Die Deutschen werden entlarvt – Erkenntnisse mittels der Coronakrise:

Der Deutsche ist Kochmuffel


Difficile est saturam non scribere

Juvenal


Der Deutsche in Krisenzeiten

Dass der bundesdeutsche Michel trotz „68er Aufbruch“ unverändert treudoof autoritäts- und obrigkeitshörig ist, war ja schon lange bekannt und wurde jetzt nur in Schärfe bestätigt: Eine rücksichtlose, Nägel-kauende, verbal talentfreie Kanzlerin erzielt höchst Sympathiewerte und je rigoroser ein Politiker – wie Söder – seine Macht ins Werk setzt, umso beliebter erscheint er.
Die Kettenhund-Mentalität mancher Polizisten wurde jetzt auch angefüttert. Ich übertreibe mal bewusst: der eigentlich rechtschaffene Bürger wird gnadenlos von der Parkbank vertrieben und kassiert Bußgeld bei Unterschreiten der Abstandsregel; um südländische Clan-Angehörige macht man aus Bammel einen Bogen. Wenigstens die Landfriedensstörer von der linken Seite bekommen anlasshalber manchmal etwas auf die Mütze.
Jetzt zum Thema!


Der Deutsche ist Kochmuffel

© GNZ – Screenshot

Kochen+Corona610

Über diese Bloßstellung bin ich besonders entsetzt und „betroffen“: Der Deutsche ist Kochmuffel oder -Banause, wie der BVE-Hauptgeschäftsführer, Christoph Minhoff, von der Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie (BVE) feststellt. Er sagt:

„Seit Jahren weisen wir darauf hin „dass die Koch-Kompetenz der Deutschen drastisch sinkt“.
„Der Wegfall des Angebots von Schnellrestaurants, Pommesbuden und Italiener-um-die-Ecke wirft die Leute dramatisch zurück auf ihre eigenen Kochkünste“, sagte Minhoff. „Und die sind begrenzt.“

Wie das?
Das Programm des Qualitätsfernsehens und auch von Privaten quillt über von Kochsendungen.
Unter der Devise „Mit Herz am Herd“ wird der Deutsche von Koryphäen wie Tim Mälzer, Nelson Müller, Björn Freitag, Johann Lafer – und wie sie alle heißen – in die Kunst des Kochens eingewiesen.
Tagtäglich verfolgen Millionen am Fernseher die „Küchenschlacht“, wo Leute – eigentlich wie unsereiner oder der Nachbar – Spitzenleistungen der Kochkunst ins Werk setzen, welche sogar manchen „Sternekoch“ als Juror in Entzückung treibt.
Und bereits die kleinen Deutschen werden mittels „Schmatzo – Koch-Kids-Club“ an diese unsere menschliche Elementar-Fertigkeit herangeführt: aus Mehl, Fleisch und Gemüse leckere und vor allem auch gesunde (gerade besonders wichtig!) Gerichte herzustellen.

Und da wird jetzt festgestellt:

Schon eine Kartoffel zu kochen, sei aber eine Herausforderung. „Da müssen Sie wissen: Mit oder ohne Schale kochen? Wenn ja, wie viel Salz muss da ins Wasser rein? Wie lange muss ich die dann kochen?“, gibt sich der BVE-Chef enttäuscht.

Wenigstens weiß der Deutsche augenscheinlich, dass man Wasser zum Kartoffelkochen braucht.
(Was wir früher als Kinder draußen praktiziert haben auf dem Land natürlich – Kartoffeln auf einem Stecken über einem munteren Feuerchen garen, ist ja wegen Feinstaub- Waldbrandgefahr oder peroraler Schadstoffaufnahme – diese leckere Kruste, die einen auch noch mit Rückständen an Händen, am Mund und den Zähnen verriet – inzwischen obsolet. Ist/war auch eher auf dem Land denn in der Stadt praktizierbar.)

Ich dachte denn, das festgestellte Ignorantentum beziehe sich nur auf die Städter, oder junge Männer, die vielleicht Fabian heißen. Nein, es ist der Deutsche schlechthin, ob Landei oder Großstadt-Hipster, der gemeint ist.
Das zeigt mir aber auch der Blick auf die „grünen (oder gelben?) Säcke“ mit Lebensmittel-Verpackungsmüll in der Nachbarschaft am Abholtermin. Hier „auf dem Land“! Mit grünen Säcken meine ich hier nicht die Anhänger einer bestimmten Partei, wobei ich aber feststellen konnte, dass grüne Gesinnung bei einem Nachbarn nicht unbedingt umgekehrt proportional zu seinem Müllaufkommen gesehen werden kann.

Der Bofrost-Mann scheint in der Provinz durchaus gut gefragt; wahrscheinlich mehr als in den Stadtkernen oder den „Banlieues“ von Berlin, Köln, Frankfurt usw.
Was isst der moderne Deutsche zuhause, wenn er sich nicht von Ekelfleisch vulgo Döner vom Türken nebenan oder Veggie-Schnitten aus dem Aldi-Regal ernährt?
In Deutschland wurden 2019 362.842 Tonnen Tiefkühlpizza verkauft bzw. verzehrt. Das sind bei einer angenommen Einwohnerzahl von 82 Millionen 44,249 kg Pizza im Jahr. Eine Pizza wiegt durchschnittlich etwa 350 g. Das sind etwa 128 Pizzen pro Jahr, 2-3 Pizzen pro Woche.
Das macht Hoffnung, denn zur Aufbereitung einer Frost-Pizza muss man einen Backofen besitzen und ihn richtig einstellen können.
Für Schubeck-Fertiggerichte, ich sage „Chappi oder Whiskas für Großstadtmäuler“ braucht es eine Mikrowelle, die ja inzwischen in jeder Küchenzeile in einem Obdach im Bauhaus-Stil obligat ist.
Nur Mist, wenn der Strom ausfällt.
Und Grillen auf dem Balkon ist a) z.B. im Winter ungemütlich und b) dort ohnehin verboten. Und wer nicht mal Kartoffeln kochen kann, produziert aus einem Schweine-Steak oder einem Veggie-Burger von der „Rügenwalder Mühle“ wahrscheinlich auf dem Grill auch nur Holzkohle.

Es ist traurig.

Aus den Verkaufszahlen für verschiedene Grundnahrungsmittel während der Corona-Krise zieht unser Verbandschef jedoch Hoffnung:
„Laut BVE wurden gut 170 Prozent mehr Teigwaren verkauft als zur gleichen Zeit im Vorjahr und etwa 179 Prozent mehr Reis. Noch höher war die Nachfrage nach Mehl, die 200 Prozent über dem Vorjahreswert lag. Brotmischungen wurden mehr als 330 Prozent stärker nachgefragt.“
Über Kartoffel wurde nicht berichtet. Die könnten bei einer weiteren Trockenheit durchaus zur Mangelware werden und dann braucht man sich über alternative Zubereitungsweisen der Fritten-Grundsubstanz auch keine Gedanken mehr machen.

„Begehrt war alles, was lange haltbar und auch möglichst leicht zu kochen ist“, sagte Minhoff. Der Verbandschef hofft, dass die Deutschen mit dieser Erfahrung zu einem anderen Verhältnis zum Essen zurückfinden. „Sie können ein Lebensmittel nur wertschätzen, wenn Sie den Umgang damit auch mal selbst praktizieren.“

Ich bin gespannt, wie z.B. die Umsätze von Bofrost nach der Krise ausschauen könnten, wieviel Schubeck von seinem Dreck mehr verkauft hat, oder die Discounter von ihrem in Plastikschalen verpackten Veggie-Scheiß.
Das sagt doch mehr aus, als Zahlen über gehortete Nudeln, Reis oder Mehl.

Wenn jemand nicht in der Lage ist, nur Kartoffeln zu kochen, was macht der mit Mehl?
Böhmische Knödel, „Nan-Brot“ (was gerade laut Küchenschlacht „in“ ist), Türken-Fladen, Spätzle (ist auch ein Küchenschlacht-Renner), oder vielleicht einen Gugelhupf?
Übrigens: Back-Hefe war inzwischen noch rarer als Klopapier.

Noch was: Der Deutsche säuft und kackt anscheinend mehr (als die Australier), während der Franzose schnackselt und der Holländer kifft. Das legen die ermittelten Hamster- und Verkaufszahlen in der Qualitätspresse für einschlägige Produkte nahe.

So, jetzt habe ich mich abreagiert und begebe mich zur weiteren Entspannung in die Küche.
Heute koche ich, das Weib ist vom Herd verbannt:
Spargel (aus Weiterstadt), dazu „Tranchen“ von gegrilltem Rinderfilet, selbstgemachte Sauce Hollandaise und Pellkartoffeln*. Dazu ein 2018er Franken-Silvaner vom Burrlein aus Mainstockheim.
Morgen gibt es Fisch – wenn bis dahin nicht „Selbstgefangen“ zustande gebracht, aus der Kühltruhe – ein Risotto und als Nachtisch Erdbeeren mit Sahne.

Demnächst ist was mit Rhabarber fällig …

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* Von wegen, der Deutsche könnte nicht Kartoffeln kochen

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1 Antwort zu Die Deutschen werden entlarvt – Erkenntnisse mittels der Coronakrise:

  1. Die Schreiberlinge und sog. Gelehrten wissen immer mehr über uns selbst als wir. Besserwissis.

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