Knecht Ruprecht, Krampus und der Nikolaus

Angstauslösende Faktoren…

Sogar der Nikolaus lebt in unseren Zeiten gefährlich. Er wird zwar noch vielfach geduldet, denn auch Luther, dem die katholische Heiligenverehrung ein Graus war, hat mit seiner Erfindung des „Christkinds“ den Nikolaus auch in evangelischen Landen nicht endgültig aus dem Weihnachtsbrauchtum vertreiben können. Genausowenig schaffte es eine Discounterkette, uns den Nikolaus auszutreiben, als sie vor zwei Jahren ihre angebotenen weihnachtlichen Schokoladenhohlfiguren in „Zipfelmann“ umtaufte.

Nun fordert eine Politikerin der Grünen aus Nordrhein-Westfalen, dem frommen Mann seinen „Bodyguard“ wegzunehmen, kann man heute bei Welt-Online lesen.
„Knecht Ruprecht ist nicht mehr zeitgemäß“, sagt Josefine Paul, 36, Fraktionsvize der Grünen im Düsseldorfer Landtag. Er soll ja dem Brauch zufolge unartige Kinder bestrafen, sie zu Frömmigkeit und Fleiß ermahnen. Dafür hat er seine Rute dabei und einen Sack, in den die unartigen Kinder der Tradition nach gesteckt werden.
„Er passt nicht mehr in das heutige Bild der Kindererziehung.“ Kinder sollten sich auf den Nikolaustag freuen und keine Angst haben. Sie hätten ein Grundrecht auf gewaltfreie Erziehung, und dazu zähle auch psychische Gewalt.
Dorothee Thau, eine Psychologin bei der Caritas-Erziehungs- und Familienberatung in Düsseldorf bläst ins gleiche Horn: „Der Knecht Ruprecht ist ein Angst auslösender Faktor. Schon die Drohungen im Vorfeld, unbedingt artig zu sein, ängstigen die Kinder und bauen einen enormen Druck auf.“

Der Knecht Ruprecht als Begleiter des „Zipfelmannes“ kommt überwiegend in Nord- und Mitteldeutschland vor. Die bekannteste dichterische Beschreibung stammt von dem norddeutschen Dichter Theodor Storm („Von drauss’ vom Walde komm ich her…“), der den „Knecht“ aber nicht dem Nikolaus, sondern dem (lutherischen) lieben „Christkindlein“ zur Seite stellt:

Knecht Ruprecht

Von drauss’ vom Walde komm ich her;
Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
Sah ich goldene Lichtlein sitzen;
Und droben aus dem Himmelstor
Sah mit grossen Augen das Christkind hervor,

Und wie ich so strolcht’ durch den finstern Tann,
Da rief’s mich mit heller Stimme an:
„Knecht Ruprecht“, rief es, „alter Gesell,
Hebe die Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an,
Das Himmelstor ist aufgetan,
Alt’ und Junge sollen nun
Von der Jagd des Lebens einmal ruhn;
Und morgen flieg’ ich hinab zur Erden,
Denn es soll wieder Weihnachten werden!

Ich sprach: „O lieber Herr Christ,
Meine Reise fast zu Ende ist;
Ich soll nur noch in diese Stadt,
Wo’s eitel gute Kinder hat.“ –

„Hast denn das Säcklein auch bei dir?“
Ich sprach: „Das Säcklein das ist hier:
Denn Äpfel, Nuss und Mandelkern
Fressen fromme Kinder gern.“ –

„Hast denn die Rute auch bei dir?“
Ich sprach: „Die Rute, die ist hier:
Doch für die Kinder nur, die schlechten,
Die trifft sie auf den Teil den rechten.“

Christkindlein sprach:„So ist es recht;
So geh mit Gott, mein treuer Knecht!“

Von drauss’ vom Walde komm ich her;
Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Nun sprecht, wie ich’s hier innen find’!
Sind’s gute Kind’, sind’s böse Kind’?

 

Eine musikalische Hommage an den Rutenträger hat Robert Schumann in sein „Album für die Jugend“ aufgenommen.
Ich habe das Stück immer gerne gespielt: es hat mit seinem irgendwie drohend klingenden Beginn etwas sehr expressives, dramatisches – passend zu diesem düsteren Gesellen und dessen Charakter, den die Grüne und die Psychologin da ausgemacht haben.

Der Krampus ist das süddeutsche Korrelat zum Knecht Ruprecht und noch mehr eine Schreckgestalt in der Begleitung des hl. Nikolaus. Man findet ihn im gesamten Alpengebiet und den früheren böhmischen Ländern.

Bei den Adventsfeiern der Sudetendeutschen hatte immer auch neben dem „Nikolo“ der Krampus seinen Auftritt. So erlebte ich ihn in meiner Kindheit im Gasthof meiner Eltern, wo ich damals aufwuchs. Wen es interessiert, mag meine Erinnerung daran hier lesen.

Der Krampus ist eine im Sinne der kindgerechten Pädagogik und allgemeinen Psychologie noch üblere Erscheinung, schon vom Äußeren her. In manchen Regionen tritt der Krampus nicht allein (mit dem Nikolaus) auf, sondern oft in großer Anzahl bei sog. Krampusläufen. Laut Wikipedia sorgen „Krampusattacken und Schlägereien (im Alpenraum  – d. Red.) regelmäßig für Entsetzen und öffentliche Diskussionen. Jährlich kommt es bei Krampusläufen zu Auseinandersetzungen. Gelegentlich rächen sich Zuseher für Rutenschläge und attackieren Krampusse. 2013 wurden nach mehreren Krampusläufen in Osttirol am Bezirkskrankenhaus Lienz insgesamt acht Verletzte (meist mit Knochenbrüchen) aufgenommen und über 60 weitere Patienten ambulant behandelt.“
Da wartet noch eine weitergehende aufklärerische und indizierende Aufgabe auf unsere grünen Menschheitsbeglücker auch in Bayern und Österreich.

Warum kommt der Nikolaus nicht ganz und gar auf die Verbotsliste?

Der Erfinder und Autor des Struwwelpeter, der Psychiater Heinrich Hoffmann stammt aus Frankfurt – aus der heutigen deutschen Multi-Kulti-Metropole – und er hat mit der Gestalt seines Nikolaus´ schon im 19. Jhd. eine Art „Anti-Rassismus-Parabel“ geschaffen.
Wer kennt sie nicht, die Geschichte vom „kohlpechrabenschwarzen Mohr“, der von bösen (weißen) Buben verspottet wird. Die werden denn vom strafenden Nikolaus ins Tintenfass getaucht, um fürderhin gezeichnet durchs Leben gehen zu müssen.

Gleichwohl wird der Struwwelpeter irgendwann wohl auch wegen „negative(r) Verhaltensmodelle“, „repressive(r) Strafpädagogik“ sowie „autoritär-dogmatische(r) Unbedingtheit“ mit der er „die ethische Erziehung verfolgt“, auf dem Index der grün-roten Volkserzieher erscheinen.

 

Wir lassen uns aber da nicht ankränkeln und freuen uns gewiss auf den Zipfelmann, den Sack- und  Rutenträger – auch und gerade weil wir nicht mehr zur Schule gehen:

 

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