In den Zeiten der Katastrophe etwas zum Besinnen – und auch Tröstliches:
Anhören und lesen!
Das Lied von der Glocke
von Friedrich Schiller
Vivos voco. Mortuos plango. Fulgura frango.
Fest gemauert in der Erden Steht die Form aus Lehm gebrannt. Heute muß die Glocke werden! Frisch, Gesellen, seid zur Hand! Von der Stirne heiß Rinnen muß der Schweiß, Soll das Werk den Meister loben; Doch der Segen kommt von oben.
Zum Werke, das wir ernst bereiten, Geziemt sich wohl ein ernstes Wort; Wenn gute Reden sie begleiten, Dann fließt die Arbeit munter fort. So laßt uns jetzt mit Fleiß betrachten, Was durch die schwache Kraft entspringt; Den schlechten Mann muss man verachten, Der nie bedacht, was er vollbringt. Das ist’s ja, was den Menschen zieret, Und dazu ward ihm der Verstand, Daß er im innern Herzen spüret, Was er erschafft mit seiner Hand.
Nehmet Holz vom Fichtenstamme, Doch recht trocken laßt es sein, Daß die eingepresste Flamme Schlage zu dem Schwalch hinein! Kocht des Kupfers Brei! Schnell das Zinn herbei, Daß die zähe Glockenspeise Fließe nach der rechten Weise!
Was in des Dammes tiefer Grube Die Hand mit Feuers Hülfe baut, Hoch auf des Turmes Glockenstube, Da wird es von uns zeugen laut. Noch dauern wird’s in späten Tagen Und rühren vieler Menschen Ohr, Und wird mit den Betrübten klagen Und stimmen zu der Andacht Chor. Was unten tief dem Erdensohne Das wechselnde Verhängnis bringt, Das schlägt an die metallne Krone, Die es erbaulich weiter klingt.
Weiße Blasen seh’ ich springen; Wohl! Die Massen sind im Fluß. Laßt’s mit Aschenfalz durchdringen, Das befördert schnell den Guss. Auch vom Schaume rein Muß die Mischung sein, Daß vom reinlichen Metalle Rein und voll die Stimme schalle.
Denn mit der Freude Feierklange Begrüßt sie das geliebte Kind Auf seines Lebens erstem Gange, Den es in Schlafes Arm beginnt; Ihm ruhen noch im Zeitenschoße Die schwarzen und die heitern Lose; Der Mutterliebe zarte Sorgen Bewachen seinen goldnen Morgen – Die Jahre fliehen pfeilgeschwind. Vom Mädchen reißt sich stolz der Knabe, Er stürmt ins Leben wild hinaus, Durchmisst die Welt am Wanderstabe, Fremd kehrt er heim ins Vaterhaus. Und herrlich in der Jugend Prangen, Wie ein Gebild aus Himmelshöhn, Mit züchtigen, verschämten Wangen Sieht er die Jungfrau vor sich stehn. Da faßt ein namenloses Sehnen Des Jünglings Herz, er irrt allein, Aus seinen Augen brechen Tränen, Er flieht der Brüder wilden Reihn. Errötend folgt er ihren Spuren Und ist von ihrem Gruß beglückt, Das Schönste sucht er auf den Fluren, Womit er seine Liebe schmückt. O zarte Sehnsucht, süßes Hoffen, Der ersten Liebe goldne Zeit, Das Auge sieht den Himmel offen, Es schwelgt das Herz in Seligkeit; O dass sie ewig grünen bleibe, Die schöne Zeit der jungen Liebe!
Wie sich schon die Pfeifen bräunen! Dieses Stäbchen tauch’ ich ein, Sehn wir’s überglast erscheinen, Wird’s zum Gusse zeitig sein, Jetzt, Gesellen, frisch! Prüft mir das Gemisch, Ob das Spröde mit dem Weichen Sich vereint zum guten Zeichen.
Denn wo das Strenge mit dem Zarten, Wo Starkes sich und Mildes paarten, Da gibt es einen guten Klang. Drum prüfe, wer sich ewig bindet, Ob sich das Herz zum Herzen findet! Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang. Lieblich in der Bräute Locken Spielt der jungfräuliche Kranz, Wenn die hellen Kirchenglocken Laden zu des Festes Glanz. Ach! des Lebens schönste Feier Endigt auch den Lebensmai, Mit dem Gürtel, mit dem Schleier Reißt der schöne Wahn entzwei Die Leidenschaft flieht, Die Liebe muß bleiben; Die Blume verblüht, Die Frucht muß treiben. Der Mann muß hinaus Ins feindliche Leben, Muss wirken und streben Und pflanzen und schaffen, Erlisten, erraffen, Muss wetten und wagen, Das Glück zu erjagen. Da strömet herbei die unendliche Gabe, Es füllt sich der Speicher mit köstlicher Habe, Die Räume wachsen, es dehnt sich das Haus. Und drinnen waltet Die züchtige Hausfrau, Die Mutter der Kinder, Und herrschet weise Im häuslichen Kreise, Und lehret die Mädchen Und wehret den Knaben, Und reget ohn’ Ende Die fleißigen Hände, Und mehrt den Gewinn Mit ordnendem Sinn, Und füllet mit Schätzen die duftenden Laden, Und dreht um die schnurrende Spindel den Faden, Und sammelt im reinlich geglätteten Schrein Die schimmernde Wolle, den schneeigten Lein, Und füget zum Guten den Glanz und den Schimmer Und ruhet nimmer.
Und der Vater mit frohem Blick Von des Hauses weitschauendem Giebel Überzählet sein blühend Glück. Siehet der Pfosten ragende Bäume Und der Scheunen gefüllte Räume, Und die Speicher, vom Segen gebogen, Und des Kornes bewegte Wogen, Rühmt sich mit stolzem Mund: Fest, wie der Erde Grund, Gegen des Unglücks Macht Steht mir des Hauses Pracht! Doch mit des Geschickes Mächten Ist kein ew’ger Bund zu flechten, Und das Unglück schreitet schnell.
Wohl! nun kann der Guss beginnen, Schön gezacket ist der Bruch. Doch bevor wir’s lassen rinnen, Betet einen frommen Spruch! Stoßt den Zapfen aus! Gott bewahr’ das Haus! Rauchend in des Henkels Bogen Schießt’s mit feuerbraunen Wogen.
Wohltätig ist des Feuers Macht, Wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht, Und was er bildet, was er schafft, Das dankt er dieser Himmelskraft; Doch furchtbar wird die Himmelskraft, Wenn sie der Fessel sich entrafft, Einhertritt auf der eignen Spur, Die freie Tochter der Natur. Wehe, wenn sie losgelassen, Wachsend ohne Widerstand, Durch die volkbelebten Gassen Wälzt den ungeheuren Brand! Denn die Elemente hassen Das Gebild der Menschenhand. Aus der Wolke Quillt der Segen, Strömt der Regen; Aus der Wolke, ohne Wahl, Zuckt der Strahl. Hört ihr’s wimmern hoch vom Turm? Das ist Sturm! Rot, wie Blut, Ist der Himmel; Das ist nicht des Tages Glut! Welch Getümmel Straßen auf! Dampf wallt auf! Flackernd steigt die Feuersäule, Durch der Straße lange Zeile Wächst es fort mit Windeseile; Kochend, wie aus Ofens Rachen, Glühn die Lüfte, Balken krachen, Pfosten stürzen, Fenster klirren, Kinder jammern, Mütter irren, Tiere wimmern Unter Trümmern; Alles rennet, rettet, flüchtet, Taghell ist die Nacht gelichtet; Durch der Hände lange Kette Um die Wette Fliegt der Eimer; hoch im Bogen Spritzen Quellen Wasserwogen. Heulend kommt der Sturm geflogen, Der die Flamme brausend sucht; Prasselnd in die dürre Frucht Fällt sie, in des Speichers Räume, In der Sparren dürre Bäume, Und als wollte sie im Wehen Mit sich fort der Erde Wucht Reißen in gewalt’ger Flucht, Wächst sie in des Himmels Höhen Riesengroß! Hoffnungslos Weicht der Mensch der Götterstärke, Müßig sieht er seine Werke Und bewundernd untergehn.
Leergebrannt Ist die Stätte, Wilder Stürme rauhes Bette. In den öden Fensterhöhlen Wohnt das Grauen, Und des Himmels Wolken schauen Hoch hinein.
Einen Blick Nach dem Grabe Seiner Habe Sendet noch der Mensch zurück – Greift fröhlich dann zum Wanderstabe. Was Feuers Wut ihm auch geraubt, Ein süßer Trost ist ihm geblieben, Er zählt die Häupter seiner Lieben, Und sieh! ihm fehlt kein teures Haupt.
In die Erd’ ist’s aufgenommen, Glücklich ist die Form gefüllt: Wird’s auch schön zu Tage kommen, Daß es Fleiß und Kunst vergilt? Wenn der Guss mißlang? Wenn die Form zersprang? Ach, vielleicht, indem wir hoffen, Hat uns Unheil schon getroffen.
Dem dunkeln Schoß der heil’gen Erde Vertrauen wir der Hände Tat, Vertraut der Sämann seine Saat, Und hofft, dass sie entkeimen werde Zum Segen, nach des Himmels Rat. Noch köstlicheren Samen bergen Wir trauernd in der Erde Schoß, Und hoffen, daß er aus den Särgen Erblühen soll zu schönerm Los.
Von dem Dome, Schwer und bang, Tönt die Glocke Grabgesang. Ernst begleiten ihre Trauerschläge Einen Wandrer auf dem letzten Wege.
Ach! die Gattin ist’s, die teure, Ach, es ist die treue Mutter, Die der schwarze Fürst der Schatten Wegführt aus dem Arm des Gatten, Aus der zarten Kinder Schaar, Die sie blühend ihm gebar, Die sie an der treuen Brust Wachsen sah mit Mutterlust – Ach! des Hauses zarte Bande Sind gelöst auf immerdar; Denn sie wohnt im Schattenlande, Die des Hauses Mutter war; Denn es fehlt ihr treues Walten, Ihre Sorge wacht nicht mehr; An verwaister Stätte schalten 265Wird die Fremde, liebeleer.
Bis die Glocke sich verkühlet, Lasst die strenge Arbeit ruhn. Wie im Laub der Vogel spielet, Mag sich jeder gütlich tun. Winkt der Sterne Licht, Ledig aller Pflicht, Hört der Bursch die Vesper schlagen; Meister muss sich immer plagen.
Munter fördert seine Schritte Fern im wilden Forst der Wandrer Nach der lieben Heimathütte. Blökend ziehen heim die Schafe, Und der Rinder Breitgestirnte, glatte Scharen Kommen brüllend, Die gewohnten Ställe füllend. Schwer herein Schwankt der Wagen Kornbeladen; Bunt von Farben, Auf den Garben Liegt der Kranz, Und das junge Volk der Schnitter Fliegt zum Tanz. Markt und Straße werden stiller, Um des Lichts gesell’ge Flamme Sammeln sich die Hausbewohner, Und das Stadttor schließt sich knarrend. Schwarz bedecket Sich die Erde; Doch den sichern Bürger schrecket Nicht die Nacht, Die den Bösen gräßlich wecket; Denn das Auge des Gesetzes wacht.
Heil’ge Ordnung, segenreiche Himmelstochter, die das Gleiche Frei und leicht und freudig bindet, Die der Städte Bau gegründet, Die herein von den Gefilden Rief den ungesell’gen Wilden, Eintrat in der Menschen Hütten, Sie gewöhnt zu sanften Sitten, Und das teuerste der Bande Wob, den Trieb zum Vaterlande!
Tausend fleiß’ge Hände regen, Helfen sich in munterm Bund, Und in feurigem Bewegen Werden alle Kräfte kund. Meister rührt sich und Geselle In der Freiheit heil’gem Schutz; Jeder freut sich seiner Stelle, Bietet dem Verächter Trutz. Arbeit ist des Bürgers Zierde, Segen ist der Mühe Preis; Ehrt den König seine Würde, Ehret uns der Hände Fleiß.
Holder Friede, Süße Eintracht, Weilet, weilet Freundlich über dieser Stadt! Möge nie der Tag erscheinen Wo des rauhen Krieges Horden Dieses stille Tal durchtoben; Wo der Himmel, Den des Abends sanfte Röte Lieblich malt, Von der Dörfer, von der Städte Wildem Brande schrecklich strahlt!
Nun zerbrecht mir das Gebäude, Seine Absicht hat’s erfüllt, Dass sich Herz und Auge weide An dem wohlgelungnen Bild. Schwingt den Hammer, schwingt, Bis der Mantel springt! Wenn die Glock’ soll auferstehen, Muss die Form in Stücken gehen.
Der Meister kann die Form zerbrechen Mit weiser Hand, zur rechten Zeit; Doch wehe, wenn im Flammenbächen Das glühnde Erz sich selbst befreit! Blindwütend, mit des Donners Krachen, Zersprengt es das geborstne Haus, Und wie aus offnem Höllenrachen Speit es Verderben zündend aus. Wo rohe Kräfte sinnlos walten, Da kann sich kein Gebild gestalten; Wenn sich die Völker selbst befrein, Da kann die Wohlfahrt nicht gedeihn.
Weh, wenn sich in dem Schoß der Städte Der Feuerzunder still gehäuft, Das Volk, zerreißend seine Kette, Zur Eigenhilfe schrecklich greift! Da zerret an der Glocke Strängen Der Aufruhr, daß sie heulend schallt Und, nur geweiht zu Friedensklängen, Die Losung anstimmt zur Gewalt.
Freiheit und Gleichheit! hört man schallen; Der ruh’ge Bürger greift zur Wehr, Die Straßen füllen sich, die Hallen, Und Würgerbanden ziehn umher. Da werden Weiber zu Hyänen Und treiben mit Entsetzen Scherz; Noch zuckend, mit des Panthers Zähnen, Zerreißen sie des Feindes Herz. Nichts Heiliges ist mehr, es lösen Sich alle Bande frommer Scheu; Der Gute räumt den Platz dem Bösen, Und alle Laster walten frei. Gefährlich ist’s, den Leu zu wecken, Verderblich ist des Tigers Zahn; Jedoch der schrecklichste der Schrecken, Das ist der Mensch in seinem Wahn. Weh denen, die dem Ewigblinden Des Lichtes Himmelsfackel leihn! Sie strahlt ihm nicht, sie kann nur zünden, Und äschert Städt’ und Länder ein.
Freude hat mir Gott gegeben! Sehet! wie ein goldner Stern, Aus der Hülse, blank und eben, Schält sich der metallne Kern. Von dem Helm zum Kranz Spielt’s wie Sonnenglanz, Auch des Wappens nette Schilder Loben den erfahrnen Bilder.
Herein! Herein! Gesellen alle, schließt den Reihen, Daß wir die Glocke tausend weihen! Concordia soll ihr Name sein. Zur Eintracht, zu herzinnigem Vereine Versammle sie die liebende Gemeine.
Und dies sei fortan ihr Beruf, Wozu der Meister sie erschuf: Hoch überm niedern Erdenleben Soll sie im blauen Himmelszelt, Die Nachbarin des Donners, schweben Und grenzen an die Sternenwelt, Soll eine Stimme sein von oben, Wie der Gestirne helle Schar, Die ihren Schöpfer wandelnd loben Und führen das bekränzte Jahr. Nur ewigen und ernsten Dingen Sei ihr metallner Mund geweiht, Und stündlich mit den schnellen Schwingen Berühr’ im Fluge sie die Zeit. Dem Schicksal leihe sie die Zunge; Selbst herzlos, ohne Mitgefühl, Begleite sie mit ihrem Schwunge Des Lebens wechselvolles Spiel. Und wie der Klang im Ohr vergehet, Der mächtig tönend ihr entschallt, So lehre sie, dass nichts bestehet, Daß alles Irdische verhallt.
Jetzo mit der Kraft des Stranges Wiegt die Glock’ mir aus der Gruft, Daß sie in das Reich des Klanges Steige, in die Himmelsluft! Ziehet, ziehet, hebt! Sie bewegt sich, schwebt. Freude dieser Stadt bedeute, Friede sei ihr erst Geläute.
Bei „Reitschuster“ ist ein Gastbeitrag von Paul Brandenburg zu lesen:
„Er stellt alles in den Schatten – der Horror des Nationalsozialismus. Die Abgründe der Jahre 1933 bis 1945 sind ohne Beispiel in unserer Geschichte. Wer diesen Faschismus zu relativieren sucht, macht sich zu Recht verdächtig. Unseren Verdacht erregen müssen aber auch jene, die mit dem Tabu der Relativierung davon ablenken, dass es eine kontinuierliche Entwicklung war, an deren Ende Hitlers Gaskammern standen. Gewiss war der Nationalsozialismus die bisher schrecklichste Erscheinungsform des Faschismus. Er sollte uns eigentlich geheilt haben. Hat er aber nicht. Die Hetze der Regierungen von Bund und Ländern gegen Kritiker ihrer Corona-Politik ist in zunehmendem Maße faschistisch. Dass die Mitglieder dieser Regierungen ihr Handeln als “notwendig” und “menschenfreundlich” betrachten und sich von einer Gemeinschaft der “Vernünftigen” unterstützt sehen, ist notwendige Voraussetzung.“
Ist da was dran?
Die Hitler-Methode (1933 bis 1945)
Ich bin in der jungen Bundesrepublik aufgewachsen, sozialisiert und politisiert worden. Ich bin damit aufgewachsen, dass seinerzeit – in den fünfziger und sechziger Jahren – das Interesse der Deutschen, vor allem der Älteren, gegenüber den Verbrechen der Nazis, gegenüber dem, was ihren jüdischen Mitbürger angetan worden war, kaum Interesse fand. Es ist nicht so, dass ein Schweigen, ein undurchdringlicher Deckmantel darüber gelegt worden war, aber man wollte an die eigene Betroffenheit – es betraf ja viele Deutsche – nicht erinnert werden. Ich bin auch heute noch davon überzeugt, dass eine nicht geringe Anzahl von Deutschen nichts davon wusste oder ahnte – vielleicht mehr in ländlichen Gefilden als in städtischen Regionen. Andererseits ist es eine Tatsache, dass jeder Deutsche, welcher der Propaganda Hitlers mit seinem ausufernden und geifernden Judenhass sich ausgesetzt sah – und die Propaganda war mittels Anschlägen, Zeitungen, dem „Volksempfänger“ nahezu flächendeckend vorhanden – sich schon bald hätte Gedanken darüber machen können, welche Weiterungen solcher Hass nach sich zieht. Über die Brutalität der Hitler-Gefolgsleute im Kampf gegen ihre Gegner hatte man auch schon früh Kenntnis bekommen.
Bis Hitler an die Macht kam, ging es den Juden – deutschen Mitbürgern – in Deutschland gut. Besser als in anderen Ländern, sei es Spanien, Frankreich und besonders in Polen und Russland, wo Juden Pogromen und blutiger Unterdrückung ausgesetzt waren. Dann begann Hitler absichtsvoll das Klima zu vergiften: Die Juden seien schuld an der Niederlage des Ersten Weltkriegs, an der Wirtschaftskrise, an Arbeitslosigkeit und Armut in Deutschland. Und in der allen Sozialisten innewohnenden Perfidie wurden die primitivsten Instinkte wie Neid, Missgunst und Eifersucht, die gemeinste Hoffnung auf fremdes Leid angefeuert. Die Juden sind an allem schuld, wurde zum geflügelten Wort und führte zur tödlichen Ausgrenzung.
Ich bin, je älter ich werde, umso mehr erschüttert darüber, was und wie unseren jüdischen Mitbürgern damals mitgespielt wurde; die auch die klügsten und fähigsten Menschen in ihren Reihen hatten, die unser Volk – ich sage bewusst Volk, da die Juden dazugehörten – aufweisen konnte.
Propaganda, Hetze und Hass haben damals dazu geführt, dass eine Mehrheit der Leute, wenn sie sich schon nicht aktiv an der Ausgrenzung und Ausstoßung beteiligt haben, sich aber doch in typisch deutschem Gehorsam in ein dumpfes Schweigen und Sichfügen begaben.
War nicht auch „Gehorsamkeit“ u.a. ein Schlüssel für den Erfolg Hitlers?
All das war von Anfang an für fast jeden Deutschen zu erkennen gewesen, es kam Schlag auf Schlag:
April 1933: „Nichtarische“ Geschäfte werden einen Tag lang boykottiert („Kauft nicht bei Juden!“).
Juden dürfen keine Anwaltskanzleien mehr eröffnen. Sie dürfen nicht mehr als Patentanwälte praktizieren.
„Nichtarische“ Beamte werden in den Ruhestand versetzt. Beamte mit mindestens einem jüdischen Großelternteil werden aus dem Staatsdienst entlassen.
Jüdische Ärzte dürfen nicht mehr für Krankenkassen tätig sein.
Die Neuaufnahme von „Nichtariern“ an Schulen und Universitäten wird eingeschränkt.
Alle jüdischen Arbeiter und Angestellten bei Behörden werden entlassen.
„Unerwünschten“ kann die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt werden.
1934: Die Promotion von Juden wird nur noch in Ausnahmefällen anerkannt.
Jüdische Medizinstudenten werden nicht mehr zur Staatsprüfung zugelassen.
1935: Nur Staatsangehörige deutschen oder „artverwandten Blutes“ können Reichsbürger werden. Juden dürfen nicht mehr Staatsangehörige „deutschen Blutes“ heiraten.
Juden dürfen deutsche Hausangestellte unter 45 Jahren nicht mehr beschäftigen.
Jüdische Zeitungen dürfen nicht mehr in Geschäften oder im Straßenhandel verkauft werden.
Juden verlieren das Wahlrecht
Jüdische Notare, Ärzte, Professoren und Lehrer dürfen nicht mehr im Staatsdienst tätig sein.
1936: Jüdische Lehrer dürfen nicht mehr als Privatlehrer arbeiten.
1937: Juden dürfen nicht mehr als Viehhändler arbeiten.
Juden dürfen nicht mehr als Jäger arbeiten. Juden dürfen nicht mehr als Notare arbeiten.
Juden dürfen den Doktorgrad nicht mehr erwerben.
…
1941: Alle Juden über 6 Jahre müssen einen gelben Stern als Kennzeichen tragen. Sie dürfen ohne polizeiliche Genehmigung ihren Wohnbezirk nicht mehr verlassen. Juden dürfen keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr benutzen.
Schließlich Beginn der Deportation aller Juden in die Arbeits- und Vernichtungslager.
…
Die Wiederkehr in der „Merkel-Ära“
„Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“ Bertold Brecht
Heute ist eine Nachfolger-Elite, ein neue „Bewegung“ dabei, die geschilderte Methode in neuer Version aufzulegen und zu praktizieren: die Methode, mit der es Hitler verstand, ein ganzes Volk zu manipulieren und schlimmste Verbrechen vorzubereiten. Und die Perversität hierbei ist, dass die neuen Kritiker und „Gegner“ der bundesdeutschen Obrigkeit und deren Eliten, die neuen „Volksfeinde“ (wenngleich ein „Volk“ geleugnet wird) in großen Teilen als Nazis und quasi als Erben Hitlers bezeichnet werden. Die Titulierung „Nazi“ hat u.a. damit eine Ausweitung des Gebrauchs erreicht, dass achtsame Geister eine Verharmlosung der eigentlichen Nazi-Verbrechen und der Schoah reklamieren. Alles, was an Widerspruch zum Mainstream und der Regierungsmeinung gesehen wird, wird so paradoxerweise in der Hitlerzeit und im deutschen Volkscharakter angelegt gesehen. Und gleichwohl bedient man sich aber derer Methoden, um dies zu bekämpfen. Es ist indes „Nazi“, in Bezug auf unsere „demokratischen“ Gremien und Eliten irgendwelche Analogien zur Hitlerzeit anzumerken.
Die Goebbels-Harfe ist heute ein „Flatscreen“ mit wenigstens 40 Zoll und kommt unterhaltend mit attraktiven Sprechpuppen, alerten Ansagern und bunt bewegten Bildern daher. „Stürmer“ oder „Völkischer Beobachter“ gibt es nicht mehr, wir haben aber heute „Spiegel“, „Zeit“, „taz“, „Frankfurter Allgemeine“, „Rundschau“, „Süddeutsche Zeitung“ etc. Diese grün-rot-schwarze (ergibt das nicht nach der Farbenlehre „braun“?), neue Medienmacht ist aber nahezu analog zu sehen zu einer „gleichgeschalteten“ Presse, wie sie es unter Hitler war. Die berüchtigte „Hugenberg-Presse“ aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg war Steigbügelhalter für den Nationalsozialismus. Wie Spiegel, Stern, Zeit, Mediengruppen wie Madsack und RND und andere seit geraumer Zeit zum Steigbügelhalter für die Begründer einer neuen Art von Unfreiheit und totalitär gelenktem Denkens wurden.
Die „Methode Hitler“ findet heute ihre Analogie in der Hetze gegen „Querdenker“, „abweichende Wissenschaftler“, „Impfverweigerer“, „Klimaleugner“ – gegen jeden, der regierungskonforme Verlautbarungen und Ansichten einfach nur hinterfragen möchte. Nicht gar so schäumend und verbal-radikal und mit leibhaftiger Vernichtungsbedrohung, aber subtil hinführend zu Ausgrenzung und sozialer Ächtung, was oft gleichbedeutend ist mit sozialem Tod. Der „Terminator“ im Film war aus der Zukunft in die Gegenwart geschickt worden, die gegenwärtigen „Exterminatoren“ haben ihre Anleihen aus der Vergangenheit: etwas, das sie aber so gar nicht gerne wahrhaben möchten.
Die von der Bundesregierung teilweise ohne parlamentarische Debatte durchgesetzten Infektionsschutzgesetze und -verordnungen sind zweifelsohne und unwidersprochen eine Ermächtigungsgrundlage und in deren anhaltender Verstetigung kommt dies den Absichten in Teilen der Ermächtigungsgesetze Hitlers nahe.
Kritiker der Corona-Maßnahmen, der Freiheitsbeschränkungen durch die Bundes- und Landesregierungen, werden als Idioten, Sozialschädlinge, als rechtsradikal und damit außerhalb der Gesellschaft stehend diffamiert.
Demonstrationen gegen die Freiheitsbeschränkungen werden anhand der „Ermächtigungsgrundlagen“ verboten, Gegendemonstrationen dagegen gestattet und gefördert.
Die Polizei zeigt sich in einer bisher – außer in der Hitlerzeit – nie so gekannten Brutalität auch gegen harmlose und keineswegs gewaltaffine Teilnehmer.
Die Presse beteiligt sich aktiv an den von Politikern eingeleiteten Diffamierungskampagnen gegen große Teile der Bevölkerung und betreiben bewusst eine Spaltung der Gesellschaft.
Es wird ein Jugendkult betrieben, in dem in den Medien alte Menschen ungestraft als Nazi-Sau und Schmarotzer bezeichnet werden.
Menschen, die sich aus nachvollziehbaren Gründen nicht (zwangs-) impfen lassen wollen, werden gleichwohl als Sozial- oder „Volksschädlinge“ geschmäht.
Aktiv werden – wie im Dritten Reich oder in der sozialistischen DDR – neue Sprachregelungen und Nomenklaturen nach Art einer Gehirnwäsche über die Medien und von den Hochschulen über das Volk ausgeschüttet (im Sinn des Genderismus und einer „Lingua in Merkel Imperii“).
Nicht nur in der Schweiz gibt es Bestrebungen, wonach ungeimpfte Mitarbeiter in Kliniken, Altersheimen und Kitas fortan einen Sticker tragen müssen, der sie für jedermann als ungeimpft erkennbar macht. Der Freizeitpark Rust stattete ungeimpfte Besucher zur besonderen Kennzeichnung mit speziellen Armbändern aus. Wiederkehr des Judensterns in anderer Manier?
Bald wieder möglich? Armbinde für Auszugrenzende
Wähler der AfD und besonders in den neuen Bundesländern werden pauschal als Unbelehrbare, Pöbel, Rassisten, Rechtsradikale und dergleichen beschimpft.Inhaber von Räumlichkeiten, welche diese der AfD zur Verfügung stellen, werden boykottiert und angegriffen.
Buchhandlungen, die „abweichenden“ Schriftstellern ein Forum bieten, werden verfemt.
Unbequemen, angeblich „rechten“ Publizisten werden die Konten gekündigt.
Der größten Oppositionspartei im Bundestag werden zustehende parlamentarische Rechte (Besetzung bestimmter Gremien und Beteiligung am Bundestagspräsidium) mittels Geschäftsordnungstricks und Einwirkung auf Gerichte verweigert.
Neuer Rassismus in Form einer anti-weißen und anti-deutschen Kampagne.
Nicht „Volk ohne Raum“ heißt es jetzt, sondern es ist genügend Platz da für kulturferne Fremde und jegliche Einwanderer in unsere Sozialsysteme.
Es gibt gewiss genug Leute, die mir in jedem einzelnen Punkt widersprechen möchten, aber in jedem dieser nachweisbaren Vorgänge ist ein Ansatzpunkt vorhanden, der fatal an die unseligen Zeiten erinnert.
In der Zeit einer mehr und mehr offenen Besinnung auf das, was sich in Deutschland zwischen 1933 bis 1945 abgespielt hat, kam der Spruch auf „Wehret den Anfängen!“. Es war klar, in welchen Zusammenhängen er gemeint war. Die Protagonisten dieser Mahnung hätten damals wohl nie gedacht, dass sie (mit oder ohne Absicht?) zu den Wegbereitern einer korrespondierenden Entwicklung in einer angeblich gefestigten Demokratie hätten werden können. Mit der Opferung von Freiheit auf dem Altar von Konformität und Zwangsbeglückung durch Regierung und neue Eliten, mit Gesetzen begründet mit gesundheitlichen Notlagen, Kampagnen im „Kampf gegen Rechts“ und Gehirnwäsche zur Rettung des Planeten – gegen „menschgemachtes“ Fehlverhalten.
Und wieder ergeht sich die Mehrzahl der Deutschen in Gehorsam und beteiligen sich viele aktiv an der Hetze, der Ausgrenzung und des Moralisierens im Kampf gegen den eigenen Nachbarn und auch Freunde. Gehorsam macht frei – einmal mehr die Devise in Deutschland.
Ich möchte meine hier vielleicht etwas sehr gemischt wirkenden Gedanken beschließen und noch einmal ein Gedicht, das ich schon in einem früheren Beitrag veröffentlicht hatte, in Erinnerung bringen:
Von Werner Castellio
GERMANIA 2007-2021
Goethe und Kästner gewidmet
Kennst du das Land, wo die Kanonen blühn, Mit denen „gute“ Menschen „rechte“ Spatzen jagen, Korrektheitsobsessionen wilde Kreise ziehn Und Hunderttausende nicht ihre Meinung sagen?
Wo innerhalb von Tagen, wenn nicht Stunden Geschasst wird, wer den Mainstream ignoriert, Gehetzt von allen medialen Hunden, Von Zeitung, Funk und Fernseh‘n exmittiert.
Dort steh‘n Verfassungsschützer, stolzgebläht vor Macht, Im Zentrum der politischen Intrigen, Um in heroischer Gesinnungsschlacht Den „Nazi“ täglich mehrmals zu besiegen.
Wenn dort ein Netzwerkprofi etwas will – Und es ist Lobby-Pflicht, stets mancherlei zu wollen –, Steht der Verstand erst stramm und zweitens still. „Die Augen rechts!“, heißt es mit Donnergrollen.
So schnüffeln sie, wo immer sich was find‘t, Was Habermas, „Zeit“ oder „Spiegel“ rügen. Für linke Täter sind sie maulwurfsblind, Die dürfen jederzeit historisch lügen.
Kennst du das Land? Es könnte glücklich sein, Nachdem wir sechs Jahrzehnte schon in Frieden leben. Wir müssten wahrlich nicht uns ständig selbst kastei‘n, Und vor bigotter Schuldvermarktung beben.
Und wo Gesellschaftskrisen in Krawalle münden, Wär‘s gut, sie als von heute anzugeh‘n, Statt bei den Therapien oder Gründen In allem nur die Hitler-Zeit zu seh‘n.
Selbst klares Denken zeigt sich dann und wann. Und wahres Heldentum. Doch nicht bei vielen. Dort steckt ein Inquisitor fast in jedem Mann Und jeder Frau, die gerne Schicksal spielen.
Kennst du das Land, wo die Zensoren blühn? Du kennst es nicht? Du solltest es doch kennen. Wo täglich hundertfach sie vor Gerichte zieh‘n, Wenn man an dem Kritik übt, was sie Wahrheit nennen.
Wo Antifas mit Medienhysterien Aus jeder „rechten“ Mücke Elefanten machen, Wo landweit nationale Masochismen blüh‘n. Wär‘s nicht zum Speien, wäre es zum Lachen.
Dort reift die Freiheit nicht. Dort bleibt sie grün. Was man auch sinnt – es werden Denkverbote. Kennst du das Land und seine Kampfdoktrin? Ein Traumland nur für geistig Mausetote.
Der Reaktionär strebt nicht die vergebliche Wiederherstellung der Vergangenheit an, sondern den unwahrscheinlichen Bruch der Zukunft mit dieser schäbigen Gegenwart.