Toleranter dank Tofu

Aus der Kategorie: Wissenschaftlicher Bockmist

Das sind mir unangenehme Menschen,
bei denen jeder natürliche Hang sofort zur Krankheit wird,
zu etwas Entstellendem oder gar Schmählichem, –
diese haben uns zu der Meinung verführt,
die Hänge und Triebe des Menschen seien böse;
sie sind die Ursache unserer grossen Ungerechtigkeit
gegen unsere Natur, gegen alle Natur!

Friedrich Nietzsche
Die fröhliche Wissenschaft

 

Friedrich Nietzsche, der scharfe Beobachter des Menschlichen und Allzumenschlichen würde heutzutage sicher nicht über „die fröhliche“, sondern sich wohl über die anschwellend lächerliche Wissenschaft auseinandersetzen.
Mehr denn als zu Nietzsches Zeiten lässt uns die „Forschung“ in dankenswerter Weise an ihren Einsichten teilhaben. So z.B. an der angeblichen Gewissheit, dass Fleisch- und Wurstverzehrer ungesünder leben und eine kürzere Lebenserwartung haben.

Kürzlich erreichte mich über ein medizinisches Mitteilungsblatt eine „wissenschaftliche“ Expertise aus der Ernährungslehre,  „Neues“ über den Vegetarismus, mit dem Titel „Toleranter dank Tofu“.
Jetzt sei es durch eine hochwissenschaftliche Studie bewiesen, dass Fleischesser eher zu Vorurteilen und autoritären Strukturen neigen als Vegetarier und Veganer, kann man da lesen.

Wir hatten es doch geahnt, dass Vegetarier und Veganer bessere Menschen sein müssen, und dass auch Frauen bessere Menschen sind, kann die Studie wissenschaftlich belegen.
Fleisch – heißt es u.a. in der erwähnten Expertise – sei ein Symbol für Stärke und Lebenskraft und eine Mahlzeit ohne Fleisch gelte vor allem bei Männern nicht als richtige Mahlzeit.
Stimmt, möchte ich anmerken. Damit wirbt die (sicher von Männern dominierte) Fleischer-Innung, und auf den von der Männerwelt beherrschten Grillrosten regiert beinahe uneingeschränkt die Fleischeslust.

„Der Verzehr von Obst, Gemüse und Getreideprodukten dagegen wird mit Weiblichkeit und Schwäche assoziiert. Doch ob, und wie diese und andere Einstellungen tatsächlich mit bestimmten Ernährungsweisen zusammenhängen, ist immer noch weitgehend ungeklärt, da es bislang keine wissenschaftlichen Untersuchungen darüber gab.
Ein Forscherteam der Universitäten Wuppertal und Mainz hat nun zum ersten Mal den Trend zu einer vegetarischen oder veganen Ernährung unter gesellschaftlichen Aspekten untersucht. Im Rahmen einer Studie befragte es 985 Frauen und 396 Männer im Alter von 12 bis 86 Jahren nach ihren Ernährungsgewohnheiten und sozialen Einstellungen.“

Es ist hier nicht der Platz, die Studie tiefgehend auf Objektivität, Reliabilität und Validität, d.h. nach den Gütekriterien für empirische Forschung abzuklopfen. Doch schon die eklatant ungleichen Geschlechter-Kollektive machen stutzig hinsichtlich dem, was Petra, Kathy und Susanne aus Mainz und Wuppertal da zusammengeforscht haben. Der Wissenschaft zur Ehre sei gesagt, dass sich andere Experten laut „Expertise“ schon kritisch – nicht zur Methodik dieser „Studie“ – geäußert haben.

Hier die Ergebnisse der „Untersuchung“ zusammengefasst:
• Menschen, die nicht auf Fleisch und andere Tierprodukte verzichteten, wiesen im Vergleich zu Vegetariern und Veganern eine höhere Neigung zu Vorurteilen auf.
• Bei Männern war der Unterschied deutlicher zu sehen als bei Frauen.
• Fleischesser befürworten eher autoritäre Strukturen als Vegetarier und Veganer dies tun.
• Menschen, die sich vegan oder vegetarisch ernähren, halten nicht so stark an Althergebrachtem fest – sind also weniger konservativ als reaktionär.
• Sie bevorzugen häufiger gleichwertige Beziehungen gegenüber hierarchischen
• Bei Männern ist das ebenfalls ausgeprägter als bei den Frauen.
• Die Älteren neigten in allen drei Gruppen eher dazu, Vorurteile gegenüber anderen Personen zu haben als die jüngeren Probanden.
• Ältere bewerten autoritäre Strukturen und Hierarchien in der Gesellschaft positiver als die Jüngeren.
• Dennoch gab es in jeder Altersgruppe den gleichen Unterschied, je nachdem, wie die Menschen sich ernährten.

Zur „Überraschung“ der ForscherInnen hatte das Bildungsniveau der Probanden hingegen keinen Einfluss auf das Gesamtergebnis, obschon frühere Untersuchungen gezeigt hätten, dass Vegetarier und Veganer über ein höheres Bildungsniveau (sic?) verfügen als Fleischesser!

Man kann hier einen Abriss der Studie nachlesen und erfährt auch, dass die Untersuchung ganz gewiss von „wissenschaftlichem Wert“ sei, besonders „für politische Entscheidungsträger und Praktiker in der Lebensmittelversorgungskette“.

Das loben wir uns, dass die Forschung den politischen Entscheidungsträgern wertvolle Informationen an die Hand gibt, was der individuellen „Gesundheit“ wie auch der gesellschaftlichen frommt. Unsere ideologisch Ökologischen von der grün-totalitären Partei wird die Untersuchung mit Genugtuung erfüllen, haben die doch a) ohnehin keine Affinität zu exakter Wissenschaftlichkeit und b) hilft der angeblich erforschte Unfug sicher als Rechtfertigung, neue Schikanen für das rohe Volk zu ersinnen.
Da tun sich doch gleich neue Forschungsfelder mit Sozial- bzw. ernährungspolitischer Dringlichkeit auf: haben sich vielleicht die Frauenbedränger und Vergewaltiger von Köln vorher mit Kufta, Döner oder Big-Macs vollgedröhnt? Sind Pegida- und AfD-Anhänger herausfordernde Carnivoren?

Das wär´s doch: vorbeugend wird dann in den Fremdenunterkünften nur noch vegan gekocht; Falafel statt Fleisch, Bulgur statt Beef, Hummus statt Hammel. Schon bei der Einreise erhält jeder eine umfangreiche Marschverpflegung mit Tofu-Produkten und anderen veganen Leckerbissen, als erste Integrationsmaßnahme schon beim Grenzübertritt.
Im nächsten Schritt kümmert man sich natürlich um die einheimische Männerwelt. Die Firma Hipp wird in ihrer ökologisch-fortschrittlichen und volksfürsorgenden Attitüde nur noch vegetarische Babykost vertreiben. In Schulen und Kindergarten gibt es im Sinne der Erziehung zu Toleranz und Vorurteilsfreiheit nur noch strikt fleischlose Kost, ebenso in den Mensen und den Betriebskantinen zum Abbau von Autoritäts- und Hierarchiekonflikten. Die Fleischtheken in Supermärkten, Metzgerläden, Currywurst-, Döner- und Bratwurstbuden werden mit Überwachungskameras versehen und nachgewiesener Fleisch-Missbrauch kann bei gewalttätigen oder sexistischen Delinquenten strafverschärfend verwendet werden, auf jeden Fall eine Meldung an die „Gesundheitskassen“ und ein Eintrag ins Führungszeugnis.

Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt, wie fußend auf ernährungswissenschaftlichen Erkenntnissen neue Wege zur Verbesserung der Menschheit beschritten werden können.
Sozialismus war gestern, Vegetarismus ist morgen!
Es wäre doch gelacht, wenn wir unsere Naturbeherrschung nicht doch zur Vollkommenheit treiben könnten.
Und jetzt hole ich mir eine Wurstsemmel und einen Band Nietzsche aus dem Bücherschrank.