Maibaum klauen

… ist eine Tradition in Bayern und hat nach bestimmten Regeln zu erfolgen:
https://www.antenne.de/experten-tipps/prominente-und-buntes/maibaumklau-das-sind-die-regeln

Anmarsch

1967 haben wir Abiturienten in unserer fränkischen Heimatstadt dem dortigen „Heimat- und Gebirgstrachtenverein“ drei Tage vor der geplanten Aufstellung den Baum geklaut. Als Strafe dafür, gaben wir vor, dass dieser Verein in unserer fränkischen Region „sittenwidrig“ mit oberbayerischer Tracht, aufzutreten pflegte.
Nach unserem Wissen war bis dahin in Oberfranken noch kein Maibaum-Klau dokumentiert; anders als in der benachbarten Oberpfalz.

Durchführung

Aktion und Botschaft wollte man vom Verein zunächst nicht wahrnehmen und man drohte den „studierten Jüngelchen“  Prügel an. Der Bürgermeister höchstselbst vermittelte dann sehr weise in der Sache und die Auslösung des Baumes – rechtzeitig zum Festtermin am 30.April – wurde mit der Zusage von 1 Hektoliter Bier bewerkstelligt (das entsprach 3,333… Liter Bier pro Abiturient).  Das Bier wurde dann gemeinsam mit den „Trachtlern“ in einem Versöhnungsakt vernichtet. Von unserer Seite wurden dazu Schmankerln von der zwischenzeitig geschlachteten und verarbeiteten „Abitur-Sau“ beigetragen. Die Trachtler verzichteten auf ihre bayerischen Lederhosen und Gamsbarthüte und darauf, einen Schuhplattler oder gar Watschentanz mit uns aufzuführen.

Es dauerte etliche Jahre, bis die Wadlstrümpfe, Gamsbärte, Lederhosen und manches „Charivari“ von den „Trachtlern“ ausgemustert wurden. 1972 wurde zunächst die Vereins-Jugend mit einheimischer Tracht ausgestattet. Heute erfolgt denn die Baumaufstellung von Vereinsmitgliedern nur noch in fränkischer Tracht und der Name „Gebirg“ ist auch verschwunden.

Abschluss

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Die Zeichnungen stammen von einem Klassenkollegen aus der „Dokumentation“ zu den damaligen Ereignissen.

 

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1 Antwort zu Maibaum klauen

  1. Peter Helmes sagt:

    Das ist etwas besonders Anerkennungswertes: altmod erinnert immer wieder an Sitten und Gebräuche, die z. T. in Vergessenheit geraten sind. Aber er läßt durch seine Reminiszenzen die Vergangenheit – aber auch die Gegenwart – wieder aufleben.

    Das Maibaumklauen gibt´s auch in meiner rheinischen Heimat – natürlich ohne Schuhplattler etc. Aber heute noch lebt der Brauch bei uns, daß die „Burschen“ untereinander ein möglichst hübsches und liebreizendes Mädchen aussuchen. Ist diese Maid gefunden, wird nach einem möglichst prächtigen und hochgewachsenen Maibaum gesucht. Hat man ihn gefunden, überlebt er die Nacht nicht. Er wird, wenn alles schläft, abgesägt und am Haus bzw. am Fenster der Auserwählten aufgestellt und festgebunden. (Danach fließt der Alkohol.)

    Das Schicksal wollte es, daß ich in meinem Leben sowohl Täter als auch Opfer war. Vor 5 oder 6 Jahren öffnete ich am 1. Mai morgens meine Haustüre und mußte voller Schrecken zur Kenntnis nehmen, daß mein hoher und ansehnlicher Maibaum am Rande meines Gartens verschwunden war und nur noch ein kläglicher Rest von Baumstumpf an ihn erinnerte. Nachforschungen ergaben nichts über die Täter – „Verrat“ gibt es nicht auf dem Land). Typischer Hinweis: Man habe etwa 6 Burschen gesehen, aber nicht erkannt.

    Der trockene Kommentar meines etwa gleichaltrigen Nachbarn: „Dat is de Straf dofür, wat Du fröher alles an Maibäum jeklaut hass.“ Und ich gestehe, er hat Recht.

    Danke nochmals, lieber altmod!

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