Die Karls-Universität in Aschaffenburg

Kaderschmiede des Bonapartismus?

„Hochschulstadt Aschaffenburg“ dröhnt es aus dem Lautsprecher des Hauptbahnhofs. Hochschulstadt ist Aschaffenburg zum zweiten Mal, heute mit einer jungen und schon renommierten Fachhochschule. Von 1808 – 1814 war Aschaffenburg sogar Universitätsstadt. Hier errichtete der Fürstprimas des Rheinbunds Karl Theodor von Dalberg seine Karls-Universität.
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Als Handlanger Napoleons bei der Zerstörung des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation ging Dalberg in die öffentliche Meinung des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein. Dalbergs Kollegen im Rheinbund, an der Spitze die neuen Könige von Napoleons Gnaden in Bayern und Württemberg, hatten rechtzeitig die Front gewechselt. Dalberg musste nach 1814 alleine die Rolle des Sündenbocks für die napoleonischen Verirrungen der Deutschen spielen, mit der Aura des Vaterlandsverräters. Sein Primatialstaat, das Großherzogtum Frankfurt, mit dem Fürstentum Aschaffenburg, wurde aufgelöst – und in der Folge auch seine Karls-Universität.
Entstanden ist die Karls-Universität als Ersatz für die 1798 liquidierte Universität Mainz. Mainz wurde nämlich 1797 französische Stadt. Viele Professoren ergriffen die Flucht, allen voran die Juristen, gefolgt von Philosophen und Theologen. Aschaffenburg, die Sommerresidenz des Mainzer Erzbischofs, bot sich als Ziel an. Als Dalberg 1802 zum Erzbischof und Kurfürsten von Mainz gewählt wurde, sammelte er in seiner Residenz Aschaffenburg die vertriebenen Professoren und Studenten um sich und gründete schließlich 1808 in aller Form die Karls-Universität. Zugute kam dem Studium, dass Dalberg Erfahrung mitbrachte: An der Würzburger Universität war er Rektor, an der Erfurter Erzkanzler gewesen. Geldmangel bremste jedoch den Höhenflug in Aschaffenburg.
Schon aus der Entstehungsgeschichte ergibt sich, dass die Aschaffenburger Universität keine Kaderschmiede des Bonapartismus war. Im Gegenteil: Grundsolide und doch aufgeklärt, wie ihr Schöpfer Dalberg war auch die Universität. Dalberg hatte aber seinen Staat nach französischem Muster organisiert. Dies trug der Juristenfakultät, die die staatlichen Führungskräfte ausbildete, den Franzosen-Ruf ein. Eine der ersten bayerischen Maßnahmen war 1814 die Schließung der juristischen Fakultät. Die Theologen hingegen überlebten noch bis 1823.

J.H.


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