Die nicht endende Charakterwäsche

Entnazifizierung ohne Ende …

Ich stehe im 8. Lebensjahrzehnt: geboren im Jahr der Währungsreform und der Berliner Luftbrücke; fast auf den Tag drei Jahre nach dem Ende des letzten großen Krieges in Europa; zwei Jahre nach der Vertreibung meiner Eltern und Großeltern aus der Heimat; ein Jahr nach dem letzten großen Hungerwinter  in Deutschland.
Aufgewachsen bin ich in der Adenauer-Ära, im Wirtschaftswunderland Bundesrepublik, an dem auch meine tüchtigen Eltern als Handwerker und Kleinunternehmer tätigen Anteil hatten. Ich konnte ein (neugegründetes) Gymnasium mit hervorragenden Lehrern besuchen und dann mit einem „Einser-Abitur“ ab 1967 Medizin studieren.
Schon während des Studiums war ich in meinem fränkischen Heimatort gewählter „Stadtrat“ für die SPD. 1969 bin ich in die SPD eingetreten und habe natürlich Brandt gewählt wg. „mehr Demokratie wagen“.
Mein Engagement für die SPD und den schließlichen Bruch mit ihr in den 80er Jahren begründe ich gern mit dem angeblich von Churchill stammenden Bonmot: „Wer mit 20 Jahren nicht Sozialist ist, der hat kein Herz, wer es mit 40 Jahren noch ist, hat kein Hirn.“
Im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts war ich dann noch für die CDU „Ratsherr“ in meiner jetzigen Heimatgemeinde. Die Merkel-CDU war meines nicht mehr und so engagierte ich mich 2012 bei den 100 Erstzeichner für die „Wahlalternative 2013“, aus der die AfD entstand. Aber eine nochmalig Parteimitgliedschaft brauchte ich nicht mehr. 2014 outete das Lokalblättchen in meiner früheren Heimat in Oberfranken mich, den ehemaligen SPD-Ratsherrn und Vorzeigebürger, als „Nazi“, denn man entdeckte „altmod“ und was ich dort zum Besten gebe, ist denn nicht „comme il faut“.

Sozialisiert und angekommen im „besten Deutschland, das wir je hatten“ (Volker Bouffier), die „FDGO“ quasi verinnerlicht, ohne dass mir einmal konkrete Bedenken in das Funktionieren derselben kamen. Und da muss ich jetzt nach 70 Jahren Bundesrepublik feststellen, dass ich wohl daneben liege und offensichtlich eine Fehlentwicklung durchgemacht habe.

Was muss ich nicht alles monieren: 

 – Rechtspolitische Aufweichung und Verstöße gegen Recht und Gesetz durch den weiblichen Bundeskanzler und ihre Entourage.

– Da erlebe ich auf Umwegen etablierte Zensur mit Rede- und Denkverboten und Verfolgung nicht-Mainstream- und Regierungskonformer Meinung durch Medien und hassvolle Politiker bis hin zum Bundespräsidenten.

– Terroristische linke Kader (Antifa) und Spitzelinstitutionen werden durch den Staat gehätschelt. 

– Ein „Verfassungsschutz“, der auf dem linken Auge blind ist.

– Ausgrenzung der bürgerlichen Mitte mit ihren Werten.

– Die Mitglieder und Wähler einer demokratischen und demokratisch legitimierten Partei, bald 20% des Wahlvolkes – werden pauschal als rechtsradikal diffamiert.

– Der Antisemitismus als „Staatsräson“ (Merkel) hat ausgedient: linke und muslimische Israelhasser entscheiden den Diskurs und damit die Sicherheitslage für Juden in Deutschland. 

– Fremdländische Banden und anderweitig kulturgeprägte Zuwanderer bestimmen die ausgehöhlte innere Sicherheit des Landes.

– Eine Bundes“wehr“ existiert nicht mehr und das „Verteidigungs“ministerium ist zu einer Lachnummer geworden.

– Aus klima-ideologischen Gründen wird die Wirtschaft und Zukunftsfähigkeit Deutschlands und Europas zerstört.

– Das einstmals großartige Schulsystem, Universitäten und Hochschulen ist zugrunde „reformiert“ worden.

– Die Politische Korrektheit und der Hypermoralismus haben sich wie Mehltau auf die Gesellschaft gelegt und vernichten jeden offenen und ehrlichen Meinungsaustausch.

Mit diesen Bedenken und der Kritik – die noch nicht mal vollständig ist – bestätige ich den Generalverdacht des unbelehrbaren, neuen deutschen “Nazis“ und damit offenbart sich wohl auch bei mir das angeblich allen Deutschen inhärente Nazi-Gen. (Den ebenfalls bei uns Deutschen genetisch determinierten Antisemitismus kaschiere ich wohl nur durch eine vorgetäuschte „Judophilie“ – verbunden mit einer unverhohlenen Islamophobie.)
So wird man zu einem Fall für sozial-psychologische und -pädagogische Interventionen, die seit 1945 Tradition haben in den deutschen Landen.
Die Alliierten – und vorwiegend die Amerikaner – betrieben nach 1945 in ihrer Besatzungszone eine engagierte und sehr bürokratische Entnazifizierung. Von jedem Erwachsenen ließen die Amerikaner Bögen mit 131 von ihnen erstellten Fragen ausfüllen, was eine umfassende Definition des Status „mandatory removal“ (= entlassungspflichtig) ermöglichte. Bis Ende März 1946 wurden 1,26 von 1,39 Millionen Fragebögen durch die „Special Branch“ der sog. OMGUS-Behörde ausgewertet.
Der spätere US-Präsident Dwight D. Eisenhower, 1945 Oberbefehlshaber der amerikanischen Truppen in Deutschland, schätzte die Zeit, die zur Entnazifizierung und zur Umerziehung zu demokratischen Idealen nötig wäre, auf rund 50 Jahre harte Arbeit ein. US Army General Lucius D. Clay, Militärgouverneur der amerikanischen Regierung in Deutschland von 1947 bis 1949, vertrat die Ansicht, die Besatzung müsse für mindestens eine Generation aufrechterhalten werden, wenn die vorgegebenen Ziele erreicht werden sollten.

Etwas mehr als 1 Million Fragebögen konnten natürlich nicht die Gesinnung des ganzen Volkes erfassen und so musste die Entnazifizierung auf Umwegen irgendwie weiter betrieben werden.

Dafür sorgten dann die Deutschen selbst. Nicht nur mittels der aus den USA rückimportierten marxistischen Gelehrten der Frankfurter Schule. Führende – und nicht nur linke – Politiker und Intellektuelle der Bundesrepublik waren frühzeitig und nachhaltig überzeugt, dass man Deutschland wie einen Kranken behandeln muss, der „Spritzen mit antinazistischem Serum braucht“. Solch eine „Patiententheorie“ setzt freilich eine „mystische Einheit“ der Deutschen voraus, die gar nicht existiere, schreibt Thorsten Hinz (Die Psychologie der Niederlage).
Die „mystische Einheit“ ist aber wohl im angesprochenen „Nazi-Gen“ im bio-deutschen Volkskörper verwirklicht.

Wie ist es sonst zu erklären, dass fast 75 Jahre nach Hitlers Ende sich Deutsche am (statistisch) vermuteten Nazi in der Familie – oder wohl in sich selbst? – in einer psychologischen Katharsis abarbeiten müssen.
Wie linke Politiker a la Sigmar Gabriel, Heiko Maas, Joschka Fischer.
Aber vor allem überwiegend literarisch ambitionierte Töchter oder Enkelinnen, die für ihre egoistische Sinnsuche in einem eigenen „deutschen Sündenstolz“ kaum kein anderes Thema finden, als den Nazi in der Familie oder in einem selbst. Das Staatsfernsehen und das Feuilleton räumt ihnen nahezu unbesehen Aufmerksamkeit und Platz ein. Wie z.B. der Dokumentarfilmerin Regina Schilling mit ihrem Film „Kulenkampffs Schuhe“ .


Der „Illustratorin“ Nora Krug soll mit ihrem Buch „Heimat“, eine „Selbstvergewisserung und Ortsbestimmung wie (ein) moralischer Kompass“ gelungen sein.

Die beiden Namen nur mal als Pars pro Toto.

Viele Deutsche halten sich anscheinend immer noch so tief stigmatisiert, daß sie weiterhin einen klinischen Fall darstellen, einen Fall für die Fortsetzung der „Umerziehung“.
Die anspruchsvollen Intellektuellen und die linke Polit-Schickeria, die mit der BRD groß wurden, arbeiteten und arbeiten denn unentwegt an der Charakterwäsche der Deutschen. So verlangte z.B. ein Peter Glotz (SPD) schon mal im typischen Umerziehungsjargon eine „Außenverträglichkeit“ der Deutschen.
Aber es geht nicht mehr nur um „Außenverträglichkeit“, sondern zuvorderst um eine Ausgestaltung der „Innenverträglichkeit“, wenn die Regierung, der Präsident, die Meinungs- und Kultur-Schaffenden die Deutschen, ihre Landsleute, weitgehend als politisch suspekt ansehen: als Dunkeldeutsche, Pack oder eben als Nazis
Gar die Kirchen mit ihren Bischöfen und Kanzel-Moralisten sehen den Bedarf an Umerziehung.
Bischof Heinrich Bedford-Strohm, EKD-Ratsvorsitzender und damit Deutschlands oberster evangelischer Kirchenvertreter möchte uns im Stil der „Deutschen Christen (DC)“ im Dritten Reich, der am Führerprinzip orientierten, totaltären Strömung im deutschen Protestantismus zum Guten erziehen. So erklärte er, die Kirchen würden alle zur Rede stellen, die rechte und rechtspopulistische Ansichten duldeten, auch wenn sie selbst keine Rechten seien.

Diesen Pfaffen geht es nicht mehr um den christlichen Glauben, um Gott und die Verkündigung der Frohen Botschaft, sie sehen sich als Sachwalter und Hüter der Political Correctness und der Hypermoral. Die Politische Korrektheit als Mittel der Umerziehung, wie der Medienforscher Norbert Bolz feststellte. Und, Re-education bedeutet nichts anderes als „Entnazifizierung“.

Zurück zu meiner Erklärung am Anfang: Da bin ich bald „hochbetagt“ und soll mich nach meinem  sicher doch untadeligen Werdegang unter irgendetwas unterwerfen, das mich anekelt; soll Meinungs- und Redefreiheit aufgeben?
Ich bin nicht als Nazi geboren und habe auch kein diesbezügliches Gen von meinen Vorfahren mitbekommen – nicht nur, weil es das nicht gibt. Und es gibt es auch nicht bei meinen Kindern und Enkelkindern.
Als treuer Demokrat, der schon mal aufrichtig seinen Eid auf die Verfassung geschworen hat und der an „mehr Demokratie wagen“ glaubte und glaubt, soll ich jetzt von zweifelhaftem Ruf sein?
Muss ich von Bischöfen, der Pfarrerin von nebenan, von Politikern, Journalisten, LiteratInnen, Gretel-Anhängern etc. in die Schranken gewiesen werden, und muss sogar Bestrafung  – materiell wie psychisch – erwarten, wenn ich mich nicht zum „Guten und Wahren“ bekehre? 

Ich wehre mich gegen diese nicht endende Charakterwäsche.
Ich und die erdrückende Mehrheit unserer Landsleute haben diese andauernden Entnazifizierungs-Anstrengungen, diese anhaltenden Verdächtigungen nicht verdient.
Diejenigen, die glauben, uns das zumuten zu müssen, gehören an den Pranger  – nicht die um ihr Land, ihre Nächsten und um ihre historisch und kulturell geprägte Lebensart besorgten Menschen.
Ich wende mich gegen die „Unsitte der  Deutschen, das Bild ihrer Nation in den Dreck zu ziehen, um sich nach vollbrachter Tat als Tugendbolde präsentieren zu können. Gegen die, die es allen und jedem zeigen wollen, weil sie sich beim Aufräumen vergangener – eigener und fremder – Peinlichkeiten als nützlich erweisen und uns damit bekehren wollen.“ (Zitiert nach Schrenck-Notzing*)

Zum Schluß noch ein Zitat von Günter Maschke (1988), einem Ex-68er und rechten Renegaten:
»Wer die Verbrechen unter den Nationalsozialisten „relativiert“, wer ihre „Einzigartigkeit“ bestreitet (weil er auf die massenhaften Verbrechen im Namen der „Humanität“ hinweist, eig. Erg.), der, so hört man, verharmlost sie. Genau das Gegenteil ist der Fall. Der „Relativierer“ verharmlost gar nichts, er spricht vielmehr die furchtbare Wahrheit aus, daß wir alle, alle ohne Ausnahme, im größten Stile zum Morde fähig sind. Verharmloser ist hingegen jener, der auf die Einzigartigkeit der deutschen Verbrechen pocht. Er will nämlich an der Lüge festhalten, daß der Mensch im Grunde gut sei. Nur der Deutsche ist eben schlecht.«

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* Caspar von Schrenck-Notzing: CharakterwäscheDie Re-education der Deutschen und ihre bleibenden Auswirkungen; Graz 2004

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3 Antworten zu Die nicht endende Charakterwäsche

  1. Wir haben diese Verdächtigungen nicht verdient und wir haben sie satt. Oberkante, Unterlippe.
    Selbstverständlich ist ein aufgeklärter Antifaschist und überzeugter Gut- und Bessermensch ein Befürworter des Tötens ungeborener Kinder. Je länger man diese Kinder töten darf, umso höher das moralische Podest auf das sich diese Unmenschen stellen.
    Man braucht sie nur zu fragen, diese extremen Gut- und Bessermenschen, egal ob Antifaschisten, die sog. Tier- und Naturschützer, Feinstaubgegner etc. etc., für die Tötung ungeborener Kinder werden sie zu 99,99 Prozent sein.
    Damit werden diese Unmenschen viel zu wenig konfrontiert. Das wäre doch mal was für einer diese Geschwätzrunden, wenn es mal wieder um Menschlichkeit o. ä. geht.

    Noch eines zum Schluss. In meinem ebenfalls schon einige Jahrzehnte währendem Leben konnte ich auch diese Erfahrung machen: Ich war in meinen jungen Jahren Sympathisant von maoistischen Kommunisten, lebte als solcher in München und in einem Marktflecken in Niederbayern (dort wo den Sozis der Ruß beim Gehen vom Buckel fällt, so schwarz sind/waren sie). Niemals wurde ich so angefeindet, wie heutzutage sog. des Neonazismus verdächtigte. Egal ob ehemalige HJ-Führer, ehem. Angehörige der Waffen-SS, überzeugte Christen und CSU-Mitglieder jeder von ihnen versuchte auf seine Art mit mir zu reden und auf eine bestimmte aber respektvolle Art und Weise.
    Man stelle sich vor, ein ehemaliger, öffentlich bekannter Sypathisant von NPD, JN, den Reps, der Wikingjugend o. ä. ändert seine Meinung. Wie wird der heutzutage behandelt? Er würde bzw. wird behandelt wie ein Aussätziger.
    Ich kann feststellen, je weiter man nach links kommt, desto kleinlicher, engstirniger und radikaler werden Andersdenkende oder Abweichler behandelt. Dies gilt selbstverständlich für die eigenen Reihen, da genügt es schon für ganz geringfügige Abweichungen um zum Verräter, zum Klassenfeind, zum Revisionisten etc. abgestempelt zu werden.
    „Willst Du nicht mein Bruder sein, so schlag ich Dir den Schädel ein.“
    Linke Brüderlichkeit eben.

  2. Die Umerziehung begann, als römische Soldaten sich ausbreiteten. Doch sie scheiterten. Die geschichtsfälschenden römisch-katholischen Geistlichen waren schlauer! Sie schenkten den Eliten von ihrem Raubgut und beugten sie zum Niedergang. Anschließend gab es nichts neues mehr unter der Sonne. Diese Methode wirkt bis heute durch Wahlgeschenke und vermeintliche Demokratie.

    120 Jahre sind einfach zu kurz, um aus eigener Erfahrung diese Agenda zu überblicken und zu beeinflussen.

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