Margot Käßmann – die Medienwirksame

screenshot SPON

 

Ich habe in meinem Archiv nachgesehen, was seit 2009 alles unter „Käßmann“ abgespeichert ist. Aus aktuellem Anlass möchte ich hier eine kleine Text-Sammlung veröffentlichen und am Schluss aber nur kurz auf das aktuelle Geschehen eingehen. Denn es rauscht gerade gewaltig im Blätterwald und im Cyber-Space – und es wird noch einiges an Delikatem nachfolgen.

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Käßmann neue EKD-Vorsitzende

(Vom 28.10.2009)

Ich erlaube mir mal, mich als Katholik unmaßgeblich zur Wahl von Frau Käßmann als höchste Repräsentation der evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) zu äußern.
Man hörte und las, dass Frau Käßmann durchaus Ökumene- und „Katholika“ – kompatible Ansichten hat und vertritt.
Sie äußert sich gegen Halloween als Konsumerereignis und Ausdruck der Spaßgesellschaft, duldet Nikoläuse im Kaufhaus erst im Advent, kämpft gegen kommerzialisierte Sterbehilfe und hält sich und alle Evangelischen „für Papst“.

Weiteres ist dazu nachzulesen in einem Artikel auf Welt-Online:

„Dass sie sich dabei nicht auf Fraktionen festlegt, macht sie mehrheitsfähig. Fast alle können sich mit ihr identifizieren. Die Lutherischen betrachten sie als eine der ihren, die Unierten freuen sich an ihrer innerevangelischen Konfessionstoleranz. Die Evangelikalen lieben ihre Erzählgabe und ihre Sinn für praktizierte Frömmigkeit, die Linken ihre sozialpolitische Schärfe, die Konservativen, dass Käßmann in der Bioethik sehr streng ist und sich gut mit Ursula von der Leyen versteht. Und all diejenigen, die sich um die Attraktivität des Protestantismus sorgen – das sind in Zeiten des Migliederschwunds wahrlich nicht wenige – begeistern sich für Käßmanns öffentliche Ausstrahlung.“

Wer wurde da gewählt?
Die Vorsitzende einer untergehenden Partei (a la SPD), die dieser aufgrund ihrer Medienwirksamkeit und – Konformität neue Mitglieder zuführen könnte?
Oder ein(e) „Praeceptor(ia) Ecclesiae Evangeliae“? Nur, von „Ecclesia“ kann man meines Erachtens bei der evangelischen Kirche Deutschlands ohnehin nicht mehr sprechen.

Ich bin überzeugt, man feiert eher das Glück, irgendwie eine(n) öffentlich taugliche(n), Medien-konforme(n) Vorsitzende(n) für ein Unternehmen gefunden zu haben, das aus der drohenden Insolvenz zu retten ist.

„Evangelische als Papst“: Nur Vor-Reformatorische Päpste haben sich (Ehe-)scheiden lassen können. Ehe-Scheidung war auch der Anlass, der zur Abtrennung von Rom und zur Gründung der Anglikanischen Kirche durch Heinrich VIII. von England geführt hatte. Ich meine aber, es ist zuviel der Ehre, die flotte Frau Käßmann auch nur mit irgendeinem Renaissance-Papst oder mit Heinrich dem VIII. in einen Bezug zu stellen.

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„Die besoffene Bischöfin“

(vom 23. Februar 2010)

Am 23.02.2010 berichtete Bild, dass „Bischöfin“ Käßmann von der Polizei bei einer Trunkenheitsfahrt aufgegriffen wurde.
Der Spiegel griff noch am selben Tag das Thema auf und berichtete umgehend darüber und es kann allenthalben auf Spiegel-Online nachgelesen werden.

Bemerkenswert erscheint die Verargumentierung von Frau Käßmann: „0,6 Liter Wein ergeben bei meinem Körpergewicht die 1,54 Promille“.
Ein Aussage, die natürlich von mir „aus dem Zusammenhang gerissen wurde“.
0,6 Liter Wein – ist das die Menge, die sie beim „Abendmahl“ zu sich nimmt?

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„Die Sünderin“

(Vom 01.03.2010)

Nein, es geht nicht um dem so betitelten Skandal-Film aus dem Jahr 1951 mit Hildegard Knef, in dem es um die Themen wilde Ehe, Prostitution, Vergewaltigung, Sterbehilfe und Selbstmord ging. Aber hat sich die Käßmann nicht zu jedem dieser Themen nicht schon einmal geäußert?

Was hat wohl den Spiegel dazu gebracht, nach dem Fall dieser „Bischöfin“ einen Artikel mit der Überschrift Aufstieg einer Sünderin herauszugeben?
Nachgerade die verantwortlichen Spiegelredakteure lagen wohl ebenfalls bei etwa 1,54 Promille Sprit-Gehalt, als sie formulierten:

„Mit dem Fall Käßmann ist erneut die Frage aufgerufen, wie eine Gesellschaft und wie einzelne Mitglieder mit Schuld und Sühne umgehen. Es ist ein sehr deutsches Thema, weil die Schuld aus Holocaust und Weltkrieg hierzulande immer wieder Debatten ausgelöst hat.“

Schuld und Sühne…, dass ich nicht lache. Die Frau war besoffen Auto gefahren, ist erwischt worden und nun wird sie halt an ihren stets und lautstark vertretenen moralischen Ansprüchen gemessen.

Da fällt mir das folgende Zitat von Friedrich Nietzsche ein – “Der Punkt der Ehrlichkeit beim Betruge” (in “Menschliches, Allzumenschliches“):

Bei allen großen Betrügern ist ein Vorgang bemerkenswert, dem sie ihre Macht verdanken. Im eigentlichen Akte des Betrugs, unter allen Vorbereitungen, dem Schauerlichen in Stimme, Ausdruck, Gebärden, inmitten der wirkungsvollen Szenerie überkommt sie der Glaube an sich selbst: dieser ist es, der dann so wundergleich und bezwingend zu den Umgebenden spricht.”

Dazu ein Auszug von Leserbriefaussagen zu diesem SPON-Artikel:

„Von den Qualitäten dieser Bischöfin war nicht jeder so sonderlich überzeugt. Die rumänisch-orthodoxe Kirche hatte mit ihr zu tun und hat dann die Gespräche mit ihr abgebrochen. Auch die Katholiken hat sie vor den Kopf gestoßen mit ihren Papstäußerungen.“

„Aber was soll der ganze Krampf eigentlich? Eine Bischöfin hat sich genauestens an die konfessionellen Regeln zu halten. Das muss man von einer Bischöfin erwarten können. Und auch müssen. Sonst hätte sie eben bei den Grünen oder bei der Piratenpartei oder beim FC St.Pauli oder sonstwo anheuern müssen. Da kann sie das alles tun. Dort predigen sie auch alle kein Wasser.“

„Sie hat bei der Kirche angeheuert und als Christin grandios versagt. Sie ist eine geschiedene Trinkerin mit Lover, die in der Fastenzeit besoffen Auto fährt. Das geht als Bischöfin einfach nicht. Wieviel Abstand zu den konfessionellen Regeln sollte denn der evangelische Christ noch bei ihr bewundernd beobachten sollen? Dass sie mal ab und zu einen Joint durchzieht? Eine Line snifft? Einen Callboy auf’s Zimmer holt?“

„Jesus Christus ist das Leitbild für eine Bischöfin. Und nicht der Friedmann, oder der Otto Wiesheu.“

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Preis für „Zivilcourage“

(Vom 23.02.2011)

Ein Jahr nach dem „Sündenfall“ der Bischöfin Käßmann kann der Spiegel berichten:

Die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann, erhält für ihren Rücktritt nach einer betrunkenen Autofahrt den Europäischen Kulturpreis für Zivilcourage. Die von der Kulturstiftung Pro Europa ausgelobte Auszeichnung wird am 4. März in der Frankfurter Paulskirche verliehen. Zur Begründung heißt es, Käßmann habe sich zu ihrer persönlichen Verantwortung bekannt und die Konsequenzen gezogen. Damit habe sie erheblichen Mut bewiesen und sei zum Vorbild für andere Personen des öffentlichen Lebens geworden. Käßmann war im Februar vergangenen Jahres mit mehr als 1,5 Promille Alkohol im Blut am Steuer ihres Wagens gestoppt worden. Sie hatte daraufhin den Ratsvorsitz und ihr Amt als Landesbischöfin niedergelegt.

Das ist keine Zeitungsente oder Zeitungs-Satire, es ist Realsatire, was diese „Kulturstiftung“ herausgebracht hat.

Für Zivilcourage gibt es viele Definitionen oder Versuche, das Phänomen in Worte zu fassen.
Nach einer Definition müssten zwei Kriterien erfüllt sein, um ein Verhalten als zivilcouragiert zu bezeichnen: Einerseits muss in der Handlung ein öffentliches Engagement für demokratisch-zivilgesellschaftliche Grundwerte zum Ausdruck kommen, andererseits muss die Handlung persönlichen Mut erfordern, also mit gewissen Risiken für die handelnde Person vorhanden, verbunden sein.“ Im Brockhaus (1998) heißt es: „Zivilcourage – Mut, die eigene Überzeugung stets zu vertreten.“ Der Duden definiert Zivilcourage als ein mutiges Verhalten, mit dem jemand seinen Unmut über etwas, ohne Rücksicht auf mögliche Nachteile, gegenüber Obrigkeiten, Vorgesetzten oder etwas anderem zum Ausdruck bringt.

Da kann man jetzt gut und gerne darüber sinnieren, was Frau Käßmann nach diesen Definitionen auszeichnet.

Saufen und Autofahren und erwischt werden: „Öffentliches Engagement für demokratisch-zivilgesellschaftliche Grundwerte“?

Ich lasse das und schließe mich einem Kommentator an:

„Warum sollte man einer lautstarken Ex-Bischöfin nicht den „Preis für Trunkenheitsfahrten“ verleihen? Sie hat ihn sich doch nachgewiesenerweise verdient. Den Kuratoren steht vermutlich dieser Preis auch zu, denn man kann sich diese Wahl nur dadurch erklären, daß Sie einen noch höheren Alkoholpegel hatten.

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„Beten mit den Taliban“

(Vom 06.06.2011 – nach dem Kirchentag von Dresden))

Die Medien überschlagen sich wieder mit Elogen auf die Ex-Bischöfin. Die eigentliche Botschaft, die von einem evangelischen Kirchentag ausgehen sollte, geht dabei in der Wahrnehmung des Publikums unter. Das müsste mich als Ultramontanisten eigentlich auch nicht interessieren, doch geht es aber irgendwie schon um „Christentum“. Beim flüchtigen Lesen der Presseartikel z.B. in der FAZ oder auf einigen Online-Formaten nimmt man den Eindruck mit, es hat sich da um eine Parteiveranstaltung der Grünen oder einer bestimmtem SPD-Gliederung gehandelt mit der Themenstellung „Lesben und Schwule, das ist gut so im Pfarrhaus“ oder „Der Feminismus hat gesiegt, an allen Fronten.“
So hat sich denn die heilige Margot von den Weinstöcken erneut zur Front am Hindukusch geäußert.
Das christliche Magazin MEDRUM fragt:

Wann betet Margot Käßmann mit den Taliban?

(MEDRUM) Margot Käßmann äußerte sich auf dem Evangelischen Kirchentag erneut über Afghanistan. Sie hält es für eine gute Idee, auf Gewalt zu verzichten und bei Kerzenlicht mit den Taliban zu beten.
Margot Käßmann zeigt sich auf dem 33. Evangelischen Kirchentag in Dresden als streitbereite Kirchenfrau. Bei einer Veranstaltung sprach sie auch über Afghanistan und trat für konsequente Gewaltlosigkeit ein. Die ehemalige Bischöfin hatte bei Predigten zur Jahreswende 2009 zum Konflikt in Afghanistan erklärt, nichts sei gut in Afghanistan, es sei mehr Fantasie nötig. Zum Ratschlag des ehemaligen Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages, in einem Zelt mit den Taliban bei Kerzenlicht zu beten, erwiderte sie jetzt, dies sei „offen gestanden“ eine „wesentlich bessere Idee als die Bombardierung von Tanklastwagen“ in Kundus. Käßmann kritisierte ebenso den Militäreinsatz gegen den libyschen Diktator Muammar al-Gaddafi. Mit Bomben könne man keinen Frieden schaffen, meinte Käßmann, die auch die Aussetzung der Wehrpflicht begrüßte.

Käßmann ließ offen, was sie konkret getan hätte, um die Bombardierung von libyschen Bürgern zu verhindern, die sich im Protest gegen das Regime von Gaddafi erhoben hatten, aber von Gaddafis Truppen niedergeschossen und bombardiert wurden. Die Kirchenfrau ließ auch offen, wann sie zu den Taliban gehen wird, um mit diesen gemeinsam im Kerzenlicht zu beten.

Ein schöne Vorstellung, Frau Käßmann mit Gebetsteppich bei den Taliban. Ob sie dort auch Lesungen und Autogrammstunden mit ihren neuesten schöngeistig-frommen Büchern abhält?

Matthias Matussek hat dazu eine treffende Polemik abgefasst, die wiederum bei Spiegel-Online erschien.

„Die meisten … Kirchentag-Groupies gehen nur noch selten in Kirchen, die sind doof und langweilig, aber von Margot Käßmann haben sie alle gehört. Die Dame mit dem Angorapulli und dem Perlenkreuz auf den zahllosen Bestsellern, die alle irgendwas mit „Sehnsucht“ heißen. Ja, genau, die mal zu viel getrunken, richtig, und dann so grandios zurücktrat, genau die. Käßmann also predigte wieder Politik. Sie ist der Paolo Coelho der Pastoren. Ihr Jesus ist diese langhaarige Kitschfigur mit dem schmachtenden Blick, die alleinerziehenden Müttern hilft und ansonsten mit der PDS gegen Entrechtung und Krieg marschiert.
Nun sagt sie gestern, genau an diesem Tag, an dem ein weiterer Bundeswehrsoldat in einen Hinterhalt gelockt wurde: Man solle beten mit den Taliban, statt sie zu bombardieren. Gute Idee, sagt man sich da prompt, sofern es gelingt, sich mit ihnen um ein Kreuz zu gruppieren, ohne die Kehle aufgeschlitzt zu bekommen, denn die Taliban diskutieren sowieso ungern über „Zeitströmungen“ und von Frauen, die beim Beten den Ton angeben, halten sie gar nichts.
….
Allerdings ist zu beachten, dass es neben dem Tötungsverbot auch noch das achte Gebot gibt: „Du sollst kein falsches Zeugnis geben“. Da wir ja auf dem Kirchentag sind, sollte man auch hier eine modische Übersetzung versuchen. Sie könnte lauten: Du sollst keinen scheinheiligen Stuss erzählen.

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Es wurde dann etwas ruhiger um die ehemalige „Bischöfin“, bis sie denn in einem FAZ-Artikel Martin Luther als Antisemiten geißelte und gar zur Botschafterin der EKD für das Luther-Jahr ernannt wurde.
Es konnte nicht ausbleiben, dass Margotchen nicht wieder eine Dummheit von sich gab – und was war das geeignete Forum? Der jüngste sogenannte Kirchentag der Evangelen.

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Kleiner Arierparagraph – Bibelarbeit zur AfD

(Vom 29.05.2017)

„Zwei deutsche Eltern, vier deutsche Großeltern: ‚Da weiß man, woher der braune Wind wirklich weht“ soll sie in einer „Bibelarbeit“ am jüngsten Kirchentag in Bezug auf AfD gesagt haben.
Nein, rufen die Käßmann-Fans und -Apologeten: mit Bezug auf diese Aussage verleumden AfD, Broder, Tichy und Erika Steinbach usw. Margot Käßmann als Rassistin.
Man unterstellt den Genannten, sie hätten durch Verkürzung und Weglassung der Aussagen von Käßmann ihre Botschaft verfälscht. Margotchen hätte in Bezug auf die AfD gemeint – und so berichtete dies auch der evangelische Pressedienst: „Dass diese Partei eine „Erhöhung der Geburtenrate der einheimischen Bevölkerung“ fordere, so Käßmann, entspreche dem „kleinen Arierparagraphen der Nazis: Zwei deutsche Eltern, vier deutsche Großeltern – da weiß man, woher der braune Wind wirklich weht.“

Der Bezug auf den Arierparagraphen gelte als Akt der Maßregelung im Blick auf die AfD, meinen die Wohlmeindenden. Käßmann wehre sich jetzt gegen „verfälschte“ Meldungen z.B. über Twitter.
Ob sie auch den EKD-eigenen Evangelischen Pressedienst (epd) belangen will, ließ sich bisher nicht ermitteln.

Irgendwie scheint die Luft für Margot nun aber dünner zu werden. Auch wenn in den ihr gewogenen Qualitätsmedien noch so manche Kommentar-Finten zu erwarten sind. Aber: Geburtenrate, Arierparagraph – darf man das überhaupt noch in den Mund nehmen? Auch wenn man als Ikone des Gutmenschentums und der PC gefeiert wird? Auch wenn dies in einer „Bibelarbeit“ ausgesprochen wird – gar unter dem Auspizium der „Bibel in gerechter Sprache“?

Ein Auszug aus einem Kommentar von Michael Klonovsky:

„Was für eine gemütsverrottete, was für eine abbruchwürdige, was für eine sturmreife Kirche, die solches in ihrer Mitte schwären und eitern lässt! Man versteht täglich immer besser, warum das evangelische Milieu bei den Nazis besonders begeistert mitzog, auf welcher Psychomotorik sein geiler Konformismus beruht(e). …“

Zum Thema Nazis und evangelische Kirche erlaube ich mir durchaus, auch auf meinen Artikel zum Untergang des protestantischen Pfarrhauses zu verweisen: „Das protestantische Pfarrhaus“.

Gibt es eine entkreuzte Ökumene mit dem Islam?

Eine Begegnung am Sonntag „Misericordia dominis“ – oder:

Fragen an einen evangelischen Bischof

Am Rande eines gemeinsamen Auftritts kultureller Art zu diesem Tag kam ich durch Zufall mit einem pensionierten Bischof und ehemals sehr hohen Repräsentanten der EKD ins Gespräch.
Die Ökumene und der interreligiöse Dialog seien in den letzten Amtsjahren quasi sein Lebenswerk gewesen, erzählte er mir. Mit großem Glück erfülle ihn nun die Meldung, die man der Tagesschau entnehmen konnte, dass sich bei seinem Besuch in Ägypten Papst Franziskus und christliche Kleriker mit dem Leiter der Al-Azhar-Universität, dem „Großimam“ der Sunniten, Scheich Ahmed al-Tajjib getroffen haben.
„Endlich, endlich, ein epochaler Durchbruch…“, meinte mein Gesprächspartner. Der Imam habe nun klar geäußert, der Islam sei „keine Religion des Terrorismus, weil eine Minderheit unter seinen Anhängern einige seiner Texte an sich gerissen hat“. Das erfülle ihn mit Glück, denn er kenne doch nur Muslime, die den Frieden durch ihren Glauben betonen.
Ich wollte nicht in ein Streitgespräch kommen und uns die Begegnung verderben und äußerte nur, daß mein Blick auf den Islam skeptischer sei.
Ich bin ja auch kein Theologe.
Ich wollte nicht darauf hinweisen, daß der jetzige Papst bei einem Besuch des Imam im Vatikan im vorigen Jahr über den Schutz der Christen in dessen Land gesprochen habe und man dennoch jüngst an Ostern eines der spektakulärsten Massaker an koptischen Christen in Ägypten erleben musste. Ĭch wollte ihn nicht nach der Einstellung anderer Koranlehrer z.B. der „Universität“ von Ghom im schiitischen Iran fragen, nicht nach der saudischen Staatsreligion des fundamentalistischen Wahhabismus; oder nach dem Prinzip der Taqīya, der erlaubten Lüge im Sinne des Koran.
Ich wollte den ehemaligen Bischof auch nicht fragen, ob auch er bei einem Besuch des Tempelbergs in Jerusalem sein Bischofskreuz abgelegt hätte – und wohin eine „entkreuzte Ökumene“ mit dem Islam führen soll. Das wäre vielleicht bei diesem lauteren und recht sympathischen Gesprächspartner beleidigend gewesen.
Also bitte, man verstehe: keine Feigheit meinerseits und man fällt nicht mit der Tür ins Haus; auch wenn ich andeutete, dass immer noch mein Papst Benedikt heiße.
Nein man muss nicht bei der ersten Begegnung und wenn man mit Überzeugung gemeinsam eine Choralversion des „Psalms 23“ und „Aus dem Dankelied zu Gott“ von Josef Haydn singen will, seine kontroversen Sichtweisen zur angeblichen Religion des Friedens gleich angestrengt „diskurrieren“.
Meine bisherigen „ökumenischen“ Begegnungen im Lutherjahr sollen mich in meinem katholischen Bewußtsein offensichtlich bestärken.

Das haben wir dann doch gemeinsam gesungen:

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

Psalm 23

„Führe uns nicht in Versuchung – und erlöse uns von dem Bösen“

Ergänzung zu einem Artikel von Peter Helmes auf Conservo

Christus oder Satan? Evangelischer Kirchentag 2017 – Gottlos und zum Fremdschämen

Nach der Auslegung des zentralen Gebetes der Christenheit, dem „Vater unser“, ist mit dem Bösen die Person Satans gemeint. Im Persönlichen bitten wir Gott, den Versuchungen des täglichen Lebens, den Einflüsterungen des Bösen zu entkommen und diese ans Licht bringen zu können. Im Weiteren beinhaltet die Bitte, das Böse in der Welt, das Böse um uns herum, einzudämmen.
Das Böse ist in der Geschichte der Menschheit in vielfältiger Form aufgestiegen. Die Vergangenheit sollte uns aber nur bedingt interessieren. Uns muss die Gegenwart mit ihren stetigen und immer neuen Erscheinungsformen und Ankündigungen des Bösen beschäftigen.

Es besteht kein Zweifel, dass im Namen des Christentums Niedertracht und übelste Ruchlosigkeiten begangen wurden. Es ist nicht abzustreiten, dass Perioden, in denen das Christentum mit gesellschaftlicher und politischer Herrschaft verbunden war, oft genug besonders gewalttätige Epochen waren. Die Verknotung von Religion und Politik gebiert unzweifelhaft besonders mühelos Gewalt und Verbrechen, welche dann mit dem Bezug auf die Religion gerechtfertigt werden.
Dies macht gerade den besonders gefährlichen Charakter des Islam aus, wie es sich, ohne zweifeln zu müssen, erwiesen hat.

In unserem angeblich säkularen Staat machen sich christliche Hirten und ehemalige Pastoren im Offizium der Politik wieder einmal anheischig, sich mit „theologischen“, besser pseudoreligiösen Bekundungen zum Erfüllungsgehilfen und Büttel eines sich inzwischen mehr und mehr autoritär gebenden Staates zu machen und damit gesellschaftliche Ausaneinandersetzungen zu befeuern. Sie überschreiten inzwischen die bisher durchaus geltenden Grenzen zwischen Staat und Kirche.

In einem Aufsatz schrieb Thorsten Hinz auf JF z.B. über die Allüren des ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck:
„Wenn der gelernte Pfarrer und amtierende Bundespräsident Gauck, dem die Repräsentanz des Staatsvolks als Gesamtheit obliegt, ein „helles“ von einem „dunklen Deutschland“ unterscheidet, dann übersetzt er den politischen Gegensatz … in einen theologischen Gut-Böse-Dualismus und erklärt den Gegner, den Andersdenkenden, zum absoluten Feind, der aus dem Ganzen ausscheidet.
Denn wer das schlechthin Böse vertritt, verwirkt logischerweise seine Rechte und darf sich nicht wundern, wenn er zum Zielobjekt von Gewalt wird, die sich als die Gegen-Gewalt des Guten legitimiert.“

Folgt man den „Hirten“ der deutschen Kirchen, ist mit Pegida und besonders der AfD der „Gottseibeiuns“ in deutschen Landen leiblich auf der Bildfläche erschienen. Dazu siehe auch „Hirtenworte“ bei altmod.de
Bischöfe verdammen die Sympathie und Gefolgschaft für die AfD als unchristlich.
Eine obskure Gemeinschaft, die sich ACK – Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen nennt (Motto „Unser Kreuz hat keine Haken“) und sich nicht scheut, die linke terroristische „Antifa“ mit an Bord zu nehmen, ruft zu Demonstrationen gegen die AfD auf. Die offizielle Kirche in Köln läßt dazu in perfider Weise „Fürbitten“ beten und sprechen:
„Barmherziger Gott, wir leben aus deiner Zusage, daß jeder Mensch kostbar ist. Der Regenbogen, den du in die Wolken gesetzt hast, der österliche Bund des Friedens und der Versöhnung kennen keine Grenzen. Und doch erleben wir Menschenverachtung, Nationalismus und Intoleranz. Menschen werden als ‘Fremde’ ausgegrenzt. Gib uns Kraft, die Würde jedes Einzelnen zu achten. Erneuere und stärke uns alle durch den österlichen Blick des Friedens aufeinander.“

„Dem Widerspruch wohnt kein liturgisches Mandat inne“, schreibt dazu treffend Alexander Kissler bei „Cicero“.

„Jeder Mensch ist kostbar …“ – nur offensichtlich die nicht, welche sich zur AfD bekennen“!?
Wo bleibt die Achtung vor der Würde dieser Menschen, die sich für eine demokratisch legitimierte Partei einsetzen – der mitnichten „Menschenverachtung, Nationalismus und Intoleranz“ nachgewiesen werden kann?
Wo der „österliche Blick des Friedens“, wenn man zu Demonstrationen aufruft, wohlwissend, dass es dabei zu Gewalttätigkeiten gegen die gleichwohl von der Kirche verfemte Gruppe von Menschen kommen wird?

Wenn wir Christen das „Vater unser“ beten, beinhaltet der Satz „und erlöse uns von dem Bösen“, auch die Bitte um das wertvolle Geschenk des Friedens.
Warum beteiligen sich die Kirchen an der Aussaat des Unfriedens?

„In der Krise wächst die Neigung, den Meinungsgegner zum Dissidenten zu machen, zum Abgesonderten, und das geschieht wirksam durch moralische Ächtung. Der so zum Schweigen Gebrachte kann wie der Tote weder anklagen, noch sich verteidigen, noch Zeugnis ablegen.“ so Arnold Gehlen in „Moral und Hypermoral“.

Die Kirche versagt in der gegenwärtigen Krise, in welche unsere Welt von einer ideologisierten und Vernunft-fernen Politik gestürzt wurde – und sie beteiligt sich noch aktiv daran. Und so wird sie sich wieder mitschuldig machen, wenn aus Meinungs-Toten tatsächlich „um-das- Leben-Gekommene“ werden.

Deutschland – Lutherland

Allerlei Firlefanzereien

Es muß ein jeglich Land seinen eigenen Teufel haben,
Welschland seinen, Frankreich seinen.
Unser deutscher Teufel wird ein guter Weinschlauch sein
und muß Sauf heißen, daß er so durstig und höllisch ist,
der mit so großem Saufen Weins und Biers
nicht kann gekühlt werden.
Martin Luther

 

Fährt man derzeit durch deutsche Lande, sieht man fast in jeder protestantisch gefärbten Ortschaft, wie auch in den großen Städten Plakate zu Aktivitäten mit dem Titel. „Deutschland – Lutherland“. Das soll zeigen, dass man das Lutherjahr eingehend und würdig zu begehen gedenkt. Geht man dem nach, könnte man den Eindruck gewinnen, es sei gar schon ein Wettbewerb dahingehend ausgebrochen, wer und wie hier jemand einen Kreativitätspreis erringen könnte: Den „Luther Award 2017“ oder den „Goldenen Bimbam“, für die erfindungsreichste Inszenierung aus einem protestantischen Pfarrhaus oder von der Gemeinde.
Über allem steht natürlich die Evangelische Kirche Deutschlands (EKD), welche die uns so tiefsinnig bekannte Professorin Dr. Dr. h.c. Margot Käßmann als Botschafterin des Rates der EKD für das Reformationsjubiläum 2017 bestimmt hat.
Lalleluja!
Das ist natürlich aller Beachtung würdig und in unserer Medien-dominierten Zeit garantiert einen „Bambi“ oder die „Goldene Henne“ wert. Fragt sich dann für wen, für Käßmann oder die EKD?
Es gibt eine eigene Internetseite zum Lutherjahr, auf der man sich über alle Veranstaltungen und „Events“ informieren kann.
Selbstredend wurde der 31. Oktober, der Reformationstag, für dieses Jahr zum nationalen Feiertag erklärt. Rund 55 Millionen Euro wurden für die Festlichkeiten und eine ganze Lutherdekade mit Konzerten, Vorträgen, Sonderausstellungen, Pilgerreisen bereitgestellt, nicht zuletzt, damit Touristen zu den Luther-Stätten pilgern, die hauptsächlich in den fünf neuen Bundesländern liegen.


Luthersocken und Playmobil-Luther

„Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ist bemüht, für das Ereignis kräftig zu trommeln. Marketingexperten scheinen die Hoheit über den Verkauf des Reformators gewonnen zu haben: 500?000 Exemplare einer Playmobilfigur „Luther“ sollen bereits verkauft sein.
Von Luther in Keksform, Luther als Lutscher, Socken mit dem Aufdruck „Hier stehe ich …“ und Internetseiten mit der Domain „3xhammer.de“ – kann man auf der Seite „Christ in der Gegenwart“ erfahren.
Die Stadt Nürnberg hat die Playmobil-Figur gar zu ihrem „Botschafter für das Lutherjahr“ erwählt.


Lutherwege

Man muss da gar nicht nach Mitteldeutschland reisen – nach Sachsen-Anhalt oder Thüringen – um einem Luther-gemäßen Fremdenverkehrs-Spektakel unter dem „spiritus loci“ folgen zu können.
In Hessen hat man einen Lutherweg geschaffen, als wenn es im Lutherland im Osten nicht schon genug dieser Wege gäbe. Landauf, landab werden also alte „Lutherpfade“ ausgelotet und den Ungläubigen als Event-Okkasionen angeboten.

 

Lutherbier und Schmalzbrot

In Oldenburg begann man das Lutherjahr am 1. Januar mit einem Gottesdienst und warb dazu mit anschließendem „Lutherbier und Schmalzbrot“.
Nicht bierernst nehme man bitte meinen Hinweis auf die SPD, die gerade zum Ende der „Lutherdekade“ auch einen Martin als „Reformaator“ und ihrem Spitzenkandidaten nominiert hat.


Projekt der Tausend Stimmen – Luther Pop-Oratorium

Ein Chorprojekt, das mit regionalen Chören aus 1500 bis 2500 Stimmen je Aufführungsort und zwölf Musical-Solisten die Anfänge und Grundanliegen der Reformation erläutern soll.
„Luther Superstar“! Gab es nicht schon in unserer Jugend das Musical „Jesus Christ Superstar“. Nun wohl „Luther Superstar“ (sicherlich politisch korrekt „luða“ bzw. „luufa“ ausgesprochen).


„Luther, der Wein und die Bratwurst“

Im badisch-fränkischen Wertheim-Dertingen veranstaltet man eine Führung beginnend im Hof einer Rebschule, gleich neben der Dertinger Wehrkirche. An verschiedenen Haltepunkten erzählt eine Dame Wissenswertes und Anekdoten von Martin Luther und rund um die Reformation, eine andere Dame serviert dazu Dertinger Weine mit entsprechender Erklärung – heißt es.


„Healing of Memories“

Bereits am 11. März fand in Hildesheim als „zentrales Ereignis“ ein Buß- und Versöhnungsgottesdienst statt, der von den beiden Antichristen Reinhard Kardinal Marx, und dem Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, gemeinsam geleitet wurde. Unter Anwesenheit der Kanzlerin und eines ehebrecherischen, ehemaligen Pastors aus Rostock mit seiner Lebensgefährtin. Der Gottesdienst stand unter dem Stichwort „Healing of Memories“. Luther hätte gegen diese Verhunzung seiner, unserer Sprache, gewiss mit nicht zitierfähigen Ausdrücken protestiert.


Im Schatten von Luther: Frauen, Bauern und Juden

Ein „Grummeln von unten, von den Pastorenher, registrierte aktuell der Deutschlandfunk und ließ die „feministische Predigerin“ und Pastorin Dr. Sigrid Lampe-Densky zu Wort kommen. Die hatte rechtzeitig zum Lutherjahr ein Buch verfaßt, in dem Luther nicht so gut weg kommt: „Reformation – verdrängt, verhindert, verweigert“ – so der dramatisch klingende Titel.
Frau L.-D.: „Es hat ja den Anschein, als würden wir jetzt ein Luther-Festival feiern. Da ist ja erst mal die Frage, ob es überhaupt etwas zu feiern gibt. Da bin ich schon mal sehr skeptisch, weil Theologie ist für mich auch erst mal theologische Selbstkritik. Das heißt: Ich möchte mich nicht so gerne an einer Heldenverehrung beteiligen…“
Laut Sigrid Lampe-Densky wurden reformatorische Ideen besonders einer ganz bestimmten Gruppe „vorenthalten“: den Jüdinnen und Juden. Die Pastorin verweist dabei auf Luthers judenfeindliche Ansichten: „Ihnen wurde ja in dem Sinne dann Reformation gleich ganz verweigert….“
Nach Frau Sigrid Lampe-Densky war Martin Luther denn auch ein Reformationsverhinderer.

Wir erinnern daran, dass die „Pastorin“ Käßmann Luther schon mal als delinquent, quasi als Malefikanten charakterisiert hat. Dazu hatte auch schon der berühmt-berüchtigte Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, Christian Pfeiffer (ebenfalls aus Hannover), im Cicero“ gefordert, die „dunkle Seite Martin Luthers“ aufzudecken.


Baierische Zurückhaltung

Im katholischen Baiern, resp. dessen Landeshauptstadt hält man sich mit Aktivitäten eher zurück. Auf eine Anfrage eines christsozialen Stadtrates antwortet das Kulturreferat der Stadt München:
„Eine Abfrage unter den Instituten und ausgewählten Partnern hat ergeben, dass eine eigens zu diesem Thema ins Leben zu rufende Programmreihe … mangels einer reichhaltigen protestantischen Kulturgeschichte in der bayerischen Landeshauptstadt nicht ausreichend Resonanz entfalten würde.“


Lutherbier und Thesenanschlag in Franken

In der bayerischen Provinz hat man sich da schon mehr Gedanken gemacht. In meiner einstmals überwiegend evangelischen Heimatgemeinde im Fränkischen – später durch „Migranten“ fast katholisch überwachsen – kam man auch auf die „Schnaps“Idee mit dem Lutherbier, das ein ortsansäßiger Brauer mit Förderung durch die Kirche kreiert bzw. gebraut hat. Der evangelische Dekan machte sich für dessen Vermarktung anheischig: Sogar der Papst soll mit dem Gebräu beglückt werden.
Luther war ein Freund des Bieres. Er – genauer gesagt seine Frau Käthe – hatte ein eigenes Braurecht und Käthe verstand auch damit, den Lutherschen Haushalt profitabel zu halten. Luther warnte aber auch vor übermäßigem Genuss: „Bier macht die Menschen toll und töricht …. Das ist aber nicht die Schuld des Bieres, wenn du ein Bierschlauch und ein Trunkenbold bist.“

Ich halte den oben erwähnten evangelischen Dekan meiner Heimatstadt partout nicht für einen „Bierschlauch“ oder „Trunkenbold“. Aber war er mit seiner neuesten Aktion zum Lutherjahr gut beraten, als er „a la Luther“ seinen Protest gegen das Finanzgebaren seiner Landeskirche gestaltete und ebenfalls seine „Thesen“ an seine Kirchentür nagelte? Natürlich mit Pressepräsenz. Oder ist das auch Firlefanz?

Ein Auslöser der lutherschen Reformation war unter anderem das Finanzgebaren der kirchlichen Obrigkeit mit dem Ablaßunwesen der römischen Kirche.
Beklagt wird in den „Thesen“ des fränkischen Dekans die finanzielle Schwächung der Ortsgemeinden trotz steigender Kirchensteuereinnahmen, die Streichung und Reduzierung von Pfarrstellen, die Ausweitung von Verwaltungsbehörden und auch die „Durchsetzung eines verfehlten, unevangelischen Kirchenverständnisses, das Gemeinden nur als Filialen einer sie dirigierenden Großorganisation sieht“.
„Verfehltes, unevangelisches Kirchenverständnis“ – ein starkes Wort im „Reformationsjahr“.

Was mir dazu einfällt:
Nicht gegen das Finanzgebaren seiner (obrigkeitlichen) Landeskirche sollte der Pastor protestieren – so skandalös es für ihn als nachgeordneten Pfründenverweser erscheinen mag – sondern gegen die Preisgabe des Christentums durch seinen Oberhirten, dem Landesbischof von Bayern und „Ratsvorsitzender“ der EKD, Bedford-Strohm, der mit dem Ablegen seines Amts-Symbols, dem Kreuz, in Jerusalem den christlichen Glauben verleugnete, und mit der Anbiederung an den Islam wahrlich ein „verfehltes, unevangelisches Kirchenverständnis“ zeigt.
Doch merke, möchte man dem Dekan mit Luther beim Blick auf seine Obrigkeit sagen:

„Für Heuchelei gibt’s Geld genug, Wahrheit geht betteln.“!

„Der alte Türke“ lebt noch

Aus aktuellem Anlass wird der Artikel (Erstveröffentlichung 13. März) nochmals gepostet.

Eine Schilderung von Pater Johannes Leppich S.J.

Fundstück aus dem Jahre 1959

Pater Leppich (* 16. April 1915 in Ratibor, Oberschlesien; † 7. Dezember 1992 in Münster) war in den fünfziger und sechziger Jahren eine prominente Gestalt, nicht nur in Deutschland und in katholischen Kreisen. Bekannt wurde Leppich durch seine Volks- und Straßenpredigten in zahlreichen Städten (bis 1971). Wegen seiner beißenden Gesellschaftskritik hatte er in der Adenauerzeit den Spitznamen „Maschinengewehr Gottes“. Leppich warb in seinen Predigten unnachgiebig für christliche Werte und positionierte sich auch klar politisch gegen Kommunismus und Sozialismus und einen ausufernden Liberalismus. Leppich würde heute sicher nicht nur als Reaktionär, sondern von den politisch korrekten Elite-Medien überhaupt als „Nazi“ tituliert und stigmatisiert werden.
Leppich unternahm 1958 eine Weltreise, die ihn von Istanbul bis New York um die ganze Welt führte. Seine Ansichten und Erlebnisse hat er in einem Buch zusammengefasst, das nur noch antiquarisch zu erhalten ist: „Gott zwischen Götzen und Genossen“.
Die Reise führte ihn auch in die Türkei. Seine Erfahrungen und Schlussfolgerungen sind jetzt 60 Jahre danach unverändert lesenswert, ja aktuell in ihren Implikationen.
Ein nach wie vor aktuelles Zeitdokument – wenn auch manche Straßen Istanbuls und viele Touristenzentren inzwischen sich für die Welt gern „modern“ oder auch „europäisch“ geben möchten.
Mit der Volksbefragung vom 16. April 2017 hat Erdogan sich freie Hand für Errichtung einer Diktatur und eines islamischen Staats geben lassen. Erdogans Absicht ist es, den früheren „Vater der Türken“ Kemal Atatürk endgültig vom Sockel zu stoßen.

 

„Der alte Türke“ lebt noch
(1959)

Durch die engen Gassen Istanbuls holpert unser Taxi. Wir sind unterwegs zur Kirche des orthodoxen griechischen Patriarchen.
Vor einer hohen Mauer bleiben wir stehen. Eine schmale Stiege führt in die Höhe, als würde sie eine alte Befestigung durch schneiden.
Ich will durch das schwere hölzerne Haupttor in den Palasthof. Es ist versperrt. Nur ein kleiner Nebeneingang ist offen. Von einem alten Popen mit wallendem Bart bekommen wir die Erklärung dafür;
„Dieses große Tor wird nie mehr geöffnet, und zwar aus Protest. An diesem Tor nämlich haben die Türken 1821 den Patriarchen Gregorius gekreuzigt. Er war der Führer der griechischen Christen. Weil damals die Griechen die türkische Herrschaft abschütteln wollten, haben die Türken ihn aus Rache gemordet.“
Mich schaudert bei dem Gedanken, was sich hier abgespielt hat.
Wozu aber in der Geschichte kramen?
Es gibt doch heute keine gefürchteten Türken mehr.
In deutschen Illustrierten lächeln Sie fesche, türkische Pin-up-girls an. Die verschleierte Frau mit den bunten Pluderhosen ist in der Türkei überholt. Die türkische Frau ist emanzipiert. Sie sitzt als Studentin im Hörsaal und führt in Frauenverbänden das große Wort.
Die moderne Türkin, in der schicken Uniform der Marine, haben wir selbst gesehen. Die Mädchen führten mit geschultertem Gewehr das Paraderegiment.
Das orientalische Märchen von der Türkei ist überholt. Die Türkei ist auf dem Wege nach Europa.
Sie verdankt das fast ausschließlich Kemal Pascha Atatürk, der mit rücksichtsloser Entschlossenheit die Türkei zu einem modernen Staat umgestaltete. Er riß die Türkei nach dem ersten Weltkrieg aus ihrer politischen Lethargie. Allerdings mit vielen ihrer Wurzeln, auch manchen islamischen. Darum ist der Baum Türkei, der heute auf asiatischem und europäischem Boden wurzelt, auf keinem von beiden fest. Der Europäer läßt sich nicht aufpfropfen und der Asiate nicht ausschneiden.
Der »Führer“, Kemal Atatürk, hatte es nicht leicht bei dem Islam, der immer nur rückwärts schaut. Darum kann man Atatürk das Wort zutrauen, das von ihm überliefert ist: Wenn die Türken statt des Islams das Christentum angenommen hätten, dann hätte et sich seine Reformen ersparen können.

Der hochgefeierte Diktator hat aber unter „Christentum“ nur Europa verstanden. Besser gesagt: seine Eisenbahnen, seine Spitäler, seine Hochschulen, seine Modesalons und Fabriken.
Und so zog sich also der alte Türke nur eine neue europäische Haut über:

Die Männer vertauschten ihren Fes mit dem europäischen Herrenhut; und der Schleier der Frauen wich dem Chick aus Paris und London. Moderne Traktoren und Mähdrescher eroberten das Land. Und der „Laizismus“ proklamierte, daß Religion nichts mehr mit dem öffentlichen Leben zu tun habe. Selbst unser katholische Priester, der mich vom Bahnhof abholte, war in Zivil, denn heute noch darf kein Vertreter einer Religionsgemeinschaft im geistlichen Gewand in der Öffentlichkeit auftreten, jedenfalls nicht die Christen.
Natürlich spricht man viel von Toleranz. Aber während die prachtvollen Fassaden der Moscheen das Stadtbild kennzeichnen müssen sich die christlichen Kirchen verschüchtert in den Winkel der Stadt verkriechen.
Wir Deutschen sind beliebt, sehr beliebt. Man ist bereit, von uns alles anzunehmen: Technische Wunder, kulturelle Einrichtungen und selbst die deutsche Unmoral. Aber es ist fast wie ein Staatsverbrechen, wenn ein Mohammedaner es wagt, die Religion der Deutschen anzunehmen, das Christentum.
Aber auch ein Diktator kann nicht ohne weiteres ein Volk umwandeln. Atatürk ist tot, und der alte Türke wird wieder lebendig:

Die türkische Frau haben wir in den Straßen wieder mit dem „Tscharschaff“, dem schwarzen langen Tuch, gesehen. Der Bauer in Anatolien hat sich nicht stören lassen, mit seinem Holzpflug, wie ihn schon die Hethiter vor 3000 Jahren in ihren Steinreliefs verewigt haben, weiterhin die flachen Furchen zu ziehen. Und der Islam besteht eisern weiter. Darum endet fast jede Ehe zwischen einer Christin und einem Moslem mit einer Katastrophe. Das Mädchen, das sich einer dummen Romantik verkauft, zerbricht, wenn nicht an der anderen Religion und Rasse, auf jeden Fall an der türkischen Sippe.
Denn die Türkei ist weit mehr in Asien verwurzelt als in Europa.
Sehen Sie sich nur die Landkarte an: Wie wenig gehört zu Europa und wie gewaltig ist der Teil in Kleinasien!
Und diesem Asien bin ich in Istanbul erschreckend nahe begegnet.
An allen Ecken und Enden sitzen Krüppel, die betteln. Ihr Anblick ist grauenvoll, Sie kommen fast alle aus Anatolien. Vor zwei Jahren ist eine Bettlerorganisation aufgeflogen. Ihre Manager haben jahrelang aus der asiatischen Türkei Krüppel importiert. Nicht weil es in Anatolien so viele Mißgeburten gäbe. Aber unmenschliche Eltern haben ihren Kindern Hände und Fuße gebrochen oder ihnen die Augen geblendet, damit sie sie als erfolgreiche Bettler an die Agenten dieser Teufelsgesellschaft teuer verkaufen konnten.
Nein, die Türkei ist noch nicht „Europa“ geworden. Und der unruhige Nomade und fanatische Streiter für den Islam im Türken ist noch lange nicht dem Europäer gewichen. Vom „christlichen“ Europäer ganz zu schweigen.
Im Gegenteil; „Der alte Türke“, wie er den Patriarchen Gregorjus ans Tor und zum Tod geschlagen hat, lebt noch immer. Vor drei Jahren erst hat er ein Lebenszeichen gegeben. Vor den Augen aller Welt ist erschreckend explodiert, was an jahrhundertealtem asiatischen Haß und mohammedanischem Fanatismus gegen Europa und das Christentum unter einer dünnen Decke von Zivilisation schwelte.
Diesmal war es die griechisch-orthodoxe Kirche, die sie überfielen. Am 6. September 1955 brach es in Istanbul los: Moslemmassen rotteten sich zusammen und wälzten sich durch die Straßen Istanbuls. Wo ihnen ein Kreuz begegnete, setzten sie den roten Hahn aufs Dach. Dreißig Kirchen brannten sie so nieder.
Nicht genug: sie zerstörten und plünderten alle Geschäfte, wenn auf einer Ware ein Markenzeichen nur entfernt an ein Kreuz erinnerte. Aus christlichen Gräbern rissen sie die Leichen und schändeten und entehrten noch die Toten …
Man darf es uns Christen nicht übelnehmen, wenn uns nach solchen Erfahrungen der alte Schreckensruf Europas „Der Türke kommt“, im Gedächtnis bleibt, ich habe daran gedacht, als ich am Grabe des Sultans Soliman stand. Er hatte seine Zelte bereits vor Wien aufgeschlagen. Wäre damals das christliche Abendland erlegen, was wäre aus Europa geworden?
So aber besteht Hoffnung, daß die Türkei doch noch, „auf den Weg nach Europa“ kommt.
Wiederum stehen die Türken vor Wien — diesmal allerdings nicht zum Schrecken Europas mit dem Türkensäbel: Es sind junge türkische Studenten, die in unseren Hörsälen sitzen, türkische Ingenieure, die unsere Betriebe besichtigen. Es ist die wissensdurstige, lernbegierige Türkei,
Es ist nur die Frage, wie diese Schüler des alten Europa in ihre Heimat zurückkehren. Denn Naturwissenschaft/ Medizin und Technik bei uns studiert zu haben, genügt nicht. Das kann nur eine Zivilisationstünche für den »alten Türken“ abgeben. Gnade uns, wenn ihnen gottlose Professoren und liberale Betriebsdirektoren Lehrmeister sind!
Sie müssen im alten Europa Gott begegnen. Sie müssen erleben, daß Gott nicht ein zwar ehrwürdiges, aber im 20. Jahrhundert überholtes Museumsstück ist, sondern ein lebendiger, nie alternder Gott, daß auch die modernste Technik und Wissenschaft und das Christentum sich nicht widersprechen.
Das heißt, sie müssen Christen begegnen, die in dieser modernen Welt als Christen leben und damit glaubhaft machen, daß die Lehre Jesu Christi nicht für ein paar europäische Ästheten da ist, sondern für alle Menschen — auch für den „alten Türken“!

Leppich verströmt zum Schluß seines Aufsatzes etwas Optimismus – mit Einschränkungen. Er setzt irgendwie Hoffnung in junge wissenbegierige Studenten und Schüler, die „in unseren Höraälen“ sitzen. Er fürchtet nur, dass „gottlose Professoren und liberale Betriebsdirektoren“ ihre Lehrmeister werden könnten. Reicht das?
Leppich unterstellt der erwünschten „Zivilisierung“ dieser modernen Türken eine notwendige „Begegnung mit Gott im alten Europa“. Hat er bedacht, dass mit diesem Gott nicht „Allah“ gleich gesetzt sein kann? Ich meine doch, weil er sicher mit „Allahu Akbar“-Rufen konfrontiert worden war und er erkannte, dass „der alte Türke“ weiterlebt.

Frohe Ostern!

Allen, die hier vorbeischauen!

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Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurückzusehen.
Aus dem hohlen, finsteren Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden,
Aus niedriger Häusern dumpfern Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbes-Banden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straße quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle an’s Licht gebracht.

J.W.Goethe: Faust – Osterspaziergang

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Flectamus genua – Beuget die Knie!

Katholische Karfreitagsliturgie

Für die Evangelischen sei der Karfreitag der höchste Feiertag – sagt man. Das ist mir auch aus meinem vorwiegend protestantischen Heimatort erinnerlich.
Für uns Katholische beinhaltet das Gedächtnis an das Leiden und den Kreuzestod Christi eine schlichte, meditative, eine umso mehr beeindruckende Liturgie.

Ein evangelischer Superindendent darf begründen, warum der Karfreitag der höchste evangelische Feiertag ist.
Dem widerspricht die offiziöse Evangelische Kirche Deutschlands, die feststellt:
»In den Medien wird fälschlicherweise immer wieder darauf hingewiesen, Karfreitag sei der höchste Feiertag in der evangelischen Kirche. Diese Einschätzung gründet sich darauf, dass Protestanten den Karfreitag als ganz besonderen Feiertag betrachten. Doch ist für sie wie für die ganze Christenheit Ostern, die Feier der Auferweckung Jesu, das höchste Fest.«

Natürlich Ostern!

Die katholische Karfreitagsliturgie enthält »Die großen Fürbitten« für die Kirche.
Die säkularen »Protestanten« in den Medien und die diversen »Zentralräte« störten sich dabei besonders an der Fürbitte für die Bekehrung der Juden: der angebliche »antisemitische Kern« des Katholischen.

Bei jeder Fürbitte wiederholt der Priester an die Gemeinde gerichtet: »Flectamus genua!«, dann »Levate!«: »Beuget die Knie!« und »Erhebet Euch!«

Das ist katholisch: die Allegorie der Demut im Kniefall und das Wiederaufstehen im Glauben.

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Hier Auszüge der Fürbitten der Karfreitagliturgie.

Für die ganze heilige Kirche

Oremus, dilectissimi nobis, pro Ecclesia sancta Dei: ut eam Deus et Dominus noster pacificare, adunare, et custodire dignetur toto orbe terrarum: subiciens ei principatus et potestates: detque nobis, quietam et tranquillam vitam degentibus, glorificare Deum, Patrem omnipotentem.
Oremus.
Flectamus genua.
Levate.

Lasset uns beten, Geliebte, für die heilige Kirche Gottes, daß unser Gott und Herr sie würdige, sie auf dem ganzen Erdkreis zu befrieden, zu einen und zu behüten, daß er ihr Mächte und Gewalten unterwerfe und uns gewähre, ein stilles, ruhiges Leben zu führen, um Gott, den allmächtigen Vater, zu verherrlichen.
Lasset uns beten.
Beuget die Knie.
Erhebet euch.

Omnipotens sempiterne Deus, qui gloriam tuam omnibus in Christo gentibus revelasti: custodi opera misericordiæ tuæ; ut Ecclesia tua, toto orbe diffusa, stabili fide in confessione tui nominis perseveret. Per eundem Dominum nostrum …
Amen.

Allmächtiger ewiger Gott, der du in Christus allen Völkern Deine Herrlichkeit geoffenbart hast: schirme die Werke deines Erbarmens, daß deine Kirche, über den ganzen Erdkreis ausgebreitet, mit standhaftem Glauben im Bekenntnis deines Namens verharre. Durch ihn, unsern Herrn …
Amen.

Für die Regierungen der Völker

Oremus et pro omnibus res publicas moderantibus eorumque ministeriis et potestatibus: ut Deus et Dominus noster mentes et corda eorum secundum voluntatem suam dirigat ad nostram perpetuam pacem.
Oremus.
Flectamus genua.
Levate.

Lasset uns auch beten für alle Lenker der Staaten und für ihre Minister und Gewalthaber: daß Gott der Herr ihnen Herz und Sinn seinem Willen gemäß leite zu unserem immerwährenden Frieden.
Lasset uns beten.
Beuget die Knie.
Erhebet euch.

Omnipotens sempiterne Deus, in cujus manu sunt omnium potestates et omnium jura populorum: respice benignus ad eos, qui nos in potestatibus regunt; ut ubique terrarum, dextera tua protegente, et religionis integritas, et patriæ securitas indesinenter consistat. Per Dominum nostrum …
Amen.

Allmächtiger ewiger Gott, in dessen Hand die Gewalten und Rechte aller Völker liegen: schaue gütig auf jene, die über uns die Staatsgewalt führen, auf daß überall auf Erden unter dem Schutz deiner Rechten unablässig bestehen bleibe die Unversehrtheit der Religion und die Sicherheit des Vaterlandes. Durch unsern Herrn …
Amen.

Für die Bekehrung der Juden
Die „umstrittene“ Fürbitte in der von Benedikt XVI. permittierten Form

„Oremus et pro Iudaeis. Ut Deus et Dominus noster illuminet corda eorum, ut agnoscant Iesum Christum salvatorem omnium hominum.
Oremus.
Flectamus genua.
Levate
Omnipotens sempiterne Deus, qui vis ut omnes homines salvi fiant et ad agnitionem veritatis veniant, concede propitius, ut plenitudine gentium in Ecclesiam Tuam intrante omnis Israel salvus fiat. Per Christum Dominum nostrum. Amen.“

„Lasst uns auch beten für die Juden, auf dass Gott, unser Herr, ihre Herzen erleuchte, damit sie Jesus Christus erkennen, den Retter aller Menschen.
Lasset uns beten.
Beuget die Knie.
Erhebet Euch.
Allmächtiger ewiger Gott, Du willst, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen. Gewähre gnädig, dass beim Eintritt der Fülle aller Völker in Deine Kirche ganz Israel gerettet wird. Durch Christus, unseren Herrn. Amen.“

Woanders gelesen – Flüchtlingsfetischismus an Ostern: Kardinal Marx, beenden Sie endlich dieses skandalöse Trauerspiel!

von David Berger – philosophia perennis

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Flüchtlingsfetischismus an Ostern: Kardinal Marx, beenden Sie endlich dieses skandalöse Trauerspiel!

Wein trinken und Wasser predigen? Kirchenfürst Marx (c) Screenshot youtube

(David Berger) Das Osterfest naht und damit die tagespolitische Instrumentalisierung der Mysterien des Christentums. Während solcher Missbrauch des Glaubens bislang in Deutschland eine Domäne der Protestanten war, holen derzeit die Katholiken kräftig auf.

Und das nicht nur im Bereich der „Fürbitten“, die bereits seit langem ein Einfalltor für die ideologische Umnutzung des Gottesdienstes darstellen. Jetzt geht es zunehmend ans Eingemachte.

Als ganz wesentliche Protagonisten der Aufarbeitung des katholischen Missbrauchsdefizits gelten dabei die Kardinäle Woelki von Köln und Marx von München.

800px-StaUrsulaCepleanuBeide huldigen einem Flüchtlingsfetischismus, der zum ersten mal so richtig sichtbar wurde, als Woelki die altehrwürdige Fronleichnamsliturgie auf einem Flüchtlingsboot feierte.

Wie einst den Reliquien der 11.000 heiligen Jungfrauen, die der Legende nach mit der heiligen Ursula in Köln – auch in einem Boot – eingetroffen sein sollen (Bild links), wurde dieser neuen Reliquie nun der Kniefall und die Beweihräucherung (Inzens) zuteil.

Noch wilder freilich treibt es schon seit längerem sein Mitbruder aus der bayrischen Landeshauptstadt, der zuletzt durch die Medien ging, als er vor lauter Islam-Appeasement sein Brustkreuz bei einem Besuch auf dem Tempelberg versteckte.

Bei der heutigen Gruündonnerstagsmesse ist als große mediale Attraktion angekündigt, dass er diesmal im Münchner Liebfrauendom zwölf Frauen und Männern die Füße waschen will, die sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagieren.

Bereits im Jahr 2014 hatte Marx seine Gefügigkeit gegenüber dem damaligen Refugees welcome-Zeitgeist gezeigt, als er das altehrwürdige Ritual, das den Lehrern der Alten Kirche gar als Sakrament galt, missbrauchte, indem er Flüchtlingen medienwirksam die Füße wusch.

Während er sich für diese Aktion des Applauses von Politik und Nannymedien sicher sein kann, ist im Internet der Ärger über die peinliche Show, die uns bevorsteht, groß:
Ein Kommentator schreibt:

„Show must go on! Marx muss die millardenschwere Asylindustrie am Laufen halten.

Caritas 617.000 Angestellte
Diakonie 464.000 Angestellte
VW 272.000 Angestellte

Am Idealsten sind natürlich die Ehrenamtlichen, die glauben mit ihrem Amt können sie sich einen Platz im Himmel erkaufen. Da kann man schon ein paar Füße waschen. Ob sich Marx die Hände dann in Unschuld waschen kann, ist was anderes. Die Schuld an jedem Verbrechen das jetzt von einem Flüchtling begangen wird, liegt an den Gutmenschen. Aber es ist ein optimales Geschäftsmodell: zuerst holen wir Gewalttäter, dann haben wir traumatisierte Opfer, die wir wieder betreuen müssen.

Wenn Marx ein Mensch wäre, würde er Opfern von Gewalttaten, wie z. B. der vergewaltigen Frau auf dem Zeltplatz, die Füße waschen, UND sich zu seiner Schuld bekennen!“

Eminenz, Sie wissen sicher, dass das Wort „grün“ in „Gründonnerstag“ von „greinen“ – weinen kommt. Wenn man verfolgt, wie sie das Heiligste, das wir im Katholizismus haben – es ist nicht das Geld, sondern die Liturgie – für ihre zurecht reichlich umstrittene politische Privatmeinung missbrauchen, ist einem zum Heulen.

Die Liturgie gehört nicht ihnen, sie sind nur zum Verwalter der Feier der göttlichen Geheimnisse bestellt: Beenden Sie daher endlich dieses skandalöse Trauerspiel!

Das protestantische Pfarrhaus

 

 

 

 

In der neuesten Ausgabe des Magazins „Monumente“ (Deutschen Stiftung Denkmalschutz) beschäftigt sich die Autorin Julia Ricker – passend zum Lutherjahr – mit dem protestantischen Pfarrhaus: „Zwischen Himmel und Erde – Vom Leben protestantischer Pfarrfamilien“.
Diese Kunst- und kulturhistorische Abhandlung erinnert inhaltlich auch an einen Aufsatz in der ZEIT aus dem Jahre 2010, als bereits eine mögliche Wahl von Joachim Gauck zum Bundespräsidenten diskutiert wurde.
„Gutes altes Pfarrhaus – Efeuumrankt, eichenbewacht – wer in diesem Idyll aufwächst, der kann vielleicht was Großes werden“ heißt es dort.

In beiden Artikel wird herausgestellt, welch besonderes „Biotop“ das protestantische Pfarrhaus war, quasi eine Kaderschmiede und eine Wiege von Dichtung, Philosophie und Wissenschaft in deutschen Landen, ein Hort der Bildung und Kultur. Unzählige deutsche Geistesgrößen sind daraus hervorgegangen, besonders seit dem 19. Jahrhundert.
Das Milieu Pfarrhaus gebiert jedoch ganz unterschiedliche Persönlichkeiten. Lessing, Claudius, Lichtenberg, Lenz, Jean Paul, Nietzsche, Hesse, Benn, Albert Schweitzer, Malcolm X, Dürrenmatt, C. G. Jung, Angela Merkel und Joachim Gauck … sie waren oder sind Pfarrerskinder. Einer Studie zufolge kamen Mitte des 19. Jahrhunderts von 1600 bekannten Deutschen 861 aus einem evangelischen Pfarrhaus.

Das Familienleben der Luthers galt als ein verwirklichtes Ideal und die Pfarrersfamilie hatte das ideale Christentum vorzuleben, fromm, gottgefällig und moralisch unbedenklich zu sein.
Der frühere SPD-Bürgermeister von Berlin und ehemalige Pfarrer, ebenfalls Pfarrerssohn Heinrich Albertz erkannte aber schon 1982 in einem ZEIT-Artikel: „Das Pfarrhaus stirbt aus“
Albertz greift in seiner Abhandlung auf ein Buch des Politikwissenschaftlers und Kulturforschers Martin Greiffenhagen („Pfarrerkinder“) zurück, der ebenfalls aus einem protestantischen Pfarrhaus stammt, Sohn eines Widerständlers in der Bekennenden Kirche.
Greiffenhagen führt das Absterben „der Quellstube der Nation, die seit Luthers Zeiten den deutschen Himmel der Dichter und Denker ziert“ u.a. auf die gewandelte Rolle, bzw. die Abwesenheit der Pfarrersfrau und die damit verbundene Auflösung der alten Familienstrukturen im Pfarrhaus zurück.
Albertz dazu:

„Ich selbst kann es auch bezeugen aus unzähligen Pfarrhäusern, in denen ich aus und ein ging, und aus den Geschichten der Großmütter in den pommerschen und brandenburgischen Landgemeinden: Sie war wohl das Herz des Lebens, die Mutter alles Lebendigen, viel mehr als der Vater in seiner wohlgehüteten Studierstube. Sie stirbt aus. Und mit ihr versiegt der Quell.“

Und noch etwas Wichtiges schneidet Albertz an:

„ … was Greiffenhagen als Syndrom des alten Pfarrhauses beklagt: seine Abstinenz gegenüber allem „Politischen“, ist spätestens seit Hitlers Zeiten vorbei. Schon sein eigener Sohn hat dies erfahren. Der Unsinn, daß das Evangelium gleichsam politikfrei vorgetragen werden könnte, ist im Absterben.“

Mit der „Abstinenz gegenüber dem Politischen seit Hitlers Zeiten“. Da irrt Albertz meinens Erachtens. 
Die deutschen Protestanten hatten gewiss ein besonderes Politik- und Staatsverständnis und eine besondere Staatsnähe.
Die preußische „Staatskirche“ unter den Hohenzollern war keineswegs politisch neutral.
Die Situation der evangelischen Kirche in Deutschland während des „Dritten Reichs“ war von politischer Spaltung geprägt und die von einer großen Zahl der protestantischen Pfarrer gegründete und getragene Organisation der „Deutschen Christen“ waren aktive Nazis und arbeiteten von der Kanzel dem „Führer“ zu.

Fahne der Deutschen Christen, 1932

Aber sogar die „Bekennende Kirche“, die später als Widerstandsorganisation geführt wurde, hatte aktive Nazis und SS-Mitglieder in ihren Reihen.
Bereits vor der Machtergreifung der Nazis gab es Verbindungen offizieller Vertreter der evangelischen Kirche mit den Nazis.
Die Berufung auf Luther mit seinem bekannt aggressiven Antisemitismus erleichterte die Fühlungnahme mit dem mörderischen Rassismus der Nazis.
Hans Meiser, ab 1933 evangelischer Landesbischof von Bayern verfasste 1926 als Direktor des Nürnberger Pfarrer-Seminars ein „Gutachten“ mit dem Titel „Die evangelischen Gemeinden und die Judenfrage“. Er spricht darin gegen „die Verjudung“ des deutschen Volkes aus, und er erklärt sich einverstanden mit den völkischen Idealen, deren Anhänger „mit der antisemitischen Bewegung in einer Front stehen“:Er beklagt den Einfluss der Juden auf wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Gebiet. Er schreibt: „Mag die Moral vieler Juden nichts anderes sein als stinkende Unmoral“, und so fordert er durch konkrete Maßnahmen „ein Zurückdrängen des jüdischen Geistes im öffentlichen Leben“ und die „Reinhaltung des deutschen Blutes“.
In Nürnberg nahm der evangelisch-lutherische Pfarrer Martin Weigel 1926 vor dem Altar der Lorenzkirche in Nürnberg eine Fahnenweihe für die Schlägertruppe der Nazis, der SA vor.
Im deutschen Pfarrerblatt, sozusagen die Pflichtlektüre aller evangelischen Pastoren, erscheint 1930 ein Grundsatzbeitrag über das Verhältnis von NSDAP und Kirche. Der Autor, Pfarrer Friedrich Wienecke, erklärt es zu den Aufgaben der Männer der Kirche, in die „Tiefe der nationalsozialistischen Gedankenwelt“ zu schauen und sich nicht durch „äußere Schönheitsfehler“ abschrecken zu lassen. Die von Gott gewollte Aufgabe für die deutsche Politik sei nach Wienecke die Förderung des „arisch-germanischen Menschen.“ Die Aufgabe von Theologie und Pfarrerschaft sei es, zu helfen, dass die Nazi-Bewegung „erfüllt von göttlicher Kraft unserem Volk Gesundung bringe“.
Siehe hier: „Die unrühmliche Rolle der evangelischen Kirche im Dritten Reich“.
Es ist nicht erstaunlich, dass in den überwiegend protestantischen Gebieten des Deutschen Reichs, die Nationalsozialisten die höchsten Wahlergebnisse einfuhren.

Die Politiknähe der evangelischen Kirche setzte sich nach dem Krieg in der Bundesrepublik fort. So ist auch der SPD-Politiker, der oben zitierte Pfarrer Albertz ein Beispiel dafür. Die vielfältige Personalunion von Ratsmitgliedern und Pfarrern der EKD mit der SPD ist Fakt und hat sich offensichtlich prägend auf die „Botschaften“ der EKD ausgewirkt. Neuerdings erleben wir Personal- und Gesinnungsunionen mit den Gender-, Lesben- und Schwulen-Propagandisten der Partei der Grünen.

Albertz meint, es sei „Unsinn, daß das Evangelium politikfrei vorgetragen werden könnte“. 
Ich meine, dass man das Evangelium politikfrei vortragen muss und kann, weil darin ewige Werte und Prinzipien ausgedrückt sind. Weil dadurch die Kirche daraus nicht aufzugebende Wahrheiten für das Zusammenleben der Menschen für alle Zeiten ableiten kann, welche nicht politischen oder zeitgemäßen Ideologien oder dem gerade herrschenden Zeitgeist unterworfen werden dürfen.

Das evangelische Pfarrhaus als „Kaderschmiede“? Die Zeiten des Pfarrhauses als „Quellstube der Nation, die … den deutschen Himmel der Dichter und Denker ziert“ sind vorbei, man darf sogar ätzend darauf verweisen, das z.B. auch Gudrun Enßlin, die blutigste RAF-Aktivistin aus einem evangelischen Pfarrhaus stammt, und der als Politiker und Pfarrer schwer gebeutelte Pastor Albertz hätte sich damals gewiss nicht träumen lassen, dass dereinst ein evangelischer Pfarrer, der in einem offensichtlich ehebrecherischen Verhältnis lebt, gar zum Bundespräsidenten gewählt wird.

Albertz zitiert in seinem ZEIT-Artikel den DDR Dichter Rainer Kunze mit seinem Gedicht zum Pfarrhaus (1968)

„Wer da bedrängt ist findet
mauern, ein
dach und
muss nicht beten“.

Ich mag die Lyrik, die Metaphern von Rainer Kunze, aber gibt es heute noch diese Mauern und Dach als Schutz? Sind sie nicht auch vom Geist der Political correctness und eines unduldsamen Gutmenschentums der Bewohner geschliffen worden.
Das „muß nicht beten“ gilt und galt auch ohnehin schon für jeden der Bewohner, der glaubte, dass Gott tot ist. Mit diesem Glauben kann man Pfarrer oder Bischof werden, und braucht auch dann kein Kreuz mehr in der Öffentlichkeit tragen und darf sich Andersgläubigen unterwerfen.

Bildergebnis für Bedford-Strohm Marx Tempelberg

Querfront – Abschnitt 2

Reaktion der „Reaktion“

 

Linke und Rechte streiten sich lediglich
um den Besitz der Industriegesellschaft.
Der Reaktionär ersehnt deren Tod.
Nicola Gomez Davila

 

Es sind nachgewiesene Renegaten wie Jürgen Elsäßer und Ken Jebsen, an denen sich die Kritik der Linken besonders festmacht, wie im vorausgehenden Beitrag skizziert. Diese bestellen anscheinend hierzulande besonders den Acker der Querfront. Dazu werden auch gelegentlich Publizisten wie Jan Fleischhauer, Henryk Broder und Thilo Sarrazin angeführt. Broder und Sarrazin stehen ja in einem besonderen Schmäh-Focus der hiesigen linken Medien-Organe, obschon beide einer nationalistisch rechten Attitüde sicher unverdächtig sind.

Mit etwas Verzögerung erschien nun ein Echo – eine Publikation – von „rechter Seite“, von Benedikt Kaiser, Politikwissenschaftler und Verlagslektor im Antaios Verlags: „Querfront“ – Kaplaken-Band 49.

Der Autor nennt seine Betrachtung einen „subjektiven Streifzug durch die Geschichte quer zu den bisherigen Lagern“ und stellt fest

„Die Querfront als politische Konzeption sui generis gibt es entgegen der Behauptung ihrer Kritiker nicht. Sie besitzt kein klar umrissenes Konzept. Je nach Land, Zeit und Situation erfährt der Begriff eine gänzlich andere Aufladung. … Es ist … kein Wert an sich und als solches nicht der Mühe wert, zumal es – damals wie heute – an lagerübergreifenden Projekten, ja bereits an bloßem Interesse bezüglich politischer Elemente, die »falsch«, also gegnerisch etikettiert sind, mangelt. Es erscheint aus diesen Gründen sinnvoller, eigene Ideen konkret auszuformulieren und Begriffe zu »setzen«, mithin die dringend notwendige Erweiterung des Themenspektrums vorzunehmen.“

In seiner Analyse schreibt Kaiser u.a., dass es innerhalb der europäischen Rechten „Kontinuitätslinien“ gibt, die man der Linken von jeher voraushabe. Die wichtigste dieser Linien ist die „Nennung der dreifachen Zugehörigkeit eines Europäers zur Heimatregion, zur Nation, zu Europa als übergeordnetem Prinzip.“ Er zitiert den Europapolitiker der freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) Andreas Mölzer: „Nur ein föderatives, in manchen Regionen die vorhandenen Staaten auflockerndes Europa ist nach den bisherigen historischen Entwicklungen denkbar.“
Kaiser verweist dabei u.a. auch auf die postnationalistische „identitäre Bewegung“ in Frankreich, welche der Anschauung folgt, dass das Mutterland Europa nicht als Vorstufe zur „One World“ gelten soll, sondern neben Region und Nation als Barriere gegen eine solche fungiert.

Im „Fazit“ seiner Abhandlung meint Kaiser

„Es erscheint … sinnvoller, eigene Ideen konkret auszuformulieren und Begriffe zu »setzen«, mithin die dringend notwendige Erweiterung des Themenspektrums vorzunehmen. Eine »Neue Rechte«, die sich von neokonservativ-neoliberalen Vorstellungswelten absetzt, die sich also gegen die Vorherrschaft des Westens, universale Islamfeindschaft, libertäre Marktgläubigkeit und konservative Kapitalismusaffirmation stellt; eine Neue Rechte, die ein fundiertes eigenes Bild vom zeitgenössischen Imperialismus entwirft und sich geopolitisch für eine »Pluralisierung der Hegemonien« ausspricht; eine neue Rechte, die die soziale Frage wieder als ureigenes Sujet entdeckt; eine Neue Rechte, die europäisch denkt und mehr als nur einen nationalsouveränistisch-populistischen Anti-Brüssel-Block formieren möchte, die die Idee des einigen Europas neu und innovativ, aber rückgebunden auch an Tradition und Herkunft betrachtet; …

Das geht es mir etwas sehr durcheinander und alles scheint mir wenig neu im Sinne „eigener Ideen“. Alles schon mal da gewesen! Gegen eine Vorherrschaft des Westens, gegen universale Islamfeindschaft, gegen libertäre und bürgerliche Kapitalismusaffirmation war auch schon Hitler aufgetreten, er hat auch „europäisch“ gedacht und agiert; die soziale Frage hat Oswald Spengler in seiner Schrift „Preußischer Sozialismus“ aufgeworfen, die Nazis haben die Bismarck´schen Sozialreformen weiter ausstaffiert; gegen die Liberalen haben alle Vertreter der „konservativen Revolution“ – bis zuletzt Armin Mohler – polemisiert.

„Europa … rückgebunden auch an Tradition und Herkunft“, das will mir schon gefallen in der „Trinität“ Region/Heimat, Nation/Vaterland und ein Europa der Vaterländer.
Das ist nicht nur „denkbar“, wie der FPÖ-Politiker Mölzer meinte, es scheint mir das einzig effektive Leitbild für eine Politik der Erhaltung europäischer Kultur und seiner Völker.
(Alt-) Neu wäre wieder eine echte Subsidiarität ausgehend von der unteren Ebene – den Gemeinden, der Region. Rechtsetzung und Ordnungsgebung nicht von oben übergestülpt, sondern Gestaltung wieder faktisch von unten nach oben.
Subsidiarität ist auch ein unerlässliches und zentrales Element des zuvorderst menschenfreundlichen ordnungspolitischen Konzepts der sozialen Marktwirtschaft.

Kaiser meint in seinem Fazit „Negation des Alten und der Hervorbringung von etwas Neuem jenseits des Üblichen führt »zu produktiver geistiger Unruhe«.

Die derzeitige Politik und ihre Ideologie kranken unter anderem aufgrund der „Negation des Alten“, aufgrund ihres Kampfes auch gegen das Föderale und Subsidiäre – auf dem Weg zur weitergehenden Globalisierung.

Europa

Europa! Wir sollten uns an das erinnern, was Gerd-Klaus Kaltenbrunner 1994 in „Vom Geist Europas“ schrieb:

„Europa … die Vision eines Hauses mit vielen Wohnungen, eines Domes mit vielen Kapellen, eines Lebensraumes oder einer „oikia“ mit vielen Gebieten, Nischen und Höhenstufen. Es ist dies ein anderes Europa als der halb euphorisch begrüßte, halb fatalistisch hingenommene Binnenmarkt gleichen Namens. Das Abendland, in dem ich mich beheimatet weiß, ähnelt — um es drastisch zu sagen — eher noch dem fernen Polynesien als jenem nahen, aber antlitzlosen Monster, das von überheblichen Kommissionen und Konzernen entworfen, verwaltet und vor angetrieben wird. Der gigantomanischen Vermessenheit dessen, was in einem wohlgeordneten Gemeinwesen nur subalternsten Rang innehaben könnte, halte ich unbeirrt die Urgestalten und Denkmale europäischen Schöpfergeists und Überlieferungssinns entgegen. Bildlich gesprochen: Das alte Prag, Riga, Krakau und Kiew stehen mir näher als das neue Brüssel. Den Spott, ein Don Quijote sei, wer die Übermacht des Technokratischen, Ökonomischen und Administrativen in die Schranken fordere, fürchte ich sowenig wie vor zwanzig Jahren die Schelte des „Konservativen“.

Es ist zu fürchten, dass das „alte“ Europa unwiderruflich dem Untergang geweiht ist, dafür werden neben unseren „Eliten“ die eingeladenen, hergeschleppten und hergeführten „Flüchtlinge“ aus Afrika und dem Nahen oder Mittleren Osten sorgen.

Europa, das „Abendland“, das war der Kontinent der Christenheit. Vom Christentum ist bei den Linken wie auch bei der neuen Rechten, nicht die Rede – insofern gibt es diesbezüglich eine Querverbindung.

Die Idee des einigen Europas auch „neu und innovativ“, kann nur rückgebunden an Tradition und Herkunft betrachtet werden!

Ideologie

Kaiser spricht es in seinem Essay nicht konkret aus, aber er fordert im Grunde eine eigene (neue) Ideologie, ohne aber im Einzelnen konkret zu werden – abgesehen von den formulierten Ausschlüssen (gegen die Vorherrschaft des Westens, universale Islamfeindschaft, libertäre Marktgläubigkeit und konservative Kapitalismusaffirmation …). Es möchte damit gewiss auch eine Art „Avantgarde“ der Rechten generiert werden.

Ideologie – das Wort wird gerade von Konservativen ungern in den Mund genommen, genauso wenig wie das durch den Nationalsozialismus verbrannte Wort der Weltanschauung. Gegen „Ideologie“ besteht eine regelrechte Aversion gerade bei den aufrechten Rechten.

Gibt es eine neue, „unverdächtige“ Redewendung? Gerd-Klaus Kaltenbrunner vermied ebenso den Begriff, schrieb aber, dass der Konservative einer „fundierten Theorie“ bedarf.

Warum soll man nicht doch bei dem Begriff der Ideologie bleiben? Die Linke hat da wenig Probleme. Um der linken Ideologie beizukommen, bedarf es aber schon auch einer eigenen. „Mit einem Regenschirm kann man nicht gegen die marxistische Zwangsjacke“ kämpfen“, meinte Erik von Kuehnelt-Leddihn und verweist in diesem Zusammenhang auch besonders auf Ludwig von Mises, der betonte, daß alles davon abhinge, „ob die Massen positiven oder negativen Ideologien folgen, aber sie sind nun einmal da und somit unvermeidlich“; Friedrich August von Hayek sagte uns, daß keine Gesellschaft ohne Ideologie 24 Stunden existieren könnte.

Die Programme der noch existierenden angeblich konservativen Parteien (welche sind das noch?) erfüllen diesen Anspruch an eine verbindende (gewissermaßen auch „verbindliche“) Weltanschauung nicht. Die CDU war über die meiste Zeit ihrer Existenz fern davon, eine Programmpartei zu sein – im Gegensatz zu ihrer großen Konkurrentin SPD. Beide eint inzwischen, dass fast nur noch Antworten auf tagespolitisch entstandene oder auch gezielt aufgeworfene Fragen angeblich pragmatisch, nicht „programmatisch“ gelöst oder beantwortet werden sollen. Eine die Politik prägende, wirklich „fundierte Theorie“ ist bei der CDU/CSU nicht mehr zu erkennen, zu sehr hat sie sich der von Linken und Grünen geprägten Denk- und Fühlweise des Zeitalters unterworfen.

Es schien mir bei meinen Nachforschungen nur spärlich auf, was die „Hervorbringung von etwas Neuem jenseits des Üblichen“ auf Seiten der neuen Rechten – a la Benedikt Kaiser – beinhaltet.

„Etwas Neues“ hat freilich für Konservative durchaus keinen Selbstzweck.

Peter Helmes, ein alter Fahrensmann im politischen Geschäft, Spiritus Rector und Autor der „Deutschen Konservativen“, die irgendwie ein „Restkollektiv“ sind, meinte auf die Anfrage und Anregung nach einem „modernen“ konservativen Programm Folgendes:

Mich reizt Programmarbeit. ABER:
Meine politische Erfahrung hat mich schon oft auf den Boden der Realität gezogen. Dazu gehört die Erkenntnis,

1. daß Parteien generell nicht in der Lage sind, politisch-programmatisch zu denken (s.o. „Aktionismus“).

2. daß „konservative Thinktanks“ in Deutschland ein karges Brot fressen. Mehr oder weniger nagen sie alle am geistigen (Ideen) und leiblichen (Finanzen) Hungertuch, dieweil solche „Fabriken“ auf der linken Seite eher am Hummertuch nagen können (Bertelsmann-Stiftung, Körber-Stiftung etc. als Beispiel).

3. daß, sobald eine Idee oder ein Programm auf dem Tisch liegt, gerade das rechte Lager zur Streitaxt greift … Man gönnt dem Anderen keinen Erfolg, was i.d.R. zu persönlichen Streitereien führt. Jüngstes Beispiel ist ja wohl die AfD bzw. die Lucke-Gruppe usw.

Und vor allem „ … an wen sollte sich ein „Konservatives Programm“ richten?“

Letzteres ist eine Schlüsselfrage, die im Moment schwer beantwortet werden kann.

Da klingt etwas davon durch, was Davila in seinem Aphorismus sagt:

„Die Konservativen der Gegenwart sind nicht mehr, als von der Demokratie misshandelte Liberale.“

Damit soll vorerst das Thema „Querfront“ geschlossen sein.

Der Reaktionär