – häufig anonyme – öffentliche Beschuldigung oder Anzeige einer Person oder Gruppe aus nicht selten niedrigen persönlichen oder oft politischen Beweggründen, von deren Ergebnis der Denunziant sich selbst oder den durch ihn vertretenen Interessen einen Vorteil verspricht.“

Heinrich Heine wurde einst mit Zensur und Schreibverbot drangsaliert. In seiner Polemik „Über den Denunzianten“ greift er den damaligen Literaturkritiker Wolfgang Wenzel an – schon historisch ein echter „Wendehals“ – der Heine der Franzosenfreundschaft und damit der Staatsfeindschaft bezichtigte. In seinem Traktat sieht aber Heinrich Heine den Volkscharakter der Deutschen aber durchaus positiver als der Gegenwartsautor R. Hochhuth. Das will ich an dieser Stelle nicht vorenthalten:

Die erste Tugend der Germanen ist eine gewisse Treue, eine gewisse schwerfällige, aber rührend großmütige Treue. Der Deutsche schlägt sich selbst für die schlechteste Sache, wenn er einmal Handgeld empfangen, oder auch nur im Rausche seinen Beistand versprochen; er schlägt sich alsdann mit seufzendem Herzen, aber er schlägt sich; wie auch die bessere Überzeugung in seiner Brust murre, er kann sich doch nicht entschließen die Fahne zu verlassen, und er verläßt sie am allerwenigsten, wenn seine Partei in Gefahr oder vielleicht gar von feindlicher Übermacht umzingelt ist … Daß er alsdann zu den Gegnern überliefe, ist weder dem deutschen Charakter angemessen, noch dem Charakter irgendeines anderen Volkes … Aber in diesem Falle noch gar als Denunziant zu agieren, das kann nur ein Schurke.

Der bekannte Spruch „Der größte Schuft im ganzen Land, ist und bleibt der Denunziant!“ wird dem Dichter des Deutschlandliedes Hofmann von Fallersleben zugeschrieben. In Wirklichkeit ist der Ausspruch wohl auf ein Gedicht des Sozialdemokraten Max Kegel (1850-1902) zurückzuführen, 1884 zur Zeit der Bismarck´schen Sozialistengesetze im „Wahren Jakob“ veröffentlicht. Wie im „Vormärz“ zur Zeit Heinrich Heines ging es hier um das Spitzeltum für die staatliche Obrigkeit.

Willst wissen du, mein lieber Christ,
Wer aller Menschen Auswurf ist?
Die Antwort liegt ja auf der Hand:
Es ist allein der Denunziant.

Gefährlich ist ein toller Hund,
Gefährlich ist der Lügenmund,
Gefährlich ist, wer stiftet Brand,
Gefährlicher der Denunziant.

Verpestet ist fürwahr die Luft,
Wo atmet solch ein Schelm und Schuft.
Verpestet ist ein ganzes Land,
Wo schleicht herum der Denunziant.

Der Wilde selber, der Barbar
Der Afrikaner rohe Schar
Hält hoch der Treue heilig Band,
Das frech entweiht der Denunziant.

Durchs ganze Leben Schimpf und Schmach
Geht ihm voran und folgt ihm nach.
Der Menschheit Schandfleck wird genannt
Der niederträcht´ge Denunziant.

Wird er erblickt im Freundeskreis,
Macht man ihm bald die Hölle heiß
Und ruft, ist er erst einmal erkannt:
Hinaus! Er ist ein Denunziant.

Und wenn er einst im Grabe liegt
Und seine Seel‘ nach oben fliegt,
Ruft Petrus: Fort, Halunk! Verbannt
Von hier ist jeder Denunziant.

Der Untertan

Aus der Endzeit der Wilhelminischen Ära stammt der Roman „Der Untertan“ von Heinrich Mann. Die tragende Figur der Geschichte, Diederich Heßling, ist ein armer Wicht, ein Denunziant, ein Opportunist und ist charakterlich in der tiefsten Schublade angesiedelt. Die Satire von H. Mann wird gerne gar von der „Wissenschaft“ herangezogen, um den unverbesserlichen deutschen Charakter als obrigkeitshörig, unterwürfig und autoritätsgläubig in negativster Bedeutung als zutreffend herauszustellen. „Der Untertan“ ist aber einer tieferen Betrachtung wert, als ihn 68er Klischees zu unterwerfen:

„(Heßling) … ist kein bloßer Epochen-, sondern eher ein überzeitlicher Charaktertypus, der sich in Umbruchs und Krisenzeiten besonders wirksam inszeniert. Heute nicht weniger als vor hundert Jahren. Jeder kann ihn gegenwärtig geradezu täglich am Werk sehen, sofern er ihn nicht dort sucht, wo er groteskerweise vom Mainstream verortet wird: bei irgendwelchen wirklichen oder imaginären »Rechten«. Dort ist er nämlich gewiß nicht, weil ein Untertan ständig bei den jeweiligen Siegern der Geschichte weilt – also ständig oben und nach unten tretend. Er verkörpert stets die gerade verkündete Staatsgesinnung, sei es Kaisertreue, Nationalismus und »schimmernde Wehr«, sei es »wehrhafte Demokratie, Pazifismus, identifikationsloses Aufgehen in globalen oder europäischen Organisationsformen oder durch Bevölkerungsaustausch. Er votiert je nach Stimmungslage für Denkmalbau oder -sturz, Judenhatz oder Judenverklärung, für oder gegen Toleranz, wobei der Unterschied nicht groß ist, weil gerade seine Unterstützung eines solchen Projekts stets auf Verfolgung hinausläuft.“

Schreibt Prof. Günter Scholdt in seinem bei Sezession erschienenen Text „Der ewige Denunziant: Heinrich Manns Untertan“.

Der ewige Denunziant

Mit diesem Text sind wir in unserer Zeit angelangt. Der Denunziant kann hierzulande, im „freiesten Staat auf deutschem Boden“ gleichermaßen Schutz durch Behörden erlangen, auch wenn er jemanden absichtlich mit nachweislichen Falschaussagen denunziert. Als Beispiel dazu der Fall einer Regensburger Familie, die von einer wenig wohlwollenden oder bösartigen Person mit unwahren Behauptungen beim Jugendamt angeschwärzt wurde. Eine Klage gegen dieses Subjekt, das „niederträchtige, denunziantische und verleumderische unwahre Behauptungen“ in die Welt gesetzt habe – so der Rechtsanwalt der Familie – wurde vom Regensburger Verwaltungsgericht unter Berufung auf Datenschutz abgewiesen.
Den Kindern zuliebe: Rechtsfreier Raum für Denunzianten


Denunziation als Symptom nichtfreiheitlicher Systeme

„Im ethischen Sinn wird allgemein von Denunziation gesprochen, wenn in einem nichtfreiheitlichen System Menschen bei staatlichen Vollzugsbehörden angezeigt werden, obwohl dem Anzeigenden klar sein muß, daß er sie damit der Gefahr der politisch motivierten Verfolgung aussetzt« (wikipedia).

Damit kommen wir zur politischen Dimension der Denunziation im gegenwärtigen System.

Zum Machterhalt oder Ausbau der Macht im Staate ist es für einen Machthaber wichtig, Informationen über gegnerische, gemeingefährliche politische Kräfte oder auch nur über extrem unzufriedene Staatsbürger zu erhalten. Dieses Geschäft erledigen normalerweise Geheimdienste, in der bunten Republik der sog. Verfassungsschutz oder besondere Polizeigliederungen nach Auftrag; in unserer Demokratie mit angeblich demokratisch-parlamentarischer Kontrolle. Man müsste meinen, dass dies im freiheitlichen System zur Stabilisierung von Staat und Gesellschaft ausreichend sei; besonders nach den spezifisch deutschen Erfahrungen mit Gestapo und Stasi. Aber auch in unserem „freiesten Staat auf deutschem Boden“, benutzen die Machthaber in immer stärkerem Ausmaß Denunziation durch freiwillige Helfer und nichtstaatliche Organisationen. Das System der politischen Korrektheit, das Durchdringen aller staatlichen, gesellschaftlichen Strukturen, von Verwaltung und Justiz, von Wissenschaft und Publizistik, unserer gesamten „Zivilgesellschaft“, mit der links-grünen, neukommunistisch totalitären Ideenlehre, hat einen für Deutschland eigentlich nicht mehr vorstellbaren Nährboden für Denunziation, Anprangerung, Verfolgung und Ausgrenzung geschaffen – mit Weckung nicht mehr möglich geglaubter destruktiver Kräfte. Wir haben inzwischen eindeutig „nichtfreiheitliche Verhältnisse“ nach unseren Ansprüchen. Der Bundesjustizminster versteht seinen Auftrag nicht mehr als Wahrer der Rechtsstaatlichkeit in Deutschland, er versteht sich eher als Vorstand einer Art Reichsicherheitshauptamt. Um seine Absichten ins Werk setzen, greift er auf die Hilfe staatlich nicht legitimierter Institutionen und Personen zurück. Dutzende Organisationen und „Wissenschaftler“ bewerben sich zusätzlich um staatliche Zuwendungen aus den Steuertöpfen und liefern dafür Berichte und Studien über Personen oder Gruppen unter dem Leitmotiv einer Gefahrenabwehr.

Die Gestapo war einst, es lebe die Gedapo, die öffentliche Gedankenpolizei.

Denunziation und Zensur sind Geschwister. Das „Auf-den-Index-Setzen“ von Personen und/oder deren Schriften hat eine Hochkonjunktur, wie seit den Zeiten der Inquisition und der Nazi-Herrschaft nicht mehr. Dazu mit einer bisher nicht vorstellbaren technischen Verfeinerung durch digitale „Tools“. Als Schriftendurchschnüffler betätigen sich inzwischen auch Leute, welche des originären Lesens, Textverstehens und Schreibens aufgrund digitaler Verblödung eigentlich gar nicht mehr mächtig sind.

„Psychologie“ des Denunziantentums

Was sind das für Menschen, die sich ohne Scham als Denunzianten betätigen und welche Motive treiben sie?

Von Psychologen wird die Denunziation als aggressiver und destruktiver Akt charakterisiert, ausgehend von einer „narzisstischen Persönlichkeitsstörung“ (oder wie deutsche Psychiater früher sagten, einer „narzisstischen Charakterneurose“). In der Psychologie wird auch von „parasitärem Narzissmus“ gesprochen, der stetig zu Erscheinungen wie Klatsch und Denunziation führt. Bei diesen Personen sollen fast immer Minderwertigkeitskomplexe und omnipotent-sadistischer Größenwahn aufeinandertreffen. Der Denunziant benutzt gerne „die Vollstreckungsorgane der Machthaber. Er ist ihr Sklave und möchte gleichzeitig Herrscher über den zu Denunzierenden sein.“

Man braucht sich nicht auf das nicht selten schlüpfrige Gebiet der Psychologisierung oder Psychiatrisierung zu begeben, um Denunzianten als das zu verstehen, was sie sind: sozial schädliche und destruktive Kräfte – besonders in einer sich als friedlich verstehenden Gesellschaft. Die Geschichte, nicht nur die des Dritten Reiches oder der kommunistischen Staaten, lehrt uns, dass es sich bei den Denunzianten um skrupellose und miese, oftmals über Leichen gehende Menschen handelt, die aus Hass, Rachegefühlen oder zugunsten eigener Vorteile agieren. Der Einsatz für „die gute Sache“ ist für diese Charaktere eine vorgeschobene Selbstlüge, um das eigene Gewissen – wenn denn überhaupt eines vorhanden ist – zu beruhigen.

„Du sollst kein falsch Zeugnis von dir geben wider deinem Nächsten“ heißt das 8. Gebot.

Der Denunziant wähnt sich nie im Unrecht, auch wenn er dreist von der Unwahrheit Gebrauch macht. Es geht ihm ja ausschließlich um die gute Sache, die Sache des Staates oder heute auch um die Sache aller Guten, zu denen er sich zählt. An das biblische Gebot halten sich nicht mal mehr einfache Kirchgänger, wenn sogar christliche Oberhirten in Deutschland zum Denunziantentum „konvertieren“; ob es sich um einen Erzbischof aus Bamberg oder den Kardinal aus Köln handelt.

Nochmal Prof. Scholdt:

… Prävention finden Tugendwächter stets beste Gründe, von Ministern bis zum Staatsfunk, die gegen Pegida, AfD oder jedwede nennenswerten Patrioten klotzen, als stünde ein Staatsstreich unmittelbar bevor. Daß dabei das Ganze aus dem Ruder läuft, nimmt man in Kauf. Es ist das Maßlose dieses (Um-) Erziehungswahns, das erschreckt, der vorauseilende Gehorsam, die streberhafte Übererfüllung der (vermeintlichen) sittlichen Norm, sei es in Sachen Klimaschutz, Genderwahn, Vergangenheitsbewältigung, Multikulturalismus, egalitäre Bildung, Inklusion, Willkommenskultur und so weiter. Und so jubeln sie denn den Goldhagen, Asylanten oder Scheinasylanten zu oder ändern flächendeckend Straßenschilder mit einem Eifer, als gelte es, Kinder aus den Händen von Mördern zu befreien, umwinden wie Diederich Heßling den volkspädagogischen Rohrstock mit Kränzen.

Es bedarf der „guten Sache“ um guten Gewissens zu töten, stellte Arnold Gehlen fest (in „Moral und Hypermoral“). Und der Denunziant mit seinem „guten Gewissen“ macht sich keine Gedanken darüber, dass er auch tötet.

Was tun gegen Denunzianten?

Da scheint kein Kraut gewachsen. In Modifikation des berühmtem Zitates von Albert Einstein, als er von der menschlichen Dummheit sprach, möchte ich feststellen:

„Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Bosheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“

Wenn die Medien- und Staatsmacht jemanden in den Klauen hat, ist kaum mehr ein Entrinnen möglich. Spitzenpolitiker der „demokratischen“ Parteien, wie Volker Kauder (CDU) und Thomas Oppermann (SPD) haben schon versprochen, dass es im neuen Jahr 2017 durch die verstärkte Überwachung des Internets, die ja bereits existiert, eine „härtere Gangart“ mit den sozialen Medien und damit mit deren Nutzern praktiziert werde.

Ich für meinen Teil, meide Facebook und Twitter o.ä. Es wäre zu überlegen, einerseits diese Medien zu meiden, wodurch aber ein Austrocknen der „Community“ bei der Masse von „Exhibitionisten“, Dummköpfen und Kommunikationsgestörten nicht zu erreichen sein wird. Andererseits wäre zu überlegen, ob eine massive Okkupation und Überfluten dieser Medien mit politischen Themen jenseits der Mainstream-Meinung nicht jegliche Überwachungstechniken an die Grenzen führen könnte. Der Gegenöffentlichkeit, damit der Denunziantenabwehr stehen noch die alternativen Internet-Zeitungen und Blogs mit ihren Netzwerken zur Verfügung. Wobei natürlich die staatlichen Überwachungs- und Zensurmöglichkeiten hier gleichermaßen Realität sind. China und andere totalitäre Staaten praktizieren dies bereits. Und dabei spielen die Anbieter, Provider und Internet-Giganten wie Facebook und Google einvernehmlich mit; sofern noch irgendeine eine Option zur Gewinn-Generierung für diese Konzerne verbleibt. Das „Reichssicherheitshauptamt“ des Holger Maas hat bereits Vereinbarungen für ein solch „konzertiertes“ Vorgehen auf die Wege gebracht. Noch existieren die alternativen Medien und die „subkulturelle“ Öffentlichkeit. Informationsträger wie Jouwatch oder TichysEinblicke brauchen aber nicht nur ideelle, auch finanzielle Unterstützung. Printmedien wie die „Junge Freiheit“, die „Preußische Allgemeine Zeitung“, „eigentümlich frei“ u.a., kann man mit einem Abonnement stärken, anstelle des lokalen „Konzentrations“-Blättchens oder der unsäglichen FAZ oder WELT, von den linken Postillen wir SZ oder ZEIT gar nicht zu sprechen.

Könnte man eine kollektive Zahlungs-Verweigerung-Aktion der GEZ-Gebühren nicht nur phantasieren? Bei einer Boykottierung der Gebühreneintreibung durch etwa 100.000 Bürger mit verbundener Klageeinreichung gegen das System, würde der bundesdeutsche Justizapparat wahrscheinlich auf diesem Gebiet kollabieren.

Da man es bei den Denunzianten fast immer mit konkreten Personen zu tun hat, sollte man diese auch öffentlich namentlich benennen und mit Richtigstellungen, feinsinnigen Invektiven und juristischen Verfahren bis zur Erschöpfung eindecken. Ob Frau Kahane oder gar der Bundespräsident, eine „Edelfeder“ einer Zeitung, ein „Anchorman“ des Staatsfernsehens, ein Kreativer einer Werbeagentur aus Hamburg oder Berlin oder ein pensionierter Lehrer aus Thüngersheim, ein „Freelancer“ aus Nürnberg und sonst irgendein subalterner Schreibknecht aus einer Redaktionsstube sollten in dieses Visier genommen werden. Das kann man als unchristlich, gleichermaßen unmoralisch ansehen, denn es heißt: „Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem andern zu.“ Wenn dem Denunzianten nicht sprichwörtlich „eine aufs Maul“ gegeben wird, er die Folgen seines Handelns nicht irgendwie schmerzhaft spüren kann, wird er sein Schandmaul immer wieder aufreißen, zum Schaden anderer. Er wird nicht auch die andere Backe hinhalten, wenn er einen Schlag auf seine linke erhalten hat. Da diese verqueren Charakter sich oft in der personalen Anonymität oder der einer Gruppe verstecken, sollte man als Gegenspieler immer mit offenem Visier und nicht als Anonymus auftreten. Das ist nicht nur eine Frage der Ehre.

Und – Notwehr ist legitim und Menschenrecht!

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Die Verleumdung, sie ist ein Lüftchen,
Kaum vernehmbar, in dem Entstehen,
Still und leise ist sein Wehen:
Horch, nun fängt es an zu säuseln –
Immer näher, immer näher kommt es her. –
Sachte, sachte! – Nah zur Erde!
Kriechend, schleichend! – Dumpfes Rauschen!
Wie sie horchen, wie sie horchen!
Wie sie lauschen, wie sie lauschen!
Und das zischelnde Geflüster,
Dehnt sich feindlich, dehnt sich feindlich aus und düster,
Und die Klugen und die Tröpfe
Und die tausend hohlen Köpfe
Macht sein Sausen voll und schwer! –
Und von Zungen geht’s zu Zungen –
Das Gerede schwellt die Lungen –
Das Gemurmel wird Geheule –
Wälzt sich hin mit Hast und Eile;
Und der Lästerzungenspitzen
Zischen drein mit Feuerblitzen,
Und es schwärzt sich Nacht und Schrecken
Schaurig immer mehr und mehr.
Endlich bricht es los das Wetter,
Unter grässlichem Geschmetter!
Durch der Lüfte Regionen
Tobt’s wie Brüllen der Kanonen,
Und der Erde Stoss und Zittern
Widerhallt in den Gewittern,
In der Blitze Höllenschlund! –
Und der Arme muss verzagen,
Den Verleumdung hat geschlagen. –
Schuldlos geht er dann, verachtet,
Als ein Ehrenmann zugrund.

Arie des Don Basilio aus „Der Barbier von Sevilla“ (1816) von Gioachino Rossini; Libretto von Cesare Sterbini

Proskriptionen, Reichsacht und die peinliche Halsgerichtsordnung

 Anno 2016

„Das Gesetz ist der Embryo des Terrors“
Nicolas Gomez Davila

 

Vorweg ein kleiner Ausflug in die (Rechts-) Geschichte.

Proskription (vom lat. Verb proscribere: ankündigen, öffentlich anbieten, ächten) bedeutete die öffentliche Ächtung römischer Bürger. Zu diesem Zweck wurde eine Proskriptionsliste – Proscriptio genannt – mit dem oder den Namen der Geächteten öffentlich angeschlagen. Die Proskriptierten wurden enteignet und ihre Vermögenswerte öffentlich und zugunsten der Staatskasse versteigert. Sie konnten ungestraft getötet werden, worauf oftmals sogar eine Belohnung ausgesetzt war. Erstmal nutzte der römische Diktator Cornelius Sulla das Mittel der Proskription in den Jahren 82 und 81 v. Chr., um seine Maßnahmen durchzusetzen, sich seiner Feinde zu entledigen und, nicht zuletzt, um sich Geldmittel zu verschaffen.

Die Reichsacht war im Mittelalter eine vom König beziehungsweise vom Kaiser erlassene Fried- und Rechtloserklärung, die sich auf das ganze Gebiet des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation erstreckte. Der Täter wurde rechtlos gestellt, und jeder aus der Rechtsgesellschaft, der dies vermochte, konnte ihn dem Gericht zuführen oder ihn unschädlich machen. Im Mittelalter gingen Reichsacht und Kirchenbann Hand in Hand, deshalb: in Acht und Bann. Prominente Geächtete in der Geschichte waren Heinrich der Löwe, Martin Luther und Götz von Berlichingen.

Kaiser Karl V. schuf das erste deutsche Strafgesetzbuch, die Constitution Criminalis Carolina, deutsch „Peinliche Halsgerichtsordnung“ genannt. Die Carolina kannte neben Leibes- und Todesstrafen erstmals auch Freiheitsstrafen, die allenfalls bei leichtem Diebstahl verhängt werden konnten und vielmehr als eine präventive Sicherungsverwahrung für rückfallgefährdete Wiederholungstäter dienten. Unter die Halsgerichstordnung fielen die Kapitalverbrechen wie Mord, Totschlag, Raub, aber auch Verrat und Zauberei. Die Ordnung sah als Todesstrafe folgende Hinrichtungsarten vor: Verbrennen, Enthaupten, Vierteilen, Rädern, Hängen, Ertränken, Pfählen und lebendig Begraben. Verschärfend konnte angeordnet werden, dass der Straftäter zusätzlich zur Hinrichtungsstätte geschleift oder zuvor mit glühenden Zangen gerissen wird. An Leibesstrafen nannte die Carolina das Abschneiden von Zunge, Fingern, Ohren oder Nase. Weitere aufgezählte Mittel sind der Pranger und das Stellen in das Halseisen sowie das öffentliche Verprügeln.

Liest man das Alles, mag man sich glücklich schätzen, in modernen, aufgeklärten Zeiten zu leben, nicht mehr in einem „Reich“, sondern in unserer bunten Republik, im „freiesten Staat auf deutschem Boden“. Haben wir doch all die Atrozitäten aus dem alten Rom und all den deutschen Reichen hinter uns gelassen. Doch nicht zu schleunig zum Schluss kommen! Gibt es nicht schon wieder Proskriptionslisten, das offizielle Verfügen in Bann und Ach, und wie steht es um unsere heutige Constitution Criminalis?

Proskription
Im „freiesten Staat auf deutschem Boden“ droht einem Proskriptierten „nur“ der wirtschaftliche oder der gesellschaftliche bzw. bürgerliche Tod, die „consumtio famae“. Die staatliche Obrigkeit hält sich augenscheinlich vornehm zurück, lässt aber die schmutzige Arbeit der Observation, Denunziation mit Erstellung von Proskriptionslisten, wenn nicht vom Verfassungsschutz, von beauftragten „Dienstleistern“ durchführen: wie der „Amadeu-Antonio- Stiftung“ unter der Leitung einer geschulten Stasi-Informantin. Eine neue Qualität ist aktuell durch die Aktivitäten von privaten Werbeagenturen entstanden, welche doch außerhalb der staatlichen Sphäre, dem rein wirtschaftlichen Bereich verpflichtet scheinen. Inzwischen muss man auch von solchen Organisationen damit rechnen, dass diese z.B. nicht im offiziösen Gesinnungs-Kanon angesiedelte Meinungsblogs auf den Index setzen. Ein Mitarbeiter der Hamburger Werbeagentur Scholz & Friends (!) namens Gerald Hensel hat mit seiner Initiative „Kein Geld für Rechts“ einen solchen Boykottaufruf erlassen. Auf seiner Proskriptionsliste fanden sich z.B. die Netzzeitungen „achgut“ und „Tichys Einblick“. Ziel der Kampagne ist, diese unliebsamen Informationsmedien von Werbegeldern abzuschneiden. 1933 hieß es „Kauft nicht bei Juden“, 2016 „Lest nichts von Rechten“. Von diesem Schubiack Gerald Hensel distanzieren sich inzwischen Scholz & Friends recht katzenfreundlich. Wie lange? Die Branche der besonders „Kreativen“ scheint Gesinnungslumpen anzuziehen. Ich rede aus Erfahrung, wurde ich doch vor nicht allzu langer Zeit Ausspähungs-Opfer eines solchen Branchenangehörigen, eines „Freelance Texter, Konzeptioner, Creative Director“ aus dem Fränkischen, der mich auf seine persönliche Proskriptionsliste setzte; was denn auch von der lokalen Qualitätspresse sensationsgeil aufgenommen wurde.

Reichsacht
In die neuzeitliche “Reichsacht“ werden Einzelne und auch ganze Gruppen versetzt. Waren es zu Beginn des 30-jährigen Krieges die Parteigänger des protestantischen „Winterkönigs“ von Böhmen, Friedrich V. von der Pfalz, die gegen die habsburgische Reichsmacht auftraten, sind es heute unliebsame Parteien oder Bürgergruppen. Die AfD kratzt an der Macht der Etablierten, Pegida steht für das aufmüpfige Volk und so werden sie von staatlichen Vertretern – mit Hilfe ihrer Büttel, den Medien – in „Acht“ gegeben und gleichlaufend von Kirchenvertretern mit dem „Bann“ belegt. Den Ketzer und Agitator Martin Luther und den Aufrührer Götz von Berlichingen zeichnete nach der Überlieferung vor allem auch eine derbe Sprache aus. Derbe Sprache, wenn sie dadurch unverblümt Wahrheiten preisgibt, muss heute wie einst als ordnungswidrig und strafbewehrt angesehen werden. Das musste der einst wohlangesehene Krimi-Autor Akim Pirincci erfahren, als er begann, sich politisch zu artikulieren und einzumischen. Der türkischstämmige Prosaist wurde geschasst, als er sich als unverblümter deutscher Patriot zeigte und mit deftiger Sprache gegen all das polemisierte, was im bundesdeutschen Zeitgeist unberührbar angesehen wird. Der angepasste Buchhandel weigert sich jetzt, seine einst erfolgreichen und beliebten Bücher zu vertreiben. Pirincci ist sicherlich ein gleich schwieriges Geschöpf wie Luther oder der von Berlichingen. Aber heute scheint die Obrigkeit solche Personen genauso schwer aushalten zu wollen wie vor 500 Jahren.

„Peinliche Halsgerichtsordnung“.
Die physischen Prozeduren der „peinlichen Halsgerichtsordnung“ (peinlich von poenia = Strafe) sind wie die der altrömischen Proskriptionen in der „Moderne“ wohl nichtig geworden. Dafür erleben wir psychische Herangehensweisen in bisher nicht gekannten Dimensionen. Wir werden nicht mehr wirklich gerädert, gevierteilt oder geköpft (außer man fällt Vertretern einer bestimmten Friedensreligion in die Hände), nicht mehr real mit glühenden Zangen gerissen und uns die Zunge herausgeschnitten, wenn wir uns unbotmäßig erweisen. Doch: Das an den öffentlichen, sprich: An den medialen Pranger-Stellen, das Zwängen in das Halseisen der Zensur hat höchste Blüte; „Verprügeln“ geschieht rhetorisch in den Kommentaren der Büttel-Presse und den Geschwätz-Sendungen des Staatsfunks; das virtuelle „Zunge-Herausschneiden“ ist dort höchst im Schwange. All das mit einer Raffinesse und mit der Folge einer Vernichtung der Person, wie es sich Machiavelli hat nicht vorstellen können.
Verrat und Zauberei – heute heißt das Volksverhetzung, Hassrede, Gedankenverbrechen. Mord, Totschlag und Raub scheinen weniger der öffentlichen Aufmerksamkeit der „Halsgerichtsordnung“ wert, als Gedankenverbrechen von Rechts. Mord, Totschlag und Raub, wenn sie aus richtiger Manier, aus „Ehre“ oder aus sozialer Deprivation heraus begangen werden, erfahren von den Vollstreckern der neuzeitlichen Halsgerichtsordnung großzügige Milde. Eine Milde, auf die ein „Volksverhetzer“, der sich z.B. gegen dieserart positiver Volksgruppen-Justiz ausspricht, nicht unbedingt hoffen kann.

Proskription, Acht und Bann: „Es geschieht nichts Neues unter der Sonne“ heißt es schon im Alten Testament (Prediger 1,9).