Sind Sie auch „woke“?

Anglo(-Afro)-Amerikanischer Sprach-Firlefanz

Da gibt es Begriffe, die schon länger den „progressiven Diskurs“ bereichern; nur Eingeweihte verwenden ihn, bis er plötzlich allgemein „angesagt“ ist.
Schon 2017 berichtete der Spiegel, dass diese Vokabel in das Oxford Englisch Dictionary (ODE) – gewissermaßen der Duden für die englische Sprache – aufgenommen wurde

Das ODE definiert „woke“ nun wie folgt: „woke, adjective: Originally: well-informed, up-to-date. Now chiefly: alert to racial or social discrimination and injustice; frequently in stay woke.“ (In etwa: „Ursprünglich: gut informiert, auf dem neuesten Stand. Jetzt hauptsächlich: Wachsam gegenüber rassistischer oder gesellschaftlicher Diskriminierung und Ungerechtigkeit; häufig gebraucht „wachsam bleiben“).

„Woke“ ist eine umgangssprachliche Bezeichnung, die sich aus dem Neger-Englisch, dem sog. African American Vernacular English ( = umgangssprachliches Englisch, manchmal auch AAVE genannt) seinen Weg in den Mainstream gebahnt hat.
Das Wort ist jetzt im Rahmen der BlackLivesMatter- Bewegung in einen beachtlichen Gebrauch geraten.
Ein aus der anglo-(Afro)-amerikanischen Vokabel-Latrine nach oben geholtes Wort aus der Kategorie „einschüchterndes Englisch“.

Was ein Hashtag ist, ist inzwischen auch zu mir, einem alten weißen Mann durchgedrungen, auch wenn ich über kein Twitter- oder Instagram-Benutzerkonto verfüge und Unsozial-Medien meide.
Was hat da nicht noch alles die altehrwürdige deutsche Sprache bereichert: #me, #cute, #followme, #tagsforlikes usw. und dann natürlich die politisch-agitatorischen Konstruktionen wie #metoo, #fridayforfuture, #blacklivesmatter und jetzt auch #staywoked.
Wenn früher auf Kundgebungen revolutionäre Gedanken hinausposaunt werden sollten, sangen die Massen „Wacht auf Verdammte dieser Erde!“. Heute rennt man mit einem Leiberl oder einem Pappkarton durch die Gegend, auf dem #staywoked steht, oder man müllt die „sozialen Netzwerke“ mit einschlägigen „Hashtags“ zu.

Journalisten nehmen gerne manche Phrasen auf, um das Publikum zu beeindrucken. Man will natürlich auch den Begriffen auf den Grund gehen und ihre „sinnstiftende“ Bedeutung verbreiten. Narrativ nennt man das in gehobenen Kreisen.
In der Neuen Zürcher Zeitung erschienen Anfang des Jahres gleich zwei Beiträge zum Begriff „woke“ oder „wokeness“.
Ein Autor setzt die Begriffe in eins mit der politischen Korrektheit:

„Die neue Korrektheit manifestierte sich in der Förderung und teilweise aktiven Bevorteilung von Minderheiten im Rahmen der «affirmative action», insbesondere aber in der Reglementierung des Sprachgebrauchs. Die neue, gesteigerte Form von Political Correctness gibt sich damit nicht zufrieden. Ihre Verfechter erklären sich als «woke» – eine von «awake» abgeleitete Wortkreation, die eine höhere Form von Bewusstsein in Bezug auf den prekären Zustand der Welt unterstellt.
Woke ist, wer Autos und Flugzeuge als Fortbewegungsmittel ablehnt, wer sich der Fortpflanzung verweigert und Amazon boykottiert. Nicht woke ist, wer dem antiquierten Schönheitsideal 90-60-90 nachhängt, wer die zum Schweizer Kulturgut gehörenden, aber vor rassistischen Anspielungen strotzenden Dialektaufnahmen des Kasperletheaters hört und Ausstellungen von Balthus besucht. Greta Thunberg und Lukas Bärfuss sind woke. Prince Andrew und Peter Handke sind es nicht.

Ein anderer meint im Zusammenhang mit „wokeness“:

«Neger» und «Bimbo» gehen nicht mehr.
«Woke» ist zum vielgeschmähten Kampfbegriff geworden. Dabei müsste man nur den moralisierenden Kern entfernen und könnte das dahinterliegende Prinzip als vernünftige Losung für Liberale verwenden. …
Er bedeutet zunächst einfach, nicht die Augen zu verschließen vor den sozialen Ungerechtigkeiten dieser Welt, sondern sich der eigenen Stellung und Privilegien bewusst zu sein und diese deutlich zu artikulieren.

Auch in der NZZ darf man natürlich den Quark seiner ureigensten gutmenschlichen Meinung breittreten und den heraus gequetschten Quatsch stolz dem Publikum präsentieren.
Was heißt „vielgeschmähter Kampfbegriff“? Schmeiß ihn doch dort hin, wo er hingehört, auf die Müllhalde modernen Sprachdrecks.

Zum Schluss will ich noch auf einen weiteren wegweisenden Terminus in diesem Zusammenhang eingehen:

„Wokistan“

Wo liegt das?
Was bedeutet das schon wieder?

Der von mir geschätzte Journalist und Publizist Alexander Wendt hat diesen Begriff in die Diskussion eingebracht: Er schreibt in einem Beitrag auf Tichys Einsicht von den „Tributen von Wokistan“ und identifiziert z.B. Kevin Kühnert, den Salon-Kommunisten von der SPD, als typischen Bewohner von Wokistan; ein nicht nur fiktiver Ort von „Wokistan“ ist laut A. Wendt unsere Bundeshauptstadt Berlin.

Wokistan ist kein geographischer Ort, er ist die Sphäre der Gutmenschen und der im heutigen Sinne absolut politisch Korrekten. Die Bewohner sind Leute, deren Lebensinhalt sich nicht etwa um Arbeit und um existentielle Sorge um eine Familie dreht, sondern deren Lebenssinn das Erkennen und das Verfechten des moralisch Richtigen ist. Von der Geschlechtergerechtigkeit bis zur Vernichtung der Erfindungen des weißen Mannes, was da sind Kapitalismus, Naturwissenschaften, Ingenieurkunst, Philosophie usw.. Gemeindevorsteherinnen von Wokistan heißen Greta, Luise, Annalena, und Pastorinnen und Bischöfe und Bischöfinnen, besonders der evangelischen Kirche, stehen hierzulande einer großen Gebietskörperschaft innerhalb von Wokistan voran. Weiße Männer können das Bürgerrecht erwerben, wenn sie wie Kevin K. nichts können, nichts gearbeitet, nichts gelernt haben und von der Arbeit Anderer leben wollen. Weiße Hautfarbe ist von untergeordneter Bedeutung, wenn man sich der Neger-„Intelligenz“ und deren Radikalität unterwirft. Die Landesfahne von W. besteht – in Anlehnung an die US-amerikanische Flagge – aus schwarzen Sternen auf rotem Grund, unterlegt mit braunen Streifen.

Eine Anregung:
Auch wenn man keinen Twitter-Account hat, sollte man, um für diese Adressatengruppe verständlich zu sein, um sich auf deren Niveau zu begeben, z.B. bei Sprachauseinandersetzungen mit den Bürgern von Wokistan, den Hashtag #leckmich oder wenn es sein muss das vulgär amerikanische #biteme verwenden.

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