4. Februar – Konferenz von Jalta

Am 4. Februar 1945, heute vor 73 Jahren begann die Konferenz von Jalta, auf der die Teilung Deutschlands und Osteuropas nach dem Krieg ausgehandelt wurde. Die Details über die Vertreibung der Deutschen wurden zwar erst in Potsdam festgemacht, in Jalta wurden aber die Grundlagen der Geopolitik in Europa für die nächsten Jahrzehnte festgelegt. „Bei der Konferenz von Jalta verlieh Churchill Stalins Kontrolle über halb Europa den Anschein moralischer Weihe“ schreibt Patrick J. Buchanan in seinem Buch über Churchill und Hitler. “Die Erklärung über das befreite Europa“ die dort unterschrieben wurde, erwies sich schon während der letzten Kriegswochen als eine hässliche Dreistigkeit Stalins, welcher auch der schon todkranke aber noch lavierende Roosevelt zugestimmt hatte. Schon im März begann Stalin mit der Deportation und Massenexekution von polnischen Intellektuellen, Gewerkschaftsführern und Priestern aus dem ihm zugeschlagenen Ostpolen. Churchill war mit den Ergebnisse von Jalta so zufrieden, dass dieser alte Säufer „ganze Eimer kaukasisichen Champagners leerte, welche die Gesundheit eines normalen Menschen untergraben hätten“, vermerkt ein britischer Diplomat.

Es soll hier ein Zeitzeuge „des verdammten 20. Jahrhunderts zu Wort kommen. Gerard Radnitzky:

Die Jalta-Konferenz
Vom 4. bis 11. Februar 1945 tagte die Jalta-Konferenz, die Krimkonferenz – The crime Conference on the Crimea, wie sie nach dem Krieg von republikanischen Zeitschriften in den USA genannt wurde. Eigentlich bestätigte sie nur die bei der Teheran-Konferenz gefaßten Beschlüsse. Es ist das Prachtbeispiel von Stalins kluger Strategie, seine Vasallen an seinen Hof kommen zu lassen. Stalin und Roosevelt (Churchill war zum Junior-Partner geworden) entwarfen die europäische Nachkriegsordnung. Die Konferenz fand im Erdgeschoß des Lewadija-Palasts bei Jalta statt, das der letzte Zar, Nikolai II. in den Jahren 1910/11 erbauen ließ, wenige Jahre vor seiner Ermordung (er und seine Familie hatten nur mehr sechs Jahre zu leben)…
Das speziell gepolsterte Bett des todkranken, praktisch sterbenden Roosevelt ist heute eines der Schmuckstücke des im Palast eingerichteten Museums. (Churchill klagte bitter über die Wanzen, die den alten Zarenpalast bevölkerten. Ob Roosevelts Blut eben falls die Wanzen anzog, darüber ist der Geschichte nichts bekannt.) Ein anderes Schmuckstück des heutigen Museums ist die berühmte Gartenbank, auf der sich die „Großen Drei“ zum berühmten Gruppenphoto niederließen, genauer gesagt, aufgestellt wurden (den Roosevelt mußte immer getragen werden). Das Gruppenbild steht in der Tradition mittelalterlicher Trinitätsikonographie und soll die Botschaft vermitteln: Große Männer machen Geschichte. Wenn ich das Bild sehe, dann interpretiere ich es reflexartig als ein Vexierbild: Wo ist der Vierte? Der vierte der großen Kriegsverbrecher? II bnlle par son absence. (Er war im „Führerbunker“ in Berlin und hatte nur mehr zweieinhalb Monate zu leben – Roosevelt nur mehr einen Monat.) Diese vier Männer, diese vier Großverbrecher – „little, ignorant men with great power“ -, haben den mittleren Teil des 20. Jahrhunderts, des Jahrhunderts der Kriege, geprägt. (Karl Popper habe ich öfters sagen gehört: Political history is the history oi crimes and mass murder.) Allerdings fehlte bei den großen Verbrechern auch ein französischer Repräsentant, Clemanceau hätte wohl in die Verbrechergalerie hinein gepaßt, allerdings gehörte er zur ersten manifesten Phase. Schließlich waren die Franzosen die wichtigsten Kriegstreiber für diese Periode des „Dreißigjährigen Krieges 1914-1945″, eine notwendige Bedingung. In der zweiten manifesten Phase des Krieges hatten sie nichts mehr zu sagen, nachdem sie in sechs Wochen besiegt worden waren. Von den „Großen Nationen“ von damals ist nur Amerika übrig geblieben, das (noch) der Hegemon ist; alle anderen sind zweit- und drittrangig geworden – im nahe Hafen von Sewastopol rostet heute die einst legendäre sowjetische Schwarzmeerflotte.
Erst allmählich habe ich einen Überblick über die kleinen Männer mit großer Macht gewonnen, von denen die Geschicke der vielen Millionen kleiner Leute abhingen: Zuerst war ich überzeugt, Hitler sei der böse Teufel gewesen, der alles Unheil angerichtet hatte, und erst spät sah ich ein – abgesehen davon, daß monokausale Erklärungen in der Geschichte immer falsch sind -, daß er nur einer unter einer Anzahl von Verbrechern war und vor allem, daß die Persönlichkeiten, die auch heute noch von den politisch korrekten Gutmenschen hochgehalten und quasi verehrt werden, in Wirklichkeit zum Großverbrecherclub gehörten…“

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Gerard Radnitzky „Das verdammte 20. Jahrhundert – Erinnerungen und Reflexionen eines politisch Unkorrekten“ – Georg Olms Verlag Hildesheim • Zürich • New York 2006

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Ein Kommentar zu 4. Februar – Konferenz von Jalta

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