Der neue Verrat der Sozialdemokraten! Kommt aus den bayerischen Bergen die Rettung?

Screenshot von „Achse des Guten“

Wer erwartet hatte, dass Steinmeier, diese Gestalt gewordene Fratze der GroKo, etwas anderes antreiben wird, als eine Neuauflage der Großen Koalition, ist naiv. Sie werden wieder zusammenkommen, die Spezialdemokraten von der SPD und der Union.

Ekel-Ralf (Stegner) von der SPD hat schon verkündet, wohin Merkel und ihre Union sich zu bewegen haben. In einem Interview für die Funke Mediengruppe hat er klargestellt: „Eine Obergrenze, die nicht so heißen darf, verstößt immer noch gegen die Verfassung und die Genfer Flüchtlingskonvention. Daher wird es eine weitere Begrenzung des Familiennachzugs mit der SPD nicht geben.“ Zudem beharre die SPD auf der Einführung einer paritätisch von Arbeitgebern und Arbeitnehmern finanzierten Bürgerversicherung im Gesundheitswesen. Für den Arbeitsmarkt verlangte der Parteilinke andere Formen der Arbeitszeit, gleichen Lohn für gleiche Arbeit bei Männern und Frauen und mehr Tarifbindung. Außerdem müssten die grundlos befristeten Arbeitsverhältnisse abgeschafft werden.

Das fällt Merkel nicht schwer und so verkündete sie danach: „Wir sind bereit, Gespräche mit der SPD aufzunehmen“. Die Gespräche mit der SPD sollten „ernsthaft, engagiert, redlich“ und mit dem Ziel eines erfolgreichen Abschlusses geführt werden, fügte die CDU-Vorsitzende hinzu. Grundlage für die Verhandlungen solle das Wahlprogramm der Union sein.

Und dafür wurde die Öffentlichkeit acht Wochen lang an der Nase herumgeführt.

Wer in dem neuen Schmierentheater die schäbigere Rolle spielen wird, ist dabei gar nicht unbestimmt: beide werden mit dem identischen Geruch der Verwesung herauskommen und in ihre neue Regierungszeit taumeln. Es wird in angeblicher „staatsbewußter Verantwortung“ ein neues Hochamt an Charakterlosigkeiten gefeiert werden – und der Dummheit.

Man musste nicht „Respekt“ sagen, als nach dem Wahlergebnis vom 24. September die SPD einmütig verkündete, für eine weitere Regierungskoalition – mit wem auch immer – nicht zur Verfügung zu stehen. Man wolle sich in der Opposition neu aufstellen und wieder ins Lot kommen. Man war sich bewusst: Nochmal GroKo und die 10%-Marge wird angesteuert.
Nun wird es wohl so geschehen.
Merkel ist ihre Partei schnuppe – wie auch das Land und ihre Menschen – Hauptsache, sie kann ihr Zerstörungswerk mit und ohne Hilfe ihrer rückgratlosen Partei-Schranzen fortsetzen.

Und die CSU?
Hat sie nicht am 24. September die deutlichste Abmahnung unter den Koalitionären erhalten?

Die „Experten“ aus den Politikwissenschaften – und nicht nur diese – sind überzeugt, dass mit einer Neuauflage der „GroKo“ alle Koalitionspartner bei den nächsten Wahlen weiter abgestraft werden. Aber den Zug der Lemminge kann wohl nichts aufhalten, wie es nun aussieht.

Warum wirft die CSU der Merkel nicht den Bettel hin?!
Dann könnten alle „Experten“ weiter über eine mögliche, für Deutschland ach so schädliche Minderheitsregierung schwadronieren; und ob dann die Grünen nicht doch an Bord geholt werden müssten (was der Alten sicher gefallen würde).

Vor zwei Jahren hatte ich schon diesen Albtraum, die Oneirodynie von einer Schwarz-Rot-Grün-Koaltiton. Aber mit der Hoffnung einer „Sezession“ – in Gang gebracht von der CSU.
Wenn die CSU nicht ganz ihr Gesicht verlieren will, nicht sehenden Auges auf eine noch größere Niederlage bei der Landtagswahl 2018 zusteuern will, muss sie den Eintritt in eine neue große Koalition ablehnen. Die CSU wird damit der entscheidende Spieler in diesem so schäbig daher kommenden Machtpoker. Sie scheint aber von dem Gesinnungs-Umfaller der SPD kalt ergriffen worden zu sein, und so ist man dank Seehofer noch mehr mit sich selbst beschäftigt und nicht mit dem Blick auf die wahren Probleme des Landes.
Man sollte die CSU an den bekannten Ausspruch von F.J. Strauß erinnern: „Wenn die Verflachung der Politik beginnt, kommt aus den bayerischen Bergen die Rettung.“
Es ist aber mehr als nur „Verflachung“, was bereits begonnen hat. Merkel wird (und will) ihr technokratisches Polit-System zur Vollendung bringen und der zweiten deutschen Demokratie und Deutschland endgültig den Rest geben.

Update: Seehofer wackelt weiter hin und her

Einen Wackelpudding kann man nicht an die Wand nageln; man kann ihn anstupsen, dann gibt er vibrierend irgendwie nach; man muss ihn schon mit Gewalt und heftig von Hand vom Tisch wischen, um ihn auf den Boden zu befördern und die glibberige Konsistenz irgendwie zu demolieren.
Lassen wir mal diese Betrachtungen über „Wackelpudding“, „Wackelpeter“ oder euphemistisch: „Götterspeise“.

Was hat man von (Wackel-) Horst bei den Jamaika-Verhandlungen nicht alles erwartet. Dass er sein Geschick vielleicht noch wenden könnte. Dass er gestärkt nach Bayern heimkehre und seiner am 24. September gebeutelten CSU Hoffnung gäbe, bei der Landtagswahl 2018 einem drohenden Desaster zu entgehen. Zeige er die erwartete Standhaftigkeit, die Positionen der CSU und deren Stammwähler in einem Koalitionsvertrag – vor allem zur Flüchtlingspolitik – durchsetzen, dann müssten sich die schon lautstark mit den Hufen scharrenden Nachfolgekandidaten wohl wieder zurückziehen und wären an die Kandare gelegt.

Nichts dergleichen ist eingetreten – und war nach meiner Überzeugung auch nicht zu erwarten.
Der Youngster Christian Lindner von der FDP hat ihm die Schau gestohlen: in puncto Rückgrat, „Standing“ und politischer Reife.

Wenn einer am 20. November in der Runde der abgemeierten Möchte-gern-Koalitionäre von Merkels und der Grünen Gnaden besonders bedröppelt guckte, dann war es Seehofer: Die Gesichtsfarbe blass-grünlich (nicht nur aufgrund Übernächtigung) und der ohnehin gern schmallippig verkrampfte Mund nicht mehr detektierbar.
Die FDP hat in nicht nur bei für ihre Partei wichtigen politischen (Zukunfts-) Feldern klare Kante gezeigt!
Nicht die großmäulige Seehofer-CSU-Entourage. Man ließ zwar von Fall zu Fall einen Hofhund zum Verbellen der anderen los, aber es wurde bald klar, dass dies weniger als ein Gauksen war.
Dass Merkel mit den Grünen zusammen den Drehhofer und die CSU am Nasenring durch die Sondierung ziehen konnte, war bald jedem klar. Jedem heißt, vor allem den bayerischen Landsleuten.

Seehofer steht vor einem Scherbenhaufen.

„Psychographien“ von Politikern sind meist wohlfeil und oft unredlich, aber gerade im Falle von Horst Seehofer könnte sowas zum „Verstehen“ führen.

Seine Schwester bezeichnete ihn als Streber und in der Jugend war er als Handballer beim ESV Ingolstadt nicht beliebt, da er sich nicht als Teamplayer, sondern eher als Trainer sah. Das sagt ein klein bisschen etwas über den künftigen Karrieremann aus.

Wie ist es dazu gekommen, dass man ihn als Wackelpudding oder „Drehhofer“ bezeichnet?
Als Lobbyist in eigener Sache, als Ichling und Egomane, dem Prinzip Wetterfähnchen verpflichtet.
Als Unberechenbaren, der zuweilen seine politischen Überzeugungen so schnell wie seine Hemden wechselt.
Als sprunghaft: gleichzeitig dafür gleichzeitig dagegen.

Dabei schreibt die Süddeutsche Zeitung: „Statur, Charme und Charisma verleihen ihm Autorität“.
1,93 m Körpergröße und zwei Zentner Gewicht machen schon Eindruck auf „Pygmäen“ – so von ihm seine vorübergegenden Widersacher Erwin Huber und Günter Beckstein bezeichnet.
Mit „Charme“ hatte er wohl in den Jahren seines Wirkens als Minister in Berlin eine junge Lebensgefährtin gewonnen, mit der er auch ein KInd hat. Sein „Charme“ hat ihm dann auch die Rückkehr zu seiner Ehefrau in Ingolstadt geebnet.
Auch Humor kann man ihm nicht absprechen und nicht die Fähigkeit für witzige Sprachneuschöpfungen. Irgendwie gspaßig titulierte er potentielle Konkurrenten wie Peter Ramsauer als „Zar-Peter“ und Karl Theodor von Guttenberg als „Glühwürmchen“; zum „vom Ehrgeiz zerfressenen“ Markus Söder fiel ihm das berühmt gewordene Wort von den „Schmutzeleien“ ein.
Dies und anderes brachte wohl die beiden Kolumnistinnen der SZ dazu, bei ihm auch von Charisma zu sprechen.

Betrachten wir seinen Lebenslauf und dazu die politischen Wegmarken, die ihm schließlich seine Firmierungen einbrachten.

Geboren am 4. Juli 1949 in Ingolstadt, verheiratet, 4 Kinder, Beruf Diplom-Verwaltungswirt (FH)
1980 – 2008: Direkt gewählter Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises Ingolstadt
1983 – 1989: Sozialpolitischer Sprecher der Landesgruppe der (CSU)
1989 – 1992: Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung
1992 – 1998: Bundesminister für Gesundheit
1998 – 2004: Stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
1994 – 2008: Stellvertretender Parteivorsitzender der CSU
2000 – 2008: Landesvorsitzender der Arbeitnehmer-Union CSA
2005 kurzzeitig Landesvorsitzender des Sozialverbandes VdK Bayern
2005 – 2008: Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Seit Oktober 2008: Parteivorsitzender der CSU und Ministerpräsident des Freistaates Bayern
November 2011 – Oktober 2012: Bundesratspräsident
Seit Oktober 2013: Direkt gewählter Landtagsabgeordneter des Stimmkreises Neuburg-Schrobenhausen.


Der Sozialpolitiker

Seine „christlich-soziale“, gewerkschaftliche Orientierung verschaffte ihm erste politische Ämter als „sozialpolitischer Sprecher“ der CDU/CSU, dann Staatssekretär im Bundes-Arbeitsministerium und schließlich als Bundes-Gesundheitsminister.

Als CDU und CSU sich 2004 gegen seinen Willen, auf Drängen Angela Merkels, bei der geplanten Gesundheitsreform auf eine Kopfpauschale geeinigt hatten, machte er die Politik der CDU-Vorsitzenden madig und warf schließlich seinen Posten als stellvertretender CDU/CSU-Fraktionsvorsitzender hin. Das hat ihn aber nicht gehindert, bei derselben Kanzlerin 2005 als Agrarminister anzuheuern.

Der Agrarpolitiker

Als Bundesminister irritiert er nicht nur seine Landsleute, als er zum Beispiel den Genmais in Bayern verbieten, im Rest der Republik aber anbauen lassen wollte.

Als Landwirtschaftsminister hatte Horst Seehofer eine EU-Verordnung mitbeschlossen, nach der die Empfänger der milliardenschweren Brüsseler Agrarhilfen publiziert werden müssen. 2009 wollte er davon nichts mehr wissen und ließ seine bayerische Ministerin Aigner dagegen intervenieren.

Beim „Ausbruch der Vogelgrippe“ 2006 kritisierte er das Krisenmanagement lokaler Behörden auf Rügen, weigerte sich aber, einer Impfung zuzustimmen, und wollte gar einen Bundeswehreinsatz auf Rügen, um die Seuche zu bekämpfen.

Der Energiepolitiker

Im Juli 2010 befürwortete Seehofer eine unbegrenzte Laufzeitverlängerung für die 17 deutschen Kernkraftwerke. Nach Fukushima 2011 folgte Seehofer umgehend und unreflektiert der neuen Linie der Union und sprach sich für die sofortige Abschaltung der ältesten Kernkraftwerke und einen schnellstmöglichen Ausstieg aus der Kernenergie aus und so wurde umgehend Bayerns ältestem Kernkraftwerk Isar 1 im Sommer 2011 die Betriebserlaubnis entzogen.

Vor Vertretern von Bürgerinitiativen gegen den akritischen Ausbau von Windenergie erklärte Seehofers: „Ich bin nicht bereit, als bayerischer Ministerpräsident in die Geschichte einzugehen, der für die Landschaftszerstörung unserer schönen Heimat verantwortlich war.“
Kurz darauf, im Juni 2013 verständigte sich das bayerische Kabinett auf Drängen Seehofers auf eine Bundesratsinitiative zur Windenergie. Als Feigenblatt versehen mit etwas größeren Abstandsflächen.

In dem Zusammenhang lehnte Seehofer den geplanten Bau von zwei Stromtrassen in Bayern ab, obwohl er im Vorfeld diesen Projekten eindeutig seine Zustimmung gegeben hatte. Ministerin Aigner sollte dann die schon verkokelten Kastanien irgendwie aus dem Feuer kriegen.

Die Obergrenze

Jeder verbindet Seehofer und die CSU mit dem Begriff der Obergrenze für Flüchtlinge bzw. Zuwanderung nach der rechtswidrigen Grenzöffnung durch Merkel.
Starke Worte wurden da gewählt: „Kein Freibrief für ungesteuerte Zuwanderung“.
Auf dem CSU-Parteitag 2015 düpierte er die eingeladene Kanzlerin, die er vorher intensiv mit ihrer „als zu lasch und zu liberal“ kritisierten Flüchtlingspolitik attackiert hatte. Man erinnert sich, wie richtiggehend herabwürdigend der Umgang der geladenen Kritisierten vor den CSU-Delegierten und Gästen inszeniert wurde.
Es folgten Ultimaten wie, die Kanzlerin müsse sich Maßnahmen zur Begrenzung der Flüchtlingszahlen ergreifen – sonst würde er sich „Handlungsoptionen“ überlegen.

Im Sommer 2017 sagte er noch: „Wenn ich das sage, gilt das. Kein Abrücken von der Obergrenze. Die 200.000 bleiben.“
Wenige Tage später sagt er im „Sommerinterview“: „Die Situation hat sich verändert, der Kurs in Berlin hat sich verändert. Wir haben jetzt deutlich weniger Zuwanderung als zu dem Zeitpunkt, wo ich dieses Zitat gebracht hatte.“ und sieht eine Obergrenze für Flüchtlinge nicht mehr als Bedingung für eine Koalition nach der Bundestagswahl.

Da hat er dann Wort gehalten, wie aus den Sondierungsgesprächen zu „Jamaika“ herauszulesen ist, auch wenn sein Mitverhandler Dobrindt auch mal andere Töne anstimmen durfte.

Der Chef

Bayerische Kabinettsmitglieder berichten der Presse, dass sie heute nicht wissen, was morgen die Meinung des Ministerpräsidenten sei.

Als er 2008 als Ministerpräsident antrat, hatte Seehofer (59) alle CSU-Politiker über 60 Jahre aus dem Kabinett verbannt, darunter langjährige Stammkräfte wie Wissenschaftsminister Thomas Goppel und Landwirtschaftsminister Josef Miller. Er wollte eine Mannschaft, mit der er 2013 in die nächste Landtagswahl ziehen kann. Nachdem ein Proteststurm der „Senioren-Union“ losbrach ließ er vermelden, nie habe er 60 Jahre als Altersgrenze für sein Kabinett ausgegeben, obschon er diese 60-plus-Kündigung nach der Kabinettsbildung ausdrücklich als eine „Grundsatzentscheidung unabhängig von Personen“ bezeichnet hatte.

Seehofer weiß nach eigenem Bekunden genau, wie die Stimmung im Volk ist. Dafür reichen ihm angeblich schon zehn Minuten Bürgerkontakt, ließ er wissen.
Auf dem erwähnten Parteitag von 2015 verkündete er nach jüngsten Wahlniederlagen der CDU in den Ländern arrogant: „Wir sind vom Sinkflug der CDU nicht betroffen“, und dann im pluralis majestatis: „Die Basis denkt so wie wir und wir denken wie die Basis“.
Und dann erlebte er am 24. September einen regelrechten Sturzflug, mehr noch als die CDU.

Die „Basis“ – nicht nur in Bayern – hat erkannt, dass mit einer Person wie Seehofer sprichwörtlich kein Staat mehr zu machen ist. Laut Umfragen wünschten anfang November bereits 58 Prozent von Befragten, Seehofer möge seine politische Karriere bald beenden.
Da muss er heftig seinen „Charme“ und sein „Charisma“ einsetzen, dass er einen einigermaßen würdigen Abgang bekommt. Und nicht wie ein räudiger Hund vom Hof gejagt wird. Das will man ihm doch wünschen, nicht die Erfahrung seiner Vorgänger Beckstein und Huber zu machen. Auch wenn die Fakten nicht für den Noch-Ministerpräsidenten und Noch-CSU-Vorsitzenden Seehofer sprechen. Auch wenn der Spiegel noch für sich zweckgerichtet orakelt, „Er ist noch nicht fällig“ – sein Abgang ist über-fällig!

Nachtrag: am 23.11. sagte Seehofer am Mittag „Heute Abend wird alles klar sein“. Nur nicht, was „klar“ sein sollte. Am Abend ließ er dann verlauten, dass erst Anfang Dezember entschieden werden solle unter Mithilfe eines Gremiums, besteht aus Stoiber, Waigel und Barbara Stamm.

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Quellen, u.a.:

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2015-11/csu-horst-seehofer-wahl

http://www.sueddeutsche.de/bayern/seehofers-regierungsstil-den-finger-stark-im-wind-1.483141

https://www.stern.de/politik/deutschland/csu-horst-seehofer–die-politische-ich-ag-3744064.html

http://www.huffingtonpost.de/2015/11/02/streit-cdu-csu-horst-seehofer-fluechtlinge_n_8449212.html

http://www.faz.net/aktuell/politik/bundestagswahl/horst-seehofer-obergrenze-fuer-fluechtlinge-nicht-mehr-koalitionsbedingung-15159892.html

http://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Seehofer-hat-Aerger-mit-den-Senioren-id4469416.html

http://www.deutschlandfunk.de/auffallen-um-jeden-preis.724.de.html?dram:article_id=99464

http://www.seehofer-direkt.de/

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/horst-seehofer-im-csu-machtkampf-er-ist-noch-nicht-faellig-a-1179446.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Horst_Seehofer

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/horst-seehofer-csu-chef-vertagt-frage-ueber-seine-zukunft-15307481.html

Faktencheck CDU: Wer könnte Vorsitzende(r) oder Kanzler

Nehmen wir uns mal den obersten Führungszirkel der CDU vor, Präsidium mit Vorstand  und unterwerfen die dort versammelten Personen einem strengen „Faktencheck“, ergänzt mit klassischen „Schulnoten“.


Angela Merkel
Vorsitzende und Bundeskanzlerin
Immer noch steht die Alte als Vorsitzende an der Spitze der Liste.
Sie hatte zwölf Jahre Zeit als Bundeskanzler(in) mittels Rechtsbrüchen das Land ins Energie-, Überfremdungs-, Kriminalitäts-Chaos zu führen. Sie hat es mit Hilfe der Medien verstanden, eine einst doch funktionierende Demokratie auszuhebeln und in ein autokratisches Gebilde zu verwandeln, in der Meinungs- und Gesinnungsfreiheit inzwischen mit Füssen getreten werden. Hat ihre wwillfährige Partei in eine Ansammlung von zahnlosen Speichelleckern umfunktioniert.
Ab mit ihr in die Uckermark – oder besser: nach Chile, wo ihr früherer Chef Erich unbehelligt leben konnte.
Note 6 – nach dreimaliger Bewährungsprobe


Peter Tauber
Ist als Generalsekretär von Merkels Gnaden im obersten Gremium vertreten, obschon sich jeder – jeder! – fragt, was hat der dort zu suchen. Hat sich als charakterloser Karrierist und Opportunist landauf-landab bekannt gemacht. War nie in einem Beruf oder einem nur annähernd wichtigen Amt tätig und ist für dergleichen fraglos vollends ungeeignet.
Note 6 minus – absolut nicht verwendungsfähig. Kopfnoten, in Hessen noch üblich

Sozialverhalten: unter aller Sau,
Arbeitsverhalten: nicht vorhanden


Volker Bouffier

Stellvertretender Vorsitzender der CDU und Ministerpräsident von Hessen. Dort Vorsteher einer schwarz-grünen Regierungskoalition – entsprechend den feuchten Träumen seiner Chefin vom Bund. Noch weniger photogen als jene und so müsste er schon mehr vorweisen, als das, was er bisher in seinem Land (eher nicht) geleistet hat. Wer würde jemanden wählen, der aussieht wie eine Person, die sich vornehmlich an Trinkhallen herumtreibt.
Note 5 – Mangelhaft


Julia Klöckner

Ebenfalls stellvertretende Vorsitzende. Die Möchtegern-Ministerpräsidentin von Rh-Pf, die trotz (oder wegen) tagespolitischen Taktierens – vulgo „Geeiere“ – krachend gescheitert ist. Eine Frisur mit 3-Wetter-Taft macht noch lange keinen Staatsmannfrau.
Note 4 minus – noch ausreichend für eventuelle Verwendung in Partei oder Fraktion.


Armin Laschet

Der „O-Wunder“-Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, ebenfalls Stellvertretender Vorsitzender der Luschen-Partei. Der “Wir haben uns doch alle sooo lieb – Wir waren doch schon sooo weit“ – Büttenredner vom Rhein. Ein Kerl wie sein Name. Wird für weitere Laschheiten noch in NRW gebraucht.
Note 4 – hat wenigstens eine Wahl „gewonnen“.


Ursula von der Leyen

Auch stellvertretende Vorsitzende. Die faltenlippige  und krähenfüßige Kita-Verteidigungszicke, die garantiert darüber nachgrübelt, ob sie Merkel gleich wegbeissen sollte, oder wartet, ob sie als Nato-Generalsekretärin einmal daran arbeiten darf, weiter alles Militärische in ihrer Umgebung auszutreiben.
vdL als Kanzler(in)?
Schlimm, schlimmer, von der Leyen!
Note 5 – bei ungenügendem Sozialverhalten


Thomas Strobl

DER CDU-Wahlverlierer schlechthin. Dass er Innenminister und stellvertretender Ministerpräsident von Baden-Württemberg werden konnte, verdankt er einem ungerechten Schicksal und einem katholischen grünen Ministerpräsidenten. Schwiegersohn von Schäuble zu sein, reicht aber nicht für höhere Weihen – außer für einen Stellvertretenden Vorsitzenden in der Verwaltung von Wrackgut.
Note 6 – als Loser und Schwiegersohn mehr als ungenügend für irgendein Amt


Philipp Murmann

Philipp Wer? Bundesschatzmeister ohne große – da für die CDU möglicherweise beunruhigende – Öffentlichkeitspräsenz. Verwalter eines Nachlasses von Aldi-Tüten und schwarzen Koffern mit brisantem Inhalt.
Keine Note


Monika Grütters*

Parlamentarische Staatssekretärin als „Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien ohne große Auffälligkeiten. Vorsitzende des CDU-Landesverbandes Berlin, einer besonders bankrotten Gliederung der Mutterpartei. In der Politik nur als Faden am Tampon der großen Vorsitzenden wahrnehmbar.
Note 5 – im Großen und Kleinen nur mangelhaft


Annegret Kramp-Karrenbauer*

Als Ministerpräsidentin des Saarlandes regiert sie über eine Bevölkerung, die nicht mehr als eine mittlere Großstadt umfasst. Sympathisch macht sie ihr eher katholisch-konservative Einstellung, was sie aber nicht davon abhalten konnte, mit den Sozen eine große Koalition einzugehen. Hat zumindest den Maas in ihrem Ländchen ausgeschaltet.
Note 3 – ohne weiteren Kommentar


Karl-Josef Laumann*

Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen. Der Westfale mit dem Aussehen und der Mentalität eines Vorstehhundes hat als Herz-Jesu-Sozialist und Alibi-Gewerkschaftler schon etliche Posten in Bund und Land bekleiden dürfen, ohne dass daraus ein größerer Mantel für ihn geschneidert werden könnte.
Note 5 – mangelhaft für größere Aufgaben


Thomas de Maizière*

Bundesminister des Inneren. Abkömmling eines alten hugenottischen, beinahe adligen Familienclans. „Regieren muss man auch können“ ist ein Slogan de Maizieres. Er ist sicher ein Verwalter und wird als Bürokrat hochgelobt , doch zum wirklichen Regieren scheint er wie sein Ostzonen-Vetter nicht wirklioch geeignet.
Note 4 minus – hat sich bemüht


Wolfgang Schäuble**

Von Merkel zum Präsidenten des Deutschen Bundestages hochgelobt. Zweifellos der schwergewichtigste und talentierteste Kandidat. Der frühere Finanzminister hat aber mehrfach bewiesen, dass ihm sein Amtseid („Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde.“) in den verschiedensten Situationen am Allerwertesten vorbeigeht. Z.B.: „Euro-Rettung“, Souveränitätsfrage usw..
Note 4 minus – gerade noch nicht ganz mangelhaft


David McAllister*

Abgewählter, ehemaliger Ministerpräsident in Niedersachsen. Ansonsten ein eher unbeschriebenes Blatt. Man fragt sich, was macht der im Präsidium der CDU.
Note 6 – bei keinerlei „Performance“


Jens Spahn*

Parlamentarischer Staatssekretär. Politischer Newcomer der letzten Jahre und angeblicher Hoffnungsträger für CDU-Fans. Zumindest die Schwulen-Fraktionen werden ihm Großes wünschen. Hat sich durch geschickt platzierte, manchmal auch Merkel-kritische Äußerungen reichlich Aufmerksamkeit verschafft.
Note 3 minus – vielleicht ausreichend für ein höheres Amt, aber erst nach Bewährung


Volker Kauder**
Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag. Inzwischen nicht nur bei der eigenen Fraktions-Meschpoke unbeliebt. Absolute Marionette von Merkel. Man kann ihn sich ohne eine Person an den Strippen eigentlich nicht vorstellen, würde zusammenkrachen wie besagte Marionetten. Gehört zur übelsten Opportunisten unter den Rücksichtslosen und Machtgeilen.
Note 6


Peter Altmaier*

Ebenfalls Vorstandsmitglied der CDU und Merkels Staatsminister im Bundeskanzleramt. Ein Blog-Kommentator hat ihn größten CDU-Vielfraß aller Zeiten (noch nach Kohl?) bezeichnet: sein „jahrelanges Pizza-Mampfen mit den GRÜNEN ist dahin und außer Plautze ist nichts geblieben“.
Ein Wunder, was Merkels Enddarm aushält!
Note 5 – Versetzen sehr gefährdet

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* Mitglied des Präsidiums kraft Amtes

** gewähltes Mitglied des Vorstandes

Volkstrauertag – aus dem Bewusstsein verbannt?

Das Volk trauert – könnte das heißen.
Ist aber wohl wieder so ein, im Zeitgeist störend als „still“ gebotener Tag im tristen Monat „Nebelung“ vulgo November.

Der Volkstrauertag geht auf eine Initiative des Volksbundes deutsche Kriegsgräberfürsorge aus dem Jahre 1919 zurück und sollte als Gedenktag für die gefallenen deutschen Soldaten des Ersten Weltkrieges eingeführt werden. 1922 fand die erste Gedenkstunde im Reichstag statt. In der Weimarer Republik und im Dritten Reich wurde er an verschiedenen Tagen begangen. Nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland wurde der Volkstrauertag erneut vom Volksbund initiiert und 1950 erstmals neben vielen regionalen Veranstaltungen mit einer Feierstunde im Plenarsaal des Deutschen Bundestages begangen. Nach einer Übereinkunft wurde dann der Termin auf den vorletzten Sonntag im Kirchenjahr verlegt. Der Tag ist durch Landesgesetze als „stiller Tag“ geschützt.

Die Kriegstoten

Der 1. Weltkrieg forderte fast 10 Millionen Tote auf den Schlachtfeldern Europas: 2 Millionen Soldaten aus dem deutschen Kaiserreich und 1,5 Millionen aus Österreich-Ungarn; Russland hatte 1,8 Millionen, die Franzosen 1,3 und das britische Empire 0,85 Millionen zu beklagen.
Der erste volltechnisierte und mit industrieller Macht durchgeführte Krieg der Geschichte hatte bisher nie gekannte Menschenopfer gefordert.

Übertroffen dann vom 2. Weltkrieg: 7 Millionen Deutsche, davon 5,3 Millionen Soldaten starben im Krieg, der brutal von allen Seiten auch gegen die Zivilbevölkerung geführt wurde. Den größten Blutzoll hatte die Sowjetunion mit geschätzt 20 Millionen Toten.
Die Russen betrauern – wie Franzosen und Engländer – ihre Toten und feiern unvermindert den Sieg über Deutschland.

Den Deutschen bleibt nur die Trauer – und Scham und Schande, die nach unendlichen Reflexionen des Selbsthasses nie vergehen soll.

Krieg, die Zerstörung jeglicher Lebensgrundlagen, das scheint dem deutschen Bürger – dem „Volk“ – äonenweit entfernt zu liegen.
Soldaten sind hierzulande zu verachtenden Gestalten geworden („Soldaten sind Mörder“) und die deutsche „Wehr“ ist durch politische Entscheidungen nur noch das  Zerrbild einer Armee.
Deutsche Soldaten werden nun für sinnlose Vasallen-Einsätze „am Hindukusch“ und in der Sahara verheizt. Kommt es zu Opfern, werden diese eher verschwiegen und unterschlagen.

Volkstrauer ?

Sprach man noch anfangs von den „Opfern von Krieg, Verfolgung und Vertreibung“ . Von „Vertreibung“ von Deutschen wollte man schließlich gar nichts mehr hören.  Man versuchte, gezielt für die Deutschen das zu verdrängen, was im Kollektiv-Erinnern eines Volkes nie vergehen wird: der Schmerz um verlorene Menschen, Heimat und Kultur.
Volk, das gibt es für die Verantwortlichen in Staat und Gesellschaft ja nicht mehr. Schon gar nicht Deutschland – bzw. „Deutsches Volk“. Auch wenn die „Volksvertreter“ immer noch das Gebäude betreten, das mit Inschrift „Dem Deutschen Volk“ gewidmet ist.
Ohne große Empörung dürfen sich Spitzenpolitiker und Repräsentanten des Staates einer Parole wie „Deutschland du mieses Stücke Scheiße“ anschließen, ohne definitiv in Acht und Bann geworfen zu werden.

Dass es soweit gekommen ist, das macht inzwischen überwiegend die Trauer nicht Weniger aus.
Die Erinnerung an Verwandte, die in Russland gestorben sind, von Russen, Polen und Tschechen erschlagen und zur Flucht getrieben wurden, rückt natürlich in die Ferne. Man empfand vielleicht noch mit der alten Nachbarin, die als Kriegerwitwe ihr Dasein fristen musste und mit den älteren Schulkameraden, die ihren Vater nie kennengelernt haben.
Ein depressiver Fußballtorwart, der sich in seiner Krankheit suizidiert, ruft mehr öffentliche Aufmerksamkeit und „Trauer“ in den Medien hervor, als ein Volkstrauertag in seiner Tradition.
Die Opfer des islamischen Terrors in Deutschland seit der Einladung des Fremden zu uns, werden übergangen, die Angehörigen kaltherzig abgespeist.
Sollte denen nicht auch ein Teil der „Volkstrauer“ gehören?
Aber Volk gibt es ja nicht (mehr).
Aber dann vielleicht die Trauer derjenigen, „Die schon länger hier leben“ und jetzt aushalten müssen, wie Elementarstes ihrer Kultur von Ihresgleichen zerstört wird?

„Mahnmale“

In meinem Heimatort steht ein Kriegerdenkmal – 1926 erbaut und 1962 erweitert – das im Katalog der Kulturgüter des Heimatkreises aufgeführt ist. Ein in seiner Schlichtheit und Ausdrucksstärke beeindruckendes Erinnerungsmal für jeden, der es passiert. Wenn man zum höchsten Aussichtspunkt des Ortes gelangen will, kommt man unweigerlich daran vorbei; vom Marktplatz aus war es immer auf halber Höhe des „Schloßberges“ zu erkennen.
Die örtliche SPD erlangte nun vor einiger Zeit angebliche Erkenntnis darüber, dass am „Kriegerdenkmal“ neo-nazistische Umtriebe stattgefunden hätten; in einer Zeit, als vermehrt die rechte Gefahr von allen Seiten beschworen wurde. So kam es zwangsläufig dazu, dass das bisherige „Kriegerdenkmal“ ganz offiziell und mit erheblicher medialer Überspanntheit in ein „Mahnmal des Friedens, für Toleranz und Verständigung“ umgewidmet wurde. Alle politischen Gruppen und natürlich die Kirchen beteiligten sich daran. Es fehlte nur, die Figur des sterbenden Kriegers auf dem Mahnmal weg zu sprengen. Weg sprengen wie das Berliner Schloss, die Potsdamer Garnisonskirche oder die Leipziger Universitätskirche usw.. Konsequenterweise müsste es bei einer derartigen Umwidmung zu einem „Mahnmal des Friedens, für Toleranz und Verständigung“ dazu gehören, auch die Epigrafe von Hunderten von Namen toter früherer Mitbürger der Stadt weg zu meißeln und dort – und damit aus dem kollektiven Gedächtnis der Gemeinde zu tilgen. Und die emphatische Inschrift „Zur Erinnerung an unsere im Krieg gefallenen Helden“. Hatte nicht ein früherer deutscher Spitzenpolitiker einstmals gefordert: „Deutsche Helden müsste die Welt, tollwütigen Hunden gleich, einfach totschlagen.“?
„Postfaktisch“ ist dies geschehen. Die örtliche „Zivilgesellschaft“ zelebriert sich inzwischen dort mit „Events“ und „Installationen“, gestaltet von guten Menschen, besoffen von Willkommenskultur, Toleranz und Buntheit.
Trauer und „stiller Tag“ war einmal.

Der gute Kamerad

Zum Volkstrauertag gehörte stets das Lied vom „Guten Kamerad“ unseres großen Dichters Ludwig Uhland, vertont von Friedrich Silcher. Ein Lied, das nicht nur in Deutschland die Trauernden berührte, sondern auch bei unseren ehemaligen Weltkriegsgegnern Eingang in das Gedenkzeremoniell an ihre gefallenen Soldaten gefunden hat.
Der „gute Kamerad“ hat aber vor Denkmälern für „Frieden, Toleranz und Verständigung“ in Deutschland wohl ausgedient.

Jährliches Allotria

Jahr für Jahr derselbe Kokolores mit Verleihung des „Bambi“. AnMenschen mit Visionen und Kreativität, deren herausragende Erfolge und Leistungen sich im ablaufenden Jahr in den Medien widerspiegelten“. So definiert der Veranstalter, die „Hubert Burda Media“, Sinn und Behuf dieser Auszeichnung.
Das kitschig-goldige Pecora-Kälbchen war ursprünglich ein reiner Filmpreis, mit dem man hierzulande seit 1948 jährlich auffällige und beliebte Filmstars auspreiste. Er wurde dann, als immer weniger Leute ins Kino gingen, zu einem Preis „für die Besten aus Film, Fernsehen, Sport und Gesellschaft“.

Für „Die Besten“ – man höre!

Wer will noch mal? Wer hat noch nicht?“ ätzte einstmals grimmig Imre Grimm 2011 in der Hannoverschen Allgemeinen: „Otto hat schon vier. Franz Beckenbauer hat fünf. Thomas Gottschalk auch. Sophia Loren hat neun. Die Klitschkos zusammen vier. Und auch die Rettungshundestaffel Augsburg e. V. hat schon einen Bambi. Und so sind’s dann halt wieder Heinz Hoenig oder Veronica Ferres. 749 Prominente haben seit 1948 einen oder mehrere Bambis erhalten. Man könnte auch sagen: Die Sache ist durch. … Der „Bambi“ ist vor allem „Contentgenerator für Burdas Klatschmaschinerie. Und Mal ehrlich: Wie relevant kann eine Veranstaltung sein, die gleichzeitig Helmut Schmidt und Justin Bieber ehrt?

Es gibt – gab – „Bambis“ für

– beliebteste Darsteller (männlich/weiblich und deutsch/ausländisch)
– Showstars (wie z.B. Helene Fischer)
– Kindersendungen (in den 80ern)
– „Beste Verkehrssendung“ („Der 7. Sinn“ 1973),
– „Unsere Erde“
– „Millenniums-Bambi“ (z.B. Genscher, 2010).
– „Stille Helden“ (besagte Rettungshundestaffel)
– „Integration“
usw., usw.

Erwähnt werden sollte aber unbedingt noch der Bambi „Ältester Schauspieler und Entertainer der Welt“ an Johannes „Jopi“ Heesters – insgesamt 10 Hirschkälbchen seit 1967; und der für „Frauen- und Schwulenfeindlichkeit“ – eher absichtslos 2011 geschehen mit dem Preisträger Bushido.

Rufe wie die von Imre Grimm („Immer gleiche Preisträger, unnötige ‚Skandale‘, willkürliche Kategorien, gesunkene Relevanz.“), diese Selbstbeweihräucherung endlich abzuschaffen, sind bisher folgenlos verhallt. Man kann ihm durchaus darin folgen, gleiches für den „Deutschen Fernsehpreis“ und die „Goldene Kamera“ zu verlangen. Mir fällt dazu noch der „BRAVO OTTO“ ein.
Es gibt Preise, die augenscheinlich seriös und kulturtragend daherkommen, wie der „Deutsche Medienpreis“ oder der „Grimme-Award“ (hat nichts mit dem oben zitierten Journalisten zu tun), die aber gleichfalls nichts anderes sind, als Ipsations-Evenements, „Hochfeste der Selbstweihe“ der immer gleichen Medien- und Polit- Schickeria und Bussi-Bussi-Freunde.

Wenn wir schon beim Abschaffen von jährlich sich wiederholendem Tinnef im Fernsehen – und überhaupt – sind, hätte ich noch weitere Vorschläge; Ereignisse, die uns unabwendbar drohen: die ärgerlichen Jahresrückblicke auf allen Kanälen („Menschen 2017“ usw.), den Weihnachts-Sermon des Bundespräsidenten und das unsägliche Neujahrs-Gesums der Kanzlerin.
Man kann dem natürlich ohne Schwierigkeiten entgehen: Abschalten oder gar nicht erst einschalten!

 

Prophetie, meine Meinung und der Froschkönig

Kurz vor dem Wochenende geben sie uns immer Meldung von ihrem Blick in die Glaskugel oder auf die Eingeweide eines Fisches: Die ARD mit dem „Deutschlandtrend“, das ZDF mit der „Sonntagsfrage“. Bis zu einer neuen „Sonntagsfrage“ müssen wir uns noch etwas gedulden, aber die ARD hat schon mal vorgelegt:

Rund drei Wochen nach Beginn der Jamaika-Sondierungen ist die bundesweite Zustimmung zu einem möglichen Bündnis von Union, FDP und Grünen stark gesunken. Nach dem aktuellen ARD-“Deutschlandtrend“ fänden derzeit nur noch 45 Prozent der Bürger eine Jamaika-Koalition gut oder sehr gut. Das sind zwölf Punkte weniger als bei der letzten Erhebung Anfang Oktober, wie der WDR am Donnerstag mitteilte.
52 Prozent bewerten ein solches Bündnis inzwischen als weniger gut beziehungsweise schlecht. Bei den Grünen-Anhängern sank die Zustimmung besonders stark von 76 auf jetzt nur noch 55 Prozent. Bei den FDP-Wählern ging sie von 80 auf 71 Prozent zurück, bei den Unions-Anhängern von 72 auf 70 Prozent.
Würde der Bundestag am Sonntag neu gewählt werden, würde die Union ihren schlechtesten Wert seit elf Jahren erreichen. Dennoch bliebe sie mit 30 Prozent vor der SPD mit 21 Prozent, gefolgt von der AfD mit 13, der FDP mit 12 und den Grünen mit 11 sowie den Linken mit 9 Prozent.
Bundeskanzlerin Angela Merkel büßte deutlich an Beliebtheit ein. Die CDU-Vorsitzende verlor sechs Punkte im Vergleich zum Vormonat, nur noch 57 Prozent der Deutschen zeigen sich zufrieden mit ihrer politischen Arbeit. CSU-Chef Horst Seehofer rutscht um acht Punkte auf 28 Prozent ab.

So kann man es heute auf allen Abwasserkanälen der „Qualitätspresse“ nachlesen.
„Volkes Stimme ist Gottes Stimme“ oder nur „Vox populi – Vox Rindvieh *“?
Was oder wem nützen solche Umfragen?
Geben sie den augenblicklich verhandelnden Personen Hinweise dahingehend, wie sie gemäß dem Wunsch ihrer Parteigänger oder gar der Wähler zu agieren hätten?
Die pfeifen auf diese Hinweise und ziehen ihr Ding durch, wie sie es sich vorgenommen haben – wissen wir.

Von „Vox Rindvieh“ mag man sprechen, wenn angeblich immer noch 57% der Deutschen mit der politischen Arbeit von Merkel einverstanden sein sollen. Hat nicht das ganz frische Bundestagswahlergebnis etwas anderes signalisiert? Und hat nicht Merkel auch gesagt, sie wüßte nicht, was sie anders machen soll?
Müsste sich der Seehofer nach seinen Umfragewerten nicht jetzt schon aufs Altenteil verabschieden und nur noch mit seiner Märklin-Eisenbahn spielen?

CDU 30%! Das muss man sich wie edlen Konfekt auf der Zunge zergehen lassen. Oder ist es doch eher bittere Arznei?
Die politische Landschaft in Deutschland ist fragmentiert wie noch nie zuvor! Das ist  das Einzige, das man aus diesen Umfragen herauslesen kann und darf. Wie sich das „Rindvieh“ Volk bei einer eventuellen Neuwahl entscheiden möchte, ist mit aktuellen, mehr oder minder „konstruierten“ Umfrageergebnissen noch nicht abgemacht.

Alice Weidel von der AfD ist nun mit einem „unmoralischen Angebot“ an die Öffentlichkeit getreten: „Eine von der AfD gestützte schwarz-gelbe Minderheitsregierung. Allerdings ohne Angela Merkel.“
Das mutet doch „charmant“ an.
Ist aber sicher unrealistisch, denn die Merkel will die grüngefärbte Bastard-Koalition, weil sie selbst „grün“ ist – so A. Weidel; und so wissen wir´s.
Die CDU wird ihre Matrone aus der Uckermark derzeit noch nicht fallen lassen und weder CDU/CSU noch FDP werden den blauen Frosch AfD küssen.
Da wird der treue, eiserne Heinrich (oder der AfD-Wähler) – wie im Märchen – noch lange warten müssen:

„Heinrich, der Wagen bricht!“
„Nein, Herr, der Wagen nicht,
Es ist ein Band von meinem Herzen,
Das da lag in großen Schmerzen,
Als Ihr in dem Brunnen saßt,
Als Ihr eine Fretsche wast.“

__________________

* F.J. Strauß

Die Demokratie ist in Deutschland existentiell in Frage gestellt.

von HERBERT GASSEN

Niemals wurde die deutsche Demokratie schlimmer disqualifiziert als aktuell durch den Zentralrat der Muslime. Es ist die Nichtwahl des AfD-Kandidaten Glaser zum Vizebundespräsidenten. Er sieht in der antiislamischen Einstellung dieses Politikers keinen Grund, ihn nicht zu wählen. Ein größeres Verdikt über den deutschen Parlamentarismus kann es nicht geben.
Glaser hat seinen Dienst für die AfD geleistet. Nach Lage der Dinge wird er auch in den nächsten Abstimmungen keine Mehrheit erhalten. Er wollte Teil einer Demokratie sein, die es in der Bundesrepublik nicht mehr gibt. Der Gottesbezug in der Präambel des Grundgesetzes scheint Geschichte geworden sein. Die gesellschaftsbezogenen Moralvorstellungen werden von einer nicht zu Europa gehörigen Glaubensvereinigung vorgegeben. Nach ihrem Erscheinungsbild tragen sie genau den Charakter des angeblichen Feindes, dem des Faschismus.

Die Bundestagswahl wurde zu einem Fiasko der etablierten Parteien. Trotz Mehrung der Wählerstimmen haben die beiden sog. ‚Volksparteien‘ die schlechtesten Ergebnisse ihres geschichtlichen Bestehens eingefahren. Der Restbestand der CDU reicht gerade noch einmal aus, den Regierungschef zu stellen. Die hierfür verantwortliche Person übernimmt mit Zustimmung ihrer geschlagenen Truppe dennoch wieder den Parteivorsitz.
Die SPD hat ihre größte Niederlage in ihrer über 150 Jahre alten Geschichte einstecken müssen. Sie hat sich vorgenommen, nicht noch einmal eine Koalition mit der sie zerreibenden Merkel einzugehen. Die muß somit mit den extremen Minderheiten der Parteien von Gelb und Grün zurechtkommen. Die stehen sich diametral gegenüber und werden sich über notwendige Konzessionen zu Lasten ihrer Programme verantworten müssen.
Diese Kombination nennt man nach den Symbolfarben der Parteien ‚Jamaika‘.
Mit dieser destruktiven, antinationalen Mehrheit wird Deutschland auf das niedrigste Niveau seiner Kräfte und Möglichkeiten herabgeführt. Die Artikel des Grundgesetzes und die nachfolgenden Gesetze werden schon damit außer Kraft gesetzt, daß der Begriff ‚Volk‘ inzwischen negativ besetzt wird. Die Deutschen leben dank der seitherigen politischen Ausrichtung durch diese Kanzlerin als loser Verbund von Menschen unterschiedlichster Rassen, Herkunft und Kulturen.
In dieser Koalition haben die Befürworter der Flüchtlingspolitik der ehemaligen und zukünftigen Kanzlerin die Mehrheit. Das wird bedeuten, daß die Forderung der FDP auf Begrenzung des Zuzuges und gar Rückführung der Invasoren nicht realisiert werden. Deutschland wird weiter unter dem Verdikt der Umbevölkerung sowjetischen Ausmaßes und Auflösung seiner Identität denationalisiert werden.

Die einstigen Begriffe der christlich-ethischen Grundwerte unserer Gesellschaft werden von der links/kommunistischen Politkaste dialektisch ins Gegenteil verkehrt. Das beginnt mit der Behauptung, das Grundgesetz würde für alle Menschen gelten. Der Eid, den Nutzen des deutschen Volkes zu mehren und Schaden von ihm abzuwenden, wird in einen Auftrag umgemünzt, sein Potential in ein globalisiertes Nemo einzubringen.
Das Volk benötigt realiter sehr lange, die Fehlentscheidungen der Führungen seiner politischen Kaste als Vergehen gegen Recht, Gesetz und Verträge zu Lasten des deutschen Volkes zu erkennen. Wir Deutsche brauchen uns nicht lange zu besinnen, um aus dieser Erkenntnis den Weg ins Verderben zu erkennen.
Es war die Absicht der eigentlichen Mächte in unserem Land, über eine Verbildungspolitik die Kenntnisse um die Vergangenheit und die Täuschung der Zukunftsziele das Volk gegen seine Interessen zu indoktrinieren. Jeder Widerstand hiergegen wird mit der Antifa-Keule niedergemacht. Der angerichtete Schaden an der Substanz des deutschen Volkes ist in mehreren Generationen nicht wieder gutzumachen. Es ist das Ergebnis der Politik der Feinde Deutschlands, verkörpert von der Bundestagsvizepräsidentin mit ihrem Aufruf ‚Deutschland verrecke‘.
Es ist die Zerstörung einer der wesentlichsten Säulen einer funktionierenden Demokratie, der unabhängigen Judikative, die gegen diesen Hoch- und Landesverrat nicht gedenkt einzugreifen. Ihre Vergewaltigung durch die Macht des Parteienapparats verhindert die Meinungsfreiheit des Grundgesetzes. Es gibt in Deutschland keine Kraft mehr, die die Exekutive zwingt, Recht und Gesetze als Fundament ihres Handelns anzuerkennen.

In dieser destruktiven Situation unseres Landes muß die AfD eine von diesem System unabhängige Opposition aufbauen. Eine koalitionäre Partnerschaft kann in ihm nichts ausrichten. Die AfD ist von einer großen Wählerschaft von ca. 6 Millionen Bürgern aufgerufen, diesen Staat auf die positiven Grundwerte ihrer Entstehung zurückzuführen. Vorbild kann nur das Programm der CDU sein, wie sie unter Adenauer und Nachfolgern Deutschland aus den Trümmern des Krieges wieder aufgebaut hat. Zurück zu den Anfängen, zurück zu deutscher Kultur, zurück zu sozialer Marktwirtschaft, zurück auf den Stolz auf eine tausendjährige Geschichte. Die Deutschen haben die Pflicht, alle Versuche einer linken politischen Strömung abzuweisen, sie mit dem Blick auf das 3. Reich ihrer Souveränität und Meinungsfreiheit zu berauben. Ihr ideologisches Erscheinungsbild, erst seit 1918 existent, schließt das größte Blutbad, den ultimativen Terror in der Menschheitsgeschichte ein.

Es ist die AfD, die sich dem Mißbrauch des Amtes dieser Kanzlerkandidatin und dem Gewaltdiktat der von ihr subventionierten Kräfte der Antifa, der Autonomen und Schlägertrupps entgegenstellen muß. Hierzu gehört Mut und Entschlossenheit. Um eine Erneuerung deutscher Politik zu erreichen, muß das Motto des Widerstandes von 1944 über allem stehen: „Es lebe das heilige Deutschland.“ Selbst ein Ernst Thälmann hatte einst bekannt: „Mein Volk, dem ich angehöre und das ich liebe, ist das deutsche Volk, und meine Nation, die ich mit großem Stolz verehre, ist die deutsche Nation, eine ritterliche, stolze und harte Nation.“ (Deutschland ist in einer finalen Situation, die sogar m.E. einen Kommunistenführer der Weimarer Republik zu seiner Rettung erfordert.)

Unabhängig von den programmatischen Einbrüchen der Parteien könnten sie bei der Besetzung des Amtes der Bundespräsidentschaft endlich die Würde der Demokratie aufzeigen. Dazu gehört nach Meinung eines islamischen Wortführers (!) auch die Wahl des Kandidaten Glaser der AfD.
Es gibt noch eine andere Möglichkeit der Einflußnahme, in dem die AfD eine Kandidatin vorschlagen wird, die mit der Qualität ihrer Persönlichkeit dem Amt der Bundestagspräsidentschaft seine Würde wieder zurückgeben könnte. Mit ihr könnte sich der Souverän, das deutsche Volk identifizieren. Sie stünde als Symbol der Seriosität der Repräsentation des Souveräns den gewählten, zweckentfremdeten Damen gegenüber. Sie könnte attraktiv, eine Ehefrau, eine Mutter, eine gebildete Akademikerin und politisch eindeutig engagiert sein.

Die Alternative für Deutschland kann und muß sich intern auch kontrovers aussprechen, nach außen jedoch sollte sie mit einer Stimme reden. Das ist der Weg, um politische Macht zu erreichen und zu erhalten. Denken wir an die einstigen starken Vereinigungen innerhalb der CDU, von der CDA bis zu den Konservativen. Es war diese Frau Merkel, die die Macht ihrer Partei zu ihren Zwecken umfunktioniert hatte und der kommunistischen Globalisierung überantwortete. Die AfD kann nur eine regierungsfähige Partei werden, wenn sie alle politischen Strömungen in sich vereint, die auf der Basis des Grundgesetzes Deutschland gemeinsam wieder aufbauen wollen.

gez. Herbert Gassen

Kurze Nachlese zum deutschen Jahrhundertfeiertag

Süßes oder Saures

31. Oktober, gegen 19 Uhr – und gerade zu Tisch beim Reformations-Festabendessen – klingelt es Sturm an der Haustür. Ich ahne schon etwas und habe somit keine Lust, unverweilt die Tür zu öffnen und nähere mich von der Terrasse her den uneingeladenen Gästen.
„Süßes oder Saures!“ verlangt der Chor.
„Wie bitte?“
„Es ist Feiertag!“ kräht es mir entgegen.
Etwa ein halbes Dutzend männlicher Halbwüchsige, teils mit grotesker Gesichtsbemalung und dazu stimmigem Outfit, im Alter zwischen 13 und 18 Jahren, haben sich vor meiner Tür versammelt. Unverkennbar sind auch ein paar türkische Jüngelchen aus der verwestlichten Spaßfraktion der hiesigen muslimischen Community mit von der Partie. Sind die mitgekommen, um „Ungläubige“ aufzuklären?
„Welcher Feiertag?“, frage ich, den Unbedarften mimend; und in Blick auf einen mir bekannten Jung-Muselman: „Ramadan ist doch längst vorbei.“
„Halloween“ schallt es zurück, in einem etwas mit Gereiztheit unterlegten Tonfall, so wie man sich einem begriffsstutzigen alten Sack erklären muss.
„Ist nicht heute Reformationstag? Hallo Wien sagt mir nichts.“ versuche ich einzulenken.
Nun kriege ich ein mitleidiges Lächeln meiner Festtagsgäste ab. Aber nachdem man erkennt, dass es weder Süßes noch Saures gibt – allenfalls vielleicht noch Essiggurken nach dem Verfallsdatum – verdrückt sich die bunte Schar.

 

Erhebendes und Erleuchtendes.

Je eine Stunde haben ARD und ZDF in ihren Hauptprogrammen mit Gottesdienst und Festakt am 31. Oktober 2017 dem Reformationsgedenken gewidmet. (Das nachfolgende „Internationale Schlagerfest“ war aber der ARD eine Sendezeit von drei Stunden wert.)
Nicht dass ich mich ganztägig mit dem Reformationsgewese hatte volldröhnen wollen, auch der „Thementag“ bei 3Sat oder Phoenix mit Geschichtsbelehrungen a la Guido Knopp oder anderer polit-korrekter Historiker hat mich nicht herausgefordert.
Es genügte, was ich denn später in den Nachrichten hören und lesen konnte.

„Bischof Bedford-Strohm ruft Kirche zur Erneuerung auf!“ titelten mehrere Online-Portale und Zeitungen über die Nürnberger Reformationstagspredigt „des evangelischen Oberpropstes Bedford-Strohm (der mit dem Kreuzverstecken bei den Imams)“. Wie der Publizist Albert C. Sellner bei Tichys Einblick ätzt. Und:

er „beschwört die Agenda der notwendigen Weltrettung und lässt keine Ranschmeißparole an die Merkel-K.G-E.-Politik aus. „Luther wäre heute gegen Obergrenzen“ meint der wendige Protestanten-Chef, Kardinal Marx nickt sofort beflissen, K.G-E. strahlt begeistert und das Antlitz der Kanzlerin wird von einem inneren Licht erhellt – in den hinteren Reihen sitzt pflichtverdonnert anwesend der Horst und schaut verdrossen.“

So geschehen beim nachmittäglichen Festakt in Wittenberg.

Welche Kirche wollte dieser Apostat des Christlichen zur Erneuerung aufrufen?
Seinen esoterischen Kuschel-und Wohlfühlverein EKD? Dieser Verein mit dem wiederkehrenden Sonderparteitag der Grünen namens Kirchentag, auf dem man sich mit Themen wie „Ein Leib – viele Geschlechter – Trans- und Intersexualität“, „Ver-queeres Willkommen“ oder „Oversexed and Underfucked – Lust und Sexualität, Mythen und Realität“ befasst?
Oder hat er sich an den auch in Wittenberg anwesenden angeblichen Katholiken, den windig-wendischen Kirchen-Apparatschik namens Kardinal Rainer Marx gewandt?
Da seien die Ober-Evangolen vor, denn der katholische Religionsverein aus Deutschland mit seinem Islam-Appeasement und der jesuitische Befreiungspapst in Rom tun schon das Ihrige zur „Modernisierung“, hin zur Apokalypse der 2000 Jahre alten römisch-katholischen Kirche.
Aber wie heißt es in Matthäus 16.18: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeinde, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.“
Da wollen wir davon ausgehen, dass dies den Antichristen und Gegenwarts-Teufeln in ihrer „Gemeinde“ nicht gelingen wird.

 

Die Reformation als Weltbürgerin?

„Wir feiern die Reformation als Weltbürgerin, die Menschen über Konfessionen und Kontinente hinweg nicht spaltet, sondern verbindet. Die die Geißel des Nationalismus, für die sie so oft in Dienst genommen wurde, hinter sich lässt und zur Kraft der Versöhnung wird.“

sagte der Kreuz-Verweigerer Bedford-Strohm.

Was will er mit dieser verqueren Katachrese eigentlich ausdrücken?
Der Bischof scheint zudem geschichtsblind.
Richtig ist, dass die Reformation „Konfessionen und Kontinente“ in der Tat gespalten hat. Sie hat die Geißel von National- und Staatskirchen in den protestantischen Ländern der alten und der Neuen Welt entstehen lassen. Den nicht minder nachteiligen universalen Machtanspruch der römisch-katholischen Kirche in ihrer Geschichte lassen wir mal außen vor. In der protestantischen Kirche Englands und deren sektiererischen Ablegern in Nordamerika, in den calvinistisch beeinflussten Regionen und Staaten in Europa ist historisch gleichwohl nichts von der „Kraft der Versöhnung“ zu beobachten gewesen.
Auf diese beschworene „Kraft der Versöhnung“ der Protestanten und deren Auswirkungen mag ich – auch in meinem durchaus Rom-kritischen Katholisch-Sein – gerne verzichten.

In 500 Jahren, wenn in Deutschland der nächste arbeitsfreie Feiertag des Reformations- und Luther-Gedenkens gefeiert werden möchte, wird es vielleicht ein christliches Deutschland nicht mehr geben; und keine evangelische Kirche mehr. Die wahre, römisch-katholische Kirche wird hingegen auch das nächste halbe Millennium überstehen.
Wetten dass!

 

Martin Luther – ein Meister aus Deutschland

Bald ist es vorüber, das große Luthergedenkjahr. Doch dürfen dieses Jahr dank Luther alle, die schon länger hier leben, und nicht nur wie bisher die Dunkeldeutschen allein, am 31. Oktober einen arbeitsfreien – einen Feier-Tag begehen.
Als ich noch zur Schule ging, seinerzeit in Bayern, war auch in katholischen Gebieten der Reformationstag zumindest ein schulfreier Tag, die Ämter waren geschlossen und aus den evangelischen Kirchen klang mächtig „Ein feste Burg ist unser Gott!“ nach draußen. Das Reformationsgedenken ist inzwischen – mit Ausnahme diesen Jahres – regelrecht verdunstet, und seit geraumer Zeit rückte am 31. Oktober immer mehr ein aus den USA importierter Humbug namens Halloween ins Bewusstsein der bunten Spaßgesellschaft mit ihren verzogenen Blagen.

Ein Weblog-Autor mit meinem Anspruch kann diesen Gedenktag nicht übergehen und sollte dem Magister Luther die angemessene Ehrenerweisung zukommen lassen; aber wie es einer zwiespältigen Persönlichkeit gemäß sei.
Manch einer möchte Luther gerade in diesem Gedenkjahr von dem von seiner Kirche gigantisch aufgerichteten Postament holen; was die Ev. Kirche mit Luther in diesen Zeiten anstelle sei „banal, erbärmlich, albern“ schreibt ein Kritiker. Da wollten wir uns schon anschließen, ist uns doch jeder übertriebene Bahöl per se verdächtig.

Doch Ehre wem Ehre gebührt.

 

Der Sprachmeister

Für nicht Wenige ist Luther der „Der Genialste Sprachschöpfer aller Zeiten“. Zumindest für das Deutsche kann man das wohl gelten lassen. Bezüglich der Sprachmacht Luthers schreibt auch der oben zitierte theologische Kritiker: „Er hat die Menschen erreicht, weil er ihre Sprache sprach.“

Wie das?

Seine Übersetzung der Bibel ins Deutsche war ein nicht zu übertreffender Erfolg. Zu Luthers Lebzeiten wurde das Buch 500.000mal gedruckt; in einer Zeit, in der im Volk kaum einer des Lesens oder Schreibens mächtig war. Übertragen auf heutige Verhältnisse wäre das eine gigantische Auflage und Reichweite – ein Jahrhunderbestseller.

Luther schuf nicht nur eine Fülle neuer Redewendungen und Metaphern, die aus dem Deutschen nicht mehr wegzudenken sind. Man denke an: wetterwendisch, kleingläubig, friedfertig, lichterloh, auf eigene Faust, für immer und ewig, sein Licht nicht unter den Scheffel stellen.
Treffsichere Redewendungen, die sofort ins Ohr gehen: „Ein Herz und eine Seele“, „der große Unbekannte“, „ein Buch mit sieben Siegeln“, „die Zähne zusammenbeißen“, „im Dunkeln tappen“, „auf Sand bauen“.
Dazu Sprichwörter, die Luther dem Volksmund entnahm: „Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.“ – „Hochmut kommt vor dem Fall.“ – „Recht muss Recht bleiben.“ – „Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf.“
Er liebte und schuf klangvolle Alliterationen und Bilder wie „Schmach und Schande“, „Leib und Leben“, „fressendes Feuer“. Nächstenliebe, Herzenslust, Ebenbild, Morgenland, Feuertaufe, Judaslohn, Bluthund, Machtwort, Schandfleck, Lückenbüßer, Lockvogel, Lästermaul, Gewissensbisse.

In einer Zeit, als in Deutschland 20 verschiedene Dialekte gesprochen wurden und es eine bedeutsame Sprachgrenze zwischen dem Nieder- und Oberdeutschen gab, verstand es Luther, mittels seiner Weise die Sprachgrenzen zu überbrücken. Wobei ihm auch die sächsische Kanzleisprache dienlich war.
Seine Leistung würdigten viele Meister unsere Sprache nach ihm. Jacob Grimm etwa schreibt 1822: „Luthers Sprache muss in ihrer edlen, fast wunderbaren Reinheit, für Kern und Grundlage der neuhochdeutschen Sprachniedersetzung gehalten werden“. Heinrich Heine: „Wie Luther zu der Sprache gelangt ist, in der er seine Bibel übersetzte, ist mir bis auf diese Stunde unbegreiflich. Diese Schriftsprache gibt unserem politisch und religiös zerstückelten Deutschland eine literarische Einheit.“
Daran kann wohl nicht gezweifelt werden.

Luther fand seine deutsche Bibelsprache, indem er auch „dem Volk aufs Maul schaute“. Und Luther war in Manchem das, was man heute einen Populisten nennen würde.
Er war, obschon man ihn gern als Modernisierer bezeichnen wollte, gleichwohl ein Kind und Gefangener seiner Zeit am Ausgang des Mittelalters – und das Gegenteil von „modern“.

 

Der Antisemit Luther

Vielleicht sollte man Luther besser als Antijudaisten bezeichnen; Antisemit ist ja eher eine Sprachschöpfung unserer Zeiten. Luther pflegte jedoch einen persönlichen Judenhass.
Kann man den religiös bedingten Anti-Judaismus (Alteuropas) neben dem rassistischen Antisemitismus der Moderne beiseiteschieben? Mancher sagt, Luther habe hier statt «Güte und Milde, Hass und Vernichtung der Menschenwürde gepredigt.»
Richtig, denn Luther predigte in der Tat erbarmungslos gegen die Juden und forderte die Obrigkeiten unerbittlich auf, sie zu vertreiben.
Falsch, wenn man unter «Vernichtung der Menschenwürde» die physische Ausrottung aus rassistischen Gründen versteht.

Luther im Original:

«Erstlich, daß man ihre Synagoge oder Schule mit Feuer anstecke und, was nicht verbrennen will, mit Erde überhäufe und beschütte, daß kein Mensch einen Stein oder Schlacke davon sehe ewiglich. Und solches soll man tun unserem Herrn und der Christenheit zu Ehren, damit Gott sehe, daß wir Christen sind und solches öffentliches Lügen, Fluchen und Lästern seines Sohnes und seiner Christen wissentlich nicht geduldet noch gewilligt haben …
Zum andern, daß man auch ihre Häuser desgleichen zerbreche und zerstöre. Denn sie treiben eben dasselbige drinnen, das sie in ihren Schulen treiben. Dafür mag man sie etwa unter ein Dach oder Stall tun wie die Zigeuner, auf daß sie wissen, sie seien nicht Herren in unserem Lande, wie sie rühmen, sondern im Elend (= Ausland) und gefangen, wie sie ohne Unterlaß vor Gott über uns Zeter schreien und klagen.
Zum dritten, daß man ihnen nehme alle ihre Betbüchlein und Talmudisten, darin solche Abgötterei, Lügen, Fluch und Lästerung gelehrt wird.
Zum vierten, daß man ihren Rabbinern bei Leib und Leben verbiete, hinfort zu lehren
Zum fünften, daß man den Juden das Geleit und Straße ganz und gar aufhebe, denn sie haben nichts auf dem Lande zu schaffen, weil sie nicht Herren, noch Amtleute, noch Händler oder desgleichen sind. Sie sollen daheim bleiben …
Zum sechsten, daß man ihnen den Wucher verbiete und nehme ihnen alle Barschaft und Kleinod und lege es zur Verwahrung beiseite. Und dies ist die Ursache: Alles, was sie haben (wie droben gesagt), haben sie uns gestohlen und geraubt durch ihren Wucher, weil sie sonst keine andere Nahrung haben …
Zum siebenten, daß man den jungen, starken Juden und Jüdinnen in die Hand gebe Flegel, Axt, Karst, Spaten, Rocken, Spindel und lasse sie ihr Brot verdienen im Schweiß der Nasen, wie Adams Kindern Gen 3 (19) auferlegt ist. Denn es taugt nicht, daß sie uns verfluchte Gojim wollten im Schweiße unseres Angesichts arbeiten lassen und sie, die heiligen Leute, wollten es hinter dem Ofen mit faulen Tagen, Festen und Pomp verzehren.»

Folgende Fragen seien erlaubt:
Was meinte Luther, als er nahelegte, mit Juden «nach aller Unbarmherzigkeit» umzugehen, «wie Mose tat in der Wüste und schlug dreitausend tot …»?!
Was meinte er, als er gefragt, ob er Juden ohrfeigen würde, gestand, er würde einen Juden «niederwerfen und im Zorne erstechen. Wenn man einen Räuber nach menschlichem und göttlichem Recht zu töten befugt ist, so darf man doch viel eher einen Gotteslästerer umbringen» ?!
Was meinte er, als er seinen vierten Ratschlag gab, «daß man ihren Rabbinern bei Leib und Leben verbiete, hinfort zu lehren …»?
Bei Leib und Leben, das heißt bei Todesstrafe.

Natürlich hat Luther den Weg nach «Auschwitz» nicht gewiesen, hat aber fraglos damit irgendwie zu tun. Man braucht nicht auf Julius Streicher vor dem Nürnberger Kriegsverbrechertribunal verweisen, der sagte: „Dr. Martin Luther säße heute sicher an meiner Stelle auf der Anklagebank, wenn er noch lebte.“
Es gibt dazu ehrlichere Gewährsmänner als den Erznazi Streicher.
Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg besuchte Melvin Lasky, ein junger amerikanischer Schriftsteller, Karl Jaspers in Heidelberg, sprach etwas verlegen-verbindlich über Deutschlands große kulturelle Tradition, nannte Lessing, Goethe, wurde jedoch von Jaspers brüsk unterbrochen und sah sich nach einem kurzen Griff des Gelehrten hinter sich ins Bücherregal mit Luthers «Von den Juden und ihren Lügen» konfrontiert. «Das ist es», sagte Jaspers. «Da steht das ganze Programm der Hitler-Zeit schon!» Und schrieb auch später in «Die nichtchristlichen Religionen und das Abendland»: «Was Hitler getan, hat Luther geraten, mit Ausnahme der direkten Tötung durch Gaskammern.»

 

Der verunmöglichte Aufklärer

Die Welt zitiert in einem Beitrag Margot Käßmann: „Luthers Freiheitsbegriff hat große Konsequenzen nach sich gezogen. ‚Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit‘ als Parole der Französischen Revolution hat im Gedanken der Freiheit eines Christenmenschen durchaus Wurzeln. Am Ende ist der Bogen bis zur Aufklärung zu spannen.“

Man darf sagen, er ist weder Freiheitsapostel noch Vorläufer der Aufklärung. Der amerikanische Luther-Biograf Richard Marius ist der Auffassung, Luther bedeute „eine Katastrophe für die westliche Zivilisation“-?
Starker Tobak.
Aber: Ende des 15. Jahrhunderts führen die Wiederentdeckung der Antike, das Studium des Aristoteles und die Verweltlichung der Kirchenhierarchie dazu, dass sich in der europäischen Elite ein toleranter Skeptizismus breitmacht, am besten verkörpert in den Humanisten um Erasmus von Rotterdam. Dieser Bewegung gegenüber vertritt Luther eine buchgläubige Intoleranz: „Wer den Erasmus zerdrückt, der würget eine Wanze, und diese stinkt noch tot mehr als lebendig!“
Die Vernunft ist für Luther des Teufels Hure“. Kopernikus lehnt er ab, weil seine Erkenntnisse der Bibel widersprächen: „Der Narr will mir die ganze Kunst Astronomia umkehren! Aber wie die Heilige Schrift zeigt, hieß Josua die Sonne stillstehen und nicht die Erde!“ Luther ist immer für die Schrift und nicht für den Verstand oder die Vernunft der Aufklärung: „will doch meinen Verstand gefangen nehmen unter den Gehorsam Christi“. Nach Richard Marius hasste Luther jeden Skeptizismus.
Man darf Luther durchaus als Fundamentalisten bezeichnen, fraglos im Widerspruch stehend zum aufklärerischen Humanismus.

Der Kirchenkritiker Karlheinz Deschner schreibt:
»Die Heiligenlegenden entlarvte Luther als Märchen. An den Bibellegenden hielt er fest; am Teufelsglauben auch; am Hexenwahn auch; an der Ketzervertilgung auch; am Antisemitismus auch – am Kriegsdienst, an der Leibeigenschaft, den Fürsten. Man nennt es: Reformation.«

Weitere Zitate von Luther selbst:

„Der Tod im Kindbett ist nichts weiter als ein Sterben im edlen Werk und Gehorsam Gottes. Ob die Frauen sich aber auch müde und zuletzt tot tragen, das schadet nichts. Lass sie nur tot tragen, sie sind darum da.“

„Es ist ein arm Ding um ein Weib. Die größte Ehre, die das Weib hat, ist, dass wir allzumal durch die Weiber geboren werden.“

„Wer mag alle leichtfertigen und abergläubischen Dinge erzählen, welche die Weiber treiben. Es ist ihnen von der Mutter Eva angeboren, dass sie sich äffen und trügen lassen.“

„Es ist ein überaus gerechtes Gesetz, dass die Zauberinnen getötet werden, denn sie richten viel Schaden an, was bisweilen ignoriert wird“.
Hexen könnten „Milch, Butter und alles aus einem Haus stehlen, … ein Kind verzaubern, … geheimnisvolle Krankheiten im menschlichen Knie erzeugen … Schaden fügen sie nämlich an Körpern und Seelen zu … Die Zauberinnen sollen getötet werden, weil sie Diebe sind, Ehebrecher, Räuber, Mörder …“

„Das ganze Leben solle Buße sein.“

„Daher bleibt die Strafe, solange der Hass gegen sich selbst – das ist wahre Herzensbuße – bestehen bleibt … Aufrichtige Reue begehrt und liebt die Strafe. Die Fülle der Ablässe aber macht gleichgültig und lehrt sie hassen …“

Selbsthass statt Befreiung: Was für eine finstere Lehre, meint denn der Philosoph Peter Sloterdijk in seinem Essay „Nach Gott“. Sloterdijks Beitrag zum „lutherbesoffenen Reformationsjubiläum“!?
Sloterdijk ist wie der Lutherbiograph Richard Marius bekennender Atheist. Er spricht vom Drama der menschlichen Existenz in der neurotischen Fixierung des Protestantismus auf Sünde und Buße. Sloterdijk sieht Luther als „Neurotiker“ und „christlicher Salafist“: „Im Hinweis auf die unvertretbare, unkäufliche, unmanipulierbare Buße ist das ganze Programm der Reformation enthalten“. Der Ablasshandel war Luther der Dorn im Auge. Für Luther, der sich in Rom selbst als eifriger Ablassjäger im Heilsdienst der eigenen Seele betätigte, und die ihm nachfolgenden Ideologen des Protestantismus stellte der Ablasshandel vor allem einen Wechsel der Perspektive auf Sünde und Buße dar, die plötzlich lebensbejahend wirkte. Luther wollte hinter diesen, von der Kirche nach vielen Jahrhunderten erreichten Punkt eines menschlichen Daseins in der weltlichen Erlösungsmöglichkeit zurück. In der Beichte seine Sünden zu bekennen und sich durch die Absolution wieder mit Gott im Reinen zu wissen, erschien Luther als Widerspruch zum göttlichen Zwang des Menschen, ein irdisches Leben in der Erlösungsunmöglichkeit zu führen. Mit seinem „sola gratia-Pathos“ habe Luther die Gläubigen zu einer „extremen Reue-Leistung“ genötigt: „Das Bereuen-Können ist selbst schon Werk der Gnade. Du sollst verloren sein, als ob du gerettet wärest.“

 

Zuchtmeister und Fürstenknecht

Beginnen wir wieder mit einem Zitat:

„Der Esel will Schläge haben, und der Pöbel will mit Gewalt regiert sein. Das wusste Gott wohl; drum gab er der Obrigkeit nicht einen Fuchsschwanz, sondern ein Schwert in die Hand.“

„Los von Rom!“ War der Wunsch der deutschen Fürsten, der Ritter, Bürger und Bauern, auch um das Eigentum der Kirchen und Klöster an sich zu ziehen. Daher genoss Luther den Schutz seiner Fürsten gegen Kaiser und Papst. Die geknechteten und in Leibeigenschaft gehaltenen Bauern hatten in ihn Hoffnung gesetzt, nicht nur aus der Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen„. Nach der Eskalierung der Bauernäufstände im großen Bauernkrieg 1524-1526 stellte Luther klar, dass sich die aufständischen Bauern zu Unrecht auf ihn beriefen und ermutigte die Fürsten, die Bauern mit aller notwendigen Gewalt niederzuschlagen.
In der Schrift „Wider die mörderischen und räuberischen Rotten der Bauern“ rief er die Obrigkeit auf:

Man soll sie zerschmeißen, würgen, stechen, heimlich und öffentlich, wer da kann, wie man einen tollen Hund erschlagen muss.“
„Denn ein Fürst und Herr muß hie denken, wie er Gottes Amtmann und seins Zorns Diener ist (Röm. 13), dem das Schwert uber solche buben befohlen ist und sich ebenso hoch fur Gott versundiget, wo er nicht straft und wehret und sein Amt nicht vollfuhret, als wenn einer mördet, dem das Schwert nicht befohlen ist. Denn wo er kann und straft nicht, es sei durch Mord oder Blutvergießen, so ist er schuldig an allem Mord und Ubel, das solche buben begehen, als der, da mutwilliglich durch Nachlassen seins göttlichen Befehls zuläßt, solchen Buben ihre Bosheit zu uben, so er’s wohl wehren kann und schuldig ist. Darum ist hie nicht zu schlafen. Es gilt auch nicht hie Geduld oder Barmherzigkeit. Es ist des Schwerts und Zorns Zeit hie und nicht der Gnaden Zeit.“

Der historisch in Frage gestellte Spruch „Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir, Amen.“, angeblich vor dem Reichstag in Worms ausgesprochen, dient für die Glorifizierung des Reformators bis heute, um seine Aufrichtigkeit, Unerschrockenheit und Freiheitsbekundungen gegenüber der Obrigkeit zu belegen.
Wie passt dazu eine Entscheidung Luthers, mit der er das Gegenteil belegt!?
1540 stimmte Luther in einem schon seinerzeit als skandalös anzusehenden „Beichtrat“ an den Landgrafen Philipp von Hessen dessen Doppelehe mit Christine von Sachsen und mit dem Hoffräulein Margarete von der Saale zu. Philipp war ehedem einer der mächtigsten politischen Verfechter der Reformation, sodaß Luther sich wohl aus Kalkül dem unsittlichen Begehren dieses Fürsten unterwarf. Luther erlaubte und rechtfertigte die fürstliche Bigamie; woran auch Philipp Melanchthon eingehend beteiligt war. Dieser „theologische Skandal“ wurde erst 128 Jahre später bekannt und veröffentlicht. Allein das Gerücht über die Bigamie des Landgrafen führte damals bald zu einer Schwächung der protestantischen Sache, insbesondere des Schmalkaldischen Bundes. Melanchthon war über diese – auch seine – Abweichung von Christi Gebot „psychosomatisch krank“ geworden, wie man heute sagen würde, und nur Luthers „Gebete“ konnten ihn angeblich heilen.

 

Ist das, was ich hier alles zum Reformationsfest über Luther zusammengetragen habe negativ wirkend für das Gedenken an den großen Magister aus Deutschland?
Kritiker werden einwenden, dass man doch Luther in seiner Zeit und Epoche verstehen müsse. Das ändert aber nichts an der Wirkung der Gedanken und Theoreme des Reformators: Die Auflösung der europäischen Einheit der Christenheit mit den späteren Glaubenskriegen und Zerstörungen der deutschen Lande für Jahrhunderte im 30-jährigen Krieg. Die fatale Obrigkeitshörigkeit der Deutschen mit Nachwirkungen bis heute. Und der auch religionsbegründete, mörderische Rassismus in deutscher Ausprägung.

Dagegen stehen: der Anstoß zur Entwicklung der deutschen Sprache als Welt- und Kultursprache durch die Luthersche Bibelübersetzung. Ohne Luther wohl nicht die großartigen Werke eines Johann Sebastian Bach und das, was auch Katholiken mit Luthers Hilfe als unser Liedgut schätzen. Mit seinem Appell „An die Ratsherrn aller Städte deutschen Landes, daß sie christliche Schulen aufrichten und halten sollen“, indem er auffordert, eine gute Ausbildung der Jugend zu garantieren, legte er mit die Grundlage für das spätere, öffentliche Schulwesen in Deutschland.

Wie Margot Käßmann mit Luther „den Bogen bis zur Aufklärung zu spannen“ ist wohl überkommen; und für die Greuel der Französischen Revolution und für Hitler wollen wir ihn auch nicht verantwortlich machen.

Es bleibt genügend, um Martin Luther zu feiern.

 

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Literatur zu „Luther – Ein Meister aus Deutschland“

 

 

 

Right is right and left is wrong!*

manche meinen
lechts und rinks
kann man nicht velwechsern
werch ein llltum

Ernst Jandl

 

Wer sitzt wo im Parlament?

Kurz nach der Wahl, schon vor der Konstituierung des neuen Bundestages war zu lesen, dass die FDP nicht neben der AfD sitzen möchte, sie wollte sich eher zwischen Grünen und CDU positionieren.
Was bewog die FDP dazu?
Allein nur, um nicht neben den Schmuddelkindern zu tagen? Oder möchte man weg von der rechten Seite, sich eher nach links platzieren?

Es ist – vor allem bei rechten Intellektuellen (vor nicht allzu langer Zeit fragte man noch, gibt es die überhaupt) – zum Chic geworden, sich in seiner politischen Ausrichtung nicht mehr rechts oder links eingeordnet sehen zu wollen, die Rechts-Links-Dyade eigentlich als verstandesmäßig abgegriffen zu sehen.
Warum auch immer.
Hat Ernst Jandl schon 1966 wohl mit seinem verwirrenden Gedicht etwas Kommendes voraus beschrieben?

Die Linke – ich bleibe bei der altbekannten Dyade – hat sich schon vor einiger Zeit mit den möglichen Verwischungen oder Vermischungen befasst. Man erinnere sich an die leidige „Querfront-Diskussion“ vor einigen Monaten.

Das geenterte Schlachtschiff

Mit den Ereignissen bei der jüngsten Frankfurter Buchmesse hat sich gezeigt, dass der geistig-kulturelle Hegemon nicht nur in diesem unserem Lande verunsichert ist. Das linke, schwer gepanzerte Großkampfschiff „Frankfurter Buchmesse“ wurde irgendwie von Rechten öffentlichkeitswirksam geentert. Und dann erdreisten sich auch noch einige Passagiere und Seeleute, eine Petition für Meinungsfreiheit und gegen Denk- und Redverbote nicht nur auf dem Schlachtschiff in die Welt zu setzen.

Sowas greift das linke Selbstverständnis an; wie es sich dann an dem Gegeifer einer sinisteren Xanthippe von SPON erkennen ließ. Die Sätze einer Person, deren Physiognomie dem Kenner schon offenbart, dass bei ihr eine schwere Stoffwechselstörung mit Auswirkungen auf das Geistes- und Seelenleben vorliegt:

„Vielleicht ist der Schwarze Block, die jungen Menschen der Antifa, die Faschisten mit dem einzigen Argument begegnen, das Rechte verstehen, die einzige Bewegung neben einem digital organisierten Widerstand, die eine Wirkung hat. Es wird nichts mehr von alleine gut. Die Regierung wird uns nicht retten. Allein eine Neudefinition des Begriffs linker Aktivismus kann den Schwachsinn des Hasses und der Menschenverachtung stoppen.
Während die guten Linken immer noch sitzen und über eine gelungene Gesprächsführung mit Schlägern, Brüllern und Menschenhassern nachdenken, spielt draußen das gute alte Liedgut, die ersten Schaufenster werden beschmiert und Fahnen gehisst.“

Wer sind die guten Linken? Nach den Ereignissen auf der Buchmesse kann man in den obigen Satz der Sibylle Berg auch „die guten Rechten“ einsetzen, mit ihren Erfahrungen mit der Schutzabteilung der „guten Linken“.

Der Gegensatz von „rechts“ und „links“ stellt ein typisches Denkmuster in Dyaden dar, heißt es, und im politischen Bereich wird „rechts“ und „links“ weiter bestehen, davon bin ich überzeugt.

Zurück zur Einleitung: Wie ist die FDP zu verorten, wo will sie sich selbst verorten? Sie flog schon einmal aus dem Bundestag und ihr ist nach „Jamaika“ – sofern etwas daraus wird – zu wünschen, dass ihr dieses Schicksal erneut widerfährt. Wie heißt es in der Geheimen Offenbarung 3:15-19 – woran man Christian Lindner und seine Nachläufer erinnern sollte:

„Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch heiß bist. Ach, dass du kalt oder heiß wärest! Also, weil du lau bist und weder heiß noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde.“


Links-Rechts-Bewußtsein

Die Links-Rechts-Unterscheidung hat deshalb so tiefe Wurzeln im allgemeinen Bewusstsein geschlagen, da sie psychologisch an elementare Raumwahrnehmungsmuster anknüpft. Der italienische Rechtsphilosoph Norberto Bobbio hat ausgeführt, dass es sich bei den politischen Richtungsbegriffen im logischen Sinne um eine der „antithetischen Dyaden“ handelt, wie sie in vielen wissenschaftlichen Disziplinen verbreitet sind. Auch bei Notiones wie Krieg und Frieden, Freundschaft und Feindschaft, Demokratie und Diktatur, Privatsphäre und Öffentlichkeit. „Die Elemente der Dyade sind zum einen erschöpfend und zum anderen ausschliesslich. Sie sind erschöpfend, weil sie den Anspruch erheben, die gesamte Menge der durch sie bezeichneten Gegenstände zu erfassen. Die Begriffe „links“ und „rechts“ erstrecken sich auf das gesamte Universum politischer Ideen, Programme, Ideologien und Doktrinen. Ausschliesslich sind sie, weil eine Idee entweder links oder rechts ist. Sie will alle politischen Entwürfe einander eindeutig zuordnen.“
Daran wird man auch mit intellektuellen Verrenkungen – von rechter wie linker Seite – nichts ändern können.

Zwei politische Parteien

Betreffend diesen diskutierten Dualismus bin ich schließlich bei meinem (rechten) Leib- und Magen-Philosophen Nicolas Gomez Davila fündig geworden. Er schreibt in „Notas – Unzeitgemäße Gedanken“:

Im Grunde gibt es nur zwei große politische Parteien. Die Menschheit teilt sich politisch in zwei Fraktionen: die derjenigen, die eher zufrieden als unzufrieden sind, und die derjenigen, die eher unzufrieden als zufrieden sind. Die einen versuchen, einen von ihnen gefürchteten Wandel zu verhindern, die anderen wollen einen von ihnen herbeigesehnten Wandel fördern.
Hierin besteht das ganze Geheimnis der linken und rechten Parteien, die man besser mit ihren alten Beinamen bezeichnen sollte: als Konservative und Fortschrittler.
Ich glaube nicht, daß sich abstrakte oder unpersönliche Gründe finden lassen, um die eine oder andere Partei zu wählen. Alles ist eine Angelegenheit der Konventionen, der persönlichen Umstände oder der historischen Situation. Zuweilen hat mich die Schwierigkeit beunruhigt, diese Meinung mit einem recht lebhaften und hartnäckigen Eindruck zu vereinbaren: dem der größeren Hochherzigkeit der linken oder Fortschrittsparteien. Wenn es sich tatsächlich so verhält, gäbe es starke Gründe, um sich für diese Parteien zu entscheiden. Dennoch scheint mir offenkundig, daß es sich nur um eine falsche Betrachtungsweise handelt, um eine Sicht innerhalb der Zeit, die auf dem Wesen der Zeit selbst beruht, jenes Mediums, in dem wir unausweichlich jedes Ereignis oder jede Meinung über ein Ereignis betrachten.
Als etwas schon Vollendetes, schon Ausgeführtes ist das Vergangene tatsächlich etwas Konkretes, Hartes, Kantiges; daher ist es etwas Persönliches, das sich von einem Ort, einem Individuum, einer Handlung nicht trennen läßt. Das Vergangene hat einen Eigennamen.
Die Zukunft hingegen ist vage, ungewiß, nebelhaft; sie bietet eine Fülle von Verheißungen, ist reich an Möglichkeiten. Sie läßt sich nicht definieren oder bestimmen. Bei ihr geht das Individuelle im Allgemeinen unter, das Konkrete im Abstrakten, die Art in der Gattung.
Wer daher das Vergangene (oder das Gegenwärtige, das hier das gleiche ist) verteidigt, erweist sich immer als Kämpfer für etwas Bestimmtes: ein Privileg, eine konkrete Situation, ein materielles Gut; wer sich hingegen um das Zukünftige sorgt, kann, selbst wenn er das persönlichste und egoistischste Gut ersehnt, nur für das Gemeinsame, das Allgemeine streiten, doch nicht deshalb, weil seine Taten von Hochherzigkeit, Selbstlosigkeit, einem apostolischen Drang veranlaßt werden, sondern weil der Zukunft individuelle Züge, persönliche Merkmale, die rauhe und konkrete Gestalt des Wirklichen fehlen.
Die Hochherzigkeit der Fortschrittsparteien ist nur scheinbar und beruht ausschließlich auf der Unvorhersehbarkeit jedes zukünftigen Ereignisses.

Die Diskussion kann weiter gehen!

Zum Abschluß des Beitrages möchte ich noch ein Fundstück aus den „Acta diurna“ von Michael Klonovsky anführen, mit welchem das Thema auch gestreift wird:

Wer heutzutage in einer politischen Debatte den Begriff „Nazi“ gegen wen auch immer ins Feld führt, ist aus ethischer Sicht ein Lump, aus historischer Sicht ein Verharmloser, aus intellektueller Sicht eine Null.

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* Erik von Kuehnelt-Leddihn