Wo bleibt das Positive?

Wie komme ich darauf?

Nikolaus Fest hat unter dem Titel „Deutschland ist abgebrannt“ einen bitteren Kommentar geschrieben, der bei der Jungen Freiheit zu lesen ist.

Deutschland ist abgebrannt

In allem, was Fest in seinem Artikel aufspießt, hat er recht. Er spricht vom gescheiterten Rechtsstaat in Deutschland, von Korruption, von der maladen Bundeswehr, der darniederliegenden Bildungspolitik, der kaputten Infrastruktur, dem Verlust von Kreativität, Tüchtigkeit und Wissen in Naturwissenschaften und Ingenieurskunst  usw.

Er resümiert:

„Der Staat funktioniert nicht mehr, ob in Schul-, Bau- oder Sozialverwaltung, an der Uni, in Justiz oder Militär. Denn abhanden gekommen ist vielen das Bewußtsein, daß die eigene Leistung für das Gelingen des Staates wichtig ist. Alles ist nur noch ein Job, nichts mehr Berufung oder Dienst am Vaterland.“  

Eine bittere Tatsachenschilderung.

Da kam mir das Gedicht von Erich Kästner in den Sinn und so wollte ich auch gerne fragen: „Wo bleibt das Positive … Herr Fest?“.

Nikolaus Fest ist Journalist, kommt von der Bildzeitung, die er wegen seiner Widerborstigkeit gegen den verordneten Zeitgeist verlassen musste und ist inzwischen als Politiker in Berlin bei der AfD gelandet.
Der angesprochene Artikel von ihm atmet ausschließlich Negatives. Keine Hoffnung – nirgendwo!
Das ist vielleicht seiner journalistischen Herkunft geschuldet, wo „only bad news are good news!“ als Arbeitsanweisung dient.
Fest ist Oppositions-Politiker. Und da ist es legitim und erforderlich, den Finger in die  Wunden zu legen. 

Aber sollte man immer nur einen „Schüdderump“ hervorzerren, mit dem man all das Pestkranke auskippen will. 

Jeder Politiker, der an die Schalthebel gelangen und wirklich etwas bewirken möchte, sollte, nein – er kann eigentlich nur auf einem positiven Urgrund aufbauen, wenn es zum Besseren gewendet werden soll. Und den sollte man suchen und finden.

Der Urgrund in Deutschland scheint mir nicht verloren. Denn es kann nicht sein, dass alles, was unsere Nation und das deutsche Volk groß gemacht hat, „der Deutsche Genius“, verschüttgegangen ist.

Kästner wählte die Satire für seine Notizen. Und das Gedicht aus dem Jahr 1930 wähle ich mal als Quelle für eine Reflexion. Kästner formulierte Sätze, die wieder auf der Höhe der Zeit scheinen und die drohende Katastrophe ansprechen:

Und immer wieder schickt ihr mir Briefe,
in denen ihr, dick unterstrichen, schreibt:
»Herr Kästner, wo bleibt das Positive?«
Ja, weiß der Teufel, wo das bleibt.

Noch immer räumt ihr dem Guten und Schönen
den leeren Platz überm Sofa ein.
Ihr wollt euch noch immer nicht dran gewöhnen,
gescheit und trotzdem tapfer zu sein.

Ihr braucht schon wieder mal Vaseline,
mit der ihr das trockene Brot beschmiert.
Ihr sagt schon wieder, mit gläubiger Miene:
»Der siebente Himmel wird frisch tapeziert!«

Ihr streut euch Zucker über die Schmerzen
und denkt, unter Zucker verschwänden sie.
Ihr baut schon wieder Balkons vor die Herzen
und nehmt die strampelnde Seele aufs Knie.

Die Spezies Mensch ging aus dem Leime
und mit ihr Haus und Staat und Welt.
Ihr wünscht, daß ich’s hübsch zusammenreime,
und denkt, daß es dann zusammenhält?

Ich will nicht schwindeln. Ich werde nicht schwindeln.
Die Zeit ist schwarz, ich mach euch nichts weis.
Es gibt genug Lieferanten von Windeln.
Und manche liefern zum Selbstkostenpreis.

Habt Sonne in sämtlichen Körperteilen
und wickelt die Sorgen in Seidenpapier!
Doch tut es rasch. Ihr müßt euch beeilen.
Sonst werden die Sorgen größer als ihr.

Die Zeit liegt im Sterben. Bald wird sie begraben.
Im Osten zimmern sie schon den Sarg.
Ihr möchtet gern euren Spaß dran haben …?
Ein Friedhof ist kein Lunapark.

(Besonders die letzten Zeilen möchte man gerne einem gutmenschlichen Zeitgenossen ins Poesiealbum kritzeln.)

Die Deutschen haben den ersten 30-jährigen Krieg überstanden und sie wurden danach die Schöpfer der „dritten Renaissance“ im 18. und 19. Jahrhundert. Die Deutschen haben auch den zweiten 30-jährigen Krieg von 1914 bis 1945 überstanden und sich wie Phoenix aus der Asche erhoben. Man wird auch den Mehltau der 68er „Revolution“ ebenso abstreifen, wie unsere Landsleute den „Real existierenden Sozialismus“ der DDR erstickten. Nicht alles Bewußtsein ist abhanden gekommen, von dem Fest spricht; davon bin ich überzeugt.
Es ist nicht nur historisches Potential vorhanden!

Oder bin ich zu blauäugig?

Denke ich an meine Kinder und Enkel, möchte ich mir aber die Hoffnung nicht nehmen lassen.

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Ein Kommentar zu Wo bleibt das Positive?

  1. Sehr richtig.
    Diese ständige Schwarzseher/-malerei geht mir auch gewaltig auf den Senkel.
    Diese Leute leben vom Dreck, vom Untergang und versuchen aus diesem ihr, nicht nur politisches Kapital zu ziehen.
    Egal welche „kritische“ Seite man sich ansieht, allesamt triefen sie nur so von Weltuntergangsszenarien und -stimmungen. Irgendwann tritt dann mal ein schlimmes Ereignis ein, was im täglichen Leben ja gar nicht so unwahrschienlich ist, und schon haben sie „Recht“ gehabt, es schon vor Jahren erkannt etc. etc.

    Die einen skizzieren den Weltuntergang durch den sog. Klimawandel, die anderen durch die herrschenden politischen Verhältnisse und wieder andere durch „Weiß-Gott-Was“.
    Früher gab es die Hölle, das Jüngste Gericht, die Oberfläche hat sich geändert, nicht aber das Prinzip.
    Sie alle versuchen mit und durch Angst ihr Süppchen zu kochen und eines will ich ganz deutlich sagen: Mit keinem von denen will ich auch nur einen Schritt zusammengehen.
    Sie schüren Angst und wollen eine ängstliche Masse führen und lenken. Sie wissen was sie tun. Daraus kann nichts Gutes entstehen.

    Ich will mit schaffenden Menschen zusammensein, man will ja schließlich etwas gemeinsam aufbauen. Wer immer nur das Schlechte, das Böse sucht und sieht, ist niemals ein im positiven Sinne Schaffender. Er ist vergleichbar mit einem Schwein das sich im Dreck suhlt.

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