Kirchengemeinde macht Wahlkampf

„Love is in the air“

In Hessen herrscht Wahlkampf und so war in der hiesigen Lokalpostille („Gelnhäuser Neue Zeitung“)  zu lesen:

Ist eine Kirchengemeinde gut beraten, wenn sie Gegenveranstaltungen zu AfD-Wahlveranstaltungen initiiert und organisiert?
Ist es die Aufgabe einer Kirchengemeinde, sich in die Niederungen des politischen Wahlkampfs einzumischen?
In solcher Form?

Ich erinnere mich noch gut an manche unsäglichen Hirtenbriefe und Kanzelverlautbarungen von katholischen Bischöfen und Pfarrern in den 50er und 60er Jahren, nicht nur in meiner damaligen bayerischen Heimat. Die bewirkten eher das Gegenteil und trieben die Angesprochenen in nicht unerheblichem Ausmaß in die Arme der Angeprangerten.

Was unterscheidet diese Zeit von der heutigen?
Es gab damals, mehr als heute meine ich, eine gesunde demokratische Kultur – nicht nur Debatten-Kultur. Der politische Kontrahent wurde nicht ausgegrenzt oder verteufelt, man sprach und debattierte trotz gegensätzlicher „Weltsicht“ miteinander – „am Stammtisch“, im Verein, in der Gemeinde, im örtlichen und in den bedeutsameren Parlamenten.
Das hat sich inzwischen merkbar verändert; und nicht zum Besseren.

Papst Benedikt XVI. hat 2011 in seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag darauf hingewiesen: „Der Mensch kann sich selbst manipulieren. Er kann sozusagen Menschen machen und Menschen vom Menschsein ausschließen.“
Und das ist zunehmend in den letzten Jahren zu erleben: wer sich als Bürger nicht einem verordneten Kanon und Gebaren der Nächsten- bzw. Fernstenliebe anschließt, nicht von oben vorgegebene „Alternativlosigkeiten“ akzeptieren mag, sich z.B. öffentlich gegen die Entwertung von Ehe und Familie wendet, und/oder für das Eigene eintritt usw., wird ganz schnell als „rechts“, oder gar als „Nazi“ ausgegrenzt und damit in unserer Gesellschaft  vom „Menschsein“ ausgeschlossen.
Die evangelische Kirchengemeinde Wächtersbach begründet ihre politische Aktion mit „Menschenwürde, Nächstenliebe und Solidarität“ – als Exklusivmerkmal, zu dem es „keine Alternative gibt“. Man nimmt damit für sich in Anspruch, Gewissen, Recht, Wahrheit und Moral auf seiner Seite zu haben, und schließt implizit es bei den anderen aus.
„Herz statt Hetze!“. Man spricht den anderen ab, überhaupt Herz zu haben. Ist das christlich? Es ist höhnisch!
Die Kirchengemeinde beteiligt sich an dem gegenwärtigen, unseligen Kampf „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns!“, indem politisch nicht genehme Ansichten stigmatisiert werden. Und man macht aktiv mit bei diesen Ausgrenzungen und der so viel beklagten Spaltung der Gesellschaft.

Ist das noch ein Kampf um „Seelen“ oder um „Schäfchen“, welche doch den Kirchen immer mehr abhandenkommen?
Warum wohl?

„Love is in the air!“ betitelt die Kirchengemeinde ihr Vorhaben. Man möchte über dieses dumme, entlehnte Wortgeklingel schmunzeln, wenn die Sache nicht so ernst wäre.

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