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aus dem Herzen der „Grande Nation“

Ich habe etwas Zeit gebraucht, die Eindrücke zu verarbeiten, die sich mir aus einer Studienreise durch die Ile de France ergeben hatten.
Die ersten beiden Juniwochen galt es, die berühmten Kathedralen und Schlösser im Herzen Frankreichs zu erkunden. „Reisen bildet“ heißt es – und das sollten besonders „Studienreisen“ bewirken.
Ich nehme es vorweg, wir haben beeindruckende bauliche Kunstschätze und eine schöne Landschaft „live“ erforschen können. Aber auch Bedrückendes oder Verstörendes erfahren. Die Eindrücke, die wir erhielten, waren jedoch für uns Touristen dort (noch?) nicht so krass, wie es eine „Collage“ zu Frankreich, die jetzt im Netz zirkuliert, nahelegen könnte.
Es ist aber nicht zu bezweifeln, dass auch im Herzen Frankreichs und nicht nur in Marseille die Umvolkung – oder die „Soumission“ (Michel Houellebecq) – begonnen hat.
In Reims, der ersten Station der Reise, waren die ersten Personen, die wir am Stadtrand aus dem Bus sehen konnten – ein Omen(?) – drei Frauen im Nijab! Die Straßenbahnstation des östlichen Vororts von Reims zeigte ein Vielvölkergemisch buntester Prägung. Saint Denis, der nördliche Vorort von Paris mit seiner berühmten Kathedrale, ist inzwischen eine vorrangig afrikanische Siedlung. Nur die Restaurant- oder Cafehaus-Besitzer im Zentrum scheinen noch rein „gallischer“ Abkunft zu sein.

In Versailles patrouillierte vor dem Schloss eine Dreiergruppe von hochaufmunitionierten Soldaten in den offensichtlich neuen Nationalfarben der Nation: Schwarz – Weiß – Braun. Bei den Besuchern des riesigen Gartens von Versailles entsprach die ethnische Durchmischung etwa der am Frankfurter Hauptbahnhof.
Im Schloss selbst unter den geführten Touristen prädominierte eindeutig europäisches und ostasiatisches Volk. Auch bei den anderen Sehenswürdigkeiten unserer Reise: Den Schlössern von Chantilly, Ecouen, Fontainebleau, Vaux-le-Vicomte oder den Kathedralen von Amiens, Laon, Chartres und Troyes usw. war es so. Hier, weiter außerhalb von Paris, war die Polizeipräsenz denn auch weniger deutlich. Dass Frankreich aber immer noch im ausgerufenen „Ausnahmezustand“ steht, wurde an der massiven Präsenz von Polizei- und Militäreinheiten im Stadtbild von Paris deutlich. Fast alle wesentlichen und auch touristisch bedeutenden Bereiche in Paris sind stets von einem Kordon von Schutzkräften umgeben. Wenn die Grande Nation ihre militärische Größe mit der nachmittaglichen Kranzniederlegung am Arc de Triomphe zelebriert, wird das Geschehen vom Blaulichtgeflacker der Polizeifahrzeuge illuminiert.

Das sind nun sehr verkürzte und oberflächliche Eindrücke, die ich jetzt hier aus einer „behüteten“ Reiseerfahrung wiedergebe.

Die Reise wird mich noch einige Zeit aus den vielfältigen Eindrücken heraus beschäftigen: Viel mit der Hochkultur Frankreichs, die sich gerade in den erlebten Bauwerken zeigt. Da könnte kritisch noch einiges zu dem in den Schlössern gezeigten Reichtum gesagt werden, den die allerchristlichsten oder atheistischsten Majestäten und Despoten der Grande Nation zusammengeraubt haben. Über die Barbarei unter der Französischen Revolution, die vor keinem christlichen Bauwerk halt machte – und die der Welt ein zwiespältiges Erbe brachte. Aber auch über die Barbarei vor allem im 1. Weltkrieg: unser Weg führte an den Schlachtfeldern in der Champagne vorbei.

Es gibt ein bewegendes Lied, das als Hintergrund zu dem Besuch dort gepasst hätte.

Man wäre dann vielleicht doch noch länger nachdenklich vor der Gedenktafel auf dem Platz vor der Kathedrale von Reims verharrt, welche an die Versöhnungsgeste zwischen den beiden großen Europäern und Patrioten Charles de Gaulle und Konrad Adenauer und zwischen unseren Völkern erinnern soll.

Reims – Erinnerung an den 8. Juli 1962

Soldaten

Exkurs in die Familiengeschichte

Nicht nur die Kasernen, die Öffentlichkeit und wohl auch der private Bereich soll inzwischen von allem gereinigt werden, was irgendwie an deutsche militärische Tradition erinnern mag.
Muss man nicht mitmachen und so möchte ich hier meine kleine, aber vielleicht auch typisch deutsche (militärische) Familienchronik veröffentlichen.

Mein Urgroßvater und Großvater väterlicherseits dienten bis 1916 bzw. 1918 in der K. u. K.-Armee. Sie haben wohl „Gott erhalte, Gott beschütze – Unsern Kaiser, unser Land!“ gesungen und sicherlich nicht das „Panzerlied“. Der Spruch „Serbien muss sterbien“ ist ihnen aber doch möglicherweise 1914 über die Lippen gekommen.
Mein Vater war von 1940 bis 1945 Soldat in der Wehrmacht. Eine Verwundung bewahrte ihn vor dem Schicksal, in Stalingrad verheizt zu werden. Sein ältester Bruder ist in Russland gefallen.
Ich hatte das Glück, nicht in einen Krieg ziehen zu müssen. Im „Kalten Krieg“ war es für mich aber selbstverständlich, meiner Pflicht nachzukommen; aber nicht weil ich als wehrpflichtiger Sanitätsoffizier einige Privilegien genoss.

Vier Generationen Soldaten – und dann?

Ich habe drei Enkelsöhne, denen ich diesen Teil der Familientradition, diesen Teil auch der deutschen Geschichte, einmal erzählen dürfen möchte. Auch weil ich weiß, dass sie, wie es meine Töchter getan haben, nach diesen Teil unserer Geschichte fragen werden. Ich werde die Bilder nicht vergilben lassen.
Was ich meinen Nachkommen nicht wünschen möchte, ist ein Krieg – im Inneren nicht und nicht nach außen.

Gibt es eine entkreuzte Ökumene mit dem Islam?

Eine Begegnung am Sonntag „Misericordia dominis“ – oder:

Fragen an einen evangelischen Bischof

Am Rande eines gemeinsamen Auftritts kultureller Art zu diesem Tag kam ich durch Zufall mit einem pensionierten Bischof und ehemals sehr hohen Repräsentanten der EKD ins Gespräch.
Die Ökumene und der interreligiöse Dialog seien in den letzten Amtsjahren quasi sein Lebenswerk gewesen, erzählte er mir. Mit großem Glück erfülle ihn nun die Meldung, die man der Tagesschau entnehmen konnte, dass sich bei seinem Besuch in Ägypten Papst Franziskus und christliche Kleriker mit dem Leiter der Al-Azhar-Universität, dem „Großimam“ der Sunniten, Scheich Ahmed al-Tajjib getroffen haben.
„Endlich, endlich, ein epochaler Durchbruch…“, meinte mein Gesprächspartner. Der Imam habe nun klar geäußert, der Islam sei „keine Religion des Terrorismus, weil eine Minderheit unter seinen Anhängern einige seiner Texte an sich gerissen hat“. Das erfülle ihn mit Glück, denn er kenne doch nur Muslime, die den Frieden durch ihren Glauben betonen.
Ich wollte nicht in ein Streitgespräch kommen und uns die Begegnung verderben und äußerte nur, daß mein Blick auf den Islam skeptischer sei.
Ich bin ja auch kein Theologe.
Ich wollte nicht darauf hinweisen, daß der jetzige Papst bei einem Besuch des Imam im Vatikan im vorigen Jahr über den Schutz der Christen in dessen Land gesprochen habe und man dennoch jüngst an Ostern eines der spektakulärsten Massaker an koptischen Christen in Ägypten erleben musste. Ĭch wollte ihn nicht nach der Einstellung anderer Koranlehrer z.B. der „Universität“ von Ghom im schiitischen Iran fragen, nicht nach der saudischen Staatsreligion des fundamentalistischen Wahhabismus; oder nach dem Prinzip der Taqīya, der erlaubten Lüge im Sinne des Koran.
Ich wollte den ehemaligen Bischof auch nicht fragen, ob auch er bei einem Besuch des Tempelbergs in Jerusalem sein Bischofskreuz abgelegt hätte – und wohin eine „entkreuzte Ökumene“ mit dem Islam führen soll. Das wäre vielleicht bei diesem lauteren und recht sympathischen Gesprächspartner beleidigend gewesen.
Also bitte, man verstehe: keine Feigheit meinerseits und man fällt nicht mit der Tür ins Haus; auch wenn ich andeutete, dass immer noch mein Papst Benedikt heiße.
Nein man muss nicht bei der ersten Begegnung und wenn man mit Überzeugung gemeinsam eine Choralversion des „Psalms 23“ und „Aus dem Dankelied zu Gott“ von Josef Haydn singen will, seine kontroversen Sichtweisen zur angeblichen Religion des Friedens gleich angestrengt „diskurrieren“.
Meine bisherigen „ökumenischen“ Begegnungen im Lutherjahr sollen mich in meinem katholischen Bewußtsein offensichtlich bestärken.

Das haben wir dann doch gemeinsam gesungen:

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

Psalm 23