Gegen die Machtergreifung der Barbaren

„Wir sind Barbaren.
Große, haarige, stinkende, fremde Teufel,
die stillos, laut, ungeschickt, überfressen
und gedankenlos durchs Leben stolpern.“
Anthony Bourdain

 

„Wie Barbaren unsere Umwelt erobern – Der Verfall der Manieren greift immer mehr um sich − Folgt der Niedergang der Sitten einem Plan?“ fragte die Preußische Allgemeine in einem Beitrag in diesen Tagen.
Am selben Tag erreichte mich der Newsletter eines Ärztedienstes mit der Meldung: „76 Prozent der Mitarbeiter in Notfallambulanzen waren im vergangenen Jahr Opfer von körperlicher Gewalt. Verbale Angriffe erlitten 97 Prozent.“

Was ist los in unserem Land?

Als die FAZ noch als  ein konservatives Leitmedium einzuordnen war, beklagte der damalige Mit-Herausgeber Johann Georg Reißmüller in einem Leitartikel vom 29.3.1993 den allenthalben sicht- und spürbaren Verfall nicht nur von Anstand und Manieren in unserem Lande. Unter der ironischen Überschrift „Was sich da alles selbst verwirklicht“ schrieb er: 

„Dass es in ganzen Regionen nahezu keine allgemein zugängliche Wand gibt, die nicht mit abstoßenden Krakeleien oder mit hirnrissigen Parolen beschmiert wäre. … Daß es, wiederum mit der Ausnahme ländlicher Regionen, gefährlich geworden ist, allein auf Straßen oder Spazierwegen zu gehen – nicht nur bei Dunkelheit, sondern auch mitten am Tag… Dass die Bevölkerung öffentliche Verkehrsmittel zunehmend meidet, weil dort gewalttätige Jugendliche, inländische wie ausländische, allein und in Gruppen, ein unangefochtenes Regiment führen … Daß der Abfall auf den Straßen zunimmt… Daß Leute aller Schichten sofort pöbelhaft herumschreien, wenn etwas nicht nach ihrem Willen geht.“
usw. …

So bekommt man „eine genaue Vorstellung davon, was sich alles verwirklicht bei der Selbstverwirklichung, die Politiker als obersten Grundwert in unserem Staat preisen.“ resümierte seinerzeit der Journalist Reißmüller. 

Im selben Jahr hatte Hans Magnus Enzensberger seine „Aussichten auf den Bürgerkrieg“ veröffentlicht. Dieser werde als „molekularer Bürgerkrieg“ beginnen, schreibt er.

„Allmählich mehrt sich der Müll am Straßenrand. Im Park häufen sich Spritzen und zerbrochene Bierflaschen. An den Wänden tauchen überall monotone Graffiti auf, deren einzige Botschaft der Autismus ist: sie beschwören ein Ich, das nicht mehr vorhanden ist.
In den Schulzimmern werden die Möbel zertrümmert, in den Vorgarten stinkt es nach Scheiße und Urin.“

Die nächste Stufe ist die physische Aggression, Der Rest der Bevölkerung wird mundtot gemacht und es entsteht ein rechtsfreier Raum, wo Zensur, Angst und Erpressung herrschen – zitiert Thorsten Hinz aus dem Essay von Enzensberger.

Wer – wem – vor 25 Jahren die Stichworte geliefert hatte, ist unerheblich, denn die Analysen waren zutreffend und hatten wahrlich einen prophetischen Charakter.

Was ist inzwischen passiert?

Etwa 10 Jahre später erschien ein in der bürgerlichen Presse hochgelobtes Buch des äthiopischen Prinzen Asfa-Wossen Asferate „Manieren“, eine neuzeitliche Replik des „Knigge“ für Menschen in einer mehr und mehr aus den Fugen geratenen Epoche.
In seinem schöngeistigen Werk – wobei ich „schöngeistig“ nicht abschätzig meine – schrieb der voll in der deutschen, europäischen Kultur assimilierte afrikanische Adlige christlichen Glaubens:

„Erzogen werden, Manieren annehmen, das waren Menschwerdungsakte. An erster Stelle vermittelte die Familie die Manieren. In der Familie fand das Kind die ganze Welt beispielhaft ab gebildet: Gottes Barmherzigkeit in der Mutter, Gottes Gerechtigkeit im Vater verkörpert, Vater und Mutter als König und Königin, Mann und Frau in beispielhafter Weise. Die Eltern waren durch ihren Stand geformt, eine kollektive Formung …“

Aber, muss man feststellen:

  • Die Familie, wie sie über Jahrtausende prägend für die Menschheit war, ist das Störende, das Auszumerzende geworden.
  • Vater und Mutter werden amtshalber durch Begriffe wie „Elternteil-1-und-Elternteil-2“ definiert – wie es in Frankreich bereits Gesetz geworden ist.
  • Mann und Frau sind nicht länger mehr wesenhafte Gegebenheiten, das biologische Geschlecht wird im staatlich geförderten Genderismus einer individuellen, sich „selbstverwirklichenden“ Beliebigkeit unterworfen.

Da mag die Herbeiholung von Menschen mit einem dezidiert traditionellen Familienbild wie aus der islamischen Welt darüber hinwegtäuschen.
Es bedurfte nicht nur „bereichernder“ „junger Männer“ aus archaisch geprägten Gesellschaften, dass in unserem Land nicht nur verbale Aggression zugenommen hat.
Die Saat der 68er-Kulturrevolution war bei den „schon länger hier Lebenden“ längst vorher aufgegangen.

Das hat wohl Reißmüller gemeint und der „Alt-68er“ Enzensberger hat den Blick ausgeweitet. Beide aber,  ohne damit brauchbare Konsequenzen anzustoßen. Die Eliten, die Medien haben es zur Kenntnis genommen, mehr oder minder die Nase ob der realistischen Ausmalungen gerümpft. Schließlich die beschworene Trift in „Zensur, Angst und Erpressung“ auch noch aktiv gestützt.

Allein Manieren?

Es geht nicht mehr nur um allein um (gute) Manieren, die gewiss ein Spiegel der Verfasstheit einer Gesellschaft sind. Nicht mehr darum, ob man beim Essen nicht rülpst, nicht in der Nase bohren darf, nicht auf der Straße ausspuckt, adäquate Kleidung trägt und Frauen und Älteren in bestimmten Situationen gewiss den Vortritt lässt.
Es beginnt z.B. mit pöbelnden Politikern und Abgeordneten, die vor der Würde des Parlaments und der „Anderen“ keinen Respekt mehr haben: „Ab morgen kriegen sie in die Fresse.“  Oder mit der Fäkalsprache, die in den „öffentlichen Diskurs“ Einzug gefunden hat – bei „Promis“ wie bei den unzähligen „Followern“ in den Medien.

Die zu beklagende „Barbarei“ ist durchaus noch gewaltiger.
Sie beinhaltet unmittelbar Asoziales, Kriminelles und Todbringendes. Und dem steht eine machtlose, im Kampf gegen Rechts oder „Political Incorrectness“ sich verzettelnde Exekutive, eine verhätschelnde Judikative, eine degenerierte Legislative und eine verantwortungslose und korrupte Publikative gegenüber. Dazu ein sich grün-ökologisch selbstverwirklichendes Wohlstandsbürgertum. Aber auch ein dumpfes „Prekariat“, das sich mit „Brot“ aus den Sozialtöpfen und „Spielen“ im Unterschichtenfernsehen das Leben für sich komfortabel einrichten durfte.

Es gibt in puncto „Manieren“ keine Unterschiede mehr:

  • Der rücksichtlose, drängelnde und pöbelnde Raser auf der Autobahn.
  • Die schreiende, die Beherrschung verlierende (überforderte?) Mutter im Supermarkt, die ihre Brut nicht mehr bändigen kann.
  • Der „Wut-Rentner“, dem inzwischen in der Straßenbahn kein Vorzugsplatz mehr gegeben wird; aber ein Vorzugsplatz, den er nicht nur mit seinem Behindertausweis als Sondermöglichkeit für sich und seinen (altersgerechten) SUV allenthalben streitbar beansprucht.
  • Die jugendliche „Umwelt-Aktivistin“, die mit Schreien, Fußtritten und Schlägen argumentiert.
  • Der „Antifaschist“, der Autos und Häuser „abfackelt“ und keinen Respekt vor dem Eigentum, vor Leib und Leben Anderer hat.
  • Pöbelnde Politiker a la Ralph Stegner.
  • Der „Fußballfan“ oder „Hooligan“, welcher auf Straßen und in Fussballstadien den realen Bürgerkrieg antizipiert.
  • Ein „Kulturpreisträger“, der nicht genehme Repräsentanten eines anderen Staates öffentlich als „Ziegenficker“ bezeichnet.
  • usw. …

Ich will nicht reden von der schamlosen und exhibitionistischen Zurschaustellung tätowierten, gepiercten und nackten Menschenfleischs, was man allerorten in der Öffentlichkeit als Beleg für die Inbesitznahme durch „Barbaren“ beobachten kann.
Da erscheinen dann Kopftuchmädchen doch vergleichsweise als Ausdruck von Sittlichkeit und Manieren.
Dann aber auch fast tägliche Berichte über Messerstechereien, Vergewaltigungen durch männliche, muslimische „Chaperons“.

Was tun?

Nicht wegschauen, sondern sich einschalten. Mit der stärksten Waffe, die wir besitzen,: mit Kommunikation.
Das ist die Aufgabe für die, welche davon überzeugt sind: „Wir sind noch mehr“. „Noch“ nicht im Sinne von „bis anhin“, sondern von „überaus“.

„Eine scharfe Zunge ist das einzige Schneidwerkzeug,
das bei andauerndem Gebrauch schärfer wird.“
Washington Irving

Wer hat es nicht erlebt, dass es unvergleichbar schwieriger und anstrengender ist, sich mit verbal angriffigen Zeitgenossen auseinanderzusetzen und zurecht zu kommen, als mit einem renitenten oder eigensinnigen Mitarbeiter, einem verzweifelten, selbst- und fremdaggressiven Patienten, einem eigensinnigen Partner oder Freund.

Es ist eine anstrengende Aufgabe, sich noch und noch darin zu schulen, daß die Zunge schärfer als das Schwert wird.
Konrad Adenauer hat das (arabische) Sprichwort in eine Ansprache eingebaut „Alle menschlichen Organe werden irgendwann einmal müde, nur die Zunge nicht. 

Also dranbleiben! Beim Aufdecken, Anprangern, Aufklären, Zurechtweisen; sich nicht ducken und in sein Schneckenhaus oder „Schreckenshaus“ zurückziehen!

Es ist ein großer Anspruch, wenn man dem folgen will, wie es Johann Gottfried Herder sagte:
„Der Barbar beherrscht; der gebildete Überwinder bildet.“

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