Angeeckt …

Da bin ich bei den „echten Pegnitzern“auf Fcebook wieder gewaltig angeeckt, da ich dieses Bauwerk für hässlich halte.
Da werde ich belehrt, dass sich Architektur weiter entwickelt und die Geschmäcker verschieden seien.
Ich solle meine Klappe halten.
Wurde bezüglich Ästhetik in Pegnitz auf „meinen“ Stern verwiesen (die langsam verrottende Heimstatt meiner Kindheit, die mir aber gar nicht gehört).
Usw.
Ich mag nicht spekulieren, was die heftigen Reaktionen ausgelöst hat.

Ob sich die Architektur weiter entwickelt hat, darüber kann man gleichwohl streiten. Und dass Geschmäcker verschieden sind, ist eine Binsenweisheit wie: „die Schönheit liegt im Auge des Betrachters!“

1919 wurde von Walter Gropius das „Bauhaus“ in Weimar als Kunstschule gegründet. Es sollte etwas völlig Neues darstellen: die Zusammenführung von Kunst und Handwerk. Das historische Bauhaus galt alsbald als die einflussreichste Bildungsstätte im Bereich der Architektur, der Kunst und des Designs im 20. Jahrhundert und als Heimstätte der Avantgarde der klassischen Moderne auf allen Gebieten der freien und angewandten Kunst und Architektur.
Gropius war Vorsitzender einer linken Vereinigung von Architekten, Künstlern und Intellektuellen – dem Arbeitsrat für Kunst, der den Anspruch hatte, die Novemberrevolution in den Bereich der Kunst auszuweiten. Man glaubte an die Notwendigkeit einer neuen Gesellschaft, und Ziel war es, die Trennung zwischen Kunst und Handwerk zu überwinden und eine (sozialistische) Gesamtumgebung zu schaffen, die angeblich für das Leben der Menschen geeignet war.

Die wichtigsten Protagonisten wie Gropius, Mies van der Rohe u.a. emigrierten in die USA und brachten ihre Kreierungen eines fragwürdigen, späteren „Weltkulturerbes“ auch dorthin.

Tom Wolfe, der verstorbene amerikanische Schriftsteller, Journalist und Dandy, der mit Verve gegen jegliche Hässlichkeit in der Welt anschrieb, ätzte in seinem Buch „From Bauhaus to our house“:
„Alteuropas Lasten schwappten über den Ozean. Nicht nur das Bauhaus wuchs in Chicago als „New Bauhaus“ in Richtung „Kathedrale des Sozialismus“, auch die Psychologen bekamen die „Pest“ der Psychoanalyse mitgebracht (nach der Inkubationszeit, die durch Freuds Besuch in den USA ihren Anfang nahm), auch musikalisch brachte Europa schwerstes Geschütz mit in Form von Arnold Schönbergs „Dodekaphonie“. Nicht zu sprechen von der Malerei, die die Amerikaner infizierte und vorbereitete für die künstlerische Machtübernahme nach dem Zweiten Weltkrieg.
… der herrschende Architektur-Stil im Babylon des Kapitalismus wurde der Soziale Wohnungsbau. Sozialer Wohnungsbau, wie er von einer Handvoll Architekten in den Verbünden inmitten der Trümmer Europas in den frühen Zwanzigerjahren entwickelt worden war, wurde nun hoch und breit aufgetürmt, in Form von Kunstgalerie-Anbauten, für altehrwürdige Ivy-League-Universitäten, Museen für Kunstmäzene, Eigentumswohnungen für die Reichen, Firmensitzen, Rathäusern, Landhäusern. Arbeiterwohnungsbau für jeden Zweck, außer für Arbeiter zum Wohnen.“

In puncto Ästhetik in der Architektur ist vor allem auch Roger Scruton eine großartige intellektuelle Quelle.

Dem Bauhaus ist die Kunst des Plattenbaus zu verdanken und die Termitenbauten zur sozialistischen Massenmenschhaltung a la Gropiusstadt in Berlin, Neuperlach in München, Killesberg in Stuttgart und viele andere Wohnreviere und sog. Trabantenstädte.
In den nach dem 2. Weltkrieg sozialdemokratisch regierten Großstädten Deutschlands wurde die gewiss vom „Bauhaus“ beeinflusste Kaufhof- oder Sparkassen-Architektur der 50er und 60er-Jahre bis in jüngste Zeit für die neu-deutsche Hässlichkeit auch vieler Innenstädte prägend.

Der oder die Architekten dieses angepriesenen Wohnreviers in Pegnitz folgten wohl der Bauhaus-Schule, betrachtet man die „Formgebung“ des Gebäudes.
Ist auch einfach mit Zeichen-Programm auf dem PC oder neuzeitlich mit KI zu erstellen. Sogar ich oder ein eingeschulter Schimpanse aus dem Frankfurter Zoo könnten das hinkriegen.

Da hatten die „neuen Häuser“ diese Arbeiter-Behälter der 30er-Jahre in Pegnitz mehr ästhetische Ausstrahlung als diese Fertigbau-Klötze.

Erstaunlich war, dass zum erwähnten Bauhaus-Jubiläum gerade in den dem modernistischen Zeitgeist verschriebenen Postillen kritische Töne aufschienen.
Die Süddeutsche titelte zur Bauhausarchitektur: „Wie ein Anfall von Würfelhusten.“
Und die Zeit schmähte eines der Dessauer „Meisterhäuser“: „Ein ungemütliches Angeberhaus … Richtiges und falsches Wohnen – richtig ist das Bauhaus, falsch sind Wohnküchen, verwinkelte Gassen, Blumentöpfe, die vor dem Haus auf der Straße stehen. Unordnung und Unübersichtlichkeit sind schlecht, Leere und rechte Winkel sind gut.“

Und wenn man sich mit dem „Zentrum“ einer fränkischen Kleinstadt als Standort beschäftigt, sind hier eigentlich typisch:
Satteldächer,
rote Ziegel,
kleinteilige Fassaden,
unterschiedliche Gebäudeformen,
Straßenräume mit Struktur.

Wenn plötzlich so ein glatter weißer Kubus mit einem weiteren, aufgesetzten Kubus auf dem Flachdach auftaucht, wirkt es schon wie ein Fremdkörper.

Besitzen heutige Architekten keine Kreativität mehr?

Wenn ich noch mal auf die Welt komme, werde ich Architekt und bescheiße meine Umgebung und die Auftraggeber.
Entweder mit Architektur „von der Stange“ oder von KI. Und stelle saftige Rechnungen!
Als in den 70er-Jahren in Pegnitz Turnhalle und Schwimmbad errichtet wurden, musste die Stadt erhebliche Summen besonders an den Architekten abdrücken. Dabei konnte man überall in den Landen bis auf den letzten Zentimeter identische Projekte von ihm schon längst bewundern.

Zum Glück wohne ich selbst in einem Haus, das noch einigermaßen Stil und Wohlfühl-Atmosphäre hat und in das „Weichbild“ des Ortes passt.

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