Woanders gelesen: Zur Segnung homosexueller Paare

Schaut auf Karl Lwanga und seine Gefährten!

Eine hagiografische Antwort auf die Forderung nach der Segnung homosexueller Paare

Karl Lwanga (* 1865 in Bulimu in Uganda; † 3. Juni 1886 in Namugongo) war ein ugandischer Märtyrer. Karl Lwanga und seine Gefährten werden in der katholischen wie in der anglikanischen Kirche als Heilige verehrt. Die evangelisch-lutherische Kirche von Amerika betrachtet sie als denkwürdige Glaubenszeugen. Foto: Rachel Strohm

von Dr. Markus Büning

 Nach der Einführung der der sogenannten „Ehe für Alle“ durch den Deutschen Bundestag im Sommer letzten Jahres kommt in unserer Kirche immer mehr die Forderung auf, homosexuelle Partnerschaften nun auch kirchlich durch eine Segenshandlung anzuerkennen. Jüngst machte in dieser Hinsicht Bischof Bode von Osnabrück solch einen Vorstoß. Die Frage, die sich dem gläubigen Katholiken nun aber stellt ist folgende: Kann man denn Handlungen segnen, die nach der Lehre des Katechismus in objektiver Hinsicht immer als schwer sündhaft anzusehen sind? Ich meine, dass man angesichts des derzeitig geltenden Weltkatechismus hier nur zu einer Lösung kommen kann: NEIN!

Bevor das Augenmerk auf den Katechismus der Kirche gelenkt werden soll, möchte ich auf eine Erklärung der Glaubenskongregation aus dem Jahr 2003, welche ausdrücklich vom hl. Papst Johannes Paul II. gutgeheißen wurde, hinweisen. Diese Erklärung wurde am 3. Juni 2003, dem Gedenktag der heiligen Märtyrer Karl Lwanga und Gefährten veröffentlicht. Warum ausgerechnet dieses Datum gewählt worden ist, werden wir noch sehen. Nach diesem lehramtlichen Dokument der Kirche ist es katholischen Parlamentariern nicht erlaubt, naturrechtswidrigen Gesetzen zuzustimmen. Dort heißt es:

Wird der gesetzgebenden Versammlung zum ersten Mal ein Gesetzesentwurf zu Gunsten der rechtlichen Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften vorgelegt, hat der katholische Parlamentarier die sittliche Pflicht, klar und öffentlich seinen Widerspruch zu äußern und gegen den Gesetzesentwurf zu votieren. Die eigene Stimme einem für das Gemeinwohl der Gesellschaft so schädlichen Gesetzestext zu geben, ist eine schwerwiegend unsittliche Handlung. Wenn ein Gesetz zu Gunsten homosexueller Lebensgemeinschaften schon in Kraft ist, muss der katholische Parlamentarier auf die ihm mögliche Art und Weise dagegen Einspruch erheben und seinen Widerstand öffentlich kundtun: Es handelt sich hier um die Pflicht, für die Wahrheit Zeugnis zu geben.[1]

Nach dieser Erklärung war schon die gesetzliche Einführung der sogenannten eingetragenen Lebenspartnerschaft in moraltheologischer Hinsicht als verwerflich anzusehen. Für das nun geltende Gesetz über die sogenannte „Ehe für Alle“ gilt das erst recht! Man fragt sich nach diesen klaren römischen Aussagen schon, ob es überhaupt noch überzeugte Katholiken in unserem Bundestag gibt bzw. zum Zeitpunkt solcher Beschlüsse gegeben hat. Von einem Protest gegen solche Gesetze habe ich jedenfalls nichts mitbekommen. Auch die sogenannten „C“-Parteien sind hier aufgrund des Zeitgeistdruckes eingeknickt. Es ist schon skandalös, dass ein großer Teil von Politikern, die sich angeblich dem christlichen Menschenbild verpflichtet wissen, einem Gesetz zugestimmt haben, welches im Kern der von Gott gesetzten Schöpfungsordnung des aufeinander Hingeordnet- und Bezogenseins von Mann und Frau zuwider läuft.

Wie ist nun die Forderung nach der Segnung homosexueller Paare vor dem Hintergrund der kirchlichen Lehre zu beurteilen? Bevor dieser Frage eingehend nachgegangen werden soll, möchte ich folgendes zu bedenken geben: Glaubt man denn allen Ernstes, dass die betroffenen homosexuellen Paare, die vor dem Standesamt eine „Ehe“ eingegangen sind, sich mit dieser katholischen Ehe-light (weil nur eines Segens würdig, weil sie eben keine Trauung sein soll!) zufrieden gäben. Indem die Kirche dann „nur“ mit dem Segen käme, läge aus deren Sicht weiterhin eine ungerechtfertigte Diskriminierung vor. Meines Erachtens ist ein solcher Vorschlag geradezu zynisch und gegenüber den Homosexuellen auch unredlich. Bereits vor diesem Hintergrund halte ich die Forderung für wenig plausibel.

Schauen wir nun auf die lehramtlichen Grundlagen, die sich zum Thema der Homosexualität äußern. Hierbei soll der Versuch unternommen werden, die Konsequenzen für unsere Fragestellung herauszuarbeiten: Im geltenden Weltkatechismus der Katholischen Kirche (vgl. KKK Nr. 2357-2359)[2] heißt es zur Homosexualität wie folgt. Im Folgenden wird der Katechismus im Wortlaut kursiv zitiert und von mir kurz erläutert:

2357 Homosexuell sind Beziehungen von Männern oder Frauen, die sich in geschlechtlicher Hinsicht ausschließlich oder vorwiegend zu Menschen gleichen Geschlechtes hingezogen fühlen. Homosexualität tritt in verschiedenen Zeiten und Kulturen in sehr wechselhaften Formen auf. Ihre psychische Entstehung ist noch weitgehend ungeklärt. Gestützt auf die Heilige Schrift, die sie als schlimme Abirrung bezeichnet (vgl. Gen 19, 1–29; Röm 1, 24–27; 1 Kor 6,9–10; 1 Tim 1,10), hat die kirchliche Überlieferung stets erklärt, ‚daß die homosexuellen Handlungen in sich nicht in Ordnung sind‘ (CDF, Erkl. „Persona humana“ 8). Sie verstoßen gegen das natürliche Gesetz, denn die Weitergabe des Lebens bleibt beim Geschlechtsakt ausgeschlossen. Sie entspringen nicht einer wahren affektiven und geschlechtlichen Ergänzungsbedürftigkeit. Sie sind in keinem Fall zu billigen.

Die Kirche ist aufgrund des biblischen Befundes und naturrechtlicher Überlegungen der Auffassung, dass homosexuelle Handlungen objektiv immer als schwer sündhaft einzustufen sind. Der Grund für diese moraltheologische Bewertung ist v.a. die schöpfungstheologische Dimension menschlicher Sexualität. Gott hat den Menschen in seiner Bezogenheit von Mann und Frau erschaffen. Im Einswerden von Mann und Frau manifestiert sich die Liebe der Gatten zueinander und die grundsätzliche Bereitschaft, an der Weitergabe des Lebens, am Schöpferhandeln Gottes teilzuhaben. Genau dies können homosexuelle Paare in ihren Akten eben nicht. Die homosexuelle Sexualität ist eben per naturam nicht dazu geeignet, diese Teilhabe am Schöpfungswerk zu leben.

2358 Eine nicht geringe Anzahl von Männern und Frauen haben tiefsitzende homosexuelle Tendenzen. Diese Neigung, die objektiv ungeordnet ist, stellt für die meisten von ihnen eine Prüfung dar. Ihnen ist mit Achtung, Mitgefühl und Takt zu begegnen. Man hüte sich, sie in irgendeiner Weise ungerecht zurückzusetzen. Auch diese Menschen sind berufen, in ihrem Leben den Willen Gottes zu erfüllen und, wenn sie Christen sind, die Schwierigkeiten, die ihnen aus ihrer Verfasstheit erwachsen können, mit dem Kreuzesopfer des Herrn zu vereinen.

Die Kirche will auf keinen Fall, dass Menschen mit dieser Neigung ausgegrenzt und diskriminiert werden. Jeder homosexuelle getaufte Mensch hat Anteil an der Berufung des Christenmenschen wie jeder andere Christ auch. Hier gibt es eben keinen Unterschied! Die Menschenwürde ist unteilbar. Die Kirche kommt aber nicht umhin, in objektiver Hinsicht ihr Unwerturteil über homosexuelle Praktiken auszudrücken. Die Gründe ergeben sich aus der zuvor genannten Passage. Ganz anders ist allerdings die Frage der subjektiven Zurechnung zu beurteilen! Keinem steht es zu, sich hier ein Urteil zu erlauben. Genau dies hat ja auch Papst Franziskus in diesem Zusammenhang gesagt: „Wer bin ich, zu urteilen?“. Der Papst hält hierbei allerdings ganz ausdrücklich an den Vorgaben des Katechismus fest. Dies ist die Haltung des Hl. Augustinus, der uns allen diese Mahnung mit auf den Weg gibt: „Hasse die Sünde, aber liebe den Sünder!“ und die stete Mahnung des Herrn an uns alle, auf seinen eigenen Balken im Auge zu achten und nicht sich am Splitter des anderen zu ergötzen (vgl. Mt 7,3). Keiner von uns hat das Recht, sich über die hier betroffenen Menschen zu erheben. Die Gründe, wieso Menschen zu dieser Lebensweise kommen, kennen wir nicht. Jeder hat seine geheimnisvolle Geschichte, die es zu achten gilt. Aber, die Kirche muss sagen dürfen, wenn eine Handlung in objektiver Hinsicht dem Gesetz Gottes zuwider läuft. Tut sie dies nicht, wird sie ihrem Lehrauftrag, auch in Fragen der Moral die Völker zu unterweisen, nicht gerecht.

2359 Homosexuelle Menschen sind zur Keuschheit gerufen. Durch die Tugenden der Selbstbeherrschung, die zur inneren Freiheit erziehen, können und sollen sie sich – vielleicht auch mit Hilfe einer selbstlosen Freundschaft –, durch das Gebet und die sakramentale Gnade Schritt um Schritt, aber entschieden der christlichen Vollkommenheit annähern.

Mit dieser Ziffer bietet der Katechismus eine Problemlösung an, die homosexuellen Menschen hilft, im Einklang mit den Geboten Gottes zu leben: Die Berufung zur Keuschheit! Das ist für viele Menschen, die in der Selbstverwirklichung die oberste Priorität sehen, eine schwere Kost. Aber die Kirche muss dies so aussprechen, da sie davon überzeugt ist, dass das Ausleben homosexueller Sexualität die Gefahr mit sich bringen kann, das Seelenheil zu gefährden. Übrigens: Wir alle sind zur Keuschheit gerufen. Dies ist keine „Last“, die man einer bestimmten Gruppe auferlegt. Nein, das ist der Weg der christlichen Freiheit, der die Sexualität nicht als Götzen missversteht und darum weiß, dass die Triebe in Bahnen geordneter Sexualität geleitet werden müssen. Diese Berufung teilen alle Christen. Und dann noch eines: Wie viele, die von sich glaubten, dass sie homosexuell seien, haben erlebt, dass sie doch noch ein Ausleben ihrer Sexualität in der Ehe zwischen Mann und Frau als großes Gnadengeschenk für ihr Leben empfangen durften? Genau diese Möglichkeit der Bekehrung wird von der mitunter sehr aggressiv auftretenden Homo-Lobby negiert. Aber nach christlichem Verständnis ist die Umkehr immer möglich. Auch das kann Hoffnung machen, genau darum zu beten und Menschen zu Rate zu ziehen, die einem dabei helfen, diesen Weg der Umkehr gehen zu können.

Aber nicht nur der Katechismus, nein auch das Leben der Heiligen gibt eine eindeutige Antwort auf die Frage, wie homosexuelle Akte moraltheologisch einzuordnen sind. Nun kommen wir zu dem Leben der Ugandischen Märtyrer, die ihr Blut gerade dafür vergossen haben, weil sie nicht bereit waren, den sexuellen Ausschweifungen ihres Königs in der Praxis Folge zu leisten. Ja, es gibt Menschen, die für die Keuschheit ihr Leben gegeben haben. Warum? Weil sie darum wussten, wie gefährlich das Leben in Unkeuschheit für das anzustrebende Seelenheil sein kann. Sie wussten um die unbedingte Geltung des göttlichen Gesetzes. Das war auch der Grund dafür, dass die eingangs zitierte römische Erklärung als Datum der Veröffentlichung den Gedenktag eben dieser Heiligen wählte. Wer waren nun Karl Lwanga und seine Gefährten? Hören wir zunächst auf die kurze Lebensbeschreibung des Kalenderblattes auf der Internetseite des Erzbistums Freiburg:

Während christliche Missionare unter König Mutesa I. in Uganda noch relativ unbehelligt ihren Aufgaben nachgehen konnten, kam es unter der Regentschaft seines Sohnes Mwanga II. (1884–88) zu brutalen Christenverfolgungen, zu deren insgesamt über hundert Opfern auch Karl Lwanga und seine Gefährten zählten.

Karl wurde 1865 in Bulima (Uganda) geboren und erhielt am 15. November 1885 das Sakrament der Taufe. Er diente als hochrangiger Page am Hof Mwangas II. und brachte etlichen der ihm untergebenen Pagen den christlichen Glauben nahe und beschützte sie vor den Zudringlichkeiten des Herrschers. Ein Minister des Königs bezichtigte die Christen am Hof schließlich eines Komplotts gegen den Monarchen, woraufhin die Gruppe um Karl (unter ihnen auch Bruno Serenkuma, ein Bruder des Königs) eingekerkert wurde. Die Gefangenen ließen trotz Folter nicht von ihrem Glauben ab. Karl spendete seinen Gefährten Trost und betete mit ihnen; einige empfingen in der Nacht vor ihrem Tod die Taufe durch Karl. Am 3. Juni 1886 wurde Karl Lwanga mit zwölf Gefährten (Achileo Kiwanuka, Ambrosio Kibuuka, Anatoli Kiriggwajjo, Bruno Serunkuuma, Gyaviira, Kizito, Lukka Baanabakintu, Mbaga Tuzinde, Mugagga, Mukasa Adolofu Ludigo, Mukasa Kiriwawanvu und Yakobo Buuzabalyawo) auf dem Berg Namugongo bei lebendigem Leibe verbrannt.

1920 sprach Papst Benedikt XV. Karl Lwanga und seine Gefährten selig. Im Rahmen des Zweiten Vatikanischen Konzils erfolgte am 18. Oktober 1964 die Heiligsprechung durch Papst Paul VI.“[3]

Man merkt an dieser zurückhaltenden Schilderung, dass die Dinge nicht mehr so ganz offen angesprochen werden. Hintergrund scheint hier die Angst zu sein, die Dinge klar beim Namen zu nennen. Das ist schon traurig. Nach dieser Schilderung beschützte der Anführer der Gruppe, der Hl. Karl Lwanga, die anderen Hofpagen vor den „Zudringlichkeiten“ des Königs. Das ist eine sehr verharmlosende Sicht der Dinge! Um welche Form der Zudringlichkeit handelte es sich denn hier? Deutlicher ist da schon das Kalenderblatt der Erzabtei Beuron:

Karl wurde 1865 in Bulimu (Uganda) geboren, 1885 getauft. In der Christenverfolgung des Königs Mwanga wurden er und zwölf Freunde, Pagen am Königshof, lebendig verbrannt, weil sie sich den perversen Wünschen des Königs widersetzten. Karl wurde 1934 zum Patron der Katholischen Aktion der Jugend Afrikas erklärt. 1964 wurde er zusammen mit seinen zwölf Freunden und weiteren afrikanischen Märtyrern heiliggesprochen.[4]

Hier ist ungeschminkt von der Gegenwehr gegen die „perversen Wünsche des Königs“ die Rede. Das Martyrologium Romanum spricht von „obszönen Forderungen“ des Königs. Gemeint sind damit die homosexuellen Begierden des damals 20jährigen Königs. Weil die Gruppe der jungen Männer um Karl Lwanga sich diesen Wünschen des Königs eben nicht gefügig machen wollten, mussten sie den qualvollen Martertod durch Verbrennen erleiden. Diese jungen Männer hätten am Hof des Königs ein Leben in Wohlstand führen können, wenn sie sich gegenüber dem sexuellen Verlangen ihres Herrschers gefügig gezeigt hätten. Genau dies verweigerten sie aber, weil sie darum wussten, dass eine solche Lebensweise dem Gebot Gottes widerspricht. Genau diese Märtyrergeschichte hatte die Glaubenskongregation vor Augen, als sie im Jahr 2003 am Gedenktag eben dieser Heiligen die oben angeführte Erklärung veröffentlichte.

Auch wir scheinen wieder in derselben Situation zu leben! Warum? Diesmal ist es nicht das Verlangen eines absolutistischen Herrschers, nein es ist das Verlangen einer libertären Wohlstandsgesellschaft, die unter dem Deckmantel der Humanität versucht, in sich ungeordnete Handlungen als dem ehelichen Akt zwischen Mann und Frau ebenbürtig hinzustellen. Die Dinge sind heute viel sublimer und daher viel gefährlicher. Es soll den Menschen weisgemacht werden, dass es die von Gott vorgesehene Ordnung sexueller Handlungen gar nicht gibt. Letztlich ist dies alles der konsequente Auswuchs eines praktischen Atheismus, der nun in unserer Gesellschaft tonangebend zu sein scheint. Traurig ist es, dass dieses Gift praktischer Gottesleugnung auch in der Kirche schleichend einzudringen scheint. Der selige Papst Paul VI. sprach ja schon vor Jahrzehnten davon, dass „Satans Rauch“ in die Kirche eingedrungen sei.

Lassen wir uns doch bitte von der Wucht des gegenwärtigen Mainstreams nicht einschüchtern. Nehmen wir uns den Mut eines Karl Lwanga vor Augen und widersprechen in aller Deutlichkeit jedwedem Versuch, die schöne Ordnung, die Gott in seine Schöpfung gelegt hat, zu zerstören. Schließen möchte ich mit einem Blick in die Ökumene. Ganz eindrucksvoll fand ich in diesem Zusammenhang die klare Stellungahme des leitenden Bischofs Voigt von der Selbständig Evangelisch-Lutherischen Kirche in Deutschland, der die Dinge am Vorabend des Gesetzesbeschlusses zur sog. „Ehe für Alle“ meines Erachtens nach ganz treffend auf den Punkt brachte:

„‘Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.‘ (Apostelgeschichte 5,29) Ja, demokratisch beschlossene Gesetze haben natürlich auch für lutherische Christinnen und Christen eine unbedingte Gültigkeit. Jedoch hat jede staatliche Ordnung ihre Grenze an der Gewissensbindung des Einzelnen an Gott. Auch Mehrheiten können irren, dies sollten wir nicht vergessen. So wird die sehr einfache Wahrheit, dass bis zum Ende der Zeit ein Mann und eine Frau zusammenkommen und ein Kind zeugen, am besten natürlich in lebenslanger Liebe und Verantwortung füreinander, durch kein Gesetz der Welt abzuschaffen sein.“[5]

Dieser Bewertung ist auch aus katholischer Sicht nichts hinzuzufügen. Ich hätte mir gewünscht, dass sich unsere Bischöfe im Vorfeld der Abstimmung ebenso klar geäußert hätten. Dies ist ein schönes Beispiel, wie hilfreich der Blick in die Ökumene sein kann. Dieser Seitenblick ist zudem umso beeindruckender, weil nach lutherischem Verständnis die Ehe nur ein „weltlich Ding“ ist.

Wir Katholiken müssen hier noch mit einer viel größeren Ehrfurcht an das Thema herangehen, ist die Ehe doch nach unserem Verständnis ein von Jesus Christus eingesetztes Sakrament der Kirche. Nach alldem Gesagten ist eine Forderung des kirchlichen Segens für homosexuelle Paare eindeutig abzulehnen. Wir müssen Gott eben mehr gehorchen als den Menschen. Heiliger Karl Lwanga, erbitte uns vor Gottes Thron diesen Mut des Widerstandes gegen alle Versuche, das Gesetz Gottes mit Füßen zu treten!

[1]

http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_20030731_homosexual-unions_ge.html.

[2] Zit. nach Katechismus der Katholischen Kirche. Neuübersetzung aufgrund der Editio Typica Latina, München 2005.

[3] http://www.erzbistum-freiburg.de/html/heilige/heiliger.html?t=ee40f33b35fcbc9997543fb87c30e626&tto=&&id=591.

[4] http://www.erzabtei-beuron.de/schott/register/proprium.kal/schott_anz/index.html?file=proprium/Juni03.htm.

[5] http://selk.de/index.php/newsletter/2307-stellungnahme-ehe-fuer-alle-29-06-2017

1933 – 1968 – 2018

Ein Deutsches Kontinuum

 

Das Lutherjahr haben wir hinter uns, nun dräut uns das „Gedenken“ an Karl Marx, dessen Geburtstag sich 2018 zum 200. Male jährt; und vor allem das 50-Jahre-Jubiläum der sog. 68er-Revolution.

Was hat das mit 1933 zu tun? Und worin zeigt sich da ein Kontinuum?


1968

 

1968, damit verbinden sich in erster Linie der studentische Protest und in dessen Gefolge die sozialistischen Umsturzversuche, die seinerzeit (und in gewissem Grade bis heute) die Bundesrepublik erschütterten. Begonnen hatte das, was sich dann als „Bewegung“ bezeichnen sollte, bereits 1967 mit den gewaltsamen Ausschreitungen am 2. Juni. Im Rahmen der Proteste gegen den Staatsbesuch des persischen Schahs kam es in West-Berlin zu Schlägereien mit der Polizei, wobei der Student Benno Ohnesorge von dem später als Stasi-Spitzel entlarvten Kriminalobermeister Karl-Heinz Kurass mit einem gezielten Schuss in den Hinterkopf getötet wurde. Daraufhin verbreitete und radikalisierte sich die bereits in den 1960er Jahre bestehende Westdeutsche Studentenbewegung. Die später gegründeten Terrorgruppen Rote Armee Fraktion und Bewegung 2. Juni bezogen sich auf diese Tat. Der eigentliche Beginn der radikalen Begegnung, der 68er Revolte, wird dann auf das Attentat auf den Studentenführer Rudi Dutschke vom 11. April 1968 zurückgeführt.

Unter dem Schlagwort 68er-Bewegung werden internationale und politisch linksgerichtete Bürgerrechtsbewegungen zusammengefasst, wobei das Geschehen in Deutschland sich deutlich von den „Bewegungen“ z.B. in den USA, Italien oder Frankreich unterschied. Für Deutschland wurden Ursache und Ausdehnung dieser „Bewegung“ gerne plakativ so zusammengefasst: Als Auflehnung gegen die verstaubte und angeblich im Kern noch „faschistisch“ geprägte „Restaurations-“ und Adenauerzeit und sie wird von einigen Publizisten bemüht auf alle acht Millionen Deutschen der Jahrgänge 1940 bis 1950 bezogen.

Es geht hier zunächst um den linksradikalen Protest und Aktivismus von Studenten und einigen „nichtakademischen“ Radikalen in deren Dunstkreis, wie z.B. der Taxifahrer und spätere Außenminister Joschka Fischer. Worum es der „Bewegung“ im Einzelnen ging, kann hier nicht allumfassend dargelegt werden.
Die Vorstellungen gingen im Harmlosesten nur um Universitäts- und Bildungsreformen, im Schädlichsten bis hin zum gewalttätigen Umsturz des Staates und der Gesellschaft in eine sozialistische Räterepublik. Letzteres gelang den Lenin-, Mao-, Ho Tschi Minh-, Che-Guevara- und Pol-Pot-Apologeten zwar nicht,  wenngleich man bereits im Juni 1967 Konferenzen abhielt mit schon konkreten Vorstellungen von einer Machtergreifung in Westberlin (Pichelsdorf-Konferenz). Das „Harmlosere“ sollte sich jedoch bis heute auswirken mit seiner kontinuierlichen Zerstörung der deutschen Universität und der Destruktion eines einst international hochangesehenen deutschen Bildungssystems.
Die geplante radikale Zerschlagung des bundesdeutschen Staatsapparates ist zwar nicht gelungen, das Land wurde aber in eine Bildungs- und Wissenschaftskatastrophe geführt und peu a` peu unter dem Signum des „Antifaschismus“ ein gesellschaftliches Klima aufgebaut, das sich inzwischen gegen unsere geistige und politische Freiheit wendet.

Es gibt eine kontroverse Rezeption der 68er Bewegung und ihrer Folgen unter den damaligen „Kämpfern“. Exemplarisch dafür ist ein Interview in der taz mit dem Historiker Götz Aly und der „Publizistin“ Katharina Rutschky. Der eine mit einer kritischen Bearbeitung, die andere mit verklärter Sicht und die sich für noch besonders avantgardistisch hielt mit einem Blick gegen „diesen grauenhaften DDR-Sozialismus“.
Götz Aly in der taz: „... all die Befreiungsschriften von damals sind Müll, unerträglich. Nicht nur die Theorie, auch die Schriften zu den Kinderläden. Es steht kein vernünftiger Satz drin, nichts, was man heute noch mit Gewinn lesen könnte.
Rutschky hat dafür nur den Vorwurf parat: “Sie versuchen mit historischen Lektüren post festum auf der Basis eines schlechten Gewissens ein Fortleben des Faschismus im deutschen Sozialcharakter nachzuweisen.
Aly: „Die Studenten fielen in den Totalitarismus zurück, in die Spurrillen unserer Dreiunddreißiger-Eltern, die ja auch schon eine Studentenbewegung ins Werk gesetzt hatten, die mit ähnlichen Methoden operierte hatten. Die „Bewegung“ – ein widerliches Naziwort – denunziert die ernsthaften Reformer als „Scheißliberale“. Deshalb hat die Studentenbewegung für die Liberalisierung der Republik eher einen verlangsamenden Effekt als einen beschleunigenden.
Womit wir bei 1933 wären.


1933

Der linke Götz Aly hatte schon mit seinem Buch „Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus“ einen Tabubruch begangen, indem er „in der Struktur der nationalsozialistischen Steuer- und Sozialpolitik ein linkssozialdemokratisches Grundmuster“ erkannte. In einem weiteren Buch „Unser Kampf 1968 – ein irritierter Blick zurück“ belegt er mit Quellenvergleichen, wie frappant der „Kampf“ der 68er Studenten nicht nur in der Hochschulpolitik jenem der „Dreiunddreißer“, der NS-Studenten vor und um 1933 gleicht.

Die nationalsozialistische Studentenrebellion nannte sich ebenfalls „Studentenbewegung“. Der Titel des „Kampfblattes des Nationalsozialistschen Deutschen Studentenbundes“ lautet ab 1930 „Die Bewegung“. (Man beachte, wie die „Bewegung“ von 1968 sich in Frauen-, Anti-AKW-, Schwulen-, Kinderladen-, Friedensbewegung, usw. – vulgo in die sogenannten „sozialen Bewegungen“ der späten Bundesrepublik verästelte.)

Die Kultband der 68er nannte sich „Ton, Steine, Scherben“.
Schon 1932 schmetterten die Nazi-Studenten den Barrikaden- und Demonstrationsschlager „Wir werden weiter marschieren/ wenn alles in Scherben fällt.“

Götz Aly zielt nicht auf die Gleichsetzung von Rot und Braun schreibt er, vielmehr ginge es ihm darum „die Ähnlichkeiten der Mobilisierungstechnik, des politischen Utopismus und des antibürgerlichen Impetus herauszuarbeiten.

Man vergleiche z.B. folgende Texte.
Der 23-jährige Baldur von Schirach, damals Reichsführer des NS-Studentenbundes schrieb 1930: »Wir hassen den Spießer. Sein geliebtestes Wort ist >Ruhe und Ordnung<. Wenn er eine Festrede hält, wird er patriotisch und schwenkt begeistert seinen Bierkrug. Im Übrigen ist er für >friedliche Entwicklung< und angenehmen Dauerschlaf auf der Ofenbank. Er trägt – körperlich wie seelisch – Filzpantoffeln. [… ] Während der Revolution sitzt er im Keller seines Hauses, ist sie vorüber, steht er auf dem Boden der Tatsachen.«
Dazu das Gedicht »Mitläufer« des „68er“ Friedrich Christian Delius, abgedruckt 1968 im Kursbuch 15: »Er entwickelt eine Art Frömmigkeit, / Die hockt und horcht auf irgendeine Gelegenheit / Zur braven Tat, um dann ganz hingerissen / Sich auszuruhn auf schon bekannten Kompromissen. / Keiner spuckt ihm ins Bier, drum fühlt er sich stark. / Kein Wasser werfer traf ihn, und sonntags im Park / Machten nichtsnutzige Rentner ihn immer sensibler, / Machten Zeitungen die Umwälzung täglich plausibler.«

Die Nazistudenten von 1933 feierten den Abschied vom bürgerlichen Individualismus und sahen sich an einer Zeitenwende: „Dieser Übergang von der Ich-Zeit zur Wir-Zeit ist das Wesen der großen Revolution des 20. Jahrhunderts.“, „die letzte Lebensfrist des Liberalismus (ist) abgelaufen“.
Die Achtundsechziger hatten es ebenfalls auf die „Scheißliberalen“ abgesehen.

Wie die 68er hatten sich die 33er gegen die „Professoren-Universität“ ausgerichtet und für eine Hochschulreform eingesetzt. Die Forderungen der Nazi-Studenten dazu lauteten 1932 neben der Errichtung von Lehrstühlen für Rassen- oder Wehrkunde auf »Berechtigung der Studentenschaft, zu Berufungen Stellung zu nehmen, Änderung der Prüfungs- und Studienordnung, Staffelung der Hörgelder nach dem Einkommen der Eltern und den Numerus clausus. Wir fordern den Ausbau der Selbstverwaltung der Studentenschaft und stärkere Einflussnahme auf die Studentenhilfe.«
Die 68er Attitüde mit Herabsetzung und Lächerlichmachung der Professoren und Wissenschaftler hat eine 33er Tradition.
Es gab Karikatur-Kampfpostkarten“ mit deren Hilfe Professoren mundtot gemacht werden sollten. Goebels hatte schon 1929 die wissenschaftliche Arbeit der Professoren als Produktion von „Buch- und Afterweisheit“ ins Lächerliche gezogen und einen Sturz der „alten Altäre“ gefordert und „den alten Menschen in Hirn und Herzen“ auszurotten. Schlussendlich forderten bereits die NS-Studenten: „Machen Sie Revolution in sich! Das Ende wird der neue Mensch sein!
Schon 1931 beklagten die militanten Nazi-Studenten wie ihre 68er Epigonen „Unerhörte Polizeischikanen gegen deutsche Studenten“, „Der Gummiknüppel wütet“ nach Versuchen der braunen Jungakademiker, in Heidelberg einen nicht gern gesehenen Professor als unerwünschten Juden und Sozialdemokraten mit physischer Gewalt vom Campus zu treiben.
Das erlebten deutsch-jüdische Professoren wie Ernst Fraenkel oder Richard Löwenthal in ihrer akademischen Karriere in Deutschland zweimal: zuerst nach 1933 bei den Nazis und dann nach Rückkehr aus der Emigration ein zweites Mal 1968 in der Bundesrepublik.

Götz Aly weist auf eine verblüffende Gleichartigkeit in der Sprache der Nazi- wie der 68er Propagandisten hin. NS-Studentenfunktionäre beherrschten bereits damals den völlig neuen und „geschmeidigen“ Gender-Ton. Baldur von Schirach leitete seine Reden bereits mit dem verbindlichen „Meine deutschen Studenten und Studentinnen! Volksgenossen und Volksgenossinnen!“ ein und man sprach bereits 1933 von „Studierenden“ anstelle von „Studenten“.
Das mag eine etwas herbeigeholte Petitesse sein, aber soll uns dienen, auf 2018 überzugehen.


2018

Für das Ausbreiten der Unwissenschaftlichkeit an den Universitäten, deren Niedergang als Folge der 68er Revolution, kann man durchaus auch den Genderismus, die durch nichts gerechtfertigte inflationäre Verbreitung und öffentlich Förderung von Gender-“Wissenschaft“ als Beleg ansehen.
Nach 68 begann eine Überflutung der Universitäten mit sozialwissenschaftlichen Lehrstühlen, die in keinem Verhältnis zur Notwendigkeit oder einem angenommen Bedarf steht. Das akademische „Lumpenproletariat“ – man konnte nach 1968 ohne je eine Dissertation oder Habilitationsschrift verfasst zu haben an den von den 68ern erbeuteten Hochschulen und Instituten ohne weiteres eine Professur erhalten – hat sich selbst, wie in einer Parthenogenese bis heute fortgepflanzt.
Die deutschen Universitäten haben Soziologen, Politologen, Historiker, Germanisten, Pädagogen usw. in einer entgegen den Bedarf gegebenen Anzahl erzeugt, dass denen nichts anderes verblieb, als im öffentlich alimentierten Universitäts- oder „Forschungs“-Bereich unterzukriechen oder das erlernte Wissen – oder sollte man besser sagen, die angeeignete Ideologie – über eine Mainstream-Zeitung oder den öffentlich rechtlichen Rundfunk zu verbreiten.
Das Aufkommen der political correctness ist wiewohl mit der 68er Revolte verbunden.

Rudi Dutschke hat den“langen Marsch durch die Institutionen“ propagiert.
2018 haben sie den Staat, Medien und auch die Wirtschaft – oder dieser nahestehende Institutionen – okkupiert. Nicht etwa über die Partei „Die Linke“, sondern über die SPD und die Grünen, die von einer absterbenden CDU in Koalitionen und in Regierungsämter eingeladen wurden und werden.
20 % der Grünen haben ihren Ursprung in den aus der 68er Bewegung entstandenen kommunistischen Splittergruppen, den sog. K-Gruppen: der „Kommunistische Bund (KB)“, der „Kommunistische Bund Westdeutschland (KBW)“, die „Kommunistische Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten (KPD/ML)“, der „Kommunistische Arbeiterbund Deutschlands (KABD)“ und die „Kommunistische Partei Deutschlands/Aufbauorganisation (KPD/AO)“.


Mitglied im KB waren z. B. Angelika Beer (2002-2004 Vorsitzende der Grünen), Thomas Ebermann früherer Repräsentant des „öko- sozialistischen Flügels“ der Grünen, Ulla Jelpke (Mitbegründerin der Hamburger Grün–Alternativen), Jürgen Trittin, seit 1980 Mitglied der Grünen, ehemaliger Bundesumweltminister und Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag.
Bekannte ehemalige Mitglieder des KBW waren u. a. Michael Sommer (früherer DGB-Bundesvorsitzender), Reinhard Bütikofer (ehem. Bundesvorsitzender der Grünen und MdEP), Ralf Fücks (früherer Bremer Umweltsenator und derzeit Vorstands- vorsitzender der Heinrich Böll-Stiftung der Grünen), Winfried Kretschmann (jetzt „grüner“ Ministerpräsident in Baden-Württemberg), Krista Sager (ehem. Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Grünen), Ulla Schmidt (jetzt SPD und ehem. Bundesgesundheitsministerin).
Aus der KPD/AO-Massenorganisation „Liga gegen den Imperialismus“ kam Antje Vollmer (Grüne, ehem. Bundestagsvizepräsidentin).
Kommunistischen Radikalinskis gelangten zu den Grünen und zur SPD und über diesen Hebel bis in höchste Staatsämter.

Vor einigen Jahren fragte der Spiegel „Warum sind soviel Journalisten politisch links“ und bezog sich auf eine kurz zurückliegende Umfrage, welche ergab, dass 35,5 % mit den Grünen und 26 % mit der SPD sympathisieren. Ein journalistisches Linkskartell mit über 61% Sympathisanten.
Daran dürfte sich 2018 nicht viel geändert haben.
Verbunden damit ist ein Niedergang des freiheitlichen Journalismus in Deutschland; nicht von ungefähr hat für den sich selbst so nennenden „Qualitätsjournalismus“ sich das böse Wort von der Lügenpresse und vom Staatsfunk herausgebildet.

Unter der Firmierung des Antifaschismus oder des „Kampfes gegen Rechts“ der 68er Geist auch unter Studenten wieder radikal aufgekommen.
Professoren werden heute vorwiegend über die sozialen Medien angegriffen und diffamiert, aber auch mittels direkter „Aktionen“ werden wieder Vorlesungen und Seminare gesprengt. Dazu sei an die Vorkommnisse um die beiden Berliner Politologie-Professoren Herfried Münkler und Jörg Barberowski und den Dresdner Professor Werner Patzelt erinnert.
In Leipzig demonstrierten Studenten gegen den Jura-Professor Thomas Rauscher wegen angeblicher fremdenfeindlicher Äußerungen und forderten dessen Entlassung.
In Würzburg probten „Studierende“ den Aufstand gegen eine Professorin, die das Tragen des Kopftuches einer Studentin in ihrer Vorlesung missbilligte.

Das mutet noch bescheiden an gegenüber dem „furor teutonicus“ von 1968 und die folgenden Jahre. Auch ist die Gefolgschaft unter den „Studierenden“ heute vergleichsweise äußerst gering.
Doch haben sich aus dem 68er Geist neue „außerparlamentarische“ Gruppierungen herausgebildet, die den Geist der Unfreiheit, der politischen Denunziation, des Terrors unter dem Signum des „antifaschistischen Kampfes“ repräsentieren. Was die „Antifa“, die „Autonomen“, die „Globalisierungsgegner“ von Attac, die „Interventionistische Linke“ am G20-Gipfel in Hamburg aufzogen, läßt die damaligen Straßenkrawalle in den Sechziger Jahren und folgende vergleichsweise harmlos aussehen. Es handelt sich bei der Antifa und weiteren aktiven Organisationen im „Kampf gegen Rechts“ inzwischen um öffentliche geförderte Strukturen aus Steuergeldern, wie unschwer zu belegen ist.

Wie anhand der Grünen und der SPD gezeigt wurde, sitzen und wirken äußerst stramme Linksideologen und/oder deren Zöglinge an entscheidenden Schalthebeln der Macht und in vielen Dingen ist erkennbar, dass sie unverändert einen Systemwechsel hin zum Kommunismus anstreben oder damit liebäugeln.
Dazu bedarf es keiner neuen linken Volkspartei, wie jetzt z.B. von Oskar Lafotaine gefordert wird.
Die CDU hat sich seit Jahren dem linken Zeitgeist ausgeliefert und ist nicht Willens und auch personell nicht mehr in der Lage, dagegen zu halten und beteiligt sich an der Aushöhlung der so oft beschworenen „freiheitlich-demokratischen Grundordnung“ und der Durchsetzung einer neuen Form des Faschismus mit Aushöhlung von Demokratie, Rechtsordnung und der Meinungs- und Gedankenfreiheit. „Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: ‹Ich bin der Faschismus›. Nein, er wird sagen: ‹Ich bin der Antifaschismus›.“ hat der italienische Schriftsteller Ignazio Silone (1900-1978) prophezeit.

Im Jahre 2018 darf ungestraft auf deutschen Straßen wieder „Juden ins Gas“ und „Juda verrecke“ gerufen werden. Auch hier ist eine Kontinuität von 1933 – 1968 – 2108 zu sehen. Wurde 1933 unverhohlen ein antisemitischer Rassismus herausgebrüllt, wurde 1968 unter der Firmierung des Antiimperialismus und Antizionismus zunächst subtiler der Judenfeindlichkeit nachgegangen. Die 68er Bewegung adoptierte gewissermaßen die Palästinenser und deren Terror.
Deutsche Sozialisten resp. RAF-Terroristen beteiligten sich in Entebbe bei einem palästinensischen Terrorakt an der Aussonderung von jüdischen Geiseln, um diese einer „Sonderbehandlung“ zuzuführen (Als Austauschobjekte für inhaftierte Terroristen weltweit).
Ulrike Meinhof glorifizierte einst ganz im Gestus rechtsradikaler antisemitischer Rhetorik, das palästinensische Terror-Kommando „Schwarzer September“ als „gleichzeitig antiimperialistisch, antifaschistisch und internationalistisch“. Auch Begriffe wie „Israels Nazifaschismus“ und die These, die israelische Regierung habe ihre Sportler „verheizt wie die Nazis die Juden“, gehörten 1972 zu Meinhofs publizierter antisemitischer Rhetorik.
Der RAF-Anwalt Horst Mahler mutierte vom „Linksextremisten“ hin zu einem der radikalsten Antisemiten unserer Tage.
Joschka Fischer nahm 1969 an einer Palästinenser-Konferenz in Algier teil, bei der eine Resolution verabschiedet wurde mit dem Aufruf zur Zerstörung Israels.

Der heutige bundesdeutsche Antisemitismus zählt zu den linken Traditionen. Er speist sich zum einen aus dem staatlich verordneten A. der DDR, der bei der Ostlinken zu einem anhaltend verkrampften Verhältnis zu Israel führte, und zum andern aus dem politischen A. der Westlinken, die Israel als verlängerten Arm der „imperialistischen Großmacht USA“ geißeln und die Palästinenser zu Märtyrern stilisieren.
Wenn es auch 2018 überwiegend zugewanderte Muslime sind, die ihren aggressiven Judenhass auf der Straße ausbreiten und Israelfahnen verbrennen, beteiligen sich doch regelmäßig Grüne, Linke, Jusos, „Antifa-Kämpfer“ usw. an den Demonstrationen. Und deren Repräsentanten in den Parlamenten oder politischen Ressorts bekunden nicht nur klammheimlich ihre Unterstützung für die geforderte neue Judenvernichtung.

„Links und Gewaltanwendung schließt sich gegenseitig aus!“ – behauptete Chef-Sozi Martin Schulz in einem ZDF-Interview.
Die Linken haben für sich die Moral und das Gute gepachtet. Im Gefühl der moralischen Überlegenheit nehmen sie für sich in Anspruch, es gehe allein darum, die Gesellschaft gerechter zu machen. Dahinter steht der Glaube, „links“ und die vage Vorstellung eines „Sozialismus“ als Fernziel seien positive Werte.
Die Linken haben nichts von dem Kampf gegen die „Bourgeoisie“ aufgegeben, nichts von dem Kampf gegen christliche Werte, Sittlichkeit, Marktwirtschaft und gegen die Familie. Darin befinden sie sich in der Tradition seit 1933 bis heute.
Der Nationalsozialismus sei nicht „links“ gewesen?
Die Geschichte, die Fakten lehren etwas anderes!
Wie sagte Joseph Goebels in den 30er Jahren: „Der Idee der NSDAP entsprechend sind wir die deutsche Linke. Nichts ist uns verhaßter als der rechtsstehende Bürgerblock.
»Rechts« dürfte im Verständnis der bundesdeutschen Linken (Linksfaschisten) das umfassen, was Hitler umschreiben wollte, als er bedauerte, es zum Schaden des Nationalsozialismus unterlassen zu haben, auch den »Schlag gegen rechts« zu führen, nämlich gegen das gesamte traditionelle deutsche Bürgertum, »Reaktion« genannt, die etablierten religiös-kirchlichen Strömungen und insbesondere die im NS-Regime letztlich aus Zeitgründen nicht überwundenen kapitalistischen Aspekte der deutschen Rechts- und Wirtschaftsmentalität.“ (Schüßlburner)

1933 – 1968 – 2018

Wie sagte Berthold Brecht, der Linke: „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch!“

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Günter Rohrmoser: Kampf um die Mitte: Der moderne Konservativismus nach dem Scheitern der Ideologien; München 1999

Götz Aly: Unser Kampf – 1968 – ein irritierter Blick zurück; Frankfurt a.M. 2008

Josef Schüßlburner: Roter, brauner und grüner Sozialismus – Bewältigung ideologischer Übergänge von SPD bis NSDAP und darüber hinaus; Grevenbroich 2008

Peter Helmes: Die blutigen Ikonen der Grünen – Terroristen, Kommunisten, Atheisten; Hamburg 2012