Querfront – Abschnitt 2

Reaktion der „Reaktion“

 

Linke und Rechte streiten sich lediglich
um den Besitz der Industriegesellschaft.
Der Reaktionär ersehnt deren Tod.
Nicola Gomez Davila

 

Es sind nachgewiesene Renegaten wie Jürgen Elsäßer und Ken Jebsen, an denen sich die Kritik der Linken besonders festmacht, wie im vorausgehenden Beitrag skizziert. Diese bestellen anscheinend hierzulande besonders den Acker der Querfront. Dazu werden auch gelegentlich Publizisten wie Jan Fleischhauer, Henryk Broder und Thilo Sarrazin angeführt. Broder und Sarrazin stehen ja in einem besonderen Schmäh-Focus der hiesigen linken Medien-Organe, obschon beide einer nationalistisch rechten Attitüde sicher unverdächtig sind.

Mit etwas Verzögerung erschien nun ein Echo – eine Publikation – von „rechter Seite“, von Benedikt Kaiser, Politikwissenschaftler und Verlagslektor im Antaios Verlags: „Querfront“ – Kaplaken-Band 49.

Der Autor nennt seine Betrachtung einen „subjektiven Streifzug durch die Geschichte quer zu den bisherigen Lagern“ und stellt fest

„Die Querfront als politische Konzeption sui generis gibt es entgegen der Behauptung ihrer Kritiker nicht. Sie besitzt kein klar umrissenes Konzept. Je nach Land, Zeit und Situation erfährt der Begriff eine gänzlich andere Aufladung. … Es ist … kein Wert an sich und als solches nicht der Mühe wert, zumal es – damals wie heute – an lagerübergreifenden Projekten, ja bereits an bloßem Interesse bezüglich politischer Elemente, die »falsch«, also gegnerisch etikettiert sind, mangelt. Es erscheint aus diesen Gründen sinnvoller, eigene Ideen konkret auszuformulieren und Begriffe zu »setzen«, mithin die dringend notwendige Erweiterung des Themenspektrums vorzunehmen.“

In seiner Analyse schreibt Kaiser u.a., dass es innerhalb der europäischen Rechten „Kontinuitätslinien“ gibt, die man der Linken von jeher voraushabe. Die wichtigste dieser Linien ist die „Nennung der dreifachen Zugehörigkeit eines Europäers zur Heimatregion, zur Nation, zu Europa als übergeordnetem Prinzip.“ Er zitiert den Europapolitiker der freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) Andreas Mölzer: „Nur ein föderatives, in manchen Regionen die vorhandenen Staaten auflockerndes Europa ist nach den bisherigen historischen Entwicklungen denkbar.“
Kaiser verweist dabei u.a. auch auf die postnationalistische „identitäre Bewegung“ in Frankreich, welche der Anschauung folgt, dass das Mutterland Europa nicht als Vorstufe zur „One World“ gelten soll, sondern neben Region und Nation als Barriere gegen eine solche fungiert.

Im „Fazit“ seiner Abhandlung meint Kaiser

„Es erscheint … sinnvoller, eigene Ideen konkret auszuformulieren und Begriffe zu »setzen«, mithin die dringend notwendige Erweiterung des Themenspektrums vorzunehmen. Eine »Neue Rechte«, die sich von neokonservativ-neoliberalen Vorstellungswelten absetzt, die sich also gegen die Vorherrschaft des Westens, universale Islamfeindschaft, libertäre Marktgläubigkeit und konservative Kapitalismusaffirmation stellt; eine Neue Rechte, die ein fundiertes eigenes Bild vom zeitgenössischen Imperialismus entwirft und sich geopolitisch für eine »Pluralisierung der Hegemonien« ausspricht; eine neue Rechte, die die soziale Frage wieder als ureigenes Sujet entdeckt; eine Neue Rechte, die europäisch denkt und mehr als nur einen nationalsouveränistisch-populistischen Anti-Brüssel-Block formieren möchte, die die Idee des einigen Europas neu und innovativ, aber rückgebunden auch an Tradition und Herkunft betrachtet; …

Das geht es mir etwas sehr durcheinander und alles scheint mir wenig neu im Sinne „eigener Ideen“. Alles schon mal da gewesen! Gegen eine Vorherrschaft des Westens, gegen universale Islamfeindschaft, gegen libertäre und bürgerliche Kapitalismusaffirmation war auch schon Hitler aufgetreten, er hat auch „europäisch“ gedacht und agiert; die soziale Frage hat Oswald Spengler in seiner Schrift „Preußischer Sozialismus“ aufgeworfen, die Nazis haben die Bismarck´schen Sozialreformen weiter ausstaffiert; gegen die Liberalen haben alle Vertreter der „konservativen Revolution“ – bis zuletzt Armin Mohler – polemisiert.

„Europa … rückgebunden auch an Tradition und Herkunft“, das will mir schon gefallen in der „Trinität“ Region/Heimat, Nation/Vaterland und ein Europa der Vaterländer.
Das ist nicht nur „denkbar“, wie der FPÖ-Politiker Mölzer meinte, es scheint mir das einzig effektive Leitbild für eine Politik der Erhaltung europäischer Kultur und seiner Völker.
(Alt-) Neu wäre wieder eine echte Subsidiarität ausgehend von der unteren Ebene – den Gemeinden, der Region. Rechtsetzung und Ordnungsgebung nicht von oben übergestülpt, sondern Gestaltung wieder faktisch von unten nach oben.
Subsidiarität ist auch ein unerlässliches und zentrales Element des zuvorderst menschenfreundlichen ordnungspolitischen Konzepts der sozialen Marktwirtschaft.

Kaiser meint in seinem Fazit „Negation des Alten und der Hervorbringung von etwas Neuem jenseits des Üblichen führt »zu produktiver geistiger Unruhe«.

Die derzeitige Politik und ihre Ideologie kranken unter anderem aufgrund der „Negation des Alten“, aufgrund ihres Kampfes auch gegen das Föderale und Subsidiäre – auf dem Weg zur weitergehenden Globalisierung.

Europa

Europa! Wir sollten uns an das erinnern, was Gerd-Klaus Kaltenbrunner 1994 in „Vom Geist Europas“ schrieb:

„Europa … die Vision eines Hauses mit vielen Wohnungen, eines Domes mit vielen Kapellen, eines Lebensraumes oder einer „oikia“ mit vielen Gebieten, Nischen und Höhenstufen. Es ist dies ein anderes Europa als der halb euphorisch begrüßte, halb fatalistisch hingenommene Binnenmarkt gleichen Namens. Das Abendland, in dem ich mich beheimatet weiß, ähnelt — um es drastisch zu sagen — eher noch dem fernen Polynesien als jenem nahen, aber antlitzlosen Monster, das von überheblichen Kommissionen und Konzernen entworfen, verwaltet und vor angetrieben wird. Der gigantomanischen Vermessenheit dessen, was in einem wohlgeordneten Gemeinwesen nur subalternsten Rang innehaben könnte, halte ich unbeirrt die Urgestalten und Denkmale europäischen Schöpfergeists und Überlieferungssinns entgegen. Bildlich gesprochen: Das alte Prag, Riga, Krakau und Kiew stehen mir näher als das neue Brüssel. Den Spott, ein Don Quijote sei, wer die Übermacht des Technokratischen, Ökonomischen und Administrativen in die Schranken fordere, fürchte ich sowenig wie vor zwanzig Jahren die Schelte des „Konservativen“.

Es ist zu fürchten, dass das „alte“ Europa unwiderruflich dem Untergang geweiht ist, dafür werden neben unseren „Eliten“ die eingeladenen, hergeschleppten und hergeführten „Flüchtlinge“ aus Afrika und dem Nahen oder Mittleren Osten sorgen.

Europa, das „Abendland“, das war der Kontinent der Christenheit. Vom Christentum ist bei den Linken wie auch bei der neuen Rechten, nicht die Rede – insofern gibt es diesbezüglich eine Querverbindung.

Die Idee des einigen Europas auch „neu und innovativ“, kann nur rückgebunden an Tradition und Herkunft betrachtet werden!

Ideologie

Kaiser spricht es in seinem Essay nicht konkret aus, aber er fordert im Grunde eine eigene (neue) Ideologie, ohne aber im Einzelnen konkret zu werden – abgesehen von den formulierten Ausschlüssen (gegen die Vorherrschaft des Westens, universale Islamfeindschaft, libertäre Marktgläubigkeit und konservative Kapitalismusaffirmation …). Es möchte damit gewiss auch eine Art „Avantgarde“ der Rechten generiert werden.

Ideologie – das Wort wird gerade von Konservativen ungern in den Mund genommen, genauso wenig wie das durch den Nationalsozialismus verbrannte Wort der Weltanschauung. Gegen „Ideologie“ besteht eine regelrechte Aversion gerade bei den aufrechten Rechten.

Gibt es eine neue, „unverdächtige“ Redewendung? Gerd-Klaus Kaltenbrunner vermied ebenso den Begriff, schrieb aber, dass der Konservative einer „fundierten Theorie“ bedarf.

Warum soll man nicht doch bei dem Begriff der Ideologie bleiben? Die Linke hat da wenig Probleme. Um der linken Ideologie beizukommen, bedarf es aber schon auch einer eigenen. „Mit einem Regenschirm kann man nicht gegen die marxistische Zwangsjacke“ kämpfen“, meinte Erik von Kuehnelt-Leddihn und verweist in diesem Zusammenhang auch besonders auf Ludwig von Mises, der betonte, daß alles davon abhinge, „ob die Massen positiven oder negativen Ideologien folgen, aber sie sind nun einmal da und somit unvermeidlich“; Friedrich August von Hayek sagte uns, daß keine Gesellschaft ohne Ideologie 24 Stunden existieren könnte.

Die Programme der noch existierenden angeblich konservativen Parteien (welche sind das noch?) erfüllen diesen Anspruch an eine verbindende (gewissermaßen auch „verbindliche“) Weltanschauung nicht. Die CDU war über die meiste Zeit ihrer Existenz fern davon, eine Programmpartei zu sein – im Gegensatz zu ihrer großen Konkurrentin SPD. Beide eint inzwischen, dass fast nur noch Antworten auf tagespolitisch entstandene oder auch gezielt aufgeworfene Fragen angeblich pragmatisch, nicht „programmatisch“ gelöst oder beantwortet werden sollen. Eine die Politik prägende, wirklich „fundierte Theorie“ ist bei der CDU/CSU nicht mehr zu erkennen, zu sehr hat sie sich der von Linken und Grünen geprägten Denk- und Fühlweise des Zeitalters unterworfen.

Es schien mir bei meinen Nachforschungen nur spärlich auf, was die „Hervorbringung von etwas Neuem jenseits des Üblichen“ auf Seiten der neuen Rechten – a la Benedikt Kaiser – beinhaltet.

„Etwas Neues“ hat freilich für Konservative durchaus keinen Selbstzweck.

Peter Helmes, ein alter Fahrensmann im politischen Geschäft, Spiritus Rector und Autor der „Deutschen Konservativen“, die irgendwie ein „Restkollektiv“ sind, meinte auf die Anfrage und Anregung nach einem „modernen“ konservativen Programm Folgendes:

Mich reizt Programmarbeit. ABER:
Meine politische Erfahrung hat mich schon oft auf den Boden der Realität gezogen. Dazu gehört die Erkenntnis,

1. daß Parteien generell nicht in der Lage sind, politisch-programmatisch zu denken (s.o. „Aktionismus“).

2. daß „konservative Thinktanks“ in Deutschland ein karges Brot fressen. Mehr oder weniger nagen sie alle am geistigen (Ideen) und leiblichen (Finanzen) Hungertuch, dieweil solche „Fabriken“ auf der linken Seite eher am Hummertuch nagen können (Bertelsmann-Stiftung, Körber-Stiftung etc. als Beispiel).

3. daß, sobald eine Idee oder ein Programm auf dem Tisch liegt, gerade das rechte Lager zur Streitaxt greift … Man gönnt dem Anderen keinen Erfolg, was i.d.R. zu persönlichen Streitereien führt. Jüngstes Beispiel ist ja wohl die AfD bzw. die Lucke-Gruppe usw.

Und vor allem „ … an wen sollte sich ein „Konservatives Programm“ richten?“

Letzteres ist eine Schlüsselfrage, die im Moment schwer beantwortet werden kann.

Da klingt etwas davon durch, was Davila in seinem Aphorismus sagt:

„Die Konservativen der Gegenwart sind nicht mehr, als von der Demokratie misshandelte Liberale.“

Damit soll vorerst das Thema „Querfront“ geschlossen sein.

Der Reaktionär

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4 Kommentare zu Querfront – Abschnitt 2

  1. Vorsicht Tretminen:
    Region und föderatives Europa.
    Wir brauchen keine Regionen, Region ist, in diesem Zusammenhang, ein von der EU-Elite geschaffener und gerne verwendeter Begriff, der eine Aufspaltung fördert und fordert, der gegenüber eine mächtige Brüsseler Bürokratie steht.
    Die Bayernpartei ist dem auch auf den Leim gegangen, sie fordert den Austritt aus der BRD aber zugleich ein Europa der Regionen mit Brüssler Bürokratie. Das wäre vom Regen in die Traufe. Nein, danke.
    Es gibt Bundesländer, Departments etc., diese sind meist historisch gewachsen und klar umrissen.

    Ein föderatives Europa setzt einen Zentralstaat voraus, ist also abzulehnen.

    Könföderierte Staaten von Deutschland und von mir aus auch von Europa. Wobei man den Bogen wirklich nicht überspannen sollte, da nach dem derzeitigen Sprachgebrauch Europa nur aus den Staaten der NATO-Schergen besteht. Also eines schön nach dem anderen.

  2. Zum Thema Ideologie/Weltanschauung:
    Ich brauche dazu kein theoretisches Gerüst. Herz und Verstand reichen zum friedlichen und wohlgefälligen Zusammenleben der Menschen aus.
    Das andere ist Schriftgläubigkeit. Niemand kann das Zusammenleben der Menschen schriftlich regeln oder allgemeingültige Glaubenssätze dazu aufstellen. Das Leben regelt sich selbst und dabei sollten wir es belassen.
    Für Akademiker und andere Kopfgesteuerte ist dies wahrscheinlich schlecht nachzuvollziehen, beziehen sie doch einen Großteil ihres Weltbildes, ihrer Weltanschauung aus Büchern, aus Gedanken anderer, die sie dann hin- und herwälzen, dann für gut oder für schlecht befinden und dies oft genug nur zeitweilig. Ist auch logisch und nachvollziehbar, Ideologien kann man wechseln wie die Unterwäsche, Herz und Verstand bleiben immer eine feste Größe. Darauf sollten wir uns konzentrieren.
    Daher gab es auch unter allen Ideologien immer Menschen die sich dem Diktat der Ideologie nicht beugten und sich nicht in dem Maße an deren Durchsetzung beteiligten, wie es sich die jeweiligen Machthaber wünschten.
    Ideologien sind eine Krücke, die allerdings hinderlich ist, wenn man das selbstständige Laufen lernen will. Also weg mit ihr.

    Wir brauchen keine Ideologie, wir brauchen Herz, Verstand und die innere Festigkeit dass wir wissen was wir wollen und zwar ganz ohne Ein- und Vorflüsterer.

  3. Noch etwas zum Thema Ideologie:
    Unsere Großeltern/Eltern, die Anhänger einer Ideologie waren, hatten das Pech, dass ihre Ideologie(n) siegreich war. Sie durften Unfreiheit, Krieg und Sozialismus erleiden. Ohne Frage, es gab sicherlich auch Momente des Glücks und der Hoffnung. Das Ende vom Lied war aber in beiden Fällen fatal und nahezu jeder war froh, dass es vorbei war.
    Unsere Generation war auch oft genug Anhänger einer Ideologie, meist der marxistischen, wozu auch ich mich zähle. Wir hatten das Glück, dass unsere Ideologie nicht siegreich war und sollten nicht den Fehler machen wieder in diese Falle zu tappen.
    Wo enden Ideologien? Im Richtungsstreit, im Dogmatismus, in der Erstarrung, im Tod, in der Unfreiheit des Lebens und der Gedanken.

  4. altmod sagt:

    Da hat Gerd Bauer in seinen drei Kommentaren starken Tobak ausgedünstet, sodass ich diesmal darauf eingehen will – der Reihe nach.

    Der Begriff „Regionen“ ist verdächtig, da angeblich eine Erfindung der „EU-Eliten“.
    Region fängt bei den untersten Gliederungen an, den Gemeinden und Städten, Gebietskörperschaften, welche sich in Zusammengehörigkeit fühlen; eine Zusammengehörigkeit, welche auch den Begriff „Heimat“ bestückt.
    Über „Region“ in diesem Sinne wurde schon gesprochen (und auch politisch argumentiert), als es noch keine Brüssel-EU gab.
    Auch in dem Kunstgebilde von Napoleons Gnaden, dem „Königreich Bayern“ (gebietsmäßig identisch mit dem heutigen „Freistaat“) gab/gibt es Regionen: (Alt-)Baiern, Franken, Schwaben; mit jeweiligen Überlappungen in „Nachbarstaaten“.
    Wäre dem Kommentator vielleicht der Begriff „Gau“ gefälliger?
    Nun ja, der Begriff Gau beinhaltet in unserer Geschichte auch immer die Unterwerfung unter eine Reichsmacht.
    Die Bayernpartei ist in dieser Frage wohl keine politische Größe und keine Stimme mehr. Als sie noch ein gewisses (regionales) Gewicht hatte, gab es gleichwohl noch nicht die „Brüssel-EU“.
    Spricht man von Föderation versus Konföderation, sollte man belegen können, wo eine Konföderation, die sich der Kommentator vielleicht vorstellen mag, bisher funktioniert hätte: Von den Niederlanden, Irland, dem Rheinbund, den Norddeutschen Bund bis zu den „Konföderierten Staaten von Amerika“? Ist die Schweiz ein föderativer Staat oder eine Konföderation? Föderationen funktionieren gleichwohl – oder gleichwohl nicht.
    Die angeblich gewachsenen Bundesstaaten der BRD darf man als Teileinheit im Sinne einer Region innerhalb einer Konföderation nach meiner Ansicht nicht in eins werfen.
    Eine politische Zentralmacht im organisatorischen Sinne, auch eine Führung“Nation“, kann nur so stark sein, wie es die föderativen oder auch „konföderierten“ Mitglieder zulassen. Föderation versus Konföderation – das ist im Grunde eine Diskussion wie um das Barthaar des Propheten.

    Zum Thema Ideologie oder Weltanschauung – oder vielleicht auch nur Theorie.
    Dem Kommentator genügen „Herz und Verstand“! Das macht ihn gleichsam edel, wie den edlen Wilden, der nicht von Zivilisation oder (Schrift-) Kultur verdorben ist. Daraus kann man übrigens auch eine „Ideologie“ machen, wie Rousseau und dessen Epigonen bewiesen haben. Die Auffassung, dass „Niemand () das Zusammenleben der Menschen schriftlich regeln oder allgemeingültige Glaubenssätze dazu aufstellen (kann)“, kommt mir eher trotzig vor. Pardon, sie ist eigentlich fern von Verstand.
    Die Zehn Gebote mögen nicht für jeden „allgemeingültige Glaubenssätze“ sein. Was man, seit es eine Schriftkultur gibt, als Gesetze und Ordnungsregeln verfasste und aufschrieb, diente dazu das Raubtier Mensch zu bändigen und ein geordnetes, möglichst friedliches Zusammenleben möglich zu machen – wenngleich dies auch immer wieder misslingt.
    Soll man wieder zu den Zeiten des germanischen Thing und der Kulturpflege durch Barden und Druiden zurückkehren? Was soll die Herabsetzung der Schriftlichkeit? Literalität ist das Fundament von Tradition, Kultur und Bildung – und nicht nur für „Akademiker und Kopfgesteuerte“.

    Etliche Aussagen in den Kommentaren kann ich nicht nachvollziehen. Aussagen von jemandem, von dem ich weiß, dass er sehr belesen ist und durchaus in einem bestimmten Ausmaß Erkenntnisse für seine Weltbetrachtung aus Büchern und aus Gedanken anderer ableitet.

    „Das Leben regelt sich selbst“! Ja ja!
    Das gilt für die Natur und Umwelt. Aber seit der Mensch die Natur für sich zunutze macht, wird diese Selbstregelung gestört.

    In der Überschrift des Blogs des Kommentators (Deutsche Ecke) ist durchaus Sympathisches recht plakativ zu lesen: „Gegen Zentralismus und Bevormundung – Schluss mit der Parteienherrschaft – für die staatliche Selbstständigkeit Bayerns und anderer deutscher Länder – für den Austritt aus der EU – für strikte außenpolitische Neutralität – für Selbstverwaltung und Selbstverantwortung, auch der kleinen Organisationseinheiten – freie Menschen bestimmen und verantworten ihr Leben selbst“!
    Wenn das nicht auch „Ideologie“ ist!

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