Unverbrüchlich im Laberland

Die Universität Frankfurt feiert ihre 68er

Als ein „Studierter“ interessiert man sich schon dafür, was sich noch so tut an der „Alma Mater“. Meine „alte Uni“ Würzburg bietet mit „Blick“ oder mit dem Online-Magazin „Einblick“ ansprechende Informationen auch für mich „Ehemaligen“. Das Thema „68er“ hat aber dort augenscheinlich keinen so hohen Stellenwert, wie in der Nachbarschaft. Nun ist mir einmal mehr ein Heft „Forschung Frankfurt“ das sog. „Wissenschaftsmagazin der Goethe Universität“* unter die Finger gekommen: Im Heft 1.2018 beschäftigt man sich ausschließlich mit den „68ern“.

Quelle Screenshot

Ich habe mir nun die Mühe gemacht das ganze Heft durchzuarbeiten, wenngleich bei der Lektüre immer wieder eine Art Brechreiz bei mir hochkam.

Die Aufmacher bzw. Themenbereiche der Zeitschrift lauten:

1. Mit Marx in den Hörsaal – Was 1968 an der Goethe-Uni geschah
2. Das Private ist politisch – Herrschaft in den Kapillaren des Alltäglichen – damals und heute
3. Vom Weiberrat zur Professur – Die neue Frauenbewegung
4. Der Sound der Revolution – Rebellion und
nstitutionalisierung von Rockmusik
5. Politik des Bewusstseins – LSD und andere Drogen
6. 1968 MEETS 2018 – KD Wolff im Gespräch mit heutigen Studenten

Erwähnt werden darf noch der redaktionelle Plot „Zeitzeugen erinnern sich“.

Diese obigen Punkte sind die Stichworte für 20 Beiträge von „Wissenschaftlern“ – alten wie neuen – der Uni Frankfurt und dazu dürfen 5 „Zeitzeugen“ zu Wort kommen.
Unter den Autoren dieser 20 Artikel ist kein einziger Naturwissenschaftler oder Mediziner zu finden, abgesehen von einem gescheiterten Physiker, der dann in den „Erziehungswissenschaften“ wieder in Frankfurt strandete.
Unter den Zeitzeugen läßt man dann doch einen Physiker und einen zum Mediziner gewendeten ehemaligen Jura-Studenten zu Wort kommen.

Die Hauptartikel werden unter „Auf den Punkt gebracht“ jeweils mit Schlagworten zusammenfassend ausgewiesen, aus denen man einige Metaphern des fortlebenden Geistes aus 68 extrahieren kann.

Hier einige Auszüge: 

  • Zu 1968 in Frankfurt gehört die Entdeckung der faschismus- und kapitalismuskritischen Arbeiten des Instituts für Sozialforschung in einer von revolutionären Befreiungsbewegungen in der Dritten Welt und Protestbewegungen in den Metropolen geprägten Gegenwart.
  • Demonstrationen und Besetzungen machten neue Erfahrungen möglich: Straßen und Plätze wurden zu öffentlichen Räumen für politische Partizipation, universitäre Einrichtungen ermöglichten Experimente mit selbst bestimmtem studentischen Lernen und Diskutieren.
  • Von den vielen damals kursierenden Slogans hat sich angesichts des Zerfalls der Protestbewegung und der Zerstreuung der zur »Frankfurter Schule« gerechneten Personen einer bewährt: Nicht Berufsrevolutionär kann das Ziel sein, sondern Revolutionär im Beruf.

Die Verfasser der einführenden Kapitel sind nach ihren Biografien und ihren Niederschriften den 68ern – hier speziell der „Frankfurter Schule“ – durchaus verhaftet gebliebene Soziologen, Philosophen oder Historiker. Die „Lehrer“ Horkheimer, Adorno und Habermas werden dabei als Ikonen für den gesellschaftlichen Fortschritt herausgeputzt.

Zur 68er Legendenbildung gehören Personen, bzw. ein Personenkult, wie bei den „revolutionären“ Vorbildern Mao, Ho Tschi Minh, Fidel Castro usw.
Unter der Überschrift „Die Welt in Bewegung“ führt man denn aus:
„Nationale Akteure als transnationale Ikonen eines globalen Phänomens“.

  • Die Protagonisten der 68er-Bewegung wirkten in einem grenzüberschreitenden Netzwerk zusammen. Daniel Cohn-Bendit, Tariq Ali und Rudi Dutschke teilten die Erfahrung der erzwungenen Migration.
  • Von Nationalkonservativen gehasst und bekämpft, wurden die Aktivisten und ihre gesellschaftspolitischen Vorstellungen verunglimpft, ihre Forderungen und Kritikpunkte jedoch von Intellektuellen und einigen Leitmedien durchaus ernstgenommen und öffentlich diskutiert.

Z.B. Daniel Cohn-Bendit, der sich 1968 mit nichts anderem als einem „revolutionären“ Background anmaßte, für das Amt des Rektors der Universität Glasgow zu kandidieren; der pädophile, kommunistische Wegbereiter der Grünen-Bewegung.
Bei allen Dreien spricht der Verfasser von einer „erzwungenen Migration“. Eine Behauptung, die bei sachlicher Betrachtung unpassend wenn nicht falsch ist, aber natürlich passend als Vorbilder und für Zeiten von neuer „erzwungener Migration“.

Bezüglich des kulturellen Einflusses der Frankfurter 68er – auch unter dem Aspekt von „Rock- und Popkultur“ fällt das Resümee der zuständigen Verfasser eher bescheiden aus.
„Ist 68 schuld an Frankfurts verheerender Poplosigkeit?“ fragt ein Autor:

  • In Frankfurt stagniert seit 1968 die popkulturelle Entwicklung, weil die allmählich zum kulturellen Establishment aufsteigende linke Sponti-Fraktion ihren liebgewonnenen Protest-Sound gewissermaßen institutionalisiert

und

  • Das Frankfurter Studierendenhaus** auf dem Campus Bockenheim entwickelte sich in den 1960er Jahren vom Quartier einer literarisch-ästhetischen Alternative zum Schauplatz der politischen Revolte.
  • Die hier ansässigen kulturellen Initiativen »neue bühne«, »diskus«, »studiogalerie« haben zu dieser Entwicklung beigetragen, indem sie die etablierte Ordnung durch neue kulturelle Ideale und Formen von Gegenöffentlichkeit infrage stellten.

Erstaunlich ist, dass sich nur ein Artikel der Lobschrift mit „Gedöns“ (Gerhard Schröder) beschäftigt. Nun ja, ist doch Frankfurt inzwischen ein ausgewiesener Hort für gescheiterte  „Excellence Cluster“ – nicht nur in Genderismus und assoziierten Müllwissenschaften.

  • Mit der Parole »Das Private ist politisch« forderten Frauen auf der Delegiertenkonferenz des SDS 1968 in Frankfurt, ihre Geschlechtsgenossinnen für den politischen Kampf zu gewinnen. Die Ignoranz der Genossen provozierte den »Frankfurter Tomatenwurf«.
  • Aus dem Autonomiegedanken der 68er Bewegung entstand eine eigene Kultur mit vielfältigen Angeboten für Frauen. Sie bildeten auch die Basis für die Einrichtung der ersten Frauenprofessur Deutschlands 1987 an der Goethe-Universität.

 

Man muss bei der Wertung dieser Festschrift für 68 zugestehen, dass es sich nicht um eine ausschließliche Apologie handelt, es kommt durchaus Kritisches zur Sprache, eher von Juristen und Wirtschaftswissenschaftlern ausgeführt. All die Soziologen, Pädagogen, Psychologen, Kunstvermittler und -Vermittlerinnen und Philologen können ihre Arretierung oder Sympathie für die „68er-Bewegung“ nicht verhehlen. Auch wenn „die Verbreitung von antibürgerlichen, antiwestlichen, antikapitalistischen Tendenzen und eine vermeintlich allgegenwärtige politische Korrektheit an deutschen Universitäten oder der massive Widerstand gegen Studiengebühren vonseiten links gerichteter Studierender“ von einem Autor gebrandmarkt werden. 

Die Sprache der 68er hat aber bei allem Geschmäcklerischen, wohl dann doch für den analysierenden Philologen etwas Gutes, denn:

  • Mit Parolen wie »Demokratie im Notstand« traten sie einer Rückkehr des Faschismus entgegen.

 

Mit dieser „Parole“ und mit „Das Private ist politisch!“ wird ersichtlich, dass man aus einer Phrase ein Programm machen kann, das „in die Kapillaren der Alltäglichen“ einzudringen vermag. Vor allem die „Frauenbewegung“ reklamiert diesen 68er Spruch als Kondensat ihrer Betrachtungen im Sinne der „Politik der ersten Person“.

Vefolgt man die Entwicklung der geisteswissenschaftlichen Felder kann man hier inzwischen durchaus von einer „normativen Kraft des Phraseologischen“ sprechen:

  • 68 ging es bei den Diskussionen und Analysen um die »Weltherrschaft des Kapitals« und den Zusammenhang von Faschismus und Kapitalismus immer zugleich um die Manifestationen von Herrschaft und Unterdrückung in den Kapillaren des Alltäglichen.
  • Dabei konnte man auf die (ältere) Kritische Theorie zurückgreifen, die stets ein Augenmerk auf die Analyse von Alltagsroutinen gelegt und diese ideologiekritisch betrachtet hat.
  • Mit der umfangreichen Digitalisierung der kommunikativen Infrastruktur sind heute neue Potenziale der Kommodifizierung persönlicher Daten und privater Kommunikationen entstanden.
  • Eine kritische Theorie des Privaten kann die Paradoxien von scheinbar freiwilligen Entscheidungen, die de facto aber freiheitseinschränkend sein können, gezielt in den Blick nehmen.

 

Von den „Zeitzeugen“ formuliert einer der Naturwissenschaftler, was 1968 Studenten in den heute so genannten MINT-Fächern und Medizinstudenten bewegte.
Im Gegensatz zu der Vielzahl der 1968 aktiven Studenten aus den geisteswissenschaftlichen Disziplinen, welche sich zu Massen an den „revolutionären“ Universitäten Frankfurt und Berlin tummelten, von dort angezogen wurden, die dann nachfolgend in den sog. Reformuniversitäten von Bremen bis Bielefeld als „Wissenschaftler“ reüssierten und dann in Frankfurt den ein oder anderen Lehrstuhl ergatterten, war “laborare statt labern“ unser Slogan. Wer sein Physik-, Chemie- oder Medizin-Studium nicht nur in der Zeit, überhaupt durchziehen wollte, konnte sich nicht an den Laber- resp. Diskussionsrunden, an „sit-ins“, „teach-ins“, an „Latsch-Demos“ oder anderen „revolutionären“ Aufzügen beteiligen.
1968 hatte ich als Medizinstudent pro Woche 40 und mehr Pflichtstunden im Hörsaal oder im Labor zu absolvieren, dazu dann Vor- und Nachbereitung der Vorlesungen und der Kurse für die regelmäßigen Testate und Prüfungen. Kommilitonen, die Zahnmedizin studierten, hatten noch mehr Pflichtstunden und -Übungen zu absolvieren, wie auch die Biologen, Chemiker oder Physiker im Diplom-Studiengang.

Das Studium war übrigens keineswegs gebührenfrei: bis 1970 hatte ein Medizinstudent in Bayern noch durchschnittlich 250.- DM pro Semester an Vorlesungs- und Seminar-Gebühren zu entrichten.

 

Was bewegt einen „Studierenden“** an der Frankfurter Uni heute?
Unter der Sub-Überschrift „Bewegte Studenten gestern und heute“ findet man in dem Magazin ein Gespräch, das zwei „Studierende“ der Erziehungswissenschaften mit „KD“ Wolff führen durften. (Hinter KD verbirgt sich mit Namen der damalige SDS-Bundesvorsitzende Karl Dietrich Wolff, einer der „Protagonisten der 68er Bewegung“ wie es hier heißt.)
Ein „Studierender“ namens Dumke fragt den Veteranen aus der 68er Zeit:

„Die Offenheit der Diskurse wird immer mehr auch von rechtspopulistischen Gruppen genutzt. Neonazis geben sich intellektuell und versuchen, die eigene Hetze auch mit der Chiffre der Meinungs freiheit salonfähig zu machen. Ist das ein Kollateralschaden der Diskursoffenheit, oder ist das für Sie eher ein Rückschritt in eine faschistoide Kleinbürgerlichkeit?“

Die Frage ist symptomatisch für den Geist, welchen nicht nur diese Publikation aus dem Schlund der Frankfurter Uni atmet: der Feind ist bürgerlich, konservativ und rechts.

 

Meine Ausdeutung der Frankfurter Festschrift zu 68 mag manchem einseitig und nicht fair erscheinen, nachgerade „unwissenschaftlich“.
Wenn in der Ausführung etwas unwissenschaftlich und mit verklärendem Duktus auftritt, ist dies eine wissenschaftliche Würdigung ohnehin nicht wert – auch wenn „Forschung“ darüber steht.
Der Pressesprecher der Uni Frankfurt Dirk Frank, der diese Schrift mit zu verantworten hat, läßt auch verstehen, dass die Frankfurter Uni „eine dezidiert linke Tradition“ hat; nicht nur!
Mit der Publikation ergötzt man sich an sich selbst und schwelgt in seiner Tradition der Kritischen Theorie und Praxis mit seinen vor- und nachrevolutionären Lichtgestalten wie Adorno, Horkheimer und Habermas.

Da lobe ich mir doch meine feine und kleine, alte Alma Mater in Würzburg mit ihrer naturwissenschaftlichen Tradition; wenngleich inzwischen der nicht enden wollende linke  Zeitgeist bisweilen auch dort seine Urständ feiern darf.

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*     Wen es interessiert, der kann sich hier das Magazin herunterladen.

**   Gemäß der gegenderten Sprache, verwendet kaum einer der der Autoren das Wort Student oder Studentin, außer bei vielleicht als definitiv angesehen Komposita wie Studentenrevolte etc.

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Stille Tage in Prag …

 Prager Frühling 1968

Hradschin, Prag – Von Stefan Bauer, http- www.ferras.at – Eigenes Werk, CC BY-SA 2.5,

Heute vor 50 Jahren endete ein hoffnungsvolles, freiheitliches Experiment innerhalb des real existierenden Sozialismus: der „Prager Frühling“. Vom Januar bis zum August 1968 konnten Menschen aus dem Ostblock, wenn es ihnen vergönnt war, nach Prag reisen, um erstmals so etwas wie Luft von Freiheit zu schnuppern. Kam man aus dem Westen, gab es außer des Zwangsumtausches von läppischen 5 DM pro Tag keine Schikanen und Schurigeleien mehr an den Grenzen, wie man sie beim Übergang von Deutschland nach Deutschland erdulden musste.

Die tschechoslowakischen Reformkommunisten um Alexander Dubcek und dem Wirtschaftswissenschaftler Ota Šik hatten begonnen, ein Liberalisierungs- und Demokratisierungsprogramm durchzusetzen.
Im Februar 1968 hatte Dubček die Pressezensur aufgehoben und die Meinungsführerschaft hatte inzwischen von der Partei zum Volk gewechselt. Die Freiheit von Presse, Wissenschaft, Information und Reisen waren wichtige Schritte auf dem Weg zu einem angestrebten kulturellen Pluralismus und zu einer neuen, eher marktwirtschaftliche orientierten Wirtschaftsordnung – aber ohne den „Sozialismus“ aufzugeben.
Den Bemühungen setzten dann die „sozialistischen Brüder“ des „Ostblocks“ ein jähes Ende. In der Nacht vom 20. zum 21. August 1968 besetzten Truppen des Warschauer Pakts die Tschechoslowakei – unter Beteiligung der DDR.

 

Ich selbst war von 1967 bis 1968 dreimal in der CSSR, die frühere Heimat meiner Eltern und Großeltern im Böhmerwald zu besuchen und dann einige Tage in Prag zu verbringen.
Prag war für mich eine Obsession: die Moldau mit ihren Brücken, daneben das Nationaltheater und über allem der Hradschin mit dem Veitsdom. Die Altstadt mit dem Ring, dem Judenviertel und seinem beeindrickenden Friedhof. Dann der Wenzelsplatz und die „Kleinseite“ und die vielen Kneipen und Cafes, die Stammkneipe Schweijks, das U Kalika oder die ultimative Prager Bierschwemme, das U Flecku. Und dann das Cafe Slavia, gleich gegenüber dem Nationaltheater.

Prag, Nationaltheater – Von Lynx1211 – Eigenes Werk

Der Besuch im Slavia , dieser Prager Kultstätte, war ein „muss“. Dort trafen sich seit jeher Künstler und Literaten und während der Zeit des Kommunismus viele Studenten und Oppostionelle. Die Atmosphäre des Cafe Slavia war wohl stets in besonderer Weise anregend.

Zu diesem Thema fand ich denn vor Jahren, es war 2012, einen wunderbaren Aufsatz des Schriftstellers und Journalisten Ulrich Schacht* in der leider nicht mehr existenten Zeitschrift MUT.
Schacht schreibt von seiner expressiven Liebe und Bindung an diese Stadt. Er beschreibt ein „Glücksgefühl….. das mich vor so langer Zeit an diesem Ort gepackt hatte wie eine erste große Liebe, die einen nie verläßt.“
Schacht war 1968 als Siebzehnjähriger das erste Mal in Prag und erlebte als DDR-Bürger erstmals, wie Freiheit, die er gern erleben wollte, sich anfühlt. Bei einem neuen Besuch im Cafe Slavia mehr als 40 Jahre nach seinem ersten Besuch, mehr als 20 Jahre nach dem Mauerfall, refelektiert er jetzt in diesem Bericht über die Suppressionen, die jetzt im Namen von Freiheit uns von den neuen Zentralkomitees in Brüssel und anderswo auferlegt werden und führt seine Gedanken zurück zu dem damaligen echten, aber gescheiterten Aufbruch in die Freiheit in Prag.

Der Absinth-Trrinker von Viktor Oliva – Cafe Slavia

 

„…. Als ich meine Augen wieder öffnete, fiel mein Blick auf das berühmte Bild im hinteren Teil des Cafes: Es zeigt in unspektakulärem Grau und Braun nichts anderes als einen Ort wie den, in dem ich gerade saß, in seinem Zentrum aber nur einen einzigen Gast. Das Bild wäre zu übersehen, stünde in seinem wahren Mittelpunkt nicht etwas ganz Anderes: ein Geist. Ein Geist von giftgrüner Farbe und höchst verführerischer Gestalt. Der Mann am Tisch ist sein Opfer, denn der Mann am Tisch ist ein Trinker, und das, was er trinkt, ist – es leuchtet mit tödlicher Aura in einem Glas, das vor ihm steht, und sitzt zugleich als nackte junge Frau aus grünlich-durchsichtigem Nebel lasziv auf der Kante des Möbels ― Absinth. Ich habe noch nie Absinth getrunken, aber ich weiß, daß er wieder zurückgekehrt ist: wie eine süchtig machende Mode, die lange verschwunden war. Und nun ist sie erneut da, so neu und so chic wie einst; aber schluckt man ihn wirklich wieder so exzessiv wie damals? Absinth, dachte ich, was für ein schönes Wort für ein so abgründiges Naß, und trank mit Genuß einen ersten Schluck von meinem kühlen Chardonnay. Dann schnitt ich meine Zigarre an, befreite sie vorsichtig von ihrer Bauchbinde und begann mit der Zeremonie des Entzündens. Seit drei Tagen immer wieder dasselbe erregende Spiel, und seit drei Tagen sagte niemand, noch bevor es begann: Rien ne va plus. Rauchen verboten!
Ja, in Prag darf man in Restaurants noch rauchen, und fast hat es den konterrevolutionären Charme jener „2000 Worte“, die vor einem halben Jahrhundert den greisen Revolutionären zu Moskau, Warschau, Sofia, Budapest und Berlin die letzte Legitimation dafür lieferten, endlich ihre Soldaten, Panzer und Flugzeuge in Bewegung zu setzen, um dem Freiheitsspuk in Prag für lange Zeit ein Ende zu setzen. Heute sitzen – ging ich den eingeschlagenen Gedankenweg weiter – die neuesten alternden Revolutionäre zwar weit im Westen, gleich hinterm Ärmelkanal, aber daß in den Restaurants zu Prag noch immer blauer Dunst aufsteigen darf, treibt sicherlich ganze Kommissariate in der Welthauptstadt des Allerneusten Menschen um, in unzähligen Sitzungen zu prüfen, wie man dieses Mal das interventionistische Theorem von der begrenzten Souveränität im Fall Prags anwenden könnte, ohne Blutvergießen zwar, aber mindestens genauso wirkungsvoll.
Ich dachte dies, als ich die erste zarte Rauchwolke ausstieß und dabei eine der beiden großen deutschen Sonntagszeitungen aufblätterte, ich hatte sie mir beim Hergang in einem mit Zeitungen und Illustrierten aus aller Welt übersäten Kiosk am Wenzelsplatz gekauft. Aber die Schlagzeilen, die sie boten, hatten nichts mit diversen Beglückungsideen aus Brüssel zu tun, dafür mit Arabiens Aufbruch in die Demokratie, jedenfalls den Schlagzeilen zufolge. 
 Ach ja, seufzte ich leise, nach einem kurzen Überfliegen der Texte: Alles schon mal gelesen, damals, 1979, als sie den Schah verjagt hatten und die persische Demokratie ausriefen, die Mullahs mit den Kommunisten und den liberalen Bürgern zusammen, kurz darauf hingen die Kommunisten am Galgen, die Bürgerlichen standen vor den Erschießungspeletons, und die Frauen, eben noch frei, hatten fortan nur noch die Freiheit, sich Stoffbahnen verschiedener Qualität und Farbe zu kaufen, um sich darin einzuwickeln wie Fisch, dem ein Geruch von Fäulnis anhaftet. Zuletzt sah man vor allem an Kränen hängende Homosexuelle im in die Jahre gekommenen persischen Revolutionswind schaukeln.
Für einen Moment unterbrach ich meine Lektüre, zog intensiv an meiner von Hand gerollten Zigarre aus der Dominikanischen Republik und fragte mich, während ich langsam den Rauch ausstieß, ob die Welt nur periodisch verrückt sei oder strukturell? Hinter den blassen Rauchwölkchen entschied ich mich an diesem Nachmittag für das Naheliegendste, das Letztere mithin, was mich im selben Moment falscher Erregung enthob und meinen Versuch, die Stunde ungebrochen zu genießen, nicht vorzeitig beendete.
Also ließ ich die Zeitung auf die Tischplatte zurücksinken, trank erneut einen Schluck Chardonnay und blickte, durch den Raum meines geschützten Wohlbehagens und seine Fenster hindurch und hinaus, erneut über die Moldau hinweg, hinauf zum Hradschin: Ja, sie war noch immer zu sehen, die Fahne des Präsidenten der böhmischen Republik, nur viel schwächer als gestern, da den ganzen Tag über die Sonne schien und ein leichter Wind ging. Heute war der Himmel bedeckt, heute wehte kein Lüftchen, und also hing die Fahne des Präsidenten der Tschechen schlaff am Mast herab, nadelfein von hier aus, aber immerhin: Ich konnte sie noch sehen, und selbst wenn ich mich geirrt habe – es bleibt bei der einen Fahne, und darauf kommt es an.
Es gibt keine zwei Fahnen auf dem Palast des tschechischen Staatspräsidenten, es sei denn, er hat einen Gast. Und also können auch nie ständig zwei Fahnen über dem Haupt von Herrn Klaus wehen, wie auf vielen anderen Dächern Europas, unter denen Noch-Staatsoberhäupter sich täglich gen Belgien verbeugen,  jenem Menetekelgelände, das selbst nicht weiß, ob es zusammengehört oder demnächst auseinanderbricht wie eine Packeisplatte im Weddellmeer.
Klaus mag sie nicht, die blaue Fahne mit dem Sternenkranz, jedenfalls nicht über seinem Kopf. Sowenig übrigens wie die Reden der Wetterapokalyptiker, die uns täglich weiszumachen versuchen, wir seien es, die den Himmel erwärmten, und nicht der Himmel uns mit seiner Sonne und ihren Kapriolen aus Eruptionen, Neigungswinkeln und Teilchenströmen.

Eigenartig, dachte ich, es gibt immer noch Gründe, viel lieber Bürger dieses Landes zu sein als des eigenen, das täglich seinen Dreifarb ertränkt im Blau jener Flagge mit dem Sternenkranz, das gegen Raucher zu Felde zieht, als wollte es jenem fanatischen Küß-die-Hand-Nichtraucher von einst ein flächendeckendes immaterielles Denkmal setzen, und in dem täglich auf dem Fernsehschirm die Ablaßmessen der antimeteorologischen Priesterkaste gelesen werden, begleitet von schaummauligen Tetzeln in Serie, die auf den medialen Marktplätzen dem wohlgenährten Dummvolk die Sündenregister herunterbeten und die große Kehre einfordern, die darin besteht, die Dächer mit vergifteten Sonnenkollektoren zu beflastern, in zarteste Landschaften und glitzernde Meeresgründe gigantische Windmühlen aus Stahl zu rammen, deren Propeller zahllose seltene Vögel zu Hackfleisch verarbeiten, im Auto aber, mit dem sie nach ihren Auftritten davonjagen, nicht mit dem Fahrrad, im Auto soll das Volk den Teufel persönlich erkennen.
Und ich begriff: Nichts hatte sich wirklich geändert, obwohl sich seit damals, vor fast einem halben Jahrhundert, als ich zum ersten Mal hier war und die Freiheit schmeckte wie ein Auftauchen aus großer erstickender Tiefe, fast alles verändert hat. Schon gestern und vorgestern war ich beim Flanieren durch die Stadt jenem unfaßbaren Glücksgefühl von einst auf der Spur gewesen, aber eher zweifelnd, verzagt: Die Freiheit war jetzt auch hier Alltag, wie sollte sie da noch über jenen Glanz verfügen, der darin bestand, daß sie umstellt war von Lumpen, die sie mit Schmutz bewarfen, damit sie dreckig aussähe und die uniformierten Putzkolonnen, die schon hinter der Grenze lauerten, mit der Säuberungsarbeit beginnen könnten?

Wie in Trance sind wir damals durch die Stadt gelaufen, ich war noch keine achtzehn, mein Freund gerade sechzehn geworden. Aber wir waren alt genug, um zu wissen, was hier auf dem Spiel stand und daß es kein Spiel war, das Spiel, sondern Ernst, heiliger, sozusagen: Die Freiheit, kaum ans Licht gekommen, war sie schon wieder tödlich bedroht und wir mittendrin, in diesem Raum zwischen den Zeiten, von dem wir nicht wußten, träumten wir ihn nur, oder brannte sich da etwas für immer ein: über die Augen und Ohren in den Kopf, bis tief ins Hirn, ins ganze noch folgende Leben.
Seitdem sind über vierzig Jahre vergangen, und das ganze damals noch folgende Leben ist bis in diese Stunde gelebt, da ich zum dritten Mal während meiner jüngsten Reise hierher im Slavia eine köstliche Zigarre rauche, zum Chardonnay und nach einem Salat „Cesar“, der mir hier wunderbar schmeckt, woanders habe ich ihn mir längst übergegessen: Ja, es war ein Traum, aber er war auch wahr, so wahr, wie das Wirkliche nur sein kann, wenn es wirklich wahr wird, was selten geschieht, meistens ist es ja nur.
Auch gestern kam ich von meinem Quartier mit der Straßenbahn ins Zentrum, wie damals. Auch gestern stieg ich kurz vor dem Wenzelsplatz aus, passierte eine Seitenstraße und begriff im selben Moment, als sich der Platz vor mir auszubreiten begann, daß es genau die Ecke war, wo wir, im August 1968, in ein Kino gingen, um, es war der helle Wahnsinn, Help zu sehen, und vor dem Kino, unter den Arkaden, kaufte ich ein Poster mit den vier Hauptdarstellern des Films, was für eine Trophäe, was für ein Schatz, und von dem wenigen Geld, über das ich verfügte, auch noch ein paar deutsche Zeitungen aus Hamburg, die ich dann unterm Hemd zurückschmuggeln mußte in die Unfreiheit, aus der ich kam … “

 

Auch ich war in Prag verliebt. Wenn man mich damals frug, welche Stadt mir am schönsten schien, nannte ich Prag neben meinem geliebten Würzburg. Ich sollte auch später bedeutendere Schönheiten wie Paris, Rom, Neapel und andere kennenlernen dürfen. Aber an die erste Liebe erinnert man sich immer verklärt.
Prag wurde aber leider nach der Wende eine neuzeitliche Touristenmetropole mit Rummel, viel Nepp und ganz bestimmten Auswüchsen „westlicher Kultur“. Der Zauber der einstigen „Geliebten“ schien nicht nur mir bei meinen letzten Besuchen dahin.
Auch im Cafe Slavia war nichts mehr von dieser Atmosphäre zu erfühlen, wie einst im Mai 1968 oder auch früher zu Zeiten Friedrich Smetanas, der hier sogar wohnte, oder von Rainer Maria Rilke, Egon Erwin Kisch und später mit Karel Capek und Vaclav Havel.

Aber man sollte sich nicht ablenken lassen von der weitergehenden Botschaft, die dazu Ulrich Schacht für uns hat.

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* Ulrich Schacht wurde im Frauengefängnis Hoheneck, wo seine Mutter inhaftiert war, geboren und wuchs in Wismar auf. Nach Handwerkslehre und Sonderreifeprüfung studierte er in Rostock und Erfurt evangelische Theologie. 1973 wurde er in der DDR wegen „staatsfeindlicher Hetze“ zu sieben Jahren Freiheitsentzug verurteilt, 1976 in die Bundesrepublik Deutschland entlassen. Er studierte anschließend Politische Wissenschaften und Philosophie in Hamburg und arbeitete als Feuilletonredakteur und Chefreporter für Kultur der Zeitungen Die Welt und Welt am Sonntag sowie als Autor diverser Periodika, darunter Süddeutsche Zeitung, Volksstimme, Donaukurier, Focus, Rheinischer Merkur, Die Zeit, Cicero, Merkur, Sinn und Form, Die Politische Meinung, liberal, Preußische Allgemeine Zeitung und Junge Freiheit. 1994 war er zusammen mit Heimo Schwilk Herausgeber des Sammelbandes „Die selbstbewusste Nation“. (Wikipedia)

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Erdogan in Berlin

Staatsbesuch mit Jubel-Türken?

Am 28. und 29. September wird Erdogan in Berlin erwartet zu einem Staatsbesuch, Empfang mit militärischen Ehren und am Abend Staatsbankett.

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Da erinnere ich mich 51 Jahre zurück.
Am 2. Juni 1967 besuchte der Schah von Persien die Bundesrepublik, auch damals: Empfang mit militärischen Ehren und am Abend Opernbesuch und Staatsbankett. Der Schah war seinerzeit ein „Verbündeter“ des Westens, wie heute (?) der türkische Sultan Erdogan. Der Schahbesuch lieferte damals den linken Studenten, den späteren 68ern, eine Initialzündung für weitere, dann echt gewalttätige Proteste gegen die „Herrschenden“ und das „Establishment“.
Polizisten hatten die Demonstranten gegen den Schah eingekesselt, verprügelten sie, griffen Einzelne wahllos heraus, misshandelten sie und ließen das Gerücht von einem Polizistenmord aufkommen. Der Polizist Karl-Heinz Kurras (wie später herauskam, ein Stasi-Agent) erschoss den Demonstranten Benno Ohnesorg, während seine Kollegen diesen verprügelten.
In Erinnerung sind heute noch die Bilder der sog. Jubelperser, die – ohne dass sie die Polizei davon abhielt – mit Holzlatten auf Demonstranten einprügeln durften.

© Berliner Zeitung

Ich darf sagen, diese Bilder von damals haben auch bei mir etwas ausgelöst. Nicht, um mich zu radikalisieren und meine anerzogene Vernunft abzulegen. Aber doch, die damals staatlich verordneten Vorgehensweisen und mehr differenziert zu hinterfragen.

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Ich phantasiere nun mal Folgendes:
Deutsche Patrioten und Demokraten versammeln sich in Berlin, um gegen Erdogan zu protestieren.
Ein Szenario, wenn dieser Besuch nicht abgeblasen wird?
Ist das bei dem Gebaren und der Person von Erdogan nicht geboten?
Man denke: Der (linke) Senat von Berlin gibt im Einvernehmen mit der Merkel-Regierung Anweisung an die Polizeikräfte, einen Anti-Erdogan-Protest mit „gebotenen“ Mitteln zu unterdrücken. Mit Hilfe von Erdogan-treuen Prügel- und Jubel-Türken (die ja offensichtlich die Mehrheit der hier lebenden Türken ausmacht). Unter ihnen vielleicht gar Claudia Roth, Vizepräsidentin des Bundestags und ausgewiesene „Jubel-Türkin“.
Dann ist da noch mit den Kurden zu rechnen, die für anti-türkische Kurzweil sorgen könnten.
Zieht auch die Antifa für „antirassistische“ Zwecke ins Feld und darf ebenfalls ihr Gewaltpotential ausleben? 

Und wenn dann wieder jemand erschossen wird?

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Nein, diese Fiktionen helfen nicht. Wenn man sich auch erträumen möchte, der Erdogan-Besuch könnte wie einst der Schah-Besuch zur Initialzündung einer „2018er-Bewegung“ werden. Ein Beginn, um aufzuräumen mit dem, was uns so beschwert und hoffnungslos erscheinen lassen will.
Weg mit diesem Gedanken!

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Bleiben wir bei der Sache.

„Die deutsche Regierung lotet im Verhältnis zur Türkei die Grenzen der eigenen Demütigung aus“ schreibt Benedict Neff, Politischer Deutschland-Korrespondent der «Neuen Zürcher Zeitung» in einem Kommentar.

Der Umgang mit der Türkei und ihrem Despoten Erdogan offenbart deutlich die Charakterschwächen der deutschen Politik, genauer gesagt ihrer Politiker: vom Bundespräsidenten und der FDJ-Sekretärin an der Spitze bis hin zum Außenminister und den sog. Integrationsbeauftragten der Bundesregierung. 

(Von 2013 bis zum Frühjahr 2018 hatte ja eine besonders schlangenhafte Person dieses Amt inne und als Desintegrationsbeauftragte ausgefüllt: die türkische Deutsche oder deutsche Türkin – je nachdem – Aydan Özoguz).

Welche andere souveräne Nation hätte einem fremdländischen Despoten erlaubt, auf ihrem Grund und Boden Wahlkampf zu machen und das Gastland zu beleidigen. Aber Deutschland ist ja weder mehr eine Nation, noch souverän.
Man erinnere sich an den Auftritt von Erdogan in Köln 2008 als er Integration als  «Verbrechen gegen die Menschlichkeit» bezeichnete. 

Mit wem man es zu tun hat, durfte nicht erst nach der „Niederschlagung“ des angeblichen Putsches 2016 deutlich geworden sein.
1998, als Erdogan Bürgermeister von Istanbul war, zitierte er aus einem religiösen Gedicht, das folgende Aussagen enthielt, die er sich dann auch zum Programm machte: „Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind.“ und „Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten.“. 
Dafür hat man Erdogan seinerzeit in der Türkei noch eingesperrt. Aber nach kurzem wieder aus dem Gefängnis entlassen, damit er seinen Aufstieg mit einer neuen, der von ihm gegründeten „Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung“ (AKP) beginnen konnte. Schrittweise wandelt er jetzt die ehemals „säkulare“ Türkei des Kemal Atatürk in eine islamische oder islamistische Despotie mit Großmachtansprüchen um.

Im März 2017 bezichtigte Erdogan Deutschland der «Nazi-Praktiken».
In diesem  Sommer benutzte Erdogan den Rücktritt Mesut Özils aus der Fussballnationalmannschaft dafür, Deutschland Rassismus vorzuwerfen und Özil feierte er als eine Art türkischen Märtyrer.

Merkel spielt in diesem schäbigen Spiel der Anbiederung an den neuen Ober-Osmanen eine besonders schäbige Rolle.
Erinnern wir uns, wie sie nach dem Schmähgedicht des Komikers Böhmermann Erdogan zur Seite sprang.
Als im Juni 2016 der Bundestag die Verbrechen der Türken an den Armenier als Völkermord einstufte, glänzte Frau Merkel durch Abwesenheit.
Zuvor hatte Merkel mit der Türkei den Flüchtlingsdeal eingefädelt: Die EU überweist Geld an die Türkei, die Türkei nimmt im Gegenzug Asylsuchende auf und hindert diese an der Überfahrt nach Europa.
Damit hat sich Merkel mitsamt der EU erpressbar gemacht.

Was hat den Bundespräsidenten Steinmeier, den „Prickel“ aus Brakelsiek bewogen, Erdogan zu einem Staatsbesuch einzuladen?
Fracksausen wegen 2 Millionen nicht integrierter Erdogan-Anhängern in Deutschland? Gemeinsame Verteidigung der Freiheit am Bosporus? Einhegen des Noch-Nato-Mitglieds? Wirtschaftliche Gründe? Anbiederung an die 3 – 4 Millionen sog. Deutsch-Türken oder Türken-Deutschen?

Wie meinte der NZZ-Korrespondent Neff dazu:

«Nenn mich Nazi, sei mein Gast.»

Das passt wie die Faust aufs Auge.

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Gladbeck oder Gesellschaftliche Verrohung

Da lief vorgestern die Tagesschau im Hintergrund und so hörte ich nolens volens deren Beitrag zu „30 Jahre nach Gladbeck“. 

Nanu? War das ein derartiges die Republik erschütterndes Ereignis, dass daraus ein Gedenktag gezimmert werden musste und Spitzenpolitiker des Landes NRW Kränze für die Opfer dieses Verbrechens niederlegten.

Quelle: Screenshot

Auch mein lokales Laberpapier, das dem linken, bundesweiten, sog. RedaktionsNetzwerk* Deutschland zugehörig ist, berichtet durchgehend seit drei Tagen und über Seiten hinweg über dieses Ereignis. Dazu wird auch noch in tränenquetschender Gefühlsduselei der Hauptverbrecher von damals über seine angebliche Wandlung, seine angeblich erfolgreiche „Resozialsierung“ interviewt.
Ich will jetzt nicht auch nochmal das damals Geschehene an dieser Stelle breit treten, über das Polizeiversagen räsonieren und das schmeißfliegenartige Verhalten der Journalisten von damals anprangern – noch will ich die bedauernswerten Opfer als Nebensächlichkeit hinstellen.

Aber, frage ich mich, was ist der Hintergrund dieses aktuellen Medien-Hypes über ein 30 Jahre zurückliegendes Ereignis?
Warum wird so ein Bohai über Schlagzeilen von vorgestern gemacht?

Es kann nur einen Grund geben: wieder mal ein gelenktes, monströses Ablenkungsmanöver der staatlich geförderten Schwindelverbreiter. Ein Zirkus, der die Menschen vom Wesentlichen ablenken soll und von den mehr erschütternden Dingen, die rundum stattfinden.

Messerattacken mit Todesfolgen durch unsere „Geschenke“, die jetzt fast täglich landauf, landab geschehen, sind den „Qualitätsmedien“ selten noch eine Schlagzeile oder überhaupt der Erwähnung wert.
Das scheußliche Verbrechen in Offenburg, wo ein Asylant aus Afrika einen Arzt tötete, dessen Helferin verletzte und die 10-jährige Tochter des getöteten Arztes noch zusehen musste, war im Seitenumbruch der Zeitung nur als eine „Randnotiz“ zu finden.

Jouwatch zum Presseverhalten dazu:

Das Schema ist bekannt: Tötet ein Immigrant, der durch Merkels Politik seit 2015 ins Land gekommen ist, Einheimische, wird entweder mit Verweis auf „lokalen Bezug“ nicht berichtet oder mit den immer gleichen Worthülsen abgewiegelt.
– Deutsche tun das auch.
– Man darf niemanden unter Generalverdacht stellen.
– Das hat es schon immer gegeben.

Die Linke Jugend in Freiburg, in dieser links-grün dominierten „Studierenden-Stadt“, schreibt in einem Aufruf:

Wir verurteilen diesen Angriff, der sich in eine Serie von Angriffen auf Rettungskräfte, Pflege- und Krankenhauspersonal einreiht.
Er spiegelt eine gesellschaftliche Verrohung wider, die wir nicht als spezielles Problem von Ausländern oder Geflüchteten ansehen.

Da haben die linken Socken recht, wenn sie von gesellschaftlicher Verrohung sprechen. Die Verrohung ist aber besonders auf ihrer Seite zu registrieren: der linke Terror „gegen Rechts“, mit Denunziation im harmlosesten und physischen Attacken auf Eigentum und Leib und Leben im inzwischen gängigsten Fall.
Auch darüber berichtet meine abonnierte Nachrichten-Kuhhaut nur am Rande, wenn überhaupt.
Die alltäglichen Attacken auf unsere Meinungs- und Gesinnungsfreiheit durch die Linksterroristen in den asozialen Netzwerken, wurden und werden nie thematisiert.

Mit dem neu aufgebrühten alten Kaffee kann man ablenken vom eigenen Abstieg und dem Versagen oder der Untätigkeit der Politiker bei elementaren Problemen:
Sei es bei der Verteidigung des Landes gegen Feinde von innen wie von außen; sei es bei der Regelung oder Nichtregelung des Zuzugs kulturfremder Individuen; sei es bei der latenten Aushöhlung der Justiz und Rechtsstaatlichkeit; sei es bei der fortschreitenden Zerstörung unserer Bildungsinstitutionen wie Schule und Universitäten; sei es bei der über dem Limit des Erträglichen stehenden Verkehrsinfrastruktur; sei es bei der Plünderung der Staats- und Sozialkassen durch Fremde und Verbrecherorganisationen. Man kann ablenken von der ruchlosen Politik und dem schäbigen, kaltherzigen Verhalten der Bundeskanzlerin.
Und, und, und …

Das nenne ich auch gesellschaftliche Verrohung, wenn Rechtsbruch und Verstoß gegen den geleisteten Amtseid durch die obersten Repräsentanten der Republik weder im Parlament noch in den Medien, in der Öffentlichkeit, angesprochen und geahndet werden.
Das nenne ich gesellschaftliche Verrohung, wenn ein abgehandeltes Gewaltdelikt von vor 30 Jahren mehr öffentliche Aufmerksamkeit erfährt, als die täglichen Opfer von Vergewaltigungen, Messerstechereien und sonstigen Aggressionen gegen Einheimische durch das von der Politik herangezogene fremdländische Gesindel.
Das nenne ich gesellschaftliche Verrohung, wenn von linker Seite ausgesprochener Hass und Verhetzung gefeiert und Bedenken und Sorgen anständiger Bürger öffentlich kriminalisiert werden dürfen.

Quid dicere vellem …

In der gleichnamigen Komödie läßt Plautus (200 v.Chr.) Menaechmus(I) zu seiner Geliebten sagen:

Sist pauper atque haud malus, nequam habetur,
sin dives malust, is cliens frugi habetur.
qui neque leges neque aequom bonum usquam colunt,
sollicitos patronos habent:
datum denegant, quod datumst, litium pleni, rapaces
viri fraudulenti.

Ist einer arm, sonst aber redlich, heißt er Taugenichts:
Der reiche Schurke gilt als wackerer Klient.
Wer Recht, Gesetz und Billigkeit beiseitesetzt,
Hält seinen Patron in Unruhe:
Er leugnet ab, was er empfangen.
Prozessieren, Raub und Betrug ist dieser Leute Lebenslauf.

Plautus, Menaechmi 576-582

 

___________________

* Das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) ist die zentrale Redaktion der Madsack Mediengruppe in Hannover. Deren größte Kommanditistin ist die Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft, das Medienbeteiligungsunternehmen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD). Das RND versorgt etwa 30 deutsche Tageszeitungen mit „überregionalen Inhalten“.

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Den Feminismus in seinem Lauf halten weder Kuh noch Stute auf

„Männer sind Müll“ und „Harte Quotierung“

Nietzsche schrieb:

 „Man kann in den […] zivilisierten Ländern Europas aus den Frauen durch einige Jahrhunderte von Erziehung alles machen, was man will […] Sie werden unter einer solchen Einwirkung einmal alle männlichen Tugenden und Stärken angenommen haben, dabei allerdings auch deren Schwächen und Laster mit in den Kauf nehmen müssen: So viel, wie gesagt, kann man erzwingen. Aber wie werden wir den dadurch herbeigeführten Zwischenzustand aushalten, welcher vielleicht selber ein paar Jahrhunderte dauern kann, während denen die weiblichen Narrheiten und Ungerechtigkeiten, ihr uraltes Angebinde, noch die Übermacht über alles Hinzugewonnene, Angelernte behaupten?
Diese Zeit wird es sein, in welcher […] die Gesellschaft in voller Auflösung ist, weil die Bewahrerinnen der alten Sitte sich selber lächerlich geworden und in jeder Beziehung außer der Sitte zu stehen bestrebt sind.“
*

Nietzsche war ein Hellseher, was die gesellschaftliche Entwicklung angeht und man kann ihm nur zustimmen, wenn man  das Folgende durchdenkt.

Der Feminismus ist zweifellos verantwortlich für fragwürdige Fortschritte in unserer Gesellschaft. Sei es die Einführung von Junk-Science in „Wissenschaft und Forschung“ wie u.a. die sog. „Genderstudies“ an den Universitäten und Fachhochschulen; die Quotenregelungen in Politik, Wissenschaft und z.B. bei der Besetzung von Aufsichtsräten und Vorstandsposten in der Wirtschaft – nicht nach Qualität, sondern nach weiblicher Quantität; eine Rechtschreibreform xx.0 mit Einführung des Gender-Gap (liebe Leser_Innen oder Feminist_Innen); und – bei Adonaj – die Bibel in geschlechtergerechter Sprache.

Ich will jetzt nicht ausführlicher über die sattsam bekannte Durchdringung unseres Alltags durch den real funktionierenden Feminismus oder durch den weiblichen Sexismus räsonieren, sondern an zwei aktuellen Beispielen dieser endemischen Geisteskrankheit auf das Zitat von Nietzsche zurückführen.

In der Berliner Zeitung war Folgendes zu lesen:

Das Studentenparlament der Humboldt-Universität hat eine neue Regel aufgestellt. Sie nennt sich „harte Quotierung“ und bedeutet, dass jede Debatte beendet wird, wenn sich nur noch Männer zu Wort melden, aber keine Frauen.
Diese Regel soll für die Gleichberechtigung der Geschlechter sorgen, also dafür, dass Männer in einer Besprechung nicht mehr reden als Frauen.
Die Quotierung der Rednerliste ist eine alte Erfindung der Grünen, die sich in vielen Bereichen durchgesetzt hat. Neu ist nun die Idee, den Männern Redeverbot zu erteilen, wenn keine Frau mehr sprechen will.

Gut, dass der Schreiber der Zeilen auf die Grünen hinweist. Ich will jetzt nicht auf das Pamphlet des Neurologen und Psychiaters Paul Julius Möbius über den „Physiologischen Schwachsinn der Frau“ zurückgreifen, das dieser vor 120 Jahren verzapft hat. Aber eine Beziehung des physiologischen Schwachsinns zwischen den Grünen und der feministischen Theorie und Praxis ist durchaus augenfällig.

Die Neue Zürcher Zeitung spießt nun eine besondere Spitzenleistung des real funktionierenden Feminismus auf. Wir wissen es seit dem „Superhit“ der deutschen Boys-Band „Die Ärzte“ von 1998. „Männer sind Schweine“, die Girlie-Band „Tic Tac Toe“ sang in Richtung Mann „Ich find dich scheiße!“. Es gab Buchtitel wie „Nur ein toter Man ist ein guter Mann“ usw. Das ist nun schon bald 20 Jahre her.
Daran nicht direkt anknüpfend, aber verstärkt in diesem Geist, gibt es nun nach #metoo und #wetoo einen neuen Twitter-Slogan: #Man Are Trash (Männer sind Müll).

Die NZZ schreibt:

Mit dem Slogan «Männer sind Müll» hat der Netzfeminismus einen neuen Tiefpunkt erreicht

Unter dem Hashtag #MenAreTrash schreiben sich deutsche Aktivistinnen ihren Männerhass von der Seele. Was das mit dem Kampf für Frauenrechte zu tun haben soll, können sie selbst nicht erklären. Es geht angeblich um gesellschaftliche Strukturen.

PromoterIn dieser These ist eine gewisse Stefanie Lohaus, Gründerin des «Missy Magazine» und Autorin bei «Zeit Online» und gefragt bei der taz. Letzteres sagt schon genug aus:


Das „Missy Magazine“ ist eine  schrille und strunzblöd-feministische „Girlie“-Postille, in der auch Sibel Schick, eine aus dem Anatolischen exportierte und hiesig gewordene  Kulturbereicherin ihren physiologischen Schwachsinn absondern darf.
Stefanie Lohaus stützt die Sibelsche These: „Es ist ein strukturelles Problem, dass Männer Arschlöcher sind.“

Was kann man nicht alles als strukturelles Problem sehen?
z.B. auch, dass es für Frauen eine Lebenszeit-Prävalenz für psychische Erkrankungen von 49 % und nur von 37 % für Männer gibt. Beim Schwachsinn bzw. der Debilitas gibt es wohl eine leichte Prävalenz für das männliche Geschlecht.

Deshalb gilt auch die Invertierung des von mir oben gewählten Mottos gleichermaßen: „Den feministischen Schwachsinn in seinem Lauf hält kein Ochs und Esel auf.“
Man weiß, der Ochs ist ein kastrierter Stier und der Esel das zottelige, widerspenstige Symbol für männliche Beschränktheit.

Es drückt es denn aus, in welcher Zeit wir leben – wie Nietzsche prophezeite:

Die „Gesellschaft in voller Auflösung (..)  weil die Bewahrerinnen der alten Sitte sich selber lächerlich geworden und in jeder Beziehung außer der Sitte zu stehen bestrebt sind.“

Und nicht nur Nietzsches „Bewahrerinnen“, sondern dazu Ochs und Esel.

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* Menschliches, Allzumenschliches I, 425 

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Wo bleibt das Positive?

Wie komme ich darauf?

Nikolaus Fest hat unter dem Titel „Deutschland ist abgebrannt“ einen bitteren Kommentar geschrieben, der bei der Jungen Freiheit zu lesen ist.

https://jungefreiheit.de/debatte/kommentar/2018/deutschland-ist-abgebrannt/

In allem, was Fest in seinem Artikel aufspießt, hat er recht. Er spricht vom gescheiterten Rechtsstaat in Deutschland, von Korruption, von der maladen Bundeswehr, der darniederliegenden Bildungspolitik, der kaputten Infrastruktur, dem Verlust von Kreativität, Tüchtigkeit und Wissen in Naturwissenschaften und Ingenieurskunst  usw.

Er resümiert:

„Der Staat funktioniert nicht mehr, ob in Schul-, Bau- oder Sozialverwaltung, an der Uni, in Justiz oder Militär. Denn abhanden gekommen ist vielen das Bewußtsein, daß die eigene Leistung für das Gelingen des Staates wichtig ist. Alles ist nur noch ein Job, nichts mehr Berufung oder Dienst am Vaterland.“  

Eine bittere Tatsachenschilderung.

Da kam mir das Gedicht von Erich Kästner in den Sinn und so wollte ich auch gerne fragen: „Wo bleibt das Positive … Herr Fest?“.

Nikolaus Fest ist Journalist, kommt von der Bildzeitung, die er wegen seiner Widerborstigkeit gegen den verordneten Zeitgeist verlassen musste und ist inzwischen als Politiker in Berlin bei der AfD gelandet.
Der angesprochene Artikel von ihm atmet ausschließlich Negatives. Keine Hoffnung – nirgendwo!
Das ist vielleicht seiner journalistischen Herkunft geschuldet, wo „only bad news are good news!“ als Arbeitsanweisung dient.
Fest ist Oppositions-Politiker. Und da ist es legitim und erforderlich, den Finger in die  Wunden zu legen. 

Aber sollte man immer nur einen „Schüdderump“ hervorzerren, mit dem man all das Pestkranke auskippen will. 

Jeder Politiker, der an die Schalthebel gelangen und wirklich etwas bewirken möchte, sollte, nein – er kann eigentlich nur auf einem positiven Urgrund aufbauen, wenn es zum Besseren gewendet werden soll. Und den sollte man suchen und finden.

Der Urgrund in Deutschland scheint mir nicht verloren. Denn es kann nicht sein, dass alles, was unsere Nation und das deutsche Volk groß gemacht hat, „der Deutsche Genius“, verschüttgegangen ist.

Kästner wählte die Satire für seine Notizen. Und das Gedicht aus dem Jahr 1930 wähle ich mal als Quelle für eine Reflexion. Kästner formulierte Sätze, die wieder auf der Höhe der Zeit scheinen und die drohende Katastrophe ansprechen:

Und immer wieder schickt ihr mir Briefe,
in denen ihr, dick unterstrichen, schreibt:
»Herr Kästner, wo bleibt das Positive?«
Ja, weiß der Teufel, wo das bleibt.

Noch immer räumt ihr dem Guten und Schönen
den leeren Platz überm Sofa ein.
Ihr wollt euch noch immer nicht dran gewöhnen,
gescheit und trotzdem tapfer zu sein.

Ihr braucht schon wieder mal Vaseline,
mit der ihr das trockene Brot beschmiert.
Ihr sagt schon wieder, mit gläubiger Miene:
»Der siebente Himmel wird frisch tapeziert!«

Ihr streut euch Zucker über die Schmerzen
und denkt, unter Zucker verschwänden sie.
Ihr baut schon wieder Balkons vor die Herzen
und nehmt die strampelnde Seele aufs Knie.

Die Spezies Mensch ging aus dem Leime
und mit ihr Haus und Staat und Welt.
Ihr wünscht, daß ich’s hübsch zusammenreime,
und denkt, daß es dann zusammenhält?

Ich will nicht schwindeln. Ich werde nicht schwindeln.
Die Zeit ist schwarz, ich mach euch nichts weis.
Es gibt genug Lieferanten von Windeln.
Und manche liefern zum Selbstkostenpreis.

Habt Sonne in sämtlichen Körperteilen
und wickelt die Sorgen in Seidenpapier!
Doch tut es rasch. Ihr müßt euch beeilen.
Sonst werden die Sorgen größer als ihr.

Die Zeit liegt im Sterben. Bald wird sie begraben.
Im Osten zimmern sie schon den Sarg.
Ihr möchtet gern euren Spaß dran haben …?
Ein Friedhof ist kein Lunapark.

(Besonders die letzten Zeilen möchte man gerne einem gutmenschlichen Zeitgenossen ins Poesiealbum kritzeln.)

Die Deutschen haben den ersten 30-jährigen Krieg überstanden und sie wurden danach die Schöpfer der „dritten Renaissance“ im 18. und 19. Jahrhundert. Die Deutschen haben auch den zweiten 30-jährigen Krieg von 1914 bis 1945 überstanden und sich wie Phoenix aus der Asche erhoben. Man wird auch den Mehltau der 68er „Revolution“ ebenso abstreifen, wie unsere Landsleute den „Real existierenden Sozialismus“ der DDR erstickten. Nicht alles Bewußtsein ist abhanden gekommen, von dem Fest spricht; davon bin ich überzeugt.
Es ist nicht nur historisches Potential vorhanden!

Oder bin ich zu blauäugig?

Denke ich an meine Kinder und Enkel, möchte ich mir aber die Hoffnung nicht nehmen lassen.

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Ungarn – oder die Rettung des Abendlandes

Einst drangen aus der pannonischen Tiefebene so recht barbarische Völker in das angeblich zivilisierte Mitteleuropa vor: Mongolen, Awaren und dann die Ungarn, welche schließlich Otto der Große am Lechfeld bändigte. Die flinken Reiter verbreiteten damals Angst und Schrecken bis hin zu den Westfranken (vulgo Franzosen) und den Italienern im Norden des Stiefels. Nach der Niederlage am 10. August 955 wurden die Magyaren in der Region um den Balaton sesshaft und nahmen dann auch den christlichen Glauben an. Nach der Schlacht von Mohacs 1526 wurden ⅔ des ungarischen Reichs vom Osmanischen Reich besetzt. Erst nach der Schlacht am Kahlenberg 1683 gelang es der habsburgischen Armee mit deutscher und polnischer Unterstützung, das osmanische Ungarn von den Türken zurückzuerobern. Mitte des 19. Jahrhunderts konnten die Ungarn dem Habsburger Kaiser Franz-Josef eine weitgehende Selbständigkeit innerhalb der jetzt K.u.K. genannten Monarchie abtrotzen.

War es eine kluge Entscheidung der ursprünglichen EU-Mitgliedsstaaten, Ungarn 2003 in die Union aufzunehmen? (Wozu es auch einen positiven Volksentscheid gab)
Es zeigte sich bald, dass sich die EU mit Ungarn einen Partner eingeheimst hat, der sich als unbotmäßig erweisen sollte, der zu einem Stachel im supranationalen Fleisch der EU wurde.

Erlaubten sich doch die Ungarn, einen „Rechtspopulisten“ als Ministerpräsidenten ins Amt zu hieven. Der dann auch die nationale Karte spielte und a la Trump das Prinzip „Hungary first“ pflegt. Bei seinem letzten Brüssel-Besuch lobte Orban ausdrücklich den Trump-Satz, dass nun jede Nation ihr eigenes Interesse über alles andere stellen dürfe. Originalton Orban dazu, was natürlich den Eurokraten sicher nicht gefallen sollte:

„Ich bin froh, dass die Heuchelei vorbei ist. Wir haben uns alle von der Utopie eines über-nationalen Europas versklaven lassen.“

Die EU-Kommission hat nun zuletzt Ungarn in drei Fällen gleichzeitig verklagt. Unter anderem wegen des Hochschulgesetzes, das sich vornehmlich gegen die von George Soros betriebene Central European University in Budapest richtet. Die EU-Kommission sieht dadurch die Freiheit von Forschung und Lehre in Gefahr. Man hofiert ja diesen Wohltäter der geeinten Menschheit. Orban und seine Regierung halten jedoch Soros für das, was er offensichtlich auch ist: als Finanzier und Antreiber der das Abendland bedrohenden Migrationswelle. Weil Soros angeblich auch ein Holocaust-Überlebender ist, hat man auch gleich die Antisemismus-Keule gegen Orban ausgepackt.
Dank der Initiativen der Orban-Regierung ist eines Haupteinfalltore des Dschihad an der Südgrenze Ungarns geschlossen worden.
Die ungarische Regierung weigert sich bislang standhaft, auch nur einen einzigen derjenigen Flüchtlinge aufzunehmen, die jetzt nach einem bestimmten Schlüssel der EU verteilt werden sollten. Deshalb will man Ungarn jetzt nochmals verklagen und droht mit dem Entzug von Subventionen.
Unbotmäßige Regierungen zu kujonieren, darin hat die EU Erfahrung. Man erinnere sich an die Strafmaßnahmen gegen Österreich, als einst die ÖVP mit der „rechtspopulistischen“ FPÖ des Jörg Haider koalierte.
Nach „Brexit“ wird die EU sicher nicht auch noch einen „Uexit“ haben wollen und Ungarn sicher nicht aus der EU werfen. Und Orban selbst hat gewiss auch nicht die Absicht, sich von den Fleischtöpfen der EU zurückzuziehen.

Dass man der Regierung Orban Pragmatismus und gesunden Menschenverstand unterstellen darf, beweist ein weiterer Coup im Rahmen der Hochschulpolitik. Ungarn hat die Absicht, Gender Studies von Universitäten zu entfernen. Betroffen sind zwei Universitäten, dabei wiederum die „Central European University“ und auch  Ungarns größte staatlich finanzierte Universität „ELTE“.
Es gebe keine Nachfrage nach Gender Studies, der Kurs sei nicht ökonomisch, vermittle Studenten kein relevantes Wissen und müsse entsprechend mit anderen Interessen als der Vermittlung sinnvollen und nachgefragten Wissens gegründet worden sein. Zudem würden Gender Studies Ressourcen der Universitäten binden, die in jedem Fall sinnvoller eingesetzt werden könnten. Heißt es aus dem zuständigen Ministerium, was man hier und hier nachlesen kann.

Man stelle sich vor, auch in Deutschland würde sich ein Kultusminister oder auch die „Bundeswissenschaftsministerin“ aufraffen, dem Gender-Spuk, den Pseudowissenschaften an den Universitäten ein Ende zu setzen.
Man stelle sich vor, Frau Slomka oder ein anderer Meinungsbetanker des Fernsehens hörte mal auf die Frage, warum man die Zuwanderung stoppen will, von einem deutschen Politiker die Antwort, die ein Ungar dazu gab: „Weil es das Volk will!
Orban sagte der Bildzeitung:

Würde ich eine Flüchtlingspolitik wie Ihre Kanzlerin machen, würden mich die Menschen noch am selben Tag aus dem Amt jagen!“   und
„In der Frage wer in Ungarn leben darf, ist Merkel nicht zuständig!“

Von Ungarn lernen, heißt siegen lernen – möchte man fast sagen.

Die Ungarn haben behalten, was es heißt, den Gefolgsleuten des Propheten ausgeliefert zu sein. 150 Jahre unter dem Halbmond haben die Ungarn gewiss geprägt. Auch der Kampf gegen die Habsburger Übermacht. Und die vierzig Jahre unter der Knute der roten Zaren von Moskau.
Die Ungarn können Beispiel dafür sein, was Liebe zur Freiheit, Liebe zum eigenen Volk, was Standhaftigkeit bedeuten.
Davon können wir Deutsche uns mehr als nur eine Scheibe abschneiden.

 

https://youtu.be/LPguXRxUOtw

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Auf zum letzten Gefecht?

Die Linke rüstet momentan wieder auf. Nicht mit Baseballschlägern oder „Mollis“.
Nein, publizistisch – mit redaktionellen Aufwallungen und inbegriffener Psychologie.

Die dank der Medien und von Merkel mit ihren Vasallen verwirklichte Linksdrifft in Politik und deutscher Allgemeinheit scheint zu kippen.
Anzeichen dafür waren/sind die Massenflucht von vielen Lesern und Konsumenten aus dem linken Meinungssumpf von SZ, FAZ, Welt, Spiegel und den GEZ-Medien, die (bedrohliche) Popularisierung des (Rechts-)Populismus, das Aufkommen einer niveauvollen Gegenpublizistik zum Mainstream und der „Verrat“ mancher, vermeintlich dem Mainstream verhafteter Philosophen, Publizisten und Historiker (Sieferle, Safranski, Sloterdijk, zuletzt Heinrich Winkler).

Es scheint Gefahr im Verzug und „Wehret den Anfängen“ ist denn wieder mal angesagt.

Da jetzt „Rechte und Rechtsextreme mit Zorn und Eifer das Internet vollschreiben“, hat der sattsam bekannte linke Quatschquetscher Sascha Lobo vom Spiegel (der mit dem Plutzer eines mittelamerikanischen Kampfgockels) einen „Übersetzungsleitfaden: Deutsch-Rechts/Rechts-Deutsch“ aufgelegt, „Um zu begreifen, wer da wie und warum im Netz kommuniziert“.
Von „Merkel“ über „Gutmenschen“ bis „Schuldkult“ und „Volk“ listet Lobo „typische“ Begriffe aus dem Wortschatz der Rechten auf, um gleich jede Bezeichnung als „Rechts-Sprech“, aus der Sprache des Unmenschentums, zu entlarven. Damit das Ganze auch besonders überzeugend in Erinnerung bleibt, hat SpOn dazu auch eine beeindruckende Sammlung von Kommentaren unzähliger linker Dörrpflaumen für den ungeneigten Leser dazu herbei-zensuriert.
Dass die linke Schreib-Elite und deren Begleit-Pöbel nicht mehr zwischen konservativ, rechts und rechtsradikal unterscheiden kann oder will, beklagt u.a. Claudio Casula auf Achgut und hat dazu einen lesenswerten Gegenentwurf verfasst.

Die taz, dieser linksgrüne Wortdreckhaufen aus Berlin, diese Meinungs-Dungspüle aus unserer bedauernswert links-verdreckten Hauptstadt, hat denn auch kürzlich ein Strategiepapier für den „Umgang mit Rechtsdriftern“ herausgebracht.
Der Ratgeber kommt in treuherzig anmutender Rhetorik daher, trächtig mit kruder Küchenpsychologie.
Die taz empfiehlt 7 Strategien bzw. „strategische Ansätze“ beim Kontakt mit rechten Zeitgenossen, Nachbarn, Kollegen und  vielleicht Noch-Freunden: 

1. Abwertungen vermeiden

2. Arbeit, Arbeit, Arbeit

3. Einfache Lösungen in Frage stellen

4. Üben Sie sich in der Kunst der Gegenfrage

5. Sachargumente und Parteianhängerschaft trennen

6. Die Wut umleiten

7. Paradoxe Intervention

Man gönne es sich mal, diesen durch nichts zu überbietenden gutmenschlichen Quark nachzulesen.
Die Autorin dieses Artikels, eine gewisse Barbara Dribbusch, hat auf dem Büchermarkt mit Publikationen wie „Können Falten Freunde sein?“ und „Älter werden ist viel schöner, als Sie vorhin in der Umkleidekabine noch dachten“ auf sich aufmerksam machen wollen. Bücher, die wie auch ihre „Krimis“ keiner lesen wollte. Die Dame hat ein offensichtliches Problem, dem man tatsächlich nur psychologisch beikommen kann. Der von mir hochgeschätzte Viktor Frankl (Hauptwerk „Der Mensch auf der Suche nach dem Sinn“), der einst die „paradoxe Intervention“ als eine durchaus pragmatische psychologische Operation (was durchaus kein Widerspruch ist)  inaugurierte, hätte wohl Mitleid mit dieser Dame.
Ich nicht. 

Ratschläge, „Argumentationshilfen gegen Rechts“ findet man in Massen im Netz, in den letzten zwei Jahren geradezu inflationär.
Auf altes durchgedroschenes Stroh aus der Bundeszentrale für politische Bildung braucht man da nicht mehr zurückgreifen – z.B. auf „Argumente gegen rechtsextreme Vorurteile“ von Wolfgang Benz aus dem Jahre 2006: abgestanden und stinkend wie ein Krötentümpel nach der jetzigen Hitzeperiode.
Nicht minder labberig muten dann durchaus neuere Publikationen und „Handreichungen“ gegen den allgegenwärtigen Feind von rechts an.
Seien es die bemühten Schriften von ver.di und dem DGB oder von diversen, mit öffentlichen Geldern alimentierten „Foren“ und  „Plattformen“.
Als höchste moralische Instanz neben den Gewerkschaften und all den Linksmoralisten muss natürlich die Kirche auf den Plan treten. Die Diakonie gibt jetzt Hilfestellungen, um auf dem rechten Pfad irregegangene Schäflein wieder in den mentalen Lattenzaun zurückzuführen; und da darf die katholische Kirche mit Ratschlägen und einschlägigen Lebenshilfen nicht auch nachstehen.

Das Vorstehende ist nur eine bescheidene Auswahl an im Internet zugängigen „Handreichungen“ und „Ratgebern“. Man erforsche mal sein regionales oder örtliches Käseblättchen. Da wird man immer häufiger mit Hinweisen und Berichten über „Seminare“ und „Arbeitskreise“ gegen Rechtspopulismus, Fremdenfeindlichkeit traktiert; veranstaltet von AWO, VER.DI, diversen „Frauenkreisen“, kirchlichen Aktivisten usw. Das gesamte gutmenschliche Gefolge des Linkspopulismus scheint sich mehr und mehr im Kampf gegen den Rechtspopulismus,  gegen die AfD, gegen alle diese definierten Übel der Zeit aufzubäumen.
Man hat ja sonst keine Sorgen.

Nachklang:

Der Leser kennt gewiss die „Internationale“, diesen Festgesang der Linken, aus welcher der Satz „Auf zum letzten Gefecht“ stammt.
Neben dem Refrain will ich hier die letzte Strophe zitieren (ohne aber diesen überkommenen Gassenhauer irgendwie aufwerten zu wollen):

In Stadt und Land, ihr Arbeitsleute,
wir sind die stärkste der Partei’n
Die Müßiggänger schiebt beiseite!
Diese Welt muss unser sein …

Wer ist inzwischen für die Arbeitsleute in Stadt und Land, für die Arbeit für Deutschland wohl die „stärkste der Partei’n“ geworden?
Na klar!
Und das geht gegen den Urgrund alles Linken –
Und das geht gar nicht!

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Vorbei: Der Weltkatzentag 2018

Da habe ich doch tatsächlich den Weltkatzentag 2018 versimpelt, mit lauter Düffeldaffel und Flunker-TV die Katzenklappe verbaselt: gestern, 8 August 2018 – Weltkatzentag.

Weltkatzentag! Braucht man das?
Genau so wenig wie den „World Girls Day“. Zu letzterem würde ich keine Zeile verschwenden, dafür hätten auch meine drei Töchter keine Konnivenz.

Aber der Katze will ich aber doch mal etwas Blog-Zeit widmen, denn es jährt sich auch exakt in diesen Tagen das Ableben unseres eigenen, haß-geliebten, kastrierten Mäuse-Connaisseurs, dem ich und Hannes und Greta seinen sterblichen Überresten zum Waldrand hin, in der Nähe seiner geliebten Feldmaus-Kolonie, ein kleines Hypogäum geschaffen haben.

Einst wurde dieser fleischfressende Gourmand von meinen Töchtern und mir ins Haus gebracht, um ein zweckgerichtetes Therapeutikum oder „Agens“ gegen die Mäusephobie der Mutter und Gattin zu haben.
Glaubt mir, eine Ehefrau mit Mäusephobie, in steter Gefahrenlage lebend – durch ein Haus in Waldnähe, führt mitunter zu heftigestem Stress und „Trouble“.
Die Katze als „Therapeutikum“, als anti“Biotikum“ gegen die nagende Noxe eingesetzt:  Vergesst es!
Egal ob anfänglich die Mieze ihre Beute wohlgeordnet auf der Terasse ablegte, oder dort spielerisch mit elegantem Mäuse-Kricket Eindruck schinden wollte, oder dann im Greisen-Alter nicht mal mehr eine Schwanzregung zeigte, wenn ein Grautier aus dem Unterholz herüberspähte: alles Anlass für phobische Eruptionen bei Personen mit Mäuse-Phobie. Dann auch noch: Kotzen auf den Teppich, Volllsabbern des Ledersofas und Anbringen eines individuellen Krallenmusters an Möbeln und Holzverkleidungen.
Das alles sind Dinge, welche die Hausfrau – auch den Hausherrn – nicht erfreuen; wobei bei einer Katze im Haus die Frage, wer eigentlich Herr im Haus ist, stets offen gehalten bleibt. Die Machtfrage wurde immer umschifft mit Verlautbarungen meiner Frau: Das ist nicht meine Katze, ich wollte sie nicht!
Was sie aber nicht abhielt ihr von Aldi oder Lidl immer die besten Häppchen zu kaufen und mich zu maßregeln, sollte ich den Anschein erwecken, dem Wohlbefinden oder dem Gesundheitszustand der Katze nicht genügend Aufmerksamkeit zu widmen.

Als Wodi eingeschläfert werden musste, trauerte auch die sich stets von der Fellnase kujoniert fühlende Frau; und ich habe tatsächlich geheult, als mir der Tierarzt das jetzt leblose Fellbündel in die Arme drückte.
Noch etwas zum Namen unseres verblichenen Hausvorstands. Als der Kater ins Haus kam hatte er noch keinen Namen. Es war Samstag, man guckte die Sportschau – von Wolf-Dieter Poschmann moderiert, der aus den Kulissen Wodi gerufen wurde. Also: Wolf-Dieter, abgekürzt Wodi war der Treffer des Abends.
Im Impfpass war denn tatsächlich zu lesen: Wolf-Dieter E.; eine Abkürzung des Namens wollte der Tierarzt nicht akzeptieren. Ist das doch auch ein richtig deutscher Name für einen deutschen Kater – wenn auch kastriert!

Eine Katze kommt uns nicht mehr ins Haus, nachdem meine Frau bald 18 Jahre unter „meinem“ Stubentiger mehr oder weniger gelitten hat und auch nicht gegen deren Mäusephobie so richtig erfolgreich war.

 

Die Ambivalenz in den Empfindungen dem Geschlecht der Katzen gegenüber möchte ich in dem folgenden Abschnitt darstellen. Damit das Ganze nicht zu einem einseitigen Gehudel wird.

Dass Katzen zu derartiger Emphase in der Lage sind, wie es hier (aus dem „Struwelpeter“) dargestellt ist, ist zu bezweifeln.

In den 80er Jahren kam mir „Das erste offizielle Katzenhasserbuch“ des amerikanischen Karikaturisten Skip Morrow in die Finger. Das Buch diente mir dann gelegentlich als Geschenk für besonders katzen-affine Zeitgenossen, die einem mit penetrantem Katzen-Gedöns auf die Nerven gingen. Dieses Mitbringsel sorgte dann dafür, dass man z.B. eine weitere Einladung in ein katzenversifftes Domizil nicht mehr befürchten musste.
Henning Venske schrieb zu dem Buch das Vorwort.
Ein bitterböser Text, wie auch das Buch selbst. Aber „wat mutt dat mutt“, wie man plattdeutsch sagt:

Sein Analytiker ist für dieses Machwerk verantworlich, ganz: bestimmt. „Skip“, hat er zu Mr. Morrow gesagt, „Skip, Sie müssen mal richtig die Sau rauslassen, relax, relax, Ihre Aggressionen brauchen ein Ventil. Wenn Sie schon nicht Ihre Mutter vögeln wollen, dann bringen Sie wenigstens Ihren Vater um!“
Aus welchen Gründen auch immer – dazu kam es nicht. Stattdessen griff der Patient zum Stift und zeichnete seinen amerikanischen Alptraum auf’s Papier: kleinbürgerliche Phantasien, was denn nun ein energiegeladener, leistungs-orientierter und gottgefälliger Amerikaner mit faulen Negern, hinterlistigen Kommunisten, karrieresüchtigen Frauen und anderem demokratiefeindlichem Gesindel anfangen könne. Nix Toleranz, nix Leben und Lebenlassen – no Sir, Abmurksen is wonderful Entertainment, schwarzer Humor, you know? DIE KATZE ist DER FEIND — jeder Hundefreund kann’s bestätigen – die Katze als Symbol all‘ dessen, was wir hassen: ein genialer Einfall. Diese Viehcher sind in der Tat eine bedauerliche Fehlleistung der Natur. Ursprünglich wohl von seßhaften Bauern vorchristlicher Kulturen zum Schutz der Vorräte vor Schädlingen fest angestellt, genießt die Katze heutzutage das Vorrecht, kein Nutztier mehr zu sein (jede Chemikalie leistet mehr!) und sich nur noch in immer neuen Mutationen und Farbspielen züchten zu lassen. Das ist zu wenig, und das schon lange: Abbildungen aus dem vorderasiatischen Jericho des 6. vorchristlichen Jahrtausends beweisen, daß Frauen und Katzen bereits damals kostbare Arbeitszeit mit sinnlosen Spielchen verplemperten.
Dem Schöpfer sei Dank gab es aber schon zu allen Zeiten vernunftbegabte Amerikaner, die den Katzen Überfluß tatkräftig bekämpften: die ersten Amerikaner lebten im alten Ägypten. Sie sorgten dafür, daß mumifizierte Katzen ihren mumifizierten Besitzern mit ins Grab gegeben wurden. Die Amerikaner des 19. Jahrhunderts, Engländer genannt, haben mehrere Tonnen, das ist wirklich wahr!, mumifizierte Katzen zu Düngemitteln verarbeitet, was die momentane englische Landwirtschaftskrise durchaus auch beheben könnte. Aber wer exportiert schon mumifizierte Katzen, ausgerechnet nach England. Das Wesen der Hauskatze prädestiniert sie zur Gefährtin vor allem älterer und einsamer Menschen. Alleinstehende Männer und Frauen, bei denen sich die vorwiegend ländliche Bevölkerung vermeintlich Rat und Hilfe holte, also Hexer und Hexen, lebten immer schon gern mit Katzen zusammen. Die Amerikaner des Mittelalters, fanatische religiöse Eiferer, ließen keine Gelegenheit ungenutzt, die Katzen samt Liebhabern mittels der sog. katholischen Inquisition zu foltern und zu verbrennen. Das führte zwar zur Erfindung des weitverbreiteten „Katzenjammers“, hat aber mit Ketzerei nicht einmal ethymologisch etwas zu tun. Daß die ordinäre Hauskatze im alten China nicht „Blacky“, sondern „Miao“ genannt wurde, mag man als vorrevolutionären Unsinn abtun; daß aber aus bestimmten Körperteilen der Katze hergestellte Wundermittel als besonders heilkräftig galten, spricht für die Anwesenheit amerikaner Coca-Cola-Vertreter im Reich der Mitte schon um 600 v. Chr.
Skip Morrow, der Zeichner, steht demnach in bester amerikanischer Tradition. Und ich, bundesrepublikanischer Deutschmarkschreiber, bin gehalten, nicht zuletzt auch im Auftrag meiner Regierung, ihm in Freundschaft und Bündnistreue zur Seite zu stehen.
Und so gestehe ich denn: auch ich überwinde den Widerwillen gegen diese Untiere nur, wenn ich einen Goldfisch aus dem Aquarium für den Kochtopf oder ein Vögelchen aus dem Bauer für die Pfanne benötige; dann borge ich die Muschi meiner Nachbarin aus, um sie nach getaner Arbeit mit genüßlichem Tritt vom Balkon zu expedieren. Wir betrachten das beide als Teil eines sinnvollen Trainingsprogramms: Die extreme Beweglichkeit ihrer Vordergliedmaßen verdanken die Katzentiere ihrem verkümmerten Schlüsselbein. Deswegen sind siezwar gute Schwimmer, auch wenn das Wasser nicht zu ihrem eigentlichen Lebensraum gehört, auch verstehen sie sich als Spezialisten im Klettern, aber von oben herabzusteigen – das müssen sie erst erlernen! Es ist das einzige, was zu lernen sie im Stande sind: Schurwolle, frische Eier, rahmige Milch weigern sie sich zu liefern; diszipliniert an der Leine oder gar „bei Fuß“ spazierenzugehen, lehnen sie ab, und, erst einmal plattgefahren, bieten sie darüberhinaus einen unerfreulichen Anblick. Sie können nichtmal als zweit- oder drittbester Freund des Menschen gelten – würden sie sonst auf den verständlichen Wunsch von Frauchen oder Herrchen, einen fortgeschleuderten Stock zu apportieren, mitsoviel Unverständnis reagieren? Bei keinem Katzen-Rennen dieser Welt kann man sein Geld verwetten, darüber hinaus ist ihr Begrüßungsritual äußerst mau, und zur Bewachung des Grundstücks kann man genausogut eine Flasche abstellen. Allenfalls kann man hoffen, daß ungebetener Besuch wegen seiner Katzenhaarallergie einem Asthma-Anfall erliegt. . . Was schließlich, frage ich, kann die Überflüssigkeit jeglicher Katzenexistenz eindrucksvoller demonstrieren als die Tatsache, daß sogar die Polizei auf ihre Dienste verzichtet? Untaug­lich sind sie in jeder Hinsicht, zum Verfolgen von Dieben ebenso wie zum Beißen von Aufrührern und sogar zum Erschnüffeln von Haschisch. Felis Catus, um sie auch wissenschaftlich einmal korrekt anzusprechen, ist sogar in Notzeiten nicht sonderlich schmackhaft: selbst die raffinierteste Knoblauch-Rahmsauce auf Portweinbasis mit ganzen Trüffeln kann sie nicht in den Rang eines Grundnahrungsmittels erheben. In dieser, und nur in dieser Hinsicht, ist die Katze dem Hund ebenbürtig. Zu allem Unglück aber hat sie, wie Volkes Stimme weiß, sieben Leben – und sie wird uns alle überdauern, zusammen mit ihren Spielkameraden, den Ratten. Das, fürchte ich, wird auch den Analytiker von Skip Morrow in seiner Existenzangst kräftig bestärken . . .

Henning Venske

 

 

 

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Flunker-TV und mehr

Fachwortschatz für den Gebrauch in den Zeiten von Lügenpresse und Co.

Flunker-TV: Ein neues Bild für die Desinformationsmaschine Fernsehen. Dank David Berger  ist uns diese Vokabel heute morgen nahe gebracht worden.

ARD-Hauptstadtstudio mit „Flunker-TV“ beschmiert

Wände mit Parolen beschmieren lehne ich ab. Aber die Wortschöpfung „Flunker-TV“ hat mich denn animiert, einmal einen erweiterten „Fachwortschatz“ für den Gebrauch in den Zeiten von Lügenpresse und Co. zusammenzustellen.

Ich war überrascht, wie ergiebig Nachforschung und Nachdenken hierzu sein können.
Für diese Arbeit kam mir meine Passion für alte, gerne in Vergessenheit geratende Worte zupass. Meine Familienherkunft aus dem böhmisch-österreichischen und bairischen Sprachraum verhalf mir zu mancher Findung und Neuschöpfung, wie doch die deutsche Sprache unendlich reich ist; reich an Kompositionsmöglichkeiten, wie keine andere auf der Welt. Also habe ich manche „bedrohte“ oder vergessenen Worte aus dem Gedächtnis oder auch aus dem ein oder anderen Buch dazu geborgen und in den anvisierten Bezug gesetzt. Geholfen hat mir einmal mehr Ewald Gerhard Seliger mit seinem „Handbuch des Schwindels“1 (E.W.G.).
Man muss sich auch an manche Formulierungen von (unvergessenen) Politikern wie Herbert Wehner oder F. J. Strauß erinnern, denen man den Düffeldaffel oder die Krampfhenne verdankt.
Die meisten meiner Leser wissen, dass z.B. „türken“ umgangssprachlich „fälschen“ oder „etwas Unechtes für echt ausgeben“ bedeutet. Warum soll man zu Özils Zeiten nicht von Türkenpresse oder vielleicht Türkenpresserei sprechen? Womit wir gleich den alltäglichen deutschen Rassismus aufleben lassen. Auch „Sexistisches“ wollte mir einfallen (und besonders gefallen).

Voilà, denn ans Werk und arbeiten wir uns vom Allgemeinen zum Speziellen vor.

 

Presse, Fernsehen und Rundfunk allgemein:

Quatschquetsche, Sperrtute, Sprechdreckspritze, Großfresse, Meinungsmache (E.W.G.). Das Flunker-TV liefert uns demnach der Flunkerkasten oder Bequasselungsautomat, den man auch als GEZahlapparat sehen kann, der uns dann den Tumbfunk liefert.

 

Zeitungen bzw. Presse:

E.W.G dazu: Schwindelpapier, Nachrichten-Kuhhaut, staatlich geförderte Schwindelverbreiter, Morgen-, mittags- Abendgeheul, Wörterdrecksumpf,  Unmenschgaukel, schwarzweißkünstlerischer Blätterteig, Falschdenktute, Quatschtunke. Für das Feuilleton findet er Bezeichnungen wie Schmusgebackenes, Modeschwafel, Schönquasseleipapier, Quatsch mit Zauberzimt. Dazu Wortqualm, Wortdreckhaufen, Schlagwortschaum und Meinungs-Dungspüle. Mir kommt dazu der Dunstkohl, Käseblättchenschwatz, das Laberpapier und der Meinungs-Abtritt in den Sinn

 

Journalist und Reporter:

Allesbeschnüffler, Gedankenmanscher, Meinungsspalter, Wahrheitssperrer, Volksspalter, Sprachbandwürmler, Wortschummler, Schwindelmacher, tintenklecksender Volksschinder (E.W.G.).
In Vergessenheit ist der Schmock geraten, den Henryk M. Broder aus der Vergessenheit gehoben hat. Wenn der Journalist noch einen Bleistift verwenden sollte, ist er gewiss auch ein Spitzerbube. Und dann fällt mir dazu noch der Schmarrprophet und der Federsklave ein. Der Be-Richter, Sabberlotter, Besserwissi, Indoktrinator, Zeterfeder, Informationsräuberich, Dünk-Deuchter, Auskunftsbutje, Volkskuranzer, Larifari-Laffen, der Lügengeck und Gutdünkler, Lotterbube, Müßiggangster, Gedankenpriemer, Schmei-Rhetoriker,  die Humbugler, Hundsfotter, Regierungskratzfüßler, der Flausenfreund und Flachserfinder, die Meinungsschwofler, Bockshorn-Treiber und Fisimatenten-Schöpfer. Alle das sind Achtgroschenjungen2.

 

Moderator/Moderatorin:

Was fällt einem nicht alles zu diesen Mietgesichtern wie Kerner, Plasberg, Lanz, Will,  Ilgner, Maischberger usw. oder zu den Schranzen vom Morgenmagazin ein:
Possenreißer, Meinungsmacker, Studio-Schwengel, Sender-Luder, Studio-Stutzer, Stunk-Anheizer, Remmidemmiker, Talk-Duttengretel, Meinungs-Hupfdohle, Krampfhenne, Televisons-Trätsche, Tschüssikowski, Haderhetzer, GEZ-Kokotte, MoMalette, MeTussen und Ulkschwätzer!
Zum Nachrichtensprecher  kam mir der Stunden-Salbader in den Sinn.

 

(Auslands-) Korrespondent:

Da denke ich an: Schlachtenbummler, Landstreicher (Treber), Schnurrensucher, Konflikt-Vaganten, Maulaffen-Feilhaber, Stegreif-Schwafler,  Griesgramer.

 

Kommentator:

Ab-lapper, Meinungsbetanker, Klitscher und Düffeldaffel3, Philistrierer, Karfiol-Schwätzer, AfD-Piesacker und Populistenmeuchler (oder -heuchler?).

 

Und über allem thront der

Indendant:

als Geschäftsführender Spaßgesellschafter. Der Qotenstreber, Gebühren-Dützer, Inkommodant, Penunzant, Audience-flow-Kraxler, Influenzler, ÖRR-Nabob. 

In den Zeiten, da die Wahrheit in den Medien zur Bückware geworden ist, darf man das wohl aussprechen. Was die Medien uns bieten, muss man nicht gleich als Lüge bezeichnen. Falschdenk, Falschsprech, Wortschummel, Wahrheits-Cheat geht auch; und Umfrageergebnisse sind auch nichts anderes als Hokuspokumetrie, Nummmerngaukelei bzw. Wahl-Vorlötung.

 

Das kann fortgesetzt werden und für Ergänzungen bin ich dankbar.
Die Begriffe sind natürlich zur Verwendung freigegeben und für meine Kreationen bestehe ich nicht auf ein „Copyright“. Ich bin mir auch sicher, das keiner meiner Leser auf die Idee kommt, das eine oder andere Wort irgendwo an die Wand zu schmieren.

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1 Ewald Gerhard Seliger : Handbuch des Schwindels, Insel Taschenbuch, Frankfurt 1986

2 Käuflicher Verräter oder Denunziant. Ein altherkömmlicher, in Vergessenheit geratener Begriff. Erklärung: Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts zahlte die Polizei einem Informanten acht Groschen für die Anzeige einer Übeltat. 

3 Herbert Wehner über einen Meinungsabweichler.

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