12. September 2006 – Die „Regensburger Ansprache“ von Benedikt XVI.

Heute, am 12. September, jährt sich zum elften Mal die berühmt gewordene „Regensburger Ansprache“ von Papst Benedikt XVI. Der Papst sprach über das rechte Verhältnis von Glaube und Vernunft im Rahmen einer Vorlesung an der Universität Regensburg, an der der frühere Professor Joseph Ratzinger Dogmatik gelehrt hatte. Das in der Rede enthaltene islamkritischen Zitat des byzantinischen Kaisers Manuel II. Palaeologos sorgte, wie nicht anders zu erwarten, in der muslimischen Welt für einen Sturm der Entrüstung – ausgelöst und befeuert von den islamophilen Medien in und aus Deutschland. Der eigentliche Gehalt der Rede über Glaube und Vernunft wurde dabei völlig in den Hintergrund gedrängt und auch, dass Benedikt am Ende der Rede zum Dialog aufrief.

Hier der Mitschnitt dieser historischen Ansprache:

Mit dem Islam wird es keinen Frieden geben

Religion und zornige junge Männer

 

Samuel Huntington stellte in seinem Buch „The Clash of Civilizations“ – erschienen im Jahr 1996 – fest, dass im Kalten Krieg zwischen dem Westen und der Sowjetmacht nach dem 2. Weltkrieg weniger „Westler“ ums Leben kamen, als in dem etwa seit den siebziger Jahren andauenden „Quasi-Krieg“ zwischen dem Westen und der muslimischen Welt. Dabei konnte Huntington die massiven Ereignisse in den letzten 20 Jahren noch gar nicht einbeziehen.

Da möchte man sich fast nach dem klassischen Kalten Krieg zurücksehnen, nach diesen 40 Jahren relativen Friedens, eingebettet in die längste andauernde Friedenszeit für unser Land in Mitteleuropa. Man hatte sich mit dem sog. Gleichgewicht des Schreckens irgendwie abgefunden und die großen Krisen – Ungarn 1956, Kuba-Krise 1962, Prag 1968 – waren dank vernünftiger Reaktionen der verantwortlichen Staatsmänner nicht eskaliert und in einen heißen Krieg ausgeartet. Das Damoklesschwert eines „nuklearen Overkills“  wurde im Westen im Grunde immer wieder aus dem Bewusstsein verdrängt; lediglich Hollywood machte mit diesbezüglichen Horrorszenarien seine Geschäfte.

Der Konflikt zwischen dem Westen mit seiner liberalen Demokratie und dem totalitären Marxismus-Leninismus im 20. Jahrhundert war ein vergleichsweise ephemeres und vordergründiges Geschehen, betrachtet man die inzwischen 1400 Jahre andauernde Auseinandersetzung zwischen dem Islam und dem Abendland, die ungebrochene Eroberungs- und Unterwerfungslust dieser Religion mit ihren Blutspuren in allen Sphären Asiens, Afrikas und Europas und geschätzt 270 Millionen Toten (manche Forscher nehmen gar 400 Millionen an).

Die totale Vereinnahmung der Menschen und ihrer Gesellschaften durch den Islam, verbunden mit dem unumwundenen Grundsatz bzw. Gebot der Bekämpfung, ja Ausrottung Andersgläubiger oder Ungläubiger, bildet das Substrat für nicht zu vermeidende Konflikte, die bis zum Sieg des Islam bei seinem unverhohlen geäußerten Anspruch auf Weltherrschaft andauern werden.
Das muslimische Konzept des Islams als einer Daseinsweise, die Religion und Politik transzendiert und vereinigt, wird immer gegen das Konzept der getrennten Reiche von Religion und politischer Macht stehen.
Einen „säkularen Islam“ kann es nicht geben, dies ist eine Contradictio in adiecto, ein Widerspruch in sich. Somit gibt es auch keine „säkularen Muslime“.
Sind sie „säkular“, sind sie alles andere, aber keine Muslime mehr. Das entspricht der Auffassung aller muslimischer Religionslehrer und auch der Einsicht der Klarblickenden unter den nicht muslimischen Islam-Exegeten.

Die offizielle Formel der westlichen Politik lautet immer noch, man habe Probleme mit gewalttätigen, islamistischen Fundamentalisten, aber nicht mit dem Islam. Das ist eine naive Einschätzung, denn ohne den Islam gibt es keine Islamisten.
Es ist nicht nur eine naive, es ist eine selbstmörderische Politik, die Ideologie des Islams und seine Träger und Zeloten ins Land zu lassen, ja zum Kommen einzuladen und dann noch dem öffentlichen Schutz zu unterstellen. Fast täglich werden uns die fatalen Folgen dieses Handelns vor Augen geführt.

Neben der innewohnenden religiösen Anstrengung kommt eine besondere psychologische Situation hinzu: ein Überlegenheitsgefühl einerseits und ein Minderwertigkeitsgefühl andererseits. Die Muslime halten ihre Kultur für die überlegene, die westliche für materialistisch, korrupt, dekadent und unmoralisch. Dem entgegen steht aber die effektive zivilisatorische, technologische, militärische und informatorische Überlegenheit des Westens.
Die im Westen allgemein als die mutige moderne und liberale Muslimin gefeierte Fatima Mernissis, eine marokkanische Soziologin und angebliche „muslimische Feministin“ verfasste in den 90er Jahren in ihrem Buch „Islam and Democracy“ eine larmoyante, aber für den Westen wenig schmeichelhafte Darstellung:

Der Westen ist »militaristisch« und »imperialistisch« und hat durch »kolonialen Terror« andere Nationen »traumatisiert« schreibt sie. Und: Der Individualismus, Inbegriff der westlichen Kultur, ist »die Quelle allen Übels«; die Macht des Westens ist beängstigend; der Westen »allein entscheidet darüber, ob Satelliten dazu benutzt werden, um Araber zu bilden oder um sie zu bombardieren; „… Er erdrückt unsere Potentiale und dringt in unser Leben ein mit seinen importierten Produkten und Fernsehfilmen, die die Sen der überschwemmen … [Er] ist eine Macht, die uns erdrückt, unsere Märkte belagert und unsere letzten Ressourcen, Initiativen und Potentiale kontrolliert. So nahmen wir unsere Lage wahr, und der Golfkrieg hat diese Wahrnehmung zur Gewißheit gemacht.« Der Westen »schafft sich seine Macht durch militärische Forschung« und verkauft dann die Produkte dieser Forschung an unterentwickelte Länder, die seine »passiven Konsumenten« sind.“

Zu den Auswirkungen dieser Dichotomie – Überlegenheitsgefühl einerseits und Minderwertigkeitskomplex andererseits – verbunden mit religiöser Anstrengung sagt der von unseren hiesigen Beschwichtigern als islamkritisch geschmähte Publizist Hamed Abdel-Samad:

Das Feuer des Islamismus war immer da, weil es seit Anbeginn des Islams eine Ideologie der Gewalt gibt. Bis heute soll die Gewalt den muslimischen Minderwertigkeitskomplex durch Allmachtsfantasien kompensieren.

 

2003 erschien das Buch „Söhne und Weltmacht – Terror im Aufstieg und Fall der Nationen.“ von Gunnar Heinsohn. Heinsohn definierte den „Youth Bulge“ (=Jugendüberschuss), der bei einem Anteil von mindestens 30 % der 15- bis 29-jährigen an der männlichen Gesamtbevölkerung und einem starken Ungleichgewicht „zwischen karrieresuchenden jungen Männern und verfügbaren gesellschaftlichen Positionen“ unvermeidlich zu Konflikten führe. Vor allem für den arabischen Raum einschließlich der Palästinensergebiete umriss er bereits 2003 die dann im „arabischen Frühling“ maßgeblich werdenden und den Westen bedrohenden Konstellationen.
„Das muslimische Bevölkerungswachstum hat riesige Scharen arbeitsloser und entfremdeter junger Menschen produziert, die sich für die islamistische Sache einspannen lassen, Druck auf die benachbarten Gesellschaften ausüben und in den Westen auswandern.“ schrieb schon Huntington in „The Clush of Civilisations“.
Millionen sitzen in Afrika, im Nahen und Mittleren Osten auf gepackten Koffern, um in Europa einzufallen und ihre Gewaltkultur hierher zu exportieren.
Millionen von „zornigen jungen Männern“, welche sogar schon die taz ausmachte, wobei man natürlich dort die angeblich „hausgemachten“ herausstellt.

Mit zornigen jungen Männern ist kein Frieden zu machen. Das ist neben dem politisch-ideologischen Gehalt des Islam das große Problem.

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Als Anhang ein kleiner Exkurs zum Thema „Zorn“. Der Soziologe und Philosoph Wolfgang Sofsky schreibt in seinem Werk „Das Buch der Laster“:

„Von den Affekten der Feindseligkeit ist der Zorn der gefährlichste. Er zielt direkt gegen den anderen. Er will auf das Opfer losgehen, ihm schaden, es vernichten. Anders als die Wut, die blindlings um sich schlägt, nimmt der Zorn den an deren ins Visier. Feindschaft wird kraftvoller, indem sie präziser wird. Der Wut kann man gelegentlich noch ausweichen. Sie sprüht wahllos nach allen Seiten. Dem Zorn hingegen ist kaum zu entgehen. Mit loderndem Blick erfaßt er sein Opfer, verfolgt seine Bewegungen, läßt es nicht mehr los. Es mag sich verstecken, die Flucht ergreifen, sich hinter einem Schutzwall abducken – es gibt kein Entkommen. So lange setzt der Zorn nach, bis er den anderen ergriffen hat.
… Zorn () behält sein Ziel im Auge. Er nimmt auch Umwege in Kauf, beachtet Barrieren und Fluchtlöcher. Manchmal umgeht er das Hindernis, manchmal bricht er brachial durch. Weniger das Quantum an destruktivem Elan macht ihn derart gefährlich als dessen gezielte Lenkung. … Zorn verfolgt sein Ziel bis zum bitteren Ende, ja, er steigert und beschleunigt sich in der Aktion.
… Zorn () ist ein Prozeß. Er unterhält sich selbst, baut sich auf, gewinnt an Fahrt, schlägt endlich in Tobsucht um, wenn er des Opfers habhaft wird.

Ungeahnte Kräfte kann der Zorn entwickeln. Er ist eine Macht für sich, ohne Sinn für das, was sich gehört und was er anrichtet. Die Folgen kümmern ihn nicht. Er lechzt nach verwegener Vergeltung. Jenseits des Zeitstroms schafft er eine absolute Gegenwart. Er überflutet den Geist und verengt den Horizont auf einen einzigen Fokus. Erinnerungen oder Erwartungen sind auf einmal gestrichen. Vollständig füllt der akute Affekt die Situation aus. Seine enorme Destruktivität rührt nicht zuletzt von dieser Kraft zum Absoluten. Wie dem Glück lichen schlägt auch dem Zornigen keine Stunde. Zorn agiert im Hier und Jetzt, erfüllt die Gegenwart ganz und gar. Er be freit von den Banden der Geschichte und den Verpflichtungen der Zukunft. Was gerade noch lieb und teuer war, ist im Augenblick des Zorns nur der Zerstörung wert. Was in vielen Monaten und Jahren errichtet wurde, das macht er mit einem Schlag zunichte. Von einer Sekunde zur anderen nimmt der Zorn die Arbeit der Schöpfung zurück.
… Im Zorn spürt das Subjekt einen Zuwachs an Kräften, von denen es zuvor nicht einmal ahnte, daß sie ihn im schlummern. Wer den Großteil seines Lebens in geduckter Haltung verbracht hat und ständig von Zweifel und Fügsamkeit geplagt war, der wächst im Zustand des Zorns unverhofft über sich hinaus. Die Brust wölbt sich, der Blick starrt geradeaus, das Kinn schiebt sich nach vorn, Hitze schießt hoch und rüstet zum Angriff. Der Leib weitet sich, schwillt an, das Selbst dehnt sich aus und erobert den Raum. Was von außen als Drohgebärde erscheint, wird im Innern als rasantes Wachstum an Energie, Entschlossenheit und Selbstvertrauen erlebt. Die Person wird größer und stärker als sie ist. Sie besetzt die Situation. An ihr kann nun niemand mehr vorbei. Zorn hat die Kraft zur Verwandlung. Hemmungen lösen sich auf einmal in Luft auf. Die Gewichte und Lasten, das Hin und Her von Mißmut und Abwehr, Angst und Gram ist verschwunden. Zorn befreit das Subjekt von sich selbst. Nach der Eruption ist es nicht mehr dasselbe wie zuvor.

Den verhängsvollen Umgang der Medien und maßgebender Politiker mit den „zornigen jungen Männern“ umschreibt Sofsky für uns so:

„ … die Vorstellung, Zorn sei stets die Vergeltung eines Unrechts, (ist) allzu tröstlich. Sie verkennt die ungeheure Maßlosigkeit dieses Affekts. … Es ist daher irreführend, dem Zorn einen Rechtswert anzudichten.
Auch das populäre Frustrationsmodell beruht auf durchsichtigen Motiven und logischen Irrtümern. Versteht man Zorn lediglich als Antwort auf eine Enttäuschung, so kann man, mittels einer einfühlsamen Verkehrung ins Gegenteil, den Zornigen kurzerhand zum Opfer umtaufen, zum Spielball fremder Kräfte, ungünstiger Umstände oder frevelhafter Zeitgenossen. Auf diese Weise spricht man den Zornigen von jeder Verantwortung frei. Die menschliche Fähigkeit, jederzeit mit dem Bösen von vorn beginnen zu können, gerät aus dem Gesichtskreis. Die Hoffnung auf Frieden verzerrt die Wahrnehmung der Wirklichkeit. Ginge jeder Aggression stets eine Frustration voraus, so wäre Feindseligkeit leicht aus der Welt zu schaffen. Man müßte die Menschen nur vor Enttäuschungen bewahren, und schon verwandelten sich alle Wölfe in Schafe. Indem man dem Zorn jegliche Spontaneität abspricht, verkleinert man ihn zu einer mißlichen Episode in der Geschichte des Fortschritts. In Wahrheit durchbricht der große Zorn die Kontinuität der historischen Zeit. Mit ihm endet die Friedensepoche und danach beginnt der Kreislauf der Zufälle von neuem.“

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Vom Zorn getriebene Fremde sind nicht integrierbar! Der Islam ist unvereinbar mit der liberalen Demokratie und dem Rechtsstaat westlicher Prägung! Er ist anhaltend eine bluttriefende Ideologie der Intoleranz. Einen „säkularen Islam“ kann und wird es nicht geben, er würde sich damit aufgeben!
Wer will das alles inzwischen noch in Frage stellen?

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„Der alte Türke“ lebt noch

Aus aktuellem Anlass wird der Artikel (Erstveröffentlichung 13. März) nochmals gepostet.

Eine Schilderung von Pater Johannes Leppich S.J.

Fundstück aus dem Jahre 1959

Pater Leppich (* 16. April 1915 in Ratibor, Oberschlesien; † 7. Dezember 1992 in Münster) war in den fünfziger und sechziger Jahren eine prominente Gestalt, nicht nur in Deutschland und in katholischen Kreisen. Bekannt wurde Leppich durch seine Volks- und Straßenpredigten in zahlreichen Städten (bis 1971). Wegen seiner beißenden Gesellschaftskritik hatte er in der Adenauerzeit den Spitznamen „Maschinengewehr Gottes“. Leppich warb in seinen Predigten unnachgiebig für christliche Werte und positionierte sich auch klar politisch gegen Kommunismus und Sozialismus und einen ausufernden Liberalismus. Leppich würde heute sicher nicht nur als Reaktionär, sondern von den politisch korrekten Elite-Medien überhaupt als „Nazi“ tituliert und stigmatisiert werden.
Leppich unternahm 1958 eine Weltreise, die ihn von Istanbul bis New York um die ganze Welt führte. Seine Ansichten und Erlebnisse hat er in einem Buch zusammengefasst, das nur noch antiquarisch zu erhalten ist: „Gott zwischen Götzen und Genossen“.
Die Reise führte ihn auch in die Türkei. Seine Erfahrungen und Schlussfolgerungen sind jetzt 60 Jahre danach unverändert lesenswert, ja aktuell in ihren Implikationen.
Ein nach wie vor aktuelles Zeitdokument – wenn auch manche Straßen Istanbuls und viele Touristenzentren inzwischen sich für die Welt gern „modern“ oder auch „europäisch“ geben möchten.
Mit der Volksbefragung vom 16. April 2017 hat Erdogan sich freie Hand für Errichtung einer Diktatur und eines islamischen Staats geben lassen. Erdogans Absicht ist es, den früheren „Vater der Türken“ Kemal Atatürk endgültig vom Sockel zu stoßen.

 

„Der alte Türke“ lebt noch
(1959)

Durch die engen Gassen Istanbuls holpert unser Taxi. Wir sind unterwegs zur Kirche des orthodoxen griechischen Patriarchen.
Vor einer hohen Mauer bleiben wir stehen. Eine schmale Stiege führt in die Höhe, als würde sie eine alte Befestigung durch schneiden.
Ich will durch das schwere hölzerne Haupttor in den Palasthof. Es ist versperrt. Nur ein kleiner Nebeneingang ist offen. Von einem alten Popen mit wallendem Bart bekommen wir die Erklärung dafür;
„Dieses große Tor wird nie mehr geöffnet, und zwar aus Protest. An diesem Tor nämlich haben die Türken 1821 den Patriarchen Gregorius gekreuzigt. Er war der Führer der griechischen Christen. Weil damals die Griechen die türkische Herrschaft abschütteln wollten, haben die Türken ihn aus Rache gemordet.“
Mich schaudert bei dem Gedanken, was sich hier abgespielt hat.
Wozu aber in der Geschichte kramen?
Es gibt doch heute keine gefürchteten Türken mehr.
In deutschen Illustrierten lächeln Sie fesche, türkische Pin-up-girls an. Die verschleierte Frau mit den bunten Pluderhosen ist in der Türkei überholt. Die türkische Frau ist emanzipiert. Sie sitzt als Studentin im Hörsaal und führt in Frauenverbänden das große Wort.
Die moderne Türkin, in der schicken Uniform der Marine, haben wir selbst gesehen. Die Mädchen führten mit geschultertem Gewehr das Paraderegiment.
Das orientalische Märchen von der Türkei ist überholt. Die Türkei ist auf dem Wege nach Europa.
Sie verdankt das fast ausschließlich Kemal Pascha Atatürk, der mit rücksichtsloser Entschlossenheit die Türkei zu einem modernen Staat umgestaltete. Er riß die Türkei nach dem ersten Weltkrieg aus ihrer politischen Lethargie. Allerdings mit vielen ihrer Wurzeln, auch manchen islamischen. Darum ist der Baum Türkei, der heute auf asiatischem und europäischem Boden wurzelt, auf keinem von beiden fest. Der Europäer läßt sich nicht aufpfropfen und der Asiate nicht ausschneiden.
Der »Führer“, Kemal Atatürk, hatte es nicht leicht bei dem Islam, der immer nur rückwärts schaut. Darum kann man Atatürk das Wort zutrauen, das von ihm überliefert ist: Wenn die Türken statt des Islams das Christentum angenommen hätten, dann hätte et sich seine Reformen ersparen können.

Der hochgefeierte Diktator hat aber unter „Christentum“ nur Europa verstanden. Besser gesagt: seine Eisenbahnen, seine Spitäler, seine Hochschulen, seine Modesalons und Fabriken.
Und so zog sich also der alte Türke nur eine neue europäische Haut über:

Die Männer vertauschten ihren Fes mit dem europäischen Herrenhut; und der Schleier der Frauen wich dem Chick aus Paris und London. Moderne Traktoren und Mähdrescher eroberten das Land. Und der „Laizismus“ proklamierte, daß Religion nichts mehr mit dem öffentlichen Leben zu tun habe. Selbst unser katholische Priester, der mich vom Bahnhof abholte, war in Zivil, denn heute noch darf kein Vertreter einer Religionsgemeinschaft im geistlichen Gewand in der Öffentlichkeit auftreten, jedenfalls nicht die Christen.
Natürlich spricht man viel von Toleranz. Aber während die prachtvollen Fassaden der Moscheen das Stadtbild kennzeichnen müssen sich die christlichen Kirchen verschüchtert in den Winkel der Stadt verkriechen.
Wir Deutschen sind beliebt, sehr beliebt. Man ist bereit, von uns alles anzunehmen: Technische Wunder, kulturelle Einrichtungen und selbst die deutsche Unmoral. Aber es ist fast wie ein Staatsverbrechen, wenn ein Mohammedaner es wagt, die Religion der Deutschen anzunehmen, das Christentum.
Aber auch ein Diktator kann nicht ohne weiteres ein Volk umwandeln. Atatürk ist tot, und der alte Türke wird wieder lebendig:

Die türkische Frau haben wir in den Straßen wieder mit dem „Tscharschaff“, dem schwarzen langen Tuch, gesehen. Der Bauer in Anatolien hat sich nicht stören lassen, mit seinem Holzpflug, wie ihn schon die Hethiter vor 3000 Jahren in ihren Steinreliefs verewigt haben, weiterhin die flachen Furchen zu ziehen. Und der Islam besteht eisern weiter. Darum endet fast jede Ehe zwischen einer Christin und einem Moslem mit einer Katastrophe. Das Mädchen, das sich einer dummen Romantik verkauft, zerbricht, wenn nicht an der anderen Religion und Rasse, auf jeden Fall an der türkischen Sippe.
Denn die Türkei ist weit mehr in Asien verwurzelt als in Europa.
Sehen Sie sich nur die Landkarte an: Wie wenig gehört zu Europa und wie gewaltig ist der Teil in Kleinasien!
Und diesem Asien bin ich in Istanbul erschreckend nahe begegnet.
An allen Ecken und Enden sitzen Krüppel, die betteln. Ihr Anblick ist grauenvoll, Sie kommen fast alle aus Anatolien. Vor zwei Jahren ist eine Bettlerorganisation aufgeflogen. Ihre Manager haben jahrelang aus der asiatischen Türkei Krüppel importiert. Nicht weil es in Anatolien so viele Mißgeburten gäbe. Aber unmenschliche Eltern haben ihren Kindern Hände und Fuße gebrochen oder ihnen die Augen geblendet, damit sie sie als erfolgreiche Bettler an die Agenten dieser Teufelsgesellschaft teuer verkaufen konnten.
Nein, die Türkei ist noch nicht „Europa“ geworden. Und der unruhige Nomade und fanatische Streiter für den Islam im Türken ist noch lange nicht dem Europäer gewichen. Vom „christlichen“ Europäer ganz zu schweigen.
Im Gegenteil; „Der alte Türke“, wie er den Patriarchen Gregorjus ans Tor und zum Tod geschlagen hat, lebt noch immer. Vor drei Jahren erst hat er ein Lebenszeichen gegeben. Vor den Augen aller Welt ist erschreckend explodiert, was an jahrhundertealtem asiatischen Haß und mohammedanischem Fanatismus gegen Europa und das Christentum unter einer dünnen Decke von Zivilisation schwelte.
Diesmal war es die griechisch-orthodoxe Kirche, die sie überfielen. Am 6. September 1955 brach es in Istanbul los: Moslemmassen rotteten sich zusammen und wälzten sich durch die Straßen Istanbuls. Wo ihnen ein Kreuz begegnete, setzten sie den roten Hahn aufs Dach. Dreißig Kirchen brannten sie so nieder.
Nicht genug: sie zerstörten und plünderten alle Geschäfte, wenn auf einer Ware ein Markenzeichen nur entfernt an ein Kreuz erinnerte. Aus christlichen Gräbern rissen sie die Leichen und schändeten und entehrten noch die Toten …
Man darf es uns Christen nicht übelnehmen, wenn uns nach solchen Erfahrungen der alte Schreckensruf Europas „Der Türke kommt“, im Gedächtnis bleibt, ich habe daran gedacht, als ich am Grabe des Sultans Soliman stand. Er hatte seine Zelte bereits vor Wien aufgeschlagen. Wäre damals das christliche Abendland erlegen, was wäre aus Europa geworden?
So aber besteht Hoffnung, daß die Türkei doch noch, „auf den Weg nach Europa“ kommt.
Wiederum stehen die Türken vor Wien — diesmal allerdings nicht zum Schrecken Europas mit dem Türkensäbel: Es sind junge türkische Studenten, die in unseren Hörsälen sitzen, türkische Ingenieure, die unsere Betriebe besichtigen. Es ist die wissensdurstige, lernbegierige Türkei,
Es ist nur die Frage, wie diese Schüler des alten Europa in ihre Heimat zurückkehren. Denn Naturwissenschaft/ Medizin und Technik bei uns studiert zu haben, genügt nicht. Das kann nur eine Zivilisationstünche für den »alten Türken“ abgeben. Gnade uns, wenn ihnen gottlose Professoren und liberale Betriebsdirektoren Lehrmeister sind!
Sie müssen im alten Europa Gott begegnen. Sie müssen erleben, daß Gott nicht ein zwar ehrwürdiges, aber im 20. Jahrhundert überholtes Museumsstück ist, sondern ein lebendiger, nie alternder Gott, daß auch die modernste Technik und Wissenschaft und das Christentum sich nicht widersprechen.
Das heißt, sie müssen Christen begegnen, die in dieser modernen Welt als Christen leben und damit glaubhaft machen, daß die Lehre Jesu Christi nicht für ein paar europäische Ästheten da ist, sondern für alle Menschen — auch für den „alten Türken“!

Leppich verströmt zum Schluß seines Aufsatzes etwas Optimismus – mit Einschränkungen. Er setzt irgendwie Hoffnung in junge wissenbegierige Studenten und Schüler, die „in unseren Höraälen“ sitzen. Er fürchtet nur, dass „gottlose Professoren und liberale Betriebsdirektoren“ ihre Lehrmeister werden könnten. Reicht das?
Leppich unterstellt der erwünschten „Zivilisierung“ dieser modernen Türken eine notwendige „Begegnung mit Gott im alten Europa“. Hat er bedacht, dass mit diesem Gott nicht „Allah“ gleich gesetzt sein kann? Ich meine doch, weil er sicher mit „Allahu Akbar“-Rufen konfrontiert worden war und er erkannte, dass „der alte Türke“ weiterlebt.

Frohe Ostern!

Allen, die hier vorbeischauen!

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Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurückzusehen.
Aus dem hohlen, finsteren Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden,
Aus niedriger Häusern dumpfern Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbes-Banden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straße quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle an’s Licht gebracht.

J.W.Goethe: Faust – Osterspaziergang

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Flectamus genua – Beuget die Knie!

Katholische Karfreitagsliturgie

Für die Evangelischen sei der Karfreitag der höchste Feiertag – sagt man. Das ist mir auch aus meinem vorwiegend protestantischen Heimatort erinnerlich.
Für uns Katholische beinhaltet das Gedächtnis an das Leiden und den Kreuzestod Christi eine schlichte, meditative, eine umso mehr beeindruckende Liturgie.

Ein evangelischer Superindendent darf begründen, warum der Karfreitag der höchste evangelische Feiertag ist.
Dem widerspricht die offiziöse Evangelische Kirche Deutschlands, die feststellt:
»In den Medien wird fälschlicherweise immer wieder darauf hingewiesen, Karfreitag sei der höchste Feiertag in der evangelischen Kirche. Diese Einschätzung gründet sich darauf, dass Protestanten den Karfreitag als ganz besonderen Feiertag betrachten. Doch ist für sie wie für die ganze Christenheit Ostern, die Feier der Auferweckung Jesu, das höchste Fest.«

Natürlich Ostern!

Die katholische Karfreitagsliturgie enthält »Die großen Fürbitten« für die Kirche.
Die säkularen »Protestanten« in den Medien und die diversen »Zentralräte« störten sich dabei besonders an der Fürbitte für die Bekehrung der Juden: der angebliche »antisemitische Kern« des Katholischen.

Bei jeder Fürbitte wiederholt der Priester an die Gemeinde gerichtet: »Flectamus genua!«, dann »Levate!«: »Beuget die Knie!« und »Erhebet Euch!«

Das ist katholisch: die Allegorie der Demut im Kniefall und das Wiederaufstehen im Glauben.

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Hier Auszüge der Fürbitten der Karfreitagliturgie.

Für die ganze heilige Kirche

Oremus, dilectissimi nobis, pro Ecclesia sancta Dei: ut eam Deus et Dominus noster pacificare, adunare, et custodire dignetur toto orbe terrarum: subiciens ei principatus et potestates: detque nobis, quietam et tranquillam vitam degentibus, glorificare Deum, Patrem omnipotentem.
Oremus.
Flectamus genua.
Levate.

Lasset uns beten, Geliebte, für die heilige Kirche Gottes, daß unser Gott und Herr sie würdige, sie auf dem ganzen Erdkreis zu befrieden, zu einen und zu behüten, daß er ihr Mächte und Gewalten unterwerfe und uns gewähre, ein stilles, ruhiges Leben zu führen, um Gott, den allmächtigen Vater, zu verherrlichen.
Lasset uns beten.
Beuget die Knie.
Erhebet euch.

Omnipotens sempiterne Deus, qui gloriam tuam omnibus in Christo gentibus revelasti: custodi opera misericordiæ tuæ; ut Ecclesia tua, toto orbe diffusa, stabili fide in confessione tui nominis perseveret. Per eundem Dominum nostrum …
Amen.

Allmächtiger ewiger Gott, der du in Christus allen Völkern Deine Herrlichkeit geoffenbart hast: schirme die Werke deines Erbarmens, daß deine Kirche, über den ganzen Erdkreis ausgebreitet, mit standhaftem Glauben im Bekenntnis deines Namens verharre. Durch ihn, unsern Herrn …
Amen.

Für die Regierungen der Völker

Oremus et pro omnibus res publicas moderantibus eorumque ministeriis et potestatibus: ut Deus et Dominus noster mentes et corda eorum secundum voluntatem suam dirigat ad nostram perpetuam pacem.
Oremus.
Flectamus genua.
Levate.

Lasset uns auch beten für alle Lenker der Staaten und für ihre Minister und Gewalthaber: daß Gott der Herr ihnen Herz und Sinn seinem Willen gemäß leite zu unserem immerwährenden Frieden.
Lasset uns beten.
Beuget die Knie.
Erhebet euch.

Omnipotens sempiterne Deus, in cujus manu sunt omnium potestates et omnium jura populorum: respice benignus ad eos, qui nos in potestatibus regunt; ut ubique terrarum, dextera tua protegente, et religionis integritas, et patriæ securitas indesinenter consistat. Per Dominum nostrum …
Amen.

Allmächtiger ewiger Gott, in dessen Hand die Gewalten und Rechte aller Völker liegen: schaue gütig auf jene, die über uns die Staatsgewalt führen, auf daß überall auf Erden unter dem Schutz deiner Rechten unablässig bestehen bleibe die Unversehrtheit der Religion und die Sicherheit des Vaterlandes. Durch unsern Herrn …
Amen.

Für die Bekehrung der Juden
Die „umstrittene“ Fürbitte in der von Benedikt XVI. permittierten Form

„Oremus et pro Iudaeis. Ut Deus et Dominus noster illuminet corda eorum, ut agnoscant Iesum Christum salvatorem omnium hominum.
Oremus.
Flectamus genua.
Levate
Omnipotens sempiterne Deus, qui vis ut omnes homines salvi fiant et ad agnitionem veritatis veniant, concede propitius, ut plenitudine gentium in Ecclesiam Tuam intrante omnis Israel salvus fiat. Per Christum Dominum nostrum. Amen.“

„Lasst uns auch beten für die Juden, auf dass Gott, unser Herr, ihre Herzen erleuchte, damit sie Jesus Christus erkennen, den Retter aller Menschen.
Lasset uns beten.
Beuget die Knie.
Erhebet Euch.
Allmächtiger ewiger Gott, Du willst, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen. Gewähre gnädig, dass beim Eintritt der Fülle aller Völker in Deine Kirche ganz Israel gerettet wird. Durch Christus, unseren Herrn. Amen.“

Das protestantische Pfarrhaus

 

 

 

 

In der neuesten Ausgabe des Magazins „Monumente“ (Deutschen Stiftung Denkmalschutz) beschäftigt sich die Autorin Julia Ricker – passend zum Lutherjahr – mit dem protestantischen Pfarrhaus: „Zwischen Himmel und Erde – Vom Leben protestantischer Pfarrfamilien“.
Diese Kunst- und kulturhistorische Abhandlung erinnert inhaltlich auch an einen Aufsatz in der ZEIT aus dem Jahre 2010, als bereits eine mögliche Wahl von Joachim Gauck zum Bundespräsidenten diskutiert wurde.
„Gutes altes Pfarrhaus – Efeuumrankt, eichenbewacht – wer in diesem Idyll aufwächst, der kann vielleicht was Großes werden“ heißt es dort.

In beiden Artikel wird herausgestellt, welch besonderes „Biotop“ das protestantische Pfarrhaus war, quasi eine Kaderschmiede und eine Wiege von Dichtung, Philosophie und Wissenschaft in deutschen Landen, ein Hort der Bildung und Kultur. Unzählige deutsche Geistesgrößen sind daraus hervorgegangen, besonders seit dem 19. Jahrhundert.
Das Milieu Pfarrhaus gebiert jedoch ganz unterschiedliche Persönlichkeiten. Lessing, Claudius, Lichtenberg, Lenz, Jean Paul, Nietzsche, Hesse, Benn, Albert Schweitzer, Malcolm X, Dürrenmatt, C. G. Jung, Angela Merkel und Joachim Gauck … sie waren oder sind Pfarrerskinder. Einer Studie zufolge kamen Mitte des 19. Jahrhunderts von 1600 bekannten Deutschen 861 aus einem evangelischen Pfarrhaus.

Das Familienleben der Luthers galt als ein verwirklichtes Ideal und die Pfarrersfamilie hatte das ideale Christentum vorzuleben, fromm, gottgefällig und moralisch unbedenklich zu sein.
Der frühere SPD-Bürgermeister von Berlin und ehemalige Pfarrer, ebenfalls Pfarrerssohn Heinrich Albertz erkannte aber schon 1982 in einem ZEIT-Artikel: „Das Pfarrhaus stirbt aus“
Albertz greift in seiner Abhandlung auf ein Buch des Politikwissenschaftlers und Kulturforschers Martin Greiffenhagen („Pfarrerkinder“) zurück, der ebenfalls aus einem protestantischen Pfarrhaus stammt, Sohn eines Widerständlers in der Bekennenden Kirche.
Greiffenhagen führt das Absterben „der Quellstube der Nation, die seit Luthers Zeiten den deutschen Himmel der Dichter und Denker ziert“ u.a. auf die gewandelte Rolle, bzw. die Abwesenheit der Pfarrersfrau und die damit verbundene Auflösung der alten Familienstrukturen im Pfarrhaus zurück.
Albertz dazu:

„Ich selbst kann es auch bezeugen aus unzähligen Pfarrhäusern, in denen ich aus und ein ging, und aus den Geschichten der Großmütter in den pommerschen und brandenburgischen Landgemeinden: Sie war wohl das Herz des Lebens, die Mutter alles Lebendigen, viel mehr als der Vater in seiner wohlgehüteten Studierstube. Sie stirbt aus. Und mit ihr versiegt der Quell.“

Und noch etwas Wichtiges schneidet Albertz an:

„ … was Greiffenhagen als Syndrom des alten Pfarrhauses beklagt: seine Abstinenz gegenüber allem „Politischen“, ist spätestens seit Hitlers Zeiten vorbei. Schon sein eigener Sohn hat dies erfahren. Der Unsinn, daß das Evangelium gleichsam politikfrei vorgetragen werden könnte, ist im Absterben.“

Mit der „Abstinenz gegenüber dem Politischen seit Hitlers Zeiten“. Da irrt Albertz meinens Erachtens. 
Die deutschen Protestanten hatten gewiss ein besonderes Politik- und Staatsverständnis und eine besondere Staatsnähe.
Die preußische „Staatskirche“ unter den Hohenzollern war keineswegs politisch neutral.
Die Situation der evangelischen Kirche in Deutschland während des „Dritten Reichs“ war von politischer Spaltung geprägt und die von einer großen Zahl der protestantischen Pfarrer gegründete und getragene Organisation der „Deutschen Christen“ waren aktive Nazis und arbeiteten von der Kanzel dem „Führer“ zu.

Fahne der Deutschen Christen, 1932

Aber sogar die „Bekennende Kirche“, die später als Widerstandsorganisation geführt wurde, hatte aktive Nazis und SS-Mitglieder in ihren Reihen.
Bereits vor der Machtergreifung der Nazis gab es Verbindungen offizieller Vertreter der evangelischen Kirche mit den Nazis.
Die Berufung auf Luther mit seinem bekannt aggressiven Antisemitismus erleichterte die Fühlungnahme mit dem mörderischen Rassismus der Nazis.
Hans Meiser, ab 1933 evangelischer Landesbischof von Bayern verfasste 1926 als Direktor des Nürnberger Pfarrer-Seminars ein „Gutachten“ mit dem Titel „Die evangelischen Gemeinden und die Judenfrage“. Er spricht darin gegen „die Verjudung“ des deutschen Volkes aus, und er erklärt sich einverstanden mit den völkischen Idealen, deren Anhänger „mit der antisemitischen Bewegung in einer Front stehen“:Er beklagt den Einfluss der Juden auf wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Gebiet. Er schreibt: „Mag die Moral vieler Juden nichts anderes sein als stinkende Unmoral“, und so fordert er durch konkrete Maßnahmen „ein Zurückdrängen des jüdischen Geistes im öffentlichen Leben“ und die „Reinhaltung des deutschen Blutes“.
In Nürnberg nahm der evangelisch-lutherische Pfarrer Martin Weigel 1926 vor dem Altar der Lorenzkirche in Nürnberg eine Fahnenweihe für die Schlägertruppe der Nazis, der SA vor.
Im deutschen Pfarrerblatt, sozusagen die Pflichtlektüre aller evangelischen Pastoren, erscheint 1930 ein Grundsatzbeitrag über das Verhältnis von NSDAP und Kirche. Der Autor, Pfarrer Friedrich Wienecke, erklärt es zu den Aufgaben der Männer der Kirche, in die „Tiefe der nationalsozialistischen Gedankenwelt“ zu schauen und sich nicht durch „äußere Schönheitsfehler“ abschrecken zu lassen. Die von Gott gewollte Aufgabe für die deutsche Politik sei nach Wienecke die Förderung des „arisch-germanischen Menschen.“ Die Aufgabe von Theologie und Pfarrerschaft sei es, zu helfen, dass die Nazi-Bewegung „erfüllt von göttlicher Kraft unserem Volk Gesundung bringe“.
Siehe hier: „Die unrühmliche Rolle der evangelischen Kirche im Dritten Reich“.
Es ist nicht erstaunlich, dass in den überwiegend protestantischen Gebieten des Deutschen Reichs, die Nationalsozialisten die höchsten Wahlergebnisse einfuhren.

Die Politiknähe der evangelischen Kirche setzte sich nach dem Krieg in der Bundesrepublik fort. So ist auch der SPD-Politiker, der oben zitierte Pfarrer Albertz ein Beispiel dafür. Die vielfältige Personalunion von Ratsmitgliedern und Pfarrern der EKD mit der SPD ist Fakt und hat sich offensichtlich prägend auf die „Botschaften“ der EKD ausgewirkt. Neuerdings erleben wir Personal- und Gesinnungsunionen mit den Gender-, Lesben- und Schwulen-Propagandisten der Partei der Grünen.

Albertz meint, es sei „Unsinn, daß das Evangelium politikfrei vorgetragen werden könnte“. 
Ich meine, dass man das Evangelium politikfrei vortragen muss und kann, weil darin ewige Werte und Prinzipien ausgedrückt sind. Weil dadurch die Kirche daraus nicht aufzugebende Wahrheiten für das Zusammenleben der Menschen für alle Zeiten ableiten kann, welche nicht politischen oder zeitgemäßen Ideologien oder dem gerade herrschenden Zeitgeist unterworfen werden dürfen.

Das evangelische Pfarrhaus als „Kaderschmiede“? Die Zeiten des Pfarrhauses als „Quellstube der Nation, die … den deutschen Himmel der Dichter und Denker ziert“ sind vorbei, man darf sogar ätzend darauf verweisen, das z.B. auch Gudrun Enßlin, die blutigste RAF-Aktivistin aus einem evangelischen Pfarrhaus stammt, und der als Politiker und Pfarrer schwer gebeutelte Pastor Albertz hätte sich damals gewiss nicht träumen lassen, dass dereinst ein evangelischer Pfarrer, der in einem offensichtlich ehebrecherischen Verhältnis lebt, gar zum Bundespräsidenten gewählt wird.

Albertz zitiert in seinem ZEIT-Artikel den DDR Dichter Rainer Kunze mit seinem Gedicht zum Pfarrhaus (1968)

„Wer da bedrängt ist findet
mauern, ein
dach und
muss nicht beten“.

Ich mag die Lyrik, die Metaphern von Rainer Kunze, aber gibt es heute noch diese Mauern und Dach als Schutz? Sind sie nicht auch vom Geist der Political correctness und eines unduldsamen Gutmenschentums der Bewohner geschliffen worden.
Das „muß nicht beten“ gilt und galt auch ohnehin schon für jeden der Bewohner, der glaubte, dass Gott tot ist. Mit diesem Glauben kann man Pfarrer oder Bischof werden, und braucht auch dann kein Kreuz mehr in der Öffentlichkeit tragen und darf sich Andersgläubigen unterwerfen.

Bildergebnis für Bedford-Strohm Marx Tempelberg

Querfront – Abschnitt 2

Reaktion der „Reaktion“

 

Linke und Rechte streiten sich lediglich
um den Besitz der Industriegesellschaft.
Der Reaktionär ersehnt deren Tod.
Nicola Gomez Davila

 

Es sind nachgewiesene Renegaten wie Jürgen Elsäßer und Ken Jebsen, an denen sich die Kritik der Linken besonders festmacht, wie im vorausgehenden Beitrag skizziert. Diese bestellen anscheinend hierzulande besonders den Acker der Querfront. Dazu werden auch gelegentlich Publizisten wie Jan Fleischhauer, Henryk Broder und Thilo Sarrazin angeführt. Broder und Sarrazin stehen ja in einem besonderen Schmäh-Focus der hiesigen linken Medien-Organe, obschon beide einer nationalistisch rechten Attitüde sicher unverdächtig sind.

Mit etwas Verzögerung erschien nun ein Echo – eine Publikation – von „rechter Seite“, von Benedikt Kaiser, Politikwissenschaftler und Verlagslektor im Antaios Verlags: „Querfront“ – Kaplaken-Band 49.

Der Autor nennt seine Betrachtung einen „subjektiven Streifzug durch die Geschichte quer zu den bisherigen Lagern“ und stellt fest

„Die Querfront als politische Konzeption sui generis gibt es entgegen der Behauptung ihrer Kritiker nicht. Sie besitzt kein klar umrissenes Konzept. Je nach Land, Zeit und Situation erfährt der Begriff eine gänzlich andere Aufladung. … Es ist … kein Wert an sich und als solches nicht der Mühe wert, zumal es – damals wie heute – an lagerübergreifenden Projekten, ja bereits an bloßem Interesse bezüglich politischer Elemente, die »falsch«, also gegnerisch etikettiert sind, mangelt. Es erscheint aus diesen Gründen sinnvoller, eigene Ideen konkret auszuformulieren und Begriffe zu »setzen«, mithin die dringend notwendige Erweiterung des Themenspektrums vorzunehmen.“

In seiner Analyse schreibt Kaiser u.a., dass es innerhalb der europäischen Rechten „Kontinuitätslinien“ gibt, die man der Linken von jeher voraushabe. Die wichtigste dieser Linien ist die „Nennung der dreifachen Zugehörigkeit eines Europäers zur Heimatregion, zur Nation, zu Europa als übergeordnetem Prinzip.“ Er zitiert den Europapolitiker der freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) Andreas Mölzer: „Nur ein föderatives, in manchen Regionen die vorhandenen Staaten auflockerndes Europa ist nach den bisherigen historischen Entwicklungen denkbar.“
Kaiser verweist dabei u.a. auch auf die postnationalistische „identitäre Bewegung“ in Frankreich, welche der Anschauung folgt, dass das Mutterland Europa nicht als Vorstufe zur „One World“ gelten soll, sondern neben Region und Nation als Barriere gegen eine solche fungiert.

Im „Fazit“ seiner Abhandlung meint Kaiser

„Es erscheint … sinnvoller, eigene Ideen konkret auszuformulieren und Begriffe zu »setzen«, mithin die dringend notwendige Erweiterung des Themenspektrums vorzunehmen. Eine »Neue Rechte«, die sich von neokonservativ-neoliberalen Vorstellungswelten absetzt, die sich also gegen die Vorherrschaft des Westens, universale Islamfeindschaft, libertäre Marktgläubigkeit und konservative Kapitalismusaffirmation stellt; eine Neue Rechte, die ein fundiertes eigenes Bild vom zeitgenössischen Imperialismus entwirft und sich geopolitisch für eine »Pluralisierung der Hegemonien« ausspricht; eine neue Rechte, die die soziale Frage wieder als ureigenes Sujet entdeckt; eine Neue Rechte, die europäisch denkt und mehr als nur einen nationalsouveränistisch-populistischen Anti-Brüssel-Block formieren möchte, die die Idee des einigen Europas neu und innovativ, aber rückgebunden auch an Tradition und Herkunft betrachtet; …

Das geht es mir etwas sehr durcheinander und alles scheint mir wenig neu im Sinne „eigener Ideen“. Alles schon mal da gewesen! Gegen eine Vorherrschaft des Westens, gegen universale Islamfeindschaft, gegen libertäre und bürgerliche Kapitalismusaffirmation war auch schon Hitler aufgetreten, er hat auch „europäisch“ gedacht und agiert; die soziale Frage hat Oswald Spengler in seiner Schrift „Preußischer Sozialismus“ aufgeworfen, die Nazis haben die Bismarck´schen Sozialreformen weiter ausstaffiert; gegen die Liberalen haben alle Vertreter der „konservativen Revolution“ – bis zuletzt Armin Mohler – polemisiert.

„Europa … rückgebunden auch an Tradition und Herkunft“, das will mir schon gefallen in der „Trinität“ Region/Heimat, Nation/Vaterland und ein Europa der Vaterländer.
Das ist nicht nur „denkbar“, wie der FPÖ-Politiker Mölzer meinte, es scheint mir das einzig effektive Leitbild für eine Politik der Erhaltung europäischer Kultur und seiner Völker.
(Alt-) Neu wäre wieder eine echte Subsidiarität ausgehend von der unteren Ebene – den Gemeinden, der Region. Rechtsetzung und Ordnungsgebung nicht von oben übergestülpt, sondern Gestaltung wieder faktisch von unten nach oben.
Subsidiarität ist auch ein unerlässliches und zentrales Element des zuvorderst menschenfreundlichen ordnungspolitischen Konzepts der sozialen Marktwirtschaft.

Kaiser meint in seinem Fazit „Negation des Alten und der Hervorbringung von etwas Neuem jenseits des Üblichen führt »zu produktiver geistiger Unruhe«.

Die derzeitige Politik und ihre Ideologie kranken unter anderem aufgrund der „Negation des Alten“, aufgrund ihres Kampfes auch gegen das Föderale und Subsidiäre – auf dem Weg zur weitergehenden Globalisierung.

Europa

Europa! Wir sollten uns an das erinnern, was Gerd-Klaus Kaltenbrunner 1994 in „Vom Geist Europas“ schrieb:

„Europa … die Vision eines Hauses mit vielen Wohnungen, eines Domes mit vielen Kapellen, eines Lebensraumes oder einer „oikia“ mit vielen Gebieten, Nischen und Höhenstufen. Es ist dies ein anderes Europa als der halb euphorisch begrüßte, halb fatalistisch hingenommene Binnenmarkt gleichen Namens. Das Abendland, in dem ich mich beheimatet weiß, ähnelt — um es drastisch zu sagen — eher noch dem fernen Polynesien als jenem nahen, aber antlitzlosen Monster, das von überheblichen Kommissionen und Konzernen entworfen, verwaltet und vor angetrieben wird. Der gigantomanischen Vermessenheit dessen, was in einem wohlgeordneten Gemeinwesen nur subalternsten Rang innehaben könnte, halte ich unbeirrt die Urgestalten und Denkmale europäischen Schöpfergeists und Überlieferungssinns entgegen. Bildlich gesprochen: Das alte Prag, Riga, Krakau und Kiew stehen mir näher als das neue Brüssel. Den Spott, ein Don Quijote sei, wer die Übermacht des Technokratischen, Ökonomischen und Administrativen in die Schranken fordere, fürchte ich sowenig wie vor zwanzig Jahren die Schelte des „Konservativen“.

Es ist zu fürchten, dass das „alte“ Europa unwiderruflich dem Untergang geweiht ist, dafür werden neben unseren „Eliten“ die eingeladenen, hergeschleppten und hergeführten „Flüchtlinge“ aus Afrika und dem Nahen oder Mittleren Osten sorgen.

Europa, das „Abendland“, das war der Kontinent der Christenheit. Vom Christentum ist bei den Linken wie auch bei der neuen Rechten, nicht die Rede – insofern gibt es diesbezüglich eine Querverbindung.

Die Idee des einigen Europas auch „neu und innovativ“, kann nur rückgebunden an Tradition und Herkunft betrachtet werden!

Ideologie

Kaiser spricht es in seinem Essay nicht konkret aus, aber er fordert im Grunde eine eigene (neue) Ideologie, ohne aber im Einzelnen konkret zu werden – abgesehen von den formulierten Ausschlüssen (gegen die Vorherrschaft des Westens, universale Islamfeindschaft, libertäre Marktgläubigkeit und konservative Kapitalismusaffirmation …). Es möchte damit gewiss auch eine Art „Avantgarde“ der Rechten generiert werden.

Ideologie – das Wort wird gerade von Konservativen ungern in den Mund genommen, genauso wenig wie das durch den Nationalsozialismus verbrannte Wort der Weltanschauung. Gegen „Ideologie“ besteht eine regelrechte Aversion gerade bei den aufrechten Rechten.

Gibt es eine neue, „unverdächtige“ Redewendung? Gerd-Klaus Kaltenbrunner vermied ebenso den Begriff, schrieb aber, dass der Konservative einer „fundierten Theorie“ bedarf.

Warum soll man nicht doch bei dem Begriff der Ideologie bleiben? Die Linke hat da wenig Probleme. Um der linken Ideologie beizukommen, bedarf es aber schon auch einer eigenen. „Mit einem Regenschirm kann man nicht gegen die marxistische Zwangsjacke“ kämpfen“, meinte Erik von Kuehnelt-Leddihn und verweist in diesem Zusammenhang auch besonders auf Ludwig von Mises, der betonte, daß alles davon abhinge, „ob die Massen positiven oder negativen Ideologien folgen, aber sie sind nun einmal da und somit unvermeidlich“; Friedrich August von Hayek sagte uns, daß keine Gesellschaft ohne Ideologie 24 Stunden existieren könnte.

Die Programme der noch existierenden angeblich konservativen Parteien (welche sind das noch?) erfüllen diesen Anspruch an eine verbindende (gewissermaßen auch „verbindliche“) Weltanschauung nicht. Die CDU war über die meiste Zeit ihrer Existenz fern davon, eine Programmpartei zu sein – im Gegensatz zu ihrer großen Konkurrentin SPD. Beide eint inzwischen, dass fast nur noch Antworten auf tagespolitisch entstandene oder auch gezielt aufgeworfene Fragen angeblich pragmatisch, nicht „programmatisch“ gelöst oder beantwortet werden sollen. Eine die Politik prägende, wirklich „fundierte Theorie“ ist bei der CDU/CSU nicht mehr zu erkennen, zu sehr hat sie sich der von Linken und Grünen geprägten Denk- und Fühlweise des Zeitalters unterworfen.

Es schien mir bei meinen Nachforschungen nur spärlich auf, was die „Hervorbringung von etwas Neuem jenseits des Üblichen“ auf Seiten der neuen Rechten – a la Benedikt Kaiser – beinhaltet.

„Etwas Neues“ hat freilich für Konservative durchaus keinen Selbstzweck.

Peter Helmes, ein alter Fahrensmann im politischen Geschäft, Spiritus Rector und Autor der „Deutschen Konservativen“, die irgendwie ein „Restkollektiv“ sind, meinte auf die Anfrage und Anregung nach einem „modernen“ konservativen Programm Folgendes:

Mich reizt Programmarbeit. ABER:
Meine politische Erfahrung hat mich schon oft auf den Boden der Realität gezogen. Dazu gehört die Erkenntnis,

1. daß Parteien generell nicht in der Lage sind, politisch-programmatisch zu denken (s.o. „Aktionismus“).

2. daß „konservative Thinktanks“ in Deutschland ein karges Brot fressen. Mehr oder weniger nagen sie alle am geistigen (Ideen) und leiblichen (Finanzen) Hungertuch, dieweil solche „Fabriken“ auf der linken Seite eher am Hummertuch nagen können (Bertelsmann-Stiftung, Körber-Stiftung etc. als Beispiel).

3. daß, sobald eine Idee oder ein Programm auf dem Tisch liegt, gerade das rechte Lager zur Streitaxt greift … Man gönnt dem Anderen keinen Erfolg, was i.d.R. zu persönlichen Streitereien führt. Jüngstes Beispiel ist ja wohl die AfD bzw. die Lucke-Gruppe usw.

Und vor allem „ … an wen sollte sich ein „Konservatives Programm“ richten?“

Letzteres ist eine Schlüsselfrage, die im Moment schwer beantwortet werden kann.

Da klingt etwas davon durch, was Davila in seinem Aphorismus sagt:

„Die Konservativen der Gegenwart sind nicht mehr, als von der Demokratie misshandelte Liberale.“

Damit soll vorerst das Thema „Querfront“ geschlossen sein.

Der Reaktionär

Hirtenworte 2017

Wohin treibt der deutsche Katholizismus?

Die Deutsche Bischofskonferenz hat sich wieder einmal politisch geäußert und in das politische Tagesgeschehen, in den Wahlkampf eingemischt.
Einmal mehr äußerten sich die katholischen Oberhirten ablehnend zur AfD, in der sie offensichtlich eine zur Essenz gewordene Initiative des Gottseibeiuns erkennen möchten.

Bischöfe kritisieren AfD-Programm als unchristlich

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, dieser Dicke aus München, Kardinal Reinhard Marx, sagte im Anschluß an die am Donnerstag beendete, viertägige Zusammenkunft:

„Das populistische Vorgehen und viele inhaltliche Haltungen“ seien „nicht mit dem christlichen Glauben vereinbar“ … „Politisches Agieren …, das vom Schüren von Fremdenfeindlichkeit, von Ängsten gegen Überfremdung, von einseitiger Betonung nationaler Interessen, einem nationalistischen Kulturverständnis“ sei nicht mit einer christlichen Sichtweise vereinbar.

Damit macht man Wahlkampf. Nicht dezidiert für eine bestimmte Partei oder Gruppierung, aber eindeutig gegen eine demokratisch legitimierte und inzwischen etablierte Partei und deren Anhänger.

Sowas war einst deutsch-katholische Tradition. Ich meine dabei nicht die Verlautbarungen der katholischen Kirche im Widerstand gegen den Nationalsozialismus.
Es war Tradition der frühen Jahre in der Bundesrepublik und dann noch mal erneut in den 80er Jahren.

Ich kann mich noch an die Sonntage in den 50er und 60er Jahren erinnern: braver Kirchgänger, Ministrant und Pfadfinder, der jeweils vor anstehenden Wahlen die damals berühmt-berüchtigten katholischen Hirtenbriefe hören durfte – vom Pfarrer von der Kanzel herab verlesen. Als Schulbub hat man davon noch nicht viel verstanden – wie Vieles von dem, was dort manchmal gepredigt wurde. Mit wachsendem Bewußtsein, mit einsetzenden Einsichten in das, was so in der Welt geschieht und geschehen kann, registrierte man politische Verlautbarungen in einem Gottesdienst schon als eigentlich regelwidrig und unangemessen.
Schließlich stellte man für viele Jahre die Kirchenbesuche am Sonntag ein.

In einem umfangreichen Artikel „Das ist geistliche Nötigung“ aus den Jahre 1980 beschäftigte sich der Spiegel aus damals aktuellem Anlass mit dieser „Tradition“.
Helmut Schmidt, damals Regierungschef reagierte bei einem Hirtenbrief der Bischofskonferenz, in dem die katholischen Kirchenführer offen Wahlkampf für die CDU/CSU betrieben – gegen Staatsverschuldung, gegen Bürokratisierung, gegen die Reform des Abtreibungsparagraphen 218 – äußerst gereizt. Er wird mit folgendem sarkastischen Satz zitiert – es ging im Kabinett um Importhilfen der Europäischen Gemeinschaft für neuseeländische Butter:

„Ich bitte um Vortrag darüber, was die Deutsche Bischofskonferenz dazu sagt. Dürfen wir die Butter kaufen oder nicht?“

In dem Artikel zitiert der Spiegel eine offizielle Verlautbarung der Bischofskonferenz bzw. Synode Ende der 60er Jahre:

In einem amtlichen Kommentar zur Konzilslehre über „Die Kirche in der Welt von heute“ beteuerten die Bischöfe 1969, sie würden sich künftig nur noch dann in die Politik einmischen, „wenn die Grundlagen unserer Demokratie in Gefahr geraten, wenn unverzichtbare Rechte der Menschen geschmälert beziehungsweise preisgegeben oder wenn die Freiheit der uns von Christus übertragenen Verkündigung des Evangeliums direkt oder indirekt eingeschränkt würde.“

 

Keiner schränkt die deutschen katholischen Bischöfe in der Freiheit ein, das von Christus übertragenen Evangeliums zu verkündigen.
Außer sie selbst!

Die deutsche katholische Kirche beschreitet den Weg des politisierten und politisierenden Protestantismus, der nicht nur für die evangelische Kirche zu einem steten Verlust nicht nur an Kirchenmitgliedern, sondern auch religiöser Substanz führte. Mit ihren Aktionen treiben die Bischöfe viele Katholiken in ein Gefühl der „Unbehaustheit“.

„Mein Papst“ Benedikt XVI. hat in einem Interview ausgeführt:

„… die braven Katholiken, wenn man sie so nennen will, finden, daß es in der Kirche insgesamt immer ungemütlicher wird. Sie fühlen sich nicht mehr zu Hause, leiden und trauern darüber, daß nun die Kirche gar kein Ort des Friedens mehr ist, wo man Zuflucht findet, sondern ein Ort der ständigen Auseinandersetzungen, so daß sie selbst auch unsicher werden und protestieren. Und diese innere Spaltung in der Kirche, die zum gemeinsamen Verdruß an der Kirche, zum gemeinsamen Trauern über die Kirche führt, ist schon etwas, was einen beunruhigen muß.“

Der Interviewer Peter Seewald zitiert an anderer Stelle den Philosophen Rüdiger Safranski der kritisierte, das Christentum habe sich zu einem „kalten Religionsprojekt“ entwickelt, zu einem „Gemisch aus Sozialethik, institutionellem Machtdenken, Psychotherapie, Meditationstechnik, Museumsdienst, Kulturmanagement und Sozialarbeit“. Im Kirchenvolk sei das Gespür dafür abhanden gekommen, dass der Glaube aus ganz anderen Wurzeln wächst als die Gesellschaften des Westens. Viele Theologen und Priester hätten sich inzwischen so weit von der Grundlinie entfernt, dass ein katholisches Profil oft nur noch ganz schwer zu erkennen ist.

Dazu Benedikt XVI.:

„ … es sind eben die Kräfte des Zerfalls, die in der Menschenseele da sind. Hinzu kommt das Streben danach, beim Publikum anzukommen… Es geht dann entweder in die Richtung, dass man politischen Moralismus betreibt, wie es in der Befreiungstheologie und in anderen Experimenten der Fall war, um auf diese Weise sozusagen dem Christentum Gegenwärtigkeit zu geben. Oder es wandelt sich in Richtung Psychotherapie und Wellness, in Formen also, wo Religion damit identifiziert wird, dass ich irgendein ganzheitliches Wohlbefinden habe.
Alle diese Versuche gehen daraus hervor, dass man die eigentliche Wurzel, den Glauben, weglässt. Was dann bleibt … sind selbstgemachte Projekte, die vielleicht einen begrenzten Lebenswert haben, die aber keine überzeugende Gemeinschaft mit Gott herstellen und auch die Menschen nicht bleibend miteinander verbinden können. Es sind Inseln, auf denen sich gewisse Leute ansiedeln, und diese Inseln sind vergänglicher Art, weil die Moden bekanntlich wechseln.“

Ich frage, was hat das politische Verdammnis einer politischen Partei mit der eigentlichen Bestimmung der Kirche zu tun?

Die deutschen Oberhirten möchten beim Publikum der Mächtigen und des herrschenden linksliberalen Zeitgeistes ankommen. Mit ihrer Umhüllung von Moral oder des Moralismus spalten und verunsichern sie die Gemeinschaft der eigentlich noch Gläubigen. Die Kritik an der AfD macht sich hauptsächlich an deren Einstellung zur offiziellen Flüchtlingspolitik fest. Man spricht einer Partei einen Grundbestand der Menschlichkeit ab. So passiert es auch den „Gläubigen“, die sich kritisch zur „Willkommenskultur“ einstellen.

Benedikt XVI. hat auch davon gesprochen, „die wesentlichen moralischen Einsichten zu pflegen, sie als ein gemeinsames Gut zu wahren und zu schützen, ohne sie zwangshaft aufzuerlegen.“

Mit moralisierendem Zwang – Geistlicher Nötigung – kehrt man zu den politischen Kanzelverlautbarungen der Vergangenheit zurück. Das scheint mir aber noch eine Quisquilie gegenüber einer noch gefährlicheren Tendenz, nämlich die offizielle, unterwerfende Anbiederung an den Islam durch die angeblich noch christlichen Kirchen in Deutschland.

Wohin treibt meine Kirche?
Was bleibt noch von dem, in dem wir uns verwurzelt meinten?

Glaube, Liebe, Hoffnung?!


Nichts als Ärger mit den Türken

Warumb hast du zuvor nicht gehorcht, da man dir Gottes Wort sagt? So höre nu den Teufel im Türken, der du Gott nicht hören wolltest in Christo. … Sperrest du dich aber, und willt nicht geben noch reisen; wohlan, so wird dichs der Türke wohl lernen, wenn er ins Land kömpt, und thut dir, wie er … vor Wien gethan hat, nämlich, dass er keine Schätzung noch Reise von dir fordert, sondern steckt dir Haus und Hof an, nimpt dir Vieh und Futter, Geld und Gut, sticht dich zu todt, (wo dirs noch so gut wird,) schändet oder würget dir dein Weib und Töchter für deinen Augen, zerhacket deine Kinder und spiesset sie auf deine Zaunstecken.

Denn der Türke ist der Mann, der dich lernen wird, was du itzt für gute Zeit hast, und wie jämmerlich, undankbarlich, böslich du sie wider Gott, seine Diener und deinen Nähisten zubracht, versäumet und missebraucht hast. Der Türke weiss den Adel zu mustern und zu demüthigen, die Bürger zu züchtigen und gehorsam zu machen, die Baurn zu zähmen und den Muthwillen zu büssen. Darumb denke und sei frumm, und bitte Gott, dass der Türke nicht dein Schulmeister werde: das rath ich dir, er hats vor Wien allzu greulich beweiset, wie ein wüster, unsauber Zuchtmeister er sei.

Martin Luther: „Heerpredigt wider die Türken“

 

Man erinnere sich: Man hat sie freiwillig ins Land geholt, um das deutsche Wirtschaftswachstum mit willigen und billigen Arbeitskräften in Schwung zu halten; und die Türkei konnte ihre Sozialfälle exportieren. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die USA auf diesem „Deal“ bestanden, um den im Kalten Krieg so wichtigen Nato-Partner füglich zu halten.

Die FAZ berichtete:
„1961 wurde auf Initiative und auf Druck der türkischen Regierung das Anwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Türkei – ähnlich wie bereits 1955 mit Italien und anderen Ländern – geschlossen. Eigentlich brauchte man in Deutschland die türkischen Arbeiterinnen und Arbeiter so dringend nicht. Aber es gab geopolitische Gründe. Die Vereinigten Staaten drängten die Deutschen, die Türkei wirtschaftlich zu stützen.“

„Auf Initiative und auf Druck der türkischen Regierung“ oder nicht doch der USA?

Im Grunde brauchte man seinerzeit keine weiteren Gastarbeiter, um die Wirtschaft am Laufen zu halten. Helmut Schmidt kritisierte auch im nachhinein diese Einwanderungspolitik. Nach seiner Ansicht war Ludwig Erhard der Verantwortliche, der das Ganze in Gang brachte, zunächst als Wirtschaftsminister, später als Bundeskanzler. Deutschland hatte einen Bedarf an Arbeitskräften, was die Löhne ansteigen ließ. „Das wollte Erhard verhindern.«  so Schmidt.
Der SPD-Kanzler Schmidt selbst hat, als er in der Verantwortung war, nichts getan, um weitere Zuwanderung mit Familiennachzug zu unterbinden, obschon er im Sommer 1982 im „Stern“ mit dem Satz zitiert wird:
„Mir kommt kein Türke mehr über die Grenze.“
Der Spiegel berichtetet 2013, dass Helmut Kohl jeden zweiten Türken nach Anatolien zurückschicken wollte.

Aus all diesen Bekenntnissen ist nichts geworden.

Die SPD hat die zuziehenden Türken als ein Wählerpotential für sich erkannt und so besteht wenig Interesse daran, weitere Zuwanderung zu unterbinden. Die aktuellen Verlautbarungen sind dazu unzweideutig.
Bei der letzten Bundestagswahl haben nach einer Umfrage 64 Prozent der „Deutschtürken“ für die SPD, jeweils 12 Prozent für Grüne und Linke, nur 7 für die Union gestimmt. Die Unsympathin in Person, die Scharia-Apologetin Aydan Özoğuz, eine der  türkischstämmigen Bundestagsabgeordneten der SPD, ist stellvertretende Parteivorsitzende und darf ohne Rügen von den sonstigen SPD-Spitzenleuten in ihrem Amt als Merkels Staatsministerin für „Integration“ ihr migrationspolitisches Feuer schüren.
Die Grünen haben einen Türken als Spitzenmann installiert und die politische Obernervensäge Claudia Roth kriegt sich gar nicht ein, wenn sie von der Türkei schwärmt.
Mit der C-Partei haben die Türken nichts am Hut, auch wenn die sog. Christlich Demokratische Union mitnichten noch als christlich bezeichnet werden kann.

Die CDU-Kanzlerin hofiert den neuen türkischen Sultan in schamloser Manier. Was dazu führt, dass der Sultan und seine Chargen in Deutschland wie in einer türkischen Kolonie auftreten. Als man sich in Deutschland endlich besinnt, die (Wahlkampf-)Auftritte türkischer Politiker auf deutschem Boden zu unterbinden, reagiert der Merkel-Freund Erdogan mit Nazi-Vorwürfen.
«Ihr erteilt uns Lektionen in Demokratie, aber ihr lasst unsere Minister keine Reden halten … Wir werden über Deutschlands Verhalten auf der internationalen Bühne sprechen und wir sie vor den Augen der Welt beschämen. Wir wollen die Nazi-Welt nicht mehr sehen. Nicht ihre faschistischen Taten. Wir dachten, dass diese Ära vorbei wäre, aber offenbar ist sie es nicht»

Darob war Mutti „not amused“, aber politische Konsequenzen bleiben jedoch aus. Man möchte Erdogan „nicht zum Märtyrer machen“, wenn man ihn an einer Einreise nach Deutschland hindern möchte. Und bevor der türkische Außenminister Cavusoglu in Berlin auf Wesir Gabriel traf, wiederholte er ganz dreist die Vorwürfe seines Gebieters Erdogan. Sein Auftritt in Hamburg geht schon über den eines Kolonialherren hinaus. Der SPD-Außenminister Gabriel empfing ihn dennoch in Berlin. Geradliniger wäre es gewesen, den Herrn auszuladen, vor der Türe stehen zu lassen, allenfalls ihn „diplomatisch“ durch einen zweitrangigen Ministerialbeamten „bewillkommnen“ zu lassen.

Warum dürfen die türkischen Repräsentanten so rotzfrech – „undiplomatisch“ wäre eine Verniedlichung – auftreten? Warum läßt man denen das durchgehen?

Merkel hat den Hoch- und Landesverrat hierzulande kommod präpariert und die Medien folgen dem Auftrag. Deutschland wurde wehr- und widerstandslos gemacht. Kein anderes Land der Welt würde sich derartige Unverschämtheiten in der Weise gefallen lassen, wie Deutschland. Das Agieren der türkischen Politiker auf deutschem Boden trägt das Anstacheln zu einem (Bürger-) Krieg in sich, um das neutürkische Biotop namens Deutschland zu destabilisieren. Die innertürkischen Konflikte – Kurden gegen nationalistische Türken – tobten sich bereits schon intensiv in westdeutschen Städten aus. Die dank der deutschen idiotischen Politik immens angeschwollene türkische Kommunität wird nun auch gegen die vormaligen „Gastgeber“ aufgehetzt und die Erbfolger der verantwortlichen Volkszertreter lassen dies weiter tatenlos geschehen.

Ich unterhalte mich unvoreingenommen mit meinem türkischen Handwerker um die Ecke, der unsere Elektrogeräte fachmännisch repariert und uns mit anderen Dingen oft hilft (meine Frau – Lehrerin – hat ihn in der Grundschule unterrichtet). Oder ich diskutiere mit dem intellektuellen deutsch-türkischen Dozenten mit Lehrauftrag für vergleichende Literatur an der Uni Frankfurt, dessen Frau mit ihrer alleinigen türkischen Staatsangehörigkeit bei der anstehenden Rückkehr in die despotische Erdogan-Türkei nur Furcht empfindet. Die beiden Gesprächspartner fühlen sich in Deutschland wohl und zufrieden, vermissen so gar nicht die (Erdogan-) Türkei.

Aber wie hält es die Masse dieser Türken, die ihre Frauen und Mädchen nur mit Kopftuch in die Öffentlichkeit lassen? Denen die Imame in den Ditib-Moscheen als religiöse und kulturelle Autoritäten dienen?
Die werden wir nicht mehr loskriegen; nicht mal die Hälfte, wie es angeblich Kohl wollte. Wir müssen uns also auf prekäre Zeiten einrichten.
Willige und billige Arbeitskräfte, das war nichts als eine Fiktion.

Luther gab seinem Hass gegen die Türken – wie auch gegen Juden und das Papsttum – mit drastischen Worten Ausdruck. In seiner „Heerschrift gegen die Türken“ hat er zwar auch zum konkreten Kampf gegen diese Feinde aufgerufen, deren drohende Heimsuchung vor allem aber als Herausforderung zur Besinnung auf eigene Sündhaftigkeit angelegt. Er hat damit quasi ein anzunehmendes und drohendes Purgatorium für den Weg zum rechten Glauben antizipiert und inszeniert, er spricht vom Türken als „Zuchtmeister“.
Auf solchergestalt Zuchtmeister und Fegefeuer möchte man hienieden aber gern verzichten. Aber die Heimsuchung ist bereits Fakt.

altmod zum Lutherjahr

Dies ist der erste Blogbeitrag zum Lutherjahr. Ich beginne aber zunächst mit einem Text aus meinem „Historischen Dessert“ über den Gegenreformator Johannes Nas, der in einigen Eigenheiten dem Reformator Luther durchaus ähnlich erscheint.

Über Johannes Nas – Saubayer und „fränkisch, jesu-widriger Esel“

Der sprachgewaltige Gegenreformator aus Eltmann bei Bamberg

Johannes Nas (Nasus) wurde am 19. März 1534 in Eltmann bei Bamberg geboren. Er stammte aus einer protestantischen Familie und ging zuerst als Schneidergeselle auf die Wanderschaft. Dabei lernte er, hauptsächlich in Nürnberg, Regensburg und Augsburg die Lehre Luthers kennen, der er anfangs mit tiefem Gefühl folgte. Bald wurde ihm aber die Luthersche Lehre durch das Gezänk der protestantischen Theologen verleidet.
Die Lektüre des Büchleins „Von der Nachfolge Christi“ des Thomas von Kempen, das ihm durch Zufall in die Hände fiel, erzeugte – wie er selbst sagte – eine völlige Umwandlung. Er wollte jetzt der Welt für immer entsagen und trat in das Franziskanerkloster zu München ein.
Hier übte er zunächst als Laienbruder sein früheres Handwerk aus, was in der Folge seinen Gegnern zu manch scharfem Spott, ihm selbst aber später Anlaß gab, die Schere in sein bischöfliches Wappen aufzunehmen.

Er wurde zu einem der bekanntesten Volksprediger der Zeit. 1560 stand er in Ingolstadt zum ersten Mal auf der Kanzel. 1566 übernahm er das Predigtamt in Straubing und wurde 1567 von Kardinal Otto von Truchseß als Prediger zur Provinzialsynode in Dillingen berufen. Im selben Jahr kam er nach Ulm und Bruck an der Ammer und auch nach Würzburg. Er besuchte seine Heimatstadt Eltmann und wurde von „wehmüthigen Gefühlen“ ergriffen, da dort zu seinem jetzigen Bedauern das Luthertum sich stark ausgebreitet hatte.

1569 wurde er Custos der Straßburger Ordensprovinz und weilte 1571 beim Generalkapitel in Rom. Dort war er als Prediger vom Papst und von den Kardinälen sehr geschätzt. Der Papst verlieh ihm den Titel: »Sedis apostolicae concinator«. Ferdinand II., Erzherzog von Österreich berief ihn nach Innsbruck, wo er in Nachfolge des Petrus Canisius Hofprediger wurde. Als solcher geriet der wortgewaltige und streitsüchtige Franziskaner schnell mit den Jesuiten in Streit.

Nas zeichnete sich als Prediger – wie es damals nicht unüblich war – durch eine kräftige mit Grobheiten durchsetzte Sprache aus. „Scharf, unerbittlich, beißend vor Spott, war sein Deutsch das beste des späten 16. Jahrhunderts“ schreibt der Historiker Benno Hubensteiner in seiner „Bayerischen Geschichte“ – auch wenn die Gegner Nas wütend anfielen und ihn nur den »Saubayern« nannten oder den »fränkischen, jesu­widrigen Esel«.

In der Folge erwarb sich Nas bei der Errichtung der Tiroler Franziskanerprovinz große Verdienste und wurde schließlich 1580 Weihbischof in Brixen und „Bischof von Belluno“.
Auch in dieser Position „polarisierte“ er, wie man heute sagen würde. Und bald meldeten sich Widersacher und bezichtigten ihn gar „sexueller Verfehlungen“.

Heinrich Ritter von Zeißberg, ein österreichischer Historiker aus dem 19.Jhdt. schreibt dazu in der Biographie des J. Nas:

Die welschen Barfüßermönche konnten es N. nicht verzeihen, daß er einst allen Einfluß aufgeboten hatte, um der Tiroler Ordensprovinz, speciell dem Innsbrucker Convente, den deutschen Charakter zu wahren. Als nun ein junger italienischer Ordensvisitator Aquila nach Tirol kam, ergriff er die nächstbeste Gelegenheit, um seinen deutschen Ordensgenossen N. auf unhaltbare Verläumdungen hin eines anstößigen Umganges mit der Oberin des Klarissenklosters in Brixen zu beschuldigen. N. bestand auf einer strengen Prüfung des Sachverhaltes; mit Zeugnissen des Bischofs Spaur und des Erzherzogs versehen, eilte er nach Rom, um gegen die erfahrene Unbilde Klage zu führen.“

In seinem Werk „Centuria quinta“ (1570), beschäftigt sich Nas eingehend mit Luther. Er entgegnete darin dessen Angriffen auf „Das Papsttum zu Rom vom Teufel gestiftet“ von 1545 mit einer „Anatomie des Luthertums vom Teufel gestiftet“ und setzte sich mit dem Lutherbild protestantischer Redner auseinander. Er wollte zeigen, dass mit dem Aufkommen des „neuen Evangeliums“ die Zucht und Ehrbarkeit geschwunden sei und die Wurzel der Übel in der Anschauung liege, daß der Glaube allein den Menschen rechtfertige und die guten Werke nicht zur Seligkeit notwendig seien.
Mit Witz und Schlagfertigkeit suchte er die Schwachstellen im Leben und Werk Luthers aufzuzeigen. Nach neueren Untersuchungen soll Nas auch der Verfasser des Volksbuches vom „Doktor Faust“ sein, welches ja eine große gegenreformatorische Satire auf Luther sein sollte.

Es gehört zum Verdienst des Johannes Nasus aus Eltmann dass man der Kraft der „teutschen Sprach“ gewahr wurde.

Andersdenkenden wurde damals mit den Schrecken des nahen Jüngsten Gerichtes gedroht; bei den Wirrnissen in der damaligen Zeit konnte der Weltenuntergang nicht mehr fern sein. Nas wandte sich auch gegen den damals überwuchernden Aberglauben und die Sternendeuterei und mahnte:

„Gott allein weis Ziel und Zeit.
Die Sterngucker fehlen weit.
0 Christenmensch merk auf fürwahr,
Du stehst in Leibs- und Seels-Gefahr.
Das Kaisertumb der alten Kirchen
Sich allgemach fein thut verkriechen
Zu geben Platz dem Antichrist,
Der aller Ketzer Hauptmann ist.
Man hört von Plagen neu und seltsam
Mit Peßt und Teurung wüten grausam.
Sucht und Krankheit regiern ohn Ziel,
So sterben aller Stände Leute viel“.

Johannes Nasus starb am 16.3.1590 in Innsbruck, sein ehrwürdig gestaltetes Grab befindet sich in der dortigen Hofkirche.


N.B.:
Im heute zu 90% katholischen Eltmann gedenkt man des großen Sohnes, indem gerade ein winziges Straßenfleckchen neben dem Marktplatz nach ihm benannt ist.