„Meine“ Kirchen in Pegnitz

Wie an vielen Orten im „christlichen Abenland“ wird die Schließung von Kirchen diskutiert. So auch in meinem Heimatort.
Das Verschwinden, der Untergang der dortigen Marienkirche wäre für mich ein schmerzlicher Verlust – auch in der „Fremde“. Auch für mich „Renegaten“, auch wenn, oder gerade weil es vielleicht nicht abzuwenden ist,
Und dann in einer Zeit, in der landauf landab fremdländische „Glaubenstempel“, Moscheen aus dem Boden sprießen!
Mit dieser Kirche verbinden sich meine frühesten religiösen Erfahrungen und Prägungen. 1953 war ich zum ersten Mal dort, mit der Kindergartengruppe. 1954 folgte der erste Schulgottesdienst, und dann über viele Jahre hinweg immer wieder Rorate im Advent, die Karfreitagsliturgie, die Osternacht und die Feier der Auferstehung. 1955 sang ich erstmals an Weihnachten als Kurrendesänger unter Lehrer Bauer. 1957 empfing ich dort Erstkommunion und Firmung. Von hier aus gingen auch die damals so eindrucksvollen Fronleichnamsprozessionen ihren Weg durch die Stadt.
Das letzte Mal, nach meinem Wegzug aus Pegnitz, war ich 1988 in dieser Kirche – zur Trauung meines Bruders. Doch mitnichten ist die Erinnerung verblasst. Im Gegenteil: Die Bilder und Empfindungen jener Jahre sind bis heute lebendig.
Mit der Herz-Jesu-Kirche habe ich mich dagegen nie wirklich anfreunden können. Schon die Backsteinästhetik dieses Baus blieb mir fremd, wie die vieler moderner Kirchen jener Zeit, diesen „Gebetsabschussrampen“, wie sie ein Freund bezeichnete. Sie hatten gewiss ihre Berechtigung, doch mein eigenes Empfinden fand darin nie ein Zuhause. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich dort im Juni 1974 von dem sehr geschätzten Pfr. Vogl eine sehr verstörende Trauungsansprache erlebte, die mir lange im Gedächtnis blieb. Wie mit aus den Mauern gelösten Backsteinen auf uns geworfen!

Glaube – katholischer Glaube – drückte sich für mich immer auch in der Sprache der Architektur aus: im Aufstreben der gotischen Pfeiler und Türme, im ernsten Gewicht romanischer Kirchen, in der freudigen, fast spielerischen Fülle des Barock und ebenso in der klaren Ordnung klassizistischer Formen.
Die barocke Ausstattung der Marienkirche kam diesem Empfinden sehr entgegen. Sie gab dem Raum Wärme, Würde und Feierlichkeit für so viele Anlässe.

Kunsthistorisch mag ein mögliches Verschwinden der Pegnitzer Kirchen kein großer Verlust sein. Für mich aber – und gewiss für viele andere, die dort getauft wurden, beteten, sangen und Abschied nahmen – wäre es weit mehr als das. Es ginge ein Ort verloren, an dem Leben und Glaube über Generationen hinweg zusammengewachsen sind. Ein Stück eigener Herkunft würde still verschwinden.
Doch bleiben die Erinnerungen. Sie tragen weiter, was Mauern allein nicht bewahren können.
Quo vadis occidens christianus?