„Das Elend der Christdemokraten“

Diese elende CDU

„Das Elend der Christdemokraten“ war der Titel einer Publikation von 1977, herausgegeben von Gerd-Klaus Kaltenbrunner in der „Herderbücherei Initiative“. Der Band befasste sich in mehreren Beiträgen mit dem absehbaren Niedergang der CDU im Gefüge der deutschen Parteiendemokratie.
Das war acht Jahre nach dem erstmaligen Übergang der Regierungsmacht von der CDU/CSU an die SPD.

Kaltenbrunner meinte seinerzeit:

„Es ging mit den deutschen … Christdemokraten bergab, als die Führergestalten der ersten Stunde abgetreten waren. Ihre Söhne und Enkel haben vielfach vergessen, daß in den Massendemokratien ohne Führerschaft – und das heißt, geistige Autorität und Positionsbewußtsein – keine über den Tag hinaus dauernden Erfolge zu gewinnen sind.“

Günter Rohrmoser hat 22 Jahre später – die CDU/CSU hatte nach den Jahren unter Kohl erneut die Regierungmacht an die SPD (mit den Grünen) verloren – diese Überschrift vom „Elend der Christdemokraten“ in seinem Buch „Kampf um die Mitte“ neu aufgelegt. Er verweist auf seine Prognose von 1985:

„Wenn die CDU nicht eine eigene geistig-politische Substanz repräsentiert und ein unverwechselbares politisches Profil bekommt, wenn sie nicht in der Lage ist, auch die jüngeren intellektuellen Kräfte unserer Gesellschaft für sich zu begeistern, werde sie eines nicht sehr fernen Tages beginnen, sich den Folgen der anarchistischen Kulturrevolution anzupassen und zu unterwerfen. Wenn die CDU nicht einen über die Sozial- und Wirtschaftspolitik hinausgehenden Kristallisationspunkt zur Identifikation mit ihr anzubieten hat, werde sie eines Tages nicht mehr in der Lage sein, einen erfolgreichen Wahlkampf zu führen. Dann werde es die unvermeidliche Folge sein, daß die CDU die strukturelle Mehrheitsfähigkeit und damit die Rolle einer mitbestimmenden politischen Kraft in der Entwicklung unserer Gesellschaft einbüßt.“

All das ist eingetreten.


Die Merkel-CDU

Es schien zwar zunächst, als wäre mit „Mutti Merkel“ in der CDU eine „Autorität“ in dem obigen Sinne der geforderten „Führerschaft“ erstanden. Wie ein vorübergehender Höhenflug mit der Wahl 2013 mit 41,5 % für die CDU/CSU Glauben machen könnte. 

Merkel hat nicht nur die bestehenden Reste von „Positionsbewußtsein“ in der vormals christlichen Partei entsorgt. Aber auch ihr primitiver Machtopportunismus ließ echte „geistige Autorität“ auch in keiner Phase ihrer Regierungszeit erkennen. Dazu fehlen und fehlten ihr intellektuell wie charakterlich alle Voraussetzungen.
Und keiner in der Union hatte das erkannt und für ernst genommen?
Doch: Die Parteimitglieder – das „Volk“ – hat es bald erkannt.

Merkel wurde im April 2000 Parteivorsitzende. Die CDU hatte da noch fast 650.000 Mitglieder.
Nach 10 Jahren Merkel waren es bereit unter 500.000, um heute bei knapp 400.000 angekommen zu sein.
Von der vorübergehenden Scheinblüte von 41,5 % in den Wahlergebnissen sind bald nur noch 25 % übriggeblieben.

Nach der Europawahl stellte Roland Tichy am 31. Mai fest: 

Jetzt ist die CDU so saftlos wie eine nicht mehr so große, aber leergelaufene Batterie und die ohne Ladegerät. Die Partei wirkt wie ein aufgepumptes Michelin-Männchen ohne Innereien, eine leere, nur mit heißer Luft aufgepumpt Hülle, in die jetzt jemand eine freche Nadel gesteckt hat. Pfffft.
Die CDU fällt nicht einmal mit Getöse um. Sie erschlafft einfach. Jeden Tag und jede Wahl ein Stück mehr. Pfffft. Dabei reißt sich das Loch von innen her immer größer, und das anfangs leise Pfffffffffft ist jetzt schon ein ziemlicher Heuler, die Partei pfeift buchstäblich aus dem letzten Loch.

Nur die Alte aus der Uckermark sitzt weiter wie die Spinne Thekla in ihrem Netz und verbreitet Angst und Schrecken unter dem Restbestand der (Partei-) Bienen.

Die CDU hat nun eine „Biene Maja“ gefunden: diese vermeintliche Sympathieträgerin namens Annegret – AKK, die man als künftige „Bienenkönigin“ aufbaute. Auch wenn „Maja“ nur wenig Pollen einsammelt und immer auf verkehrten Blüten anlandet.


Doch der „Willi“, die Drohn namens Ralph (wer?) Brinkhaus steht trotzdem treu zu ihr und verkündet:

„Und sie wird auch unsere nächste Kanzlerkandidatin sein. Insofern ist das ihre Entscheidung, was der beste Weg dafür ist.“

Die Drohn meint auch:

„Wir sind da selbstbewusst, dass wir als Volkspartei der Mitte, die breit aufgestellt ist und die breite Bevölkerungsschichten anspricht, auch langfristig erfolgreich sein werden.“ 

Das nennt man Chuzpe.

Das Wort stammt aus dem Jiddischen und da fällt mir dazu dieser Dialog aus dem Musical „Anatevka“ ein:

 „Eine milde Gabe, Herr, eine milde Gabe bitte!“
 – „Da, Reb Nachum, hast du eine Kopeke.“
„Waaas, nur eine Kopeke? Vorige Woche hast du mir zwei gegeben.“
 – „Ooj…, ich hatte eine schlechte Woche.“
 „Wie, wenn du eine schlechte Woche hast, soll ich darunter leiden?“

Wie gesagt Chuzpe“!


Annegret

Nur noch 17 Prozent trauen in einer Befragung des Emnid-Instituts der Annegret zu, die Union wieder in die Erfolgsspur zu bringen.
70 Prozent halten sie derzeit nicht für die richtige Person für den Posten als Kanzlerin, wie das vom Forsa-Institut per Umfrage unter rund 1500 Menschen ermittelte Trendbarometer für RTL/n-tv ergab.

AKK abschalten?

Und dafür?


Laschet

Da bringt sich schon „Der talentierte Mr. Laschet“ in Position. Einer, der genau das Credo hat wie Tom Ripley bei P. Highsmith:

„Irgendetwas findet sich immer“.

Und so meint er:

„Der Erfolgskurs der CDU in der Kanzlerschaft von Angela Merkel war nicht zuletzt, Probleme pragmatisch zu lösen und über die CDU-Stammwähler hinaus viele Bürger anzusprechen. Daran sollten wir festhalten.“

Damit positioniert er sich schon mal als Erbberechtigter von Merkel. Und sofort äußert er sich auch über einen potentiellen Konkurrenten:

„Als Klimaaktivist ist mir Merz bisher nicht aufgefallen“.

Nachdem Greta schon einen Ehren-Doktor-Titel einer belgischen Universität erhalten soll, für den Friedensnobelpreis vorgehen erscheint, wäre eine Ehrenmitgliedschaft der CDU in diesem Denken eine logische Folge – und: „Greta for Chancellor“!


Die Unmündigkeit der CDU

Der Leser möge mein Abgleiten ins metaphorisch-Banale – oder banal-Metaphorische – entschuldigen.
Aber wie kann man sich inzwischen dem Thema um das Elend der Christdemokratie noch nähern, außer mit Sarkasmus?
Alles was kluge Leute schon vor Jahrzehnten der deutschen Christdemokratie ins Stammbuch geschrieben hatten, wurde ignoriert.

Man redet – wider jeglicher Fakten, wider jeglicher gebotener Einsicht –  von „Erfolgskurs“ und dass man „langfristig erfolgreich“ sein werde.

Noch ein Zitat  – mal von Kant:

„Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“

Das drückt ein intellektuelles – antithetisches – Paradoxon der CDU aus: einerseits „Mangel an Verstand“ und, sich nicht ohne, sondern sich der „Leitung eines anderen zu bedienen“.
Nicht mehr sich aus eigener Erkenntniskraft bedienen, sondern dem Zeitgeist hinterherhecheln.

Wie Roland Tichy es ausgedrückt hat – mit Blick auf den „talentierten Mr. Laschet“:

„Finger erst in den feuchten Mund, dann in den gefühlten Mainstream gehalten und umgehend ohne Sinn und Verstand diesem gefolgt. 

______________

„Das Elend der Christdemokraten -Ortsbestimmung der politischen Mitte Europas“ – Herderbücherei Initiative 21, Herder München 1977

Rohrmoser, Günter: Kampf um die Mitte – Olzog Verlag München 1999 

 

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5 Responses to „Das Elend der Christdemokraten“

  1. KW sagt:

    Wenn Hirarchien verschwinden, verschwinden gutes Benehmen und Respekt. Man duzt sich, klopft sich auf die Schulter (schmatzt beim Essen) und achtet nicht sonderlich auf Kleidung und Frisur. Mitte der 90er Jahre fing man in meinem Kollgium mit der Duzerei an, hatte plötzlich Feiern mit vielen „Freunden“, wurde eingeladen und traf auf einen Haufen fremder Individuen. Mit dem Gastgeber, den man als einzigen richtig kannte, war nicht zu sprechen, der war von seinen „Freunden“, denen es ähnlich ging wie mir, umlagert. Große Parties mit vielen „Freunden“ waren in Mode, Medien sei „Dank“. Auch die dumme Leerfloskel „Schön, daß Ihr da seid“, kam aus dem Glotzkasten.
    Von dort kommt auch „Mode“, also, was man anzieht. Man sieht gespießte (gepierste und tätowierte Leiber, zerrissene Hosen und ungekämmte Köpfe. Die staatlich gesponserten Sender unterscheiden sich nicht von den privaten, es wird geplappert und frech gelogen, wohin man schaut.
    Die allgemeine Verhausschweinung ist in der Politik angekommen, man schaue auch auf das jüngere Personal. Wer geht in eine Partei? Jemand, der im Beruf nicht ausgelastet ist und dort keine Erfolgschancen sieht. Nicht die Besten der Gesellschaft. Es gibt auch keine Barriere für eine Mitgliedschaft, keine Art Aufnahmeprüfung, ein Sprung, eine Wissensprüfung, die man ähnlich dem Abitur, schaffen muß, nichts. Wer geschmeidig ist oder Seilschaften, also Kumpane hat, wird aufgebaut. Das ist nicht nur in der CDU so, das wird auch in der AfD so kommen.
    Die Kriegsgeneration hatte noch preußische Werte, strahlte Persönlichkeit aus, zu der man Abstand halten mußte. Die Grünen kamen gleich in Turnschuhen, aufgeknöpften Hemden und dummes Zeug plappernd daher. Statt anzuprangern und bewußt sich abgrenzend, akzeptierte man das oder lobhudelte das Auftreten medial als modern. Nu sind se halt alle so. Negativauslese. Warum stellt die AfD nicht die Systemfrage, wie solche Gestalten hochkommen? Man will am Futtertrog Platz nehmen, man springt über Stöckchen, um Liebe heischend, nee, auch das wird nix mit Euch. Wenn die Meuthens und Gaulands weg sind, bleiben hemdsärmelige schulterklopfende Kumpels, guckt Euch den Hofreiter an. Davon gibts sicher auch schon jetzt paar in der AfD.

  2. ceterum_censeo sagt:

    Mekels U-Boot – Die ‚Werte‘ – Union ?

    WerteUnion-Chef Mitsch sagt zur ursprünglichen Äußerung Ottes: „Solche Gedanken schockieren uns.“ Diese hätten unter den Mitgliedern seiner Organisation „eine Welle des Entsetzens ausgelöst“, auf Twitter distanzierte man sich „in aller Form“ von Ottes Worten. Im Vorstand der WerteUnion habe man deshalb entschieden, sagt Mitsch, den Ausschluss Ottes voranzutreiben. In einem Brief an die CDU-Zentrale fordert die Organisation die Prüfung entsprechender Schritte gegen den Christdemokraten. Gleichzeitig gebe es Gespräche, in denen man Otte zum Austritt aus der CDU wie der WerteUnion auffordert. „Das wäre aus unserer Sicht die beste Lösung“, sagt Mitsch“

    Die WerteUnion hat sich, indem sie auf solch radikale Weise auf die verfassungsfeindlichen Äußerungen Taubers einging, in ein gefährliches Fahrwasser begeben. Spätestens jetzt ist klar: Die WerteUnion ist Teil des Systems Merkel und dient lediglich dessen Stabilisierung und Radikalisierung.

    – David Berger, Philosophia Perennis –

    • ceterum_censeo sagt:

      Aus dem ‚Konservativen Manifest‘ der ‚Werte Union‘:

      – Die Schlußfolgerung des Manifests ist eine Loyalitätserklärung zuigunsten der ‚C’DU/SU:

      ‚ Die WerteUnion möchte diese Ziele gemeinsam mit ihren Mutterparteien CDU und CSU vorantreiben. Hierfür halten wir es für notwendig, dass unsere drei Säulen des Markenkerns die konservative, die wirtschaftsliberale und die christlich-sozialewieder an Profil gewinnen. Die Union muss hier für Persönlichkeiten aufbauen, die diese Flügel durch ihr Auftreten glaubhaft vertreten können. Angesichts der Etablierung einer Partei rechts von CDU/CSU ist insbesondere der konservative Flügel zu stärken und zu integrieren, statt ihn auszugrenzen.Die WerteUnion möchte ihren Teil dazu beitragen, dass CDU und CSU wieder zu erfolgreichen Volksparteien werden.‘

      -> (https://werteunion.net/wofuer-wir-kaempfen/konservatives-manifest/ )

      Die Werte Union – ein trojanisches Pferd‘?

  3. ceterum_censeo sagt:

    Und noch eine Anmerkung zum Herrscher des ‚NRW – Kalifats‘ gen. ‚Lusche‘ Laschet

    In einem großen (2 Seiten ) Interview in der ‚FAS‘ verkündete im Februar 2018 dieser von Allalah Erleuchtete:
    “Das Konservative ist nicht unser Markenkern“

    sh. auch:
    h ttps://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/streit-um-kuenftige-ausrichtung-parteivize-laschet-sieht-markenkern-der-cdu-nicht-im-konservativen/20975472.html?ticket=ST-118244-KCNotHA4MgANPnzRIndu-ap6
    ‚Parteivize Laschet sieht Markenkern der CDU nicht im Konservativen
    Soll die CDU weiter nach rechts rücken? In der Parteispitze herrscht Streit über die künftige Ausrichtung der Christdemokraten.‘

    „Wir müssen deutlich machen, dass der Markenkern der Christlich Demokratischen Union eben nicht das Konservative ist, sondern dass das christliche Menschenbild über allem steht“, sagte CDU-Vize Armin Laschet der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident (‚ LinksGrün – Günni‘, cc.)
    Daniel Günther lehnte in der „B.Z. am Sonntag“ einen Rechtsruck ab.
    (Und die ehemalige ‚Briefkastentante‘ , cc. ) … die Bremer CDU-Landesvorsitzende Elisabeth Motschmann kritisierte, junge männliche Unionspolitiker schadeten mit ihrer Dauer-Forderung nach einer Verjüngung Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel.

  4. ceterum_censeo sagt:

    »Wer sich vorstellen könne, sagt die CDU-Vorsitzende weiter, mit so einer Partei (gemeint: AfD) zusammenzuarbeiten, der solle die Augen schließen und sich vorstellen, wie Walter Lübcke die Waffe an die Schläfe gehalten und abgedrückt wurde.«

    Annegret Kramp-Karrenbauer
    CDU-Vorsitzende
    bei ANNE WILL – 23.Juni 2019

    – So etwas von ABSCHAUM! Widerlich! Kann noch jemand diese FasChistenpartei wählen?

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