StUffz Tauber oder das Peterprinzip

Der »General« wurde degradiert

StUffz heißt Stabsunteroffizier: früher in der Wehrmacht und auch in der NVA waren das die Unterfeldwebel bzw. Unterwachtmeister. Ein StUffz ist der zweitniedrigste Unteroffiziersrang im deutschen Heer.
Diesen Dienstgrad hatte sich Peter Tauber als Freiwilliger nach dem Abitur bei der Bundeswehr noch ehrlich erdient. Später wurde er nach einigen Wehrübungen und mit reichlicher Protektion von CDU-Verteidigungsministern in den Offiziersrang gehievt. Schließlich ernannte ihn Frau Merkel zum »General«, jedoch nicht beim Militär, sondern für ihre im Abtakeln begriffene Partei namens CDU. Vom StUffz zum „General“ – was für eine Karriere!

Nun konnte man z.B. bei T-Online lesen:

»Merkel entmachtet Tauber«.

Schrieb nicht schon vor kurzem Spiegel Online:

»Angela Merkel scheint an ihrem Generalsekretär zu zweifeln. Für das Duell gegen SPD-Herausforderer Schulz holt die CDU-Chefin einen neuen Wahlkampfstrategen von Opel.
Mit Joachim Koschnicke, seit 2013 Cheflobbyist bei Opel, holt Angela Merkel einen langjährigen Vertrauten als Krisenmanager in die Parteizentrale.«

Der Berliner Tagesspiegel kam am 10. April mit der Schlagezeile ins Netz:

»Kanzleramtschef Altmaier schreibt Merkels Wahlprogramm – Peter Altmaier wird den Bundestagswahlkampf der CDU anstelle von Generalsekretär Tauber inhaltlich gestalten. Vorstandsmitglieder deuten das als Entmachtung Taubers …«

»Der schleichende Machtverlust eines überforderten Parteireformers.« schreibt nun süffisant ein Kommentator der Süddeutschen Zeitung

Als ein »Intimfreund« von Peter Taber hatte mich sein Avancement unter Merkel ohnehin stark verwundert. Dafür hat er nun das »Peter-Prinzip« verifiziert, das da lautet:

»Jeder Beschäftigte neigt dazu, bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufzusteigen“.

Man könnte meinen, das Peterprinzip hat seine Herkunft von Peter Tauber selbst. Es stammt jedoch von Laurence Johnston Peter, einem kanadischen Lehr, Sozialpsychologen und Professor. Peters These ist, dass jedes Mitglied einer ausreichend komplexen Hierarchie so lange befördert wird, bis es das Maß seiner absoluten Unfähigkeit erreicht hat, was in der Regel das persönliche Maximum der Karriereleiter markiert und weitere Beförderungen ausbleiben lässt. Peter:

„Nach einer gewissen Zeit wird jede Position von einem Mitarbeiter besetzt, der unfähig ist, seine Aufgabe zu erfüllen.“

Hat Peter T. daran gedacht, dass ihn das Namensprinzip ereilen könnte?
Nun ja, politische »Generalsekretäre« haben ohnehin eine einprogrammierte Ablaufzeit. Aber dass ihn die Entmachtung gerade kurz vor der »Schicksalswahl« für seine Chefin ereilt, lässt schon Rückschlüsse auf sein Ansehen bei ihr zu.

Ein hämischer Lieblingsspruch von Peter Tauber bei scheiternden Rivalen zu kommunalpolitischen Zeiten, als ich ihn kennenlernte, lautete:

»Als Tiger gesprungen und als Bettvorleger gelandet.«

Statt auf den »Tiger Tauber« verlässt sich Frau Merkel nun mehr auf ihren Kuschelbär Altmaier. Der hat ja auch ein dickeres Fell. Aber heißt der nicht auch Peter?

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Das protestantische Pfarrhaus

 

 

 

 

In der neuesten Ausgabe des Magazins „Monumente“ (Deutschen Stiftung Denkmalschutz) beschäftigt sich die Autorin Julia Ricker – passend zum Lutherjahr – mit dem protestantischen Pfarrhaus: „Zwischen Himmel und Erde – Vom Leben protestantischer Pfarrfamilien“.
Diese Kunst- und kulturhistorische Abhandlung erinnert inhaltlich auch an einen Aufsatz in der ZEIT aus dem Jahre 2010, als bereits eine mögliche Wahl von Joachim Gauck zum Bundespräsidenten diskutiert wurde.
„Gutes altes Pfarrhaus – Efeuumrankt, eichenbewacht – wer in diesem Idyll aufwächst, der kann vielleicht was Großes werden“ heißt es dort.

In beiden Artikel wird herausgestellt, welch besonderes „Biotop“ das protestantische Pfarrhaus war, quasi eine Kaderschmiede und eine Wiege von Dichtung, Philosophie und Wissenschaft in deutschen Landen, ein Hort der Bildung und Kultur. Unzählige deutsche Geistesgrößen sind daraus hervorgegangen, besonders seit dem 19. Jahrhundert.
Das Milieu Pfarrhaus gebiert jedoch ganz unterschiedliche Persönlichkeiten. Lessing, Claudius, Lichtenberg, Lenz, Jean Paul, Nietzsche, Hesse, Benn, Albert Schweitzer, Malcolm X, Dürrenmatt, C. G. Jung, Angela Merkel und Joachim Gauck … sie waren oder sind Pfarrerskinder. Einer Studie zufolge kamen Mitte des 19. Jahrhunderts von 1600 bekannten Deutschen 861 aus einem evangelischen Pfarrhaus.

Das Familienleben der Luthers galt als ein verwirklichtes Ideal und die Pfarrersfamilie hatte das ideale Christentum vorzuleben, fromm, gottgefällig und moralisch unbedenklich zu sein.
Der frühere SPD-Bürgermeister von Berlin und ehemalige Pfarrer, ebenfalls Pfarrerssohn Heinrich Albertz erkannte aber schon 1982 in einem ZEIT-Artikel: „Das Pfarrhaus stirbt aus“
Albertz greift in seiner Abhandlung auf ein Buch des Politikwissenschaftlers und Kulturforschers Martin Greiffenhagen („Pfarrerkinder“) zurück, der ebenfalls aus einem protestantischen Pfarrhaus stammt, Sohn eines Widerständlers in der Bekennenden Kirche.
Greiffenhagen führt das Absterben „der Quellstube der Nation, die seit Luthers Zeiten den deutschen Himmel der Dichter und Denker ziert“ u.a. auf die gewandelte Rolle, bzw. die Abwesenheit der Pfarrersfrau und die damit verbundene Auflösung der alten Familienstrukturen im Pfarrhaus zurück.
Albertz dazu:

„Ich selbst kann es auch bezeugen aus unzähligen Pfarrhäusern, in denen ich aus und ein ging, und aus den Geschichten der Großmütter in den pommerschen und brandenburgischen Landgemeinden: Sie war wohl das Herz des Lebens, die Mutter alles Lebendigen, viel mehr als der Vater in seiner wohlgehüteten Studierstube. Sie stirbt aus. Und mit ihr versiegt der Quell.“

Und noch etwas Wichtiges schneidet Albertz an:

„ … was Greiffenhagen als Syndrom des alten Pfarrhauses beklagt: seine Abstinenz gegenüber allem „Politischen“, ist spätestens seit Hitlers Zeiten vorbei. Schon sein eigener Sohn hat dies erfahren. Der Unsinn, daß das Evangelium gleichsam politikfrei vorgetragen werden könnte, ist im Absterben.“

Mit der „Abstinenz gegenüber dem Politischen seit Hitlers Zeiten“. Da irrt Albertz meinens Erachtens. 
Die deutschen Protestanten hatten gewiss ein besonderes Politik- und Staatsverständnis und eine besondere Staatsnähe.
Die preußische „Staatskirche“ unter den Hohenzollern war keineswegs politisch neutral.
Die Situation der evangelischen Kirche in Deutschland während des „Dritten Reichs“ war von politischer Spaltung geprägt und die von einer großen Zahl der protestantischen Pfarrer gegründete und getragene Organisation der „Deutschen Christen“ waren aktive Nazis und arbeiteten von der Kanzel dem „Führer“ zu.

Fahne der Deutschen Christen, 1932

Aber sogar die „Bekennende Kirche“, die später als Widerstandsorganisation geführt wurde, hatte aktive Nazis und SS-Mitglieder in ihren Reihen.
Bereits vor der Machtergreifung der Nazis gab es Verbindungen offizieller Vertreter der evangelischen Kirche mit den Nazis.
Die Berufung auf Luther mit seinem bekannt aggressiven Antisemitismus erleichterte die Fühlungnahme mit dem mörderischen Rassismus der Nazis.
Hans Meiser, ab 1933 evangelischer Landesbischof von Bayern verfasste 1926 als Direktor des Nürnberger Pfarrer-Seminars ein „Gutachten“ mit dem Titel „Die evangelischen Gemeinden und die Judenfrage“. Er spricht darin gegen „die Verjudung“ des deutschen Volkes aus, und er erklärt sich einverstanden mit den völkischen Idealen, deren Anhänger „mit der antisemitischen Bewegung in einer Front stehen“:Er beklagt den Einfluss der Juden auf wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Gebiet. Er schreibt: „Mag die Moral vieler Juden nichts anderes sein als stinkende Unmoral“, und so fordert er durch konkrete Maßnahmen „ein Zurückdrängen des jüdischen Geistes im öffentlichen Leben“ und die „Reinhaltung des deutschen Blutes“.
In Nürnberg nahm der evangelisch-lutherische Pfarrer Martin Weigel 1926 vor dem Altar der Lorenzkirche in Nürnberg eine Fahnenweihe für die Schlägertruppe der Nazis, der SA vor.
Im deutschen Pfarrerblatt, sozusagen die Pflichtlektüre aller evangelischen Pastoren, erscheint 1930 ein Grundsatzbeitrag über das Verhältnis von NSDAP und Kirche. Der Autor, Pfarrer Friedrich Wienecke, erklärt es zu den Aufgaben der Männer der Kirche, in die „Tiefe der nationalsozialistischen Gedankenwelt“ zu schauen und sich nicht durch „äußere Schönheitsfehler“ abschrecken zu lassen. Die von Gott gewollte Aufgabe für die deutsche Politik sei nach Wienecke die Förderung des „arisch-germanischen Menschen.“ Die Aufgabe von Theologie und Pfarrerschaft sei es, zu helfen, dass die Nazi-Bewegung „erfüllt von göttlicher Kraft unserem Volk Gesundung bringe“.
Siehe hier: „Die unrühmliche Rolle der evangelischen Kirche im Dritten Reich“.
Es ist nicht erstaunlich, dass in den überwiegend protestantischen Gebieten des Deutschen Reichs, die Nationalsozialisten die höchsten Wahlergebnisse einfuhren.

Die Politiknähe der evangelischen Kirche setzte sich nach dem Krieg in der Bundesrepublik fort. So ist auch der SPD-Politiker, der oben zitierte Pfarrer Albertz ein Beispiel dafür. Die vielfältige Personalunion von Ratsmitgliedern und Pfarrern der EKD mit der SPD ist Fakt und hat sich offensichtlich prägend auf die „Botschaften“ der EKD ausgewirkt. Neuerdings erleben wir Personal- und Gesinnungsunionen mit den Gender-, Lesben- und Schwulen-Propagandisten der Partei der Grünen.

Albertz meint, es sei „Unsinn, daß das Evangelium politikfrei vorgetragen werden könnte“. 
Ich meine, dass man das Evangelium politikfrei vortragen muss und kann, weil darin ewige Werte und Prinzipien ausgedrückt sind. Weil dadurch die Kirche daraus nicht aufzugebende Wahrheiten für das Zusammenleben der Menschen für alle Zeiten ableiten kann, welche nicht politischen oder zeitgemäßen Ideologien oder dem gerade herrschenden Zeitgeist unterworfen werden dürfen.

Das evangelische Pfarrhaus als „Kaderschmiede“? Die Zeiten des Pfarrhauses als „Quellstube der Nation, die … den deutschen Himmel der Dichter und Denker ziert“ sind vorbei, man darf sogar ätzend darauf verweisen, das z.B. auch Gudrun Enßlin, die blutigste RAF-Aktivistin aus einem evangelischen Pfarrhaus stammt, und der als Politiker und Pfarrer schwer gebeutelte Pastor Albertz hätte sich damals gewiss nicht träumen lassen, dass dereinst ein evangelischer Pfarrer, der in einem offensichtlich ehebrecherischen Verhältnis lebt, gar zum Bundespräsidenten gewählt wird.

Albertz zitiert in seinem ZEIT-Artikel den DDR Dichter Rainer Kunze mit seinem Gedicht zum Pfarrhaus (1968)

„Wer da bedrängt ist findet
mauern, ein
dach und
muss nicht beten“.

Ich mag die Lyrik, die Metaphern von Rainer Kunze, aber gibt es heute noch diese Mauern und Dach als Schutz? Sind sie nicht auch vom Geist der Political correctness und eines unduldsamen Gutmenschentums der Bewohner geschliffen worden.
Das „muß nicht beten“ gilt und galt auch ohnehin schon für jeden der Bewohner, der glaubte, dass Gott tot ist. Mit diesem Glauben kann man Pfarrer oder Bischof werden, und braucht auch dann kein Kreuz mehr in der Öffentlichkeit tragen und darf sich Andersgläubigen unterwerfen.

Bildergebnis für Bedford-Strohm Marx Tempelberg

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Der Krieg mit Worten

Toxische Begriffe

„Worte sind die mächtigste Droge, welche die Menschheit benutzt.“ sagte Rudyard Kipling. Also sind sie auch die wirkungsreichsten Gifte.

Vor einiger Zeit habe ich schon einmal den Versuch gewagt, hier eine Liste stigmatisierender Wörter und Begriffe aufzustellen. In etwas mehr als 7 Jahren hat sich diese überkommene Liste nun fast verdoppelt. Das ist aktuellen Ereignissen, neu hinzugekommenen politisch Handelnden und natürlich der massiv ausgeweiteten „Bereicherung“ in diesen Jahren geschuldet.

Die Vertreter der politischen Klasse und all diese Redakteure, Reporter, Feuilletonisten und Kommentatoren der „Qualitätsmedien“ herrschen seit je mit Worten und Begriffen, mit Andeutungen und Verdächtigungen, die einmal in Richtung eines Menschen ausgesprochen wie tödliche Giftpfeile wirken.
Das Arsenal dieser Giftwaffen wurde und wird stetig ausgebaut und die Gesinnungskrieger werden inzwischen massiv von staatlichen Einrichtungen (z.B. dem Justizministerium) und staatlich geförderten Institutionen (z.B. dem Netzwerk gegen Rechts, der Antonio Amadeo Stiftung) unterstützt und aufmunitioniert.
Nicht mit Armbrust oder Flinte werden die Pfeile abgeschossen – das Blasrohr ist die Waffe.
Nicht gleich den physischen aber den sozialen Tod vermögen diese Waffen zu bewirken. Obschon einige Getroffene inzwischen schon konkret um Leib und Leben fürchten müssen; vor allem wenn sie sich zu dieser neu entstandenen Partei bekennen, die sich „Alternative“ nennt. Ein Sachverhalt, der vor 7 Jahren noch nicht derart akut war.

Es gibt für die Getroffenen kein Gegenmittel oder Gegengift. Keine Immunität, keine Hilfe, außer vielleicht diesen Stoizismus, der so manchen Todkranken auszeichnet. Ein Auflehnen gegen die zugefügte Kontagion verstärkt meist noch die Wirkung des Toxikums.

Die „Pfeile“, die „tödlichen“ Worte und Begriffe heißen – sie können substantivisch oder adjektivisch abgewandelt bzw. eingesetzt werden – wie folgt:

• AFD (-ler, -Anhänger, -Befürworter)
• alter Herr
• Antisemit
• ausgrenzen
• ausländerfeindlich
• braun
• bürgerlich
• Burschenschaftler
• deutsch
• diskriminieren
• dumpf
• ethnisch
• eurokritisch
• extremistisch (nur in Verbindung mit „Rechts“)
• Faschist
• frauenfeindlich
• fremdenfeindlich
• Geschichtsrevisionist
• Gewaltverherrlicher
• Hass (-Redner)
• heterophil
• Holocaustleugner
• homophob
• identitär
• islamophob
• Klimaleugner
• konservativ
• menschenfeindlich
• menschenverachtend
• Nazi
• Nicht wählbar
• papsthörig
• Patriarch
• Pegida-Anhänger
• Populist
• Putinversteher
• rassistisch
• Reaktionär
• rechts
• rechtsextrem
• rechtsradikal
• Reichsbürger
• Relativierung
• Revanchist
• Revisionist
• Sexist
• Trumpversteher
• umstritten
• unbelehrbar
• Verschwörungstheoretiker
• Volksverhetzung
• völkisch

Man mag einzelnen dieser Geschosse eine geringere Giftigkeit zugestehen wenn sie für sich angewendet werden, aber die modernen Arkebusiere verwenden sie meist in Kombinationen, sodass sich die Wirkung wirklich als tödlich erweist – gewissermaßen durch Potenzierung.

Hier einmal mehr eine – gewiss unvollständige – Liste der populärsten Opfer:
Martin Hohmann, Philipp Jenninger, Jürgen Möllemann, Erika Steinbach, Stefan Heitmann, Martin Walser, Eva Herman, Thilo Sarrazin, Emil Nolte, Peter Krause, Michael Mannheimer, Björn Höcke, Roland Tichy, Henryk Broder und die Leute von „achgut“.
Dann gibt es noch eine Reihe weniger prominenter Personen, junge Leute wie Hinrich Rohbohm oder Sascha Jung, welche seinerzeit ebenfalls Giftanschlägen zum Opfer fielen.
Wie noch viele andere, die in Dorf oder Stadt in einem „Aufstand von Anständigen“, durch Denunziation von „aufrechten Demokraten“ exekutiert wurden oder werden: der Schornsteinfeger, Fussballtrainer, die Erzieherin, der Lehrer, ein unbotmäßiger Journalist usw.
Die Präparatoren der Giftpfeile und die Waffenschmieden sitzen auch in der Provinz. Sie beobachten und kämpfen auch aus mickrigen Redaktionsstuben kleiner Provinzpostillen heraus mit weltverbessernden Attitüden.
Jeden kann es erwischen, wenn er sich in der falschen Gruppe bewegt, verdächtige oder die falschen Freunde hat, sich für nicht gewünschte historische oder naturwissenschaftliche Wahrheiten einsetzen will, öffentlich eine Meinung äußert, die gegen den offiziellen Strich geht.
Aufpassen! Zwischen Lichterketten und Hinbewegen zum Scheiterhaufen wird man nur eine geringe Distanz wahrnehmen, wenn man sich unbedacht im öffentlichen Raum positioniert.

Kann man sich wappnen oder sich immunisieren?
Ernst Jünger hat eine Lösung beschrieben, um den Giftpfeilen aus den modernen Blasrohren zu entgehen: den Waldgang.
Aber war Ernst Jünger nicht auch rechts, reaktionär, Soldat und Gewalt-verherrlichend?

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Fakenews – auch in der Medizin

Ich bin inzwischen aus dem aktiven Stand der Mediziner ausgeschieden und genieße es, nun nicht mehr auf jeden „Sch…“ – in jedem Sinn des Wortes – von Patienten, Nachbarn, Gelegenheitsbekannten usw. eingehen zu müssen. Ich bin froh, keine Ratschläge, Beratungen, Therapiepläne mehr geben zu müssen und brauche wie einst als medizinischer Lehrer keine „Curricula“ mehr erstellen. Aber man bleibt ja angeblich Arzt lebenslang! Da will man auf dem Laufenden bleiben, seine grauen Zellen füttern und sich weiter über neueste Erkenntnisse, sprich Forschungsergebnisse aus der Medizin informieren.

Besonders beliebt scheinen in der allgemeinen medizinischen Publizistik solche Themen – ob es sich um Fachblätter für den Allgemeinmediziner oder um die „Apotheken Umschau“ für den sich bildenden Krankheitsanwärter handelt – mittels derer man auf eine Verhaltensänderung durch Erzeugung eines schlechten Gewissens bei dem angeblich Gesunden hinwirken möchte. Das passt trefflich zur Denkart unserer volksaufklärenden Eliten in Wissenschaft, Politik und den (Nanny-)Medien.

Da kam mir nun durch einen medizinischen „Newsletter“ wieder mal der Bericht über eine „Spitzenleistung“ der medizinischen Forschung auf den Tisch mit der reißerischen Überschrift: „Mamma, ich habe gesündigt“ .

„Frauen, die sich in jüngeren Jahren ungesund ernähren, haben ein höheres prämenopausales Brustkrebsrisiko, so die Ergebnisse der Nurses Health Study II. Dabei steigt das Risiko sogar erneut, wenn die Fehlernährung im jungen Erwachsenenalter über die Jugendzeit hinaus anhält.“

heißt es da und man bezieht sich auf einen Artikel im „Cancer research“.
Fazit für die Schreiberlinge aus dessen Lektüre:

„Eine überwiegend ungesunde Ernährung – geprägt durch wenig Gemüse, reichlich Softdrinks, raffiniertes Mehl, rotes Fleisch und Fleischprodukte – wird nicht selten von erhöhten Entzündungsmarkern im Blut begleitet. Diese ernährungsbedingten Entzündungen können wiederum einen möglichen Anlass geben, dass ein prämenopausales Mammakarzinom (= Brustkrebs vor den Wechseljahren – d. Red.) entsteht.“

Studiert man den Artikel mit offenen Sinnen, erkennt man bald, dass es sich hier einmal mehr um mittels Statistik betriebene Kolportage handelt.

Schon vor einiger Zeit erhielt ich aus gleicher Quelle ein Exzerpt einer ähnlich minderwertigen Studie mit appellativem Charakter: „Toleranter dank Tofu“. Da wollte man Glauben machen, dass Vegetarier, toleranter seien, dass Fleischesser eher zu Vorurteilen und autoritären Strukturen (!) neigen als Vegetarier und Veganer. Auch das wurde mit statistischen Befunden „belegt“.

Es wird nicht erst seit neuestem beklagt, dass fast 80% der Ärzte Statistiken nicht richtig verstehen und lesen können. Damit sind sie leicht zu manipulieren. Besonders funktioniert der „Trick mit dem „relativen Risiko“. Der ist u.a. angewandt worden, um Frauen vom Nutzen der Mammographie zu überzeugen und Männer von Vorsorgeuntersuchungen auf Prostatakrebs. Falsche Informationen haben dazu beigetragen, dass die meisten Europäer den Nutzen der Krebsfrüherkennung um den Faktor 10, 100 oder mehr überschätzen.

Über Jahrzehnte hinweg wurden und werden vor allem Männer mit dem Cholesterin-Tamtam gequält, trotz äußerst fragwürdiger und sich widersprechender Studienergebnisse – und obschon ein viel gelesenes auch medizinisches „Fachblatt“ bereits 1990 textete: „Cholesterin – Freispruch für einen Schurken“.

Um ein „relatives Risiko“ handelt es sich, wenn man mehr als 8 Nürnberger Bratwürste am Tag verschnabuliert: Das Todesrisiko steigt um (beeindruckende) 44%, stellte wiederum „Der Spiegel“ – fußend auf eine amerikanische Studie – fest und machte einen neue Schurkerei aus. Siehe: Morituri de salutant Wer viel Wurst isst, stirbt früher

Im Grunde handelt es sich bei fast allen Gesundheitskampagnen um öffentlich geförderten Betrug. Die meisten der von politischer Seite oder den Krankenkassen auf den Weg gebrachten Vorsorgeprogramme und Verhaltensmaßregeln fußen auf unzulänglichen Ergebnissen und (bewußten?) statistischen Fehlinterpretationen. Cui bono? Bei den pathologisch paternalistischen Vorsorgern, vor allem von der grün-totalitären und der St.-Martin-Partei, finden solche Studien natürlich gewiss Gefallen. Und natürlich beim Medizinisch-industriellen Komplex. (Glossar)

Vor fast 30 Jahren erschien das Buch „Torheiten + Trugschlüsse in der Medizin“ von den englischen Medizinern Petr Skrabanek und James McCormick, das leider nicht wieder aufgelegt wurde. Die Autoren schreiben:

Dieses Buch soll dem Irrtum in der Medizin eine Grenze setzen. Nicht die Art Irrtum, der dazu führt, daß das falsche Bein amputiert wird oder daß die „Toten“ in der Leichenhalle wieder zum Leben erwachen. Solche Fehler sind menschlich und unvermeidbar. Die Irrtümer, mit denen wir uns … befassen, sind Irrtümer der Lehrmeinung, systematische Irrtümer, die in Dogmen und allgemein anerkannte Wahrheiten eingegangen sind, Verzerrungen also, die den Weg rationalen Denkens und Forschens versperren. Der Fortschritt in der Wissenschaft und die Vermehrung des Wissens sind davon abhängig, daß Unrat beseitigt und Dogmen und Überzeugungen in Frage gestellt werden…

Skrabanek und McCormick entlarvten unzählige, vor allem der Vorsorge-Mythen.

Die hier erwähnten „Studien“ und populärwissenschaftlichen „Erkenntnisse“ sind solcher Unrat, der leider immer mehr in Massen produziert wird. „Fakenews“!

Nach der zitierten neuesten Risiko-Studie zum Brustkrebs bei jungen Frauen müsste ich eigentlich mit mir und meiner Frau ernsthaft ins Gericht gehen, ob wir uns damals bei der Ernährung unserer drei Töchter mit vorwiegend böhmisch und fränkisch geprägter Küche vielleicht nicht schwer versündigt haben. Aber vielleicht hilft noch ein Hilferuf an St. Cosmas und Damian, unsere Schutzheiligen der Ärzte und Heilpersonen.

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Querfront – Abschnitt 2

Reaktion der „Reaktion“

 

Linke und Rechte streiten sich lediglich
um den Besitz der Industriegesellschaft.
Der Reaktionär ersehnt deren Tod.
Nicola Gomez Davila

 

Es sind nachgewiesene Renegaten wie Jürgen Elsäßer und Ken Jebsen, an denen sich die Kritik der Linken besonders festmacht, wie im vorausgehenden Beitrag skizziert. Diese bestellen anscheinend hierzulande besonders den Acker der Querfront. Dazu werden auch gelegentlich Publizisten wie Jan Fleischhauer, Henryk Broder und Thilo Sarrazin angeführt. Broder und Sarrazin stehen ja in einem besonderen Schmäh-Focus der hiesigen linken Medien-Organe, obschon beide einer nationalistisch rechten Attitüde sicher unverdächtig sind.

Mit etwas Verzögerung erschien nun ein Echo – eine Publikation – von „rechter Seite“, von Benedikt Kaiser, Politikwissenschaftler und Verlagslektor im Antaios Verlags: „Querfront“ – Kaplaken-Band 49.

Der Autor nennt seine Betrachtung einen „subjektiven Streifzug durch die Geschichte quer zu den bisherigen Lagern“ und stellt fest

„Die Querfront als politische Konzeption sui generis gibt es entgegen der Behauptung ihrer Kritiker nicht. Sie besitzt kein klar umrissenes Konzept. Je nach Land, Zeit und Situation erfährt der Begriff eine gänzlich andere Aufladung. … Es ist … kein Wert an sich und als solches nicht der Mühe wert, zumal es – damals wie heute – an lagerübergreifenden Projekten, ja bereits an bloßem Interesse bezüglich politischer Elemente, die »falsch«, also gegnerisch etikettiert sind, mangelt. Es erscheint aus diesen Gründen sinnvoller, eigene Ideen konkret auszuformulieren und Begriffe zu »setzen«, mithin die dringend notwendige Erweiterung des Themenspektrums vorzunehmen.“

In seiner Analyse schreibt Kaiser u.a., dass es innerhalb der europäischen Rechten „Kontinuitätslinien“ gibt, die man der Linken von jeher voraushabe. Die wichtigste dieser Linien ist die „Nennung der dreifachen Zugehörigkeit eines Europäers zur Heimatregion, zur Nation, zu Europa als übergeordnetem Prinzip.“ Er zitiert den Europapolitiker der freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) Andreas Mölzer: „Nur ein föderatives, in manchen Regionen die vorhandenen Staaten auflockerndes Europa ist nach den bisherigen historischen Entwicklungen denkbar.“
Kaiser verweist dabei u.a. auch auf die postnationalistische „identitäre Bewegung“ in Frankreich, welche der Anschauung folgt, dass das Mutterland Europa nicht als Vorstufe zur „One World“ gelten soll, sondern neben Region und Nation als Barriere gegen eine solche fungiert.

Im „Fazit“ seiner Abhandlung meint Kaiser

„Es erscheint … sinnvoller, eigene Ideen konkret auszuformulieren und Begriffe zu »setzen«, mithin die dringend notwendige Erweiterung des Themenspektrums vorzunehmen. Eine »Neue Rechte«, die sich von neokonservativ-neoliberalen Vorstellungswelten absetzt, die sich also gegen die Vorherrschaft des Westens, universale Islamfeindschaft, libertäre Marktgläubigkeit und konservative Kapitalismusaffirmation stellt; eine Neue Rechte, die ein fundiertes eigenes Bild vom zeitgenössischen Imperialismus entwirft und sich geopolitisch für eine »Pluralisierung der Hegemonien« ausspricht; eine neue Rechte, die die soziale Frage wieder als ureigenes Sujet entdeckt; eine Neue Rechte, die europäisch denkt und mehr als nur einen nationalsouveränistisch-populistischen Anti-Brüssel-Block formieren möchte, die die Idee des einigen Europas neu und innovativ, aber rückgebunden auch an Tradition und Herkunft betrachtet; …

Das geht es mir etwas sehr durcheinander und alles scheint mir wenig neu im Sinne „eigener Ideen“. Alles schon mal da gewesen! Gegen eine Vorherrschaft des Westens, gegen universale Islamfeindschaft, gegen libertäre und bürgerliche Kapitalismusaffirmation war auch schon Hitler aufgetreten, er hat auch „europäisch“ gedacht und agiert; die soziale Frage hat Oswald Spengler in seiner Schrift „Preußischer Sozialismus“ aufgeworfen, die Nazis haben die Bismarck´schen Sozialreformen weiter ausstaffiert; gegen die Liberalen haben alle Vertreter der „konservativen Revolution“ – bis zuletzt Armin Mohler – polemisiert.

„Europa … rückgebunden auch an Tradition und Herkunft“, das will mir schon gefallen in der „Trinität“ Region/Heimat, Nation/Vaterland und ein Europa der Vaterländer.
Das ist nicht nur „denkbar“, wie der FPÖ-Politiker Mölzer meinte, es scheint mir das einzig effektive Leitbild für eine Politik der Erhaltung europäischer Kultur und seiner Völker.
(Alt-) Neu wäre wieder eine echte Subsidiarität ausgehend von der unteren Ebene – den Gemeinden, der Region. Rechtsetzung und Ordnungsgebung nicht von oben übergestülpt, sondern Gestaltung wieder faktisch von unten nach oben.
Subsidiarität ist auch ein unerlässliches und zentrales Element des zuvorderst menschenfreundlichen ordnungspolitischen Konzepts der sozialen Marktwirtschaft.

Kaiser meint in seinem Fazit „Negation des Alten und der Hervorbringung von etwas Neuem jenseits des Üblichen führt »zu produktiver geistiger Unruhe«.

Die derzeitige Politik und ihre Ideologie kranken unter anderem aufgrund der „Negation des Alten“, aufgrund ihres Kampfes auch gegen das Föderale und Subsidiäre – auf dem Weg zur weitergehenden Globalisierung.

Europa

Europa! Wir sollten uns an das erinnern, was Gerd-Klaus Kaltenbrunner 1994 in „Vom Geist Europas“ schrieb:

„Europa … die Vision eines Hauses mit vielen Wohnungen, eines Domes mit vielen Kapellen, eines Lebensraumes oder einer „oikia“ mit vielen Gebieten, Nischen und Höhenstufen. Es ist dies ein anderes Europa als der halb euphorisch begrüßte, halb fatalistisch hingenommene Binnenmarkt gleichen Namens. Das Abendland, in dem ich mich beheimatet weiß, ähnelt — um es drastisch zu sagen — eher noch dem fernen Polynesien als jenem nahen, aber antlitzlosen Monster, das von überheblichen Kommissionen und Konzernen entworfen, verwaltet und vor angetrieben wird. Der gigantomanischen Vermessenheit dessen, was in einem wohlgeordneten Gemeinwesen nur subalternsten Rang innehaben könnte, halte ich unbeirrt die Urgestalten und Denkmale europäischen Schöpfergeists und Überlieferungssinns entgegen. Bildlich gesprochen: Das alte Prag, Riga, Krakau und Kiew stehen mir näher als das neue Brüssel. Den Spott, ein Don Quijote sei, wer die Übermacht des Technokratischen, Ökonomischen und Administrativen in die Schranken fordere, fürchte ich sowenig wie vor zwanzig Jahren die Schelte des „Konservativen“.

Es ist zu fürchten, dass das „alte“ Europa unwiderruflich dem Untergang geweiht ist, dafür werden neben unseren „Eliten“ die eingeladenen, hergeschleppten und hergeführten „Flüchtlinge“ aus Afrika und dem Nahen oder Mittleren Osten sorgen.

Europa, das „Abendland“, das war der Kontinent der Christenheit. Vom Christentum ist bei den Linken wie auch bei der neuen Rechten, nicht die Rede – insofern gibt es diesbezüglich eine Querverbindung.

Die Idee des einigen Europas auch „neu und innovativ“, kann nur rückgebunden an Tradition und Herkunft betrachtet werden!

Ideologie

Kaiser spricht es in seinem Essay nicht konkret aus, aber er fordert im Grunde eine eigene (neue) Ideologie, ohne aber im Einzelnen konkret zu werden – abgesehen von den formulierten Ausschlüssen (gegen die Vorherrschaft des Westens, universale Islamfeindschaft, libertäre Marktgläubigkeit und konservative Kapitalismusaffirmation …). Es möchte damit gewiss auch eine Art „Avantgarde“ der Rechten generiert werden.

Ideologie – das Wort wird gerade von Konservativen ungern in den Mund genommen, genauso wenig wie das durch den Nationalsozialismus verbrannte Wort der Weltanschauung. Gegen „Ideologie“ besteht eine regelrechte Aversion gerade bei den aufrechten Rechten.

Gibt es eine neue, „unverdächtige“ Redewendung? Gerd-Klaus Kaltenbrunner vermied ebenso den Begriff, schrieb aber, dass der Konservative einer „fundierten Theorie“ bedarf.

Warum soll man nicht doch bei dem Begriff der Ideologie bleiben? Die Linke hat da wenig Probleme. Um der linken Ideologie beizukommen, bedarf es aber schon auch einer eigenen. „Mit einem Regenschirm kann man nicht gegen die marxistische Zwangsjacke“ kämpfen“, meinte Erik von Kuehnelt-Leddihn und verweist in diesem Zusammenhang auch besonders auf Ludwig von Mises, der betonte, daß alles davon abhinge, „ob die Massen positiven oder negativen Ideologien folgen, aber sie sind nun einmal da und somit unvermeidlich“; Friedrich August von Hayek sagte uns, daß keine Gesellschaft ohne Ideologie 24 Stunden existieren könnte.

Die Programme der noch existierenden angeblich konservativen Parteien (welche sind das noch?) erfüllen diesen Anspruch an eine verbindende (gewissermaßen auch „verbindliche“) Weltanschauung nicht. Die CDU war über die meiste Zeit ihrer Existenz fern davon, eine Programmpartei zu sein – im Gegensatz zu ihrer großen Konkurrentin SPD. Beide eint inzwischen, dass fast nur noch Antworten auf tagespolitisch entstandene oder auch gezielt aufgeworfene Fragen angeblich pragmatisch, nicht „programmatisch“ gelöst oder beantwortet werden sollen. Eine die Politik prägende, wirklich „fundierte Theorie“ ist bei der CDU/CSU nicht mehr zu erkennen, zu sehr hat sie sich der von Linken und Grünen geprägten Denk- und Fühlweise des Zeitalters unterworfen.

Es schien mir bei meinen Nachforschungen nur spärlich auf, was die „Hervorbringung von etwas Neuem jenseits des Üblichen“ auf Seiten der neuen Rechten – a la Benedikt Kaiser – beinhaltet.

„Etwas Neues“ hat freilich für Konservative durchaus keinen Selbstzweck.

Peter Helmes, ein alter Fahrensmann im politischen Geschäft, Spiritus Rector und Autor der „Deutschen Konservativen“, die irgendwie ein „Restkollektiv“ sind, meinte auf die Anfrage und Anregung nach einem „modernen“ konservativen Programm Folgendes:

Mich reizt Programmarbeit. ABER:
Meine politische Erfahrung hat mich schon oft auf den Boden der Realität gezogen. Dazu gehört die Erkenntnis,

1. daß Parteien generell nicht in der Lage sind, politisch-programmatisch zu denken (s.o. „Aktionismus“).

2. daß „konservative Thinktanks“ in Deutschland ein karges Brot fressen. Mehr oder weniger nagen sie alle am geistigen (Ideen) und leiblichen (Finanzen) Hungertuch, dieweil solche „Fabriken“ auf der linken Seite eher am Hummertuch nagen können (Bertelsmann-Stiftung, Körber-Stiftung etc. als Beispiel).

3. daß, sobald eine Idee oder ein Programm auf dem Tisch liegt, gerade das rechte Lager zur Streitaxt greift … Man gönnt dem Anderen keinen Erfolg, was i.d.R. zu persönlichen Streitereien führt. Jüngstes Beispiel ist ja wohl die AfD bzw. die Lucke-Gruppe usw.

Und vor allem „ … an wen sollte sich ein „Konservatives Programm“ richten?“

Letzteres ist eine Schlüsselfrage, die im Moment schwer beantwortet werden kann.

Da klingt etwas davon durch, was Davila in seinem Aphorismus sagt:

„Die Konservativen der Gegenwart sind nicht mehr, als von der Demokratie misshandelte Liberale.“

Damit soll vorerst das Thema „Querfront“ geschlossen sein.

Der Reaktionär

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Querfront – Geht ein Gespenst um in Europa?

Eine Kontroverse unter Linken

 

„Das Herz des Weisen schlägt auf der rechten,
das des Narren auf der linken Seite.“
Prediger 10,2

Man kann einwerfen, die Beschäftigung mit dem Thema „Querfront“ sei nicht mehr aktuell, in den Zeitläuften inzwischen überholt. Das scheint nicht der Fall. Mit etwas Verzögerung zur Diskussion unter den Linken erschien nun auch eine Publikation von „rechter Seite“: Benedikt Kaiser „Querfront“ – Kaplaken-Band 49, Antaios Verlag. Darauf wird noch einzugehen sein.

Was heißt oder bedeutet eigentlich „Querfront“?
Greifen wir auf eine Definition zurück, wie sie z.B. in der überwiegend linksgestrickten Enzyklopädie Wikipedia zu finden ist:

„Als Querfront im historischen Sinn bezeichnet man antidemokratische Strategien, die gegensätzlichen Ideologien des Nationalismus und des Sozialismus zu verbinden, um die politische Macht in der Weimarer Republik zu übernehmen. Solche Bündnisse strebten Vertreter der Konservativen Revolution seit etwa 1920 theoretisch, der damalige Reichskanzler Kurt von Schleicher 1932 praktisch an.
Als Querfront im weiteren Sinn bezeichnet man Versuche, die Zustimmung für anti-emanzipatorische Positionen zu vergrößern und lagerübergreifende Aktionsbündnisse „quer“ zu bestehender „links“- und „rechts“-gerichteter Politik herzustellen. Das versuchen Teile des deutschen Neonazismus, aber auch manche linksgerichtete Gruppen und Parteien mit nationalistischen Tendenzen.“

Weiter heißt es dort:

„Heute werden Querfront-Bestrebungen besonders im deutschen Rechtspopulismus sichtbar. Dazu zählt der Sozialwissenschaftler Wolfgang Storz die Zeitschrift Compact von Jürgen Elsässer seit 2010, das Internetportal KenFM von Ken Jebsen seit 2011, die Partei Alternative für Deutschland seit 2013, die Mahnwachen für den Frieden, das islamfeindliche Demonstrationsbündnis Pegida und seinen Ableger Legida seit 2014. Kennzeichnend für diese neue Querfront seien eine leistungsfähige eigenständige Gegenöffentlichkeit und einfache populistische Fronten: „Volk gegen Eliten, Wahrheit gegen Lügenpresse“. … “

Die Diskussion ist wie schon angedeutet ein paar Monate alt. Sie füllte fast ausschließlich das Feuilleton oder die politischen Kolumnen der Linkspresse. Begonnen hat die Aufmerksamkeit zu diesem Thema mit einer Studie der Otto-Brenner-Stiftung der IG Metall im Jahre 2015 aus der Feder des im obigen Zitat erwähnten Wolfgang Storz.

Die Studie „Querfront – Karriere eines politisch publizistischen Netzwerkes“ geht von einem Netzwerk zwischen publizistischen Akteuren wie Jürgen Elsässer, Ken Jebsen und Michael Vogt und bestimmten Verlagen (z.B. Kopp-Verlag) und Webportalen aus. Historische oder weitere aktuelle Aspekte werden in der Studie nicht abgehandelt. Von einer wissenschaftlichen Studie kann man bei dieser Schrift ohnehin nicht sprechen, und Sinn und Zweck der Arbeit bleiben letztendlich offen.

Heftige Kritik erfährt denn der Autor mit seiner Arbeit und letztlich auch der Auftraggeber (vulgo die IG Metall) von dem ausgewiesen linken Publizisten und ehemaligen SPD-Spitzenbeamten unter Willy Brandt, Albrecht Müller (Nachdenkseiten).

Ein bekannter Schwindel-Verzapfer vom „Cicero“, Alexander Grau, nahm sich unmittelbar nach dieser Studie des Themas an und meinte

„Während Deutschland die Rechtsextremen fürchtet, hat sich eine Bewegung formiert, die Ansätze linker und rechter Ideologien kombiniert: die Querfront. Mit ihren antiwestlichen und antiliberalen Ressentiments erreicht sie frustrierte Bürger.“

Es wurde auch schon gemutmaßt, das Erbe autoritärer Denkmuster könnte der Kitt zwischen ganz rechts und links sein (Süddeutsche Zeitung).

Auch der Bayerische Rundfunk beschäftigte sich damit und die sattsam bekannte Annette Kahane hat natürlich das Thema entdeckt.
Sie betont die „antiwestliche Haltung“ der angeblich existierenden „Querfront“ und behauptet in einem Interview:

„Sie sind antiliberal, gegen die Globalisierung, gegen den Kapitalismus und gegen das, was sie für Imperialismus halten. Wobei sie nur bereit sind, eine Art von Imperialismus zu sehen, und das ist der amerikanische. Sie sehen nicht den russischen oder chinesischen. … Beide Lager haben außerdem ein stark dualistisches Weltbild. Wer nicht für sie ist, ist gegen sie. Entweder man ist Freund oder Feind. Sie sind gegen eine moderne, vielfältige Gesellschaft und lehnen deshalb Homo- oder Transsexuelle ab. Sie sind auch extrem antisemitisch. Was sie noch eint, ist ihr Denken in ethnischen oder sozialen Kollektiven. Sie generalisieren und sagen: „Die Deutschen“, „die Arbeiter“ oder „die Finanzoligarchie“.“

Natürlich muss auch ihr Netz gegen Nazis die angeblich neue und perfide Strategie „der Braunen“ Stellung beziehen.
Dabei diagnostiziert man auch bei der Vorzeige-Linken Sahra Wagenknecht „einen gewissen Chauvinismus und Rassismus“.

Im Juni 2016 greift Albrecht Müller in seinen Nachdenkseiten das Thema noch einmal auf und läßt den Soziologen Rudolf Bauer zu Wort kommen. Bauer hatte vorher in der linksradikalen „Jungen Welt“ über das Thema referiert. In dem Interview in den „Nachdenkseiten“ wendet sich dieser vornehmlich gegen Frau Kahane, der er u.a. Geschichtsblindheit vorwirft:

„Die Vorsitzende der Amadeu-Antonio-Stiftung argumentiert nach dem Muster „links gleich rechts“, „kapitalismuskritisch gleich antisemitisch“, „pazifistisch gleich Putinfreund“. …(Sie) subsumierte unter de(m) Oberbegriff „Querfrontler“ dabei alle möglichen Gruppierungen: völkische, populistische, antikapitalistische, „anti-amerikanische“, rassistische, antisemitische, homophobe, antiliberale, europaskeptische, globalisierungskritische, antidemokratische und angeblich verschwörungstheoretische.
Natürlich auch Linke, Friedensfreunde, Antimilitaristen und NATO-Gegner. Alles durcheinander, Kraut und Rüben, Hackepeter und Sachertorte. Fakten spielen bei ihr keine Rolle. Argumente und Analysen ebenso wenig …
Hier wird ein Stil der politischen Auseinandersetzung als „demokratisch“ und „liberal“ hoffähig gemacht, der bei den Rechten beheimatet ist, um Linke damit pauschal zu diskreditieren und zu denunzieren. „

Da wendet sich der (linke) Sozialwissenschaftler und Künstler (kann so einer anders als links sein?) gegen eine linke Aktivistin und deren Interpretation des Begriffes, die sicher auch deswegen beunruhigt ist, da ja schon Fahnen und Symbole der Linken bei diesen schändlichen Pegida-“Aufmärschen“ zu sehen waren, wo sich nach offiziöser Lesart ohnehin nur Pack, Pöbel und Dreck, vulgo Nazis tummeln.

Es scheint mir eine im Wesentlichen von den Linken geführte Diskussion, die sichtlich um ihre Deutungsmacht fürchten.

Linke gegen Linke: Sollen sie sich ruhig zerfleischen, möchte man einflechten. Aber für die Linke gilt: Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. Die Linken jeder Schattierung leiden nicht an der Abgrenzeritis untereinander, wie die neue, von ihnen definierte „Rechte“.
Die Linke zeigt keine Betroffenheit angesichts der über 100 Millionen Toten, die sie seit der Französischen Revolution zu verantworten hat; sie ist gegen jegliche „Relativierung“ gefeit und sieht sich unverändert in der Funktion als Menschheitsbeglücker.

Es ist aber auch festzustellen, dass die medial lautstarken linken, angeblich liberalen  Eliten in Amerika und Europa seit Jahren – sämtliche Lordsiegel-Bewahrer aller political correctness – einer kapitalistischen und imperialistischen Linie der dirigierenden Führungsmacht folgen. Man spricht denn in diesem Zusammenhang auch von „neokonservativen Souffleuren“, denen wesentliche Teile der Linken folgen und die damit das einst die Linke einende antikapitalistische und antiimperialistische Grundprinzip aufgegeben haben.

Damit der Leser sich bei dieser Diskussion positionieren kann, soll einmal kursorisch beschrieben werden, was eigentlich „links“ bedeutet. Ich greife hierzu auf den großen konservativen Gelehrten Erik von Kuehnelt-Leddihn mit seinen Definitionen zurück:

Was ist links?

• Materialismus – ökonomischer, biologischer, soziologischer Natur.
• Messianische Rolle einer Gruppe – Volk, Rasse, Klasse.
• Zentralismus. Unterdrückung lokaler Verwaltungen, Eigenarten etc.
• Totalitarismus. Alle Lebensbereiche von einer Doktrin durchdrungen.
• Gewalt und Schrecken anstelle von Autorität, einer endogenen Kraft.
• Ideologischer Einparteienstaat.
• Völlige, staatliche Kontrolle von Erziehung und Unterricht.
• „Sozialismus”: Gegenteil von Personalismus.
• Versorgungsstaat von der Wiege bis zum Grab.
• Militarismus, nicht Bellizismus.
• Starre Staatsideologie mit „Feindbild”.
• Antimonarchisches Führerprinzip. Der Führer, Duce, Vozdj verkörpert das Volk. Er ist nicht Vater sondern Bruder – Big Brother!
• Antiliberalismus. Freiheitshass.
• Antitraditionalismus. Man kämpft gegen die „Reaktion”.
• Expansionsstreben als Selbstbestätigung.
• Exklusivismus: Keine anderen Götter werden geduldet.
• Ausschaltung der Zwischenkörperschaften, der „corps intermediaires”.
• Gleichschaltung der Massenmedien.
• Abschaffung oder Relativierung des Privatbesitzes. Falls letzterer nominell bleibt, gerät er restlos unter Staatskontrolle.
• Verfolgung, Knechtung oder Kontrolle der Glaubensgemeinschaften.
• „Recht ist was dem Volke nutzt, der Partei nutzt!” Partijnost
• Hass auf die Minderheiten.
• Verherrlichung der Mehrheit und des Durchschnitts.
• Glorifizierung der Revolution, des „Umbruchs” etc.
• Plebejismus: Kampfansage an frühere Eliten.
• Jagd auf „Verräter”. Wut auf die „Emigranten.
• Populismus und Uniformismus: Volksempfänger, Volkswagen, Volksdemokratien, Volksgerichte etc.
• Berufung auf das demokratische Prinzip.
• Ideologische Wurzel in der französischen Revolution.
• Dynamischer Monolithismus: Staat, Gesellschaft, Volk werden eins.
• Koordination durch Schlagworte, Gedichte, Lieder, Symbole, Redewendungen, Klischees.
• Einsetzung von Säkular-Riten als Religionsersatz.
• Der Konformismus als Existenzprinzip. „Gleichschaltung”.
• Anfeuerung von Massenhysterien.
• Technologisierter Herrschaftsmodus.
• Freiheit – vom Gürtel abwärts.
• Alles für den Staat, alles durch den Staat, nichts gegen den Staat.
• Politisierung des gesamten Lebens: Kinder, Touristen, Sportler, Erholung als Objekte.
• Nationalismus oder Internationalismus gegen Patriotismus.
• Kampf gegen außerordentliche Menschen, gegen „Privilegien”.
• Totalmobilmachung des Neids im Interesse von Partei und Staat.

Bildergebnis für französische revolution

Wie hieß es in der Wikipedia-Definition zu „Querfront“: „gegensätzliche Ideologien des Nationalismus und des Sozialismus zu verbinden“.
Folgt man den obigen Konkretisierungen von Kuehnel-Leddihn, dessen was links ist, sind Nationalismus und Sozialismus keineswegs gegensätzliche Ideologien, die einer Querfront bedürfen.
In einem weiteren Beitrag wird darauf einzugehen sein, wie die derzeitige angebliche  Rechte sich beim Thema Querfront darstellt und was jenseits von links konkretisiert werden sollte.

Fortsetzung folgt!

 

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Lokale Lückenpresse

Presseschau nach einer Massenschlägerei in der Provinz

Am letzten Wochenende kam es in der Nacht auf Samstag in der Kreisstadt Gelnhausen bei einem Volksfest, dem beliebten „Barbarossamarkt“, zu einer Massenschlägerei. Dazu war eine Gruppe Jugendlicher aus Hanau mit dem Zug nach Gelnhausen gefahren und dort von einer etwas größeren Gruppe „Einheimischer“ wohl schon erwartet worden, denn man ging gleich zur Sache. Die Polizei konnte schließlich wieder Ruhe herstellen, die Hanauer Freizeit-Kampfsportler setzten sich wieder in den Zug zurück zu ihrem Biotop am Main.
Angeblich rätselt die Polizei noch über die Motive zu dieser Gewalteruption auf dem platten Land.

In der örtlichen Presse war dann zu lesen, so im Gelnhäuser Tageblatt:

„Bei den Hanauern handelte es sich laut Polizeipressesprecher Henry Faltin um männliche Personen im Alter von 18 bis 20 Jahren, die zum Teil Deutsche seien, allerdings seien auch andere Nationalitäten darunter gewesen. Bei den Gelnhäusern soll es sich um etwa gleichaltrige Personen gehandelt haben, allerdings ist von ihnen noch wenig bekannt.“

Die Fuldaer Zeitung berichtet lapidar von „Halbwüchsigen“.

Die Offenbach Post hatte anscheinend auch keine Erkenntnisse zur Herkunft der Freizeit-Kämpfer, aber sie weiß Bescheid:

„Mit den politischen Vorgängen in der Türkei und Europa haben die Vorkommnisse in Hanau und Gelnhausen nach Erkenntnissen der Polizei nichts zu tun.“

Auch die Frankfurter Neue Presse schreibt lediglich von „jungen Leuten“,

Der Hanauer Anzeiger spricht von „Jugendlichen und Halbwüchsigen“

Die Lokalausgabe der Bildzeitung hat einmal mehr die kreativste Schlagzeile auf Lager:

„100 Teenies im Prügelrausch“

Auch kein Wort über die Herkunft der Täter findet man natürlich im öffentlich rechtlichen Qualitätsfunk, der „Hessenschau“.

Die FAZ tanzt dann aber etwas aus der Reihe:

„Nach derzeitigen Erkenntnissen spielen die Jugendlichen türkischer Herkunft die wesentliche Rolle, da sie in beiden Fällen involviert waren und als eine Art „Schlägertrupp“ aufgetreten sind.“

Das wird aber natürlich gleich relativiert:

„Es soll sich überwiegend um Einheimische handeln, teils Deutsche, teils Jugendliche mit ausländischen Wurzeln, wie die Polizei sagt. Auch einige Mädchen waren darunter.“

 

Man erkennt die Absicht (und ist nicht verstimmt), denn Anderes als Desinformation in vorgegebener Manier ist von den noch auf dem Markt existenten politisch-korrekten Schmierenpostillen nicht zu erwarten.

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Hirtenworte 2017

Wohin treibt der deutsche Katholizismus?

Die Deutsche Bischofskonferenz hat sich wieder einmal politisch geäußert und in das politische Tagesgeschehen, in den Wahlkampf eingemischt.
Einmal mehr äußerten sich die katholischen Oberhirten ablehnend zur AfD, in der sie offensichtlich eine zur Essenz gewordene Initiative des Gottseibeiuns erkennen möchten.

Bischöfe kritisieren AfD-Programm als unchristlich

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, dieser Dicke aus München, Kardinal Reinhard Marx, sagte im Anschluß an die am Donnerstag beendete, viertägige Zusammenkunft:

„Das populistische Vorgehen und viele inhaltliche Haltungen“ seien „nicht mit dem christlichen Glauben vereinbar“ … „Politisches Agieren …, das vom Schüren von Fremdenfeindlichkeit, von Ängsten gegen Überfremdung, von einseitiger Betonung nationaler Interessen, einem nationalistischen Kulturverständnis“ sei nicht mit einer christlichen Sichtweise vereinbar.

Damit macht man Wahlkampf. Nicht dezidiert für eine bestimmte Partei oder Gruppierung, aber eindeutig gegen eine demokratisch legitimierte und inzwischen etablierte Partei und deren Anhänger.

Sowas war einst deutsch-katholische Tradition. Ich meine dabei nicht die Verlautbarungen der katholischen Kirche im Widerstand gegen den Nationalsozialismus.
Es war Tradition der frühen Jahre in der Bundesrepublik und dann noch mal erneut in den 80er Jahren.

Ich kann mich noch an die Sonntage in den 50er und 60er Jahren erinnern: braver Kirchgänger, Ministrant und Pfadfinder, der jeweils vor anstehenden Wahlen die damals berühmt-berüchtigten katholischen Hirtenbriefe hören durfte – vom Pfarrer von der Kanzel herab verlesen. Als Schulbub hat man davon noch nicht viel verstanden – wie Vieles von dem, was dort manchmal gepredigt wurde. Mit wachsendem Bewußtsein, mit einsetzenden Einsichten in das, was so in der Welt geschieht und geschehen kann, registrierte man politische Verlautbarungen in einem Gottesdienst schon als eigentlich regelwidrig und unangemessen.
Schließlich stellte man für viele Jahre die Kirchenbesuche am Sonntag ein.

In einem umfangreichen Artikel „Das ist geistliche Nötigung“ aus den Jahre 1980 beschäftigte sich der Spiegel aus damals aktuellem Anlass mit dieser „Tradition“.
Helmut Schmidt, damals Regierungschef reagierte bei einem Hirtenbrief der Bischofskonferenz, in dem die katholischen Kirchenführer offen Wahlkampf für die CDU/CSU betrieben – gegen Staatsverschuldung, gegen Bürokratisierung, gegen die Reform des Abtreibungsparagraphen 218 – äußerst gereizt. Er wird mit folgendem sarkastischen Satz zitiert – es ging im Kabinett um Importhilfen der Europäischen Gemeinschaft für neuseeländische Butter:

„Ich bitte um Vortrag darüber, was die Deutsche Bischofskonferenz dazu sagt. Dürfen wir die Butter kaufen oder nicht?“

In dem Artikel zitiert der Spiegel eine offizielle Verlautbarung der Bischofskonferenz bzw. Synode Ende der 60er Jahre:

In einem amtlichen Kommentar zur Konzilslehre über „Die Kirche in der Welt von heute“ beteuerten die Bischöfe 1969, sie würden sich künftig nur noch dann in die Politik einmischen, „wenn die Grundlagen unserer Demokratie in Gefahr geraten, wenn unverzichtbare Rechte der Menschen geschmälert beziehungsweise preisgegeben oder wenn die Freiheit der uns von Christus übertragenen Verkündigung des Evangeliums direkt oder indirekt eingeschränkt würde.“

 

Keiner schränkt die deutschen katholischen Bischöfe in der Freiheit ein, das von Christus übertragenen Evangeliums zu verkündigen.
Außer sie selbst!

Die deutsche katholische Kirche beschreitet den Weg des politisierten und politisierenden Protestantismus, der nicht nur für die evangelische Kirche zu einem steten Verlust nicht nur an Kirchenmitgliedern, sondern auch religiöser Substanz führte. Mit ihren Aktionen treiben die Bischöfe viele Katholiken in ein Gefühl der „Unbehaustheit“.

„Mein Papst“ Benedikt XVI. hat in einem Interview ausgeführt:

„… die braven Katholiken, wenn man sie so nennen will, finden, daß es in der Kirche insgesamt immer ungemütlicher wird. Sie fühlen sich nicht mehr zu Hause, leiden und trauern darüber, daß nun die Kirche gar kein Ort des Friedens mehr ist, wo man Zuflucht findet, sondern ein Ort der ständigen Auseinandersetzungen, so daß sie selbst auch unsicher werden und protestieren. Und diese innere Spaltung in der Kirche, die zum gemeinsamen Verdruß an der Kirche, zum gemeinsamen Trauern über die Kirche führt, ist schon etwas, was einen beunruhigen muß.“

Der Interviewer Peter Seewald zitiert an anderer Stelle den Philosophen Rüdiger Safranski der kritisierte, das Christentum habe sich zu einem „kalten Religionsprojekt“ entwickelt, zu einem „Gemisch aus Sozialethik, institutionellem Machtdenken, Psychotherapie, Meditationstechnik, Museumsdienst, Kulturmanagement und Sozialarbeit“. Im Kirchenvolk sei das Gespür dafür abhanden gekommen, dass der Glaube aus ganz anderen Wurzeln wächst als die Gesellschaften des Westens. Viele Theologen und Priester hätten sich inzwischen so weit von der Grundlinie entfernt, dass ein katholisches Profil oft nur noch ganz schwer zu erkennen ist.

Dazu Benedikt XVI.:

„ … es sind eben die Kräfte des Zerfalls, die in der Menschenseele da sind. Hinzu kommt das Streben danach, beim Publikum anzukommen… Es geht dann entweder in die Richtung, dass man politischen Moralismus betreibt, wie es in der Befreiungstheologie und in anderen Experimenten der Fall war, um auf diese Weise sozusagen dem Christentum Gegenwärtigkeit zu geben. Oder es wandelt sich in Richtung Psychotherapie und Wellness, in Formen also, wo Religion damit identifiziert wird, dass ich irgendein ganzheitliches Wohlbefinden habe.
Alle diese Versuche gehen daraus hervor, dass man die eigentliche Wurzel, den Glauben, weglässt. Was dann bleibt … sind selbstgemachte Projekte, die vielleicht einen begrenzten Lebenswert haben, die aber keine überzeugende Gemeinschaft mit Gott herstellen und auch die Menschen nicht bleibend miteinander verbinden können. Es sind Inseln, auf denen sich gewisse Leute ansiedeln, und diese Inseln sind vergänglicher Art, weil die Moden bekanntlich wechseln.“

Ich frage, was hat das politische Verdammnis einer politischen Partei mit der eigentlichen Bestimmung der Kirche zu tun?

Die deutschen Oberhirten möchten beim Publikum der Mächtigen und des herrschenden linksliberalen Zeitgeistes ankommen. Mit ihrer Umhüllung von Moral oder des Moralismus spalten und verunsichern sie die Gemeinschaft der eigentlich noch Gläubigen. Die Kritik an der AfD macht sich hauptsächlich an deren Einstellung zur offiziellen Flüchtlingspolitik fest. Man spricht einer Partei einen Grundbestand der Menschlichkeit ab. So passiert es auch den „Gläubigen“, die sich kritisch zur „Willkommenskultur“ einstellen.

Benedikt XVI. hat auch davon gesprochen, „die wesentlichen moralischen Einsichten zu pflegen, sie als ein gemeinsames Gut zu wahren und zu schützen, ohne sie zwangshaft aufzuerlegen.“

Mit moralisierendem Zwang – Geistlicher Nötigung – kehrt man zu den politischen Kanzelverlautbarungen der Vergangenheit zurück. Das scheint mir aber noch eine Quisquilie gegenüber einer noch gefährlicheren Tendenz, nämlich die offizielle, unterwerfende Anbiederung an den Islam durch die angeblich noch christlichen Kirchen in Deutschland.

Wohin treibt meine Kirche?
Was bleibt noch von dem, in dem wir uns verwurzelt meinten?

Glaube, Liebe, Hoffnung?!


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Satire

RENT A MOB

Eine  Geschäftsidee von altmod

„Ob Flashmob, angemeldete Demonstration, Protestmarsch, Klein- und Störaktionen im öffentlichen und privaten Bereich, ob „hip“ oder „seriös“, wir organisieren Ihre Bekundung und geben ihr ein zwar verwechselbares aber durchaus personalisiertes und unvergessliches Gesicht.
“

Download unseres Flyers hier: http://altmod.de/wp-content/uploads/2017/03/Rent-your-mob-2017.pdf

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Gutmensch 2017

Beim Stöbern in verschiedenen Blogs (aktuell bei Conservo) bin ich wieder auf das Thema „Gutmenschen“ gestossen.
Es schien mir also Zeit, sich einmal wieder des Themas anzunehmen.

Wir erinnern: ein angloamerikanischer Psychiater hat schon mal das Gutmenschentum als eine psychiatrische Krankheits-Entität definiert: http://www.nonkonformist.net/1312/dr-lyle-rossiter-gutmenschen-klinisch-geisteskrank/

„Ein Gutmensch ist jemand, der sich eine ideale Welt erträumt in der er sich einredet zu leben oder leben zu können. Gutmenschen verhalten sich dabei schizophren, indem sie jeden, der nicht ihre Ansichten teilt zum Bösen in Menschengestalt erklären.“

Ich erinnere mich an meinen ersten Gebrauch des Begriffes. Dabei kam ich sofort in Konflikt mit Familienmitgliedern, als ich bei der Betrachtung der Lichterketten seinerzeit beim „Aufstand der Anständigen“ boshaft von „Gutmenschen und Heuchlern“ sprach.
Den evangelischen Pfarrer im Ort, manche befreundete Lehrer und Lehrerinnen, einzelne CDU-Mitglieder des Ortsverbandes hatte ich damals noch nicht in diese Kategorie eingeordnet. Aber was nicht war, musste dann doch noch werden.
Das habe ich denn erlebt, als ich hinterfragende Bemerkungen zu

Lichterketten,
Tafeln,
Alleinerziehenden,
Kopftuch,
Entwicklungshilfe,
Hartz-IV-Empfänger,
Junkies,
Palästinenser,
Halloween,
Bundeskanzlerinnen,
Familienministerinnen,
Norddeutschen Bischöfinnen;
Grünen,
Sozialdemokraten
usw.

machte. Und ich wurde, wenn nicht nur als ignoranter Idiot, Kapitalistenknecht, konservativer Betonkopf, Reaktionär, gar als eine Aufscheinung des Gottseibeiuns angegriffen.
Bin ich allein mit derartigen Erfahrungen?

Da gibt es einen katholischen Pfarrer aus Frankfurt, Herbert Leuninger, der den Gutmenschen gut predigen wollte. Das war schon 2000, als dieser Begriff erst so nach und nach in den allgemein polemischen Gebrauch kam. Nach Leuninger war es der pöse, pöse Jörg Haider, der den Begriff ins polemisch-Abschätzige brachte.

Zum äußeren Erscheinungsbild (Phänotyp) des Gutmenschen hat der Rechte ja auch seine vorurteilshafte Vorstellung: Ein männlicher Gutmensch hat eher bleichgesichtig zu sein, ist schon grauhaarig, hager, keine Wampe; beim weiblichen Geschlecht eher Weight-Watcher-geqälte Figur; bei beiden Weltschmerz-spiegelnder oder protestierend flammender Augenausdruck. Die öffentlich gezeigte Kleidung: Parka oder Jack-Wolfskin-Gewebe. Mann oft auch mit Bart, Frau mit grauem Kurzhaar (nicht diese lila oder Zwei-Farben-Matten der Konsum-Seniorinnen). Die rechte Hand immer wie zum Kerzenhalten leicht gekrümmt, aber schnell auch zur Droh-Faust wandelbar.

Fehlt was? Die Kommentar-Funktion ist freigeschaltet.

Die Recherche zum Thema „Gutmenschen“ führt einen zu zahlreichen Einträgen im Internet und Verweisen auf das ein oder andere Buch.
Die Bücher sind aber meist weniger beißend, als so manche Polemik im Netz – allen voran von Henryk Modest Broder bei Achgut oder Klaus Rainer Röhl.
Man glaubt es nicht, sogar im gutmenschlichen Basis-Medium „Die Zeit“ (gleichrangig mit Heribert Prantls „Süddeutsche“) findet man polemisch-Klärendes zum Thema:

„Um der Klarheit willen empfiehlt es sich, zwischen dem Gutmenschen und dem guten Menschen zu unterscheiden. Der Gutmensch ist schwer erträglich, weil er sich immer auf die moralisch unangreifbare Seite stellt. Aus seiner Unangreifbarkeit bezieht er Macht, sein äußerliches Gutsein aber verdeckt das potenziell Schändliche des Machthabens.
Der Gutmensch kämpft gegen das Rauchen im Namen des Gesundheitsgebots, gegen schnelle Autos im Namen der Klimakatastrophe, gegen Steaks im Namen des Regenwalds, gegen höhere Bildung im Namen des Gleichheitsgrundsatzes, gegen erfrischende Witze im Namen der Menschenwürde. Kurz: Er kämpft gegen alles, was Spaß macht, und man kann nichts gegen ihn sagen, weil er recht hat, dieser Rechthaber par excellence.“

Dr. Rossiter, der oben zitierte Psychiater führt auch aus:

„wie sich Gutmenschen die Schwächen und Ängste zunutze machen, indem sie der Gesellschaft einreden, daß bestimmte Gruppen benachteiligt wären und sie deshalb ein Recht auf Vorzugsbehandlungen oder sonstige Kompensationen hätten. Außerdem lehnten Gutmenschen die Eigenverantwortlichkeit des Individuums ab und ordnen das Individuum vielmehr dem Willen des Staates unter. Auch nährten Gutmenschen immer wieder die Gefühle von Neid und Mißgunst.“

Jan Fleischhauer hat mit seiner Polemik „Unter Linken“ das Gutmenschentum allgemein und in seiner persönlichen Umgebung (Familie) aufgespießt. 
Unter den klassisch Konservativen – somit unter „Rechten“ – stößt man selten auf Gutmenschen im Sinne der Definition. Das neuzeitliche Gutmenschentum ist ein linkes Phänomen (Sind z.B. Claudia Roth, Frau Göring-Eckardt keine Linken?).

Was die linke Einstellung ausmacht, dazu ein paar Zitate:

„die Mentalität, politische Gegner zum Abschuss freizugeben und sich dabei noch als das Opfer zu gerieren, die findet man links….“

meint Thomas Fink

Davila sagt:

„Die Linke versammelt all jene, die von der Gesellschaft die elende Behandlung erleiden, die die Natur ihnen zukommen ließ.“

„Gelehrsamkeit und Erfahrung sind die beiden unüberwindlichen Widersacher der Linken.“

Zum Kern stößt auch Norbert Bolz vor:

„Soziale Gerechtigkeit ist die Maske des Neids, Teamfähigkeit ist die Maske des Hasses auf die Ehrgeizigen und Erfolgreichen, Dialog der Kulturen ist die Maske der geistigen Kapitulation. Überhaupt das was man Political Correctness nennt, ist die aktuelle Rhetorik des Antichristen. Ich sage nirgendwo, wir müssen zurück zu einer christlichen Religion. Das Christentum steckt nicht mehr in den Köpfen und Seelen der meisten Menschen, aber so, wie eine Maschine mit den Worten Max Webers nicht nur Mechanik, sondern geronnener Geist ist, steckt das Christentum in unserer Kultur, und die ist wahrscheinlich besser als jede andere. Ich sage: es ist geistiger Selbstmord, eine solche Tradition aufzugeben.“

„Gutmensch“ wurde von der linken Jury der sog. Sprachkritischen Aktion aus Darmstadt zum Unwort des Jahres 2015 bestimmt.
Dem ist schon eine längere publizistische Kampagne vorausgegangen, in der sich ausgewiesene Gutmenschen wie die „Bischöfin“ Margot Käßmann und die schon erwähnte Katrin Göring-Eckardt zu Wort gemeldet hatten, um dem Gutmenschen zu gutem Stand zu verhelfen.
Hilfreich war dazu sicher auch der Artikel eines anmaßenden Schmierfinken von der WELT, der es endlich dokumentierte: „Wer Gutmensch sagt, ist Nazi!“
Der selbsternannte Sprachpolizist und Gesinnungs-Sniffer Matthias Heine, seines Zeichens „Feuilleton-Redakteur“ bei Welt-online nahm sich ausführlich des Begriffes „Gutmensch“ an und versuchte in einem breit ausgewalzten Artikel zu belegen, dass die Verwendung dieses Begriffes heutzutage obsolet sei:

„Gutmensch sagen eigentlich nur noch Nazis und Idioten ohne sprachliches Feingefühl. Und manchmal – immer noch – Leute, die eine Klammer auf der Nase haben und von dem üblen Geruch nichts mitbekommen …“

Der „Redaktor“ machte sich auch auf die Suche nach dem Ursprung des Namens bzw. der Bezeichnung und schaufelt da allerhand Historisches zu Tage. Er ging u.a. jüdischen Quellen nach, denn der Name kam im „K.-K.-Bereich und in Wien seinerzeit nicht selten vor – und er klingt ja irgendwie „derart“. Er musste aber dann so nebenbei feststellen, dass „die Zentrale Datenbank der Holocaustopfer von Yad Vashem keinen Gutmensch nennt“.
Da der garstige Friedrich Nietzsche sich einst schon zum Thema despektierlich äußerte – ich zitiere: „Diese ,guten Menschen‘ – sie sind allesamt jetzt in Grund und Boden vermoralisiert und in Hinsicht auf Ehrlichkeit zuschanden gemacht.“ – und da gestandene Nazis doch ihren Nietzsche kannten, müsste man doch dort Missfälliges finden können. Auch hier musste er mit gewissem Bedauern feststellen, dass z.B. das „Duisburger Institut für Sozialforschung“ nach eigenen Angaben keinen Hinweis gefunden hat, dass der Ausdruck irgendwann schon einmal in der Nazi-Propaganda verwendet wurde oder gar von Julius Streicher missbraucht wurde: „Die Duisburger Wissenschaftler fassen zusammen: Streichers Unterstellung von Gutgläubigkeit komme zwar dem Vorwurf gegenüber den Gutmenschen nahe, diese seien naiv und verblendet, doch bei Stürmer sei ganz offensichtlich etwas ganz anderes gemeint…“.

Aber was noch nicht ist, muss doch werden – und M. Heine stellt fest:

„… Es ist völlig egal, ob die Nazis von früher das Wort erfunden haben. Entscheidend ist, dass die Nazis von heute sich den Begriff angeeignet haben. Es gibt zwar immer wieder Versuche von besonnenen Leuten, Gutmensch zurückzuerobern, und mit etwas gutem Willen kann man Harald Martensteins Satz, der in der „Zeit“-Reklame zitiert wird, als einen solchen betrachten. Doch wenn ein Wort so oft von Rassisten im Munde geführt wird, bleibt an ihm der Pesthauch der ekeligen Gesinnung haften.“

Da haben wir es aber eingeschenkt bekommen, wir Nazis von Conservo und Jouwatch, von Philosophia Perennis und Altmod usw.

Da musste ich denn schon schlucken: Nazi oder Idiot, eklige Gesinnung. Fließt mir das Wort Gutmensch doch gelegentlich mal leicht aus der Feder oder von der Zunge, dachte ich.
Betreibe ich hier vielleicht doch einen “Nazi-Blog“?
Ich habe denn nachgeforscht und festgestellt, dass das Wort „Gutmensch“ in 25 Artikeln auf meinem gehackten Blog ein oder mehrmals vorkam; d. h. in 458 untersuchten Beiträgen, und das entspricht 5,45 % aller von mir veröffentlichten „Traktate“.
Das wäre bei strengster statistischer Analyse fast „signifikant“.
Ich habe dann dann mal genauer nachgesehen: 7 x wurde G. adjektivisch verwendet, 1 x als G.-tum. 10 x wurde G. in Einzahl oder Mehrzahl ausgeschrieben benutzt, mit folgenden Verknüpfungen: Premium-G. (2x), büßender G., Ober-G., Ober-G.-Schreiberling.
8 x war „Gutmensch“ in diversen Varianten in Zitaten oder Fremdartikeln zu finden; dazu wäre besonders mein Freund Herbert G. zu rügen gewesen.

Also, der „Pesthauch“ ist auch bei mir vorhanden und als gewissenhafter „Publizist“ muss ich demnach nach einer weniger stigmatisierten Formulierung suchen.

Katrin Göring-Eckardt hat, wie erwähnt, eine Lanze für die „Gutmenschen“ gebrochen und dabei auch vom „Gut-Bürgertum“ gesprochen. Das war 2011 war von ihr, damals „Präses der EKD“, bei Idea zu lesen:

„Mit diesem Begriff werden Personen bezeichnet, denen ein übertrieben moralisierendes oder naives Verhalten vorgeworfen wird. Dem Gutmenschen werde zu Unrecht „selbstgerechter Gesinnungskitsch“ vorgeworfen. Ihm gehe es vielmehr um „wertegebundene Einwände gegen die angeblichen Zwänge der Realpolitik“, schreibt Göring-Eckardt in einem Beitrag für die Wochenzeitung „Die Zeit“ (Hamburg). Wer weder mit der Erschießung Osama bin Ladens einverstanden gewesen sei noch eine triumphale Freude über den Tod des Massenmörders für angemessen gehalten habe, sei nicht „antiamerikanisch“, sondern fordere „einfach nur Demokratie und Rechtsstaat“, so die Politikerin. Dem „Gut-Bürgertum“ sei es zu verdanken, dass seit den 70er Jahren in der Öffentlichkeit über viele politische Themen diskutiert werde, etwa Auslandseinsätze der Bundeswehr, Atomenergie, Ökologie oder Einwanderung. Dabei seien „Gut-Bürger“ häufig bis ins Detail informiert, was beweise, „dass werteorientierte Politik alles andere als naiv und wirklichkeitsfern ist“. Göring-Eckardts Fazit: „Die Polemiker gegen den Gutmenschen tun so, als bräuchten wir weder Ideale noch gesellschaftlichen Zusammenhalt – noch die Zuversicht, dass der Mensch zum Guten fähig ist. Was für eine triste Welt das wäre!“

„Gut-Bürger“ oder „-Bürgertum“ mag uns das gefallen?
Fühlen wir Rechten uns doch als „Bürger“. Aber da wäre uns eine kommode Feindbild-Idee abhanden gekommen.

Ich bleibe bei „Gutmensch“, bei dem beliebten „stigmatisierenden Begriff“ für alle Willkommenskulturler und Teddybärenwerfer, die Leidverweser und Tränenreichen, die brav-militanten Umwelt-Retter, die Lichterketten-Organisatoren und -Teilnehmer, all jetzt die anti-Lutherschen protestantisch-Frommen, die Anhänger/innen der „Trump-macht-mir-Angst“-Sektion, usw., für alle, welche fortgesetzt in „selbstgerechtem Gesinnungskitsch“ leben und schwelgen, den wir Rechten und „Nazis“ so gerne aufspießen.

 

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