Der Donald und wir …

Er will sich nicht mehr gegen die ordnungsgemäße Übergabe seines Amtes als Präsident der Vereinigten Staaten an „Sleepy Joe“ Biden wehren. Auch wenn er oder seine Anhänger immer noch versuchen, mit Ausflüchten und Winkelzügen das Wahlergebnis vom November zu diskreditieren und mit teils aufstachelnden und teils beschwichtigenden Reden zu aktivem Widerstand zu motivieren.

Zeit für einen Rückblick aus persönlicher Sicht eines doch irgendwie „Betroffenen“.

Betroffen“ insofern, dass unsereiner hoffte und meinte, mit der Wahl von Trump gäbe es eine Zäsur im politischen Betrieb und in den Institutionen nicht nur unserer „Führungsnation“. Mit Trump und mit den fast gleichzeitigen grandiosen Wahlergebnissen der AfD glaubten wir Widerständler gegen die in den letzten Jahren entstandene politische Praxis und Wirklichkeit, Morgenluft wittern zu können.
Ein Kommentator schrieb zu einem meiner Beiträge über Amerika seinerzeit:

„Was ich ( ) in Trump sehe, ist die „alte Zeit“, ein Aufbegehren der schweigenden und vielfach auch geschundenen Mehrheit. Diese schweigende Mehrheit wird überall auf dieser buckeligen Welt als Schachfigur der einen oder anderen schreienden Minderheit benutzt …
Mit Trump bekam diese schweigende Mehrheit auf einmal eine Stimme, er lehnt sich gegen die Anmaßung der Journaille auf, er pfeift auf vieles, was uns anwidert, er verhält sich (noch) nicht wie ein Politiker, er tritt in Fettnäpfchen und das oft genug ganz bewusst. Es tut gut eine Figur wie Trump zu sehen; zu sehen, wie der Hühnerhaufen, des Hahnes beraubt, aufgeregt und kopflos über den Hühnerhof flattert.“

Ein durchaus treffender Kommentar.

Betroffen“ auch darüber, dass diese Zäsur nicht wirklich eingetreten ist und Hoffnungen enttäuscht wurden. Nicht weil es vielleicht einer eifernden und gehässigen Journaille hüben und drüben gelungen sei, Trump „abzuschießen“. Trump hat sich mit seinem offen gezeigten Ignorantentum und seiner Borniertheit, einem Verhalten, das unbedingt aus einer tiefgreifenden Persönlichkeitsstörung resultiert, als Person ins Abseits gebracht und das von ihm innegehabte Amt beschädigt. Man kann einwenden, was man mag, die jetzige Eskalation mit dem „Sturm“ auf den Kongress mit einer erschossenen Demonstrantin und drei weiteren Todesopfern (ungeklärter Ursache?), muss man seiner Taktik und Rhetorik anlasten. Er hat – auch für den unvoreingenommenen Beobachter und auch bei Reflexion auf das merkwürdiges US-Wahlverfahren und -Ergebnis – sich mal wie ein trotziges, verzogenes Kind, mal wie ein tobsüchtiger Wüterich verhalten und nicht, wie ein man es von einem Mann erwartet, der eines wichtigsten Staatsämter der westlichen Welt zu verwalten hat. Das wird auch der wohlwollendste Trump-Anhänger hierzulande nicht bestreiten können.

„Betroffen“ macht mich, dass das gewaltsame Eindringen in das Kapitol durch Trump-Anhänger umgehend auch von den hiesigen Medien und „Staatspersonen“ dazu herangezogen werden kann, um die Lüge vom rechten „Reichstagssturm“ im August neu aufleben lassen zu können, wie umgehend von Steinmeier, Merkel und Konsorten geschehen.


Ein „Quälodram“

Für alle Nicht-Linken und Sympathisanten der US-Republikaner war die Trump-Zeit ein wahres „Quälodram“*.
Wir haben es damals wie einen läuternden Frühjahrsputz empfunden, dass mit der Wahl von Donald der Einzug dieser unsäglichen Hillary ins Weiße Haus und damit die Fortsetzung der links-liberalen und auch bellizistischen Politik der Clinton-Obama-Kamarilla verhindert wurde. Wir haben es ertragen, dass unsere Staatsrepräsentanten die einfachsten Regeln von Anstand und Höflichkeit vermissen ließen, als es darum ging, dem neuen Mann im mächtigsten und wichtigsten Amt der Welt angemessen zu gratulieren und Zusammenarbeit zu signalisieren. Nein, man feuerte eine geifernde und giftende Journalistenclique in den Wahrheitscontainern bei Funk und Fernsehen und in den Ver(k)lagshäusern noch gezielt an, Häme und Spott zu verbreiten und jeden Bezug zu möglichen Verfehlungen des neuen amerikanischen Präsidenten breitzutreten. Es gelang, Trump zum meistgehassten Politiker in Deutschland hochzustilisieren, in einer Art, an die sich keiner von uns erinnern kann, dass dies jemals in der jüngeren Geschichte nach 1945 vergleichbar geschah. Das Hassobjekt ist bald weg. Wer wird seinen Platz einnehmen? Vielleicht Orban und/oder Bolsonaro? Der „Kampf gegen Rechts“ wird verstärkt werden, wie sich schon zeigt.
Natürlich muss ein amerikanischer Präsident die Losung „America First!“ hochhalten. Und wir hatten uns vielleicht auch gewünscht, Gleichartiges käme einmal aus dem Mund unserer Repräsentanten. Wir haben jedoch einen „Präsidenten“, der vom „besten Deutschland, das es je gegeben hat“ faselt, wider jeder erkennbaren Gegebenheit. Trump ist es gelungen – was sogar „kritische“ Journalisten hierzulande eingestehen – bei den vielen „Abgehängten“ unter den kleinen Leuten und Teilen des amerikanischen Mittelstands ein neues Selbstbewusstsein und Hoffnungskraft zu wecken. Einige wirtschaftliche Daten der US-Volkswirtschaft spiegeln dies – trotz Corona – durchaus wider.
Das Infundieren des Trump-Bashings in Kopf und Seele vieler durchaus differenziert denkender Bürger hat dazu geführt, dass dessen unbestreitbaren Verdienste keiner positiven Resonanz ausgesetzt wurden.
Trump war der erste in einer langen Reihe von US-Präsidenten, der keinen neuen Krieg anzettelte, und z.B. auch in der kritischen Situation nach der gezielten Tötung eines iranischen Terror-Generals und bei einem Geplänkel im persischen Golf kühlen Kopf bewahrte. Die linken Judenhasser hierzulande und weltweit haben geschäumt, als er Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannte. Zugleich wurde unter seiner Administration ein diplomatischer Brückenschlag zwischen den wichtigsten Staaten der arabischen Halbinsel und Israel verwirklicht: Für den Friedensprozess in der Region von gleichwertiger, wenn nicht gar größerer Wirksamkeit als das Camp-David-Abkommen einst unter Präsident Jimmy Carter (Gleichfalls ein angeblicher „präsidialer Versager“ im Weißen Haus, wenngleich damals unter anderen Prämissen).
Ich habe in meinem langen, immer auch von politische Debatten geprägten Leben, im kleinen wie im größeren Kreis, nie einen derartig in die Breite und Vehemenz gehenden Hass und Herabsetzung eines aktiven (ausländischen) Politikers erlebt, als bei diesem, eigentlich uns so weit entfernten Präsidenten: von der eigenen Ehefrau bis hin zu sich immer liberal und weltoffen gebenden Freunden und Bekannten. Ein Merkel-Bashing, das uns gewiss näher läge, käme diesen meinen „Nächsten“ trotz objektiv gegebener Umstände hingegen nicht infrage. Mit F. J. Strauß, der absoluten Hassfigur der Linken seinerzeit, ist man vergleichsweise noch anständig umgesprungen.
Ein Präsident ist kein Mensch im Stand der Unangreifbarkeit bzw. Immunität in allen Dingen – allein wegen seines Amtes. Aber der Wert einer Person in diesem Amt kann nicht aus Äußerlichkeiten hergeleitet und begründet werden. Seine, die „Ästheten“ unter uns störende Frisur, kann für Karikaturisten ein gern registrierter Anreiz sein. Plumpe Mimik und Körpersprache ist natürlich auch zu den Äußerlichkeiten zu zählen, wenngleich Mimik und Körpersprache auch Spiegel der psychischen Gestimmtheit sind. Und damit hatte man wohl als sich unvoreingenommen sehender Beobachter ein größeres Problem. Auch wenn man weiß, dass uns die Journaille aus dem Fundus ihrer Trump-Konterfeis nicht unbedingt die schmeichelnden Aufnahmen präsentieren mag.


Nun ist er also weg …

der vormalige Hoffnungsträger, der es dem linken und neoliberalen Establishment „gezeigt hat“; von dem wir glaubten, dass er einen Anstoß für den Sieg eines vernunftgelenkten „Populismus“ geliefert hat. Man hoffte, dass er in dem schon lange tobenden Kulturkampf – darüber, was Amerika ist und was die Amerikaner tatsächlich ausmacht – den Anstoß liefert, die vom linken Establishment organisierte Vergiftung und Zerstörung aller klassischen Werte zu beenden. Aber wohl eine Herkulesaufgabe, für die er von Bildung wie vom Charakter her offensichtlich überfordert war.

Es wird nichts helfen, wenn „alternative Medien“ hierzulande – wie PI und andere – vielleicht weiterhin noch die Schlachten eines „gigantischen Wahlbetrugs“ schlagen wollen. Bei all dem, was Trump zuletzt der Welt geliefert hat – auch wenn man gar 90% der Berichterstattung über ihn als gefakt oder gefärbt ansehen möchte – muss auch der Verbohrteste konstatieren, dass mit ihm kein (demokratischer) Staat zu machen ist und war. Etliche, bisher noch treue und wichtige Mitglieder seiner Administration haben nach den Ereignissen zuletzt ihren Rücktritt erklärt und nur wenige Maul-radikale Republikaner halten wohl noch zu ihm – und ein augenscheinlich faschistisch ausgerichteter Mob auf der Straße.

Da stehen etliche auch von uns im Moment ganz beklommen da, und fragen sich wie ein „frustrierter“ Vulgär-Psychoanalytiker vorgeben würde, „was macht das jetzt mit uns?“.
Aber fast alles hat ja auch seine guten Seiten: Ich brauche mir nicht mehr unerwünschte ereifernde Ausführungen und Grobheiten über einen dummen US-Präsidenten als Repräsentant eines gleichermaßen dummen Volkes aus dem Mund von Eheweib und Gesinnungsgenossen aus Pädagogenkreisen anhören – und bedröppelt schweigen. Mögen linke Postillen und Funk-Kommentatoren den Trump-Hass nachwirkend und stellvertretend für ihren latenten Antiamerikanismus noch weiter pflegen, wir lesen und hören uns das sowieso nicht an.

Betroffen nehme ich zur Kenntnis, dass die antidemokratische Randale in Washington von den hiesigen „Demokraten“ zum Anlass genommen wird, gleich umgehend Gesetze gegen „rechtsradikale“ Umtriebe und Hassreden aus der Schublade zu holen und zu installieren. Aber haben wir was anderes erwartet?

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* Siehe „Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm.“ Lfg. 12 (1889), Bd. VII (1889), Sp. 2312, Z. 5.

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