General Bernadotte unter der Decke

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Bei der Überschrift „Bernadotte unter der Decke“ denkt man an das erfolgreich verfilmte  Liebesverhältnis zwischen Bernadotte und Desirée. Die sich in Hammelburg abspielende Episode hatte aber nichts mit Liebe zu tun, sondern mit Lebensgefahr sowie mit menschlicher Größe und Hilfe.
Menschliche Größe zeigte zunächst nicht der französische General Bernadotte, sondern der Hammelburger Gerbermeister Michael Konrad Wankel. Er versteckte 1796 den erkrankten  General unter einer Decke auf seinem Reisewagen und brachte ihn durch die rund um Hammelburg angelegte Kette  marodierender Bauern in Sicherheit. Ansonsten wäre es um  Leib und Leben des Generals schlecht bestellt gewesen.
Soweit der Sachverhalt !  Die Legende hat aus der Episode eine Mistgabeljagd Rhöner Bauern auf den französischen General gemacht. Die Bauern waren allerdings zu Recht aufgebracht. Allein auf dem Oberleichtersbacher Rasen zwischen Hammelburg und Brückenau lagerten 30.000 Franzosen der Revolutionsarmee unter dem Oberkommando des Generals Jourdan. Die Franzosen hinterließen geplünderte Häuser, zerstörte Dörfer, Verwundete, Kranke und Tote – aber auch viele Lebende in Gestalt unehelicher Kinder. „Schurdansluder“ blieb in der Gegend lange ein Schimpfwort.
Nachdem General Jourdan in den Schlachten von Amberg und Würzburg durch den fähigen österreichischen  Erzherzog Karl geschlagen war und sich auf dem Rückzug befand, versuchten sich die Bauern zu rächen bzw.  Ersatz für ihre Schäden in eigener Regie zu holen. In diese Situation kam General Bernadotte, als er aus Krankheitsgründen seine Abteilung in Schweinfurt verließ und über Hammelburg nach Westen in die sichere Etappe reiste.
Aus beiden Beteiligten der Episode ist noch etwas geworden. Bernadotte wurde König von Schweden, Michael Konrad Wankel bayerischer Landtagsabgeordneter. Als der schwedische Gesandte in München 1820 erst gerüchteweise und anschließend im persönlichen Gespräch mit Wankel diese Geschichte erfuhr, berichtete er sofort seinem König. Die königliche Antwort kam spontan in Gestalt des schwedischen Wasa-Ordens für den  bayerischen Abgeordneten Michael Konrad Wankel.

J.H.

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