„Wallraffing“ bei der AfD

Der Bergriff „Wallraffing“ kommt aus Schweden, womit man dort den Recherchestil des berühmt-berüchtigten Autors und Journalisten Günter Wallraff bezeichnet. Wallraff, „der sich meist mit anderer Identität in das unmittelbare Kernumfeld des Reportage-Ziels einschleuste“.

Just vor der Bundestagswahl wurde denn die AfD ebenfalls Beute des „Wallraffing“. Jedoch nicht durch den Erfinder der Methode selbst, sondern durch einen „Krimi-Autor“ namens Leif Tewes. Hinter diesem Pseudonym verbirgt sich jedoch ein IT-Unternehmer aus dem Rhein-Mein-Gebiet, der dort auch sein (Un)Wesen treibt.
Tewes will – wollte – mit sogenannten „Gegenlesungen“ aus seinem Roman den Wahlkampf der AfD in Hessen hintertreiben, schrieb die Frankfurter Rundschau.
Auf den Vorgang bin bei der Lektüre meiner Regional-Gazette gestoßen, in der emphatisch von so einer „Gegenlesung“ in der hiesigen Buchhandlung meines Mißtrauens berichtet wurde. (Eine Buchhandlung, die sich schon mal mit Zensurmaßnahmen gegenüber Sarrazin-Bücher nicht nur im Ort einen Namen gemacht hatte.)

Worum geht es? Der „Autor“ hatte sich mit einer falschen Identität in den AfD-Kreisverband Offenbach eingeschlichen und dort und im weiteren Umfeld ein Jahr lang „recherchiert“. Über seine Erfahrungen an einem AfD-Stammtisch berichtete er dann der Hessen-Pravda:
„Gruselig. In zweifacher Hinsicht. Erstens war es exakt so, wie ich es mir vorgestellt hatte: Der Raum, die Leute, alles. Und wenn man das dann sieht, so ein Hinterzimmer in einer gutbürgerlichen Gaststätte, schaut sich die Leute an, ganz normale Durchschnittsleute, und wenn die dann den Mund aufmachen – was man auf den Parteitagen zu hören bekommt ist ja schon geschliffen – dann wird es richtig gruselig.“
Der Partei-Kern bestehe aus Scharfmachern, meint er und besonders junge Leute in der AfD gehörten zu diesem „gruseligen“ Kern. Aus seinen „Erfahrungen“ strickte nun der taktische Defraudant einen Krimi – einen „Roman Noir“, wie er sagt – von dem es in einer Rezension heißt:
„Leif Tewes liefert zu aktuellen Themen ›Fake-News‹, ›Rechte Propaganda‹ und ›Islamistischer Terror‹ eine verschlungene Reise, die vom Rhein-Main-Gebiet über das Ruhrgebiet bis nach Syrien führt. Macht, Verführung und Lügen erweisen sich als elementare Zutaten eines Wahlkampfes, der sich durch die Medien und das Internet wie ein Lauffeuer verbreitet.“

Schon in einem früheren Krimi ging es dem Verfasser um Gier und Macht; ein Autor der von sich sagt „Ich glaube an das Schlechte im Menschen“.
Sinnigerweise werden seine Bücher denn von einem Verlag namens „Größenwahn“ herausgebracht.

Zur Ehre dieses literarischen Denunzianten mus man berichten, dass er sich noch vor der Wahl gegenüber „seinem“ AfD-Vorsitzenden geoutet hat. Der nahm das wohl recht gelassen und nüchtern auf. Zu recht, denn sehr erfolgreich war diese geplante Hintertreibungs-Aktion nicht, wie es auch die Ergebnisse vom Wahlsonntag aus dem Rhein-Main-Gebiet abbilden.

Print Friendly, PDF & Email

6 Gedanken zu „„Wallraffing“ bei der AfD

  1. Bei manchen Leuten fällt so was auf fruchtbarem Boden. Voraussetzung hierfür ist aber, dass der Boden auch aufnahmebereit ist, ansonsten verdorren diese Pflänzchen von heute auf morgen.
    Wir werden immer resistenter gegen Propaganda egal ob in Nachrichten oder als Unterhaltung verpackt. Resistenz und Renitenz, das ist die Parole.

  2. Pingback: Woanders gelesen: „Wallraffing“ bei der AfD | Deutsche Ecke

    • Sehr geehrter Her Tewes,
      Ihr Buch werde ich sicher noch lesen. Warum ich nicht zu einer Lesung bei der hiesigen Buchhandlung gehe (gekommen bin), ist meinem Beitrag unschwer zu entnehmen.
      Sie schreiben, dass sie mit bestimmten Vorstellungen die AfD-Treffen aufgesucht haben, welche sich denn auch erfüllt hätten. Was „gruselig“ anbetrifft, könnten wir uns gerne austauschen. Meinerseits mit den Erfahrungen nach einer 20-jährigen SPD-Mitgliedschaft mit Höhepunkten an Gruseligkeiten nach dem Zuzug aus Bayern hier in diese Region. Auch der hiesigen CDU konnte gelang danach auch meinen diesbezüglichen Erfahrungsschatz ausbauen. So halte ich meine „Gegenlesungen“ aufgrund literarischen Gering-Talentes nur hier auf diesem Blog.
      Mit Hochachtung
      G. Ebenhöh – alias „altmod“

  3. Schade, dass Sie nicht zur Lesung kamen. Da hätten wir drüber reden können. Schade, dass Sie das Buch nicht selbst gelesen haben sondern sich Ihr Urteil nur aus zweiter Hand zusammenbauen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.