Vorbei: Der Weltkatzentag 2018

Da habe ich doch tatsächlich den Weltkatzentag 2018 versimpelt, mit lauter Düffeldaffel und Flunker-TV die Katzenklappe verbaselt: gestern, 8 August 2018 – Weltkatzentag.

Weltkatzentag! Braucht man das?
Genau so wenig wie den „World Girls Day“. Zu letzterem würde ich keine Zeile verschwenden, dafür hätten auch meine drei Töchter keine Konnivenz.

Aber der Katze will ich aber doch mal etwas Blog-Zeit widmen, denn es jährt sich auch exakt in diesen Tagen das Ableben unseres eigenen, haß-geliebten, kastrierten Mäuse-Connaisseurs, dem ich und Hannes und Greta seinen sterblichen Überresten zum Waldrand hin, in der Nähe seiner geliebten Feldmaus-Kolonie, ein kleines Hypogäum geschaffen haben.

Einst wurde dieser fleischfressende Gourmand von meinen Töchtern und mir ins Haus gebracht, um ein zweckgerichtetes Therapeutikum oder „Agens“ gegen die Mäusephobie der Mutter und Gattin zu haben.
Glaubt mir, eine Ehefrau mit Mäusephobie, in steter Gefahrenlage lebend – durch ein Haus in Waldnähe, führt mitunter zu heftigestem Stress und „Trouble“.
Die Katze als „Therapeutikum“, als anti“Biotikum“ gegen die nagende Noxe eingesetzt:  Vergesst es!
Egal ob anfänglich die Mieze ihre Beute wohlgeordnet auf der Terasse ablegte, oder dort spielerisch mit elegantem Mäuse-Kricket Eindruck schinden wollte, oder dann im Greisen-Alter nicht mal mehr eine Schwanzregung zeigte, wenn ein Grautier aus dem Unterholz herüberspähte: alles Anlass für phobische Eruptionen bei Personen mit Mäuse-Phobie. Dann auch noch: Kotzen auf den Teppich, Volllsabbern des Ledersofas und Anbringen eines individuellen Krallenmusters an Möbeln und Holzverkleidungen.
Das alles sind Dinge, welche die Hausfrau – auch den Hausherrn – nicht erfreuen; wobei bei einer Katze im Haus die Frage, wer eigentlich Herr im Haus ist, stets offen gehalten bleibt. Die Machtfrage wurde immer umschifft mit Verlautbarungen meiner Frau: Das ist nicht meine Katze, ich wollte sie nicht!
Was sie aber nicht abhielt ihr von Aldi oder Lidl immer die besten Häppchen zu kaufen und mich zu maßregeln, sollte ich den Anschein erwecken, dem Wohlbefinden oder dem Gesundheitszustand der Katze nicht genügend Aufmerksamkeit zu widmen.

Als Wodi eingeschläfert werden musste, trauerte auch die sich stets von der Fellnase kujoniert fühlende Frau; und ich habe tatsächlich geheult, als mir der Tierarzt das jetzt leblose Fellbündel in die Arme drückte.
Noch etwas zum Namen unseres verblichenen Hausvorstands. Als der Kater ins Haus kam hatte er noch keinen Namen. Es war Samstag, man guckte die Sportschau – von Wolf-Dieter Poschmann moderiert, der aus den Kulissen Wodi gerufen wurde. Also: Wolf-Dieter, abgekürzt Wodi war der Treffer des Abends.
Im Impfpass war denn tatsächlich zu lesen: Wolf-Dieter E.; eine Abkürzung des Namens wollte der Tierarzt nicht akzeptieren. Ist das doch auch ein richtig deutscher Name für einen deutschen Kater – wenn auch kastriert!

Eine Katze kommt uns nicht mehr ins Haus, nachdem meine Frau bald 18 Jahre unter „meinem“ Stubentiger mehr oder weniger gelitten hat und auch nicht gegen deren Mäusephobie so richtig erfolgreich war.

 

Die Ambivalenz in den Empfindungen dem Geschlecht der Katzen gegenüber möchte ich in dem folgenden Abschnitt darstellen. Damit das Ganze nicht zu einem einseitigen Gehudel wird.

Dass Katzen zu derartiger Emphase in der Lage sind, wie es hier (aus dem „Struwelpeter“) dargestellt ist, ist zu bezweifeln.

In den 80er Jahren kam mir „Das erste offizielle Katzenhasserbuch“ des amerikanischen Karikaturisten Skip Morrow in die Finger. Das Buch diente mir dann gelegentlich als Geschenk für besonders katzen-affine Zeitgenossen, die einem mit penetrantem Katzen-Gedöns auf die Nerven gingen. Dieses Mitbringsel sorgte dann dafür, dass man z.B. eine weitere Einladung in ein katzenversifftes Domizil nicht mehr befürchten musste.
Henning Venske schrieb zu dem Buch das Vorwort.
Ein bitterböser Text, wie auch das Buch selbst. Aber „wat mutt dat mutt“, wie man plattdeutsch sagt:

Sein Analytiker ist für dieses Machwerk verantworlich, ganz: bestimmt. „Skip“, hat er zu Mr. Morrow gesagt, „Skip, Sie müssen mal richtig die Sau rauslassen, relax, relax, Ihre Aggressionen brauchen ein Ventil. Wenn Sie schon nicht Ihre Mutter vögeln wollen, dann bringen Sie wenigstens Ihren Vater um!“
Aus welchen Gründen auch immer – dazu kam es nicht. Stattdessen griff der Patient zum Stift und zeichnete seinen amerikanischen Alptraum auf’s Papier: kleinbürgerliche Phantasien, was denn nun ein energiegeladener, leistungs-orientierter und gottgefälliger Amerikaner mit faulen Negern, hinterlistigen Kommunisten, karrieresüchtigen Frauen und anderem demokratiefeindlichem Gesindel anfangen könne. Nix Toleranz, nix Leben und Lebenlassen – no Sir, Abmurksen is wonderful Entertainment, schwarzer Humor, you know? DIE KATZE ist DER FEIND — jeder Hundefreund kann’s bestätigen – die Katze als Symbol all‘ dessen, was wir hassen: ein genialer Einfall. Diese Viehcher sind in der Tat eine bedauerliche Fehlleistung der Natur. Ursprünglich wohl von seßhaften Bauern vorchristlicher Kulturen zum Schutz der Vorräte vor Schädlingen fest angestellt, genießt die Katze heutzutage das Vorrecht, kein Nutztier mehr zu sein (jede Chemikalie leistet mehr!) und sich nur noch in immer neuen Mutationen und Farbspielen züchten zu lassen. Das ist zu wenig, und das schon lange: Abbildungen aus dem vorderasiatischen Jericho des 6. vorchristlichen Jahrtausends beweisen, daß Frauen und Katzen bereits damals kostbare Arbeitszeit mit sinnlosen Spielchen verplemperten.
Dem Schöpfer sei Dank gab es aber schon zu allen Zeiten vernunftbegabte Amerikaner, die den Katzen Überfluß tatkräftig bekämpften: die ersten Amerikaner lebten im alten Ägypten. Sie sorgten dafür, daß mumifizierte Katzen ihren mumifizierten Besitzern mit ins Grab gegeben wurden. Die Amerikaner des 19. Jahrhunderts, Engländer genannt, haben mehrere Tonnen, das ist wirklich wahr!, mumifizierte Katzen zu Düngemitteln verarbeitet, was die momentane englische Landwirtschaftskrise durchaus auch beheben könnte. Aber wer exportiert schon mumifizierte Katzen, ausgerechnet nach England. Das Wesen der Hauskatze prädestiniert sie zur Gefährtin vor allem älterer und einsamer Menschen. Alleinstehende Männer und Frauen, bei denen sich die vorwiegend ländliche Bevölkerung vermeintlich Rat und Hilfe holte, also Hexer und Hexen, lebten immer schon gern mit Katzen zusammen. Die Amerikaner des Mittelalters, fanatische religiöse Eiferer, ließen keine Gelegenheit ungenutzt, die Katzen samt Liebhabern mittels der sog. katholischen Inquisition zu foltern und zu verbrennen. Das führte zwar zur Erfindung des weitverbreiteten „Katzenjammers“, hat aber mit Ketzerei nicht einmal ethymologisch etwas zu tun. Daß die ordinäre Hauskatze im alten China nicht „Blacky“, sondern „Miao“ genannt wurde, mag man als vorrevolutionären Unsinn abtun; daß aber aus bestimmten Körperteilen der Katze hergestellte Wundermittel als besonders heilkräftig galten, spricht für die Anwesenheit amerikaner Coca-Cola-Vertreter im Reich der Mitte schon um 600 v. Chr.
Skip Morrow, der Zeichner, steht demnach in bester amerikanischer Tradition. Und ich, bundesrepublikanischer Deutschmarkschreiber, bin gehalten, nicht zuletzt auch im Auftrag meiner Regierung, ihm in Freundschaft und Bündnistreue zur Seite zu stehen.
Und so gestehe ich denn: auch ich überwinde den Widerwillen gegen diese Untiere nur, wenn ich einen Goldfisch aus dem Aquarium für den Kochtopf oder ein Vögelchen aus dem Bauer für die Pfanne benötige; dann borge ich die Muschi meiner Nachbarin aus, um sie nach getaner Arbeit mit genüßlichem Tritt vom Balkon zu expedieren. Wir betrachten das beide als Teil eines sinnvollen Trainingsprogramms: Die extreme Beweglichkeit ihrer Vordergliedmaßen verdanken die Katzentiere ihrem verkümmerten Schlüsselbein. Deswegen sind siezwar gute Schwimmer, auch wenn das Wasser nicht zu ihrem eigentlichen Lebensraum gehört, auch verstehen sie sich als Spezialisten im Klettern, aber von oben herabzusteigen – das müssen sie erst erlernen! Es ist das einzige, was zu lernen sie im Stande sind: Schurwolle, frische Eier, rahmige Milch weigern sie sich zu liefern; diszipliniert an der Leine oder gar „bei Fuß“ spazierenzugehen, lehnen sie ab, und, erst einmal plattgefahren, bieten sie darüberhinaus einen unerfreulichen Anblick. Sie können nichtmal als zweit- oder drittbester Freund des Menschen gelten – würden sie sonst auf den verständlichen Wunsch von Frauchen oder Herrchen, einen fortgeschleuderten Stock zu apportieren, mitsoviel Unverständnis reagieren? Bei keinem Katzen-Rennen dieser Welt kann man sein Geld verwetten, darüber hinaus ist ihr Begrüßungsritual äußerst mau, und zur Bewachung des Grundstücks kann man genausogut eine Flasche abstellen. Allenfalls kann man hoffen, daß ungebetener Besuch wegen seiner Katzenhaarallergie einem Asthma-Anfall erliegt. . . Was schließlich, frage ich, kann die Überflüssigkeit jeglicher Katzenexistenz eindrucksvoller demonstrieren als die Tatsache, daß sogar die Polizei auf ihre Dienste verzichtet? Untaug­lich sind sie in jeder Hinsicht, zum Verfolgen von Dieben ebenso wie zum Beißen von Aufrührern und sogar zum Erschnüffeln von Haschisch. Felis Catus, um sie auch wissenschaftlich einmal korrekt anzusprechen, ist sogar in Notzeiten nicht sonderlich schmackhaft: selbst die raffinierteste Knoblauch-Rahmsauce auf Portweinbasis mit ganzen Trüffeln kann sie nicht in den Rang eines Grundnahrungsmittels erheben. In dieser, und nur in dieser Hinsicht, ist die Katze dem Hund ebenbürtig. Zu allem Unglück aber hat sie, wie Volkes Stimme weiß, sieben Leben – und sie wird uns alle überdauern, zusammen mit ihren Spielkameraden, den Ratten. Das, fürchte ich, wird auch den Analytiker von Skip Morrow in seiner Existenzangst kräftig bestärken . . .

Henning Venske

 

 

 

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