
Niemand sollte so krank werden, dass er stationär in ein deutsches Krankenhaus muss. Nicht nur wegen der Krankheit. Sondern wegen des Essens.
Was Patienten dort vorgesetzt bekommen, hat mit Ernährung nichts zu tun. „Fraß“ ist noch freundlich formuliert. Es ist systematisch geschmacksneutral, nährstoffarm und offenbar mit dem Ziel produziert, jede Freude am Leben endgültig zu beseitigen.
Ich war in den letzten fünf Jahren mehrfach stationär: Kreisklinik, „Herzzentrum von Weltruf“, renommierte Uniklinik. Medizinisch alles weitgehend okay.
Aber kulinarisch überall dasselbe Elend.
Wer glaubt, das sei ein Einzelfall, sollte einfach mal im Bekanntenkreis nachfragen. Lob für Krankenhausessen ist die seltenste Diagnose.
Bei der Aufnahme bekommt man einen Speiseplan, der Auswahl vorgaukelt: Vollkost, Schonkost, vegetarisch, vegan. Frühstück und Abendessen mit vielen Optionen. In der Realität landet fast immer Graubrot, eine Scheibe Gouda und tiefgekühlte Butter auf dem Tablett. Bestellungen gehen regelmäßig schief. Organisation? Fehlanzeige.
Fleisch gibt es ausschließlich halal, alles mit dem Zusatz „ohne Schwein“. Geschmack ebenfalls ohne. Was wohl notwendig, von der Sache her angebracht erscheint. Geht man durch die Aufenthalts- und Ambulanzbereiche der Klinik, hört man ja kaum mehr ein deutsches Wort – überwiegend arabisch, türkisch und andere Idiome.
Der wöchentliche Speiseplan wiederholt sich wie eine Drohung:
Sauerbraten als Schuhsohle in brauner Pampe. Frikadellen in braunem Pampf. Ragout aus undefinierbaren Fleischresten. Mittwoch: Zwangs-Veggie-Tag – kulinarische Körperverletzung mit pflanzlichem Feigenblatt.
Die georderten Suppen am Abend schmecken salziger als jede Maggi-Plörre. Joghurt und Milchreis kommen zuverlässig kurz vor Ablaufdatum. Frisch ist hier höchstens der Frust.
Wer glaubt, Ernährung spiele für Genesung, Immunsystem oder psychische Stabilität eine Rolle, muss feststellen: deutsche Krankenhäuser sehen das anders.
Hier wird man medizinisch behandelt – und nicht nur kulinarisch bestraft.
Aktuell liegt meine Frau in einer Klinik. Die Zustände haben sich kein Stück verbessert.
Essen ist dort keine Unterstützung der Heilung, sondern Teil des Problems.
Man kann medizinisch Weltklasse sein.
Wenn man seine Patienten aber täglich so füttert, signalisiert man vor allem eines:
Du bist hier kein Mensch. Du bist eine Kostenstelle.
