Prophetie, meine Meinung und der Froschkönig

Kurz vor dem Wochenende geben sie uns immer Meldung von ihrem Blick in die Glaskugel oder auf die Eingeweide eines Fisches: Die ARD mit dem „Deutschlandtrend“, das ZDF mit der „Sonntagsfrage“. Bis zu einer neuen „Sonntagsfrage“ müssen wir uns noch etwas gedulden, aber die ARD hat schon mal vorgelegt:

Rund drei Wochen nach Beginn der Jamaika-Sondierungen ist die bundesweite Zustimmung zu einem möglichen Bündnis von Union, FDP und Grünen stark gesunken. Nach dem aktuellen ARD-“Deutschlandtrend“ fänden derzeit nur noch 45 Prozent der Bürger eine Jamaika-Koalition gut oder sehr gut. Das sind zwölf Punkte weniger als bei der letzten Erhebung Anfang Oktober, wie der WDR am Donnerstag mitteilte.
52 Prozent bewerten ein solches Bündnis inzwischen als weniger gut beziehungsweise schlecht. Bei den Grünen-Anhängern sank die Zustimmung besonders stark von 76 auf jetzt nur noch 55 Prozent. Bei den FDP-Wählern ging sie von 80 auf 71 Prozent zurück, bei den Unions-Anhängern von 72 auf 70 Prozent.
Würde der Bundestag am Sonntag neu gewählt werden, würde die Union ihren schlechtesten Wert seit elf Jahren erreichen. Dennoch bliebe sie mit 30 Prozent vor der SPD mit 21 Prozent, gefolgt von der AfD mit 13, der FDP mit 12 und den Grünen mit 11 sowie den Linken mit 9 Prozent.
Bundeskanzlerin Angela Merkel büßte deutlich an Beliebtheit ein. Die CDU-Vorsitzende verlor sechs Punkte im Vergleich zum Vormonat, nur noch 57 Prozent der Deutschen zeigen sich zufrieden mit ihrer politischen Arbeit. CSU-Chef Horst Seehofer rutscht um acht Punkte auf 28 Prozent ab.

So kann man es heute auf allen Abwasserkanälen der „Qualitätspresse“ nachlesen.
„Volkes Stimme ist Gottes Stimme“ oder nur „Vox populi – Vox Rindvieh *“?
Was oder wem nützen solche Umfragen?
Geben sie den augenblicklich verhandelnden Personen Hinweise dahingehend, wie sie gemäß dem Wunsch ihrer Parteigänger oder gar der Wähler zu agieren hätten?
Die pfeifen auf diese Hinweise und ziehen ihr Ding durch, wie sie es sich vorgenommen haben – wissen wir.

Von „Vox Rindvieh“ mag man sprechen, wenn angeblich immer noch 57% der Deutschen mit der politischen Arbeit von Merkel einverstanden sein sollen. Hat nicht das ganz frische Bundestagswahlergebnis etwas anderes signalisiert? Und hat nicht Merkel auch gesagt, sie wüßte nicht, was sie anders machen soll?
Müsste sich der Seehofer nach seinen Umfragewerten nicht jetzt schon aufs Altenteil verabschieden und nur noch mit seiner Märklin-Eisenbahn spielen?

CDU 30%! Das muss man sich wie edlen Konfekt auf der Zunge zergehen lassen. Oder ist es doch eher bittere Arznei?
Die politische Landschaft in Deutschland ist fragmentiert wie noch nie zuvor! Das ist  das Einzige, das man aus diesen Umfragen herauslesen kann und darf. Wie sich das „Rindvieh“ Volk bei einer eventuellen Neuwahl entscheiden möchte, ist mit aktuellen, mehr oder minder „konstruierten“ Umfrageergebnissen noch nicht abgemacht.

Alice Weidel von der AfD ist nun mit einem „unmoralischen Angebot“ an die Öffentlichkeit getreten: „Eine von der AfD gestützte schwarz-gelbe Minderheitsregierung. Allerdings ohne Angela Merkel.“
Das mutet doch „charmant“ an.
Ist aber sicher unrealistisch, denn die Merkel will die grüngefärbte Bastard-Koalition, weil sie selbst „grün“ ist – so A. Weidel; und so wissen wir´s.
Die CDU wird ihre Matrone aus der Uckermark derzeit noch nicht fallen lassen und weder CDU/CSU noch FDP werden den blauen Frosch AfD küssen.
Da wird der treue, eiserne Heinrich (oder der AfD-Wähler) – wie im Märchen – noch lange warten müssen:

„Heinrich, der Wagen bricht!“
„Nein, Herr, der Wagen nicht,
Es ist ein Band von meinem Herzen,
Das da lag in großen Schmerzen,
Als Ihr in dem Brunnen saßt,
Als Ihr eine Fretsche wast.“

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* F.J. Strauß